Text-Bild-Ansicht Band 334

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DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL

Jährlich erscheinen 26 Hefte. Bezugspreis vierteljährlich 6,– M., bei Versendung unter Streifband für Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 6 M. 65 Pf., für das Ausland, 7 M. 30 Pf.Sendungen für die Schriftleitung Berlin W 15, Darmstädterstr. 9, Anfragen in Bezugs- und Anzeige-Angelegenheiten erbeten an den Verlag der Zeitschrift Richard Dietze, Berlin W 66, Mauerstr. 80 (Buchhändlerhaus).

HEFT 9 BAND 334. BERLIN, 3. MAI 1919. 100. JAHRGANG

INHALT:

  • Das Abhorchen von Ferngesprächen und die Erdtelegraphie im Felde. Von Hans Schäfer Seite 93
  • Polytechnische Schau: Die Betriebsicherheit großer Dampfturbinen – Das englische Amt für Brennstoffforschung – Erfahrungen mit Schiffs-Zahnradvorgelegen – Ueber die Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung in Dampfkraftwerken – Der verstellbare Lochmesser – Elektrisch geschweißte Schiffe – Zur Umgestaltung der Technischen Hochschulen – Die Mitteilungen des Normenausschusses Seite 97
  • Bücherschau. Rein u. Wirtz, Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie – Pohl, Die Montage elektrischer Licht- und Kraftanlagen – Weihe, Aus eigener Kraft – Usener, Der Kreisel als Richtungsweiser – Klepal, Handbuch der Kolbenkompressoren und Kolbenpumpen – Verein deutscher Eisenhüttenleute, Gemeinfaßliche Darstellung des Eisenhüttenwesens – Chwolson, Lehrbuch der Physik – Druckfehlerverzeichnis Seite 101

Gedenktage großer Techniker (4. Mai bis 18. Mai).

A. W. v. Hofmann, Begründer der modernen Teerfarbenindustrie, gest. 5. 5. 1892. – J. Nasmyth, Erfinder des Dampfhammers, gest. 7. 5. 1890. – A. L. Lavoisier, Chemiker, gest. 8. 5. 1794. – Gay-Lussac, Physiker, gest. 9. 5. 1850. – A. J. Fresnel, Begründer der Wellentheorie in der Optik, Erfinder der Glaslinsen für Leuchtfeuer, geb. 10. 5. 1788. – Otto v. Guericke, gest. 11. 5. 1686. – Justus v. Liebig, geb. 12. 5. 1803. – Müller – Breslau, Forscher auf dem Gebiete der graphischen Statik, geb. 13. 5. 1851. – W. Thaer, Begründer der wissenschaftlichen Landwirtschaft, geb. 14. 5. 1752. – G. Curie, Entdecker des Radiums, geb. 15. 5. 1859. – Ottomar Anschütz, Erfinder auf dem Gebiete der Momentaufnahmen und des Schnellsehers, geb. 16. 5. 1846. – A. Thyssen, Begründer zahlreicher Gewerkschaften und Gesellschaften im Ruhrgebiet, geb. 17. 5. 1842. – O. Intze, Erbauer zahlreicher Talsperren, geb. 17. 5. 1843.

Das Abhorchen von Ferngesprächen und die Erdtelegraphie im Felde.

Von Hans Schäfer, München.

Sehr bald im Kriege erkannte man die Gefahr, daß auf Fernsprechleitungen geführte Gespräche auf unterirdische Kabel induziert und durch diese zum Feinde geleitet werden können. Durch Aufsuchen der unterirdischen feindlichen Kabel, deren Lage ja zum großen Teil schon vorher bekannt war, suchte man dieser Gefahr zu begegnen.

Nachdem man in den Stellungskrieg eingetreten war, merkte man 1915 an auffälligen Kennzeichen, daß es dem Feind anscheinend möglich war, die deutschen Gespräche mitzuhören. So wurde z.B. die Beobachtung gemacht, daß die feindliche Infanterie zu arbeiten aufhörte und in den Gräben verschwand, sobald unsere Infanterie oder unsere Artilleriebeobachter durch Fernsprecher Artilleriefeuer auf die feindlichen Stellungsarbeiten anforderten. Es mußte also dem Feind möglich sein, unsere Ferngespräche mitzuhören. Unterirdische Kabel kamen nicht in Frage. Von Gefangenen aber hörte man, daß der Feind tatsächlich einen Apparat besitze, der ihm das Mithören der deutschen Ferngespräche erlaube. Vorfeld-Patrouillen stellten zudem fest, daß vor der deutschen Stellung Pfähle in die Erde getrieben waren, von denen Drähte zur feindlichen Stellung führten. Die feindliche Abhorchtätigkeit war somit erkannt und festgestellt.

Dies gab den Anstoß einerseits zur Schaffung und Ausbildung eigener Abhorchtätigkeit, andererseits zur Einführung von Maßnahmen, um dem Feind das Abhorchen zu erschweren oder unmöglich zu machen. Aus der Abhorchtätigkeit ging dann die Erdtelegraphie hervor.

Wir können die einzelnen Stadien der Entwicklung von Gerät und Organisation hier nicht verfolgen. An dieser Stelle soll hauptsächlich die Technik des Geräts besprochen, die Organisation und der Einsatz kurz gestreift werden.

Wir gehen bei der technischen Betrachtung von einer Einfachleitung aus, bei der also die Erde die Rückleitung des Stromes darstellt. Der Strom fließt dann von einem zum andern Erdungspunkt in einem System von Stromfäden, das sich sowohl in der Breite wie in der Tiefe in die Erde erstreckt. Bei homogener Beschaffenheit der Erde erhalten wir dabei regelmäßige Kurven, die von dem einen Erdungspunkt zum andern laufen. Verbindet man nun die Punkte gleicher Stromspannung auf den verschiedenen Stromfäden, so erhält man senkrecht dazu verlaufende Kurvenscharen, die Linien gleicher Spannung oder die Aequipotentiallinien.

Textabbildung Bd. 334, S. 93

Werden zwei Punkte verschiedener Aequipotentiallinien oder verschiedener Spannung durch einen Leiter miteinander verbunden, so fließt bekanntlich ein elektrischer Strom von dem Punkt höherer Spannung zu dem niederer Spannung, also mit dem Stromgefälle. Der Strom besitzt eine um so größere Stärke, je größer das Stromgefälle ist, mit andern Worten, je mehr Aequipotentiallinien durch den verbindenden Leiter geschnitten werden. Der Strom, der zwischen den beiden verbundenen Punkten fließt, ist ein Teil und damit selbstverständlich ein getreues Abbild