Text-Bild-Ansicht Band 318

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den heissesten Gasen und infolge der direkten Wärmeausstrahlung der glühenden Brennstoffmassen verhältnismässig viel mehr Wärme aufnehmen, als die oberen Rohre. Die untersten Rohre haben daher die stärkste Dampfentwicklung; infolgedessen musste ihnen das Wasser besonders reichlich zugeführt werden. Bei der natürlichen Umlaufbewegung des Wassers sucht sich dasselbe aber immer den kürzesten Weg, d.h. es wird den oberen Röhren stärker zuströmen, als den unteren. Die Gefahr des Krummziehens oder des Durchbrennens der unteren Rohre ist daher um so grösser, je mehr Rohrreihen übereinander liegen, je stärker der Kessel beansprucht wird und je unreiner das Speisewasser ist.

Textabbildung Bd. 318, S. 399

Eine energische Kühlung der untersten Rohrreihen durch möglichst unmittelbare Zuführung des Umlaufwassers ist daher als die erste Bedingung für die dauernde Haltbarkeit der Rohre anzusehen. Die Firma Petry-Dereux in Dürenführt zu diesem Zwecke die hintere Wasserkammer ihrer Wasserröhrenkessel nach Fig. 176 aus. Durch den Einbau einer Scheidewand wird das aus dem Oberkessel zurückströmende Umlaufwasser den unteren Rohrreihen in erster Linie zugeführt. Es ist klar, dass auf diese Weise die unteren Rohre unter allen Umständen genügend Wasser erhalten müssen und dass damit das Ueberhitzen, starke Inkrustieren und Krummziehen derselben infolge von Wassermangel ein für allemal beseitigt ist. Dabei behindert die Einrichtung dieser Scheidewand das Reinigen und Auswechseln der Rohre in keiner Weise.

Gegenüber jedem Rohr befindet sich in der Scheidewand eine Oeffnung, welche durch einen Deckel mit bajonettförmigem Verschluss, ohne jede Verschraubung, geschlossen wird. Dieser Deckel kann durch das gegenüberliegende Deckelloch der Kammer passieren, da er im Durchmesser kleiner ist; die Reinigung und das Auswechseln der Rohre ist also durch die Scheidewand in keiner Weise behindert.

Der Kammerverschluss ist in Fig. 177 dargestellt; es ist ein Innenverschluss ohne besonderes Dichtungsmaterial. Der konische Rand der Verschlussplatte ist möglichst dünn gehalten, um etwas zu federn. Das Einbringen der Verschlussplatten geschieht durch einige etwas weitere Deckellöcher, deren Verschlüsse wieder durch ein ovales Handloch eingeführt werden.

(Fortsetzung folgt.)

Erster Bericht über den V. Internationalen Kongress für angewandte Chemie.

Chemische Industrie der anorganischen Produkte.

Sektion II.

Unter den Vorträgen aus der Sektion II ist zunächst derjenige von F. Mylius aus Charlottenburg: „Ueber die Beurteilung des Glases und über Verbesserungen in der Glasfabrikation“ zu erwähnen. Mylius, der sich durch seine bekannten Arbeiten über die Widerstandsfähigkeit des Glases ausgezeichnet hat, wies darauf hin, dass es sehr schwierig sei, Gläser zu klassifizieren, da ihre Zusammensetzung so ausserordentlich wechsele. Handle es sich um die Widerstandsfähigkeit eines Glases gegen Verwitterung, so brauche man im allgemeinen auf dessen chemische Zusammensetzung überhaupt keine Rücksicht zu nehmen, sondern könne sich damit begnügen, die Gläser nach ihrer Angreifbarkeit durch Reagentien zu beurteilen, und zwar sei unter ihnen reines Wasser das Wichtigste.

Der Vortragende hat sechs Klassen von Gläsern aufgestellt und diese nach ihrem Verhalten gegen Wasser von 18° C. bei achttägiger Einwirkung und Wasser von 80° C. bei dreistündiger Einwirkung geordnet. Die erhaltenen Zahlen wurden in Einheiten ausgedrückt, die anzeigen, wieviel Tausendstel mg Natron aus 100 qcm Oberfläche des betreffenden Glases gelöst worden waren. Die Zahlen geben also nicht den Gesamtverlust an, den das Glas durch Einwirkung des Wassers erleidet, sondern nur den Verlust an Natron. Diese Beurteilungsweise wurde gewählt, da die Verwitterung der Gläser sich wesentlich als eine Alkalientziehung darstellt. Es ist klar, dass hierbei das von Heraeus neu hergestellte Quarzglas als unangreifbar erscheint, da es ja kein Alkali enthält. In der Tat ist es auch das widerstandsfähigste bis jetzt bekannte Glas. Nachstehende Tabelle enthält die gefundenen Ergebnisse:

Die Ermittlung der einschlägigen Zahlen geschieht entweder durch die bekannte Jodeosinprobe, wobei sich eine Lösung dieses Stoffes je nach der Angreifbarkeit des Glases mehr oder weniger stark rosa färbt, oder durch unmittelbares Titrieren des mit dem Glase in Berührung gestandenen Wassers mit Hilfe sehr empfindlicher Indikatoren, oder durch Ermittlung der elektrischen Leitfähigkeit des Wassers, die mit steigender Aufnahme von gelösten Stoffen grösser wird.

Die Angreifbarkeit des Glases durch Sodalösung und Natronlauge ist bedeutend grösser, als die durch Wasser; jedoch ordnen sich die Gläser bei jedem dieser Stoffe nach steigender Angreifbarkeit hintereinander gestellt in verschiedenen Reihen. Durch saure Lösungen wird Glas bedeutend, weniger angegriffen, als durch reines Wasser oder gar Alkali. Ausnahmen machen nur Flussäure und Metaphosphorsäure, die Glas sehr stark angreifen.


Klasse
von Gläsern
Verlust in 0,001 mg Natron auf 100 qcm
Oberfläche
durch Wasser v. 18° C.
in 8 Tagen
durch Wasser v. 80° C.
in 3 Stunden
1. Quarzglas
2. Wasserbeständige
Gläser

0-4

0-15
3. Resistente Gläser 4-12 15-45
4. Härtere Appa-
raten-Gläser

12-36

45–150
5. Weichere Appa-
raten-Gläser.

36-150

150-600
6. Mangelhafte
Gläser

über 150

über 600

Versuche, minderwertige Gläser durch Verändern der Oberfläche widerstandsfähiger zu machen, haben keine brauchbaren Ergebnisse geliefert, wie auch vorauszusehen war, zumal derartige Verfahren immerhin nicht einfach sind.

In der Diskussion wies Foerster, der seinerzeit mit Mylius zusammen die bekannten Untersuchungen über Gläser angestellt hat,1) darauf hin, dass sich manchmal beim Arbeiten mit gläsernen Gefässen ein Angreifen des Glases durch Wasser u.s.w. nicht umgehen lasse. Für diesen Zweck müsse es sehr wertvoll sein, mit solchen Gläsern zu arbeiten, die aus möglichst wenig verschiedenen Stoffen zusammengesetzt seien. Hierdurch werde die Zahl der in Betracht zu ziehenden Verunreinigungen wesentlich eingeschränkt.

An diesen Vortrag schloss sich unmittelbar ein solcher

1)

D. p. J. 1808, 307, 166.