Text-Bild-Ansicht Band 339

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sich die Ausscheidung des Staubes aus der Luft auf rein mechanischem Wege, ohne Wasserzufuhr, ohne große Kraftaufwendung und ohne irgendwelche zerstörende Wirkung hervorzurufen.

Die Entstaubung ist so vollkommen, daß bei Fabrikanlagen, welche im Freien liegen, der Exhaustor ohne weiteres ins Freie ausblasen kann. In Städten jedoch, wo seitens der Gewerbe-Inspektion auch die geringste Staubbelästigung beanstandet wird, führt man die Entstaubung der Luft noch weiter durch, indem man den Exhaustor auf Wasser ausblasen läßt. In dem Fundament des Exhaustors ist eine Wassergrube vorgesehen, welche stets mit Wasser gefüllt gehalten wird und nach außen hin durch einen Deckel verschlossen ist. Das vom Staubsammler in den Exhaustor mündende Staubrohr ist nach unten verlängert und ragt bis unter den Wasserspiegel, wodurch gleichzeitig ein dichter Abschluß erzielt wird. In diesem Saugrohr werden durch die plötzliche Ablenkung des Luftstromes alle etwa noch vorhandenen schweren Staubteilchen ausgeschieden und fallen senkrecht nach unten ins Wasser. Die noch in der abgesaugten Luft enthaltenen ganz feinen Staubteilchen werden von dem Flügelrad durch die nach unten gerichtete Ausblaseöffnung des Exhaustors auf die Wasseroberfläche geschleudert, wo sie sich mit dem Wasser mischen und so vollständig unschädlich gemacht werden. Der Luftstrom streicht über die Wasseroberfläche zu dem ins Freie mündenden Abzugsrohr.

Da sich die Staubfangwassergrube nach und nach mit Schlamm anfüllt, so muß sie von Zeit zu Zeit gereinigt werden, auch muß dafür gesorgt werden, daß der Wassserspiegel in der Grube stets genügend hoch steht, was durch ein Ueberlaufrohr und ständige Zuführung von frischem Wasser am einfachsten erreicht wird.

In der vorstehend beschriebenen Weise wird eine vollständige Entstaubung der vom Exhaustor abgesaugten Luft erzielt, so daß Einrichtungen dieser Bauart allen Anforderungen voll entsprechen dürften.

Die Stützungsprobleme als Prinzip der Werkstattmeßtechnik.

Von Dipl.-Ing. W. Parey.

Das Verfahren des Austauschbaus, das wir heute fast allgemein finden, erfordert vorzügliche Meßgeräte und gut durchgebildete Meßmethoden. Denn wenn die einzelnen Austauschteile nicht genau maßhaltig sind, verliert das Austauschverfahren seinen Wert. Die Meßmethoden, die wir heute haben, sind in der Werkstatt entstanden, sind also aus den praktischen Erfahrungen heraus entwickelt worden. Das Gleiche gilt von den Meßwerkzeugen. Die Wissenschaft zeigt nun auch auf diesem bisher rein praktisch behandelten Gebiet den Weg, wie wir die Meßmethoden und Meßwerkzeuge systematisch gliedern, ihre Leistungsfähigkeit beurteilen und sie auf Grund der gewonnenen Erkenntnisse weiterentwickeln können.

Die verbreitetste Meßmethode besteht darin, daß das Werkstück durch eine Lehre auf seine geometrischen Abmessungen hin abgetastet wird. Als Lehre dient das kinematische Gegenelement des Werkstückes, also z.B. für den Hohlzylinder ein Vollzylinder. Voraussetzung für die Brauchbarkeit dieser Meßmethode ist, daß die Lehre mit dem Werkstück in geometrisch richtige Paarung tritt; das kann aber auch bei präziser Herstellung nicht unbedingt vorausgesetzt werden. Ein Mangel dieser Art der Messung läßt sich nun aus folgender Ueberlegung leicht erkennen. Ein Zylinderdorn berührt den zugehörigen Hohlzylinder in unendlich vielen Punkten, wenn geometrisch richtige Paarung vorausgesetzt ist. Hat nun der Hohlzylinder ein Loch oder eine Einsenkung, sonst aber geometrisch richtige Abmessungen, so wird sich dieser Fehler bei der Dornmessung nicht zeigen, da der Dorn immer noch hinreichend gestützt sein wird. Erst wenn die Länge der Einsenkung – in Richtung der Achse gemessen – die Länge des Dornes nahezu erreicht, wird man am Wackeln oder Klappern des Dornes den Fehler bemerken. Die übermäßige Stützung ist es also, die den Fehler verbirgt. Eine gerade hinreichend gestützte Lehre würde dagegen sofort durch Wackeln oder Klappern eine Einsenkung bemerkbar machen, wenn diese auch nur bei einem einzigen der Stützpunkte der Lehre vorhanden ist. Die Stützungsprobleme bilden also die Grundlage der Werkstattmeßtechnik.

Von allen kinematischen Elementenpaaren wird das Zylinderpaar wohl am meisten angewendet; es mag deshalb als Beispiel dienen für eine Betrachtung der Meßmethoden auf Grund des Stützungsproblems, wie sie Dr.-Ing. Crain in Heft 11, 3. Jahrgang des „Maschinenbau“ anstellt. Die geometrische Grundform des Zylinderpaares ist der gerade Kreiszylinder. Diesen kann man sich dadurch entstanden denken, daß eine Seitenlinie, die eine Gerade ist, die Leitlinie, einen, Kreis, durchwandert, wobei sie auf der Ebene dieses Kreises senkrecht steht. Dementsprechend hat die Messung des Zylinderpaares nachzuweisen,

  • 1. daß jeder Zylinderquerschnitt ein Kreis ist,
  • 2. daß alle Zylinderquerschnitte gleiche Kreise sind, und
  • 3. daß alle Zylinderseitenlinien parallele Gerade sind.

Nach Reuleaux kann man die räumliche Stützung der niederen Elementenpaare zurückführen auf die ebene Stützung, indem man sie in zwei parallelen, zur Achse senkrechten Schnitten betrachtet. Beim Zylinderpaar sind demnach zwei parallele Kreise in ihrer Ebene zu stützen, was durch je drei Punkte geschieht. Das Zylinderpaar ist also durch 6 Punkte richtig abgestützt.

Es liegt nun nahe, diesen Gedanken praktisch zu verwerten, indem man in zwei parallelen Ebenen je drei auf gleichen Kreisen liegende Punkte anordnet und beide Ebenen durch ein in der Zylinderachse liegendes Gestänge starr verbindet. Die Kreisgestalt des Zylinderquerschnittes läßt sich mit diesem Meßwerkzeug nun sehr gut nachweisen, ebenfalls die Gleichheit der Zylinderschnitte. Bei dem Nachweis der Geradlinigkeit und Parallelität der Seitenlinien versagt jedoch diese Meßmethode. Man denke sich z.B. die Zylinderachse nicht geradlinig, sondern etwas gekrümmt; dabei seien jedoch alle Schnitte senkrecht zur Achse gleiche Kreise. Verschiebt man das Meßgerät in Richtung der Zylinderachse, so werden die Meßpunkte den Zylindermantel dauernd berühren, da das Meßwerkzeug der Krümmung der Zylinderachse schon durch eine ganz geringe Drehung um seine eine Ebene folgen kann. Ein Meßgerät der vorgenannten Art, d.h. ein gerade hinreichend gestütztes, ermöglicht also nicht, die Geradlinigkeit der Zylinderachse nachzuweisen. Dazu ist die Anbringung eines weiteren Stützpunktes erforderlich, der axial verschiebbar und um die Achse drehbar sein muß.