Text-Bild-Ansicht Band 322

Bild:
<< vorherige Seite

die Ventile umsteuern, wodurch selbsttätig das Spiel von neuem beginnt. Die unterhalb der Gewichte EF angebrachte hydraulische Bremse W dient zur Milderung des durch den Fall hervorgebrachten Schlages und ein mit dem Hebel des Ventiles verbundenes Zählwerk Z zeigt selbsttätig jede erfolgte Wägung, welche durch den Klang eines Glöckchens angezeigt wird. Der Apparat kann auf ein Postament gestellt werden, läßt sich aber auch in beliebiger Weise an eine Mauer anbringen. Seine Verwendbarkeit ist eine äußerst vielseitige, er ist für alle Flüssigkeiten verwendbar, zu deren Dichtigkeitsbestimmung ein Aräometer zulässig ist. In der Zuckerfabrikation kann der Apparat zur Mengenbestimmung von Diffusions-, Dünn- und Dicksäften, filtrierten Sirupen usw. dienen, er ermöglicht ohne Mühe und Rechnung die Regelung des Diffusionssaftabzuges nach dem Gewichte und gestattet aus den mechanisch entnommenen Durchschnittsproben einwandsfrei die in die Verarbeitung eingeführte Zuckermenge zu bestimmen, man ist weiter in der Lage auf Grund der durch den Apparat festgestellten Menge des Dicksaftes genau die Wirkung einer Verdampfungsanlage zu berechnen, wie auch ferner die Kontrolle der Füllmassearbeit, wenn man die Menge der Abläufe mittels des Apparates bestimmt, ermöglicht wird. Sehr praktisch ist die Verwendung des Apparates in solchen Fabriken, die flüssige Zwischenprodukte wie Dicksaft, Melassen, Klären, Absüße usw. an eine andere Fabrik abzugeben haben, wie dies z.B. bei Unternehmungen, wo Rohfabrik und Raffinerie getrennt verwaltet werden, öfter der Fall ist. Schließlich eignet sich der Apparat auch noch für andere Industriezweige, nämlich zum Wägen von Wasser, besonders Kesselspeisewasser behufs Kontrolle des Kesselhauses, für Alkohol und alkoholische Lösungen, für Bier und Bierwürze, für Petroleum und dessen Nebenprodukte, für Oele und für eine große Menge flüssiger Produkte und Nebenprodukte der chemischen Industrie. Wie bereits bemerkt, so hat der Apparat in der Zuckerfabrik Böhmisch Brod tadellos und korrekt gearbeitet, wie sich Referent speziell durch Kontrolle mittels einer Dezimalwage von der richtigen Funktion überzeugt hat. Bei einer Zuflußröhre von nur 80 mm Durchm. waren 5 Meterzentner Grünsirup in längstens 4 Minuten abgewogen. Eine besondere Beaufsichtigung erscheint bei der genauen Arbeit des Apparates nicht notwendig. Die Wage ist durchaus nicht empfindlich, verlangt aber naturgemäß wie jede sicher arbeitende Wage, daß sie rein gehalten und in einem Raum aufgestellt wird, der frei von Wasserdämpfen und auch frostfrei ist. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß der durch das D. R. P. No. 182881 geschützte Apparat in der nächsten Kampagne auch in anderen Zuckerfabriken Einführung findet und zwar nicht nur für Rohsäfte allein, sondern auch für Dünn- und Dicksäfte und Sirupe.

(Schluß folgt.)

Zeitschriftenschau.

Brückenbau.

Brückenmontierung. (Linton) Eine eingleisige, rd. 84 m lange Eisenbahnbrücke wurde zur Vermeidung von festen Gerüsten in dem 11,5 m tiefen Fahrwasser von der Kgl. Schwedischen Eisenbahnverwaltung in folgender Weise montiert. Nachdem die Eisenkonstruktion hart am Ufer längs des Flusses vollständig zusammengebaut war, wurde sie an einem Ende mit einer Verlängerung versehen, die sich auf einen im Landwiderlager einbetonierten gußeisernen Drehzapfen stützte. Das andere Ende wurde nach einer kurzen Verschiebung über eine Flügelmauer mittels dreier Prähme unterstützt, die in einen Ufereinschnitt eingeschoben waren. Nachdem die Prähme durch Auspumpen des Wasserballasts gelichtet waren und so die Hebung des äußeren Brückenendes übernommen hatten, wurden sie durch einen Dampfer in einem Viertelkreis in den Fluß hinausgeschleppt, so daß die Brücke sich um den Zapfen am Landende drehen mußte. Durch Einlassen von Wasser in die Prähme konnte dann die Brücke auf die Lager des Strompfeilers gesenkt werden.

Das Eigengewicht der Brücke betrug 358 t, die Dauer der Ausdrehung 1 Std. 45 Min. (Z. d. V. d. I. 1907, S. 1601–1603.)

Ky.

Dampfturbinen.

Die Dampfturbinenanlage des Vierschraubenschnelldampfers „Lusitania“. Am 7. September trat der neue Turbinendampfer „Lusitania“ der Cunard-Gesellschaft seine erste Ozeanreise an. Der von John Brown & Co. in Clydebank erbaute Schnelldampfer besitzt eine Gesamtlänge von 239 m, einen Raumgehalt von 32500 t und eine Maschinenleistung von 68000 PSi, welche durch 4 Parsonsturbinen (2 Hoch- und 2 Niederdruckturbinen) geliefert wird. Jede Turbine arbeitet auf eine besondere Schraubenwelle. Die beiden äußeren Wellen werden von je einer Hochdruckturbine, die Innenwellen von je einer Niederdruckturbine mit dahinterliegender Rückwärtsturbine angetrieben. Jede der 4 Dampfturbinen leistet 17000 PSi bei 140 Umdreh. i. d. Min. Die Hochdruckturbine hat einen mittleren Gehäusedurchmesser von 3,5 m und eine Länge von 8,6 m; der Durchmesser der Schaufeltrommel beträgt 2,5 m. Bei der Niederdruckturbine beträgt der Durchmesser der Trommel 3,5, die Länge 2,5 m, die Trommeln sind aus geschmiedetem Stahl hergestellt. Die Wellen in den Lauftrommeln haben eine Stärke von 1 m in der Mitte, in den Lagern 0,5 m. Die freitragende Länge zwischen den Lagern beträgt bei der Niederdruckturbine ∞ 9,5 m. Die Trommelwand ist mit der Welle durch Gußstahl-Radscheiben verbunden, deren größte mit 6 Radspeichen 11750 kg wiegt. Die Schaufeln der Trommeln nehmen von 57 mm am Einlaß der Hochdruckturbine auf 560 mm am Auslaß der Niederdruckturbine zu und werden durch 3 Reihen Schrumpfbänder versteift. Zur bequemen Untersuchung des Turbineninnern können die oberen Gehäusedeckel mittels eines elektrischen Hebewerkes leicht angehoben werden. Ein Deckel der Niederdruckturbine wiegt 115000 kg.

Zur Erzeugung des Dampfes von 13,7 at Spannung dienen 25 Kessel mit einer Gesamtheizfläche von 14727 qm. Dicht vor den beiden Niederdruckturbinen liegen 4 Oberflächenkondensatoren von je 1925 qm Kühlfläche, die ihr Kühlwasser durch 8 Kreiselpumpen von 1067 mm Laufraddurchmesser erhalten. Je 4 dieser Pumpen werden durch eine stehende Einzylinder-Kolbenmaschine mit 300 Umdreh. i. d. Min. angetrieben. Beide Dampfmaschinen sind zusammengekuppelt, so daß sich. die Axialdrucke der gegeneinander gestellten Kreiselpumpen ausgleichen. Außerdem sind noch 2 Hilfsumlaufpumpen vorhanden. Zur Absaugung der Luft dienen 4 Naßluftpumpen, zu deren Reserve weitere 4 Trocken-Luftpumpen vorgesehen sind; die Zylinder der letzteren liegen über den Dampfzylindern. Zur Versorgung des Schiffes mit elektrischem Licht und Kraft dienen vier Parsons-Gleichstromturbodynamos von je 375 KW bei 1200 Umdreh. i. d. Min. Der Abdampf dieser Turbinen wird zur Speisewasservorwärmung verwendet. Die Turbinen arbeiten dabei mit einem Gegendruck von 1,35 kg/qcm abs. und ergaben unter diesen Verhältnissen bei einem Anfangsdruck von 11,7 at einen Dampfverbrauch von 21,5 kg f. d. KW/Std.

Bei der Probefahrt des Dampfers erreichte derselbe eine Höchstgeschwindigkeit von 26,4 Seemeilen, bei einer 48 stündigen