Text-Bild-Ansicht Band 318

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die Zeit haben, viele Monate auf das anstrengende Studium umfänglicher, eingehende Kenntnis der höheren Mathematik voraussetzender Werke zu verwenden. Um dieses Ziel zu erreichen, musste den Erläuterungen und Definitionen ein viel breiterer Raum gewidmet werden, als dies bei Voraussetzung eingehenderer Vorkenntnisse erforderlich gewesen wäre. Aber gerade dies ist als der grösste Vorzug dieses Werkes zu betrachten, weil hierdurch der Leser in leichter und einfacher Weise in das behandelte Gebiet eingeführt wird und bei nur einiger sorgfältiger Durcharbeitung kein Stocken in der Aufnahme der folgenden Teile eintreten kann. Der Leser bezw. der Belehrung erstrebende wird hierdurch angeregt, das einmal Erfasste auch zu ergänzen, während er andererseits, wenn er. wie dies leider allzuoft der Fall ist, auf ein un überwindbares Hindernis stösst, sehr leicht dazu verleitet wird, das Studium gänzlich aufzugeben. Der Umstand, dass durch die gediegene Darstellung die Aufnahme des gegebenen Stoffes vereinfacht wird, schliesst jedoch die Gründlichkeit in keiner Weise aus. Die Gründlichkeit ist eben mit die Ursache der leichten Verständlichkeit, indem nichts vorausgesetzt und an Vorkenntnissen nichts weiter erfordert wird, als was jede Mittelschule bietet. Diese Vorzüge der Darstellung haben dem Werke demnach auch zu einer zweiten Auflage verhelfen, welcher wohl baldigst eine Dritte folgen wird, da dasselbe jedermann, welcher sich über das einschlägige Gebiet, ohne allzusehr ins Einzelne einzugehen, gründliche Aufklärung schaffen will, nur wärmstens empfohlen werden kann.

A. P.

Lehrhefte für Gewerbeschulen, I. Das bürgerliche Wohnhaus. Von Georg Zitelmann. Ein Heft Text und eine Mappe Abbildüngen. Wiesbaden. Heinrich Heuss.

Diese Arbeit über das bürgerliche Wohnhans besteht auseinem Heftchen von 50 Seiten und aus zahlreichen Tafeln mit zusammen 175 Abbildungen, die sich fast sämtlich als Grundrisse von Gebäuden oder Gebäudeteilen darstellen. Was den Text anbetrifft, so ist dieser eine knappe Zusammenstellung von Merksätzen, Begriffsbestimmungen und Vorschriften, und vielleicht etwas zu schematisch gehalten. Die einzelnen Abschnitte des Buches sind augenscheinlich dazu bestimmt, vom Lehrer eingehend erläutert und besprochen zu werden, dürften dann aber jedenfalls mehr Stoff enthalten, als der Lehrer in der zur Verfügung stehenden Zeit bewältigen kann. Anderenfalls wird letzterer sich leicht dazu verleiten lassen, die Abschnitte des Buches zum Auswendiglernen aufzugeben und damit durch Einprägung von totem Material mehr Schaden als Nutzen anzurichten.

Was die Tafeln anbetrifft, so fällt hier einerseits der kleine Masstab auf, in dem diese durchgängig gehalten sind, der ja bei einer Sammlung von Beispielen für den Baumeister nicht so schädlich ist, da dieser von vornherein weiss, was er sucht, der aber für den Unterricht nicht zweckmässig sein dürfte. Ausserdem wäre auf jedem Blatte die Angabe des Längenmasstabes für die darauf dargestellten Räume um so erwünschter gewesen, als dieser augenscheinlich sehr häufig wechselt. Es ist ferner auch das fast gänzliche Fehlen von senkrechten Schnitten zu beklagen. Der Schüler sollte stets angehalten werden, alle seine Entwürfe nicht nur im Grundriss, sondern auch im Aufriss darzustellen, um sein Raumgefühl auszubilden und sich stetig klar zu machen, dass er nicht nur für das Reissbrett arbeitet. Aus ähnlichen Gründen wären auch Aussenansichten der dargestellten Gebäude entschieden erforderlich gewesen. Dies alles hätte sich leicht bringen lassen, ohne den Umfang des Buches irgendwie zu vergrössern, da die Menge des beigebrachten Materials an Grundrissen verwirrend gross ist and eine Verminderung leicht vertragen hätte.

Rauter.

Eingesandt.

V. Internationaler Kongress für angewandte Chemie.

Berlin 1003, 2.–8. Juni.

In wenigen Tagen tritt, zum ersten Mal auf deutschem Boden, der Internationale Kongress für angewandte Chemie in der deutschen Reichshauptstadt zusammen. Der Tagungsort ist das Reichstagsgebäude. Haben bereits die vorhergegangenen Kongresse dieser Art durch die stets gesteigerte Beteiligung ihre Notwendigkeit und praktische Bedeutung erwiesen, so ist aus der Zahl der schon jetzt für den Berliner Kongress vorliegenden Anmeldungen von Teilnehmern aller Kulturländer ein glanzvoller Verlauf dieses Unternehmens zu ersehen. Nahezu 1500 Teilnehmer und 250 Damen haben ihre Anmeldung angezeigt, und nicht weniger als 350 Vorträge, darunter viele von internationaler Bedeutung, stehen heute schon auf der Tagesordnung der in 11 Sektionen und 3 Subsektionen erfolgenden wissenschaftlichen Beratungen.

Die Regierungen aller europäischen und auch mancher aussereuropäischen Staaten haben auf die durch das Auswärtige Amt übermittelte Einladung die Entsendung offizieller Delegierter verfügt.

Der Kongress wird durch einen zwanglosen Begrüssungsabend am Dienstag, den 2. Juni im Reichstagsgebäude eröffnet werden. Der Präsident des Kongresses, Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Otto N. Witt, wird die anwesenden Kongressteilnehmer durch eine Ansprache begrüssen.

Am Mittwoch, den 3. und am Freitag, den 5. Juni vormittags, sowie am Montag, den 8. Juni nachmittags werden die Plenarversammlungen abgehalten werden. Die erste dieser Plenarversammlungen wird nur durch die offiziellen Begrüssungsansprachen ausgefüllt sein. In der zweiten Plenarversammlung werden wissenschaftliche Vorträge zusammenfassenden Inhaltes von den bedeutendsten Forschern Amerikas, Belgiens, Deutschlands, Englands und Frankreichs gehalten werden, an welche hierzu besondere Einladungen seitens des Organisationskomitees ergangen sind. So wird H. W. Wiley aus Washington ein agrikulturchemisches Thema behandeln,der berühmte Grossindustrielle Ernest Solvay, der Begründer der Ammoniak-Soda-Industrie, wird über die Entwicklung dieser jetzt 40 Jahre alten Industrie sprechen, Henri Moissan aus Paris über Metallhydrüre, William Crooke aus London über das Radium, Geheimrat Emil Fischer über seine neueren Untersuchungen über die Eiweisskörper, Geheimrat C. Engler aus Karlsruhe über Autooxydation und Professor van't Hoff über die Bildung der natürlichen Salzablagerungen. Diese Plenarsitzung wird durch eine längere Pause unterbrochen werden.

In der dritten Plenarsitzung werden die geschäftlichen Angelegenheiten des Kongresses erledigt.

An festlichen Veranstaltungen werden geboten am Mittwoch ein Festbankett für 1200 Teilnehmer, Damen und Herren, im Zoologischen Garten, am Donnerstag Empfang durch die Städtischen Behörden im Rathause und Festkommers in der Philharmonie, am Freitag Festvorstellung im Königlichen Opernhause und Gartenfest der deutschen Gesellschaft, am Sonntag Ausflug nach Wannsee für 1500 Teilnehmer.

Für den Sonnabend sind die Empfänge in Privathäusern vorgesehen.

Ein Damenkomitee wird für die anwesenden auswärtigen Damen sorgen. Für diese sind, ausser der Beteiligung an den vorstehend genannten Veranstaltungen, mit Ausnahme des Empfanges im Rathause, zu dem nur Herren zugelassen sind, besondere Veranstaltungen in Vorbereitung.

Bei genügender Beteiligung werden am Dienstag, den 9. Juni, die Heilstätten in Beelitz besichtigt werden.

Ein täglich erscheinendes Kongress-Tageblatt wird alle für die Kongressteilnehmer erforderlichen Informationen enthalten.

Das Kongressbureau, welches ebenso wie das Bureau Stangen, während der Tagung des Kongresses im Reichstagsgebäude untergebracht sein wird, befindet sich zur Zeit in Charlottenburg, Marchstrasse 21.