Text-Bild-Ansicht Band 335

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DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL

Jährlich erscheinen 26 Hefte. Bezugspreis vierteljährlich 6,– M., bei Versendung unter Streifband 7 M. 50 Pf. Für das Ausland besondere Preise. Bestellungen durch Buchhandel, Post oder Verlag: Richard Dietze, Berlin W. 66.
Alleinige Anzeigen-Annahme: Ala, Vereinigte Anzeigen-Gesellschaften, Haasenstein & Vogler A.-G., Daube & Co. m. b. H., Berlin, SW. 19, Jerusalemer Straße 11/12 und deren Zweigstellen.

HEFT 18 BAND 335. BERLIN, 4. SEPTEMBER 1920. 101. JAHRGANG

INHALT:

  • Die neueren Schachtabteufverfahren. Von Bergdirektor Landgräben Seite 195
  • Polytechnische Schau: Beleuchtungstechnik: Beleuchtung von Hallen durch Tiefstrahler – Betontechnik: Die Frage der Rostsicherheit des Eisens im Beton – Elektrotechnik: Vereinfachte Methode zur Bestimmung der Reibungsgrößen bei Motorzählern – Feuerungstechnik: Untersuchungen an Steilrohrkesseln – Wärmekraftmaschinen: Dampferzeugung durch Abwärmeverwertung – Die Wärmepumpe – Werkstattstechnik: Neuer Riemenverbinder – Wirtschaft: Die Leipziger Technische Messe – Dritte Hauptversammlung der Brennkrafttechnischen Gesellschaft – Diplom-Ingenieure als Verwaltungsbeamte – Vorlesungen über Psychotechnik – Der heutige Stand des technischen Filmwesens – Preisausschreiben der Adolf v. Ernst-Stiftung in Stuttgart Seite 197
  • Bücherschau: Bestimmungen über die bei Hochbauten anzunehmenden Belastungen und über die zulässigen Beanspruchungen der Baustoffe – Ellerbeck, Erläuterungen zu den preußischen Hochbaubelastungsvorschriften 1919 – Freundlich, Die Grundlage der Einsteinschen Gravitationstheorie – Hensel, Farben und Farbensehen – Busse, Bürgerliche Baukunde und Baupolizei – Anker, Naturbauweisen – Stahlwerks-Verband, Eisen im Hochbau „ 202

Gedenktage großer Techniker (5. September bis 19. September).

Christoph Schweigger, Physiker, gest. 6. 9. 1857 – Sir Frederick Abel, Chemiker, gest. 6. 9. 1902 – Emmerich Weißmüller, Gründer der Maschinenfabrik Gebr. Weißmüller, Frankfurt a. M., gest. 8. 9. 1909 – Herrn, v. Helmholtz, Physiker, Mathematiker, Physiologe und Philosoph, gest. 8. 9. 1894 – L. Galvani. Entdecker des Galvanismus, geb. 9. 9. 1737 – Carl Zeiß, Gründer der Firma Carl Zeiß, Jena, geb. 11. 9. 1816 – Ludwig Löwe, Gründer der Firma Ludwig Löwe, Berlin, gest. 11. 9. 1886 – Karl August Steinheil, Erfinder der elektrischen Uhr, gest. 12. 9. 1870 – Alexander v. Humboldt, geb. 14. 9. 1769 – Ernst Schieß, Gründer der Maschinenfabrik Schieß, Düsseldorf, geb. 14. 9. 1840 – Freiherr v. Vega, Berechner der Logarithmentafeln, gest. 17. 9. 1802 – B. Riemann, Begründer der modernen Funktionentheorie, geb. 17. 9. 1826 – Leonhard Euler, gest. 18. 9. 1783 – Léon Foucault, Physiker und Mathematiker, geb. 18. 9. 1819 – Johann Georg Repsold, Mechaniker für astronomische Instrumente, geb. 19. 9. 1770.

Die neueren Schachtabteufverfahren.

Von Bergdirektor Landgräben, Garmisch-Partenkirchen.

In den verschiedenen Bergbaugebieten unseres Vaterlandes sind in den letzten Jahren mehrfach Schachtabteufarbeiten vorgenommen worden, die weiteren Kreisen bekannt gegeben werden dürften. Vorweg seien die schwierigen Abteufverhältnisse im Vogesensandstein in Lothringen, dann diejenigen im Tertiär und Buntsandstein am Niederrhein, ferner die im Bereich des Plattendolomits angetroffenen Verhältnisse im südlichen Teile des Werra-Kalireviers erwähnt und schließlich noch die merkwürdigen geologischen Verhältnisse in den Trümmerzonen auf den Salzhorsten im Hannoverland. Der Ueberwindung der in den genannten Gebieten vorliegenden schwierigen Gebirgsverhältnisse war man bis vor wenigen Jahren nicht gewachsen. Weder das Gefrierverfahren noch das Versteinungs- und Abbohrverfahren waren nach dem damaligen Stande der Schachtbautechnik so entwickelt, daß ein Schachtbau unter solchen Erschwernissen gelingen konnte. Erst in den letzten Jahren war man durch allmähliche Verfeinerung der Instrumente und Maschinen imstande, ihrer Herr zu weiden.

Bei der folgenden Erörterung der einzelnen Neuerungen auf diesem Gebiete sei zunächst des Abteufens im Tertiär gedacht, das bekanntlich am unteren Niederrhein, in dem Weseler Kohlen- und Kalirevier, von Süden nach Norden stets wachsende Mächtigkeit annimmt, und bis 400 und mehr Meter anschwillt. Im Aachener Revier weist es sogar Mächtigkeiten bis zu 700 m auf. Am Niederrhein gesellen sich zu diesen Schichten noch die Schichten des wasserreichen und klüftigen Buntsandsteins und des Zechsteins, in letzterem ist das Auftreten von Salzhorsten mit Salzhutbildungen nicht ausgeschlossen. Nachdem es im Schacht I der Schachtanlage Borth bei Wesel zum ersten Male ohne Störungen gelang, 258 m mächtige Tertiärschächten mittels Gefrierverfahren zu durchteufen, ist man anschließend dazu übergegangen, das Gefrierverfahren auch für größere Teufen anzuwenden. Der genannte Schacht wurde, um einen sicheren Wasserabschluß in dem das Tertiär unterteufenden Buntsandstein zu erreichen, damals bereits bis in 330 m Tiefe niedergebracht. Es folgten alsdann die Schächte Carl Alexander bei Aachen mit 400 m und Lohberg bei Dinslaken mit 415 m Gefrierteufen. Neudings stehen die Schächte der Anlage Wallach bis 548 m unter Frostwirkung. In Belgien waren vor dem Kriege sogar Gefrierschächte bis in 600 m Teufe mittels Gefrierverfahrens in Angriff genommen. Bei den Wallach-Schächten in der Nähe von Wesel hat man sich deshalb zur Anwendung des Gefrierverfahrens bis in diese Teufen entschlossen, weil man in den benachbarten Schächten der Anlage Borth wegen des hohen Wassergehalts des Buntsandsteins und dessen schlechter Beschaffenheit in petrographischer Beziehung mit der Anwendung anderer Schachtabteufverfahren nicht zum Ziele gelangte. Im Schacht I der Anlage Borth ist versucht worden, dem Buntsandstein von 330 bis 448 m von Hand unter Zuhilfenahme von zwei Tomsonschen Wasserzieheinrichtungen abzuteufen. In 400 m Teufe erreichten jedoch die Wasserzuflüsse eine Höhe von mehr als 20 m3/min. Die erschrotenen Wasser brachten bei einem Durchbruch der Schachtsohle außerdem gewaltige Sandmengen mit, so daß angenommen werden mußte, daß unterhalb der Sohle Buntsandsteinschichten von schwimmsandartiger Beschaffenheit zu erwarten seien. Da auch langwierige und kostspielige Versuche mit dem Versteinungsverfahren hier nicht zum Ziele führten, wurden diese Verfahren bei den andern Schächten nicht erst versucht, sondern es wurde sofort zum Gefrierverfahren übergegangen.

Bezüglich der Anwendung des Versteinungsverfahrens sei noch erwähnt, daß dieses zunächst ein einigermaßen gesundes und standfestes Gebirge voraussetzt, dessen Spalten zwar reiche Wassermengen enthalten können, aber frei sein müssen von tonigen und schmierigen Verunreinigungen. Außerdem dürfen feine Haarrisse, Poren,