Text-Bild-Ansicht Band 318

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Moderne Dampfkesselanlagen.

Von O. Herre, Ingenieur und Lehrer in Mittweida.

(Schluss von S. 536 d. Bd.)

5. Wasserrohrkessel mit krummen Röhren.

Gebogene Wasserrohren werden bei Landkesseln im allgemeinen wenig verwendet. Zu erwähnen wäre an dieser Stelle zunächst der Prégardienkessel, der in sehr verschiedenen Anordnungen von der Firma Jos. Prégardien in Kalk bei Köln gebaut wird.

Fig. 308 und 309 zeigen zwei solcher Kessel, welche aus je einem walzenförmigen Ober- und einem Unterkessel bestehen; diese sind durch eine grössere Zahl gebogener Siederöhren und durch zwei weite, 400 mm in Lichten zeigende Stutzen verbunden. Ober- und Unterkessel haben 1,4 m Durchmesser. Zwischen den gebogenen Wasserrohren ist noch ein Ueberhitzer eingebaut.

Die Heizgase gelangen von dem Planrost in einem wagerechten Zuge an das erste Röhrenbündel, dann an den Ueberhitzer und schliesslich an das zweite Röhrenbündel. Gleichzeitig wird dabei die Unterseite des Oberkessels und die Oberseite des Unterkessels bestrichen. In diesem ersten Zuge sind seitlich Mauerzungen eingebaut (Fig. 309), welche die Gase auf das Rohrenbündel zusammendrängen. Aus dem ersten Zuge gelangen die Gase auf die Unterseite des Unterkessels, die in zwei Längszügen bestrichen wird.

Textabbildung Bd. 318, S. 551

Bei dieser Heizgasführung wird die Verdampfung in dem vorderen Röhrenbündel eine besonders kräftige sein; beim zweiten Röhrenbündel sind die Gase schon stark abgekühlt. Ks kann sich daher eine lebhafte Wasserbewegung auf natürlichem Wöge ausbilden, indem das Wasser im vorderen Röhrenbündel emporgetrieben wird, im hinteren Röhrenbündel, besonders aber durch den hinteren weiten Stutzen wieder zurückfliesst. Die Speiseleitung mündet hinten in den Unterkessel.

Der vordere weite Stutzen wird für eine schnelle Abführung des im Unterkessel gebildeten Dampfes sorgen, was wichtig ist, da der dampfberührte Scheitel des Unterkessels ohne besonderen Schutz im ersten Feuerzuge liegt.

Fig. 310-312 zeigen einen Prégardienkessel von 114 qm Heizfläche für 5 ½ Atm. Ueberdruck. Der Oberkessel hat 1,4 m Durchmesser, 5,426 m Länge und 12 mm Wandstärke. Die Rohrplatte ist 18 mm stark.

Die Feuerung ist eine kombinierte Gas- und Planrostfeuerung. Die beiden Unterkessel liegen im ersten Zuge, das Röhrenbündel im zweiten und der Dampfraum der Oberkessel im dritten Zuge.

Bei Fig. 313 und 314 ist der Unterkessel ein Seitflammrohrkessel mit Wellrohr, in dem die Feuerung untergebracht ist. Der Oberkessel ist ein Walzenkessel mit Dampfdom;die Verbindung des Oberkessels mit dem Unterkessel erfolgt in der üblichen Weise durch zwei weite Stutzen und eine Anzahl enger Wasserröhren. Die Heizgasführung ist folgende: I. Zug: Flammrohr; II. Zug: Mantel des Unterkessels; III. Zug: Röhrenbündel; IV. und V. Zug: Dampfraum des Oberkessels.

Der Prégardienkessel ist ein Grosswasserraumröhrenkessel, der in der zuletzt erwähnten Kombination mit dem Flammrohrkessel auch den Vorteil der Innenfeuerung nutzbar macht. Die gebogenen Rohren können Wärmedehnungen leichter ausgleichen, als die geraden, an beiden Enden fest eingespannten Wasserröhren ähnlicher Kesselsysteme.

Verwandt mit dem Prégardienkessel ist der in den Fig. 315 und 316 dargestellte Wasserröhrenkessel der Maschinenfabrik Esslingen in Esslingen. Der Oberkessel ist hier ebenfalls durch gebogene Wasserröhren mit dem Unterkessel verbunden. Das Eigenartige dieses Kessels besteht aber darin, dass die Feuerung als Tenbrinkfeuerung ausgebildet ist und zwar in derselben Weise, wie bei den schon beschriebenen Grosswasserraumkesseln der genannten Firma. (Vergl. hierzu die Figuren in Bd. 317, S. 28, 29.)

Um die Tenbrinkvorlage zugleich zur Erzielung einer Wasserbewegung im Kessel nutzbar zu machen, wird sie einerseits mit dem Unterkessel durch zwei genügend weit gehaltene, schräg abwärts führende Stutzen, andererseits mit dem Oberkessel durch zwei Reihen gebogener Wasserrohren verbunden. Da die stärkste Erwärmung in der Vorlage und an der angrenzenden Seite des Unterkessels, sowie in den im ersten Zuge liegenden Wasserröhren eintreten wird, so ist die Richtung der Wasserbewegung hierdurch bestimmt, Das Wasser wird in den vorderen Rohrreihen aus der Vorlage und dem Unterkessel zum Oberkessel emporgetrieben und fällt durch die hinteren, im zweiten Zuge liegenden Wasserröhren wieder in den Unterkessel zurück.

Da der letztere ebenso wie die Vorlage der Einwirkung sehr heisser Gase ausgesetzt ist, so würde ein Wassermangel im Unterkessel sehr gefährlich werden können. Um einem solchen Wassermangel sicher vorzubeugen, wird deshalb der Unterkessel noch durch zwei besondere Röhren von grösserer Lichtweite mit dem Oberkessel verbunden. Diese beiden Röhren liegen an den Enden der Kessel und sind aus den Fig. 315 und 316 zu ersehen.

Die Firma Solignac, Grille & Cie. in Paris hat sich bemüht, ihr System, welches bekanntlich einen eigenartiges Konstruktionsgedanken verwirklicht, wesentlich zu verbessern. Die ältere Ausführung ist bereits in D. p. J., 1896, 300, 279, eingehend besprochen worden. Der Verdampfer