Text-Bild-Ansicht Band 326

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. 7')

welche Gleichung ähnlich gebaut ist wie Gleichung 7.

Um wiederum zu prüfen inwieweit die Voraussetzung linearer Variation der Leistung bei veränderlicher Drehzahl erfüllt ist, wurde unter Zuhilfenahme der aus dieser Voraussetzung abgeleiteten Gleichung Gleichung 4' des theoretischen Turbinendiagrammes (Fig. 1) und unter Annahme einer 40prozentigen Steigerung der Drehzahl bei Vollentlastung, die Leistungskurve aufgezeichnet (in Fig. 4 punktiert).

Wie Fig. 4 zeigt, ist die Abweichung der so erhaltenen Leistungskurve von der Geraden relativ gering, denn sie beträgt nunmehr im Maximum etwa 10 v. H. Eine ähnlich verlaufende Leistungskurve erhält man für eine plötzliche Totalbelastung bei sonst gleichen Voraussetzungen wie oben.

In Fig. 1 ist dann außerdem noch der Verlauf der Leistung als Funktion der Drehzahl bei plötzlicher Total Be- und Entlastung eingezeichnet und es ist aus der Figur zu ersehen, daß die beiden Kurven einen ähnlichen Verlauf aufweisen.

Textabbildung Bd. 326, S. 122

Es erhellt somit, daß selbst bei größeren Aenderungen der Drehzahl die Annahme linearer Leistungsvariation in allen praktisch vorkommenden Fällen genügend genaue Resultate liefern dürfte, wohingegen die Annahme linearer Momentenvariation, in diesen Fällen namhafte Fehler im Gefolge haben kann.

Wie aus Gleichung 7 und 7' leicht zu ersehen ist, kann nm durch Anbringung genügend schwerer Schwungmassen innerhalb gewisser Grenzen niedrig gehalten werden. Von gleichem Einfluß ist eine Verkleinerung der Schließ- bezw. Oeffnungszeit T. Ein allzuschweres Schwungrad ist aber, abgesehen von den nicht zu unterschätzenden Kosten, auch deshalb nicht vorteilhaft, weil infolge der Erhöhung der Lagerreibung ein ständiger Energieverlust und schnellere Abnutzung der Lager selbst in Kauf genommen werden muß. Ebenso darf, sofern keine Druckregulierung vorhanden ist, die Vergrößerung der Verstellgeschwindigkeit, also eine Verkleinerung der Verstelldauer T, nicht allzuweit getrieben werden; den außer den technisch-konstruktiven Schwierigkeiten, die sich dem entgegenstellen, kann ein zu kleines T infolge der dadurch bedingten Druckschwankungen einerseits zu Rohrbrüchen führen und andererseits kann diese Maßregel für die Regulierung gerade das Gegenteil der erstrebten Wirkung zur Folge haben. Dies ist speziell dann der Fall, wenn das Arbeitswasser durch relativ lange Rohrleitungen zugeführt wird. Da nämlich jede Veränderung der Beaufschlagung mit einer Vergrößerung oder Verkleinerung des Wasserflusses, also der Rohrgeschwindigkeit C verbunden ist, macht sich bei kleinen Oeffnungs- und Schlußzeiten die Wirkung der Massenträgheit des im Rohre fließenden Wassers in hohem Maße geltend und äußert sich in Form von Druckschwankungen, die ihrerseits wieder die momentane Arbeitsleistung der Turbinen sehr stark beeinflussen.1)

Textabbildung Bd. 326, S. 122

Die Untersuchung dieses Einflusses bildet das eigentliche Thema der vorliegenden Abhandlung, bevor wir jedoch auf dasselbe eintreten, sollen im folgenden Abschnitt noch kurz einige Formeln zur Berechnung von Schwungmomenten entwickelt werden, gültig für die Fälle, wo nur kleine Druckschwankungen zu erwarten sind.

(Fortsetzung folgt.)

Bemerkenswerte technische Neuerungen auf dem Gebiete der Zuckerindustrie im 2. Halbjahr 1909 u. 1. Halbjahr 1910.

Von k. k. landw. techn. Konsulent A. Stift, Wien.

(Fortsetzung von S. 92 d. Bd.)

Der Verdampfapparat von Kestner, der ursprünglich für die chemische Großindustrie bestimmt war, hat auch in der Zuckerindustrie Eingang gefunden, und zwar mit einem solchen Resultat, daß innerhalb weniger Jahre eine große Anzahl von Apparaten in Rohzuckerfabriken und Raffinerien zur Aufstellung gelangt ist. Eine eingehende Beschreibung der letzten Konstruktion dieses Apparates gibt Nesměrák5). Das Heizsystem (Fig. 9) besteht aus einem zylindrischen Mantel A. Die in beiden Böden eingewalzten, je nach der Dichte des Saftes, 30–70 mm lichtweiten Rohre haben eine ungewöhnliche Länge zwischen den Böden von 7 m. Auf dieses Heizsystem A

1)

s.u.a. Allièvi-Dubs „Allgemeine Theorie über die veränderliche Bewegung des Wassers in Rohrleitungen“. Springer, Berlin, 1909, II. Kap., § 6, Fig. 4.

5)

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1910, S. 257.