Text-Bild-Ansicht Band 318

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

84. Jahrg., Bd. 318, Heft 18. Berlin, 2. Mai 1903.

Textabbildung Bd. 318, Hefttitelillustration

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Neuerungen an den verschiedenen Systemen der drahtlosen Telegraphie.

Von Ingenieur Adolf Prasch, Wien.

Wie es in der Natur der Sache liegt, haben die Ergebnisse der Versuche von Marconi vielseitige Anregung gegeben, den beschrittenen Weg weiter zu verfolgen und durch eingehendere Erforschung des bisher noch dunklen Gebietes der Fortpflanzung elektrischer Wellen im Raume einen Beitrag zur endgiltigen Lösung dieser nicht nur interessanten, sondern auch hervorragend praktisch wichtigen Frage zu liefern. Wurde durch Marconi die Möglichkeit der Nachrichtenvermittlung mittels elektrischer Wellen bereits in überzeugender Weise nachgewiesen, so hafteten dieser Vermittlung doch noch eine Reihe von Mängeln an, deren Beseitigung bisher nur teilweise gelungen ist. Das Bestreben der Forscher, Marconi allen voran, geht nun dahin, eine befriedigende Lösung der noch in Schwebe stehenden Aufgaben zu finden.

Drei Punkte sind es hauptsächlich, deren Klärung das nächste Ziel der Forschungen bilden. Als der wichtigste derselben dürfte das Problem der gegenseitigen Abstimmung zu bezeichnen sein. In zweiter Linie wird gesucht, die Entfernungen, über welche noch eine Nachrichten Vermittlung möglich ist, bedeutend zu vergrössern. Als dritter Punkt dürfte endlich das Bestreben zu verzeichnen sein, die drahtlose Telegraphie auch für die Nachrichtenvermittlung über Land in einer den bestehenden Bedürfnissen Rechnung tragenden Weise auszugestalten und auch hier die zur Zeit noch sehr beschränkten Entfernungen zu erweitern.

Am weitesten dürfte in Bezug auf die Erweiterung der Entfernung, über welche noch verkehrt werden kann, Marconi gelangt sein, dem nach beglaubigten Nachrichten die Durchquerung des atlantischen Ozeans gelungen ist, und der bereits am 22. Dezember v. J. Nachrichten von Kap Breton in Kanada nach Cornwall in England übersendet hat (siehe S. 47 d. Bd).

Die Hindernisse, die sich der Errichtung einer regelrechten Nachrichten Vermittlung auf diesem Wege entgegensetzen, sind, wie dies aus den später vorzuführenden Versuchen verschiedener Forscher zu ersehen sein wird, sehr bedeutende, und da es kaum möglich sein wird, sie auch nur annähernd unschädlich zu machen, so wird an eine Beseitigung derselben vorläufig nicht gedacht werden können.

Immerhin können die bisher erreichten Entfernungen schon als recht erhebliche angesehen werden, und hat man sich der Grenze, bis zu welcher nach den dermaligen Verhältnissen eine derartige gegenseitige Verbindung als praktisch wünschenswert angesehen werden kann, schon sehr genähert.

Weniger glücklich ist man jedoch in Bezug auf die Abstimmung gewesen, indem es zur Zeit noch immer nicht gelungen ist, eine vollkommene Abstimmung zu erreichen. Es ist dies aber auch trotz der aufs sinnreichste erdachten Anordnungen nicht Wunder zu nehmen, da man noch immer auf den Fritter als Empfangsinstrument angewiesen ist, der bekanntlich auf Wellen der verschiedensten Längen anspricht, und somit eine andere, als eine indirekte Abstimmung unmöglich macht. Auch der neue magnetische Wellenempfängervon Marconi scheint der unmittelbaren Abstimmung unzugänglich zu sein. Die indirekte Abstimmung, die doch nur auf Resonanzwirkung beruhen kann, führt aber niemals vollständig zum Ziele. Die Hauptbedingung hierfür ist eine Reihe schwacher Impulse die den Empfänger zum Mitschwingen bringen und in ihrer zeitlichen Summierung auf den Fritter so einwirken, dass derselbe zum Ansprechen gelangt. Der Fritter muss auf diese Weise ziemlich unempfindlich gemacht werden. Da jedoch die Intensität der elektrischen Wellen mit zunehmender Entfernung abnimmt, so geht es auf etwas bedeutendere Entfernungen nicht gut an, den Fritter allzu unempfindlich zu gestalten, weil sonst die Zahl der erforderlichen Impulse eine zu grosse werden und hierdurch die Geschwindigkeit der Nachrichtenvermittlung Einbusse erleiden müsste. Wird dieser Fritter aber von Wellen einer näher gelegenen Station, die naturgemäss viel kräftiger wirken, getroffen, so wird er, auch wenn der Sender dieser Station nicht mit dem Empfänger der Eingangsstation abgestimmt ist, höchst wahrscheinlich ansprechen und so entweder eine soeben einlangende Nachricht stören oder sonst irgendwie zu Irrungen Veranlassung geben. Durch Anwendung sehr kräftiger Sender ist man sonach auch in der Lage, die Nachrichtenvermittlung zwischen zwei Stationen geradezu unmöglich zu machen.

Es dürfte in dieser Beziehung nur dann eine vollständige Lösung zu erwarten sein, wenn es gelingt, einen Empfänger zu finden, der bei gleichbleibender Empfindlichkeit, sich so abstimmen oder einrichten lässt, dass er nur auf eine bestimmte, beliebig zu wählende Wellenlänge anspricht.

Was nun die Vergrösserung der Entfernungen für den Verkehr über Land betrifft, so scheint man schon ganz günstige Ergebnisse erzielt zu haben, die vor nicht gar zu langer Zeit zu erreichen eine Unmöglichkeit schien. Diese Ergebnisse beziehen sich allerdings nur auf mehr ebenes Gelände, wogegen ähnliche Ergebnisse bei starken Bodenerhebungen nicht erreicht worden sein dürften.

Als Uebergang auf den eigentlichen Gegenstand soll vorerst eine Beschreibung des Systemes der drahtlosen Telegraphie von Slaby-Arco gegeben werden, nachdem die Systeme von Marconi und Prof. Braun in dieser Zeitschrift (s. D. p. J. 1901, 316, Heft 50 u. 51, 1902, 317, Heft 29, 30 u. 32) bereits einer eingehenderen Besprechung unterzogen wurden.

Das System der drahtlosen Telegraphie von Slaby-Arco.

Slaby geht bei seinem Systeme von dem Grundgedanken aus, dass die Wirkung sowohl des Senders, als auch die des Empfängers dann am grössten ist, wenn die Länge des Auffang- bezw. Sendedrahtes, der hierbei geerdet sein muss, genau ¼ der Wellenlänge entspricht, weil sich hierdurch ein Schwingungsbauch der elektrischen Wellen an dem Ende derselben bildet und der Fritter hierdurch am kräftigsten angeregt wird. Da nun die von einem geerdeten Drahte ausgestrahlten elektrischen Wellen genau der vierfachen Länge dieses Drahtes entsprechen, so wird sich der Empfangsdraht dieser Länge anpassen müssen. Der für den Wellenempfang