Text-Bild-Ansicht Band 334

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sich dann das Mehl und der Grieß in einem Kasten P, der von Zeit zu Zeit entleert wird. Es kann aber auch durch eine von der Trommelwelle aus angetriebene, unten in dem Kasten liegende Schnecke Q nach den Auslauföffnungen befördert werden. Die Schalen verlassen die Maschine am hinteren Ende in ½ m Höhe vom Boden und können dort durch untergestellte Behälter aufgefangen werden. Größere Maschinen haben eine Einrichtung, durch die der Transport des Mahlgutes von außen reguliert werden kann; die Absichtung ist hier eine besonders scharfe.

Die Mehlsichter werden in folgenden Dimensionen hergestellt: Länge 105 bis 150 cm, Breite 60 cm, Höhe 80 bis 90 cm und Antriebscheibendurchmesser 150 mm. Die Leistungen sind bei 350 bis 400 Umdrehungen in der Minute 150 bis 500 kg in der Stunde; das Gewicht stellt sich auf 100 bis 200 kg.

In Abb. 6 ist eine Mühle mit liegender Steinwelle, in der Bauart nach Abb. 2, auf einer Mehlsichtmaschine befestigt, abgebildet. Das Schrot läuft entweder zum Sichten in den Zylinder oder es wird ungesichtet von der Maschine seitwärts (bei x) abgeführt.

Elevator und Sichtmaschine können auch an die Walzenmühlen angeschlossen werden. Außer den zu Anfang angeführten Fruchtarten sind die Schrotmühlen noch zum Mahlen von Gewürzen, Pfeffer, Kaffee usw. zu verwenden. Mit den Kunststeinmühlen kann auch Zement, Kalk, Kreide, Zucker u.a. gemahlen werden.

Textabbildung Bd. 334, S. 50

Das Azetylen als Motorenbetriebstoff.

Von Dipl.-Ing. A. Wimplinger, Berlin.

Während des Krieges ist in kohlenarmen Ländern, die auch nicht über Erdölquellen verfügen, dagegen billige Wasserkräfte besitzen, das Karbid für den Motorenbetrieb von Wichtigkeit geworden. Zu den Ländern, die mit billigen Wasserkräften große Mengen Karbid erzeugen, gehört vor allem die Schweiz. In diesem Lande hat sich bereits ein „Azetylen-Verein“ gebildet, in dessen Zeitschrift „ Mitteilungen des schweizerischen Azetylen-Vereins“, Heft 10 vom Oktober 1918, ausführlich über die Entwicklung des Azetylen-Motorwagens in der Schweiz berichtet wird.

Bekanntlich wird das zur Herstellung von Azetylen notwendige Kalziumkarbid aus ungelöschtem Kalk und Koks im elektrischen Ofen bei hohen Temperaturen gewonnen. Aus einem Kilogramm Kalziumkarbid (CaC2) werden durchschnittlich 300 l Azetylen (C2H2) nach der Gleichung erhalten:

CaC2 + 2 H2O = C2H2 + Ca 2 (OH).

Gelöschter Kalk bleibt als Rückstand. 1 m3 Azetylen hat einen unteren Heizwert von 12500 WE. Das spezifische Gewicht ist 0,91, es ist also etwas leichter als Luft.

Man erzielt beim Azetylenmotoren-Betrieb nicht dieselben Leistungen wie beim Benzinbetrieb, durchschnittlich etwa nur 60 bis 70 v. H. Soll ein Benzinmotor mit Azetylen betrieben werden, so ist das Verdichtungsverhältnis zu ändern. Der Verdichtungsraum muß vergrößert werden. Dies kann erreicht werden durch Unterlegen von Ringen unter die Zylinderdeckel oder der „Benzinkolben“ wird durch einen „Azetylenkolben“ ersetzt. Will man einen Benzinmotor unverändert mit Azetylen betreiben, so ist das angesaugte Gemisch gedrosselt in den Zylinder einzuführen, was wiederum die Leistung verkleinert. Beim Azetylenmotor ist ein Verdichtungsdruck von nur 2 bis 3 at zulässig, da sich das Azetylen-Luft-Gemisch bei 380 bis 400° von selbst entzündet.

Wie sich bereits bei großen Spiritusmotoren gezeigt hat, daß ein Wasserzusatz vorteilhaft ist, so konnte dies auch bei Azetylenmotoren festgestellt werden. Das Azetylen-Luft-Gemisch wird dadurch abgekühlt und das Ladegewicht nimmt dementsprechend zu. Auch die Verdichtungstemperatur wird dadurch niedriger gehalten, so daß Vorzündungen weniger häufig auftreten. Die bei der Verdichtung auftretende Wärme dient dann in erster Linie zum Verdampfen des eingeführten Wassers und weiterhin zum Ueberhitzen des so erzeugten Wasserdampfes. Da die spezifische Wärme des überhitzten Wasserdampfes etwa doppelt so groß ist als die des Azetylen-Luft-Gemisches, so tritt dabei eine merkliche Temperaturerniedrigung ein. Das Einführen von Wasser in den ›Motorzylinder kann aber je nach der Beschaffenheit des Wassers nachteilig auf die Lebensdauer des Motors einwirken. Die im Wasser gelösten festen Bestandteile bleiben bei der Verdampfung im Zylinder zurück und zerstören die Lauffläche des Zylinders. Um in einem Benzinmotor den Verdichtungsdruck bei Azetylenbetrieb von 4 at auf 2 at zu verkleinern sind einem Kubikmeter Azetylen-Luft-Gemisch etwa 140 g Wasser hinzuzufügen. Kann an Stelle von Wasser Wasserdampf eingeführt werden, so kommt der angeführte Nachteil in Wegfall. Das in einem Mischventil erzeugte Azetylen-Luft-Gemisch wird dann zweckmäßigerweise durch eine regulierbare Wasserdüse mit Wasser gesättigt. Auch der am Benzinmotor bereits vorhandene Vergaser mit Schwimmervorrichtung kann dazu benutzt werden, wenn statt Brennstoff Wasser in das Schwimmergehäuse eingeführt wird.

Zur Verbrennung von 1 l Azetylen sind theoretisch 12,02 l Luft erforderlich. In der Praxis arbeitet man aber mit einem gewissen Luftüberschuß, da bei höherem Azetylengehalt leicht Rußbildung eintritt.

Man hat auch bereits versucht, das Azetylen zum Motorwagenbetrieb zu verwenden. Einer der ersten