Text-Bild-Ansicht Band 318

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frei und die Geschwindigkeit des Oeffnens oder Schliessens der Abschätzung wird vollständig von der Turbine bestimmt und geregelt.

Dynamomaschinen. Wie die Turbinen, so sind auch die Alternatoren durch zwei verschiedene Firmen geliefert worden. Die Turbinen der Konstruktionswerkstätten in Vevey betreiben Dynamomaschinen von Brown, Boveri & Co. in Baden (Schweiz), diejenigen von Duvillard solche der Elektrizitätsgesellschaft in Genf. Alle Alternatoren erzeugen einphasigen Wechselstrom von 60 Amperes mit einer Spannung von 5500 bis 6000 Volt und einer Stromverteilung von 50 Perioden in der Sekunde.

Der Gang der Maschinen ist vollständig geräuschlos, was sowohl der wohldurchdachten Anordnung, als auch dergut durchgeführten Ausgleichung aller rotierenden Teile zuzuschreiben ist.

Die Aufstellungskosten stellten sich einschliesslich der Erwerbung der Wasserkraft ungefähr auf 640000 Mk., was bei 2000 PS-Leistung 320 Mk. für die Pferdekraft ergiebt. Um weitere 2000 PS zu erzielen, ist das Verlegen einer zweiten Rohrleitung von 0,341 m Durchmesser und die Einsetzung von vier neuen Maschinengruppen notwendig. Die Kosten hierfür sind auf 240000 Mk. berechnet. Es kämen somit 220 Mk. auf jede der ersten 4000 PS. Nach Massgabe der Ausdehnung der Anlage wird sich schliesslich der Durchschnittspreis für die Pferdekraft verhältnismässig verringern, da die Ableitung des Wassers und der obere Teil der Kanalisation für 10000 bis 12000 PS ausgeführt ist.

Wilh. Müller, Cannstatt.

Die Reaktionstürme und ihre Anwendung in der chemischen Technik.

Von Dr. Gustav Rauter.

In der chemischen Technik spielen die Reaktionstürme in ihren verschiedenen Abarten und ihren verschiedenen Anwendungsweisen eine grosse Rolle. Im wesentlichen bestehen diese Türme aus einem zylindrischen oder auch prismatischen Körper, der meist mit irgend einer Füllung ausgesetzt ist, und der von oben nach unten von Flüssigkeiten, von unten nach oben aber von Gasen durchströmt wird. Die Namen Kondensturm, Kühlturm, Plattenturm, Glover, Gay-Lussac u.s.w. bezeichnen einige der hierher gehörigen Systeme.

Wenn wir den Zweck dieser Türme ins Auge fassen, so ist er nicht immer gleicher Art, obschon dies weder in der Praxis, noch in der Theorie stets klar erkannt worden ist. Der einfachste Fall ist der, dass die den Turm berieselnde Flüssigkeit bestimmt ist, die ihn durchstreichenden Gase zu absorbieren, ohne dass dabei eine ins Gewicht fallende Wärmeentwickelung sich geltend macht. So sind die Gay-Lussac-Türme dazu bestimmt, die aus den Bleikammern der Schwefelsäurefabriken entweichenden salpetrigen Gase zu absorbieren, indem diese darin mit einem Strom von Schwefelsäure in Berührung gebracht werden. Was aus dem Turm entweicht, sind dann bei ordnungsgemässem Arbeiten dieser Vorrichtung nur indifferente Gase, nämlich Stickstoff und eine gewisse Menge Sauerstoff.

Zweitens kommen Türme in Betracht, die ebenfalls den Zweck haben, die Absorption von Gasen durch Flüssigkeiten zu vermitteln, wobei aber eine verhältnismässig stärkere Menge von Wärme frei wird. Hierher sind die Kondensationstürme für Salzsäure zu rechnen, falls in ihnen noch mit stärkeren Salzsäuregasen gearbeitet wird, und falls sie nicht etwa ausschliesslich dazu dienen, nur die letzten Reste von Salzsäure aus den Abgasen der betreffenden Anlage aufzunehmen.

Drittens kämen solche Türme in Betracht, in denen die in sie einströmenden Gase eine gewisse, mehr oder weniger grosse Wärme besitzen und diese derart an die Flüssigkeit abgeben, dass ein Teil davon verdampft wird. Derartige als Verdampfer wirkende Türme vermitteln indessen meist nebenbei auch noch gewisse andere, chemische Einwirkungen zwischen Gas und Flüssigkeit. Hierher gehört z.B. der Gloverturm, der in der Schwefelsäureindustrie eine den Gay-Lussacturm ergänzende grosse Rolle spielt, indem Salpetersäureverbindungen enthaltende Schwefelsäure auf ihn aufgegeben wird. Diese Schwefelsäure wird durch die ihr entgegenströmenden, heissen, aus den Röstöfen entweichenden Gase einerseits von der Salpetersäure befreit, die sich verflüchtigt und in die Bleikammern eintritt; andererseits wird das in ihr enthaltene Wasser auch zu einem grossen Teile verdampft, so dass der Turm nicht nur einen Teil des für die Bleikammern benötigten Wassers in Dampfform in diese einführt, sondern auch noch in erheblichem Masse als Konzentrationsapparat für Schwefelsäure wirkt; die sogenannte Gloversäure ist auf diese Weise eingedampfte und bei dieser Gelegenheit stark mit Flugstaub verunreinigte Schwefelsäure.

Aehnlich wie diese Glovertürme wirken auch die Denitriertürme, bei denen gleichfalls die den Turm durchfliessende Schwefelsäure von beigemischter Salpetersäure befreit wird, nur mit dem Unterschiede, dass hierbei kein Eindampfen der Schwefelsäure stattfindet, indem statt heisser Röstgase Dampf in die Türme eingeblasen wird, wodurch die Schwefelsäure einerseits verdünnt, andererseits von Salpetersäureverbindungen befreit wird.

Was die Beschaffenheit der in die Reaktionstürme eintretenden Gase und Flüssigkeiten anbetrifft, so sind diese entweder von festen Bestandteilen frei, oder aber, und dies ist das Gewöhnliche, mit solchen mehr oder weniger stark verunreinigt. So z.B. enthalten die in den eben besprochenen Gloverturm eintretenden Gase grosse Mengen an Flugstaub, während die auf ihn aufgegebene Schwefelsäure mehr oder weniger Schlamm enthält. Der Flugstaub setzt sich teils im Innern des Turmes fest, teils mengt er sich der ihn durchfliessenden Schwefelsäure bei, während der Schlamm der Schwefelsäure teils durch den Turm hindurchgeführt wird, teils in ihm sich niederschlägt.

Im wesentlichen können wir danach die Reaktionstürme in drei Klassen einteilen, nämlich in solche, in denen eine Wärmeentwickelung oder Absorption nicht stattfindet, ferner in solche, in deren Innerem eine mehr oder weniger grosse Menge von Wärme entwickelt wird, die aber dem weiteren Fortschritte der betreffenden Reaktion hinderlich ist und demgemäss nach Möglichkeit durch Kühlung beseitigt werden muss, und drittens in solche, denen absichtlich Wärme zugeführt wird, um hier verdampfend oder die gewollte chemische Umsetzung befordernd zu wirken. Ferner müssen wir auch noch darauf Rücksicht nehmen, ob die Flüssigkeiten und Gase staubfrei sind oder mehr oder weniger Schlamm enthalten. Auch lediglich zu Eindampfzwecken allein – ohne chemische Umsetzungen erzielen zu wollen – werden mitunter Reaktionstürme benutzt; jedoch geschieht dies nur selten, da hier anderweitige Eindampfvorrichtungen grössere Vorteile bieten.

Während in Bezug auf die Wärmeverhältnisse neutrale Türme und solche, die mit staubfreien Gasen und Flüssigkeiten gespeist werden, zu den Seltenheiten gehören, müssen in der Praxis die zu konstruierenden Türme meist entweder für den Betrieb mit heissen Gasen oder für die möglichst schnelle Ableitung in ihnen entstehender Wärme eingerichtet sein. Auch muss in ihnen sich ablagernder Staub oder Schlamm von Zeit zu Zeit – etwa durch Ausspülen – entfernt werden können.

Während für die Türme, bei deren Betrieb die Wärme keine Rolle spielt, das Verhältnis von Turmoberfläche zum Turminhalt beliebig sein kann, so darf für diejenigen Türme, in denen Wärme ausgenutzt werden soll, dieses Verhältnis nicht zu gross sein, während umgekehrt für die Türme, von denen zugleich eine kühlende Wirkung verlangt wird, dies Verhältnis möglichst gross sein soll. Man wird deshalb z.B. Glovertürme für den Schwefelsäurebetrieb nicht zu klein im Durchmesser halten, dagegen Kondensationstürme für