Text-Bild-Ansicht Band 316

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Der obere Teil des Apparates bildet den vorbesprochenen elektrischen Regulator von Richardson (s. S. 376 d. Bd.). Der die zwei Eisenkerne cd verbindende Steg c1d1 trägt unter Zwischenschaltung eines uni den Zapfen k drehbaren Hebels gh das Ventil v. Am Punkte l des genannten Hebels wirkt der unter Kesseldruck stehende Kolben eines kleinen Cylinders n, während die andere Fläche des Kolbens dem Drucke der Atmosphäre oder auch der Spannung des Dampfes im Schieberkasten ausgesetzt ist.

Textabbildung Bd. 316, S. 747
Textabbildung Bd. 316, S. 747

Menges stellte sich im Jahre 1887 die Aufgabe, beim Ein- oder Ausschalten elektrischer Lampengruppen die Oeffnung des Dampfeinströmventils augenblicklich entsprechend verändern zu können. Diese Idee wurde im Jahre 1890 von Ledieu weiter vervollkommnet.

Wie Fig. 20 erkennen lässt, steht der Zentrifugalkraftregulator c durch einen Hebel d, eine zweiteilige vertikale Stange e und eine Kurbel f mit dem Einlassorgan in Verbindung.Der obere Teil der Stange e trägt einen Elektromagnet e1, der ein am unteren Teile befestigtes Eisenstück e2 anzieht. Dieser magnetischen Anziehung wirkt die Schraubenfeder e3 entgegen. Für gewöhnlich und so lange der den Elektromagnet umfliessende Strom konstant ist, wirkt der Zentrifugalregulator genau so, als wenn er mit dem Einlassorgan starr verbunden wäre. Letzteres wird in diesem Falle vom Regulator der jeweiligen Kesselspannung entsprechend eingestellt. Wird aber z.B. eine im Nebenschluss liegende Lampengruppe eingeschaltet, so fällt der Widerstand im Leitungsnetz; die einer gewissen Geschwindigkeit des Motors entsprechende Stromstärke steigt und der infolgedessen ebenfalls steigende Magnetismus des Elektromagneten zieht das Eisenstück e2 um einen weiteren Betrag an, womit auch der Durchgangsquerschnitt für den Arbeitsdampf eine Vergrösserung erfährt, ohne dass sich der Ausschlag der Regulatorkugeln hierbei ändert.

Textabbildung Bd. 316, S. 747

Der Motor wird zufolge der getroffenen Anordnung, unabhängig von dem jeweiligen elektrischen Kraft verbrauch, stets mit konstanter Geschwindigkeit arbeiten.

Das Glas und die Silikate1).

Unter sämtlichen chemischen Produkten nimmt das Glas unstreitig eine der hervorragendsten Stellungen ein, denn abgesehen von seiner Verwendung zu hauswirtschaftlichen Zwecken, Luxus- und Beleuchtungsgegenständen u.s.w., ist seine Verwendung zu Linsen für optische Apparate von der hervorragendsten Bedeutung für die Wissenschaft. Da das Glas von chemischen Agentien nicht angegriffen wird, ermöglicht es die Isolierung labiler Körper, deren Konservierung und die Erforschung ihrer Eigenschaften, durch das Glas ist die Zersetzung des Lichtes in seine Bestandteile, die Herstellung der durchkreuzten Farben und die Spektralanalyse ermöglicht worden; kurz, die Physiker, Chemiker, Astronomen und Naturforscher verdanken demselben ihre Entdeckungen.

Ungeachtet dessen scheint es, dass ein ausgiebiges Studium des Glases und der Silikate von den Gelehrten versäumt worden ist, wenigstens sind sehr wenig Abhandlungen über diesen Gegenstand bekannt und von diesen ist in keiner einzigen eine vollkommene Geschichte seiner Entdeckung enthalten. Sonderbar ist es auch, dass die Art der Herstellung des Glases mit der in den ältesten Zeiten fast dieselbe geblieben ist und dass dieselben Angaben hierüber sowohl in den neuesten Schriften, wie indenen vor hundert und mehr Jahren enthalten sind. Nur über die Silikate selbst finden wir wirkliche Entdeckungen und neue industrielle Verwendung derselben.

Nach Plinius ist, wie bekannt, die Erfindung des Glases einem Zufall durch phönizische Kaufleute zuzuschreiben, was hier nicht wiederholt zu werden braucht, welche Angabe jedoch nicht auf Wahrheit beruhen kann, da bei diesem bekannten Vorfall, welcher zur Erfindung des Glases geführt haben soll, es nicht möglich war, eine Hitze von mindestens 1200° zu erzeugen, welche zur Verbindung von Sand und Natron erforderlich ist.

Es muss daher ein anderer, mehr auf wissenschaftlicher Grundlage beruhender Vorfall angenommen werden. In der von Plinius angegebenen Zeit war schon lange die Fabrikation von Töpferwaren und das Ausscheiden von Metallen aus den hierzu verwendeten Mineralien bekannt, wozu Oefen benutzt wurden, welche bedeutende Hitzegrade aushalten konnten; hierbei kann es leicht vorgekommen sein, dass ein intelligenter Arbeiter die Entdeckung gemacht hat. Ungeachtet dessen kann Plinius, welcher die Entdeckung den Phöniziern zuschreibt, Recht behalten, da die letzteren dieselbe am besten infolge des Vorhandenseins in ihrem Lande von Sand, Natron und nötigem geeigneten Brennstoff hierzu in der Lage waren. Obwohl in dem Alten Testament von der Glasindustrie keine Rede ist, so ist wohl anzunehmen, dass die Aegypter Glassachen

1)

Nach La Nature.