Text-Bild-Ansicht Band 318

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ersparen kann, auf dem Siebe eine besondere Formateinstellung vorzunehmen, weil man einfach die Spritz Vorrichtung a nach Bedarf mehr oder weniger von der ein für alle Mal eingestellten Bahnbreite abtrennen lässt, nachdem ohnehin das Abgetrennte nicht verloren geht. Wir müssen allerdings dabei bedenken, dass in dieser Weise sehr veränderlicheStoffmengen in den Trog c gelangen, was für das Wegschaffen, insbesondere bei der Pumpe vielleicht Misstände verursachen könnte. Doch ist es immerhin denkbar, dass, gegenüber den jedenfalls aus c wegzuschaffenden bedeutenden Spritzwassermengen, Veränderungen in den Stoffmengen nicht so sehr fühlbar werden.

(Fortsetzung folgt.)

Eigenschaften und Herstellung der Kalksandsteine.

Von Dr. Gustav Rauter.

(Schluss von S. 586 d. Bd.)

Was die Art und Weise der Herstellung des Presskörpers oder Formlings anbetrifft, so sind hierbei zwei Systeme zu unterscheiden. Nach dem einen System ist die Bewegung des Presstempels zwangsläufig, sodass er unter allen Umständen das in die Pressformen eingebrachte Material bis auf eine gewisse, genau vorgeschriebene Dicke zusammendrücken wird. Nach dem anderen System fällt der Presstempel frei in die Pressform herab, sodass eine gewisse Dichtigkeit des Steines, nicht aber bei etwa veränderter Füllung auch genau gleiche Dicke erzielt wird. Im Interesse der Erzielung besonders sauberer Steine ist erstere Konstruktion vorzuziehen, zur Vermeidung von irgendwie eintretenden Unglücksfällen anlässlich des Hin eingeraten s fremder harter Körper in die Pressform, ist die zweite Art und Weise der Stempelführung besser. Um beide Anforderungen mit einander zu vereinigen, stellt man auch Pressen her, deren Stempel zwar zwangsläufig geführt werden, die aber so eingerichtet sind, dass bei Ueberschreiten eines gewissen Gegendruckes eine Sicherungsvorrichtung in Kraft tritt, um einen Bruch der Presse zu verhindern. Jedenfalls ist unter sonst gleichen Verhältnissen diejenige Konstruktion die beste, bei der das Eintreten eines Bruches nach Möglichkeit ausgeschlossen ist, und bei der es nach trotzdem erfolgtem Bruche am leichtesten und in kürzester Zeit möglich ist, den Schaden wieder auszubessern.

Auch noch ein anderer Punkt an der Presse ist von grosser Wichtigkeit, nämlich der Verschleiss der Formkästen. Durch die Reibung des in diese eingepressten Sandes tritt nämlich ein verhältnismässig sehr rascher Verschleiss dieser Kästen ein, sodass sich ihre Wandungen ausweiten und demgemäss die Steine zu gross ausfallen. Es ist nun wichtig, hier eine Presse zu haben, bei der sich dieser Verschleiss leicht wieder ausgleichen lässt. Dieser Ausgleich geschieht nun auf die einfachste Weise so. dass die Formtische mit auswechselbaren Einsätzen für die Pressformen versehen werden. Man hat dann nur nötig, im Falle der Abnutzung für diese Einsätze neue einzufügen. Früher wurde dieser Punkt öfters übersehen, sodass man dann jedesmal den ganzen Formtisch verwerfen musste.

Schliesslich ist noch darauf hinzuweisen, dass vielfach eine Heizung der Presstempel durchgeführt wird, um das Anbacken des Pressgutes an ihnen zu vermeiden. Zu dem Zwecke sind die Stempel hohl und im Innern mit Dampfheizung versehen. Es tritt so weit seltener als sonst die Notwendigkeit ein, die Presse zwecks Reinigung der Stempel still stehen zu lassen.

Von der Presse gelangen die Steine nunmehr in die Erhärtungskessel. Zu diesem Zwecke werden sie vom Presstisch abgenommen und sofort auf daneben stehende Plattformwagen gesetzt, die ohne weiteres in die Erhärtungskessel eingeschoben werden. Diese Plattform wagen müssen möglichst solide konstruiert sein, um das hohe Gewicht der auf ihnen ruhenden Steine tragen zu können, und ausserdem auf einer sorgfältig gelegten Schienenbahn laufen, die namentlich auch da gut in Stand zu halten ist, wo Drehscheiben oder Schiebebühnen in sie eingefügt sind. Denn es muss durchaus vermieden werden, dass das noch ziemlich mürbe und nur eben zusammenhaltende Material irgendwie in die Gefahr kommt, Stösse zu erleiden und dadurch zertrümmert zu werden.

Dass unter diese Plattformwagen öfters Gefässe zum Kalklöschen untergehängt oder untergeschoben werden, wurde bereits erwähnt.

Die Erhärtungskessel pflegen einen Durchmesser von etwa 2 m und eine Länge von 10 bis 20 m, unter Umständenauch noch mehr zu haben. Sie werden wagerecht gelagert, sodass die Wagen ohne weiteres in sie einfahren können. Aussen sind sie mit einem isolierenden Mauerwerk umgeben. Der schwierigste Punkt in ihrer Konstruktion ist die Erzielung einer guten Abdichtung für ihre Kopfenden, die einerseits dem bedeutenden Innendruck standhalten, andererseits aber auch leicht vorgesetzt und wieder entfernt werden müssen. Die Verschlussdeckel pflegen an Flaschenzügen beweglich zu sein, sodass sie im Falle der Füllung oder Entleerung des Kessels nach oben gezogen und nach Bedarf wieder herabgelassen werden können. Sie werden mittels eines Kranzes von Schrauben auf dem Kessel befestigt. Zweck massig sind diese Schrauben so eingerichtet, dass der Schraubenbolzen an dem einen Ende in einen Ring ausläuft, der um einen Stift drehbar ist. Diese Stifte sind dann rings um die Mündung des Erhärtungskessels so befestigt, dass die Schraubenbolzen bei Nichtgebrauch nach hinten zurückgeschlagen sind, während sie beim Gebrauch nach aussen umgeklappt werden und dann in Ausschnitten des Deckelrandes eingreifen, sodass sie beim Anziehen der Muttern den Deckel gegen den Kessel anpressen. Auf diese Weise wird ein Verlorengehen der Schrauben vermieden, und jede Schraube befindet sich stets genau an dem für sie bestimmten Platz.

Es ist verschiedentlich darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich innerhalb der Erhärtungskessel für Kalksandsteine verhältnismässig recht viel freier Raum befindet, und dass nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel des Raumes wirklich von Steinen ausgefüllt werde. Um diesen Raum auszunutzen, sind einesteils Kalklöschvorrichtungen hier untergebracht worden, andererseits ist aber auch der Vorschlag gemacht worden, die Kalksandsteine nicht in den wagerecht liegenden Kessel einzuschieben, sondern sie in einen senkrecht zu stellenden Kessel einzulassen. Es wurden dann die entsprechend umzuändernden Plattformen von den Wagen abgehoben und mittels eines Flaschenzuges in den Kessel übereinander eingesetzt. Es ist andererseits aber auch leicht nachzuweisen, dass dieser Raumersparnis bedeutende Nachteile gegenüberstehen, und dass der letzt erwähnte, in einer Fabrik in Frankreich ausgeführte Vorschlag wohl weiter keine Verbreitung finden wird. Durch die senkrechte Stellung der Kessel werden viel schwierigere Bau- und Fundierungsarbeiten für deren Aufstellung nötig, als es bei liegenden Kesseln der Fall ist; auch leidet die Ueberwachungsmöglichkeit der Kessel hierbei bedeutend, und schliesslich würden etwa durch Abschleudern des Kessel deck eis verursachte Unglücksfälle weit schlimmere Folgen haben, wenn der Kesseldeckel nicht blos seitlich herausgeschleudert würde, sondern in die Höhe und wieder zurückfliegen würde. Namentlich aber verursacht das Hineinbringen und Wiederherausheben der einzelnen Plattformen gegenüber dem einfachen Hineinschieben der Wagen einen solchen Mehraufwand an Arbeit, dass demgegenüber der nur sehr geringe Aufwand an Dampf für die Füllung des leer gelassenen Kesselraumes kaum in Betracht kommt.

Andererseits ist es auch verschiedentlich vorgeschlagen worden, an Stelle einer gewöhnlichen Bahnanlage die Wagen mit den Kalksandsteinen auf einer Hängebahn in den Kessel hineinzubefordern. Jedoch leiden auch diese Vorschläge noch an starken Unzuträglichkeiten und sind für die praktische Ausführung wenig geeignet.

Wie viel Druck in dem Erhärtungskessel gegeben wird, ist sehr verschieden. Der angewendete Druck schwankt nach dem, was darüber bekannt geworden ist, zwischen 6 und 10