Text-Bild-Ansicht Band 330

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zu billigen sind Benennungen wie Sekundenliter, wo man Liter/Sekunde meint, oder Satzbildungen wie: die minutliche Umdrehungszahl beträgt 80, statt: die Maschine macht 80 Umdrehungen/Minute; mit demselben Rechtkönnte man sagen: der tägliche Markverdienst eines Menschen beträgt 50. Man sollte auch diese kleinen Ungereimtheiten vermeiden, um sich für schwierigere Fälle an Ordnung zu gewöhnen.

Spezifisch.

Von Geheimem Bergrat Prof. R. Vater in Berlin-Grunewald.

(Erwiderung auf die vorstehende Antwort.)

Es freut mich, feststellen zu können, daß Herr Scheel mir im Großen und Ganzen beistimmt. Daß ich das Wort spezifisch vollständig ausmerzen will, davon steht wohl nichts in meinen Ausführungen. Ich wollte ja nur die Anregung geben, für jenes vielseitig angewandte, meist ganz unklare, nichtssagende Wort in einzelnen Fällen ein klares Ersatzwort zu schaffen. Herr Scheel sagt ganz richtig, nicht das Wort spezifisch an sich ist es, das mir Pein verursacht, sondern der Gebrauch des Wortes an falschen Stellen. Beim spezifischen Gewicht sagte ich selber, daß hier das Wort spezifisch noch am ersten am Platze ist, der Vorschlag cbm-Gewicht reizte mich nur im Gegensatz zum kg-Volumen, wie ich spezifisches Volumen zu nennen vorschlug. Spezifisches Gewichtist auch in der Tat – ich komme wieder auf meine Lehrerfahrung zurück – derjenige Begriff, der z.B. von Schülern und Studierenden noch am leichtesten erfaßt wird. Schon nicht mehr ist das der Fall bei der spezifischen Wärme, und ich kann auch nach den Ausführungen des Herrn Scheel keinen Grund erkennen, warum man nicht den außerordentlich klaren, die Erklärung schon in sich tragenden Ausdruck „1°-Wärme“ dafür einführen könnte. Es ist natürlich ganz richtig, daß spezifische Wärme eine Materialeigenschaft ist, soll aber wirklich die Ehrfurcht vor dem „alteingebürgerten terminus technicus“ so weit gehen, daß man ihn nicht durch einen klareren ersetzen könnte?

Polytechnische Rundschau.

Neuere Untersuchungen und Messungen im Schraubenwasser mittels Düsen. In der Zeitschrift Schiffbau vom 28. Juli 1915 berichtet Flamm über Messungen, die in dem Schraubenversuchsbecken der Schiffbauabteilung der Königl. Technischen Hochschule zu Berlin zur Klarlegung der Strömungs- und Druckverhältnisse im Schraubenwasser vorgenommen wurden. Für die Messungen wurde eine für Propelleruntersuchungen besonders ausgebildete Pitotdüse benutzt. Sie besteht aus einem dünnen, 4 mm starken Messingrohr mit einer lichten Weite von 1½ mm, das über einen schlanken Konus von etwa 50 mm Länge in ein scharf ausgezogenes Mundstück ausläuft. Das Meßrohr ist nach der Mündung zu rechtwinklig umgebogen. Der in die Düse auslaufende Schenkel, der in die Strömungsrichtung eingestellt wird, ist mit etwa 100 mm ausreichend lang bemessen, daß eine merkbare Beeinflussung der Strömung durch das Meßrohr nicht zu erwarten ist. Da der Meßapparat sowohl der Höhe nach wie auch seitlich verschoben werden kann, so lassen sich mit der Düse die Druck- und Geschwindigkeitsverhältnisse über den ganzen Strömungsquerschnitt gut verfolgen. Für die Versuche wurde ein Zeise-Propeller von 100 mm ∅ benutzt. Die den Propeller tragende Welle wird von einem Arm gehalten, der zusammen mit dem Meßapparat an einem über dem Versuchsbecken auf Schienen laufenden Wagen, der auch den Antriebsmotor des Propellers trägt, befestigt ist. Die Propellerwelle wird mit Hilfe zweier Kegelräderpaare und einer senkrechten Zwischenwelle angetrieben. Der Tragarm, der diese Uebertragungswelle mit dem unteren Kegelräderpaarund der Propellerwelle umschließt, hat, um seinen Einfluß auf die Strömung möglichst zu beschränken, eine eigenartige Formgebung erhalten. Der senkrechte Teil des Armes hat elliptischen Querschnitt, während der die Propellerwelle tragende untere Teil die Welle eng umhüllt und nach vorn, also der Strömungsrichtung entgegen, in einen schlank ausgezogenen Konus ausläuft. Der Versuchspropeller ist soweit hinter dem Tragarm angeordnet, daß eine nennenswerte Störung der Bahn der Wasserfäden nicht zu befürchten ist.

Die bisher zum Abschluß gebrachten Versuche, die nur einen Abschnitt eines größeren Versuchsplanes bilden, wurden sämtlich bei feststehendem Wagen vorgenommen. Das Versuchsmaterial, das für verschiedene Umdrehungszahlen (n = 300 – 1000) zusammengestellt wurde, umfaßt die folgenden Messungen:

  • a) 20 mm hinter Hinterkante Propeller in senkrechter Richtung nach oben und unten und in wagerechter Richtung nach Backbord und Steuerbord;
  • b) 7,5 mm vor Vorkante Propeller in senkrechter Richtung nach oben;
  • c) 0 mm vor Vorkante Propeller in senkrechter Richtung nach oben und unten;
  • d) an der eintretenden Kante des Propellerflügels entlang senkrecht nach oben und unten.

Als Nullpunkt wurde für sämtliche Messungen die Einstellung der Düse auf Mitte Propeller und Hinterkante Nabe gewählt.

Die jeweilig als Funktion der Umdrehungszahl des Propellers aufgetragenen Druckkurven, die für die einzelnen