Text-Bild-Ansicht Band 334

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In der Prüfvorrichtung wird der punktiert angedeutete auf zwei Walzen gelagerte Probestab mittels einer Gewichtsschale belastet und die dabei auftretende Vergrößerung der Durchbiegung mittels eines Zeigers an einer nach cm Durchbiegung geteilten Skala gemessen.

Die Durchbiegung a ist (vgl. dieses Journal Heft 8 S. 85):

also

Für einen rechteckigen massiven Stab ist

Wählt man nun die Belastung proportional der Breite zum Beispiel Q = 10 b (kg) und die Stutzweite l proportional der Höhe zum Beispiel l = 50 h, so ist

Will man alle Stäbe ausscheiden, bei denen zum Beispiel E < 140000 kg/cm2 ist, so darf a nicht größer als

sein. Die Skala wird daher vorteilhaft an dieser Stelle mit einer besonderen Marke versehen.

Bei dieser Prüfung ist die Spannung in der äußersten Faser

Die Prüfung ist daher für Stäbe über 4 cm Höhe zulässig. Mit der Vorrichtung wird jeder einzelne Stab oder wenigstens von jeder Bohle ein Probestab geprüft. Sollen die Stäbe zur Gewichtsersparnis ausgehöhlt und verleimt werden, so wird diese weitere Verarbeitung erst nach der Prüfung vorgenommen. Sollen dagegen solche Stäbe in fertigem Zustande geprüft werden, so wird vorteilhaft bereits auf der Werkstattzeichnung die Prüflast Q, die Stützweite l und die größte zulässige Durchbiegung angegeben.

Mit der gleichen Vorrichtung können auch andere Träger, zum Beispiel die im Flugzeugbau vielfach verwendeten nahtlos gezogenen Präzisionsstahlrohre, geprüft werden.

Die Unterschiede in der Steifigkeit solcher Rohre sind aber nur in ganz verschwindendem Maße auf Schwankungen des E-Moduls zurückzuführen, da dieser für alle Stahlsorten nahezu den gleichen Wert besitzt, sondern sie werden überwiegend durch nicht genaue Einhaltung der Wandstärken verursacht, während die Rohrdurchmesser bei der Fabrikation genau genug eingehalten werden. Durch die Prüfung wird daher hauptsächlich festgestellt, ob die vorgeschriebene Wandstärke im Mittel eingehalten ist.

Das Trägheitsmoment J eines dünnwandigen Rohres mit einem mittleren Durchmesser d ist angenähert

Wenn d den vorgeschriebenen Wert besitzt, so ist J proportional δ. Die Prüfung gibt daher gleichzeitig ein Maß für das Trägheitsmoment J bzw. für den sowohl in der Biegungsformel, wie in den Knickformeln vorkommenden Wert EJ.

Nach obiger Gleichung für a soll sein

und für E = 2000000

Setzt man Q = 100 δ und l = 100 d, so ist

a ≦ 2,66 cm

Bei dieser Prüfung ist die Spannung in der äußersten Faser

Die Prüfung ist daher für Rohre über 1 cm zulässig.

Für Rohre über 4 cm wird die Stützweite l zu groß und die Belastung Q zu gering.

Für solche stärkeren Rohre ist Q = 500, δ und l = 50 d zu wählen.

Für diese Werte ergibt sich

a ≦ 2,06 cm

Textabbildung Bd. 334, S. 118

und

also für d > 4 cm zulässig.

Rohre, welche eine größere Durchbiegung zeigen, sind nur für solche Zwecke zu verwenden, bei denen die Festigkeit nicht ausschlaggebend ist, oder im Verhältnis der größeren Durchbiegung geringer zu belasten.

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Werkstattechnik.

Einheitswelle oder Einheitsbohrung. Der Normenausschuß des Hannoverschen Bezirksvereins deutscher Ingenieure hat beschlossen, beim Normenausschuß der deutschen Industrie (Nadi) die alleinige Einführung des Einheitswellensystems zu beantragen. Die Gründe dafür sind folgende:

1. Das Bestehen des Systems der Einheitswelle und Einheitsbohrung nebeneinander beeinträchtigt die Austauschbarkeit der Maschinenteile sowohl innerhalb der Betriebe, die in ihren verschiedenen Abteilungen nach verschiedenen Systemen arbeiten müßten, als auch innerhalb der ganzen deutschen Industrie. Da die meisten Werke ihren Lehrenbestand sowieso nach den Vorschlägen