Text-Bild-Ansicht Band 327

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den Stopfbuchsen gab es Warmlaufen und Fressen. Man legte dabei häufig dem Motor zur Last, was eigentlich nie seine Sache war und ebensogut beim Dampfbetrieb hätte vorkommen können. Anstände ergaben sich auch, wenn der Brennstoff unrein, z.B., was häufiger vorkommt, mit Sand versetzt war. Dann verstopfen sich die Leitungen, die Einspritzdüsen und Brennstoffventile, die Maschine versagt aus Mangel an Brennstoff. Dagegen erwiesen sich ausreichend große und richtig gebaute Filter und Siebe als wirksam.

Im Gegensatz zum vorigen hat der Motor auch vielfach sehr gute Betriebserfahrungen gezeitigt. In dem Fall z.B., wo ein Fischer bei schwerem auflandigen Sturm unter Prerow auf Land trieb, wurden Motor mit Winde erfolgreich zum Abbringen des Fahrzeugs verwendet.

Manche Schwierigkeiten wurden auch durch die mangelhafte Befähigung der Fischer als Maschinisten verursacht und erlangten nur dadurch Bedeutung. Demgegenüber ist es heute noch dringend empfehlenswert, an jedem Platz, wo Fischer sind, tüchtige erfahrene Schlosser zu haben, welche sich der Unterstützung der Motorfirmen erfreuen und dadurch geeignet sind, die Motoren instandzuhalten.

Ueber das Ergebnis, welches der Motor in betreff der Rentabilität der Fischerei-Kleinfahrzeuge gebracht hat, ist ein positives Urteil erst nach einigen Jahren zu fällen, nachdem Gelegenheit war, gleichartige Boote mit und ohne Motor geraume Zeit sorgfältiger Beobachtung zu unterwerfen. Eine für die Rentabilität bedeutsame Frage betrifft die billige, möglichst zollfreie Beschaffung des Brennstoffs, die gegenwärtig noch nicht einheitlich geregelt ist. Auch hierbei bedarf es daher der gleichmäßigen übereinstimmenden Durchführung geeigneter Maßnahmen im Interesse der Gesamtheit der Fischer. Wichtig ist ferner noch für die Rentabilität im einzelnen die Einschränkung des Schmierölverbrauchs auf das betriebstechnisch zulässige Maß. Hierin wird mit Förderung durch die Fabriken häufig starke Verschwendung getrieben, so daß Brennstoffkosten von etwa 3–4 Pf. Ausgaben für Schmieröl von noch 2–3 Pf. f. d. PS-Std. gegenüberstehen. Mündliche Belehrung und praktische Unterweisung der Fischer können in dieser wie in vielen anderen technischen Fragen viel Gutes stiften.

Nach dem Gesagten hat der Motor dem Seefischereigewerbe einen wichtigen Fortschritt gebracht. Solcher Förderung bedarf das Gewerbe, wenn es lebensfähig und aufrecht bleiben soll. Im Kampf mit den Elementen sucht der Fischer sein Brot, aber auch nur dieser Kampf allein erhält ihn stark und selbstbewußt, so, wie er sein muß, wenn er seinen Aufgaben entsprechen soll. Die Seefischerei ist ein streitbares Gewerbe, nur in stetem Ringen kann es wachsen und gedeihen. Wollen wir es stützen und pflegen, so geben wir ihm die besten technischen Mittel, deren es bedarf. Kein unverdientes Geld oder Gut! Das erschlafft und verdirbt leicht den Charakter und entfremdet vom harten mühevollen Handwerk. Das Beste aber, was die Technik jeweilig für die Seefischerei hervorbringt, das sollte man ihr geben und dafür keine Mittel scheuen. Dann hat es um das Gewerbe keine Not, und es wird aufsteigen zu seiner vollen Höhe. Dann wird dereinst von unserem Seefischer die schöne Zeichnung Goethes gelten, die er in seinem Fischer gibt:

„Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll,

Ein Fischer saß daran;

Sah nach der Angel ruhevoll

Kühl bis aus Herz hinan.“

Daß unser Seefischer wieder leicht und wohlgemut seiner schweren Arbeit obliegen kann, daß eine Quelle nationaler und wirtschaftlicher Wohlfahrt unseres Volkes nicht versiege, dazu helfe die Technik!

EINANKER-UMFORMER.

Inhaltsübersicht.

Beschreibung eines zur Umwandlung von Drehstrom in Gleichstrom dienenden Einanker-Umformers und seines Verhaltens unter verschiedenen Betriebsbedingungen.

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Die Umformung von Drehstrom in Gleichstrom findet außer für elektrolytische Zwecke in solchen Fällen statt, in denen ein Gleichstromnetz für Licht und Kraft oder eine mit Gleichstrom betriebene elektrische Bahanlage von einer Drehstromzentrale mit Energie versorgt wird. Für diese Umformung stehen eine Reihe von Maschinenarten zur Verfügung, unter denen je nach den besonderen Betriebsbedingungen die Wahl zu treffen ist. In vielen Fällen fällt die Entscheidung zugunsten des Einanker-Umformers aus, bei welchem die Umformung auf rein elektrischem Wege in einer einzigen Maschine erfolgt.

Ein solcher Einanker-Umformer unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Gleichstrommaschine nur dadurch, daß er außer dem Kollektor zur Abnahme des Gleichstroms noch eine Reihe von Schleifringen für die Zuführung des Drehstroms besitzt.

Die Drehstromspannung steht zur Gleichstromspannung in einem unveränderlichen Verhältnis, das durch eine Aenderung der Erregung nicht beeinflußt wird. Die Zuführung des Drehstroms erfolgt fast in allen Fällen über einen Transformator.

Da sich im Anker der Maschine der zugeführte Drehstrom und der erzeugte Gleichstrom zum großen Teile aufheben, so ist der Verlust durch Stromwärme besonders gering, und die Maschine kann daher eine weit größere Leistung hergeben, als wenn sie als Generator betrieben wird. Die Stromwärme im Anker ist bereits bei drei Phasen sehr gering und nimmt mit Erhöhung der Phasenzahl noch weiter ab.

Die Einanker-Umformer werden für drei oder sechs Phasen ausgeführt. Ein Sechsphasen-Umformer wird in der Weise mit Drehstrom gespeist, daß man die sekundären Spulen des Transformators, der zwischen dem Umformer