Text-Bild-Ansicht Band 322

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Neuere Herstellungsweisen der Transmissionsseile.

Von Ernst Schulz in Schwelm.

(Schluß von S. 569 d. Bd.)

Die Seilfäden werden heute noch fast allgemein auf der Seilbahn, die bis zu 1000 m lang zu sein pflegt, in der bekannten Weise mittels eines Austreibewagens zu Litzen oder Schenkeln vereinigt, wobei der Wagen durch ein Pferd oder durch ein die ganze Seilbahn entlang laufendes Antriebsseil, seltener durch einen auf dem Wagen selbst befestigten Elektromotor in Bewegung gesetzt wird. Gleichzeitig erhält die an dem Austreibewagen befestigte Seillitze durch eine geeignete Räderübersetzung die erforderliche Drehung in der Weise, daß auf jede Längeneinheit, um die der Wagen voranschreitet, eine sich stets gleichbleibende Anzahl von Drehungen der Seillitze kommt. Die einzelnen Fäden wickeln sich entsprechend dem Voranschreiten des Wagens von einem Spulengestell ab; durch ein Paar Preßbacken, die sie beim Beginn der Seilbahn durchlaufen, ist dafür Sorge getragen, daß sich die ihnen vom Wagen erteilte Drehung nicht weiter nach rückwärts überträgt. An dieser Einrichtung hat sich lange Zeit hindurch wenig geändert, und erst in den allerletzten Jahren ist man in größeren mechanisch betriebenen Seilereien dazu übergegangen, die Litzen nicht mehr auf der Seilbahn, sondern auf besonders dafür gebauten Maschinen (horizontal formers) herzustellen, von denen in Fig. 7 und 8 die gebräuchlichsten Bauarten wiedergegeben sind.

Textabbildung Bd. 322, S. 582
Textabbildung Bd. 322, S. 582

Die in Fig. 7 dargestellte Konstruktion dient zur Anfertigung schwächerer Seillitzen, die nicht mehr als 15 mm Durchm. haben, während auf der Maschine (Fig. 8) Litzen von größerem Durchmesser hergestellt werden können.

Bei der Ausführung (Fig. 7) sind zwei Spindeln nebeneinander angeordnet und fällt die Achse der Aufnahmespule mit der Spindelachse zusammen, genau wie dies bei den selbsttätigen Spinnmaschinen der Fall war, mit denen diese Konstruktion auch noch sonst mancherlei Aehnlichkeit besitzt. Die durch zwei mit Federdruck gegeneinander gepreßte Walzen laufenden Seilfäden gelangen zunächst durch eine Büchse, in der sie auf den Durchmesser der fertigen Litze zusammengedrückt werden und alsdann durch die hohle Spindelachse zu zwei vierrilligen Transportwalzen, von denen sie den Spulen zugeführt werden. Die Spindel wird bei dieser Konstruktion nicht durch Zahnräder, sondern durch einen kräftigen Riemen angetrieben, während die Spulen auch hier mittels eines in der Figur deutlich wahrnehmbaren Schleppriemens in Bewegung gesetzt werden. Die auflaufende Seillitze wird nicht wie der Seilfaden bei den selbsttätigen Spinnmaschinen in der Längsrichtung der Spule hin- und hergeführt, sondern es bewegt sich umgekehrt die Spule auf der Spindelachse vor und zurück, während die Auflaufstelle der Seillitze stets in der gleichen Vertikalebene liegt. Um die Spule trotzdem bremsen zu können, ist die Breite der auf der Hauptwelle befestigten Antriebsscheibe für den Schleppriemen gleich dem Spulenhub zuzüglich der Riemenbreite gewählt worden, so daß der Schleppriemen der Spulenbewegung ungehindert folgen kann.

Um eine Litze von möglichst gleichmäßigem Gefüge zu erhalten, läßt man die einzelnen Seilfäden in konzentrischen Ringen in die Spindel einlaufen und bringt zu diesem Zweck vor der Maschine eine sog. Registerplatte an, die ebensoviele in konzentrischen Kreisen liegende Löcher hat, wie Seilfäden zu einer Litze vereinigt werden sollen. Zwei solcher Platten sind in Fig. 7 neben der Maschine liegend erkennbar.

Bei Maschinen, auf denen stärkere Litzen angefertigt werden sollen, lagert man in der Regel die Spule senkrecht zur Spindelachse, wie dies auch bei der in Fig. 8 abgebildeten Litzenmaschine (former) geschehen ist, auf der man Litzen bis zu 25 mm Durchm. herstellen kann. An Stelle der Spindel ist hier ein rahmenartiges Gestell getreten, das mit seinen beiden Zapfen in zwei kräftigen Lagerböcken frei drehbar gelagert ist. Die einzelnen Seilfäden laufen durch zwei Registerplatten und durch eine auswechselbare Büchse, in der sie kräftig zusammengepreßt und dadurch gleichsam poliert werden, zu der Spindel, deren Achse auch hier durchbohrt ist. Den Transport bewirken zwei kegelförmig gedrehte Scheiben, um welche die Litze, die an dieser Stelle bereits ihre Drehung erhalten hat, mehrere Male herumgeschlungen wird. An Stelle der kegelförmigen Scheiben treten häufiger noch die auch bei den selbsttätigen Spinnmaschinen angewendeten Rillenscheiben. Bevor die Litze zur Spule gelangt, durchläuft sie eine gabelförmige Führung, die auf einer von der Spulenachse aus angetriebenen Welle hin- und hergeführt wird in der Weise, daß in die Welle eine sich kreuzende Spiralnut eingearbeitet ist, in die eine an der Führung befestigte Stahlzunge eingreift.

Bevor die Fäden durch die Büchse zusammengepreßt werden, kann man sie auch noch einen heizbaren Imprägnierkasten durchlaufen lassen und sie mit Fett tränken. Durch den hinteren hohlen Zapfen der Spindel hindurch ist eine Welle geführt, die an ihrem äußeren Ende eine Bremse trägt und an dem inneren Ende ein Kegelrad,