Text-Bild-Ansicht Band 318

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Füllungen und grossen Kolbenflächen ein unschädliches, ihrem Zweck als Polster entsprechendes Mass beibehält (die französische Ostbahn nimmt deshalb bis 18 v. H. schädlichen Raum!) so hat die geringe Füllung durchaus keinen Nachteil auf die Ruhe des Ganges, sondern behält ihre Vorzüge unbeschadet. Nur auf die Beanspruchung des Triebwerks haben dann die grossen Kolbenkräfte noch unangenehmen Einfluss, und schon im Interesse der Reparaturen sollte auch die Heissdampflokomotive Verbundmaschine erhalten, um diese Kolbenkräfte zu teilen; bei der Vierzylinder-Verbundmaschine könnten zugleich die hin- und hergehenden Massen ausgeglichen werden, und damit wäre nach jeder Beziehung Genüge geleistet. Mit den heutigen Heizflächen von 260 qm könnte eine 2/6 gekuppelte Vierzylinder-Verbund-Heissdampflokomotive wohl 3000 PS höchste Leistung erzielen Schade, dass Versuche dieser Art noch auf sich warten lassen. Die Zeit wird immerhin über kurz oder lang vom Lokomotivbau den Versuch verlangen, und mindestens müsste endlich Heissdampf mit Verbundsystem vereinigt werden, um der Untersuchung der Wirtschaftlichkeit näher treten zu können.

Was endlich die Wirtschaftlichkeit der hier beschriebenen Lokomotive hinsichtlich Kohlen- und Wasserverbrauch betrifft (abgesehen vom Wegfall des Vorspanns, der schon hoch genug anzuschlagen ist), so hat sich gezeigt, dass die Heissdampflokomotive nicht weniger als 12 v. H Kohlen und 30 v. H. Wasser weniger braucht als die ziemlich gleiche Verbundlokomotive, die selbst von jeher als Muster von Sparsamkeit mit Recht gegolten hat. Der Kohlenverbrauchfür die Leistungseinheit ist nun schon auf etwa 0,9 kg/PS gefallen, was durch Verbundlokomotiven bisher nicht zu erreichen war.

Es ist unter diesen Umständen nur zu bedauern, dass, geschweige dass das Ausland sich an den Schmidtschen Ueberhitzer versuchsweise ebenfalls heranwagt, im Ausland überhaupt die Heissdampflokomotive und ihre grossen Erfolge fast unbekannt, mindestens unbeachtet bleiben, und dass höchstens Kleinigkeiten, welche mit dem Heissdampf nichts zu thun haben, ab und zu Erwähnung in der Presse finden. Im Ausland wird dieser grösste Fortschritt des deutschen Lokomotivbaues mit Stillschweigen übergangen, während die Sache ihrer grossen Bedeutung entsprechend in Wirklichkeit die Aufmerksamkeit der Welt verdient hat und hoffentlich noch erobern wird, um zu zeigen, dass die in Paris 1900 allerdings angestaunte Heissdampflokomotive nicht die einzige und letzte ihres Zeichens war, wie man vielleicht auswärts glauben könnte. Vorläufig aber haben alle diese Bestrebungen einen so internen, man möchte sagen familiär preussischen Charakter, dass sie noch nicht einmal über das Gebiet der preussischen Staatsbahnen hinaus in die anderen deutschen Bahnen gedrungen sind. –

Von beachtenswerten 2/4 gekuppelten Zwillingslokomotiven bietet das europäische Festland ausser den hier beschriebenen Mustern garnichts, so dass man seine Umschau daselbst beenden und zum Schluss dem Mutterland der Lokomotive, England, sich zuwenden kann.

(Fortsetzung folgt.)

Die Kraftstation II der Grossen Leipziger Strassenbahn.

Von Ingenieur Kurt Bräuer, Lehrer am Technikum Mittweida.

(Schluss von S. 154 d. Bd.)

Der Ekonomiser.

Die Wärme der Abgase aus den Kesseln und dem Ueberhitzer wird zur Vorwarnung des Speisewassers in einem Ekonomiser verwertet, der vom Neusser Eisenwerk vorm. Rud. Daelen in Heerdt bei Neuss geliefert worden ist.

Die ganze Anlage besteht aus zwei Apparaten von je 320 Röhren, die dazu dienen, stündlich 16000 l Speisewasser von 30° auf 100° zu erwärmen. Dabei ist vorausgesetzt, dass die Heizgase mit 300° C. in den Ekonomiser eintreten. Beide Apparate können sowohl einzeln, als auch zusammen arbeiten. Jeder Ekonomiser besteht aus drei Abteilungen, nämlich 8 × 12, 8 × 12 und 8 × 16 Rohren. Die letzte Abteilung von 128 Rohren liegt zunächst am Kessel. Wegen der Ausdehnung der einzelnen Apparate sind zwischen diese kupferne Kompensationsrohre oben und unten eingeschaltet.

Textabbildung Bd. 318, S. 167

Die acht vertikalen Rohre jeder einzelnen Rohrreihe sind unten und oben in gemeinsamen Horizontalrohren abgedichtet,die wiederum unter sich durch gemeinschaftliche Sammelrohre für Wasserein- und –austritt verbunden sind. Die Vertikalrohre haben etwa 100 mm lichten Durchmesser bei 2860 mm Länge, so dass also ein Rohr etwa 1 qm Heizfläche hat.

Textabbildung Bd. 318, S. 167

Ein Register – das sind acht Rohre mit ihrem Ober- und Unterteil – fasst etwa 210 l Wasser. Der freie Querschnitt zwischen diesen acht Rohren beträgt 2 qm. Da nun die Rauchkanäle bezw. Drehklappen einen Durchgang