Text-Bild-Ansicht Band 316

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entsprechen würde; ist es doch bekannt, dass die Licht absorbierende Eigenschaft des Silbers sehr schwach ist, obwohl das Zurückstrahlungsvermögen bedeutend ist.

Bearbeitung des Glases in Laboratorien. Wir besprechen das Verfahren der Laboratorien in zweiter Reihe und zwar einzig dasjenige, was den Schülern gelehrt wird. Die Chemiker (und auch Physiker) können in zwei Gruppen geteilt werden und zwar in solche, welche ihre Instrumente kaufen, und solche, welche sie anfertigen. Die ersteren sind bedeutend zahlreicher als die letzteren, jedoch ungünstiger gestellt, da es oft sehr unangenehm ist, von einem Fabrikanten für einen angemessenen Preis nicht einen zu einem bestimmten Zwecke bestimmten Gegenstand erhalten zu können.

Die ersten zu chemischen Präparaten erforderlichen Gegenstände sind im allgemeinen Röhren aus weissem, leicht schmelzbaren Glas von geringem Durchmesser; zum Erwärmen benutzt man ein Blasewerk oder einfach einen Bunsen-Brenner mit oxydierender Flamme.

Zum Biegen oder Drehen der Röhren bedeckt man den Brenner mit einer Kappe, wodurch die runde Oeffnung in einen Schlitz verwandelt wird, dessen Seiten parallel sein müssen, so dass die Heizkraft an jeder Stelle die gleiche ist; man erwärmt hierauf die Röhre, bis man eine gelbe Natriumflamme erhält und nach Weichwerden biegt man die Röhre mit einem leichten Druck. Bei guter Ausführung soll der innere Durchmesser derselbe bleiben.

Zur Herstellung eines Ballons benutzt man eine Röhre von 2 bis 4 cm Durchmesser, verschliesst dieselbe an einem Ende mittels eines Lötrohres, erweicht das geschlossene Ende und bläst langsam. Wird der Widerstand zu gross, so erhitzt man die bereits erhaltene Kugel von neuem und fährt mit dem Blasen fort. Nach fünf- oder sechsmaliger Wiederholung erhält man eine Kugel von gleichmässiger Dicke.

Zum Schneiden einer Röhre bedient man sich nie eines Diamanten. Ist der Durchmesser gering (z.B. 0,1 bis 0,5 cm), so genügt ein Strich mit der Feile und nachher ein Biegen nach innen von jeder Seite, indem man die Hände der betreffenden Stelle möglichst nähert. Bei grösseren Durchmessern, oder wenn das Glas sehr dick ist, wird ebenfalls ein Strich mit der Feile gemacht, nachher leicht erwärmt und der Strich mit einem weissglühenden Stück Glas berührt, wodurch derselbe erweitert wird; durch einen gelinden Druck erfolgt nachher die Abtrennung der beiden Teile. Wird die Berührung mit dem erhitzten Glasstück an jeder Endstelle des entstandenen Risses fortgesetzt, so kann man leicht eine spiralförmige Röhre herstellen.

Es könnten noch viele Beispiele zur Herstellung derartiger Geräte angeführt werden, wir beschränken uns jedoch auf das Verfahren, dünnes Glas von geringer Grösse zu schneiden. Hierzu bringt man das Glas vollkommen unter Wasser und schneidet es mit einer Schere, indem man einen sehr stumpfen Winkel innehält und darauf achtet, dass das Glas nicht unter dem Wasser hervorkommt.Zum Verständnis dieses Verfahrens sei daran erinnert, dass das Wasser, als dichteres Verbindungsmittel als die Luft, die Schwingungen, das Zittern des Glases besser verhindert.

Aus interessanten statistischen Nachweisen ist zu ersehen, dass die Glasfabrikation in Frankreich stetig zunimmt, wovon besonders die hervorragende Ausstellung der Glasindustrie vom Jahre 1900 und die immer weiteren Umfang erreichende Verbreitung französischer Glasprodukte den besten Beweis liefern. Die böhmische ist zwar anerkannter Weise hervorragend, jedoch sind ihre Produkte wenig verbreitet. Italien beschränkt sich nur auf die Herstellung von Luxusgläsern, farbigen Gläsern und Spiegelverzierungen, während Frankreich alle diese Zweige kultiviert und seit ungefähr 1820 sich von dem Auslande vollkommen unabhängig gemacht hat.

Nicht gefärbte Glasarten, doppelte Silikate von Kalium und Blei, welche fast ausschliesslich zu Trinkgläsern verwendet werden, und des weiteren Flintglas, welches speziell für optische Instrumente bestimmt ist, sind zwei Glasabarten, welche fast ausschliesslich englischen Fabriken entstammen. Nach Dumas beruht die Erfindung derselben auf einer natürlichen und notwendigen Folgerung des Gebrauches von Oel, welches in früherer Zeit in Grossbritannien ganz bedeutend war. Die Vervollkommnung der modernen Oefen zog die Fabrikation des englischen Krystallglases nach sich und zwar infolge der Ausbeutung der Sandlager von Aumont, Longjumeau und Fontainebleau und mehrerer anderen. Als erster stellte in Frankreich Guinant Flintglas her und kam gegen 1820 auf die Herstellung von Linsen von bis dahin nicht dagewesener Grösse (12 Zoll), wovon er dem berühmten Frauenhofer, dem Entdecker der Zentralanalyse, Mitteilung machte. Guinant kannte die Art der Herstellung von seinem Vater und gründete hierauf die Fabrikation von Flintglas, welche zur Zeit in Frankreich sich bedeutend entwickelt und zu grossen Fortschritten in der Astronomie geführt hat.

Im Jahre 1880 waren die hervorragendsten Mittelpunkte der Fabrikation von farblosem Glas in Frankreich die Departements du Nord, de l'Aisne, de la Seine, de Meurthe-et-Moselle, du Rhône und de la Loire (Rive-de-Gier). Nach einem industriellen Bericht von 18812) gab es in Frankreich 169 Anstalten für Glas- und Krystallfabrikation, in denen 24943 Arbeiter beschäftigt wurden. Der Wert (Fabrikpreis) betrug in einem Jahre 89262760 Frs. Im Departement de la Seine sind 2687 Arbeiter in 27 Fabrikanlagen beschäftigt, welche jährlich für 17280000 Frs. Waren herstellen. Die plötzliche und wahrscheinlich anhaltende Steigerung der Kohlenpreise hat auch seit 1899 zur Steigerung der Preise in der Glasfabrikation beigetragen.

In einem späteren Aufsatze kommen wir zur Analyse des Glases, Zusammenstellung des Krystalles, Flaschenglas, Flintglas u.s.w. bis zur Herstellung von Strass (falsche Diamanten) und Emaille.

Kleinere Mitteilungen.

Mögliche Betriebsgefährdungen durch die Streckenblockung.

Bei allen Vorzügen, welche die Streckenblockung Siemens und Halske zwei- oder vierfeldriger Form gegenüber der freien Signalbedienung und dem Zugmeldeverfahren mittels des Morse-Schreibers darbietet, birgt die Streckenblockung durch die Möglichkeit, einen Zug unbeabsichtigt und unerlaubt zurückmelden zu können, eine grosse Betriebsgefahr in sich durch einen Umstand, dem bislang noch keine Beachtung geschenkt worden ist.

Bei allen Blockstationen, bei denen die Blocktasten ohne die Mitwirkung des Zuges bedient werden können, besteht die Gefahr, dass, wenn für beide Geleise ein Zug vorgemeldet und danach für beide Züge das Fahrsignal gestellt worden ist, der Wärter aus Unachtsamkeit nach erfolgter Vorüberfahrteines Zuges das nicht zutreffende Signal auf Halt stellt und gewohnheitsgemäss nun auch gleich blockiert, er meldet die Strecke also frei, obwohl der hierfür gültige Zug sich noch in der Blockstrecke befindet.

Auf Strecken mit dichter Zugfolge tritt nun sofort die Gefahr ein, dass ein nachfolgender Zug auf den vor der Blockstation zum Halten gekommenen Zug auffährt.

Die Mehrzahl aller bis jetzt im Betriebe befindlichen Streckenblocklinien sind nicht für die Mitwirkung des Zuges, also mit Schienenkontakten und elektrischen Blocktastensperren ausgerüstet, welche zusammen einschliesslich der Anwendung isolierter Schienenstrecken derart wirken, dass ein zutreffendes Streckenblockfeld und somit die Blocktaste nicht eher bedient werden kann, als bis die letzte Zugachse die Blockstrecke verlassen hat. Damit diese Einrichtung keine Wirkung ausübt bei

2)

Die jetzigen Ziffern stellen sich bedeutend höher.