Text-Bild-Ansicht Band 316

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schien es, einen hinreichend empfindlichen Dedektor für die elektrischen Wellen zu finden. Wenn nun auch Prof. Temistocle Calzechi-Onesti bereits im Jahre 1884 die Entdeckung gemacht hat, dass metallische Feilspäne unter der Einwirkung elektrischer Ströme gut leitend werden, so blieb diese Entdeckung unbeachtet, und gelang es erst Branly im Jahre 1890 die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese hochwichtige Thatsache zu lenken. Doch erst Marconi war es vorbehalten, eine Anordnung zu schaffen, welche der Telegraphie im Raume unter Verwertung der Hertz'schen Wellen eine grosse Aussicht eröffnete. Es wäre aber verfehlt, Marconi als den eigentlichen Pfadfinder auf dem Gebiete der Wellentelegraphie zu bezeichnen, da bereits im Jahre 1877 Prof. Hughes auf Grund zufälliger Beobachtungen zu eingehenden Versuchen angeregt wurde, welche die Möglichkeit ergaben, Mitteilungen durch den Raum ohne Anwendung eines künstlichen Leiters zu verpflanzen. Die eigenartigen Erscheinungen, welche hierbei zu Tage traten, liessen Hughes, welcher ein sehr scharfer Beobachter war, schon damals der Vermutung Raum geben, dass hier die von Maxwell bereits vorgeahnten, bisher aber nicht experimentell nachgewiesenen elektrischen Wellen die vermittelnde Rolle spielen. Hervorragende englische Fachgelehrte, welchen er von den Ergebnissen seiner Experimente Mitteilung machte, waren jedoch der Ansicht, dass sich diese Erscheinungen ebensogut als Wirkungen der elektromagnetischen Induktion erklären lassen. Hierdurch entmutigt, unterliess er es, die einmal angebahnten Versuche weiter zu verfolgen. Nach der erst in der neuesten Zeit erfolgten Veröffentlichung des von Hughes beobachteten Vorgehens steht es jedoch ausser allem Zweifel, dass Hughes das Richtige vorgeahnt hat, und die von ihm konstatierte Uebertragung von Zeichen durch den Raum, welche sich auf eine Entfernung von über 500 m erstreckte, nur durch die von einer Funkenstrecke ausgehenden elektrischen Wellen sich erklären lässt.

Wenn nun auch der russische Professor A. Popoff schon im Jahre 1895 eine mit der Marconi'schen sich vollkommen deckende Einrichtung geschaffen hat, welche dazu diente, elektrische Störungen in der Atmosphäre nachzuweisen, so ist es doch das unleugbare Verdienst Marconi's, welcher von den Arbeiten Hughes' und Popoff's keine Kenntnis hatte, nicht nur die erste Anregung zur Zeichenübertragung durch den Raum unter Verwertung elektrischer Wellen gegeben, sondern auch die erste brauchbare Einrichtung zu dieser Art der Nachrichtenvermittelung geschaffen zu haben und sich um die Verbesserung und Vervollkommnung derselben noch weiter zu bemühen.

Dass nun die allgemeines Aufsehen erregenden Versuche Marconi's allseitiges Interesse weckten und Anregung zu weiterem Forschen gaben, ist bei der grossen Wichtigkeit des in Rede stehenden Gegenstandes um so begreiflicher, als ja Marconi selbst noch nichts Vollkommenes geschaffen hatte, und auch die Theorie dieser Erscheinungen noch viel zu wenig geklärt war, um ein klares Bild über die bei der drahtlosen Telegraphie sich abspielenden Vorgänge zu gewinnen.

Ebenso wie die Experimente von Hertz, Righi, Branly und Lodge die Anregung für Marconi zu seinen epochemachenden Versuchen gaben, ebenso wirkten dieselben wieder befruchtend auf die weiteren Forschungen in dieser Richtung ein, und man darf wohl sagen, dass die vielseitigen Bemühungen der verschiedenen Gelehrten erst ein richtiges Bild über die sich bei der Wellenbewegung der Elektrizität im Raume abspielenden Vorgänge gewinnen liessen.

Sollen hierbei Namen genannt werden, so darf des hervorragenden Anteiles, welchen Lodge, Blondel, Tissot, Slaby, Tomasina, Guarnerini und viele andere an der Entwickelung der Theorie und der praktischen Ausgestaltung der Einrichtungen für die drahtlose Telegraphie haben, nicht vergessen werden.

In neuerer Zeit erregte die Anordnung des Professors Dr. Ferdinand Braun in Strassburg die allgemeine Aufmerksamkeit der an dieser wichtigen Frage interessierten Kreise, indem die zwischen den vier Feuerschiffen „Elbe IV“ bis „Elbe I“ und der Seezeichenstation Kugelbake mit diesem System der drahtlosen Telegraphie durchgeführtenVersuche, welche späterhin auf die 63 km lange Strecke Helgoland-Kugelbake ausgedehnt wurden, trotz vieler sich entgegenstemmenden Hindernisse ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis aufwiesen, und sich die Zeichenübertragung als vollkommen zuverlässlich erwies, während Vergleichsversuche nach dem Marconi-System trotz bedeutend höherer Auffangmaste auf die grösseren Entfernungen weniger zufriedenstellende Resultate ergeben haben sollen.

Die Neuerung erstreckt sich hierbei hauptsächlich auf den Sender, welcher gegenüber dem von Marconi angewendeten Sender einige wesentliche Abweichungen zeigt.

Um diesen Unterschied klarzulegen, sei der Marconi-Sender in seiner einfachsten, das Prinzip desselben in klarer Weise darstellenden Form zur Vorführung gebracht (Fig. 1). In derselben stellt i den Induktor, f eine Hertz'sche Funkenstrecke und a die das Charakteristikon der Marconi'schen Erfindung bildende Auffangstange dar, während e, die Ableitung der Funkenstrecke zur Erde, ebenfalls einen wichtigen Punkt dieser Erfindung bedeutet.

Textabbildung Bd. 316, S. 790

Die von einem derartigen Sender ausgehenden elektrischen Wellen verpflanzen sich, von der Funkenstrecke ausgehend, durch die senkrechte nach aufwärts strebende Stange in den Raum und werden auf um so grössere Entfernungen wirksam, je höher diese Stange ist. Man sollte nun glauben, dass sich die Fernwirkung der elektrischen Wellen vervielfachen könnte, wenn man nur die Kraft des Gebers entsprechend oder, was dasselbe besagen will, die Funkenlänge entsprechend vergrössert. Wie jedoch bereits Hertz nachgewiesen und schon früher Hughes ganz richtig beobachtet hat, soll der Funke, um eine gewisse Wirksamkeit zu erlangen, eine bestimmte Länge nicht überschreiten, da er sonst weniger aktiv wird, d.h. nicht mehr in gleich guter Weise elektrische Wellen erzeugt.

Ueber die Ursache dieser Erscheinung lässt sich nur mutmassen, dass der Widerstand der Funkenstrecke die Schwingungen dämpft und sich die Energie auf der Funkenbahn in Wärme umsetzt.

Dieser Umstand ist es, welcher der Marconi'schen Geberanordnung bestimmte Grenzen setzt, indem auch eine Vergrösserung der Oberfläche des Senders durch angehängte Metallflächen oder Drahtnetze wenig nutzt und nur eine Verlängerung der Senderhöhe die Zeichenvermittelung auf grössere Entfernungen ermöglicht.

Doch auch hier ist man an bestimmte Grenzen gebunden, da sich der Erhöhung der Senderstange ganz bedeutende Schwierigkeiten entgegensetzen und eine Höhe von etwa 100 m als die Grenze des Erreichbaren anzusehen ist. Hierzu gesellen sich aber noch andere Uebelstände, indem die Ladungen des Gebers gefährlich werden können, und derselbe ausserdem eine ausserordentlich gute Isolation erfordert. Wird dieselbe einmal mangelhaft, wie dies durch Berührung der Senderstange mit einem nassen Gegenstande oder durch Nebel leicht eintreten kann, so entsteht überhaupt keine Ladung oder in so geringem Masse, dass der Geber seinen Dienst versagt. Als weiterer Nachteil dieses Senders ist der Umstand anzusehen, dass die Schwingungen sehr stark gedämpft werden, was teils durch den Funken selbst, teils durch den Widerstand des Oscillators, hauptsächlich aber dadurch bedingt wird, dass die Schwingungen ihre Energie in den umgebenden Raum abgeben. Nun ist aber gerade diese letztere Dämpfungsursache bei der gewählten Anordnung unvermeidlich, da dieselbe ja die Bedingung für die gewünschte Fernwirkung bildet.

Durch diese Dämpfung wird aber die Zeitdauer der Schwingungen wesentlich abgekürzt und deren Aussenwirkung stark beeinträchtigt, ausserdem aber eignen sich derartige schnell vergehende Schwingungen nicht zur Abstimmung eines Empfängers auf einen Sender, indem sich hierfür die Bedingung ergibt, dass die erregende Schwingung durch längere Zeit mit nahezu gleicher Intensität anhält, weil nur dann die Steigerung der Amplitude durch die Resonanz im Empfänger zur Geltung gelangen kann.