Text-Bild-Ansicht Band 318

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einer Geschwindigkeit von etwas über 400 m in der Minute beginnt das Oel infolge der Zentrifugalkraft abzufliegen; diese Zahl sollte also stets unterschritten werden. Oder man schliesse die ganze Uebertragung in ein Gehäuse in und fülle dieses ganz mit Oel. Dann kann, wie die Erfahrung gezeigt hat, die Geschwindigkeit ohne Bedenken auf 800 m und mehr gesteigert werden. In dieser Weise wurde z.B. die Uebertragung vom Motor auf die Wagenachse bei der einschienigen Eisenbahn auf der Brüsseler Ausstellung ausgeführt, wo es sich um 75 Pferdestärken handelte.

Die geschilderte Kettenübertragung findet man in England sehr häufig, und vereinzelt auch in Amerika, während sie bei uns noch wenig Verbreitung gefunden hat. Es ist aber doch zu bedenken, ob wir nicht von unserem Vorurteile gegen Kettenübertragungen zurückkommen sollten, wenn man sieht, in wie verschiedenen Fällen der Engländer davon in der beschriebenen Form Gebrauch macht. Dort dient sie zum Antrieb von Werkzeugmaschinen, hier von Bootswellen und Achsen von Motorwagen, hier wieder von Dampfmaschinenregulatoren.Als besonders bemerkenswert nennt unsere Quelle die Tatsache, dass in der neuen Fabrik der Natural Food Company an den Niagarafällen der Antrieb mittels einer solchen Kette ausgeführt ist, wo starke plötzliche Entlastungen und Belastungen von 1 bis auf 40 Pferdestärken vorkommen, ohne dass sich Schwierigkeiten gezeigt hätten.

So können tatsächlich mit dieser geräuschlos arbeitenden Kettenübertragung alle Vorteile der Ketten im allgemeinen ausgenutzt werden, einerseits gegenüber dem Riemen, wie unabänderliches Uebersetzungsverhältnis, Fortfall eines grossen Teiles des Reibungsverlustes, Möglichkeit der Anwendung bei kurzen Wellenentfernungen, in heissen oder dampferfüllten Räumen, andererseits gegenüber dem Zahnrade, wie fast geräuschloser Gang, Unabhängigkeit von der Wellen entfernung, geringerer Reibungsverlust und grössere Lebensdauer. Und dabei brauchen die sonst bei Kettenübertragungen störend auftretenden Umstände, die wir eingangs namhaft machten, nicht mit in den Kauf genommen zu werden.

F. Mbg.

Neuerungen an den verschiedenen Systemen der drahtlosen Telegraphie.

Von Ingenieur Adolf Prasch, Wien.

(Schluss von S. 427 d. Bd.)

Feststellung des Widerstandsabfalles der Fritter.

Die Art und Weise, wie Tissot dazu gelangt ist, den Widerstandsabfall eines dem Einflüsse elektrischer Wellen ausgesetzten Fritters zu schützen, ist eine der bemerkenswertesten und interessantesten Arbeiten dieses gelehrten Offiziers. Die hierbei gemachten Feststellungen sind nicht nur vom theoretischen Standpunkte von hervorragendem Interesse, sondern haben auch eine bedeutende praktische Tragweite.

Als Verfahren für die Messungen diente die Substitutionsmethode. Sobald die Frittröhre durch den Einfluss der Wellen zur Kohäsion gelangt, wird sie in einen Stromkreis gebracht, der in jeder Beziehung gleichwertig mit jenem ist, in welchem die Kohäsion erfolgt. In diesen Stromkreis ist ein Galvanometer eingeschaltet, dessen Teilung so eingerichtet ist, dass aus dem Nadelausschlag sofort der vorhandene Widerstand der Frittröhre abgelesen werden kann. Die Anwendung dieses Verfahrens erfordert aber eine Reihe von Vorsichtsmassregeln. Um die Regelung der Frittröhren zu ermöglichen, muss in den Stromkreis ein sehr grosser Widerstand zwischengeschaltet werden (5-10000 Ohm). Der Strom, welcher das Relais durchläuft, darf niemals eine grössere Intensität als einige Zehntel eines Milliampères haben.

In einem derartigen Stromkreise kann man aber Widerstandsunterschiede von 100-200 Ohm nicht mehr genau bestimmen. Um diesem Hindernisse einer genauen Widerstandsbestimmung zu begegnen, hat nun Tissot zwei getrennte Stromkreise angeordnet. In der Fig. 72 stellt F den Fritter dar. F, B, R, Z1, r1 ist der Empfangsstromkreis und F, M, N, G, Z, r der Messtromkreis.

Textabbildung Bd. 318, S. 443

In dem Messtromkreise ist das Relais durch das Galvanometer G ersetzt, welches mit einem Nebenschlusse n versehen ist. Die Batterie wird zwischen die beiden Klemmen eingesetzt, und mit einem Potentiometer in Verbindung gebracht, welches in den Messtromkreis die Einführung eines stärkeren Stromes verhindert. Der Strom dieses Kreises ist unter allen Umständen geringer als jener, welcher in dem Relaisstromkreis zirkuliert. Die beiden Taste z, z1 gestatten die beiden Stromkreise nach Bedarf zu öffnen oder zu schliessen.

Man kann auf diese Weise dem Widerstände r einen sehr kleinen Wert geben, um ausreichende Ausschläge am Galvanometer zu erhalten, ohne hierbei genötigt zu sein, den Strom, welcher den Fritter durchfliesst, zu ändern, was eine der Hauptbedingungen für die richtige Durchführung derartiger Messungen bildet.

Will man nach diesem Verfahren den praktischen Wert einer Frittröhre feststellen, so ist es notwendig, eine sehr grosse Anzahl von Messungen zu machen. Sei in Wirklichkeit W der Widerstand einer entfritteten Röhre, und w der Widerstand derselben im frittenden Zustande, so müssen die Messungen von W und w mit einem permanenten Strome in dem Stromkreise durchgeführt werden.

Die im Fritter hervorgerufene Kohäsion ist eine Erscheinung, welche sich auf die Oberfläche der einzelnen Teile der Feilspäne bezieht. Beim Messen des Widerstandes mit konstantem Strom kommt aber die Gesamtmasse der Späne in Betracht, woraus folgt, dass eine einzelne Beobachtung überhaupt kein Resultat ergeben kann.

Es ist im Gegenteile notwendig, die Messungen in grosser Anzahl vorzunehmen und die Ergebnisse graphisch festzustellen. Dies macht die Arbeit selbstverständlich zu einer sehr mühsamen und zeitraubenden.

Der Vorgang bei diesen Messungen soll an einem Beispiel klar gelegt werden. Für eine gegebene Uebertragung T auf eine Entfernung, die eine stets gleich bleibende sein muss, werden beispielsweise 200 Messungen an derselben Frittröhre gemacht, wobei angenommen wird, dass der Widerstand der entfritteten Röhre R stets der gleiche bleibe.

Man erhält bei diesen Messungen des kohärierten Fritters eine Reihe von Werten, die sich zwischen r1 und r2 bewegen.

Werden nun die für die verschiedenen Werte von r gewonnenen Zahlen als Abszissen und die Anzahl der Messungen, welche annähernd den gleichen Wert für r ergeben haben, als Ordinaten aufgetragen, so erhält man eine Kurve von der in Fig. 73 dargestellten Form, welche den mittleren wahrscheinlichen Wert des Widerstandes r, welchen die Röhre unter dem Einflüsse der entsendeten Wellen erhält, für eine gegebene Transmission und Entfernung darstellt.

Textabbildung Bd. 318, S. 443

Wiederholt man diese Feststellung für eine andere Transmission T' auf dieselbe Entfernung d' so findet man für jede Röhre die erhaltenen Kurven in der Form gleich.