Text-Bild-Ansicht Band 318

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diesen Hafen rückwärts zu verlassen, ist das Schiff ausser mit dem gewöhnlichen Heckruder noch mit einem grossen, kräftigen Bugruder vorsehen, das die Steuerfähigkeit der Fähre beim Rückwärtsfahren wesentlich verbessert.

Apparat zur selbsttätigen Auslösung der Eisenbahnbremsen.

Der „Revue Industrielle“ entnehmen wir folgende Beschreibung eines Apparates, der von Seile erfunden ist und von der Firma Ganz & Co. gebaut und vertrieben wird. Er bezweckt die Anstellung der durchgehenden, selbsttätigen Bremse beliebiger Bauart an einem Fahrzeuge, welches durch aussergewöhnliche Stösse getroffen wird, sei es, dass diese von schlechter Gleislage oder einem sonstigen Schaden am Fahrzeug – Federbruch – herrühren. Der Apparat vervollständigt die Luftdruck- oder Luftsaugebremsen in sinnreich erdachter Weise. Wenngleich die durchgehenden Bremsen bei mannichfachen Anlässen selbsttätig wirken, worauf ihre hohe Betriebssicherheit beruht, so lehrt doch die Erfahrung, dass es eine grosse Menge von Schäden gibt, die nicht sofort selbsttätig die Bremse zur Wirkung bringen, und oft genug bemerken sowohl die Fahrbeamten wie auch die Reisenden die Gefahr zu spät, sodass dann grösseres Unglück kaum noch zu verhüten ist. In Erwägung dieser Gesichtspunkte und in Anbetracht der Verkehrsdichte und der hohen Fahrgeschwindigkeit der Züge, die die Gefahr mittelbar erhöhen, hat Seile die Anordnung getroffen, dass aussergewöhnlich starke, senkrechte Stösse, welche die Achse bei Entgleisungen, oder bei Schäden am Fahrzeug selbst treffen, nutzbar gemacht werden, um ein Ventil der Bremsluftleitung zu öffnen, wodurch bekanntlich sowohl die Luftdruck- als auch Luftsaugebremsen in Tätigkeit treten. Das Prinzip des Apparates ist einfach: Die Achsbüchse mit dem Federbund befindet sich während der Fahrt in fortwährender relativer Bewegung zum Wagenlängsträger; wird diese Bewegung eine ungewöhnlich grosse, so ist dies ein Zeichen für eine Störung irgend welcher Art, die den Anlass zum Bremsen geben soll. Zu diesem Zweck machen – siehe die Abbildung – zwei auf einem senkrecht angeordneten, mit Skala versehenen Lineal feststellbare Knaggen die Bewegungen der Achsbuchse mit. Im Ruhezustande befindet sich genau in der Mitte zwischen beiden Knaggen das Ende eines Hebels, der das Ventil der Bremsluftleitung betätigt und in dieser Ruhelage bleiversiegelt ist. Findet eine ungewöhnlich grosse Bewegung der Achse nach oben oder unten statt, so nehmen die Knaggen den Hebel mit, wodurch das Ventil geöffnet und die Bremse angezogen wird.

Textabbildung Bd. 318, S. 527

Der Apparat wurde dem Versuch unterworfen. Im Werkstättenhof der Firma Ganz & Co. wurde ein Wagen, der mit einer Geschwindigkeit von 30 km in der Stunde fuhr, zum Entgleisen gebracht: Der Apparat wirkte sofort und brachte den Wagen innerhalb 7 m zum Stehen. Auf Grund dieses gelungenen Versuchs Wurde der Apparat bei einem Personenwagen der ungarischen Eisenbahnen auf der Strecke Budapest-Györ eingebaut. Die Knaggen waren auf ein Spiel von 70 mm eingestellt: Eine unbeabsichtigte Wirkung des Apparates trat nicht ein, deren Befürchtung Wohl hauptsächlich Ursache des einmonatlichen Versuchs war.

Die Aufgabe, die dieser Apparat in so einfacher Weise löst, ist schon mehrmals in umständlicherer Weise behandelt worden, sodass die Konstruktiones kaum zu Versuchen aufforderten. Der Seilesche Apparat erscheint uns der Beachtung wert, da in ihm ein wesentlicher Beitrag zur Eisenbahnbetriebssicherheit zu erblicken ist. Es ist nur wünschenswert, dass die Eisenbahnverwaltungen mit ihm eingehende Versuche anstellen, um so mehr, als deren kosten nur sehr geringe sind.

Hans A. Martens.

Separatore Mazza.

Der Separator „Mazza“ bezweckt die Trennung von Gasgemischen verschiedener Dichtigkeit vermittels der Zentrifugalkraft in derselben Weise, wie vermittels der Zentrifuge die Trennung von Flüssigkeitsmischungen verschiedener Dichte bewirkt wird.

Der in untenstehender Figur dargestellte Apparat besteht aus einer schnell rotierenden Trommel, welche mit Oeffnungen an der äussersten Peripherie versehen ist; diese sollen hauptsächlich den infolge der Zentrifugalkraft sich am weitesten von der Drehachse entfernenden schwereren Grasen den Abzug gestatten, während andere Oeffnungen, welche sich an der Stirnseite der Trommel in beliebig zu wählendem Abstande von der Drehachse befinden, zum Abzüge der leichteren Gase dienen.

Nach den Angaben des Erfinders findet eine merkbare Trennung schon bei solchen Gasgemischen statt, deren Bestandteile nur geringe Dichtigkeitsunterschiede aufweisen, so z.B. bei der atmosphärischen Luft, deren Hauptbestandteile nur einen Dichtigkeitsunterschied von etwa 10 v. H. haben. Es soll nämlich die zentrifugierte Luft bereits dermassen mit Sauerstoff angereichert sein, dass sie zur Besserung der Feuerung von Dampfkesseln angewendet, eine Ersparnis an Kohlen bis zu 23 v. H. ergeben haben soll.

Textabbildung Bd. 318, S. 527

Der Zentrifugierung gewisser Gasgemische stellen sich manchmal Schwierigkeiten entgegen, welche nur durch die Annahme einer gewissen Affinität der Bestandteile zu einander erklärt werden können; so z.B. soll es viel leichter gelingen, die Kohlensäure aus einem Gemisch von gleichen Teilen von Kohlensäure. Sauerstoff und Stickstoffabzuscheiden, als aus einem solchen Gemisch von Kohlensäure, Kohlenoxyd und Stickstoff, woraus auf eine gewisse Affinität zwischen Kohlensäure und Kohlenoxyd geschlossen werden muss.

Der Erfinder verspricht sich auch bedeutsame Umwälzungen in der gesamten Gastechnik von der Anwendung seines Separators, indem hierdurch das Gas nicht nur gereinigt werden kann, sondern auch die bisher schwer zu trennenden Gasgemische in der einfachsten Art den geeignetsten Verwendungszwecken der einzelnen Gase entsprechend getrennt werden können.

Als weitere Anwendung dieses Separators ergibt sich die Trennung und Entfernung der Grubengase aus der Luft der Bergwerke, wodurch schlagende Wetter verhindert werden würden.

Eine der wichtigsten Anwendungen wäre aber die auf die Hochofengase, deren Verwertung in jüngster Zeit in den Vordergrund des Interesses getreten ist. Hierbei wird hauptsachlich die Kohlensäure und, was das Wichtigste ist, der Staub entfernt werden, sodass das zentrifugierte leichtere Gasgemisch zum unmittelbaren Verbrauch in Grasmaschinen verwendbar sein würde.

Alle Anwendungsgebiete dieses Separators hier aufzuzählen würde zu weit führen, doch dürfte, wenn sich die Angaben des Erfinders bestätigen, was durchaus wahrscheinlich ist, dem „Separatore Mazza“ eine glänzende Zukunft bevorstehen.

Durch Hintereinanderschaltung mehrerer solcher Separatoren würde sich wohl auch eine noch weitergehende Trennung der Gase erzielen lassen, sodass das Problem der direkten Sauerstofferzeugung aus der Luft auf diese Weise in einfachster Weise lösbar erscheint.

Dr. K.

Franks Rechenschieber.

Der Einskala-Rechenschieber von Dr. ing. Frank, welchen A. Martz in Stuttgart in den Handel bringt, unterscheidet sich von den bisher üblichen Hilfsmitteln dieser Art dadurch, dass seine Skala auf die doppelte Länge gebracht ist, wodurch eine grössere Genauigkeit gegenüber den bisher üblichen Systemen erreicht wird. Wenn sich nun auch übet den Wert dieser Massnahme streiten lässt, da diese grössere Genauigkeit auf Kosten gewisser