Text-Bild-Ansicht Band 327

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DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL

Jährlich 52 Hefte in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich 6 M., direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf.
Redaktionelle Sendungen sind zu richten an die Schriftleitung, Berlin W 66, Mauerstr. 15, die Expedition betreffende Schreiben an Richard Dietze, Verlagsbuchhandlung, Berlin W 66.

HEFT 43, BAND 327. BERLIN, 26. OKTOBER 1912. 93. JAHRGANG.

INHALT:

  • Zum 75jährigen Jubiläum der Firma A. Borsig. Von F. v. Kleist Seite 673
  • Neuerungen in der Ziegelindustrie. Von G. Benfey „ 676
  • Ueber Vergaser zu Verbrennungsmotoren. Von W. Wolfmüller. (Schluß) „ 679
  • Polytechnische Rundschau: Das Wasserkraft-Elektrizitätswerk Biaschina – Trinkaus-Kessel – Kühl- und Hauswasserpumpen – Die wichtigsten Bestimmungen des holländischen Patentgesetzes vom 7. November 1910 Seite 684
  • Bücherschau „ 687
  • Wirtschaftliche Rundschau: Eisenerzförderung in Frankreich 1911 – Errichtung von Zementfabriken in Britisch-Indien – Absatz von Metallwaren nach Swatau – Bergbau in Schweden 1911 – Geschäftliches – Bedarf des Auslandes CLXXVII

ZUM 75JÄHRIGEN JUBILÄUM DER FIRMA A. BORSIG.

Von F. v. Kleist, Berlin.

Eine unserer bedeutendsten Maschinenfabriken feierte dieses Jahr im September das 75jährige Jubiläum ihres Bestehens: „A. Borsig, Maschinen- und Lokomotivfabrik in Berlin-Tegel und Berg- und Hüttenwerk Borsigwerk. Gegründet von August Borsig im Jahre 1837.“

August Borsig wurde in Breslau am 23. Juni 1804 geboren. Sein Vater, der Zimmerpolier Johann Georg Borsig, weihte ihn schon in frühester Jugend in die Geheimnisse seines eigenen Handwerks ein und schickte ihn dann auf die Kunst- und Bauhandwerkerschule in Breslau. Die Zeugnisse über seine Schul- und Lehrlingszeit in Breslau sind vorzüglich. Darauf trat der junge Borsig seine Wanderjahre an, setzte sich aber bald in Berlin fest, um das Königl. Gewerbeinstitut zu besuchen.

Textabbildung Bd. 327, S. 673

Beuth, der Begründer und Leiter dieses Instituts soll nicht sonderlich von August Borsigs Fähigkeiten im Maschinenbau überzeugt gewesen sein. Aber auch Lehrer können irren, und der verkannte Schüler hatte später oft die Genugtuung, seinen früheren Lehrer mit bevorzugten Zöglingen des Institutes zur Besichtigung der Fabrik A. Borsig anrücken zu sehen. Einem solchen Besuche sah der Fabrikherr, wie Max Maria von Weber erzählt, einst gutgelaunt mit den Worten entgegen: „Da kommt er, der grobe Alte, der mir gesagt hat, ich solle Schuster, aber nicht Mechaniker werden, und will seinen Jungens bei mir zeigen, wie eine ordentliche Fabrik aussieht.“

Nach zweijährigem Besuche des Gewerbeinstitutes trat Borsig in die Maschinenfabrik von Egells in Berlin ein. Hier zeigte sich bald, daß er auch für den Maschinenbau Sinn hatte, denn nach 1½ jähriger Tätigkeit hatte er das Vertrauen seines Chefs soweit gewonnen, daß ihm dieser schon eine Stellung für Ueberwachung auswärtiger Bauten gab, eine Tätigkeit, die in damaliger Zeit schlechter Verbindungsmittel große Selbständigkeit verlangte. Daß er diese Stellung auch wirklich zur vollsten Zufriedenheit ausfüllte, beweist seine bald darauf erfolgte Anstellung als 21 jähriger Betriebschef der Neuen Berliner Eisengießerei Woderb & Egells.

Bis zum Jahre 1837 hatte sich der junge Techniker schon soviel erspart, daß er daran denken konnte, sich selbständig zu machen. Mit einem Kapital von etwa 11000 Talern erwarb er ein Grundstück an der Chausseestraße in Berlin, stellte dort vorläufig einige Bretterbuden auf und begann zunächst allerlei Kunst- und Baugußwaren sowie Schwellen