Text-Bild-Ansicht Band 334

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Sein letztes Lebensjahr war sein schwerstes. Der Zusammenbruch des Vaterlandes traf ihn hart, tief schmerzte ihn die seelische Erkrankung des Volkes. Als dann noch, kaum drei Monate vor ihm, nach furchtbaren Leiden die Lebensgefährtin starb, die ihm 37 Jahre lang zur Seite gestanden hatte, war sein Widerstand gebrochen.

Die größte Aufgabe hatte er sich selbst gestellt und er hat sie in Kraft und Treue gelöst.

August Rotth.

Polytechnische Schau.

(Nachdruck der Originalberichte – auch im Auszuge – nur mit Quellenangabe gestattet.)

Gastechnik.

Koks für Lokomotivbeheizung und gewerbliche Feuerungen. In Oesterreich wurde während des Krieges ein Ausschuß gebildet zur Förderung der erhöhten Gewinnung der Nebenprodukte bei der Koks- und Gaserzeugung. Ueber die auf dem Gebiete der Koksverwertung gesammelten Erfahrungen macht Ingenieur K. Marischka ausführliche Mitteilungen. Die bei den deutschen Eisenbahnen mit der Koksfeuerung der Lokomotiven gemachten Erfahrungen sind als sehr günstig zu bezeichnen. Koks wird teils allein, teils mit Kohle oder Briketts gemischt bei allen Zuggattungen verwendet. Anfangs wurde nur Zechenkoks, später auch Gaskoks benutzt, und man zieht diesen sogar in mancher Beziehung vor, weil er im allgemeinen kleinstückiger ist und sich schneller entzündet als Zechenkoks. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß sehr poröser Gaskoks (aus Retortenöfen) geringere Festigkeit hat, auf der Lokomotive mehr Raum beansprucht und infolge des geringeren Raumgewichts auch mehr Schaufelwürfe des Heizers erfordert. Gaskoks aus Großraumöfen steht in seinen Eigenschaften in der Mitte zwischen Retortenofenkoks und Zechenkoks. Dieser wird meist mit Kohle oder Briketts im Verhältnis 1 : 3 oder auch 1 : 2 gemischt verwendet. Die eisernen Feuerbuchsen eignen sich weniger für die Koksbeheizung als die kupfernen; der Koks wird auf dem Tender von der Kohle getrennt gelagert, so daß der Heizer je nach Bedarf Koks oder Kohle verfeuern kann. Bei Koksfeuerung wird mehr Brennstoff gebraucht als bei Verwendung von Kohle, es muß daher aus Gründen der Wirtschaftlichkeit darauf geachtet werden, daß keine unverbrannten Koksteile mit ausgeschlackt werden. Für den Rangierdienst mit seiner wechselnden Beanspruchung der Maschine ist Koks weniger geeignet; alles in allem ist jedoch durch die Heranziehung des Kokses zur Lokomotivbeheizung eine wesentliche Entlastung des Koksmarktes und eine bedeutende Ersparnis an Steinkohle erzielt worden.

Auch in Oesterreich standen der erhöhten Koksverwendung seitens der Eisenbahnen keine technischen Schwierigkeiten im Wege, doch herrschte bei den. Kokereien eine starke Koksknappheit, und die geforderten Preise waren zu hoch. Die Steigerung der Kokserzeugung in Oesterreich ist auch abgesehen von dem großen Bedarfe der Heeresverwaltung an Ammoniak, Teer und Benzol während des Krieges wünschenswert, weil die Eisenhütten vor dem Kriege etwa 40 v. H. ihres Koksbedarfes aus Deutschland beziehen mußten. Die Steigerung der einheimischen Kokserzeugung in dem Umfange, daß die bisherige Kokseinfuhr entbehrlich wird, ist im volkswirtschaftlichen Interesse geboten, zumal dadurch auch erheblich größere Mengen der wertvollen Nebenprodukte im Inlande gewonnen werden.

Durch eine planmäßige Werbetätigkeit könnte namentlich auch der Absatz von Gaskoks sehr gesteigert werden, dessen Verwendung vielfach noch Vorurteile im Wege stehen. Die in Deutschland bestehenden wirtschaftlichen Organisationen werden hierbei als Vorbild empfohlen. Die Einführung der Kohlenwäsche vor der Entgasung zum Zwecke, einen höherwertigen Koks zu gewinnen, dürfte bei den österreichischen Gaswerken aus technischen und wirtschaftlichen Erwägungen heraus kaum möglich sein. Dennoch ist eine Verbesserung der Eigenschaften des Gaskokses mit allen Mitteln anzustreben. Für Zentralheizungen und Dauerbrandöfen führt sich der Gaskoks mehr und mehr ein, auch für Schmiedefeuer könnte er ohne weiteres an Stelle von Kohle Anwendung finden, wie die in den letzten Jahren ausgeführten Versuche beweisen. Weiter kann der Koks zur Erzeugung von Generatorgas mit Vorteil Verwendung finden, so werden bereits jährlich gegen 80000 t Koks lediglich in den Wiener Gaswerken in Generatoren vergast. Es wird daher auch bei einer wesentlichen Steigerung der Kokserzeugung an Absatzmöglichkeiten nicht fehlen. Für die Unterbringung einer erhöhten Kokserzeugung eine verläßliche Gewähr zu schaffen, hat sich der oben erwähnte Ausschuß zur Aufgabe gemacht, doch müssen auch die maßgebenden Behörden und Unternehmungen hierbei mitwirken. (Ztschr. d. Vereins d. Gas- und Wasserfachm. in Oesterreich-Ungarn 1919, S. 105 bis 112.)

Eine Gaszentrale in Niederschlesien. Ebenso wie in Rheinland-Westfalen hat die Fern Versorgung mit Koksofengas auch in Niederschlesien bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Das Gas wird von der Kokerei der kons. Fuchsgrube in Neuweißstein geliefert und nach der Reinigung von Teer und Ammoniak dem städtischen Gaswerk in Waldenburg sowie durch eine besondere Leitung der Gaszentrale in Altwasser zugeführt. Die dort errichtete Gasförderanlage, die 3 ½ km von der Kokerei entfernt liegt, erhält das Gas unter verhältnismäßig niedrigem Druck, weil diese Leitung eine Grubenbruchstrecke mit häufigen starken Bodensenkungen durchzieht. In Altwasser wird das Gas zunächst gemessen und dann in mehreren Behältern aufgespeichert. Aus diesen wird das Gas von Kolbenkompressoren angesaugt und mit einem Druck bis zu 10 m WS in die Fernleitungen gefördert, die einen Durchmesser von 80 bis 175 mm haben. Die Anfänge dieser Fern Versorgung gehen bis auf das Jahr 1911 zurück, in welchem die Orte Altwasser und Bad Salzbrunn angeschlossen wurden. Es folgten Hausdorf und Wüstegiersdorf sowie 11 weitere Ortschaften des Kreises Waidenburg, die bis dahin noch nicht mit Gas versorgt waren, sodann Nieder-Salzbrunn und Freiburg und schließlich die Stadt Schweidnitz. Alle diese Orte legten alsbald ihre eigenen Gaswerke still; der Uebergang zum Bezug von Koksofengas machte keinerlei Schwierigkeiten, nur mußten sämtliche Brenner nachreguliert werden, weil das Koksofengas ein etwas höheres spezifisches Gewicht hat. Diejenigen Ortschaften, die bisher noch keine Gasversorgung hatten, wurden, um den Bau von Gasbehältern zu ersparen, mittels Membranreglern direkt an die Hochdruckleitung angeschlossen. Diese Regler, die den bis zu 10 m betragenden Hochdruck auf den Gebrauchsdruck von 40 bis 80 mm verringern, haben sich besser bewährt als die zuerst benutzten nassen Regler mit Glyzerinfüllung. Die Hochdruckleitungen bestehen aus 10 bis 12 m langen, nahtlosen Stahlrohren mit Schalker-Muffen, deren Dichtung mit besonderer Sorgfalt ausgeführt wurde. Für die oben erwähnte etwa 3 km lange Bruchstrecke zwischen der Kokerei und der Förderanlage in Altwasser war zuerst eine oberirdische Rohrleitung,