Text-Bild-Ansicht Band 334

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um so kürzer anzunehmen sind, je größer der mittlere Flächendruck ist.

Die bisherige Untersuchung gilt, wie schon erwähnt, für ebene Tragflächen. Bei zylindrischen Lagern sind die Verhältnisse insofern anders, als hier der Verlauf der Schichtdicke in der Bewegungsrichtung nicht linear ist; dadurch wird der Druckverlauf und damit auch die Reibungskräfte, Abströmverhältnisse usw. gegenüber den benutzten Gleichungen verändert.

Textabbildung Bd. 334, S. 16

Dem Sinne nach bleiben jedoch obige Resultate zweifellos bestehen. Da bei einer nach unten belasteten zylindrischen Schale die Hauptkraft von den annähernd wagerechten Mittelteilen übertragen wird, während die seitlichen Partien der Schale den Zapfen lediglich fixieren, dabei aber die Reibungsarbeit und die Oelerwärmung verhältnismäßig stark vergrößern, ist es hier noch mehr angebracht, eine zu große Länge der ununterbrochenen Tragfläche in der Bewegungsrichtung zu vermeiden.

Abbildung 7 zeigt noch für einen speziellen Fall

den Verlauf von φ, d.h. der Schichtdicke, über λ. Das Maximum liegt in Uebereinstimmung mit Abb. 6 bei λ = 0,895. Die Kurve ist schwach gekrümmt, das Maximum nicht sehr scharf ausgeprägt; die Rechnungsergebnisse sind daher nicht als Vorschriften aufzufassen, sondern als Hinweise, in welcher Richtung bei rationellem Konstruieren vorzugehen ist.

4. Der Zweck der Untersuchung ist hiermit erreicht. Folgende Gesichtspunkte für die Anordnung der Schmiernuten lassen sich aufstellen:

  • a) Die Temperaturerhöhung in der Schmiermittelschicht ist um so kleiner, je kleiner das Verhältnis der Tragflächenlänge in der Geschwindigkeitsrichtung zu der Breite senkrecht dazu gemessen ist; eine Unterteilung der Breite, bei zylindrischen Schalen also die Anordnung von Ringnuten, ist unzweckmäßig.
  • b) Mit Rücksicht auf eine möglichst große Schichtdicke sind die ununterbrochenen Tragflächenstücke um so kürzer in der Bewegungsrichtung auszuführen, je höher die Flächendrücke und je niedriger die Oeltemperaturen, je größer also die Zähigkeit der Schmierflüssigkeit ist. Als Mittelwert für die günstigste Tragflächenform kann ungefähr die quadratische angenommen werden.
  • c) Das Maximum der Schichtdicke in Abhängigkeit von dem Längenverhältnis der ununterbrochenen Teile der Tragfläche ist nicht sehr scharf ausgeprägt; den in der Rechnung nicht berücksichtigten Gesichtspunkten (zum Beispiel genügende Schmierung beim Anlaufen unter Last, bei einem Wechsel der Geschwindigkeitsrichtung usw.) bleibt also genügender Spielraum.

Selbstverständlich ist bei zylindrischen Lagern in allen Fällen die Richtung der Lagerbelastung sinngemäß zu berücksichtigen.

Nachträgliche Berichtigung zu Abb. 1 auf S. 2: An Stelle von U ist u, an Stelle von J ist l zu lesen.

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Der Normenausschuß der deutschen Industrie. Es liegt außer allem Zweifel, daß wir gezwungen sind, nach dem Kriege alle unsere wirtschaftlichen Kräfte zusammenzufassen und auf das Aeußerste anzuspannen, wenn wir auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben und für unsere Erzeugnisse den erforderlichen Absatz finden wollen. Wir müssen weniger bauen und mehr fabrizieren. Hierin liegt bereits eine Verminderung der Selbstkosten begründet. Die Verringerung der Selbstkosten ist aber bei dem vorauszusehenden scharfen Wettbewerb mit allen Kräften anzustreben. Eins der Mittel, dies Ziel zu erreichen, ist die Normalisierung. Normalisierung bedeutet Vereinheitlichung aller der Elemente, die sich im Maschinenbau oft wiederholen und ohne Nachteil immer in der gleichen Form und Ausführung und deshalb in Massen und auf Vorrat hergestellt werden können. Ein Beispiel mag dies näher erläutern. Bisher war man für die Anwendung der Kegelstifte gezwungen, Reibahlen mit dreierlei Konen vorrätig zu halten. Ebenso mußten viele Sorten von Kegelstiften auf Lager vorrätig sein. Bei der inzwischen vorgenommenen Normalisierung ist ein Konus festgelegt worden, ebenso die Länge der Stifte. Es beträgt der Bedarf an Reibahlen nunmehr nur den vierten Teil von früher. Der Erfolg ist also groß. Es wird einmal für den Werkzeugbau die Zahl der zu erzeugenden verschiedenartigen Werkzeuge verringert, und das bedeutet erheblich bessere Ausnutzung der Maschinen und Steigerung der Leistungsfähigkeit der Werkzeugindustrie. Andererseits werden aber auch die Lagerbestände der erzeugenden und verbrauchenden Industrie ganz erheblich verringert. In gleichem Verhältnis ermäßigen sich die Selbstkosten.

Eine derartige Vereinheitlichung übt ihre Wirkung sogar bis zur Erzeugung des Rohmaterials aus. Um bei dem oben angezogenen Beispiel zu bleiben, kann man heute, d.h. nach vorgenommener Vereinheitlichung, die rohen Stahlstangen nur in den wenigen erforderlichen Stärken walzen oder ziehen. Also auch hier eine wesentliche Vereinfachung des Betriebes.

In der Anerkennung dieser Vorteile haben sich sowohl in der deutschen, als auch ausländischen Industrie Bestrebungen zur Normalisierung einzelner Maschinenteile bemerkbar gemacht. Allerdings beschränkten sich diese Bestrebungen meistens auf einzelne Fabriken, die innerhalb ihres Fabrikationszweiges Normen aufstellten. Den ersten wichtigen Schritt tat im Jahre 1841 Joseph Withworth mit der Normalisierung der Schrauben. Es folgten später, die Werke der Schwereisen-Industrie mit der Festlegung bestimmter Normen für die Fabrikate der Walzwerke, Drahtziehereien usw.

In der Zeit vor dem Kriege setzten derartige Bestrebungen innerhalb einzelner Fabriken und Verbände schärfer ein. Viele Stellen gingen unabhängig voneinander an die Vereinheitlichung der Maschinen. Die Ge–. fahr der Zersplitterung lag nahe. Die Not der Zeit