Text-Bild-Ansicht Band 322

Bild:
<< vorherige Seite

Kreuzwindung dient der aufsteigenden Spirale als Brücke; je weniger sich diese nun unter dem Druck ihrer Last durchbiegt, ein desto rascheres Abziehen ohne Fadenverwirrung wird ermöglicht.

Andererseits machen die Spindeln während der Bildung der aufsteigenden Spirale zu wenig Umdrehungen; die Fadenreserve wird wieder größer. Die vorhergehende Verkürzung derselben wird wieder ausgeglichen, und es kann schließlich eine absolute Vergrößerung der Reserve eintreten. Doch hat man in dem sog. Hartwinder ein Mittel in der Hand, welches dann für eine Vergrößerung der Tourenzahl der Spindeln sorgt.

Aus den früher aufgestellten Gleichungen lassen sich die Werte e, r, v berechnen, doch ist ohne weiteres nicht ersichtlich, daß die daraus berechneten Werte auch in der Praxis brauchbar sind, sei es, daß imaginäre Werte entstehen, also mathematisch genommen, brauchbare Werte oder auch positive, die eine praktische Verwertung ausschließen. Für die Berechnung von e, r, v bezw. für die Aufstellung der betreffenden Gleichungen wurden sämtliche andere Werte als bekannt vorausgesetzt, z.B. s1; mittlerer Kegeldurchmesser. Man kann mit der Wahl dieser Größen soweit gehen, daß der Quadrant für die Praxis sehr günstige Resultate ergibt. Auf diese Weise hat die geniale Erfindung des Quadranten den Selfaktor zu einer sehr vollkommenen Selbst-Spinnmaschine gemacht.

Gleichung 36 wurde aufgestellt auf Grund der Bedingung, daß die Kette niemals schlaff werden darf. Mit der Zunahme von r, gleich der Entfernung des Aufhängepunktes J am Quadranten vom Drehpunkt D desselben, nähert man sich dem Grenzfall eines Wendepunktes mit wagerechter Tangente. Wird r nun noch größer, so tritt ein Schlaffwerden der Kette innerhalb der Wageneinfahrt ein. Dies äußert sich in der graphischen Darstellung der Kurve derart, daß dieselbe einen höchsten und schließlich auch einen tiefsten Punkt besitzt. Es darf also r ein ganz bestimmtes Höchstmaß nicht überschreiten. Dieses Maximum soll nun mathematisch festgelegt werden. Da hier nur der einzuschlagende Weg gezeigt werden soll, wird der Einfachheit halber angenommen, daß

in 27) . . . . . 36)

Bei einer solchen Annahme kann natürlich von der Kurve nicht mehr gefordert werden, daß sie durch die drei Punktet, B, C (Fig. 15), gehe. Hauptgleichung 27 geht dann über in

k2 = (e + uc)2 + r2 – 2r (e + uc) sin u . . . . . 39)

kk' = (e + uc) c – rc sin u – r (e + uc) cos u ≧ 0 . . . . .40)

Diese Bedingung muß für jede Stellung des Quadranten während der Wageneinfahrt erfüllt werden; also auch für den Beginn derselben, für

u = 0, in 40)

e (c – r) ≧ 0 . . . . . 41)

Daraus folgt die Bedingung, daß

r ≦ c . . . . . 42)

Gleichung 41 wird auch befriedigt für den Wert

e = 0 in 40).

uc – r sin u – ru cos u ≧ 0 . . . . .43)

Für den Wert u = 0, für welchen Gleichung 43 auch erfüllt werden muß, tritt der Fall ein:

. . . . . 44)

(Schluß folgt.)

Die heutige Ziegelindustrie.

Von Gustav Benfey, Lauban.

(Fortsetzung von S. 523 d. Bd.)

Den wichtigsten Vorgang in der Herstellung der Ziegelware bildet das Brennen. Durch das Brennen wird die bisher in Wasser aufweichbare Masse in einen unauflösbaren Zustand überführt und der Ware gleichzeitig die Festigkeit verliehen, welche sie mechanischen und chemischen Einflüssen gegenüber zu ihrer künftigen Bestimmung geeignet macht.

indem wir die Ware der Glut des Feuers aussetzen, vollziehen sich Veränderungen chemischer und physikalischer Natur. Die chemische Veränderung beruht in der Verflüchtigung des beim Trocknen noch verbliebenen Wassers, die physikalische in der Umwandlung des Tons zu einer festen Masse. Diese letztere Veränderung wird durch die im Ton in großen oder geringeren Mengen enthaltenen Flußmittel begünstigt, die sich bei hoher Temperatur verflüssigen und die schwerer schmelzbare tonige Grundmasse dichten. Je nach der Temperatur, der die Ware im Ofen ausgesetzt wird, oder nach den Flußmitteln, die im Tone enthalten sind oder nach der Magerung, erhält das gebrannte Produkt einen mehr glasigen, wasserundurchlässigen, oder erdigen, wassersaugenden Charakter, wie die Ware ihrer künftigen Bestimmung entsprechend sich verhalten muß.

Wir unterscheiden im Brennprozeß drei Abschnitte: das Schmauchen, das eigentliche Brennen und das Kühlen. Unter Schmauchen verstehen wir das langsame Anwärmen der eingesetzten Ware bis zu einer Temperatur von etwa 120° C, wobei die in dem Formung noch vorhandene Feuchtigkeit vollständig ausgetrieben und in Wasserdampf überführt ist. Dieses Schmauchen, das entweder direkt von den Ofenrosten aus bei reichlicher Luftzuführung oder indirekt vermittels Ueberführung von überschüssiger Wärme aus abkühlenden Oefen geschieht, muß langsam und gleichmäßig erfolgen. Langsam, weil beim zu raschen Austreiben des Wassers eine empfindliche Ware leicht Risse erhält, wenn die im Innern eingeschlossene Feuchtigkeit zu rasch nach außen strebt, – gleichmäßig, weil das Niederschlagen der Wasserdämpfe an noch nicht angewärmten Formungen im Ofen, besonders für die feinere Ziegelware, sehr schädigende Farbenveränderungen der gebrannten Erzeugnisse hervorruft. Diese sog. Verschmauchungen entstehen dadurch, daß in den Wasserdämpfen flüchtige Salze, Säuredämpfe, usw. enthalten sind, die sich auf dem kalten Formung mit dem Wasserdampf niederschlagen und nach dem Wiederverschwinden des Wassers an der Oberfläche des Formlings