Text-Bild-Ansicht Band 318

Bild:
<< vorherige Seite

DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

84. Jahrg., Bd. 318, Heft 3. Berlin, 17. Januar 1903.

Textabbildung Bd. 318, Hefttitelillustration

Jährlich 52 Hefte in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich 6 Mark (Postzeitungsliste No. 2193), direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mitteilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechn. Journal“ in Charlottenburg, Technische Hochschule, die Expedition betreffende Schreiben an Richard Dietze, Verlagsbuchhandlung in Berlin W. 9, Köthener Strasse 44.Preise für Anzeigen: 1 mm Höhe 1 spaltig (48 mm Breite): 10 Pf., 2 spaltig (96 mm Breite): 20 Pf., 3 spaltig (144 mm Breite): 30 Pf., 4 spaltig (192 mm Breite): 40 Pf. Bei 6, 13, 26, 52 maliger Wiederholung 10, 20, 30, 40 Prozent Rabatt. Beilagen bis 20 Gramm 30 Mark netto. – Anzeigen und Beilagen nehmen an die Verlagshandlung Berlin W. 9, Köthener Strasse 44 und sämtliche Annoncen-Expeditionen.

Wert und Bestimmung des Kohlensäuregehaltes der Heizgase.

Von A. Dosch, Köln.

(Fortsetzung von Seite 29 d. Bd.)

VI. Apparate zur Bestimmung der Kohlensäure.

a) Allgemeines.

Für die Untersuchung der Rauchgase auf ihre Zusammensetzung müssen während der Zeit, während welcher die Güte der Feuerungsanlage ermittelt werden soll, Proben der Verbrennungsprodukte entnommen werden. Zu diesem Zwecke führt man durch die Umgrenzungsmauern der Feuerzüge an denjenigen Stellen, an welchen die Ermittelung stattfinden soll, Rohre aus Glas, Porzellan oder Eisen, welch letzteres jedoch weniger zu empfehlen ist, bis in das Innere der Rauchgaskanäle. Im allgemeinen lässt man die Rohrenden nach innen etwas vorstehen, doch ist dies, wenn die Entnahmestelle sehr nahe dem Feuer, etwa im ersten Zuge liegt, nicht zu empfehlen. Bei einer so hohen Temperatur, wie sie hier unter Umständen herrscht, ist es nicht ausgeschlossen, dass das ins Innere ragende Rohrende und mit ihm der in demselben abgelagerte Russ glühend wird, wodurch die Zusammensetzung der Rauchgase in der Art beeinflusst werden kann, dass sich Kohlenoxyd bildet. Hierdurch wird die durch das Rohr passierende Rauchgasmenge eine andere Zusammensetzung zeigen, als diejenige der wirklichen Verbrennungsgase. Es ist daher für solche Fälle besser, das Entnahmerohr, welches selbstverständlich sorgfältig in das Mauerwerk einzudichten ist und für Reinigung leicht zugängig sein muss, mit dem Mauerwerk innen bündig abschneiden zu lassen.

Es kann nun nicht gleichgiltig sein, an welcher Stelle man die Rauchgase entnimmt, da dieselben beispielsweise unmittelbar hinter dem Rost im allgemeinen eine andere Zusammensetzung aufweisen werden, als im Fuchs. Insbesondere wird dies bei solchen Anlagen zutreffend sein, bei welchen die Umschliessungswände der Feuerzüge ganz oder teilweise durch Mauerwerk gebildet werden, dessen Fugen wohl nicht immer so sorgfältig ausgeführt werden, dass sie für Luft undurchlässig sind. Hat man daher die Verbrennungsprodukte an zwei solchen von einander entfernt liegenden Entnahmestellen untersucht, so lässt sich aus den Resultaten beurteilen, wieviel atmosphärische Luft (falsche Luft) auf dem Wege von der einen zur anderen Stelle in die Heizgase übergetreten ist und es lässt sich hieraus der Wärmeverlust1) berechnen, welcher durch Eintritt der falschen, nicht zur Verbrennung erforderlich gewesenen Luft herbeigeführt wurde; ferner ist man in der Lage aus dem Kohlensäuregehalte direkt hinter dem Feuer, wo also die Verbrennung eben beendet ist, den Luftüberschuss bei dieser selbst, festzustellen.

Bezeichnet z.B. Kv' den Kohlensäuregehalt an der Entnahmestelle I, Kv'' denjenigen an der Entnahmestelle II, so würden die entsprechenden Wärmeverluste durch die Abgase angenähert sein

wenn T' resp. T'' diejenige Temperaturdifferenz darstellt, welche entstanden wäre, wenn die Gase auch beim Verlassen des Kessels den an den Stellen I oder II ermittelten Kohlensäuregehalt aufgewiesen und sich nicht infolge von zuströmender kalter Luft, sondern nur infolge der Wärmeabgabe an den Kesselinhalt auf diese Temperatur abgekühlt hätten. Lag die Entnahmestelle am Ende des Kessels, so stellt die Grösse von Qv'' den Wärmeverlust durch die Abgase und die Temperatur T'' die Abgastemperatur dar.

Der wahrscheinliche Wert der Temperatur T' würde, wenn keine Abkühlung durch hinzutretende kalte Luft eingetreten wäre, grösser ausgefallen sein, als die ermittelte Abgastemperatur T. Die rechnerische Ermittelung derselben dürfte wohl von untergeordneter Bedeutung sein und ist daher hier davon abgesehen. Roh angenähert würde man T' gleich der Abgastemperatur T setzen können, so dass man also erhält:

demnach beträgt der Wärmeverlust, welcher durch hinzutretende falsche Luft entstanden ist, angenähert

Würde z.B. ermittelt: Kv' = 13%, Kv''= 8% (am Ende des Kessels), sowie T – t.= 250%, so würde sein

qvf = ∞ 7,9% des Heizwertes.

Man sieht hieraus, welch grosser Wert auf eine gute Einmauerung der Dampfkessel zu legen ist.

Die Entnahme der Verbrennungsprodukte kann nun entweder kontinuierlich oder zeitweise geschehen und hiernach unterscheidet man die Apparate in solche, welche den Kohlensäuregehalt fortlaufend und in solche, welche denselben nur nach jedesmaliger Füllung.in gewissen Zeitabschnitten festzustellen gestatten.

Die ersteren gründen sich auf die Gewichtszunahme der Volumeneinheit durch die entstehen de Kohlen säure, die letzteren auf die Absorption der Kohlensäure oder anderer Gasarten durch bestimmte Absorptionsmittel.

1)

In Prozent des Heizwertes.