Text-Bild-Ansicht Band 325

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Bemerkenswerte technische Neuerungen auf dem Gebiete der Zuckerindustrie im 1. Halbjahr 1909.

Von k. k. landw. techn. Konsulent A. Stift, Wien.

Das Weiterbefördern der Rüben von der Rübenschwemme bis zum Paternoster der Rübenwäsche wird durch Hubräder bewirkt, die aber die Uebelstände besitzen, daß sie oft Rüben zermalmen und sich leicht verstopfen, wozu noch kommt, daß bei einer Ueberfüllung des Rades eine Ueberflutung mit Wasser eintritt. Alle diese unangenehmen Eigenschaften des Hubrades werden durch Einführung der Mammutpumpe1) vollständig vermieden. Diese Pumpen dienten ursprünglich zum Heben von Quellwasser oder anderen Flüssigkeiten aus bedeutenden Tiefen, bis dann Béduvé auf den Gedanken kam, dieselben auch zum Heben der Rüben zu verwenden. Während die Mammutpumpen in deutschen, belgischen und französischen Zuckerfabriken Eingang gefunden haben, hat man in Oesterreich gegen sie gewisse Voreingenommenheiten gehegt. Im Vorjahre sind nun in den österreichischen Zuckerfabriken Zákolan und Hohenau Mammutpumpen aufgestellt worden, und liegen über ihre Arbeit verschiedene Mitteilungen vor, die einen Schluß auf ihre Leistungen und Vorteile zu ziehen gestatten. Nach dem Berichte von Tauc2) stellten sich in Zákolan die Aufstellungskosten, ohne Brunnen, auf ungefähr 16000 K. Wie aus der Fig. 1 ersichtlich ist, muß für diese Pumpen ein Brunnen von solchen Dimensionen getauft werden, daß dessen Tiefe, von der Oberfläche gerechnet, proportionell ist der Höhe des Austritts und der Tiefe des Eintritts der Rübe. Dieses Verhältnis läßt sich durch die Gleichung t = h + 2 e, worin t die Tiefe des Brunnens, h die Höhe des Rübenaustritts von der Oberfläche, und e die Entfernung des Bodens des Schlemmkanals von der Oberfläche bedeuten, ausdrücken.

Textabbildung Bd. 325, S. 234

Die Mammutpumpe besteht aus einem pfeifenförmig gebogenen Rohr von 350 mm lichter Weite, deren gußeiserne Teilstücke (von ungefähr 20 mm Stärke) durch Verschraubungen miteinander verbunden und durch Kautschuk abgedichtet sind. Das Heben der Rüben in dem Rohr erfolgt mittels komprimierter Luft, welche durch das Rohr x in den Kolben r gelangt, wodurch die gesamte Leistung der Mammutpumpe in zwei Stränge geteilt wird, nämlich: 1. In den Eintritts- (Saug-) Teil a und 2. in den Austritts- (Druck-) Teil b; die Längen beider verhalten sich wie 1 : 2. Der Hals der Saugleitung ist in den Rübenschwemmkanal eingemauert, während die Mündung der Druckleitung in eine Mulde, welche die Verbindung zwischen der Pumpe und der Rübenwäsche vermittelt, eingeführt ist. Diese ungefähr 5 m lange Mulde hat vorerst ein mäßiges Gefälle, vor der Ausmündung jedoch, wo sie in einer Länge von ungefähr 1,5 m mit einem Stabrost versehen ist, neigt sie sich unter einem Winkel von etwa 65° in die Rübenwäsche. Durch das untere, diesem Rost angeschlossene Abfallrohr t wird das Schmutzwasser abgeleitet, welches je nach Bedarf sofort, eventuell nach entsprechender mechanischer Reinigung, neuerlich zum Schwemmen der Rüben verwendet werden kann. In unmittelbarer Nähe des Brunnens ist ein Kompressor von 32 PS in einem Anbau neben der Antriebsdampfmaschine untergebracht, der verhältnismäßig wenig Raum einnimmt, dessen Gang ein ruhiger ist und dessen Dampfverbrauch im Hinblick auf die Riesenleistung (bei 120 Umdrehungen i. d. Min. wirft die Pumpe 5 Meterzentner Rüben und 4 hl Wasser aus) als verhältnismäßig klein bezeichnet werden muß, da er nämlich für eine indizierte Pferdekraft und Stunde 16,1 kg bei normaler und 16,7 kg Dampf bei maximaler Belastung des Kompressors beträgt. Der Anschluß der Pumpe an den Kompressor erfordert keine Bedienung, da das beim Brunnenrande befindliche Ventil auf der Verbindungsluftleitung fortwährend gleich geöffnet bleibt. Der Kompressor kann übrigens wo immer aufgestellt werden, so daß die Verbindungsluftleitung selbst 100 m lang sein kann, ohne daß hierdurch die Funktion der Mammutpumpe gefährdet wird. Wird die Vorsichtsmaßregel beobachtet, die Rüben aus der Mulde zu entfernen (beim Stillstande der Pumpe) oder mit dem Betriebe des Kompressors innezuhalten oder hinreichend Wasser einzulassen, so kann ein Abweichen vom normalen Betriebe spielend auf das richtige Maß zurückgeführt werden. Bedenklicher ist es, wenn in den Eintrittshals der Pumpe ein größerer, fremder Körper (Brett, Schaufel usw.) gelangt, der den Zutritt der Rübe verhindert; da jedoch derartige Gegenstände gewöhnlich in dem Eintrittsknie, welches praktisch im rechten Winkel gebogen ist, stecken bleiben, so können sie leicht herausgezogen werden. Ist der betreffende Gegenstand jedoch tiefer in das Innere gelangt, dann wird der Gang der Pumpe umgestellt, was mittels der bei l angebrachten Ausmündungsklappe geschieht. Durch Zurückhalten des Ganges des Kompressors auf ein Minimum schließt sich die Klappe, und der Kompressor wird dann angelassen, wodurch der ganze Inhalt in die Saugleitung zurückgedrückt wird. Die den Rüben anhaftende Erde kommt nicht in die Waschmaschine, sondern fällt durch den Stabrost der Mulde in das Abfallrohr. Der wesentlichste Vorzug der Mammutpumpe gegenüber dem Rübenhubrad ist der, daß die Rüben den Eindruck machen, als wären sie mit einer Bürste abgerieben worden. Daraus läßt sich mit Sicherheit schließen, daß im Laufe der Zeit bei Verwendung der Pumpe die Waschmaschine in Wegfall kommen kann.

Ergänzende Mitteilungen über das Wesen und die Arbeit der Mammutpumpe liegen von Sykora3) vor. Vor

1)

D. p. J. 1909, S. 663.

2)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen 1909, 33. Jahrgang, S. 297.

3)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen 1909, 33. Jahrgang, S. 581.