Text-Bild-Ansicht Band 318

Bild:
<< vorherige Seite

DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

84. Jahrg., Bd. 318, Heft 11. Berlin, 14. März 1903.

Textabbildung Bd. 318, Hefttitelillustration

Jährlich 52 Hefte in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich 6 Mark (Postzeitungsliste No. 2193), direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mitteilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechn. Journal“ in Charlottenburg, Technische Hochschule, die Expedition betreffende Schreiben an Richard Dietze, Verlagsbuchhandlung in Berlin W. 9, Köthener Strasse 44.Preise für Anzeigen: 1 mm Höhe 1 spaltig (48 mm Breite): 10 Pf., 2 spaltig (96 mm Breite): 20 Pf., 3 spaltig (144 mm Breite): 30 Pf., 4 spaltig (192 mm Breite): 40 Pf. Bei 6, 13, 26, 52 maliger Wiederholung 10, 20, 30, 40 Prozent Rabatt. Beilagen bis 20 Gramm 30 Mark netto. – Anzeigen und Beilagen nehmen an die Verlagshandlung Berlin W. 9, Köthener Strasse 44 und sämtliche Annoncen-Expeditionen.

Eine aussergewöhnliche Dampfmaschine.

Im Hafen von Buenos-Aires wurde im vergangenen Jahre eine der grössten Mühlen der Welt, die Mühle „Rio de la Plata“, für eine tägliche Weizenverarbeitung von 200000 kg hergestellt. Der Bau wurde begonnen am 8. April 1902. Die Mühle kam am 17. September desselben Jahres in Gang, erforderte also nur eine etwas mehr als fünfmonatliche Bauzeit.

Zum Betrieb dieser Mühle dient die in Abbildung dargestellte Dampfmaschine. Es ist eine Dreifachexpansionsmaschine mit 1200 mm Kolbenhub und Zylinderweiten von 425, 675 und 1040 mm, welche bei 2,88 m Kolbengeschwindigkeit, 13 Atm. Kesselspannung und etwa 24 v. H. Füllung im Hochdruckzylinder, 600 indizierte Pferdekräfte leistet, jedoch bis etwa 750 indizierte Pferdekräfte gesteigert werden kann.

Abweichend von der sonst bei Triplexmaschinen üblichen Bauart befinden sich hier alle drei Dampfzylinder jn Tandemanordnung und zwar liegt im Einklang mit der neuerdings bevorzugten Konstruktion der Hochdruckzylinder am weitesten von der Kurbelwelle entfernt.

Textabbildung Bd. 318, S. 161

Zu solcher Bauart gaben die Verhältnisse der Gesamtanlage des Werkes die Veranlassung. – Es ist nämlich die Mühle derart angelegt, dass sie später durch Aufstellung der erforderlichen Maschinen auf die doppelte Leistung gebracht werden kann. Das Mühlengebäude wird durch einen 4,3 m breiten Seilschacht, in dem sich die Antriebscheiben aller 6 Stockwerke befinden, in zwei Teile getrennt. Da nun vorerst nur die eine Hälfte der Mühleinrichtung zur Ausführung kam und man am Seilschacht und der Maschinenstube jede überflüssige Breite vermeiden wollte, so ergab sich eben die Tandemanordnung als die vorteilhafteste für die jetzige und die später aufzustellende zweite Betriebsdampfmaschine.

Neben dieser Rücksicht auf die Gesamtanordnung des Werkes war für die Wahl des Systems der Antriebmotoren ausschlaggebend der hohe Preis des Brennstoffes, auf den man in Argentinien angewiesen ist. Derselbe beträgt zur Zeit 7 ½ Pesos Gold oder etwa. 30 M. für die Tonne Kohle. Man war also, um das Unternehmen rentabel zu machen, genötigt, eine Maschinenanlage mit möglichst geringem Dampf-bezw. Kohlen verbrauch zu machen und das führte zur Wahl der dreistufigen Expansionsmaschine mit Kondensation, welche aus Kesseln mit Tenbrink feuerung Dampf von 12–13 Atm. Anfangsspannung erhält. Die nachträgliche Anbringung von Ueberhitzern ist vorgesehen, in Rücksicht auf möglichst ungestörten Betrieb aber vorerst nicht zur Ausführung gebracht.

Seitens der Maschinenfabrik Esslingen in Esslingen, welche die gesamte Maschinenanlage geliefert hat, ist für die Maschine bei Normalleistung ein Verbrauch von 5,4 kg gesättigten Dampfes garantiert.

Die Dampfmaschine, deren mit grosser Eile durchgeführte Aufstellung bis zum betriebsfertigen Zustand nicht ganz fünf Wochen in Anspruch genommen hat, arbeitet seit 1. September vorigen Jahres ununterbrochen Tag und Nacht und es sind die bis jetzt vorliegenden Betriebsergebnisse durchaus günstige. Dies gilt besonders auch hinsichtlich der Ruhe des Ganges, die mehrfach von fachkundiger Seite bei der ungewöhnlichen Anordnung der Maschine als wenig günstig vorausgesagt wurde, sich aber, dank der sorgfältig durchgeführten Dampfverteilung und Kompressionen, sowie des reichlich bemessenen Schwungrades als ganz einwandfrei ergab.

Der Hochdruckzylinder arbeitet mit 12–13 Atm. Admissionsspannung und besitzt durch den Regulator verstellbare