Text-Bild-Ansicht Band 318

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vom Kühl- zum Verkaufsraume zu bringen. Die Lagerzeit beträgt 4-6 Monate.

Bemerkenswert sind auch die Erfolge auf dem Gebiete der Unterdrückung des Pflanzenwachstums und es ist heute der Kältetechnik eine Leichtigkeit, für Pflanzen aller Art die Blütezeit ganz nach Wunsch, z.B. in den Herbst, zu verlegen. Lilienknollen entwickeln sich nach dem Herausnehmen in etwa 20 Tagen zu voller Blüte.

Textabbildung Bd. 318, S. 700

Ausser diesen finden wir künstliche Kälte verwendet in chemischen Fabriken zur Chlorverflüssigung, für Durchführung von Destillationsprozessen, in Fabriken ätherischer Oele zur Gewinnung von Blumenextrakt, in Färbereien zur Bereitung kalter Laugen, welche Stoffen intensiv leuchtende Farben verleihen, zu Brunnenbohrungen in schwimmendem Gebirge, in Gummifabriken zum Erstarren der Gummimasse, in Dynamitfabrikenzum Nitrieren, in Paraffinfabriken zur Auskrystallisierung des Paraffins, in Stearinfabriken zum Erstarren der Stearinkuchen, in Universitäten, tierärztlichen Hochschulen, öffentlichen Schulhäusern, zur Leichenkonservierung für Sektionszwecke, in Vergnügungslokalen zur Herstellung künstlicher Eislauf bahnen, in Wohn-, Geschäftsund Versammlungsräumen zur Herbeiführung ertragbarer Temperaturen, in Weinkellereien zur Konzentration der nicht transportfähigen südlichen Weine (statt Zusetzung von Alkohol), zur Entfernung des bei der Flaschengährung gebildeten Trübes in Schaumweine (sog. Degorgieren), zur Raumkühlung bei der Melasseentzuckerung u.s.w., und geben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, mit vorstehendem ein Geringes zum Verständnis dieser jungen Technik beigetragen zu haben.

Mitteilungen aus dem Eisenbahn-Sicherungswesen.

Von Regierungsbaumeister Hans Martens.

(Schluss von S. 679 d. Bd.)

Solange die Bahnstrecke noch Landstrassen in gleicher Höhe kreuzt, wird der Bahnbewachung, insbesondere den Wegeschranken hohe Aufmerksamkeit gewidmet. Um ein Einschliessen von Fahrzeugen und Fussgängern auf dem Bahnkörper durch die Schranken zu vermeiden, wird kurz vor Schliessen derselben ein Glockensignal gegeben. Um nun dies Signal, welches oft bei verspätetem Schliessen der Schranke versäumt wird, zu erzwingen, sind verschiedene Konstruktionen von Schranken mit Vorläutezwang aufgetaucht, die indessen auch nicht allen Anforderungen des Betriebes entsprechen, aber dennoch einen bemerkenswerten Fortschritt auf diesem Gebiet darstellen.

Die Firma Willmann & Co., Dortmund, erreicht den Vorläutezwang bei Wegeschranken durch die mit der Winde vereinigte pneumatische Unterwegssperre (Fig. 13).

Die Einrichtung besteht aus der mit der Windenkurbel A mittels Zahnrädern J und Bolzen L gekuppelten Steuerscheibe K, durch welche der Lenker O beim Drücken auf den Rollenzapfen M gehoben wird. Mit dem Lenker O ist durch die Druckstange Q der Lenker W verbunden, der mit dem im Zylinder X beweglichen Kolben Z derartig gekuppelt ist, dass beim Heben des Lenkers O der Kolben sich aufwärts bewegt und durch das Ventil C1 Aussenluft ansaugt. Auf dem Lenker W ist die Sperrklinke S gelagert, die bei gesunkenem Kolben in das auf der Kurbelachse G festgekeilte Sperrad G eingreift und die Kurbel für die dem Schliessen der Schranke entsprechende Drehrichtung festhält. Um das selbsttätige Sinken des Kolbens zu ermöglichen, muss die angesaugte Luft erst durch einen einstellbaren Regelhahn D1 entweichen. Ein Schild zeigt dem Wärter die jeweiligen Endstellungen der Schranke – offen oder geschlossen – an.

Beim Oeffnen der Schranke ist der Wärter gezwungen, die Kurbel solange zurückzudrehen, bis der volle Vorläuteweg an der Schranke vorbereitet ist. Während des Rückwärtsdrehens der Kurbel sinkt der Kolben abwärts, sodass, falls der Wärter nicht vollständig zurückdreht, die Sperrklinkezum Eingriff gelangt und dadurch das Vorwärtsdrehen verhindert, während das Rückwärtsdrehen stets möglich bleibt. Um ein Vorwärtsdrehen zu ermöglichen, ist es somit erforderlich, dass die Kurbel immer solange zurückgedreht wird, bis der Kolben in der gehobenen Stellung festgehalten wird. Wird die Schranke nun wieder geschlossen, dann bleibt der Kolben infolge der im Zylinder vorhandenen, angesaugten Luft schweben und sinkt erst nach einiger Zeit abwärts, wodurch der Wärter gezwungen wird, nicht nur den Vorläuteweg abzuwickeln, sondern durch die Schranke mindestens teilweise zu schliessen. Bei einer Neigung des Schrankenbaums um 45° hat sich die Steuerscheibe K soweit gedreht, dass der Kolben Z abermals gehoben und am Herabsinken gehindert wird. Von dieser geneigten bis zur wagerechten Lage des Schrankenbaumes kann die Schranke nach Bedarf geöffnet und gesenkt werden, sodass etwa eingeschlossene Fuhrwerke usw. befreit werden können.

Die neue Bauart (Fig. 14) der Schranke von Willmann & Co. hat den Zweck, das rechtzeitige Vorläuten an der Schranke zu erzwingen, ohne hierbei das Getriebe während der Schliessbewegung des Schrankenbaumes festzulegen, wie das bei der vorhergehenden der Fall ist.

Mit der Schrankenkurbel k wird eine Steuerscheibe a durch die Zahnräderpaare b-c und d-e in Abhängigkeit gebracht. Im Kanal der Steuerscheibe a greift das an dem einen Ende des Winkelhebels f sitzende Röllchen g ein, während eine im anderen Hebelende schwingende Sperrklinke h mit dem auf der Kurbelachse sitzenden Sperrad i zusammenarbeitet. Die Sperrklinke h befindet sich während des Vorläutens in der sperrenden und während der Schliessbewegung der Bäume in der nicht sperrenden Lage.

Oberhalb des Sperrwerks befindet sich eine um die Achse q schwingende hellfarbige Prüfscheibe l, die durch den Hebel m und die Zugstange n mit dem verlängerten Ende des Hebels f derart in Verbindung steht, dass bei