Text-Bild-Ansicht Band 336

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DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL

Jährlich erscheinen 26 Hefte. Bezugspreis vierteljährlich 6,– M., bei Versendung unter Streifband 7 M. 50 Pf. Für das Ausland besondere Preise. Bestellungen durch Buchhandel, Post der Verlag: Richard Dietze, Berlin W. 66. Postscheckkonto Berlin 105 102.
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HEFT 22 BAND 336 BERLIN, 5. NOVEMBER 1921 102. JAHRGANG

INHALT:

  • Eugen Jahnke † Seite 313
  • Sprachpflege. Von Oberingenieur G. Quaink Seite 314
  • Polytechnische Schau: Kritik der Abwärmeverwertung. – Zerstreut ausgestrahltes Licht. – Die Eötvössche Torsionswage. – Hanomag-Nachrichten. – Irreführende Wortbildungen Seite 316
  • Bücherschau: Lehmann, Kurzes Lehrbuch der Arbeits- und Gewerbehygiene. – Schwaab, Entwässerung und Reinigung der Gebäude mit Einschluß der Abortanlagen. – Gärtner, Weyls Handbuch der Hygiene. – Arrhenius, Der Lebenslauf der Planeten. – Marx, Handbuch der Radiologie. – Kowalewski, Vier Grundlegende Abhandlungen über Interpolation und genäherte Quadratur. – Ahrens, Mathematische Unterhaltungen und Spiele. – Riecke, Lehrbuch der Physik Seite 320

Eugen Jahnke.

Geb. 30. November 1863, gest. 18. Oktober 1921.

Ein schmerzlicher Verlust hat uns betroffen: Am 18. Oktober starb der Geheime Bergrat Professor an der Technischen Hochschule Berlin Dr. Eugen Jahnke, seit neun Jahren Herausgeber unserer Zeitschrift.

Textabbildung Bd. 336, S. 313

Der Verstorbene war ein Berliner Kind und hat während seines ganzen Lebens seinen Wohnsitz in Berlin gehabt. Nach dem frühen Tode seines Vaters ermöglichte ihm treue Mutterliebe in schweren Mühen eine höhere Ausbildung. Er konnte seinem Wunsche folgen und Mathematik studieren, um dann nach bestandenen Prüfungen in das Schulamt einzutreten. Neigung und Fähigkeiten wiesen ihn wohl frühzeitig auf die akademische Laufbahn hin, er mußte aber den Verhältnissen Rechnung tragen und sich bescheiden. Er wußte sich auch zu bescheiden, denn er empfand den Lehrerberuf an Mittelschulen nicht als eine unlustig getragene Pflicht, sondern gab sich ihm mit ganzer Liebe hin. Oft hatte er später die Freude, von früheren Schülern Beweise ihres Dankes für seinen anregenden Unterricht und für sein verständnisvolles Eingehen auf ihre jugendliche Art zu erhalten. Befriedigt von seinen Erfolgen, wirkte er so von 1887 bis 1905 als Oberlehrer zuerst an der VIII. Realschule, dann an der Friedrichwerder Oberrealschule.

In seiner Wissenschaft wollte sich Eugen Jahnke aber nicht auf seine nächsten Pflichten beschränken. In dem Triebe zum eigenen Schaffen führte er die geknüpften Fäden weiter. Er hatte sich mit Vorliebe der mathematischen Richtung zugewendet, die bei uns in Hermann Graßmann ihren bekanntesten Urheber sieht, und suchte durch eigene Arbeiten die Vektorenrechnung zu fördern, namentlich auch ihre Fruchtbarkeit für die Mechanik und Physik zu zeigen. Mit dem früh verstorbenen Ferdinand Caspary verbanden ihn gleiche Ziele. Als erster in Deutschland hielt er in den Jahren 1902–05 an der Technischen Hochschule Berlin akademische Vorlesungen über die Vektorenrechnung, die er 1905 in Buchform herausgab, nachdem er kurz vorher in einem Beitrage für die Boltzmann-Festschrift eine Anwendung auf die Theorie der veränderlichen Ströme geliefert hatte. Wenn er so seine Kraft in einer bestimmten und damals noch wenig geschätzten Richtung einsetzte, so bewahrte er sich doch Sinn und Verständnis für alle Zweige der reinen und angewandten Mathematik. Sein reger Verkehr in wissenschaftlichen Kreisen hielt ihn in Fühlung mit den Fortschritten nach allen Seiten und weckte ihm auch das Bedürfnis, tatkräftig an der Förderung des Ganzen mitzuwirken. So gehörte er 1901 zu den Begründern der Mathematischen Gesellschaft in Berlin, an der Verwaltung der Physikalischen Gesellschaft war er lange Jahre beteiligt, seit 1901 war er Herausgeber des Archives für Mathematik und Physik, an den Berichten über die Mathematik an den Hochschulen ein eifriger Mitarbeiter. Wie seine Neigung ihn zur Teilnahme an den allgemeinen Bestrebungen wissenschaftlicher Kreise trieb, so war auch sein ganzes Wesen dafür geschaffen. Verbindlich und freimütig, keine Mühe scheuend und ausdauernd in der übernommenen Aufgabe verstand er ausgezeichnet, vereinzelte Kräfte auf ein gemeinsames Ziel zu lenken. Seiner Werbekunst, die zum Besten der Sache auch dringlich werden konnte, war schwer zu widerstehen.

So war Eugen Jahnke ein persönlich beliebtes und seiner fachlichen Leistungen wegen angesehenes Mitglied der Berliner Gelehrtenkreise geworden, und zu seiner herzlichen Freude, der er gern Ausdruck gab