Text-Bild-Ansicht Band 318

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4. Beispiel.

(zugleich Vergleich mit der für kleine Spannungsverhältnisse (bis

giltigen Grashofschen Formel).

Welche Zeit verstreicht, bis durch Ausströmen ins Freie aus der Mündung F die Spannung in einem Dampfraum von V-cbm, der Dampf von 1,25 kg/qcm und 30 v. H. Feuchtigkeit enthält, bis auf 1 kg/qcm gesunken ist? (ξ = 1,5)

Für adiabatischen Vorgang folgt aus Gleichung 14 a

Die Grashofsche Formel lautet mit den hier gebrauchten Benennungen

und ergibt

also hinreichende Uebereinstimmung.Für Ausdehnung nach dem Gesetz p . v = Konst. würde nach Gleichung 15a.)
sein.

Schlussbemerkungen.

Der Zweck der vorstehenden Ausführungen sollte hauptsächlich sein, die Gleichungen für die Ausströmung der nassen Wasserdämpfe in einfachere Gestalt zu bringen, um leichteren Einblick in die einzelnen Vorgänge zu verschaffen und praktische Rechnungen über verwickeltere Ausströmungsaufgaben zu ermöglichen. Bei Erwähnung der grundlegenden Tatsachen und Gleichungen war auf eine bis dahin nicht beachtete, eigentümliche Erscheinung beim Ausströmen unter Widerstand hinzuweisen, die nach der neuesten Hypothese Zeuners eintreten muss, wenn diese der Wirklichkeit entspricht. – An dem Beispiel der Ausströmung gesättigter Wasserdämpfe aus Gefässen ohne Zufluss (Zeit für den Druckausgleich) wurde der praktische Nutzen der vereinfachten Ausflussformel erwiesen. Die Lösung dieser Aufgabe, die bis jetzt ausstand, führt auf Ausdrücke für die Zeit, die nur ganz einfache Zahlenrechnungen verlangen und z.B. für die Beurteilung der Ausströmungsvorgänge bei Dampfmaschinen nicht ohne Nutzen sein dürften.

Moderne Dampfkesselanlagen.

Von O. Herre, Ingenieur und Lehrer in Mittweida.

(Fortsetzung von S. 378 d. Bd.)

Die Fig. 158-160 bringen den Wasserröhrenkessel System Gehre nach der Ausführung der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann in Chemnitz zur Darstellung.

Besonderes Interesse bietet bei diesem Kessel die eigenartige Ausbildung der vorderen Wasserkammer.

Durch dampfdicht eingenietete horizontale ∪ Eisen wird diese Kammer in ebenso viele Abteilungen zerlegt als wagerechte Rohrreihen vorhanden sind. Diese Einzelkammern stehen durch kleine Rohrstutzen, Fig. 161 und 162, derartig mit einander in Verbindung, dass der in den Röhren entwickelte Dampf sich zunächst in der zugehörigen Einzelkammer fängt und nach Herabdrückung des Wasserspiegels bis unter die Unterkante der Rohrstutzen durch diese in die nächst höhere Kammer und schliesslich durch weite Rohre von der obersten Einzelkammer in den Dampfraum des Oberkessels entweicht.

In der geneigt angeordneten Wasserkammer stellen sich natürlich die Wasserspiegel in den Einzelkammern wagerecht ein und bewirken dadurch, dass die schrägstehenden Rohrstutzen auch bei ganz geringer Dampfentwicklung am unteren Ende bereits einen kleinen freien Querschnitt zum Entweichen des Dampfes bieten.

Mit zunehmender Beanspruchung des Kessels vergrössert sich dieser Querschnitt und stellt sich bei gleichmässiger Dampfentnahme konstant ein.

Es ist also beim Gehre kessel die belastende Wassersäule, welche sich dem Dampfaustritt hemmend entgegenstellt, vollständig beseitigt und durch die sinnreiche Konstruktion der Wasserkammer ein durch sämtliche Einzelkammern bis in den Oberkessel kommunizierender Dampfraum geschaffen.

Die verdampfende Oberfläche wird durch diese Anordnung ganz bedeutend vergrössert und es ist zweifellos, dass der Kessel infolgedessen einen verhältnismässig trockenen Dampf erzeugt.

Das durch Verdampfung entfernte Wasser kann den Wasserröhren nicht nur durch die hintere, sondern auch durch die vordere Wasserkammer zugeführt werden. Die Einzelkammern haben zu diesem Zwecke seitliche Oeffnungen, welche, wie dies Fig. 162 erkennen lässt, das Wasser vom Oberkessel durch die beiden seitlichen Schächte den einzelnen Abteilungen der vorderen Kammer zuströmen lassen.

Der Gehre kessel wird in den Grossen von 20 bis 300 qm Heizfläche und in der Regel für 10-14 Atm. Betriebsdruckgebaut. Jeder Kessel wird mit einem Ueberhitzer ausgestattet, der aus einer wagerechten Rohrreihe besteht, die über den Wasserröhren angeordnet wird (Fig. 158). Die einzelnen Rohre sind vorn durch Kupferkrümmer mit dem Verteilungsrohr verbunden, so dass eine unabhängige Ausdehnung der Rohre eintreten kann. Hinten wird der Dampf durch ein Sammelrohr wieder vereinigt und in die Hauptleitung geschickt. Der Ueberhitzer gestattet mit Rücksicht auf die Einbaustelle nur eine massige Ueberhitzung, etwa bis um 40°; für höhere Ueberhitzung muss eine andere Anordnung gewählt werden.

Der Ueberhitzer steht durch abstellbare Leitungen mit dem hinteren Teile des Wasserraumes im Oberkessel und mit der Ablassleitung in Verbindung (Fig. 160). Infolgedessen kann der Ueberhitzer beim Anheizen, und nach Bedarf auch während des Betriebes, mit Wasser gefüllt werden, wobei der Ueberhitzer dann die Wasserrohre in ihrer Leistung unterstützt.

Der in den Fig. 158-160 dargestellte Kessel hat eine wasserberührte Rohrheizfläche von 183,2 qm, eine dampfberührte Rohrheizfläche (Ueberhitzerfläche) von 17,9 qm und eine sonstige Heizfläche an den Kammern und am Oberkessel von 15,9 qm. Die Rostfläche beträgt 4,11 qm. Der Kessel erzeugt normal 2800 kg und bei ausreichendem Schornsteinzuge bis zu 4000 kg Dampf i. d. Stunde.

Die Ausführung des Kessels ist eine in jeder Beziehung solide und vollkommene.

Der Oberkessel wird doppelreihig hydraulisch genietet, die Wasserkammern und Verbindungsstutzen werden geschweisst.

Die hintere Wasserkammer ist durch Stehbolzen, die vordere durch die zur Bildung der Einzelkammern eingenieteten ⊏ Eisen in wirksamer Weise versteift. Die Rohrverschlüsse sind Innenverschlüsse mit Gummi- bezw. kupfernen Dichtungsringen; die Dichtungen lassen sich wiederholt benutzen.

Der Feuerraum ist reichlich hoch gewählt; die Gase müssen über die Feuerbrücke hinweg nach hinten strömen, wo ihnen nach Bedarf nochmals Luft durch Kanäle zugeführt werden kann. Die Beschickung des Hostes erfolgt durch den bekannten selbsttätigen Leachapparat. Es ist daher alles berücksichtigt, um den Verbrennungsvorgang so günstig wie möglich zu gestalten. Da die Zuführung des Brennstoffes zum Trichter des Leachapparates ebenfalls