Text-Bild-Ansicht Band 316

Bild:
<< vorherige Seite

Einer weiteren Erklärung dieser Thatsache bedarf es wohl kaum, da dieselbe aus dem Gebiete der Akustik längst bekannt und sowohl theoretisch als experimentell nachgewiesen ist. Da man es nun bei der drahtlosen Telegraphie dieser Art erwiesenermassen mit elektrischen Wellen zu thun hat, und jede Wellenbewegung ohne Rücksicht auf die Wellenlänge und die Anzahl der Schwingungen bezogen auf die Zeiteinheit den gleichen Gesetzen folgt, so bedarf es kaum einer weiteren Begründung dieser Thatsache.

Aus den akustischen Erscheinungen leitet sich nun der Erfahrungssatz ab, dass „schwach gedämpfte Senderschwingungen die Grundbedingung für eine gut ausgesprochene Empfängerabstimmung sind“.

Die Erkenntnis dieser Thatsachen führte zu den in Rede stehenden Versuchen und Ausführungen.

Die ersten Versuche hatten jedoch nicht die Verbesserung der Sendereinrichtungen zum Zwecke der Wellenübertragung durch den Raum zum Ziele, sondern strebten eine Uebertragung der elektrischen Wellen durch das Wasser oder eine sogen. Hydrotelegraphie an.

Es wurde hierbei von folgender Erwägung ausgegangen: Leitet man in ein Wasser einen konstanten oder einen langsam wechselnden oder zerhackten Gleichstrom, so werden sich die Stromlinien wie bei den Versuchen von Bathenau und Strecker nach allen Richtungen der Wassermasse gleichmässig verbreiten.

Anders gestalten sich jedoch die Verhältnisse, wenn statt konstanter oder langsam wechselnder Ströme sehr schnell wechselnde Ströme oder solche von hoher Frequenz, wie beispielsweise die Tesla-Ströme, verwendet werden, da bekanntlich bei solchen Strömen die Fortpflanzung der Elektrizität und zwar um so mehr an der Oberfläche des Leiters erfolgt, je grösser die Frequenz des in denselben eingeleiteten Stromes ist. Bei noch schnelleren Schwingungen, wie solche durch die Entladung von Leydener Flaschen entstehen, oder gar bei Anwendung von Hertzschen Wellen wird die Stromfortleitung nur in einer sehr dünnen Oberflächenschicht des betreffenden Leiters erfolgen, wobei diese Schicht um so dünner sein wird, je besser der als Leiter verwendete Stoff die Elektrizität leitet, in welchem Falle die Welle sozusagen nur über die Oberfläche desselben hinweggleitet.

Als Ursache dieser Erscheinung wird die Induktionswirkung, welche die einzelnen Leiterteile aufeinander ausüben, bezeichnet.

Textabbildung Bd. 316, S. 791
Textabbildung Bd. 316, S. 791

Bisher wurde diese Erscheinung nur für cylindrische Leiter experimentell nachgewiesen, doch war anzunehmen, dass die Stromverteilung und Verpflanzung sehr schneller Schwingungen auf flächenförmigen und körperlichen Leitern in ganz derselben Weise erfolgen wird, und daher anzunehmen ist, dass die ganze Strömung wesentlich an der Oberfläche bleibt und sich sohin im Gegensatze zum Verhalten von konstanten Strömen starke Stromlinien in weiten Bogen aus der direkten Verbindungslinie herausdrängen werden. Dies ist auch für verhältnismässig schlechte Leiter, wie Fluss- und Seewasser, vorauszusehen und dürften als praktisch in Betracht kommende Oberflächenschichten etwa 1 bis 2 m Tiefe in Betracht kommen.

Sofern sich diese Vermutung bestätigt, so lässt sich nach der Ansicht Braun's eine drahtlose Telegraphie durch das Wasser hindurch aufbauen, wobei nur eine zusammenhängende Wassermasse Bedingung ist und Landzungen, Berge und bewachsenes Terrain kein Hindernis abgeben können. Die hierbei in erster Linie zu lösende Aufgabe war, schnelle elektrische Oscillationen dem Wasser zuzuführen.Hierfür wurde sich der in Fig. 2 bis 8 dargestellten Vorrichtungen bedient. Bei der in Fig. 2 dargestellten Anordnung, bei welcher i das Induktorium bezeichnet, tritt durch den überspringenden Funken eine plötzliche Ladung des Drahtes auf, wodurch sich die von der Kugel ausgehende Erregung durch den Draht bis zur Wasserfläche fortpflanzt und teilweise in die Wasserfläche übertritt. Dadurch jedoch, dass das Wasser eine grosse Dielektrizitätskonstante besitzt, wird diese Ladung auch teilweise reflektiert, wodurch sich sowohl in den Drähten als auch in der Wasserstrecke elektrische Schwingungen ausbilden. Bei den Anordnungen, wie solche in den Fig. 3 bis 8 dargestellt sind, gelangen überall Kondensatoren, mit c bezeichnet, zur Anwendung und werden auch teilweise Selbstinduktionsspulen s zwischengeschaltet. Als eine der wirksamsten Anordnungen wurde die in Fig. 7 dargestellte befunden. Als Kondensatoren kamen zwei Leydener Flaschen von je etwa 2900 cm Kapazität und als Induktionsspulen Spiralen von 10 bis 100 und mehr Windungen Kupferdraht zur Anwendung.

Textabbildung Bd. 316, S. 791
Textabbildung Bd. 316, S. 791
Textabbildung Bd. 316, S. 791
Textabbildung Bd. 316, S. 791
Textabbildung Bd. 316, S. 791

An der Auffangstelle wurden die in den Fig. 9 und 10 dargestellten Schaltungen verwendet, in welchen k den Kohärer, e ein Element, s den Stromanzeiger und c einen Kondensator bezeichnet.

Textabbildung Bd. 316, S. 791
Textabbildung Bd. 316, S. 791

Mit diesen Anordnungen wurden vorerst Versuche in den alten mit Wasser gefüllten Festungsgräben der Stadt Strassburg, sodann längs des Rheines und späterhin auch bei Cuxhaven im Meere durchgeführt, und gelang es bei diesen Versuchen, trotzdem für dieselben nur ein Induktor von 10 cm Schlagweite zur Verfügung stand, nicht nur bis zu 3 km Entfernung zu überbrücken, sondern auch den positiven Nachweis zu liefern, dass die Wirkung nicht durch die Luft übertragen wurde, dass es ferner keine Uebertragung im Sinne der Induktionswirkung war, sohin die aus der anfänglichen Erwägung gezogenen Schlussfolgerungen sich wenigstens qualitativ als richtig erwiesen.

Der Nachweis für die direkte Fortleitung der Wellenimpulse im Wasser wurde durch die Versuche in den bereits erwähnten Festungsgräben erbracht. Dieselben hatten