Text-Bild-Ansicht Band 318

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Schmierloch vorgesehen. Der Kolben dichtet mit Ledermanschetten ab.

Textabbildung Bd. 318, S. 174

Von besonderem Interesse ist die in Fig. 139 und 140 dargestellte Steuerung. An Stelle von Ventilen benutzt Hartung einen in Fig. 140 mit b bezeichneten drehbaren Flachschieber, ähnlich dem der Westinghousebremse, der durch den Luftdruck und durch eine Feder e gegen die Gleitfläche, gepresst wird. Gedreht wird er durch einen in den Zeichnungen nicht angegebenen Hebel, der auf dem Vierkant der Spindel d sitzt. Der Schieberspiegel hat drei Oeffnungen. Der Kanal f steht mit dem Raume über, g mit dem unter dem Kolben in Verbindung, h führt ins Freie. Die Pressluft tritt durch den Gehäusedeckel c ein.

Fig. 139 giebt die Mittelstellung des Schiebers wieder, in der alle Kanäle abgeschlossen sind. Wird er nach links gedreht, so kann durch g Pressluft unter den Kolben treten, während gleichzeitig eine Aussparung im Schieber die Kanäle f und h miteinander in Verbindung setzt, sodass die Luft über dem aufsteigenden Kolben entweichen kann. Rechtsdrehung des Schiebers hat Kommunikation von g und h zur Folge, d.h. die Luft unter dem Kolben kann austreten und die Last senkt sich. Da aber die Ueberdeckung am Kanal f ziemlich gross ist, so bleibt dieser zunächst geschlossen, über dem Kolben bildet sich also ein Vakuum, das bremsend wirkt und langsames Senken erleichtert. Erst wenn der Schieber weiter gedreht wird, tritt Pressluft durch f über den Kolben und führt beliebig grosse Senkgeschwindigkeit herbei.

Aus Fig. 135 und 136 sind der Einbau der Steuerung und die Rohrverbindungen zu ersehen. Am oberen Ende des Zuleitungsrohres wird vor dem Anschluss der Schlauchleitung ein Rückschlagventil eingeschaltet, das bei eventuellem Platzen des Schlauches Herabfallen der Last verhindert. Gelangt der Haken in seine höchste Stellung, so stösst er gegen eine Traverse m und nimmt auf diese Weise den Ausrückstift k mit, der den Steuerhebel in die Mittelstellung dreht. Der Bolzen l dient nur zur Führung der Traverse.

(Fortsetzung folgt.)

Die Nachteile der modernen Getreidemüllerei und deren Beseitigung durch das Steinmetz-Verfahren.

Obschon die organische Beschaffenheit unserer hauptsächlichsten Brotfrüchte, des Weizens und des Roggens, in Büchern und Schriften in Wort und Bild genügend bekannt geworden ist, so dürfte eine kurze Vorführung derselben doch hier zum besseren Verständnis des Nachfolgenden ganz am Platze sein.

Betrachtet man das Getreidekorn aufgeschnitten, so sieht man innen den grossen, stärkehaltigen Mehlkern. Ihn umgiebt eine gelbliche, bisweilen graue oder braune, eiweissreiche Schichte, die Kleberschichte, welcher mit der sie umschliessenden, braunen eiweiss–, fett- und nährsalzreichen Schichte, der lederartigen, fast wasserdichten Samenhaut verwachsen ist. Diese Haut zieht sich nicht vollständig um den ganzen Umfang des Kornes, sondern lässt an einer Spitze eine Oeffnung frei, in welcher der Keim festliegt. Der Keim. als Träger des Lebens, enthält natürlicherweise die wichtigsten Nährstoffe, als Eiweiss, Fett und Salze in reichlicher Menge. Der bis hierher beschriebene Kern besitzt alle für den menschlichen Körper notwendigen Nährstoffe in idealer Zusammenstellung. Er ist aber noch umschlossen von drei Häutchen, welche unter sich und mit dem Kern durch eine neuerdings entdeckte, schmutzigbraune Substanz verklebt sind. Diese drei Häutchen bestehen zum grössten Teil aus Holzfaser, sind für den menschlichen Organismus unverdaulich und störend. Alle drei zusammen werden als Fruchthaut bezeichnet. Sie besitzt an der, der Keimspitze gegenüber befindlichen Spitze, bei Weizen deutlich sichtbare Härchen.

Diese äussere Haut oder Fruchthaut, ist nun auf dem Halme schon der Beschmutzung durch Staub. Regen, durch Insekten, Vögel und Würmer, dann bei der Ernte, in der Scheune, auf dem Speicher, beim Transport in Schiffen, Wagen, im offenen oder eingesackten Zustande u.s.w. der Verunreinigung durch Ausscheidungen von Mensch und Getier und durch Schimmelbildung ausgesetzt, wie wohl kein zweites so ungemein wichtiges Nahrungsrohprodukt, Ist es darum zu verwundern, dass der Mensch instinktiv das Getreidekorn frei von der schmutzstrotzenden Fruchthaut zu geniessen verlangt und den Müller zwingt, durch die sinnreichsten und kompliziertesten Einrichtungen Mehl herzustellen, welches frei ist von dieser Fruchthaut und dem Schmutze?

Viele Mühlen begnügen sich schon, den Schmutz durch Reiben der Körner untereinander und an rauhen Flächen und Bürsten zu entfernen; aber dies genügt ja bei weitem nicht. Man bedenke bloss, wenn man schmutzige Hände an einem reinen Handtuche abreiben wollte, ob da das Handtuchnicht auch schmutzig, die Hände aber keineswegs rein werden. Genau so ist es auch beim Getreide, und deshalb sind schon viele bessere Mühlen zum Waschen des Getreides übergegangen. Bei Roggen ist jedoch dazu nur hin und wieder probeweise geschritten, aber man ist meistens davon wegen des Trocknens wieder abgekommen. Man hat als Ersatz des Waschens auch noch Schälmaschinen verwendet, welche diese Fruchthaut herunterschleifen sollen. Diese Maschinen erfüllen ihren Zweck nur unvollkommen, weil sie das Getreidekorn beschädigen und dadurch Verluste herbeiführen, denn man muss mit sehr scharfen Mitteln und starkem Druck das Getreide bearbeiten, um die aufeinander geklebten Häute von der Samenhaut herunter zu schleifen. Wenn nun die Fruchthaut vom Getreide, vor der eigentlichen Zerkleinerung desselben zu Mehl nicht vollständig entfernt ist, so ist es ganz natürlich, dass durch das Zerreiben des Kornes auf Walzenstuhlen oder Mahlgängen auch die Fruchthaut zerstückelt und etwa darauf haftender Schmutz ebenfalls abgerieben wird und mit durch die Siebe in das Mehl gelangt.

Nach Professor Heinrich-Rostock befinden sich auf 0,1 g Getreide bis 1800000 Bakterien, also auf 1 Korn etwa 500000. Bei dieser ungeheuren Anzahl ist es klar, dass die Bakterien so klein sind, dass sie unbedingt durch die feinsten Siebe, durch welche auch das reinste oder weisseste Mehl abgesiebt wird, hindurch gelangen. Dass solche Bakterien im Mehl vorhanden sind, beweist, dass Professor Wittmack-Berlin im feinsten Pester Kaisermehl Bärtchenhaare von den Spitzen des Getreides gefunden hat, und dass bei mikroskopischen Untersuchungen ein spezifisches Merkmal für Weizenmehle das Vorhandensein solcher Bärtchenhaare ist.

Um nun möglicht wenig von der Fruchthaut und den daran haftenden Bakterien und Pilzen, welche nach Prof. Dr. Hofmann–Leipzig nicht einmal durch die Backofenhitze unschädlich gemacht würden, in das Mehl zu bekommen, zieht der Müller es vor, auch die Samenhaut, welche einerseits mit der Fruchthaut verklebt, andererseits mit der Kleberschichte verwachsen ist, mit zu entfernen. Natürlich bleibt dabei ein Teil des Klebers an der Samenhaut haften. Da diese Haut braun ist, der Müller aber weisses Mehl erzeugen will, weil es erstens am meisten Gewähr gegen Verunreinigungen giebt, und weil es zweitens, das ist wohl die Hauptsache, ohne Zweifel dem Auge schön erscheint, so darf dieselbe nicht ins Mehl gelangen. Auch der nährstoffreiche Keim, der ja auch das Mehl dunkel machen würde, muss dasselbe Schicksal erleiden, wie die ebenso wertvolle Samenhaut.