Text-Bild-Ansicht Band 334

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solcher rotierender Luftpumpen ist relativ groß. Bei Maschinenanlagen von 4000 PS sind für die Spülluftpumpen nach Angabe der Zeitschrift „The Motor Ship and Motor Boat“ Juli 1919 zwei Elektromotoren von je 250 PS Leistung notwendig.

Bei einer bereits ausgeführten Schiffsmaschinenanlage mit zwei Hauptmaschinen von je 1500 PSi bei 105 Umdr./min. sind an den Hauptmaschinen nur die dreistufigen Luftverdichter angeordnet. Die Turbospülluftpumpen haben elektrischen Antrieb. Dadurch wird erreicht, daß der Bau der Hauptmaschinen einfacher wird, weil die schweren Spülluftpumpen in Wegfall kommen. Da die Drehzahl der Spülluftpumpen in weiten Grenzen geregelt werden kann, so ist es möglich, die Spülluftmenge dementsprechend zu vergrößern. Man kann auf diese Weise, wenn notwendig, eine Leistungserhöhung der Hauptmaschinen erhalten.

Von einer kleineren Zweitaktmaschine von 420 PSe hat die Firma Gebr. Sulzer bis jetzt über 100 Stück gebaut. Viele von diesen Maschinen sind während des Krieges in französische Boote, die während des Krieges als Wachtschiffe im Mittelmeer Dienst versehen haben, eingebaut worden, und zwar je zwei Stück, wodurch das Boot eine Geschwindigkeit von etwa 15 Knoten erhielt. Die Boote waren während der letzten zwei Jahre zwischen Marseille und Biserta tätig. Sie sind durchschnittlich 25 Tage im Monat unterwegs gewesen, was bei Dampfbooten nicht möglich war. Während der Fahrt waren nur zwei Maschinisten im Maschinenraum notwendig. Innerhalb 15 Minuten war ein solches Boot fahrbereit. Die Maschinen haben zuverlässiger und andauernder gearbeitet als Dampfmaschinen irgend einer Bauart, und es waren dabei weniger Ausbesserungen notwendig.

W.

Gastechnik.

Zur Geschichte der Gasbeleuchtung in Oesterreich liefert Prof. Dr. A. Bauer-Wien einen interessanten Beitrag in einer kleinen Schrift über Zach. Andreas Winzler. Er betont zunächst, daß dieser Mann nicht mit dem Abenteurer Winsor identisch ist, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in London um die Einführung der Gasbeleuchtung bemühte und dabei bekanntlich eine wenig rühmliche Rolle gespielt hat. Zach. Andreas Winzler wurde im Jahre 1750 zu Unlingen in Schwaben geboren, er studierte Medizin und kam 1778 nach Oesterreich, wo ihm die Leitung des „Salpeterwesens“, das damals als Staatsregal einer Privatgesellschaft zugewiesen war, übertragen wurde. Im Jahre 1800 erwarb er sich in Znaim in Mähren ein Anwesen und betrieb dort die Gewinnung von Salpeter mit Erfolg in eigener Regie. Daneben beschäftigte er sich mit dem Studium der Gasbereitung durch trockene Destillation von Holz und anderen Rohstoffen, sowie mit der Anwendung des gewonnenen Gases zur Beleuchtung und Heizung, namentlich aber auch mit der Nutzbarmachung der hierbei erhaltenen Nebenerzeugnisse Holzessigsäure und Teer. Durch Zeitungen und Flugblätter erhielt Winzler Kenntnis von der Erfindung einer „Thermolampe“ durch den französischen Ingenieur Lebon. Ohne näher über die Einrichtung dieses Apparates unterrichtet zu sein, unternahm Winzler die Konstruktion einer solchen Thermolampe, die er einen „Universal-Leucht-Heiz-Koch-Sud-Destillier- und Sparofen“ nannte. Er stellte einen solchen Apparat zunächst in seiner Salpeterfabrik und später im Hause des Kreishauptmanns von Rosenberg in Znaim auf. Diese Versuche Winzlers lenkten auch die Aufmerksamkeit der Militärverwaltung auf sich, die versuchsweise die Aufstellung einer Thermolampe in einer Znaimer Kaserne veranlaßte. Der Apparat diente hier zur Beheizung der Zimmer und zugleich zur Bereitung des Essens für 50 bis 60 Mann. Auf Veranlassung des Feldmarschalls Erzherzog Karl besichtigte eine militärische Abordnung aus Wien die Anlage in der Znaimer Kaserne, was zur Folge hatte, daß Winzler seinen Apparat im Hofkrieggebäude in Wien vorführen konnte. Bald darauf gelangte sein Beleuchtungsverfahren in der Alserkaserne in Wien zur Einführung.

Die „Wiener Zeitung“ vom 5. März 1802 schildert die Versuche Winzlers, die dieser auch öffentlich vorführte, und weist namentlich auf die wirtschaftlichen Vorteile des neuen Verfahrens hin, was bei den damals geltenden niedrigen Preisen von 45 Kreuzern für einen Wiener Zentner Steinkohle und 18 Kreuzern für ein Pfund Kerzen gewiß bemerkenswert war. Nach einer Mitteilung des Arztes Dr. de Carro lassen sich die finanziellen Vorteile der Vorrichtung Winzlers folgendermaßen zusammenfassen: Von 9 Kreuzern Wert des der Destillation unterworfenen Holzes erhält man 5/9 als Holzkohle zurück und 4/9 verbraucht man zum Heizen des Zimmers, zum Zubereiten der Speisen für 11 Personen und zur Gewinnung des Teers. Dieser aber sowie die Holzkohle können für 17 Kreuzer verkauft werden.

Winzler führte die Anwendung des Holzgases zur Destillation von Weingeist vor zahlreichem Publikum mit großem Beifall vor und brachte im Sommer 1802 seinen Apparat auch nach Preßburg, wo er ebenfalls eine günstige Aufnahme fand. Zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten interessierten sich für seine Erfindung und Blochmann bemerkt in seinem Werk über die Gasbeleuchtung: „Hätte Winzler solche Unterstützung gehabt wie Winsor in England, und hätte ihm ein Rohmaterial zu Gebote gestanden von solcher Güte wie z.B. die schottische Cannelkohle, so kann man nicht zweifeln, daß Wien der Ausgangspunkt des Beleuchtungswesens geworden wäre.“ Winzler zog Ende 1811 von Znaim nach Wien, wo er in die Dienste des Altgrafen von Salm-Reifferscheidt trat, und starb in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. (Nach einem Sonderabdruck aus der „Wiener Abendpost“.)

Sander.

Fabrikorganisation und Werkstattstechnik.

Wärmeschutz an Glühöfen durch Luftschleier. An Glüh-, Härte- und Schweißöfen werden die Arbeiter bei der Beobachtung des glühenden Materials durch die geöffnete Ofentür sehr stark durch die strahlende Hitze belästigt, die der Türöffnung entströmt. Zur Vermeidung oder wenigstens Linderung dieses Uebelstandes ordnet man zwischen Arbeitstür und Feuerraum einen Luftschleier an, indem man, wenn die Tür geöffnet wird, aus einer Schlitzdüse Luft austreten läßt, die die heißen Ofengase und die strahlende Wärme nach oben abführt (Abb. 1 bis 2). Im „Technischen Zentralblatt für den Werkzeug- und Maschinenmarkt“ wird von F. Wellmann eine derartige Luftschleiereinrichtung der Firma Werner Geub in Köln beschrieben und dabei einige interessante Zahlen genannt.

Textabbildung Bd. 334, S. 276
Textabbildung Bd. 334, S. 276

Bei den Luftschleierdüsen für die Arbeitstüren eines großen Blockofens tritt die Luft aus den 6 mm breiten