Text-Bild-Ansicht Band 322

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bildete eine Lösung der gestellten Aufgabe; später wurde die Maschine von Napier wesentlich verbessert und fand in dieser Form große Verbreitung.

Die Napiersche Münzsortiermaschine5) umfaßt zwei Wagsysteme mit den zugehörigen Einfüllröhren und Arretierungsvorrichtungen. Jede Wage besteht aus einem gleicharmigen Balken, an dessen Enden zwei steigbügelähnliche Wagschalen aufgehängt sind, wovon die eine zur Aufnahme des Gewichtsstückes dient, während die andere oberhalb des Balkens einen Wagtisch trägt, auf welchen die zu wägenden Münzplatten mittels des Zubringers aus dem Zuführungskanal gelangen.

Zur Arretierung der Wage dient eine unterhalb der Wagschalen befindliche Regulierungsstange, sowie eine unterhalb des Wagbalkens angebrachte besondere Klemme. Durch die Regulierungsstange erhält gleichzeitig auch ein Indikator die entsprechende Stellung; letzterer bewirkt, daß die ausgewogene Platte in den richtigen Sammelbehälter gelangt.

Als Gegengewicht dient das gesetzlich zulässige Minimalgewicht der zu sortierenden Münzsorten. Am unteren Ende der mit Gegengewicht belasteten Wagschale befindet sich ein Toleranzreiter im Gewichte des gestatteten Remediums. Das Toleranzgewicht stellt somit die gesetzliche Gewichtsabweichung unter dem Normalgewichte dar und ergänzt das in der Schale befindliche Grenzgewicht bis zum Normalgewicht. Es sind demgemäß alle Platten, welche das Toleranzgewicht nicht zu heben vermögen, zu leicht; alle schwereren Platten werden je nach der Indikatorstellung als „normal“ oder „schwer“ ausgeworfen.

Die Wage sortiert nach zwei oder drei Klassen; im ersteren Fall trennt sie diejenigen Platten, welche schwerer als das festgesetzte Grenzgewicht sind, von jenen, welche leichter sind; bei der Sortierung nach drei Klassen scheidet die Maschine die Platten in solche aus, welche das gestattete obere Grenzgewicht überschreiten, dann in jene, welche innerhalb der Toleranz liegen und schließlich in leichte.

Die dreiklassige Maschine vermag Platten zu sortieren, welche im Gewicht von einem Fünffrankstück oder Dollar abwärts bis zu einem englischen ½ Sovereign variieren dürfen. Die Schnelligkeit, mit welcher die Maschine arbeitet, hängt natürlich von dem Gewichte der zu sortierenden Platten ab, so können z, B. bei Platten im Gewicht von einer Rupie (11,66 g) i. d. Minute 26 Stück ausgewogen werden.

Die zweiklassige Maschine ist besonders für den Gebrauch in Banken eingerichtet und kann, wenn nötig, auch mit der Hand angetrieben werden; sie vermag i. d. Minute 60 Stück zu sortieren.

Von der Napierschen Maschine, welche die Firma D. Napier & Son, Acton Vale, London W, anfertigt, steht besonders die dreiklassige Maschine in zahlreichen Münzstätten in Verwendung, so allein über 140 Stück in den indischen Münzen und über 70 Stück in der russischen Münze.

Im Anschlusse an die Napiersche Maschine ist nun die Münzsortiermaschine von Paul Stückrath in Friedenau-Berlin zu erwähnen, welche der Napierschen Maschine sehr ähnlich konstruiert ist. Dieselbe ist mit drei Wagsystemen ausgestattet, sortiert Münzplatten, welche im Gewicht und Größe zwischen einem Zehnmarkstück und einem Zweimarkstück liegen, in drei Klassen und liefert i. d. Minute 60 Stück (20 Stück für die Wage).

Eine von dem Mechaniker Paul Bunge in Hamburg im Jahre 1876 neukonstruierte selbsttätige Münzwägemaschine wurde zunächst in den Münzstätten Berlin und Hamburg eingehenden Prüfungen unterzogen, welche günstige Ergebnisse lieferten.

(Schluß folgt.)

Ueber einige eisenbahnsignal-technische Neuigkeiten.

Von L. Kohlfürst.

(Fortsetzung von S. 59 d. Bd.)

Eine Anordnung, welche den vorbesagten Bedingungen entspricht, ist aus den Werken der Union Swith and Signal Company in Swiss Vale, Pennsylvania, hervorgegangen und u.a. auf der Pittsburg and Lake Erie Reilroid in praktischer Verwendung. Die betreffenden Mastsignale haben die gewöhnliche auf den amerikanischen Vollbahnen gebräuchliche Größe und tragen zwei Flügel übereinander, von denen der obere das Vorsignal, der untere das Ortsignal darstellt. Außer durch ihre gegenseitige Lage sind die beiden Arme für den Tagdienst nur noch dadurch unterschieden, daß jener für das Vorsignal ein abgerundetes und der fürs Ortsignal ein wimpelförmiges Außenende besitzt. Bei Tag gilt der schräg nach abwärts gekehrte Flügel in allen Fällen für Freie Fahrt, der wagerecht liegende Flügel bedeutet hiergegen beim Ortsignal Halt, beim Vorsignal Vorsicht; bei Nacht gilt das nicht abgeblendete gewöhnliche Licht für Freie Fahrt, rotabgeblendetes Licht für Halt grünabgeblendetes für Vorsicht. Der in jedem Signalstellwerk vorhandene Elektromotor, eine kleine Gleichstromdynamomaschine, besorgt für beide Flügel das Heben derselben in die Freilage mit einem Kraftaufwand von ⅙ PS; die Einstellung auf Halt bezw. auf Vorsicht erfolgt jedoch durch die Wirkung eines an jedem Flügel angebrachten Ausgleichgewichtes vermehrt durch die Schwere des Flügelgestänges.

Die Achse des Motors M überträgt ihre Umdrehungen, wie die Darstellung des Signalstellwerkes (Fig. 2) ersehen läßt, durch Vermittlung eines Zahnradvorgeleges R1, T2 auf die Achse des Rades R2, auf welcher auch zwei gleichgroße Kettenräder sitzen, von denen jedes eine endlose Kette KK antreibt. Bei allen Betätigungen von M bleibt seine Bewegungsrichtung und die des Vorgeleges unveränderlich dieselbe, weshalb auch die beiden parallellaufenden endlosen Ketten KK, von denen die vordere in der Zeichnung sichtbare dem Ortsignal und die andere in der Zeichnung verdeckte dem Vorsignal entspricht, in übereinstimmender Geschwindigkeit und gleichbleibender Richtung angetrieben werden. Den Ketten gegenüber sitzen auf einer im Gestelle gelagerten Achse X die beiden Signalstellhebel P und P1, von denen jeder durch eine regulierbare Gelenkstange S bezw. S1 mit seinem zugehörigen Signalflügel des Mastes in Verbindung steht; an jedem derselben ist ein kräftiger Elektromagnet E bezw. e angebracht, dessen Anker die wichtige Aufgabe zufällt die Verbindung zwischen Signalhebel und dem elektrischen Antrieb im richtigen Augenblick herzustellen oder zu lösen.

Bei der in Fig. 2 dargestellten Lage des Signalstellhebels P zeigt der zugehörige Flügel des Ortsignal Freie Fahrt, bei jener des Stellhebels P1 der zugehörige Flügel des Vorsignals Vorsicht. Würde nunmehr beispielsweise

5)

E. Schlösser, Münztechnik Hannover 1884.