Text-Bild-Ansicht Band 326

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überhaupt nicht wahrnehmbar und selbst bei der doppelten Schallintensität hört man gerade eben, welcher von beiden Tönen lauter ist. Auf das Telephon und das Ohr war man aber bisher bei Schallmessungen fast allein angewiesen, da die minimalen Energiemengen, die hier in Präge kommen, nicht imstande waren, selbst den feinsten Zeiger eines Meßinstrumentes zum Ausschlag zu bringen Erst in neuerer Zeit ist es gelungen, durch eine eigenartige Kombination eines durch die Sprechströme geheizten Thermoelementes und eines hochempfindlichen Galvanometers mit gewichtslosem Lichtzeiger, selbst diese schwachen Ströme direkt einer genauen objektiven Messung zu unterziehen und manche noch schwebende Fragen dürften sich dadurch in Zukunft klären.

(Schluß folgt.)

NEUE MATERIALIEN FÜR DEN LUFTSCHIFFBAU.

Von Dr.-Ing. A. Sander, Charlottenburg.

Inhaltsübersicht.

Die neuen Materialien, die im Laufe der letzten zwei Jahre beim Bau von Luftschiffen und Flugapparaten Anwendung fanden, werden besprochen, und zwar die leichten Legierungen und die Ballonstoffe, ihre Herstellung und Eigenschaften.

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Schon gelegentlich der I. Internationalen Luftschiffahrts-Ausstellung in Frankfurt a. M. im Jahre 1909 wurde an dieser Stelle1) ausführlich über die Materialien berichtet, die für den Bau von Luftschiffen und Flugapparaten von Bedeutung sind. Die großen Erfolge, die die Luftschiffahrt seit jener Zeit errungen hat, haben der Erfindertätigkeit auch auf diesem Gebiete mannigfache Anregung gegeben und so sind in bezug auf die Erschließung neuer Baustoffe zahlreiche Fortschritte zu verzeichnen.

Die Spezialstähle, besonders der Chromnickel- und der nicht rostende Nickelstahl, haben sich weiterhin als Konstruktionsmaterial für hochbeanspruchte Teile vortrefflich bewährt; sie sind wegen ihrer hohen Festigkeitswerte durch kein anderes Material ersetzbar. Ebenso haben sich die leichten Metallegierungen überall da, wo es auf geringes Gewicht ankommt, ihren Platz gesichert. Natürlich ist man auch hier bestrebt, möglichst hohe Werte der Festigkeit und Dehnung zu erzielen. In der Tat besitzen wir heute bereits eine Reihe von Legierungen, die bei wesentlich niedrigerem spezifischem Gewicht gegenüber Aluminium doch erheblich höhere Materialwertziffern aufweisen.

In dieser Hinsicht verhalten sich bekanntlich diejenigen Legierungen am günstigsten, die neben Aluminium noch mehr oder weniger Magnesium enthalten. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe, das Elektronmetall der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron in Griesheim a. M., das bei einem spezifischen Gewicht von nur 1,8 eine Zerreißfestigkeit bis zu 3500 kg/qcm besitzt, ist schon früher näher beschrieben worden. Das deutsche Patent ist noch nicht erteilt, dagegen ist aus der amerikanischen Patentschrift2) zu entnehmen, daß die Legierung aus 80–99,5 v. H. Magnesium und 0,5–20 v. H. Aluminium und anderen fremden Metallen besteht. Eine Reihe weiterer Patentanmeldungen derselben Fabrik begehen sich auf das Reinigen, Schmelzen und Gießen von Magnesium und seinen Legierungen. Das Verfahren zur Reinigung der Legierungen von eingeschlossenen Salzen besteht im Zusammenschmelzen mit einem Alkalichlorid oder einem Alkalichloridgemisch, dessen Schmelzpunkt aber wesentlich höher liegen muß als derjenige der zu reinigenden Legierung. Beim Abkühlen erstarrt dann zunächst das Chlorid und das flüssige Metall kann abgezogen werden. Man erhält das Metall längere Zeit in flüssigem Zustand, und zwar vorteilhaft unter Luftabschluß, oder aber man leitet ein inertes Gas, z.B. Wasserstoff, durch die geschmolzene Masse, wobei sich die letzten Reste des Chlorids verflüchtigen.

Ein ähnliches Verfahren3) dient dazu, die recht unerwünschte Porosität der Gußstücke aus Magnesium zu beseitigen und dichte Güsse zu erzielen. Man fand, daß das geschmolzene Metall bei etwa 700° Wasserstoff aufnimmt und das Gas erst unmittelbar vor dem Erstarren wieder abgibt. Der Wasserstoff rührt entweder von den oben erwähnten Einschlüssen hygroskopischer Salze her oder aus dem Wasserdampf der Verbrennungsgase. Der Wasserdampf wird nämlich von geschmolzenem Magnesium in der folgenden Weise zersetzt: Mg + H2O = MgO + H2. Zur vollkommenen Entfernung des Gases aus dem geschmolzenen Metall erhält man dieses einige Zeit auf derjenigen Temperatur, bei welcher der Wasserstoff entbunden wird und die nur wenige Grade über dem Erstarrungspunkt des Magnesiums liegt. Dies kann entweder vor dem Vergießen im Tiegel oder auch in der Gußform selbst geschehen. Aus der Schmelze entweicht dann der Wasserstoff in Blasen, und man erhält einen vollkommen dichten Guß.

Das Elektron-Metall hat jedoch in letzter Zeit mehrere Konkurrenten erhalten. So wurde von Walter Rubel ein Leichtmetall zum Patent angemeldet, das nach der französischen Patentschrift4) folgende Zusammensetzung hat. Die Grundsubstanz ist auch hier das Magnesium, das bekanntlich in reinem Zustande gegen chemische wie physikalische Einflüsse so wenig widerstandsfähig ist, daß es bisher keinerlei metallurgische Verwendung finden konnte. Diese Eigenschaften werden jedoch schon durch die Anwesenheit geringer Mengen fremder Metalle vollständig beseitigt. Als solche kommen hier Zink, Kupfer und Zink oder Kupfer und Aluminium in Betracht. Man

1)

D. p. j. 1910, S. 39 ff.

2)

U. S. A. Patent Nr. 965485 vom 26. Juli 1910.

3)

D. R. P. Nr. 228962 (Kl. 31c) vom 1. Oktober 1909 ab.

4)

Französisches Patent Nr. 407814, Zusatzpatent Nr. 11905.