Text-Bild-Ansicht Band 345

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besondere Apparate konstruiert worden (Abb. 8), die, mit Luft oder Sauerstoff betrieben, es ermöglichen vorbereitende Versuche, Untersuchungen über die Oxydationsfähigkeit verschiedener Stoffe usw. durchzuführen.

Im Großen findet das Ozon in der chemischen Industrie Verwendung bei der Herstellung von Riechstoffen, wie Vanilin, künstlichem Kampfer, Gewinnung von Fettsäure aus Teeröl, zum Bleichen von Oelen und Fetten (Seifenindustrie).

In der Kunstseidenindustrie, besonders des Auslandes, werden Ozonanlagen zu den verschiedensten Zwecken verwendet, leider sind hier nähere Einzelheiten nicht zu erfahren. Es sollen dort die auf den Faden aufgebrachten Schichten, die als Farbkörperträger dienen, ozonisiert werden, wodurch schnellere Verharzung und bessere Farbaufnahmefähigkeit eintritt. Bei den Fabriken, die nach dem Viskose-Verfahren arbeiten, hat sich das Ozon zur Reinigung der Abluft von Schwefelwasserstoff usw. besonders bewährt und verhindert dessen schädlichen Einfluß auf Menschen und Pflanzen.

Für die Nahrungsmittelindustrie hat sich das Ozon ebenfalls als wichtiges Hilfsmittel erwiesen, die Verwendung in Kühl- und Lagerräumen wurde schon erwähnt, wichtig ist hier auch sonst die konservierende Wirkung. In Schokoladenfabriken z.B. verhindert das Ozon die Weiterverbreitung der „Cacoa-Motte“, Mehl kann von dumpfem Geruch und von der „Mehlmotte“ befreit werden. Ozon hat Verwendung gefunden bei der Behandlung von Tabak und Stärke.“ Im Gärungsgewerbe dient es zur Verbesserung der Luft in den Gärkellern, die Gärfliegen werden vertrieben, außerdem findet es Verwendung zur schnelleren Alterung von Alkohol, Wein, Kognak usw. und bei der Hefezucht. Ozonisiertes Wasser wurde mit Erfolg zur Reinigung von Bierfässern und anderen Behältern benutzt.

In der Farben- und Lackindustrie und bei der Verwendung von Produkten dieser, findet es Anwendung zum schnelleren Trocknen, dies gilt besonders für alle Farben und Anstriche, die Leinöl und ähnliche oxydierbare Stoffe enthalten, da es die Bildung des Linoxins beschleunigt und so die Trocknung schneller vor sich geht als in der normalen Luft. Zu diesem Zwecke wird das Ozon in der Autoindustrie, in Druckereien usw. gebraucht. Hinzugefügt sei, daß es bei Nitrolacken nicht anwendbar ist.

In der Textilindustrie und ähnlichen sind ähnliche Verhältnisse vorhanden, hier werden Wolle, Felle, Häute usw. mit Ozon behandelt, auch dient es zum Bleichen verschiedener Stoffe, wie Flachs, Hanf u. ä.

Wie eingangs erwähnt, erfolgt die Erzeugung des Ozons auf dem Wege der Glimmentladung, diese wird auch zu einer Reihe von anderen ähnlichen Vorgängen nutzbar gemacht, so wurden neuerdings Versuche damit angestellt, um Methan aus Koksofengas in Acytelen umzusetzen, die Herstellung der Voltolöle beruht auf ähnlichen Vorgängen.

Man kann aus vorstehendem erkennen, wie vielseitig die Verwendung des Ozons in der Technik ist, dabei ist die Entwicklung noch keineswegs abgeschlossen.

Der gegenwärtige Stand der Kohleverflüssigung.

Von Dr.-Ing. Ludwig Schuster, München.

Die Treibstoffe spielen im heutigen Wirtschaftsleben eine derart bedeutende Rolle, daß man fast von einem Zeitalter des Benzines sprechen kann.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn die gewaltig gestiegene Erdölproduktion mit Bedenken betrachtet wird und man für die Zukunft besorgt ist, die natürlich noch einen um das Vielfache gesteigerten Benzinbedarf mit sich bringt. Man schätzt das gesamte Erdölvorkommen der Erde auf etwa 12 Milliarden Tonnen; bei einer jährlichen Förderung von 200 Millionen To. (d. i. die Förderung im Jahre 1929) müßte der Erdölvorrat in 50 Jahren, bei stärkerer Förderung noch früher erschöpft sein.

Die Förderung, die im Jahre 1884 noch ca. 6 Millionen To. betrug, hat sich also mehr als verdreißigfacht.

Von den 184 Millionen To. Gesamtförderung des Jahres 1928 produzierten die Vereinigten Staaten 125,4 Mill., Venezuela 14,74 Mill. und Rußland 12,21 Mill. Dann folgen Mexiko, Persien, Rumänien und Niederländisch-Indien, die zusammen etwa 22 Mill. förderten. Der Rest verteilt sich auf die übrigen Länder, darunter auch Deutschland mit 0,09 Mill.

Mit nahezu 70% der Erdölförderung stehen die Vereinigten Staaten weitaus an der Spitze. Ueberraschend ist, daß heute nicht mehr Rußland, sondern Venezuela das zweitgrößte erdölproduzierende Land der Erde ist. Das edelste und wichtigste Produkt des Erdöles ist das Benzin, doch liefert leider die Verarbeitung des Erdöles nur einen kleinen Anteil leichtsiedender Kohlenwasserstoffe, also Benzine. Es ist deshalb, um einen Raubbau des Erdöles zu vermeiden, die Hauptaufgabe der erdölverarbeitenden Industrie geworden, diesen Benzinanteil zu vergrößern oder auf anderen Wegen zu Benzin oder benzinähnlichen Produkten zu gelangen.

Nachstehendes Schema zeigt, daß man innerhalb 10 Jahren den Benzinanteil des Rohpetroleums auf das Doppelte gesteigert hat. Er beträgt heute ca. 40%.

Diese Erhöhung des Benzinanteiles wurde folgendermaßen erreicht:

1. Erweiterung des Benzindestillationsbereiches: Während man vor dem Kriege nur Destillate bis zum Siedepunkt von 150° C als Benzin bezeichnete, geht man heute mit der Benzinfraktion bis 225° C.