Text-Bild-Ansicht Band 334

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Schwerpunkt S gehenden Schwerlinie von der Senkrechten durch den Mittelpunkt der Radachse und damit das Moment G • d vergrößert (Abb. 1). Ist P die in Flugrichtung wirkende Kraft und y ihr Abstand vom Stützpunkt des Rades, dann gilt unter Vernachlässigung der Bodenreibung und des Luftwiderstandes für das Gleichgewicht in bezug auf den Stützpunkt des Rades beim Aufsetzen die Beziehung

G • d = P • y.

Dem Dreh- bzw. Kippmoment P • y wirkt also das Gewichtsmoment entgegen, d.h. je größer beim Landen d ist, um so kleiner wird beim Aufsetzen des Flugzeuges die Kippgefahr. Da d beim Starten des Flugzeuges und demnach auch G • d einen verhältnismäßig kleinen Wert hat, so wird andererseits die für einen ruhigen und sicheren Anlauf erforderliche Bedingung eines möglichst kleinen Gewichtsmoments (geringe Schwanzbelastung) gewährleistet.

Die Laufradachse ist in den beiden, mit je einem vorderen und hinteren Stoßfänger und dem Verspannungsseil c verbundenen Laufbüchse u gelagert (Abb. 6), derart, daß sie sich infolge des Vorhandenseins von Spiralfedern i, die zwischen den Laufbüchsen u und den auf der Achse festsitzenden Stellringen q angeordnet sind, um etwa 50 mm nach beiden Seiten hin verschieben kann.

Infolge der großen Beweglichkeit der Laufradachse in senkrechter und wagerechter Richtung und ferner durch das Zusammenwirken der Bremsflüssigkeit mit der Druckluft wird die bei den gewöhnlichen Fahrgestellen häufig auftretende schädliche Erscheinung der stark schwankenden Bewegung des Flugzeuges beim Rollen namentlich auf unebenem Gelände nahezu vermieden und eine verhältnismäßig ruhige, erschütterungsfreie, wagerechte Lage der Tragflächen erzielt.

Für die weitere technische Entwicklung des Luftverkehrsmittels, besonders des Großflugzeuges, ist die Frage eines brauchbaren Sicherheitsfahrgestells, durch welches die Beanspruchungen des Flugzeuges beim Landen und beim Rollen auf ein Mindestmaß herabgesetzt und die Landungssicherheit gegen Unfälle erhöht wird, von größter Wichtigkeit. Außerdem fordert die Wirtschaftlichkeit eines Flugbetriebes, den Verbrauch an Flugzeugen durch Brüche bei Landungen möglichst zu vermeiden.

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Materialprüfung.

Neue Anwendungen des Wolframmetalls. Schon seit einer Reihe von Jahren hat das Wolframmetall zur Herstellung von Schnelldrehstahl eine große praktische Bedeutung erlangt ferner hat es sich infolge seines sehr hohen Schmelzpunktes bei der Herstellung der elektrischen Glühlampen gut bewährt. Die Anfertigung der feinen Glühfäden bereitete indessen eben wegen des hohen Schmelzpunktes des Wolframs erhebliche Schwierigkeiten und war nur unter Anwendung der verschiedensten Kunstgriffe möglich, weil man nicht imstande war, das Wolfram in regulinischem geschmolzenem Zustande herzustellen. Dies ist kurze Zeit vor dem Ausbruch des Krieges erst dem Ingenieur H. Lohmann in Berlin gelungen, so daß nunmehr das Wolframmetall für alle technischen Zwecke Verwendung finden kann. So kann man heute aus Wolfram Tiegel, Röhren und andere chemische Geräte herstellen, die sich durch hohe Säure- und Temperaturbeständigkeit auszeichnen. Infolge seiner großen Härte eignet sich das Wolframmetall auch zur Anfertigung von Werkzeugen, wie Bohrern, Feilen und Sticheln, ferner kann man aus dem gegossenen Metall Draht ziehen, der außer in der Glühlampentechnik auch noch in anderen Industriezweigen Anwendung finden wird.

Während des Krieges konnte wegen Rohstoffmangels für die genannten Verwendungszwecke noch kein Material hergestellt werden, dagegen hat sich, wie H. Lohmann in der „Elektrochemischen Zeitschrift“, 25. Jahrg., S. 141 bis 143 berichtet, das Wolframmetall bereits als Diamantersatz in ziemlich weitem Umfang eingeführt. Bekanntlich werden von der Industrie alljährlich für viele Millionen Mark Diamanten für Werkzeuge aller Art, so für Drahtziehsteine, Besatz für Tiefbohrkronen, Gesteinsägen, Glasschneider, Abdrehwerkzeuge und andere Zwecke mehr, verbraucht. Für alle diese Zwecke kann der Diamant, an dem bekanntlich während des Krieges ein fühlbarer Mangel herrschte, durch Wolframkarbid ersetzt werden. Denn das Wolframkarbid steht dem Diamanten an Härte nur sehr wenig nach. Die Herstellung des Karbids und die Anfertigung von Werkzeugen daraus ist fertig durchgearbeitet und es werden bereits Drahtziehsteine unter der Bezeichnung „Volomit“-Ziehsteine in den Handel gebracht (D. R. P. 286 184, 289066), die für alle Metalle verwendbar sind und deren Preis erheblich niedriger als der von Diamant-Ziehsteinen ist.

Sander.

Materialprüfung. Da nunmehr die Rücksicht auf eine Geheimhaltung der Ergebnisse aller im militärischen Interesse durchgeführten Versuche hinfällig ist, erscheint es wünschenswert, die wichtigsten Resultate gesammelt unserer Industrie zur Verfügung zu stellen. (Jahresber. 1917 des Materialprüfungsamtes Berlin-Lichterfelde.)

Es wurden 74 Riemen aus Zellstoff auf Zugfestigkeit und Dehnung geprüft. Sie bestanden teils aus Tuchgewebe, das in zwei bis elf Lagen zusammengefaltet und längs vernäht war, teils aus zwei oder drei aufeinander gelegten und vernähten Schläuchen, teils waren sie durchgewebt; mehrere waren mit Drahteinlagen versehen. Die ermittelten Zugfestigkeiten betrugen bei den drahtlosen

Tuchriemen 54–189, Mittel = 118 kg/cm2
Schlauchriemen 72– 82, Mittel = 77 kg/cm2
durchgewebten Riemen 56–125, Mittel = 96 kg/cm2
mit Drahteinlage versehenen
Tuchriemen 104–200, Mittel = 163 kg/cm2
Schlauchriemen 126–175, Mittel = 149 kg/cm2
durchgewebten Riemen 321 kg/cm2.

Ein Urteil über den Einfluß des Aufbaues der Riemen gestatten diese Ergebnisse nicht, da die untersuchten Riemen aus Garnen verschiedenen Ursprungs hergestellt waren. Um Aufschluß über diese Frage zu erzielen, sind auf Anregung des Amtes durch die Riemen-Freigabestelle systematische Versuche eingeleitet, die sich auch auf Leistungsversuche erstrecken.

Bei Zugversuchen mit Nietverbindungen, bestehend aus je zwei durch Beiwinkel zur Kreuzform vereinigten Winkeleisen von 100 × 100 × 10 mm, ergab sich das Einschalten von Futterstücken zwischen den Winkeln als günstig für den Widerstand der Verbindung. Das Gleiten der Hauptwinkel gegeneinander trat ein an den Proben ohne Futterstücke bei 55500 kg, an denen mit Futterstücken erst bei 70800 kg.

Eine elektrisch geschweißte Kette aus Rundeisen von 27 mm streckte bei σS = 18,6 kg/mm2, bezogen auf den doppelten Eisenquerschnitt, und riß bei einer