Text-Bild-Ansicht Band 334

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Gasen von niedrigem Heizwert Verwendung finden, ferner als Ersatz des Azetylens bei der autogenen Metallbearbeitung. Natürlich kann man das Gas auch zur Beheizung des Apparates selbst, in dem die Urverkokung vorgenommen wird, benutzen. Die Zusammensetzung der wässerigen Kondensate, die bei der Urverkokung entstehen, ist noch nicht hinreichend aufgeklärt, es steht bis jetzt nur fest, daß sie erheblich weniger Ammoniak enthalten als das Gaswasser; als eine Quelle für die Ammoniakgewinnung dürften sie daher schwerlich in Frage kommen. Auch der bei der Urverkokung übrigbleibende Koks ist wesentlich anders zusammengesetzt als der normale Koks; er enthält noch flüchtige, brennbare Bestandteile in größerer Menge und wird daher richtiger als „Halbkoks“ bezeichnet. Er ist infolgedessen viel leichter entzündlich und gibt eine längere Flamme als Zechen- und Gaskoks, mit denen er andererseits die Eigenschaft teilt, rauch- und rußfrei zu verbrennen. Ein wesentlicher Unterschied ist aber wiederum, daß der Halbkoks in der Regel eine viel geringere Festigkeit besitzt und stark bröckelt. Nur eine beschränkte Zahl von Kohlen liefert bei der Urverkokung einen Halbkoks, der als Feuerungsmaterial tauglich ist und auch eine Verladung verträgt. Ein derartiger Halbkoks ist vor etwa 10 Jahren bereits in England unter dem Namen „Coalite“ als rauchloser Brennstoff auf den Markt gebracht worden, vermochte sich aber wegen der erwähnten unangenehmen Eigenschaften damals nicht einzuführen. Für die künftige Entwicklung der Urverkokung ist es daher selbst bei hoher Beweitung des Teers und der daraus gewinnbaren Schmieröle von größter Bedeutung, entweder für den Halbkoks, so wie er gewonnen wird, neue Verwendungsmöglichkeiten zu schaffen oder aber seine Beschaffenheit so zu verbessern, daß die Nachteile, die ihm jetzt noch anhaften, weniger stark in Erscheinung treten. In Amerika, wo man sich während des Krieges anscheinend ebenfalls sehr eingehend mit den hier geschilderten Fragen beschäftigt hat, hat man versucht, den Halbkoks mit Pech zu brikettieren und hierauf nochmals in Retorten auf 1000° zu erhitzen. Auf diese Weise soll man einen rauchfreien, hochwertigen Brennstoff erhalten, der unter dem Namen „Carbocoal“ in den Handel kommt. Dieses Verfahren bietet zugleich den Vorteil, daß bei der nachträglichen Erhitzung auf hohe Temperatur auch der Stickstoff, der bei der Urverkokung zum größten Teile im Halbkoks zurückbleibt; in Form von Ammoniak gewonnen werden kann. Ueber die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens lassen sich einstweilen bestimmte Angaben nicht machen, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß die Halbkoksverwertung durch Brikettierung auch für unsere Verhältnisse die einfachste Lösung dieser Frage darstellt.

Da die Beschaffung von größeren Anlagen sowohl zur Kohlenextraktion als auch zur Urverkokung während des Krieges große Schwierigkeiten bereitet hätte, hat man versucht, die Gewinnung von Urteer auch auf einem anderen Wege zu ermöglichen und hat gefunden, daß die bekanntlich recht verbreiteten Steinkohlen-Generatoren hierzu gut geeignet sind. Hierzu ist nur eine verhältnismäßig geringfügige Aenderung im Bau und Betrieb der Generatoren notwendig, denn man braucht nur in den Oberteil des Generatorschachtes ein Schwelrohr einzubauen und die in diesem sich bildenden Teerdämpfe mit einem Ventilator abzusaugen und durch Abkühlung zu verdichten. Während man bisher bei der Herstellung von Heiz- und Kraftgas darauf bedacht war, den entstehenden Teer möglichst vollständig im Generator zu verbrennen, um ein teerfreies Gas zu erzeugen und um Störungen bei dem Betrieb der Motoren und Feuerungen zu verhüten, wird man künftig gerade das Gegenteil anstreben und sich bemühen, den Teer möglichst vor Zersetzung zu bewahren und so weit als möglich aus dem Generatorgas abzuscheiden. Der hierfür erforderliche Umbau der Generatoren ist nicht mit allzu großen Kosten verknüpft, und es sind während des Krieges schon über hundert derartige Anlagen (Bauart Ehrhardt & Sehmer, Saarbrücken) ausgeführt worden. Auch andere Firmen haben sich mit Erfolg der Urteergewinnung beim Generatorbetrieb zugewandt und eine Reihe von großen Werken ist heute bereits in der Lage, ihren- gesamten Schmierölbedarf im eigenen Betriebe aus Urteer zu gewinnen.

Zweifellos sind auf diesem Gebiete noch weitere große Fortschritte zu erwarten, und wir dürfen daher hoffen, daß es uns in absehbarer Zeit gelingen wird, uns auch bezüglich der Schmierölversorgung vom Ausland ganz unabhängig zu machen, ebenso wie uns dies während des Krieges bereits hinsichtlich des Stickstoffs gelungen ist. Unter den heutigen Verhältnissen ist dieser Erfolg besonders zu begrüßen.

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Fabrikorganisation und Werkstattbetrieb.

Betriebsbuchführung. Betriebsabrechnung. Der Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung, der vom Verein deutscher Ingenieure mit dem Reichs-Wirtschaftsamt vor etwa einem Jahr gegründet worden ist, hat eine besondere Abteilung für die Ausbildung einheitlicher Abrechnungsverfahren in Industrie und Gewerbe geschaffen. In Zusammenarbeit mit den Fachverbänden sollen einheitliche Richtlinien für die Feststellung der Selbstkosten für einzelne, in sich geschlossene Industriegruppen aufgestellt werden, nach denen dann innerhalb der einzelnen Industrie zweige und Betriebe jeder Gruppe die wirklichen Selbstkosten in vergleichbarer Form ermittelt werden können. Bei der bisher herrschenden völligen Unklarheit über Begriff und Inhalt der Selbstkosten und über ihre Verrechnung wird diese Vornahme weitgehende Anteilnahme finden; Klarheit über den Begriff der Selbstkosten und über die Form ihrer Ermittlung und Darstellung wird viel zu einer gesunden und wettbewerbfähigen Preisgestaltung beitragen können. Der „A. w. F.“ rechnet auf die Mitarbeit der Industrie bei diesem Unternehmen. (Der A. w. F. gibt besondere Mitteilungen heraus, die der Zeitschrift „Der Betrieb“ beigefügt werden.).

Betriebsbuchführung. Unkostenwesen. Leitsätze für die indirekten Aufwendungen (Unkosten) und deren Verrechnung hat der Unterausschuß für Betriebsorganisation des Berliner Bezirksvereins deutscher Ingenieure aufgestellt und im „Betrieb“ (Sonderheft Betriebsorganisation, Mai 1919) veröffentlicht. Der Begriff der Unkosten war bisher durchaus unklar, weil er nicht eindeutig festgelegt war und weil fast jeder Betriebsmann und jeder Verfasser etwas anderes darunter verstand. Sehr viele Mißverständnisse und Meinungsverschiedenheiten in Schrifttum und Praxis haben ihren Grund in einem Aneinandervorbeireden infolge dieser unzureichenden Begriffsbestimmung. So ist das Unternehmen des genannten Ausschusses sehr lebhaft zu begrüßen, das hier Klarheit schaffen will und