Text-Bild-Ansicht Band 334

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Die Vierzylindermotoren werden entweder in Kraftwagenbauart oder mit abnehmbarem Kopf ausgeführt. Eine viel verwendete Bauart ist die mit 20 PS Bremsleistung bei 800 Umdrehungen. Es sind dabei je zwei Zylinder zu einem Block vereinigt. Die Zylinder haben 115 mm Bohrung und 170 mm Hub. Als Vertreter der Motoren mit abnehmbarem Zylinderkopf kann der Fordmotor gelten. Diese Bauart hat sich gut bewährt, da sie außer dem einfach zu bearbeitenden Zylinder und Deckel gute Zugänglichkeit zu den Ventilen gewährt. Ebenso können hierbei die Kolben leicht ausgebaut werden. Auch kann der Zylinderkopf leicht gegen einen anderen ausgewechselt werden, was wichtig ist, sobald man auf einen Betrieb mit anderem Brennstoff übergeht, der eine andere Verdichtung verlangt. Beim Fordschlepper findet ebenfalls der Blockmotor Verwendung. Die Zylinderbohrung beträgt 100 mm, der Kolbenhub 125 mm. Bei Petroleumbetrieb leistet der Motor bei 1000 Umdrehungen 22 PS. Die Bestrebungen, möglichst einfache und billige Motoren herzustellen, führten dazu, den oberen Kurbelkasten und den Zylinderblock aus einem Stück herzustellen, wobei der Zylinderkopf ebenfalls abnehmbar ausgeführt werden kann. Große Verbreitung finden auch die liegenden Motoren, die hauptsächlich als gegenläufige Zwillingsmotoren mit abnehmbarem Zylinderkopf ausgeführt werden. Bei den meisten dieser Motorbauarten mit abnehmbarem Zylinderkopf tritt das Kühlwasser vom Kühlmantel nicht unmittelbar durch die Dichtungsfläche in den Zylinderkopf, sondern es wird durch einen Krümmer in bekannter Weise dem Zylinderkopf zugeführt. Finden Zweitaktmotoren Verwendung, so arbeiten sie nach dem gewöhnlichen Prinzip der Kurbelkastenpumpe. (Der Motorwagen, Heft II und III, XXII. Jahrgang.)

W.

Hüttenwesen.

Ueber die Gesetzmäßigkeiten der chemischen Einwirkungen der Gase auf Eisen und seine Verbindungen mit Nichtmetallen bei höheren Temperaturen hat F. Schmitz Untersuchungen angestellt (Stahl und Eisen 1919, S. 373 und 406). Die im Eisen enthaltenen Nichtmetalle werden beim Glühen des Eisens im Wasserstoffstrom oder beim Durchblasen von Wasserstoff durch flüssiges Eisen in die entsprechenden Wasserstoffverbindungen übergeführt. Diese Verbindungen zerfallen wieder bei gewissen Temperaturen, und der freiwerdende Wasserstoff reduziert dann vorhandene Kieselsäure unter Bildung von Siliziumwasserstoff. Wird andererseits Eisen in einer Atmosphäre von Nichtmetall-Wasserstoff geglüht, so wird das Nichtmetall vom Eisen gebunden, während der freiweidende Wasserstoff ins Eisen diffundiert (Zementation mit Kohlenstoff und Silizium). Bei bestimmten Temperatur- und Druckverhältnissen wirkt das Gasgemisch aus Nichtmetall und Nichtmetall-Wasserstoff weder tempernd noch zementierend. Kohlenstoff und Silizium wandern bei höherer Temperatur in festes Eisen hinein ohne daß hierzu eine vorherige Bildung des entsprechenden Gases notwendig ist.

Gußeiserne Dauerformen. Zur Herstellung von, gußeisernen Dauerformen empfiehlt Outerbridge, den Zusatz von fein gepulvertem Ferromangan oder von Ferrosilizium zu noch härtbarem, siliziumarmem Eisen unmittelbar vor dem Guß. Die Härtetiefe und Zugfestigkeit soll dadurch wesentlich gesteigert und die Schwindung verringert werden. Bei siliziumreichem und an gebundenem Kohlenstoff armem Gußeisen wirkt der Zusatz jedoch schädlich. Ein Uebelstand bei der Verwendung gußeiserner Formen ist der, daß graues Gußeisen, das über einen gewissen Wärmegrad erhitzt und wieder abgekühlt wird, schwillt, d.h. sein Volumen vergrößert, und daß diese Schwellung, die sehr erheblichen Umfang annehmen kann, bei wiederholtem Verfahren die Formen schließlich unbrauchbar macht. (Stahl und Eisen 1919, S. 324.)

Loebe.

Rechts-Schau.

Die Streikklausel in den Lieferungsverträgen. In den Lieferungsvertragen zwischen dem Unternehmer eines größeren Betriebes und seinem Kunden, dem Abnehmer seiner Fabrikate, Waren usw., wird häufig die sogenannte Streikklausel aufgenommen, um die Folgen, die das Bürgerliche Gesetzbuch an die infolge des Streiks eintretende Unmöglichkeit der Erfüllung des Lieferungsvertrages auf Seiten des Unternehmers zu dessen Gunsten zu beseitigen; denn es ist nicht ausgeschlossen, daß dem Gegenkontrahenten des Unternehmers Schadensersatzansprüche gegen letzteren wegen der nunmehrigen Unmöglichkeit der Vertragserfüllung zustehen, was jedenfalls immer dann zutrifft, wenn dem Unternehmer bezüglich der Verursachung des Streiks ein Verschulden, wenn auch nur ein Mitverschulden, zur Last fällt. Die Streikklausel bezweckt also, den Unternehmer im Falle eines Streiks von jeglicher Haftung seinem Gegenkontrahenten aus dem Lieferungsvertrage glatt zu entbinden, wie wenn der Lieferungsvertrag überhaupt nicht abgeschlossen worden wäre. Bemerkenswert ist nun die Auslegung, die das Reichsgericht diesen Streikklauseln in seiner Entscheidung vom 19. Oktober 1912 gegeben hat.

In dem dieser Entscheidung zu Grunde liegenden Transportvertrage befand sich nämlich folgende Bestimmung: Höhere Gewalt, Mobilmachung, Krieg, Aufruhr, Arbeiteraussände jeder Art, Quarantäne, Wintersgefahr, Eisgang auf dem Rhein oder seinen Nebenflüssen, Hochwasser und andere Naturereignisse, Verkehrsstörung, Mangel an Verkehrsmitteln, behinderte Schiffahrt, speziell ein Wasserstand von 1,20 m Cauber Pegel und darunter entbinden uns für die Dauer dieser Verhältnisse von der Abnahme und Beförderung der uns angedienten Güter, welche bei Eintritt dieser Verhältnisse noch nicht in das Rheinschiff überladen werden.

Zu der Frage, wann der Befreiungsgrund eines Arbeiterausstandes vorliegt, äußert sich nun das Reichsgericht in dieser Entscheidung folgendermaßen:

Für die Wirkung eines Arbeiterausstandes als Befreiungsgrund erscheint es nach Treu und Glauben und nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als notwendig, daß der Arbeiterausstand gerade den dem Vertrage zu Grunde liegenden Geschäftszweig betroffen hat, sei es, daß eine derjenigen Arbeitergruppen, deren Tätigkeit zur Ausführung des Vertrages erforderlich ist, selbst in den Ausstand getreten ist, sei es, daß eine der beteiligten Arbeitergruppen, wenngleich selbst arbeitswillig, durch den Ausstand anderer Arbeitsgruppen in der Entfaltung der Tätigkeit beeinträchtigt wird, immer aber erscheint ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Arbeiterausstande und der Vertragserfüllung in der Weise notwendig, daß der Arbeiterausstand eine Verringerung der Entfaltung von Arbeitskräften in denjenigen Arbeitergruppen zur Folge hat, die zur Ausübung der Vertragshandlungen üblicherweise heranzuziehen sind. Ist das