DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 1. Stuttgart, 9. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Neue Luftmaschinen *. Heissluftmaschine von Jennfeldt mit der neuen Abänderung nach Patent Nr. 90853 *. Heissluftmaschine von Hallensleben *. Offene Heissluftmaschine von de Lombaerde und Lecomte *. Rotirende Heissluftmaschine von Amthauer. Kolbendichtung von Korndörfer * 1 Metallbearbeitung. Neuere Schleifmaschinen *. Kreutzberger's Fräserschleifmaschine *. Schleifmaschine von Sponholz-Wrede *. Schleifmaschine und Deckenvorgelege von Walker-Norton *. Brown-Sharpe's Werkzeugschleifmaschine * 4 Hüttenwesen. Neuerungen in der Eisengiesserei *. Benutzung von Druckwasser in Giessereien: Zerkleinern der Giessereimasseln. Masselnbrecher von Bopp und Reuther *. Presswasser zum Gebrauch bei Formmaschinen von denselben *. Verwendung von Pressluft für Giessereizwecke. Giessen unter Zuhilfenahme von Luftleere 7 Appunn's Victoria-Glocke * 10 Heizung und Lüftung. Vorrichtung zum Erhitzen von Wasser durch Abgangswärme von Leucht- und Ventilationsflammen *. Vorrichtung von Mansfield Robinson * 11 Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen *. Garnmangel der Zittauer Maschinenfabrik *. Desgl. von Haubold und Arundel *. Desgl. von Triepcke *. Maschine zum Entwirren und Strecken von Strähnen von Cesar Corron. Maschine zum Schlagen und Strecken der Strähnen von Collier 12 Elektrotechnik. Die mit der Kraftstation combinirte elektrische Locomotive Heilmann's. Vorschläge und Anregungen. Kessel von Lenz. Dynamo und Willans-Verbunddampfmaschine. Vorschläge von Brown, Boveri und Co. Berichte über Heilmann's Locomotive. Versuche von Patton. Versuche mit der Crocker-Wheeler Nebenschlussdynamomaschine. Versuche der Cedar-Falls-Gesellschaft 15 Elektrische Kraftübertragung. Aufschwung der Stadt Fresno in Folge elektrischer Kraftübertragung und Benutzung. Betrieb mit Peltonrädern 17 Fernmelden von Temperatur *. Apparat von Töpfer und Schädel * 18 Fortschritte der angewandten Elektrochemie *. C. Organische Elektrochemie: Anwendung der Elektrolyse in der organischen Chemie von Gourwitsch. Eudiometrie von Mixter. Einfluss der dunklen elektrischen Entladung. Darstellung von Jodoform nach Elbs und Herz. Desgl. nach Foerster und Mewes. Darstellung von Chloroform und Bromoforra. Pasteurisiren alkoholhaltiger Flüssigkeiten von Müller. Elektrolyse von Alkalisalzen organischer Säuren. Versuche zum Reinigen von Fetten von Desruelles. Versuche zur Reinigung von Zuckersäften von Schollmeyer und anderen. Einwirkung von freiem Stickstoff auf Carbide. Gewinnung von Ferrocyaniden. Kellner's Reductionsapparat mittels Kaliumamalgam *. Vanillin von v. Heyden. Blaue beizenfärbende Farbstoffe der Badischen Anilin- und Sodafabrik. Elektrolyse von Nitrosopiperidin von Ahrens. Erzeugung von Farblacken. Benutzung der Capillarität zum Tränken mit Farbstoffen. Conservirung des Fleisches von Pinto 19 Kleinere Mittheilungen: Spiegelkreuz von Müller 23 Elektrische Bahn Orbe-Charvornay 23 Neue Arbeiten des Internationalen Instituts zu Breteuil 23 Bücher-Anzeigen 24 Eingesandt: Wettbewerb auf Brunnen 24 Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Herausgegeben von Ingenieur A. Hollenberg in Stuttgart. 79. JAHRGANG. – 308. BAND. JAHRGANG 1898. (Der 7. Reihe 8. Band.) MIT 647 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN. STUTTGART. ARNOLD BERGSTRÄSSER VERLAGSBUCHHANDLUNG A. KRÖNER. DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 1. Stuttgart, 9. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Neue Luftmaschinen. Mit Abbildungen. Neue Luftmaschinen. Wird die Heissluftmaschine thatsächlich auch nur für kleinere Leistungen ausgeführt, und zwar in anscheinend stetig verringerten Mengen, so dass hieraus der Schluss eines Unterliegens dieser Maschinengattung im Wettbewerbe mit den anderen Kraftmaschinenarten zu ziehen ist, so ist doch die Erfindungsthätigkeit noch immer dabei, die Heissluftmaschinen zu vervollkommnen, und zwar nicht nur zur Leistung geringer Arbeiten. Die früher an dieser Stelle beschriebene offene Heissluftmaschine nach Patent Nr. 85501 wird von W. Jennfeldt in Schönningstedt bei Reinbeck (D. R. P. Nr. 90853) in der durch Fig. 1 gekennzeichneten Art zur geschlossenen Maschine umgeändert. Textabbildung Bd. 308, S. 1 Fig. 1. Heissluftmaschine von Jennfeldt. Die Maschine besitzt einen Arbeitskolben und ein oder mehrere Paare Verdrängerkolben. Die Abänderung gegen die ältere Maschine liegt in dem Fortfalle der Steuerventile für die Aussenluft und einer geeigneten Verbindung des Arbeitscylinders mit den Heissluftcylindern. Der Arbeitsvorgang entspricht im Wesentlichen dem ersten Arbeitsvorgange der offenen Heissluftmaschine des Patentes Nr. 85501. Bei den in Fig. 1 dargestellten Stellungen des Arbeitskolbens k und der beiden Verdränger v1v2 dehnt sich die im Cylinder h1 erwärmte und gespannte Luft in den Arbeitscylinder a hinein aus und drückt den Kolben k hoch. Dieser schiebt die entspannte Luft über sich in den Cylinder h2. Wenn der Arbeitskolben durch das Schwungrad gesenkt wird, ist im Gegensatz zur offenen Heissluftmaschine des Patentes Nr. 85501 der Arbeitscylinder a gegen denjenigen Heissluftcylinder h1, dessen Verdränger v1 oben steht, sowohl oben als auch unten geöffnet, so dass die verbrauchte Arbeitsluft unter dem Arbeitskolben von unten in den Cylinder h1 geschoben wird und als abgekühlte Luft über den nach abwärts gehenden Verdränger v1 und den Arbeitskolben k gelangt. Der andere Heissluftcylinder h2 ist während dieser Zeit geschlossen, die dorthin vorher eingepresste Luft wird unter den Verdränger v2 gedrängt und dort erhitzt. Der dritte Arbeitsvorgang ist wesentlich wieder derselbe wie der dritte bei der Heissluftmaschine des Patentes Nr. 85501. Die gespannte und erhitzte Luft strömt aus dem Cylinder h2 unter den Kolben k, letzterer geht hoch und schiebt die Luft über sich in den anderen Cylinder h1. Die Verdränger bleiben in Ruhe. Beim vierten Arbeitsvorgange wiederholt sich im Gegensatz zur offenen Heissluftmaschine des Patentes Nr. 85501 der zweite Arbeitsvorgang, nur mit dem Unterschiede, dass der Arbeitscylinder gegen den anderen Heissluftcylinder h2 geöffnet und gegen den Heissluftcylinder h1 geschlossen ist. Die verbrauchte Arbeitsluft wird also unter Niedergang des Kolbens k über den Verdränger v2 und den Arbeitskolben k geschoben, im Cylinder h1 wird vorhin eingepresste Luft erhitzt und gespannt und beide Verdränger werden umgestellt. Hiermit sind die Maschinentheile in die Stellungen der Fig. 1 zurückgekehrt und die beschriebenen Arbeitsvorgänge wiederholen sich. Ein kleiner Pumpencylinder p soll dazu dienen, die Luftverluste in der geschlossenen Maschine zu ersetzen, wozu aus ihm beim jedesmaligen Niedergange des Arbeitskolbens etwas Luft in den Arbeitscylinder a gedrückt wird. Auch kann von diesem Luftraume her bei Beginn des Betriebes der Luftdruck in der geschlossenen Maschine über Atmosphärendruck erhöht und während des Betriebes erhalten werden, um mit höheren Spannungen zu arbeiten. Die Bewegung seines Kolbens und die Ventilsteuerung kann der Pumpencylinder von gleicher Stelle erhalten, von welcher die anderen Bewegungen der Maschinentheile erfolgen. Bei der in Fig. 2 dargestellten Heissluftmaschine von O. Hallensleben in Hilden, Rheinland (D. R. P. Nr. 92720), erfolgt die Erhitzung und Abkühlung der Luft durch Rippenkörper. Die Heizvorrichtung besteht aus der Feuerung e und dem mit Rippen versehenen Körper f, durch welchen die Feuerungsgase geleitet werden. Dieser Körper f ist mit einem Mantel g umgeben, welcher an seiner Innenseite hohle, durch Wasser gekühlte Rippen besitzt. Zwischen den Rippen des Ofens und des Mantels befindet sich ein durch Rohre ii1 getragener Rippenkörper h. Dieser besteht aus zwei durch eine nicht Wärme leitende Schicht (Asbest) von einander getrennten Körpern, deren einer gleichfalls hohle Rippen aufweist, durch welche in die Röhre i hineingeleitetes, bei i1 ausströmendes Kühlwasser fliesst. Unter der Heizvorrichtung befindet sich ein gleichfalls mit Wasser gekühlter Behälter, in welchem durch eine Pumpe Druckluft erzeugt wird. Letzterer ist mit der Heizvorrichtung durch Röhren verbunden, welche mit Ventilen ausgerüstet sind. Textabbildung Bd. 308, S. 2 Fig. 2. Heissluftmaschine von Hallensleben. Die Arbeitsweise in jedem einzelnen Cylinder der Maschine ist folgende: Aus dem Behälter strömt die Luft durch Ventil zwischen die Rippen des Ofens. Hierbei dehnt sich die Luft aus und treibt den Kolben nach rechts. Kurz, ehe derselbe seine äusserste Stellung rechts erreicht, erfolgt durch das Excenter q und Hebelwerk p eine Verschiebung des Rippenkörpers h, wodurch derselbe eine Stellung erhält, welche bewirkt, dass die heisse Luft zwischen den Heizrippen verdrängt wird und zwischen die Kühlrippen tritt. Während dieser Zeit bewegt sich der Kolben in die rechte Todtlage. In diesem Augenblicke entweicht die etwa noch links vom Kolben vorhandene Druckluft durch ein Auslassventil. Durch die Abkühlung entsteht eine Luftverdünnung, so dass der Kolben durch den äusseren Luftdruck nach links getrieben wird; kurz vor Erreichung der äussersten Stellung links erfolgt wieder eine Verschiebung des Rippenkörpers h in die Stellung Fig. 2, während gleichzeitig durch das Hebelwerk das Zuströmventil einen Augenblick geöffnet wird, so dass Druckluft aus dem Behälter einströmen kann, welche sich zwischen den Rippen erhitzt und den Kolben aufs Neue nach rechts treibt. Bei der von D. de Lombaerde und A. Lecomte in Paris (D. R. P. Nr. 93317) angegebenen offenen Heissluftmaschine wird die Arbeitsluft in unveränderlicher Menge in einer von dem Arbeitscylinder getrennten Vorrichtung erhitzt. Fig. 3 und 4 erläutern die Maschine. Die Maschine enthält einen Cylinder ab mit Differentialkolben c, der am hinteren Ende eines im engen Cylinder b laufenden Führungskolbens d angeordnet ist. Der Körper d trägt den Zapfen e, welcher die Schubstange f aufnimmt, um die Bewegung des Kolbens auf die Welle g zu übertragen. Der Ringraum a1 dient als Pumpe. Derselbe besitzt an seinem vorderen Ende zwei Ventile h und i. Ventil h gestattet das Ansaugen der Luft und deren Eintritt in den Ringraum a1, es wird bethätigt durch die Stange h1, auf welche ein Daumen der Welle g wirkt. Das andere Ventil i ist selbsthätig und hebt sich, wenn die im Ringraume a1 eingeschlossene Luft durch den Kolben c bis auf einen gewissen Druck verdichtet wird, welcher z.B. höher als 2 at ist. Das Ventil i steht mit der Heizschlange des Erhitzungsraumes in Verbindung. Der Cylinder a trägt zwei Ventile k und l; das eine Ventil k ist ein Auslassventil und bleibt während des ganzen Rückganges des Kolbens c offen, das andere Ventil l ist mit der Heizschlange verbunden und gestattet den Eintritt der erhitzten Druckluft aus der Schlange. Dieses Ventil bleibt nur während des halben Vorganges des Kolbens c offen; die während dieser Zeit eingeführte Luft expandirt dann in dem Cylinder bis zu dem Augenblicke, wo sie durch das Ventil k in die Atmosphäre ausgestossen wird. Das Oeffnen und Schliessen dieser Ventile wird durch ein Excenter, welches auf der Welle g aufgekeilt ist, geregelt. Sobald eine Klinke aufhört, auf die Ventilstange zu wirken, schliesst sich das Ventil sofort unter der Wirkung seiner Feder. Der Erhitzer kann jede zweckmässige Einrichtung haben; er kann aus einer Heizschlange bestehen, welche im Inneren eines beliebigen Herdes oder jeder anderen Vorrichtung von entsprechender Beschaffenheit angebracht ist. Diese Heissluftmaschine arbeitet folgendermaassen: Es wird vorausgesetzt, dass der Kolben sich an einem Ende des Hubes befindet und seinen Rückgang beginnt. Der hintere Theil des Kolbens c wird die expandirte Luft, welche ihre Wärme und Arbeitskraft abgegeben hat, aus dem Raume a2 vor sich hertreiben und durch das Ventil k ausstossen, welches während der ganzen Zeit des Rückganges des Kolbens offen bleibt. Textabbildung Bd. 308, S. 2 Heissluftmaschine von de Lombaerde und Lecomte. In derselben Zeit saugt der vordere Theil des Kolbens von kleinerer Oberfläche den Ringraum a1 des Cylinders voll Luft aus der Atmosphäre, da das Ventil h während des ganzen Rückganges offen bleibt. Wenn der Kolben am Ende des Hubes angekommen ist, so schliesst sich das Auslassventil k und verursacht das Oeffnen des Ventiles l und in Folge dessen den Eintritt der erhitzten Druckluft aus der Schlange in den Raum a2. Der Kolben c geht dann nach vorn zurück und theilt seine Kraft durch Vermittelung der Schubstange f der Welle g mit. Sobald der Kolben nach vorn zurückgeht, schliesst sich das Ansaugeventil h sofort und die Luft wird dann in dem Ringraume a1 verdichtet. Wenn der Kolben sich in der Mitte seines Hubes befindet, fällt das Ventil l für den Eintritt der heissen Druckluft auf seinen Sitz zurück und hebt so die Verbindung zwischen der Schlange und dem Raume a2 auf. In diesem Augenblick ist der Druck in dem Ringraume a1 genügend hoch, um das Ventil i zu heben, und diese unter Druck stehende Luft wird dann in die Schlange zugelassen. Die im Raume a2 eingeschlossene Luft expandirt und der Kolben c setzt seinen Vorwärtsgang fort. Sobald er am Ende des Hubes angekommen ist, schliesst sich das Ventil i und hebt jede Verbindung zwischen dem Ringraume a1 und der Schlange auf; der Kolben geht dann nach hinten zurück und führt das Entweichen der Luft, welche gewirkt hat, und das Ansaugen einer neuen Ladung in den Ringraum a1 herbei. Während der ganzen Dauer des Rückwärtsganges des Kolbens, und darin besteht das Eigenartige der Erfindung, bleibt die verdichtete Luft in der Schlange eingeschlossen, ohne Verbindung mit dem Cylinder zu haben, weder mit dem vorderen Theile, welcher als Pumpe dient, noch mit dem hinteren Theile, welcher zur Arbeit verwendet wird. Bei der rotirenden Heissluftmaschine von A. Amthauer in Lendorf bei Cassel (D. R. P. Nr. 91624) werden in zwei verschieden tiefen, nach einem Kreisbogen gekrümmten Rinnen, zwischen welchen der Feuerungsraum sich befindet, eine Anzahl aus einem Radreifen herausragender Platten so geführt, dass jede derselben zuerst in die kleinere Rinne schliessend eintritt, wobei die den Raum zwischen zwei Platten einnehmende Luftmenge in den Feuerungsraum befördert und in demselben erhitzt und gespannt wird, welche gespannte Luft auf die dem Drucke eine grössere Fläche bietende Platte in der tieferen Rinne treibend wirkt, worauf die Platten aus der tieferen Rinne austreten und den grössten Theil des Weges in freier Luft zwecks Kühlung zurücklegen. Die Erfindung von E. Korndörfer in Asch, Böhmen (D. R. P. Nr. 91744), bezweckt, ein vollkommenes Dichten des Kolbens im Cylinder herbeizuführen und gleichzeitig eine Schmierung desselben und der Steuerungstheile zu bewirken, um den Uebelstand der Heissluftmaschinen zu beseitigen, dass bei den hohen Temperaturen, mit welchen diese Maschinen arbeiten, die Packungen nicht nur rasch zerstört werden, sondern auch ein Dichthalten überhaupt schwer zu erzielen ist. Der Arbeitscylinder c (Fig. 5) in Form eines gewöhnlichen Dampfcylinders wird zur Erhaltung der nöthigen Temperatur durch die Abgase des zur Lufterhitzung dienenden Kessels geheizt. Die Abgase treten bei e ein, umspülen Cylinder und Schieberkasten und treten bei f (Fig. 6) wieder aus. Der Arbeitskolben k von etwas kleinerem Durchmesser als der Cylinder besteht aus drei durch den Bund n und Muttern auf der Kolbenstange zusammengehaltenen Gusstheilen m1m2h3 und aus den drei massiven und unelastischen Dichtungsringen ii1i2. Letztere liegen in ringförmigen Nuthen der drei Gusstheile m1m2h3 und sind in den Cylinder leicht eingeschliffen. Als Dichtungs- bezieh. Schmiermittel dient eine Flüssigkeit, welche folgende Eigenschaften besitzen muss: Sie darf nicht brennbar sein und darf erst unter 300° C. erstarren, darf sich mit der Berührung der heissen Luft weder verflüchtigen noch sonst verändern und weder Eisen noch Messing angreifen. Solche Flüssigkeiten sind z.B. das Natriumnitrit oder das Natriumaluminiumchlorid. Das Natriumnitrit wird in die im Schieberkasten eingesetzten beiden eisernen Behälter dd1 eingeführt und schmilzt dort in Folge der Einwirkung der den Schieberkasten umspülenden heissen Abgase des Lufterhitzungskessels. Die durch die Schieberstange s bethätigte kleine Plungerpumpe p befördert das geschmolzene Nitrit in den Schieberkasten s0, woselbst es die Schieber schmiert und durch die mit grosser Geschwindigkeit durchströmende verdichtete heisse Luft in den Cylinder c mitgerissen wird. Dies erfolgt auf gleiche Weise wie das Mitreissen des in den Schieberkasten einer Dampfmaschine eingeführten Oeles durch den nach dem Cylinder strömenden Dampf. Textabbildung Bd. 308, S. 3 Dichten des Kolbens im Cylinder und gleichzeitiges Schmieren desselben von Korndörfer. Die Höhlungen h1 und h2 des Kolbens sind beim Zusammensetzen mit Natriumnitrit gelullt worden, welches unter der Einwirkung der heissen Arbeitsluft und der den Cylinder heizenden Abgase schmilzt. Da die Spielräume der Kolbenringe an der Cylinderwandung sehr gering sind und die Kolbenringe, der Schwere folgend, mit ihren unteren Flächen auf dem Kolbenkörper aufsitzen, so wird im Ruhezustande des Kolbens die ziemlich dicke Flüssigkeit nicht aus den Höhlungen h1 und h2 austreten. Anders verhält sich die Flüssigkeit bei der Bewegung des Kolbens. Geht der Kolben nach abwärts, herrscht also im Raume o Ueberdruck, so wird naturgemäss etwas Flüssigkeit zwischen den Kolbenringen und der Cylinderwand hindurchgedrückt werden, was indessen wegen der schweren Beweglichkeit der Flüssigkeit nur langsam und in ganz geringer Menge erfolgen wird. Erschwert wird der Durchgang noch durch die Anordnung von mehreren Ringen; da nun die Ringe im Kolbenkörper selbst nicht dicht schliessen, so wird auch zwischen den Ringen und dem Kolbenkörper etwas Flüssigkeit von h1 und h2 gedrückt werden, wobei zugleich die in dem Zwischenraume zwischen den Ringen i1 und i2 bezieh. i2 und i3 befindliche Flüssigkeit durch den Druck an die Cylinderwandung angepresst wird, dadurch abdichtend und das Uebertreten von heisser Luft in den unteren Cylinderraum verhindernd. Durch die im unteren Kolbentheile h3 eingesetzten, bis nahe an den Scheitel der Aussparung h2 reichenden Röhrchen r fliesst die durchgedrückte überschüssige Flüssigkeit in den unteren Cylindertheil u ab und wird durch die Abstossluft mitgerissen. Als Ersatz für diese übergetretene Flüssigkeit dient die von der eintretenden verdichteten Luft aus dem Schieberkasten mitgerissene Flüssigkeit, die sich auf dem oberen Kolbentheile m1 sammelt. Um das in der Abstossluft enthaltene Natriumnitrit wieder zu gewinnen, wird die Abstossluft durch einen Nitritabscheider geleitet, in welchem sich die Flüssigkeit niederschlägt. Von dem Nitritabscheider aus gelangt dieselbe in Klärbehälter, aus welchen das geklärte Nitrit abgezogen und von Neuem in die Behälter d gegeben wird. Abscheider sowohl wie Klärbehälter werden von den Kesselabgasen geheizt. (Schluss folgt.) Metallbearbeitung. Neuere Schleifmaschinen. Mit Abbildungen. Neuere Schleifmaschinen. F. G. Kreutzberger's Fräserschleifmaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 4 Kreutzberger's Fräserschleifmaschine. Obwohl die sogen. Feinzahnfräsen, namentlich die feingezahnten Formfräsen, immer mehr in den Hintergrund treten und den hinterdrehten Fräsern weichen müssen, so zeigt doch die nach Revue industrielle, 1895 Nr. 46 * S. 453, in Fig. 1 bis 8 dargestellte Universalschleifmaschine von F. G. Kreutzberger, früherem Director und Begründer der Artilleriewerkstätte in Puteaux, von dem hartnäckigen Festhalten an einer veralteten kostspieligen Arbeitsmethode. Nichtsdestoweniger ist dieses Universalschleifwerkzeug wegen seiner sinnreichen Durchbildung höchst bemerkenswerth. (Vgl. D. p. J.: Dubosc, 1894 294 * 275; Kreutzberger, 1890 278 * 198.) Textabbildung Bd. 308, S. 4 Fig. 4. Kreutzberger's Fräserschleifmaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 4 Fig. 5. Kreutzberger's Fräserschleifmaschine. Bekanntlich findet das Schleifen der Feinzahnfräsezahne in richtiger Weise an der Rückenfläche der sogen. Zuschärfungskante a statt, wobei das Schleifrad b mit dem Mantelrand zur Wirkung kommt (Fig. 1). Je nach der Grösse des Schleifrades a wird in diesem Fall die Zuschärfungsfläche mehr oder weniger hohlcylindrisch ausfallen. Formfräsen können allerdings nur mit dem schmalen Umfangsrand des Schleifrades b behandelt werden, während Fräsewerkzeuge mit gerade bezieh. schraubenförmig verlaufenden Fräseriffen, gleichwohl ob cylindrischen oder kegelförmigen Fräsern zugehörig, mit der Stirnfläche des Schleifcylinders c (Fig. 2) geschärft werden können. In diesem Fall wird die Zuschärfungsfläche d eben, flach und nicht hohlcylindrisch ausfallen. Hinterdrehte Fräser f (Fig. 3) werden im Gegensatz zu Feinzahnfräsen a und d an der Zahnbrust mittels glockenförmigen Schleifscheiben g zugeschärft. Textabbildung Bd. 308, S. 5 Fig. 6. Kreutzberger's Fräserschleifmaschine. Die Universalschleifmaschine (Fig. 4 und 5) besteht aus dem Fusskasten a mit daraufgesetzter Tischplatte b, auf die ein Winkelständer c geschraubt wird, welcher Träger für die Stufenscheibe d ist. Diese wird von der unteren Scheibe f, welche mit 600 minutlichen Umdrehungen läuft, betrieben, welche das Schleifrad mit 2550, 3257, 4200 bezieh. 5520 Umläufen minutlich bethätigt, was bei 20 m/Sec. Schleifgeschwindigkeit, Schleifscheiben von 160 bezieh. 70 mm Durchmesser entsprechen würde. An der Stirn eines um den Zapfen von d schwingenden, mit Gewicht h entlasteten Hebels g, welcher durch die Schraubenspindel i stellbar ist, wird das Gabellager k für das Schleifrad l geschraubt, deren Spindel durch die Riemenscheibe m bethätigt wird. Auf der Tischplatte b ist ferner eine Führungsplatte n drehverstellbar, worauf ein Kreuzstück o durch die Schraubenspindel p Seitenquerverschiebung erhält. Dieses Kreuzstück o trägt ferner ein zweites Kreuzstück q, welches mittels Schraubenspindel r Seitenlängsverschiebung bekommt, während die Querverschiebung des Oberschlittens s mittels Handhebels t bewirkt wird. Auf diesem Oberschlitten werden in passenden Lagerböckchen u die Fräsewerkzeuge zum Schleifen eingespannt. Mittels Federwerke v wird der freigestellte Oberschlitten s mit angeschraubter Führungsrolle w (Fig. 6) gegen die an einem Böckchen x befestigte Lehrschiene (Schablone) y geführt und demgemäss der Formfräser zugeschärft. In einem zweiten Fall (Fig. 7 und 8) wird die Schablone z am Lagerböckchen u befestigt und dem Gabellager k für die Schleifradspindel freie Schwingungsbewegung um den Mittelzapfen a1 gegeben, während die Führungsrolle b1 auf der Oberkante der Blechschablone z den Stützpunkt für das Spindellager k gewährt. Durch diese Anordnung wird je nach dem Abstande des Schleifrades c1 zum Mittelzapfen a1 bezieh. dieses zur Führungsrolle b1 eine Uebersetzung für die Durchmessererhebungen hineingelegt, während die Längsverschiebungen einfach verhältnissmässig bleiben. Textabbildung Bd. 308, S. 5 Kreutzberger's Fräserschleifmaschine. Formfräser, deren Profil sich aus Kreisbögen bezieh. aus diesen und geraden Strecken zusammensetzt, können ferner auf dieser Schleifmaschine ohne besondere Schablonenführungen zugeschärft werden. Sponholz-Wrede's Schleifmaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 5 Fig. 9. Sponholz-Wrede's Schleifmaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 5 Sponholz-Wrede's Schleifmaschine. Zum Schärfen von Fräsewerkzeugen, Reibahlen, zum Anspitzen von Schraubenbohrern u. dgl. bauen Sponholz und Wrede in Berlin die in Fig. 9 bis 13 nach Elektrotechnische Zeitschrift, 1893 Heft 19 * S. 272, dargestellte Schleifmaschine, auf deren Standfuss a die Spindellager b angegossen sind, während auf der rechtsseitigen senkrechten Führungswange c der Tischwinkel d mit Kreuzschlitten f und Tischschlitten g Platz findet, ist an dem linksseitigen Schlitten h ein Stangentragwerk i angeordnet, auf dem einfache Fräsewerkzeuge k befestigt werden. Dagegen ist der Schlittentisch g zur Aufnahme eines als Spannfutter dienenden Kreuzkopfes l eingerichtet, mit welchem dem Aufspanndorn für das Fräsewerkzeug o beliebige Winkelstellung gegeben werden kann. An beiden Aufspanntheilen sind ferner stellbare Stabkreuze p vorhanden, in welchen eine Stellfeder zum Halten des Fräsers eingesetzt wird. Zudem ist für besondere wulstförmige Fräsewerkzeuge noch ein zweiter mit Drehstück r versehener Schlitten s (Fig. 12) vorgesehen, mittels welchem dem Fräser t eine Kreisschwingung ertheilt werden kann, dessen Achse mit dem Krümmungsmittelpunkte des Wulstprofils zusammenfällt. Auch hier findet das Stellwerk u seinen Platz am Spannfutter v. Bemerkenswerth ist die Spindellagerung (Fig. 13). Die massive Schleifspindel w läuft in langen Lagerbüchsen x, die mittels Ringmuttern im Auge gehalten sind und von denen die rechtsseitige schwach konisch ausgebohrt ist. Auf das mittlere Gewinde der Spindel ist ferner ein Ring y aufgeschraubt, der an die inneren Schultern der Lagerbüchsen sich passend anlegt, indem die linksseitige, cylindrisch ausgebohrte Lagerbüchse eine Nachstellung zulässt. Ueber diesen Mittelring y ist die Riemenscheibe z geschoben, deren lange Seitennaben die Lagerbüchsen übergreifen und mittels eingelegter Lederringe eine Schutzdichtung vorstellen. Ebenso sind die äusseren Ringmuttern für die Lagerbüchsen x tellerförmig erweitert und zum Schutz der Spindellager mittels Lederringe abgedichtet. Textabbildung Bd. 308, S. 6 Fig. 12. Sponholz-Wrede's Schleifmaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 6 Fig. 13. Sponholz-Wrede's Schleifmaschine. Walker-Norton's Schleifmaschine und Deckenvorgelege. Die Norton Emery Wheel Co. in Worcester, Mass., baut verbesserte Fräserschleifmaschinen von O. S. Walker (vgl. D. p. J. 1894 294 * 272 bezieh. 1896 299 * 292), welche nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 21 * S. 511/512, die in Fig. 14 bis 18 gezeigten bemerkenswerthen Einrichtungen besitzen. Auf den kegelförmigen Spindelkopf a werden die auf konischen Nabenbüchsen festsitzenden Schleifscheiben b gesteckt (vgl. 1896 299 * 292), wodurch ein beständiger Rundlauf in einfachster Weise gesichert wird. Am anderen Spindelende sitzt neben der Antriebscheibe c eine zweite Schleifscheibe d mit ständiger Nabenhülse wie bei b. Um aber gleiche Nabengrosse zu erhalten, wird auf das cylindrische Spindelende eine axial verschiebbare Konusbüchse geschoben, welche der älteren Drehbankspindellagerung ähnlich ist. Auf dieser Konusbüchse sitzt nun eigentlich die Riemenscheibe c und daneben das auswechselbare Schleifwerkzeug d. Das hohle Lagerkreuz f sitzt, mittels Klemmschraube g gehalten, auf einem Mittelrohr h, das vom Zahnstangentriebwerk i Hochstellung und durch Klemmwerk k Festlage erhält. Dieses mit Zahnstangen versehene Hauptrohr h findet nun in der Tischplatte l die erforderliche Führung. Ferner ist um einen Nabenansatz des Tisches l das Drehstück m mittels Klemmschraube n in Winkellagen stellbar und da dieses der Träger des Winkeltisches o ist, so wird durch Vermittelung des Führungsbolzens p derselbe mitgenommen werden. Damit aber auch dem Winkeltisch o gegen das Schleifrad eine feine Höheneinstellung gegeben werde, ist eine Tragschraube q vorgesehen, welche mittels Schlüsselgriffs bethätigt wird, während die Klemmschraube s wieder zur Sicherung der Lage dient. Zu bemerken ist hierbei, dass diese sämmtlichen Klemmschrauben snk mit Rechts-Linksgewinde versehen sind, wodurch das Lüften, sowie der Schluss der Spaltbüchsen in gleicher Weise leicht von statten geht. Am Tischwinkel o verschiebt sich mit Schraubenspindel u der Schlittentisch t, dem mittels Grifftheilscheibe v am Zeiger w eine Einstellung bis auf 1 : 40 mm genau ertheilt werden kann, ebenso wie die Winkellage durch Zeiger x bezeichnet wird. Diese Maschine ist für eine Höhenstellung des Schleiflagers bis 127 mm und des Winkeltisches bis 76 mm eingerichtet, wobei im Gestellfuss y sämmtliche Schleifscheiben z mit eigenen eisernen Naben untergebracht sind. Textabbildung Bd. 308, S. 6 Walker-Norton's Schleifmaschine. Eine besonders hübsche constructive Ausführung weist das in Fig. 16 bis 18 dargestellte Deckenvorgelege dieser Schleifmaschine auf. Zwischen den Hängelagern a ist das Stufenscheibenpaar b und c derart angeordnet, dass zwischen den Läufen derselben die Riemenschlinge durchgeht. Um nun einestheils von der Riemendicke unabhängig zu sein, anderentheils aber den Druck am Riemen zu regeln bezieh.zum Zweck die Verlegung desselben an den Laufstellen ganz aufzuheben, ist die Welle der oberen Stufenscheibe b in einem schwingenden Hebelrahmen d gelagert, während die Fest-Losscheibe für den Hauptantrieb ausserhalb dieses Rahmens fliegend angeordnet ist. Selbstverständlich wird mittels passender Gestänge f und g der oben angedeutete Zweck vom Standplatz des Arbeiters erreicht. Textabbildung Bd. 308, S. 7 Walker-Norton's Deckenvorgelege. Im Gegensatz hierzu läuft die untere Stufenscheibenwelle c in festen Augen der Hängelager a und trägt fliegend die Betriebsscheibe h, deren Riemen i zur Schleifmaschine führt. Um sich von Doppelscheiben frei zu machen, ist hier eine Spannrolle k zur Anwendung gebracht, welche mit ihrem Zapfen l in einem Auge m des Schwinghebels n läuft. Dieser mit Führungsbogen o versehene Hebel n wird mit Gegengewicht p belastet und dadurch der Antriebriemen i entsprechend gespannt. Zur Führung der Riemenschleife sind ferner noch zwei Rahmen q und r angebracht, die passend geneigte Schienen erhalten, an welche sich die Riemenschleife anlegt. Textabbildung Bd. 308, S. 7 Fig. 19. Brown-Sharpe's Werkzeugschleifmaschine. Brown-Sharpe's Werkzeugschleifmaschine. Die von der Brown und Sharpe Mfg. Co, in Providence, R. I., gebauten Schleifmaschinen für Fräser, Reibahlen, Schneidbohrer u. dgl. Werkzeuge besitzen nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 41 * S. 947, die in Fig. 19 dargestellte Einrichtung. Auf der Tragsäule a ist der Kopf b drehverstellbar, auf dessen Wange der Lagerschlitten c für die Schleifradspindel d Einstellung erhalten kann. Durch das Seitenauge f des Kopfes b geht ein Stab mittels Handhebels g zu verschieben, welcher Träger einer Wange h ist, die um die Achse des Tragstabes in f schwingt. Mit dem Handrade i wird ferner durch Zahnstangentriebwerk der Schlitten k in begrenzte Hubbewegung versetzt, wozu das Anschlagklötzchen l dient, während mit der Schraube m der Schlitten in gegebener Lage festgelegt wird. Reitstöckchen n und Spindelstock o mit Theilwerk vervollständigen das Werk. (Schluss folgt.) Hüttenwesen. Neuerungen in der Eisengiesserei. Mit Abbildungen. Neuerungen in der Eisengiesserei. I. Benutzung von Druckwasser in Giessereien. Das Zerkleinern der Giessereimasseln war schon seit langer Zeit eine recht lästige und mühsame Zugabe zum Giessereibetriebe und es hat nicht an Versuchen gefehlt, diese Arbeit anstatt durch menschliche Kraft durch mechanische Vorrichtungen vollziehen zu lassen. Schon vor einer Reihe von Jahren liess Bechern einen Fallhammer von verhältnissmässig geringem Gewicht, aber mit grosser Fallhöhe, diese Arbeit mechanisch verrichten, indem er den Fallbär mittels Frictionsriemens, der sich nach Bedarf selbsthätig auslöste, emporhob. Verschiedener Uebelstände wegen, die sich bei diesem Verfahren herausstellten, geschieht jedoch das Zerkleinern der Masseln auch heute noch meistens nach althergebrachter Weise: durch Zerschlagen mit dem Masselhammer in einer für den Arbeiter oder zweier derselben sehr anstrengenden, zeitraubenden und kostspieligen Weise. Mit der Einführung des Druckwassers in den Giessereibetrieb war, da die vielseitige Verwendbarkeit des Druckwassers zum Heben und Senken z.B. der Formkästen, zum Zusammenpressen des Formsandes bekannt ist, auch eine Aenderung des Verfahrens zum Brechen der Masseln angebahnt. Ein Apparat, der dem Bedürfnisse der Giessereien durchaus zu entsprechen scheint, ist mit Erfolg von der Firma Bopp und Reuther in Mannheim ausgeführt worden (Fig. 1 und 2). Durch die Anwendung desselben im eigenen Giessereibetriebe hat die genannte Firma den Masselbrecher allmählich so weit ausgebildet, dass er die Arbeit in billiger, bequemer und gefahrloser Weise verrichtet. Zur Bedienung des Masselbrechers ist nur ein Mann erforderlich. Die zu brechende Massel wird in die Oeffnung g am Gestelle h bis an den Puffer i eingeschoben, wodurch sie auf bestimmte Bruchlänge eingestellt ist; hierauf wird der Keil so weit vorgeschoben, dass die Massel fest eingespannt ist, und nun durch Druck auf den Hebel mittels des Fusses das Steuerventil für den Druckwassereintritt unter dem Kolben geöffnet, so dass letzterer nach oben gepresst wird. Durch den Hebel C wird nun die Massel in entsprechender Länge gebrochen und fällt das Bruchstück frei ab. Nach Loslassen des Hebels C kann das Druckwasser unter dem Kolben wieder abfliessen, der Kolben sinkt in Folge seines Eigengewichtes und der Hebel geht, vorn mit Brechbacken e, wieder nach oben, worauf nach Zurückziehen des Keiles die Massel für weiteren Abbruch vorgeschoben werden kann. Die Manipulation ist eine derart einfache, dass jeder Arbeiter sie ohne weiteres verrichten kann. Mit dem Apparate können bei Bedienung durch nur einen Mann in der Stunde bequem 120 Masseln in je vier Stücke, also in 2 Stunden ein Waggon Masseln von 10000 k Gewicht gebrochen werden. Textabbildung Bd. 308, S. 8 Masselnbrecher mit Presswasserbetrieb von Bopp und Reuther. Der Masselbrecher wird am vortheilhaftesten erhöht über dem Roheisenlager derart angeordnet, dass die Masseln ohne weiteres zum ferneren Gebrauche abgefahren werden können. Zur Bedienung ist nur erforderlich, dass der Arbeiter mit dem Fusse das Einströmungsventil für das Druckwasser öffnet. Zur Erleichterung des Vorganges wird die ganze Vorrichtung auch fahrbar hergestellt und ist auf einem Gleise verschiebbar, so dass die verschiedenen Eisensorten ohne Schwierigkeit aus einander gehalten und richtig sortirt werden können. Der zum Betriebe erforderliche Wasserdruck beträgt 25 bis 80 at, je nach dem zu brechenden Material. Die Vorrichtung ist unter Nr. 60344 als Gebrauchsmuster geschützt. Die genannte Firma Bopp und Reuther hat sich die Einführung des Druckwassers in den Giessereibetrieb auch in anderer Weise angelegen sein lassen. Ihre Formmaschinen mit hydraulischem Betriebe haben wir bereits 1895 295 * 125 besprochen. Die Vortheile dieses Betriebes finden immer mehr Anerkennung, da sie sowohl die Leistungsfähigkeit der Giesserei als auch die Genauigkeit der Arbeit erhöhen. Auch entfallen die Störungen, die durch die gegenseitige Unterstützung und Hilfeleistung der Former veranlasst wurden. Mit Hilfe des Druckwasserbetriebes ist der Former im Stande, ohne fremde Hilfe seine Arbeiten auszuführen. Noch auffälliger wird der Nutzen des hydraulischen Betriebes da, wo es sich um die Herstellung von gleichartigen Stücken handelt, also um Massenproduction. Die zu erzielenden Vortheile sind a. a. O. bereits besprochen worden. Die Betriebskosten für die Formpressen sind nur gering, da sie im Verbrauch von Wasser sehr sparsam sind. Für eine hydraulische Formereieinrichtung von etwa 20 Formpressen beträgt der Kraftverbrauch der Presspumpen nach Angaben von Bopp und Reuther etwa 1,5 . Die hydraulische Formpresse ohne Wendeplatte (Fig. 3) hat folgende Einrichtung: Die Formpresse besteht im Wesentlichen aus dem Presskolben K, den zwei Wagen W, welche zugleich als Modellplatten oder zum Auflegen der Modelle dienen, und den Kastenabhebevorrichtungen. Je nach Grösse der Formkasten wird die Presse von zwei oder vier Arbeitern bedient, welche abwechselnd die Wagen W mit den mit Sand gefüllten Formkasten FF1 über den Presskolben K fahren und nach erfolgter Pressung die fertigen Formen durch die Abhebevorrichtungen vom Modelle abheben. Mit einer solchen Presse können in 10 Stunden etwa 160 bis 200 complete Formen fertig gestellt werden. Die zur Ausrüstung für hydraulischen Betrieb erforderlichen Accumulatoren sind die gebräuchlichen Gewichtsaccumulatoren für 25 bis 60 at Druck. Die Grösse der Betriebsmaschinen ändert sich je nach der für den Betrieb erforderlichen Wassermenge. Ueber die erforderlichen Grössen der Accumulatoren gibt die genannte Firma bereitwillig Auskunft und bemerkt, dass die Aufstellung und Inbetriebsetzung der hydraulischen Formereieinrichtung jeder tüchtige Monteur besorgen kann, dass sie aber auch diese Arbeiten durch ihre eigenen Monteure besorgen lasse, auch bereit ist, einen Vorarbeiter des Bestellers in ihren Giessereiwerkstätten so weit anzulernen, bis er in der Handhabung hinreichende Uebung erlangt hat. II. Anwendung von Pressluft. Als ein weiteres Zeichen des Bestrebens, möglichst die Elementarkräfte zum maschinellen Betriebe heranzuziehen, kann die Anwendung comprimirter Luft in den Giessereien dienen. Nach der Eisenzeitung kann die comprimirte Luft zu verschiedentlichem Gebrauch vortheilhaft in den Giessereien angewandt werden. Man muss sich hierzu trockener Luft bedienen. Der Luftbehälter muss der Bedeutung der auszuführenden Arbeit entsprechende Abmessungen haben. Als geringste Grösse nehme man 1,22 m Durchmesser und 2,44 m Höhe und rechne auf einen Druck von 7 at und ordne ein Manometer, Sicherheitsventil, an. Ein Hahn am Boden dient zur Entleerung des Wassers und sei mit einem Zuleitungsrohre von mindestens 22 mm Durchmesser versehen. Das Ableitungsrohr ist ganz oben, wo die Luft am trockensten ist, anzubringen. Es wird gut sein, wenn jeder Former comprimirte Luft entnehmen kann, deren er sich anstatt eines Blasebalges und einer Bürste zum Reinigen seiner Form bedienen wird. Auch kann man die comprimirte Luft sehr vortheilhaft zum Aufziehen des Beschickungsmaterials der Cupolöfen und zum Betriebe der Laufkrahne benutzen; ein Handkrahn kann ebenfalls ökonomisch damit betrieben werden. Das System des pneumatischen Aufzuges eignet sich vollkommen da, wo es sich darum handelt, Lasten von 200 bis 4500 k zu heben. Nur ein Dreiwegehahn braucht hierzu gehandhabt zu werden, die Schnelligkeit des Aufziehens liegt ganz in der Hand des Arbeiters. Der Abnehmer der Gusswaaren sieht sehr auf gutes Aussehen derselben und ist geneigt, Giessereien, die darauf achten, den Vorzug zu geben und für einen Guss von sehr gutem Aussehen einen höheren Preis zu zahlen. Vor einigen Jahren hat man versucht, den Guss durch ein Sandstrahlgebläse zu reinigen, indessen nicht mit Erfolg. Dann wandte man Dampf von 4 at Spannung an, der jedoch den Sand anfeuchtete und dessen Zurückfliegen dem Arbeiter gefährlich wurde; die Anwendung der comprimirten Luft ermöglicht, die Gusstücke sehr gut zu reinigen. So kann namentlich Ornamentenguss leicht und billig gereinigt werden, was früher viele Arbeit erforderte. Textabbildung Bd. 308, S. 9 Fig. 3. Formmaschine mit Betrieb durch Presswasser von Bopp und Reuther. Mit Erfolg hat man auch den pneumatischen Meissel benutzt (1890 275 * 268), welcher etwa 7 bis 9 k wiegt und aus Stahl angefertigt ist. Häufig kommt es vor, dass grosse und schwere Gussstücke zum Wiederumschmelzen zerschlagen werden müssen. Ein kleiner pneumatischer tragbarer Bohrer gestattet es leicht, einige Löcher zu bohren, in welche man Stahlpflöcke setzt, auf die man schlägt, um das Gusstück zu zertrümmern. In ähnlicher Weise lässt sich die comprimirte Luft auch zum Zerschlagen der Gussmasseln verwenden; des weiteren zum Betriebe der Formsandmischmaschinen, Sandmühlen, Putztrommeln und Sortircylinder, und für manchen anderen Zweck. Ueber die Verwendung von Pressluft zum Heben beim Giessereibetriebe spricht sich Geo A. True in Industries and Iron vom 23. October 1896 in anerkennender Weise aus und hält die Kraftübertragung mittels Pressluft für die bei Giessereien für die geeignetste. Wir übergehen seine Berechnung der Betriebskosten für die Luftdruckanlage, da diese sich in jedem Falle nach der Oertlichkeit richten wird. True wendet das Luftdrucksystem in der ausgedehntesten Weise an, in senkrechten und liegenden Cylindern, mit und ohne Uebersetzung. Besonders hebt er die Sicherheit gegen Einfrieren hervor, die bei Wasserdruck eine wesentliche Sorge für den Betrieb bildet. Er empfiehlt einen Luftdruck von 60 bis 100 Pfund als für die meisten Zwecke geeignet und empfehlenswerth. III. Das Giessen unter Zuhilfenahme der Luftleere ist bekannt (1895 295 * 155), doch wird das Verfahren noch etwas dunkel gehalten. Ueber ein neues Verfahren für Stahlguss theilt das Patentbureau von Carl Fr. Reichelt in Berlin Folgendes mit: „Der Guss findet in einem luftleeren Raume statt, in den die Gussformen eingesetzt werden, bevor man anfängt, die Luft auszupumpen. Aehnliche Kammern umgeben die eigentliche Gusskammer und sind mit derselben durch Kanäle verbunden, die durch Ventile geöffnet oder geschlossen werden können. In diesen Kammern wird ebenfalls Luftleere durch mächtige Luftpumpen hergestellt. Ist alles fertig, um das geschmolzene Metall in die Gussformen zu leiten, so öffnet man die oben erwähnten Kanäle; etwa noch in der Gusskammer vorhandene Luft wird abgesaugt und gleichzeitig läuft die geschmolzene Stahlmasse in die Formen. Da der Guss im luftleeren Raume stattfindet, entweichen etwaige Gasblasen aus demselben und man erhält einen vollständig homogenen Guss. Sollen sehr grosse Gusstücke (Panzerplatten) angefertigt werden, so trifft man noch die Einrichtung, die Gusstücke im luftleeren Raume einem hohen Drucke auszusetzen, um auf diese Weise zu verhindern, dass sich durch Zusammenziehung des Gusses beim allmählichen Erkalten Hohlräume bilden. Man vermeidet dadurch den sogen. verlorenen Kopf, der bei grossen Gusstücken bis zu 40 Proc. des Gewichtes beträgt.“ Diese Mittheilung ist um nichts durchsichtiger, als die bisherigen Veröffentlichungen gewesen sind.Ueber die bemerkenswerthen Giessereihilfsmaschinen von der Badischen Maschinenfabrik in Durlach beabsichtigen wir demnächst ausführlicher zu berichten. (Schluss folgt.) Appunn's Victoria-Glocken. Mit Abbildung. Appunn's Victoria-Glocken. Der Stadtbauinspector Dr. C. Wolff in Frankfurt a. M. machte in der Nummer vom 11. December vorigen Jahrganges des Centralblattes der Bauverwaltung über die Glocken des Akustikers Appunn in Hanau bemerkenswerthe Mittheilungen. Nach denselben weicht Appunn von der bisher üblichen Form des Glockenquerschnittes ab, indem er von der bekannten Erfahrung ausgeht, dass der Glockenton nicht einfach, sondern aus einer Reihe von Tönen zusammengesetzt ist, die in Gemeinschaft mit dem Haupttone bei guten Glocken einen harmonischen, bei schlechten dagegen einen unharmonischen Klang bilden. Wie schwer es ist, gute, den musikalischen Anforderungen entsprechende Glocken zu giessen, ist allgemein bekannt. Erst in neuerer Zeit ist man in den Stand gesetzt, alle einer Glocke innewohnenden Töne genau festzustellen. Man bedient sich dazu eigens hergestellter Stimmgabeln mit verschiebbaren Gewichten an den Gabelarmen. Bei den Untersuchungen, welche mittels dieser Instrumente gemacht worden sind, ist man stellenweise zu merkwürdigen Ergebnissen gekommen. Beispielsweise gibt eine Glocke über dem Hauptton die grosse Secunde, kleine Terz, verminderte Quinte, grosse Septime als Oberoctave und die grosse None als Unteroctave. Derartig verzerrte Tonbilder gehören durchaus nicht zu den Seltenheiten, während Glocken mit harmonischem Klange, welche ausser dem Hauptton noch die reinen Octaven (Unter- und Oberoctave), Terz, Quinte, Decime, Duodecime u.s.w. enthalten, selten sind. Den Grund für diese Unsicherheit des Tones findet Appunn hauptsächlich in der Unberechenbarkeit der Form des Glockenkörpers. Um einen bestimmten Grundton zu erreichen, muss der Tonkörper eine berechenbare Form haben und, als allein den Ton angebend, das wesentliche Stück des Glockenquerschnittes bilden. Appunn hat ihn als einen in Ringform gebrachten Metallkörper von rechteckigem Querschnitt, in Kreisform, hergestellt, der den Grundton bestimmt und ohne Untertöne angibt. Dabei hat die als Halbkugel gebildete Haube auf die Tonbildung selbst keinen Einfluss, sie wirkt lediglich als Schallkörper, in welchem selbständige Töne ausgeschlossen sind. Der Schlagring ist da angeordnet, wo die Glocke ihre Schwingungen frei abgeben kann, am Glockenrande, während er bei der alten Glocke nach oben und unten an Metallringe verschiedener Stärke anschliesst. Die Untertöne sind ausgeschlossen und die Glocke erklingt im Grundton. Dabei erscheint der Grundton um eine Octave tiefer als der nach dem alten System geforderte Hauptton des Schlagrings, d.h. ein nach Appunn gebautes Geläute klingt eine Octave tiefer als ein solches alten Systems, welches mit ihm gleiche Grösse und gleiches Gewicht hat. Hierdurch ist der Vortheil gegeben, dass man mit wenig Metall tiefe Tonlagen erzielen kann, ohne den volltönenden Klang zu beeinträchtigen. Für die Bestimmung der einzelnen Theile bildet die Dicke des Tonkörpers die Einheit; das Verhältniss der verschiedenen Stärken ergibt sich aus den Querschnittszahlen der Figur. Als vor einiger Zeit Vorschläge für ein neues Geläute der Nikolaikirche in Frankfurt a. M. zu machen waren, wurde von Sachverständigen bestimmt, dass das neue Geläute aus vier Glocken zusammenzusetzen sei, deren Töne fis, a, h, eis ein harmonisches Mollviergeläute bilden und ausserdem in der Tonreihe des in nächster Nähe befindlichen Domgeläutes liegen sollen. Die Ausführung wurde Appunn nach seinem neuen Systeme übertragen. Das Geläute wiegt 1775 k, wurde von F. W. Rincker in Sinn (Nassau) gegossen und unter Benutzung des alten Glockenstuhls gebrauchsfertig aufgehängt. In der Abbildung ist die fis-Glocke des neuen Geläutes dargestellt. Die Gesammtkosten einschliesslich einer geringen Aenderung des Glockenstuhls betragen rund 3400 M. Der Domcapellmeister Hartmann spricht sich über; das fertige Geläute dahin aus, dass die verlangten Haupttöne vollständig getroffen sind und in mathematisch reinem Verhältniss zu einander stehen. Als einzig wahrnehmbaren Oberton stellte er die etwas übertriebene grosse Decime des Haupttones fest und bezeichnet die Glocken im Uebrigen als frei von Unter-, Ober- oder Beitönen. Die Wirkung ist eine dem Querschnitt und der Metallmasse entsprechend starke, aber eigene. Der Gutachter spricht seine Bewunderung über die Sicherheit aus, mit welcher die vertraglich gestellten Aufgaben gelöst worden sind. Ein abschliessendes Gutachten verdankte man dem Pfarrer Sahlmen in Madfeld (Westfalen), der bezüglich der Reinheit der Töne sich der Hartmann'schen Prüfung anschloss. Die Klangfarbe nennt der Sachverständige eine von dem gewohnten Glockentone verschiedene und findet den Grund dafür ebenfalls in der neuen Querschnittsform. Textabbildung Bd. 308, S. 10 fis-Glocke. Der Ton der Appunn'schen Victoria-Glocke unterscheidet sich wesentlich von dem der alten Glocken. Dies zeigte sich recht beim Zusammenläuten der Domglocken und der neuen Nikolaiglocken – ein dem Ohre wohlthuendes Concert. Dazu hebt Sahlmen den massigen Preis hervor und rühmt, dass es Appunn gelungen ist, mit so geringem Gewicht einen so ausserordentlich tiefen Glockenton zu erzielen. Die baulichen und räumlichen Verhältnisse des Thurmes liessen übrigens ein Geläute nach alter Rippe mit gleichen Grundtönen, welches bei einem Gewichte von rund 12000 k einen bedeutend höheren Kostenaufwand verursacht haben würde, überhaupt nicht zu. Zu bemerken ist noch, dass die Klöppel eine besondere Ausbildung erfahren haben: der Anschlag erfolgt durch zwei eingelassene cylinderförmige Stücke, die aus verschiedenen Stoffen hergestellt werden können und so eine Regelung in der Härte des Anschlages zulassen. Die Versuche ergaben, dass der Anschlag mit Pockholz den Ton weich und angenehm erklingen lässt. Wenn der neuen Glocke entgegengehalten werden kann, dass ihre Gestalt der altehrwürdigen, schönen Glockenform gegenüber wenig anspricht, so darf man nicht vergessen, dass die Glocken selten gesehen werden und dass bei ihnen die musikalischen Vorzüge in erster Linie stehen. In musikalischer Hinsicht sind gewisse Mängel bei der Victoria-Glocke noch vorhanden. Es ist ein Oberton festgestellt, der allerdings für die Klangwirkung kaum von Bedeutung wird, und die Stärke des Tones bleibt hinter den Riesen des alten Systems zurück. Aber immerhin muss man zugeben, dass Appunn's System einen grossen Fortschritt im Glockenbau bedeutet. Die Sicherheit in der Tonbestimmung, die tiefe Tonlage und die geringen Gewichte und Kosten sind Errungenschaften, für die dem unermüdlichen Erfinder Anerkennung gebührt. Heizung und Lüftung. Vorrichtung zum Erhitzen von Wasser durch die Abgangswärme von Leucht- und Ventilationsflammen. Mit Abbildungen. Vorrichtung zum Erhitzen von Wasser durch die Abgangswärme von Leucht- und Ventilationsflammen. Bisher ging die Abzugswärme der zur Beleuchtung bezieh. Ventilation dienenden Flammen nutzlos verloren, während dieselbe vortheilhaft zur Bereitung von heissem Wasser ohne Störung der zur Beleuchtung oder Ventilation dienenden Flamme selbst vortheilhaft ausgenutzt werden kann. Hierzu dient die durch D. R. P. Nr. 90871 patentirte Vorrichtung von Hugh Mansfield Robinson in London. Zu dem vorbenannten Zwecke wird im Wesentlichen über der Flamme eines Brenners eine mit Wasser gefüllte Heizschlange und eine Wasserkammer in der Weise angeordnet, dass eine Störung der Flamme selbst, wie gesagt, nicht eintreten kann. Der in der Heizschlange und dem Ueberhitzer erzeugte Dampf wird unter Druck nach einem Wasserbehälter abgeführt, der in einem gewissen Abstande über oder unter der Flamme angeordnet ist. Dies kann beispielsweise unten in dem Sockel eines Pfostens oder Flammenarmes, oder auch in einem passenden Abstande in einem daneben liegenden Gebäude stattfinden. In einem derartig angeordneten Raume wird das Wasser in dem Behälter erhitzt oder gekocht und kann aus dem letzteren zu den verschiedensten Zwecken entnommen bezieh. weiter geleitet werden. An öffentlichen Plätzen kann damit ein Verkaufsautomat in der Weise verbunden werden, dass gegen Einzahlung einer bestimmten Münze eine bestimmte Menge heissen Wassers geliefert wird. Im Nachstehenden sind als Beispiel drei Arten der Anwendung dieser Vorrichtung dargestellt. Fig. 1 zeigt einen senkrechten Schnitt einer Strassenlaterne mit einer damit verbundenen Einrichtung zum Ventiliren und Fig. 2 einen Querschnitt durch die Ueberhitzungskammer. a ist der Brenner einer gewöhnlichen Strassenlaterne. Unter derselben ist eine Heizschlange b aus Metall in Verbindung mit einer Kaltwasserzuleitung und oben mit einem ringförmigen Behälter c angebracht, welche einen Theil der Heizschlange umgibt, durch den Brenner erhitzt wird und zur Ueberhitzung des Dampfes dient. Zur Vergrösserung der Heizfläche sind in der Kammer unten und oben offene Röhren d für den Durchzug der Heizgase angebracht. Der obere Theil des Ueberhitzers ist durch ein Rohr e mit einer Schlange f verbunden, die in einem Behälter g für das zu erhitzende Wasser liegt. Um den Ueberhitzer c ist eine doppelwandige Kappe h angeordnet, welche den heissen Luftstrom, der an der Innenseite des Ueberhitzers hochgeht, abwärts und um die äusseren Wandungen in der Richtung der Pfeile weiterführt. Desgleichen wird ein Theil der Decke der Laterne, der die Heizschlange umgibt, doppelwandig bezieh. mit einem Mantel umgeben, welcher als schlechter Wärmeleiter die Wärme zurückhält. Zur Hebung des kalten Wassers, z.B. aus einer Wasserleitung, bis zur Höhe der Flamme dient ein Wasserbehälter j y der durch ein Rohr k mit der Wasserleitung derart verbunden ist, dass das Wasser in die Heizschlange und den Ueberhitzer durch den Druck aus der Wasserleitung übergeführt wird; zur Regulirung des Druckes dient ein Druckminderungsventil l in dem Zuleitungsrohre k. Das Wasser fliesst nun aus dem Speisebehälter j in den Behälter g, aus welchem das heisse Wasser mittels des Hahnes n abgelassen wird. Durch das Rohr o, welches in Form einer Schlange durch den Behälter j geht und das Wasser in demselben mehr oder weniger erwärmt, kann der Dampf ins Freie gelangen. Textabbildung Bd. 308, S. 11 Vorrichtung zum Erhitzen von Wasser durch die Abgangswärme von Leucht- und Ventilationsflammen von Mansfield Robinson. In ihrer Wirkung stellt sich die Vorrichtung folgendermaassen dar: Aus der Wasserleitung fliesst das Wasser in den Speisebehälter j und von hier durch den Hahn m in den Behälter g, letzteren füllend. Gleichzeitig wird der Behälter j gefüllt und das Wasser steigt durch das Rohr p, welches die Schlange b mit j verbindet, in die Schlange b. Der Wasserzufluss wird in der Weise, z.B. durch einen Hahn p1, geregelt, dass zu der Zeit, wo das Wasser das obere Ende der Schlange erreicht, es in Dampf übergeführt ist. Dieser Dampf geht zum Ueberhitzer c und in überhitztem Zustande abwärts durch das Rohr e in die Schlange f des Behälters g, wodurch der Dampf condensirt und das Wasser im Behälter erhitzt wird, während das Dampfwasser durch das offene Ende der Schlange f in den Behälter abfliesst. Das etwaige Ueberlaufwasser findet seinen Weg durch das Rohr o nach aussen. Solange nun die Laterne brennt und Wasser in den Dampferzeuger eingelassen wird, wird beständig Dampf entwickelt, welcher durch die Schlange f abziehen muss. Ein Rückschlagventil q im Rohr k verhindert ein Zurücktreiben des Wassers durch den Dampfdruck in die Wasserleitung. Um ein Abfliessen des Wassers beim Auslöschen der Flamme ohne vorheriges Absperren des Dampferzeugers nach dem Behälter g zu verhüten, ist im Dampfrohre e ein Ventil r angeordnet, welches so belastet ist, dass es unter dem Drucke des kalten Wassers geschlossen bleibt, sich aber unter dem Dampfdrucke im Dampferzeuger öffnet. Fig. 3 zeigt die im Wesentlichen gleichartige Anordnung bei einem Decken-(Sonnen-)Brenner mit dem Unterschiede, dass die Heizschlange und der Ueberhitzer hier in einem nach unten offenen Trichter mit Ummantelung liegen, der die von der Lampe entwickelte Wärme gesammelt hält, und dass das Wasser, welches in die Heizschlange eintritt, anstatt unter dem Drucke der Wasserleitung einzufliessen, durch eigene Schwere aus einem Behälter j zufliesst, der über der Heizschlange b liegt und oben offen sein kann. Ueber der mittleren Oeffnung des Ueberhitzers ist eine hohle Deflectorplatte s angebracht, um den Durchzug der heissen Gase durch denselben zu verzögern. Fig. 4 zeigt die Benutzung der Vorrichtung bei einer Wandlampe. Die Anordnung gleicht der bei Fig. 3 beschriebenen. Dampfrohr und Wasserzuleitungsrohr führen durch die Wand nach einem Raume oberhalb oder unterhalb der Lampe. Bei allen diesen Vorrichtungen ist ein Ventilationsrohr t vorgesehen, wobei die schädlichen Gase durch die Heizflamme hindurchgeführt werden. Letztere treten entweder in die freie Luft (Fig. 1), oder in einen anliegenden Schornstein (Fig. 3 und 4). Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Von H. Glafey, Regierungsrath, in Berlin. Mit Abbildungen. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Wenn Garne im Strähn geschlichtet und gefärbt werden, so sind sie nachher gewöhnlich einer Behandlung zu unterwerfen, die den Zweck hat, das überflüssige Appreturmittel zu entfernen, die Garne weich zu machen, ihnen die erforderliche Länge wieder zu geben, die einzelnen Fäden von einander zu trennen, also zu entwirren und ihnen auch Glanz zu verleihen. Die hierzu erforderlichen verschiedenen Arbeitsprocesse werden je nach Bedarf entweder getrennt von einander ausgeführt oder kommen auch in dieser oder jener Zusammensetzung gleichzeitig zur Anwendung und dementsprechend sind auch die zur Durchführung derselben zur Verwendung kommenden mechanischen Hilfsmittel ausgebildet. In nachstehenden Zeilen sollen die wesentlichen derselben einer Besprechung unterzogen werden. Die Fig. 1 bis 5 veranschaulichen Maschinen zum Weichmachen von Garnen durch Mangeln und Strecken. Textabbildung Bd. 308, S. 12 Maschine zum Weichmachen von Garnen durch Mangeln und Strecken von Balster. Die erste Maschine (Fig. 1 bis 3) ist eine Erfindung von Joseph Balster in Chemnitz. Das Garn wird bei derselben zwischen zwei rotirenden und sich während jeder Umdrehung mehrmals in ihrer Achsenrichtung gegenseitig verschiebenden Walzen unter starkem Druck hindurchgeleitet und währenddessen durch wiederholtes plötzliches Ausrecken von Staub befreit und gestreckt. In dem auf dem Gestell a befestigten Lagerbock b sind Wellen c und d gelagert, von denen die eine durch Kurbel, Riemenscheibe oder auf irgend eine Weise in Drehung versetzt werden kann, und von denen jede an ihrem vorderen Ende eine Walze e bezieh. f trägt. Diese Walzen sind entweder auf ihrer Oberfläche geriffelt oder mit grob genarbtem Gummi überzogen. Auf beiden oder auch nur auf der einen der Wellen stecken die Flügelscheiben g1g2, die in den am Lagerbock befestigten, mit Schlitzen versehenen Winkeln h1h2 Führung empfangen und so bei der Drehung der Walzen ef eine axiale Verschiebung derselben herbeiführen. Das vordere Lager m der oberen Walze ist durch eine Zugstange z mit dem Hebel i verbunden und wird durch das an diesem hängende Gewicht h belastet, also Walze f gegen e gepresst. Einestheils um der Walze f die nöthige Auf- und Abbewegung zu gestatten, anderentheils wegen der genauen Einstellung derselben ist das hintere Lager l in Zapfen drehbar mit den verstellbaren Streben n1n2 verbunden. Die zu bearbeitenden Garnsträhne werden über die mit Scheiben versehene, auf einem im Hebel p befestigten Stift q steckende Spule r und über die kegelförmig gestaltete Fortsetzung der Walze e gelegt. Bei der Drehung der Walzen e und f nimmt das Garn an derselben Theil, wird von den Riffeln erfasst und in Folge der Verschiebung der Walzen weich gerieben. Zum Zweck des Ausreckens der Strähne während des Weichmachens wird der die Spule r tragende Hebel p öfter schnell nach hinten, rechts Fig. 1, gezogen, wodurch die Fäden gereckt und der durch das Weichmachen gelöste Staub herausgeschlagen wird. Textabbildung Bd. 308, S. 13 Fig. 4. Garnmangel der Zittauer Maschinenfabrik und Eisengiesserei. Die in Fig. 4 veranschaulichte Garnmangel wird von der Zittauer Maschinenfabrik und Eisengiesserei (früher Albert Riesler und Co.), Zittau, ausgeführt. Das Mangeln geschieht bei dieser doppelseitig ausgeführten Maschine zwischen Stahlgusscylindern und je einer auf diesen rollenden Ahorn- oder Papierwalze. Beide Organe sind in zwei durch Traversen verbundenen Gestellwänden gelagert, zwischen denen sich direct auf der Welle der Stahlgusscylinder, Fest- und Losscheibe zum Antrieb der Mangel befinden. Die Mangelwalzen laufen mit ihren Zapfen in Schlitzlagern und werden gegen die Stahlgusscylinder durch belastete Hebel angepresst, die durch Zugstangen mit Stellzeug und Druckhebel zur Wirkung kommen. Eine untere Rolle dient dazu, den Strähn straff anzuspannen; dieselbe ist an einem Handhebel angehängt, kann durch denselben nach unten gedrückt und beim Einlegen und Abnehmen des Strähns bequem gehoben werden. Ein Stellwinkel dient zum leichten Ein- und Ausbringen des Garns. Garnmangeln mit drei Walzen werden von den Firmen O. G. Haubold jun. in Chemnitz und H. B. Arundel in Manchester ausgeführt. Zwischen zwei Gestellwänden ist die obere Hartgusswalze fest gelagert und enthält ausserhalb des Gestells die Antriebscheibe. Die untere Papierwalze ruht in Schlitzlagern und wird durch Gewichtshebel nach oben gegen die mittlere Papierwalze gepresst, die auf der einen Seite in einem um eine senkrechte Achse drehbaren Lager ruht, so dass sie zwecks Auswechselns der Garnsträhne von den beiden übrigen Walzen entfernt werden kann. Das Anspannen des über die mittlere Walze gelegten Garns erfolgt mit Hilfe einer durch Gewichtshebel belasteten Spannrolle. Textabbildung Bd. 308, S. 13 Fig. 5. Garnmangel von Haubold und Arundel. Damit die mittlere Walze während des Betriebes der Mangel durch den Druck der unteren Walze nicht ausweichen kann, wird dieselbe auf der Seite, wo sie ausschwingen kann, durch einen über ihren freien Zapfen fassenden Sperrhaken gehalten. Dieser Sperrhaken wird bei der Maschine von Arundel (Englisches Patent Nr. 6882/1884) nach einer gewissen Zahl von Umdrehungen des Garnsträhns selbsthätig durch eine Ausrückvorrichtung gelöst, welche, wie Fig. 5 erkennen lässt, von der oberen Walze durch ein Schneckenradgetriebe ihren Antrieb empfängt und gleichzeitig die Spannrolle aushebt und ein Läutewerk in Bewegung setzt. Textabbildung Bd. 308, S. 13 Fig. 6. Maschine zum Auflockern und Entwirren der Garnsträhne durch Stauchung derselben von der Zittauer Maschinenfabrik und Eisengiesserei. Maschinen, bei denen das Auflockern und Entwirren der Garnsträhne durch Stauchung derselben herbeigeführt wird, veranschaulichen die Fig. 6 bis 9. Die in der erstgenannten Figur dargestellte Maschine zeigt eine Ausführungsform, wie sie von der Zittauer Eisengiesserei und Maschinenfabrik geliefert wird. Die gewöhnlich mit zwölf und mehr in zwei Reihen angeordneten Spulen tragen frei hängend die zu behandelnden Garnsträhne und empfangen mit diesen durch den sie tragenden Balken durch Kurbelscheiben eine Auf- und Niederbewegung. Gleichzeitig führen die unter einander durch Zahnräder verbundenen Spulen eine ruckweise Drehbewegung um ihre Achsen aus. Es werden in Folge dessen die Strähne umgezogen und dabei auf einen unter ihnen vorgesehenen Tisch gestaucht. Die Maschine nimmt nach Angaben der genannten Firma einen Flächenraum von 3200 × 1200 × 1600 cm ein. Textabbildung Bd. 308, S. 14 Maschine zum Auflockern und Entwirren der Garnsträhne durch Stauchung derselben von Triepcke. Die in den Fig. 7 bis 9 wiedergegebene Maschine ist eine Erfindung von Max Triepcke in Pfersee-Augsburg (D. R. P. Nr. 53050). Eine gleichmässige Behandlung des Materials soll bei dieser Maschine dadurch herbeigeführt werden, dass die zu Paaren verbundenen Garnträger bei ihrer Auf- und Abbewegung wechselweise durch je ein Schaltwerk gedreht werden, und diese Drehbewegung für sämmtliche Garnträger dadurch gleichzeitig in eine continuirliche umgewandelt wird, dass je zwei Paar von Garnträgern durch einen Schnurtrieb verbunden sind. Im Wesentlichen besteht diese Maschine aus der Fundamentplatte a mit den beiden Seitengestellen b, welche mit zwei Stehlagern gekrönt sind, in denen die Kurbelwelle mit dem ausbalancirten Schwungrad und den beiden Riemenscheiben (lose und fest) gelagert ist. Mittels dieser Kurbelwelle, welche im Betriebe durch die feste Riemenscheibe in Drehung versetzt wird, und der Lenkerstange l werden die beiden Gleitbacken g in den Geradführungen c in senkrecht auf und ab gehende Bewegung versetzt. An diesen Gleitbacken g sind mittels der Traversen t und t1 und der Wellen w und w1 die Rollenpaare r und r1 über welche das Garn in Strähnen gelegt wird, gelagert; im Betriebe wird diesen Rollen r und r1, da die Traversen t und t1 fest mit den Gleitbacken g verbunden sind, ebenfalls eine senkrechte auf und ab gehende Bewegung ertheilt. Die lose über die Rollenpaare r und r1 gehängten Garnsträhne werden dadurch auf die Tische y und y1, welche auf den Federn z ruhen und durch die Führungen x gegen seitliche Verschiebungen gesichert sind, gestaucht, wodurch sich die Garnsträhne auflockern und entwirren. Damit nun die Garnsträhne nicht immer nur an einem Punkte auf die Tische auftreffen, werden die Rollen r und r1 mittels der Schaltklinken m und der Treibrollen mit Schnurläufen n in continuirliche Drehbewegung versetzt, was zur Folge hat, dass die Garnsträhne gleichfalls in Umlauf versetzt werden, und zwar in der Weise, dass beim Aufschlagen der Garne auf die Tische immer ein neuer Theil bearbeitet wird. Wie aus der Zeichnung ersichtlich, sind die Schaltklinken in den Hebeln o und diese in den Wellen w und w1 und den Unterstützungspunkten p gelagert und werden mittels Federn in die Schaltzähne der Schalträder k gedrückt. Die eine Schaltklinke versetzt die Rollen beim Niedergang, die andere beim Aufgang in drehende Bewegung, und damit die Drehung eine continuirliche wird, sind die Wellen w und w1 der Schalträder durch die Schnurläufe n mit einander verbunden. Durch diese Anordnung wird die Leistungsfähigkeit der Maschine nicht nur gehoben, sondern es wird auch das Product derselben verbessert, indem jedes Theilchen des Garnes der Bearbeitung in regelrechter Weise unterworfen wird. Damit beim Auf- und Abgehen die Garnsträhne sich nicht in der Maschine oder dem Ständer fangen können, sind die Schutzwände v an den beiden Tischen y und y1 angebracht. Cesar Corron in St. Etienne, Frankreich, hat zum Entwirren und Strecken von Garnsträhnen eine Maschine in Vorschlag gebracht, bei der die Strähne auf sich langsam drehenden Garnrollen mit Randscheiben hängen und während ihrer Umlaufbewegung durch eine Schwinge gereckt werden, die aus einem einarmigen Hebel besteht, der an einem Ende drehbar gelagert ist, am anderen Ende dagegen eine Rolle trägt, welche in der Ruhelage der Schwinge den Strähn anspannt, beim Gang der Maschine dagegen diesen plötzlich reckt und somit die einzelnen Fäden von einander löst und parallel legt. Die hierzu erforderliche Bewegung empfängt die Schwinge durch einen Daumen, welchen sie anhebt, und eine Gewichtsbelastung, die die Schwinge nach dem Passiren des Daumens plötzlich nach abwärts bewegt. Je nach der Höhe der Gewichtsbelastung wird der Schlag ein mehr oder weniger starker und kann so den verschiedenen Garnsorten angepasst werden. Eine Maschine zum Schlagen und Strecken gefärbter, gebleichter oder in anderer Weise behandelter Garnsträhne, bei welcher ebenso wie bei der vorstehend erläuterten Maschine die Strähne über zwei parallel zu einander liegende Rollen gespannt werden, von denen die eine Parallelbewegung zur anderen ausführt, bei der jedoch diese Bewegung zwangläufig erfolgt und die bewegliche Rolle gleichzeitig den Strähn elastisch anspannt, ist nach dem Deutschen Wollengewerbe zuerst von der Firma Collier und Co. in Salford ausgeführt worden. Die zu behandelnden Garnsträhne werden über die beiden wagerecht angeordneten Garnträger gebracht, deren einer (oberer) feststeht, während der untere mit Hilfe eines Gleitstückes in dem Gestell der Maschine senkrecht auf und ab bewegt werden kann. Das genannte Gleitstück ist zu diesem Zweck mit einer bügelartig gestalteten Feder ausgestattet, an deren Scheitel ein Lenker sitzt, der mit einer durch Riemenscheibe in Umdrehung versetzten Kurbelscheibe in Verbindung steht. Die letztere hat einen Hub von etwa 3 Zoll, ertheilt also dem Gleitstück eine Bewegung von 6 Zoll bei jeder Umdrehung der Antriebscheibe. Um die Lage der auf diese Weise geschlagenen Garnsträhnen nach jedem Niedergang des Gleitstückes zu ändern, dreht sich der obere feststehende Garnträger langsam um seine Achse, und zwar wird diese Drehbewegung durch ein von der Hauptwelle aus angetriebenes Schneckenradgetriebe hervorgebracht. (Fortsetzung folgt.) Elektrotechnik. Die mit der Kraftstation combinirte elektrische Locomotive. Die mit der Kraftstation combinirte elektrische Locomotive. Es war in der Revue industrielle vom 23. April 1891, wo Heilmann mit dem anfänglich sehr entfremdenden Vorschlage an die Oeffentlichkeit getreten ist, jedem Eisenbahnzuge eine als Kraftstation eingerichtete Locomotive anzuhängen, welche den von ihr erzeugten Strom an mehrere im Zuge vertheilte Motorwagen abgeben sollte. In dieser Form kam nun bekanntlich Heilmann's Idee allerdings nie zur Ausführung, dafür aber konnte eine von ihm nach obigem Grundsatze entworfene, d.h. eine mit einer Kraftstation combinirte Locomotive, welche theils in der Schweiz, theils in Frankreich ausgeführt worden war, bereits zu Beginn des Jahres 1894 seitens der Französischen Westbahn in Versuch genommen werden. Diese erste, auf einer für den Dampfbetrieb eingerichteten Vollbahn in Verwendung gelangte elektrische Locomotive, welche sich also vor allen sonstigen elektrischen Locomotiven darin auszeichnet, dass sie die erforderliche elektrische Energie nicht durch Vermittelung irgend einer Stromzuleitung von einer entfernten Kraftanlage bezieht, sondern ihre eigene Kraftstation mit sich führt, besass (vgl. D. p. J. 1894 291 276; 1895 295 229; 1896 299 99, 302 37) 600 und ein Dienstgewicht von 120 t. Dieselbe wurde, da die bis dahin durchgeführten Vorproben günstige Ergebnisse nachwiesen, auf der Linie Mantes-Paris in den regulären Dienst eingestellt und führte hier den mit Abzug des Locomotivgewichtes 180 bis 190 t schweren Expresszug mit einer mittleren Geschwindigkeit von 65 km/Std. Auch in dieser praktischen Verwendung hatte sich die neuartige Zugsforderungsmaschine, trotz des Misstrauens, welches ihr ursprünglich entgegengebracht wurde, und ungeachtet der vielfach absprechenden Urtheile, welchen sie unterworfen war, während mehrerer Monate genügend bewährt, um die Generaldirection der Französischen Westbahn noch im J. 1894 zu bestimmen, in ihren eigenen Werkstätten den Bau zweier weiterer Heilmann-Locomotiven in Angriff nehmen zu lassen, bei welchen alle jene Verbesserungen und Abänderungen zur Ausführung gelangen sollten, die sich nach den mit der ersten Type gewonnenen Erfahrungen als wünschenswerth oder nothwendig ergaben. Bekanntlich ist der Hauptvorwurf, welcher gegen die Heilmann-Locomotive erhoben wurde, der, dass durch die zweimalige Umwandlung der Kraft Verluste unvermeidlich seien, was einen augenscheinlichen Nachtheil gegenüber der gewöhnlichen Dampflocomotive bedeutet. Diese allerdings unleugbaren Verluste werden jedoch, wie Heilmann geltend macht, durch die weit günstigere Dampfausnutzung reichlich aufgewogen, welche seine Locomotive erstens vermöge der Anwendung einer stationären Verbundmaschine, sowie zweitens dadurch erzielt wird, dass die Geschwindigkeit der Dampfmaschine von jener des Fahrzeuges unabhängig ist. Als Zugförderungsmittel an und für sich darf die Heilmann-Locomotive der gewöhnlichen Dampflocomotive aber insofern als entschieden überlegen gelten, als an der ersteren der Schwerpunkt tiefer gelegt, die Kraft auf eine grössere Zahl Triebachsen vertheilt und – weil die angetriebenen Achsen stets unmittelbar in die kreisende Bewegung versetzt werden – die ungünstige Wirkung hin und her gehender Massen vollständig vermieden ist. Wohl wird bei den gewöhnlichen Dampflocomotiven gleichfalls getrachtet, die Nachtheile der Kolbenbewegungen durch Anwendung möglichst grosser Triebräder thunlichst wegzubringen, allein dabei muss mehr oder minder immer auch eine Verlangsamung der Kolbenbewegungen und eine dementsprechende Verringerung der Pferdestärken mit in den Kauf genommen werden. Bei der Heilmann-Locomotive ist die Dampfmaschine aufs Vollkommenste ausbalancirt und zufolge der Anordnung von sechs Kolben sind durch Bocken oder Schlingen u.s.w. hervorgerufene, schädliche Nebenwirkungen ausgeschlossen. Wird sie mit anderen, für Vollbahnen bestimmte Fahrzeuge dieser Gattung, wie etwa mit der elektrischen Locomotive der Baltimore-Ohio-Eisenbahn (vgl. D. p. J. 1895 297 240; 1896 299 121; 1897 305 88) oder mit der Baldwin-Westinyhoiis-Locomotive (vgl. D. p. J. 1897 305 88) u. dgl. verglichen, so erscheint ihre Freibeweglichkeit und die Ersparung der kostspieligen Kraftanlagen sammt Stromzuführungen als ausgesprochener Vortheil; dementgegen ist der gewöhnlichen elektrischen Locomotive das todte Gewicht erspart, welches die Heilmann-Locomotive an der Last des Kessels, der Dampfmaschinen und Dynamomaschinen mitzuschleppen habe. Allerdings lässt sich auf letzteres wieder entgegnen, dass bei einer Locomotive von 1350 , was die neueste Heilmann'sche Type erreichen soll, eine bedeutende Belastung der Triebachse als Adhäsionsgewicht erforderlich wird, wenn die Locomotive, wie beim Anfahren oder bei der Bergfahrt auf starken Steigungen, mit voller Kraft zu arbeiten hat. Ersichtlichermaassen verringern sich die Nachtheile des grossen Eigengewichtes in demselben Maasse, als letzteres für die Adhäsion gebraucht wird. Alle angeführten Umstände und die bisher gewonnenen Erfahrungen zusammengenommen zeigen, dass Heilmann's Project an sich keineswegs so anfechtbar erscheint, als manche seiner Kritiker rundweg erklärt hatten. Die neuere Heilmann-Locomotive wird von einem eigenthümlich geformten Blechrahmen getragen, der auf zwei achträdrigen Drehgestellen ruht. Die Länge des Locomotivkörpers beträgt 18,5 m und die steife Radbasis 25,2 m; die Vorderseite ist nicht an dem vom Kessel eingenommenen, sondern am anderen Ende. Es hat also der Kessel seinen Platz auf dem rückwärtigen Radgestelle, während in der vorderen Hälfte des Locomotivraumes die Dampfmaschinen und die Generatoren nebst den anderen noch zugehörigen Einrichtungen untergebracht sind. An den beiden Seiten des Kessels befinden sich die Behälter für zusammen 7 t Speisewasser und ebenso liegen neben dem Heizerstande, rechts und links, Behälter für Kohle. Jener Theil, wo die Maschinen sich befinden, ist zum Schütze derselben und der Bedienungsmannschaft von einem aus Stahlblech hergestellten Gehäuse umschlossen, welches zur Herabminderung des Luftwiderstandes vorn eine eigenartige, pfeilförmige Stirnwand besitzt. Bei der ersten Heilmann-Locomotive war ein Leninscher Stahlkessel (vgl. D. p. J. 1892 286 257) von 7,9 m Länge und 1,93 m Durchmesser, 2,25 qm Rostfläche, 18,06 qm Feuerbox- und 127,11 qm Siederohrheizfläche in Verwendung genommen; bei dem jetzigen Modell wurde wieder auf die gewöhnliche Locomotivkesselform zurückgegriffen, doch ist die Feuerbox aus Kupfer nach dem Belpaire'schen System ausgeführt. Im Ganzen sind 351 Siederohre vorhanden, welche je eine Weite von 40 mm und eine Länge von 3,75 m besitzen; die Rostfläche beträgt 3,33 qm und die gesammte Heizfläche des Kessels 185,80 qm. Letzterer kann bei einem Drucke von 14 k/qc 13500 k Dampf in der Stunde liefern. Die den Hauptstrom erzeugenden Dynamomaschinen werden mittels einer sechskurbeligen Willems-Verbunddampfmaschine angetrieben, bei welcher die Cylinder in zwei über einander liegenden Gruppen zu je drei angebracht sind, und zwar befinden sich die mit 30 cm Durchmesser ausgeführten Hochdruckcylinder oberhalb und die Niederdruckcylinder mit 48 cm Durchmesser unterhalb. Die Gesammtleistung beträgt 1500 . Da die Kurbeln an der Welle bei 0°, 120°, 240°, 240°, 120° und 0° angreifen, so ist die Umdrehungsbewegung der Welle trotz der hohen Geschwindigkeit von vollkommenster Gleichförmigkeit. Zwei Gleichstromdynamomaschinen sind direct mit der Dampfmaschinenwelle verbunden, d.h. auf jedem der beiden Wellenenden sitzt je ein Brown'scher gezahnter Ankerring. Die beiden bei Brown, Boveri and Company erzeugten Dynamomaschinen sind sechspolig und liefern 450 Kilo-Watt bei 500 Volt und 400 Umdrehungen in der Minute; es beträgt sonach die Leistung der beiden Dynamomaschinen zusammen 1200 . Der Erregungsstrom für die beiden Generatoren wird von einer eigenen, vierpoligen Brown'schen Dynamomaschine gewonnen, welche bei 550 Touren 140 Ampère × 110 Volt liefert und von einer besonderen, kleinen Willans'schen Dampfmaschine von ungefähr 28 ihren Antrieb erhält. Von den früher erwähnten, gewöhnlich in Parallelschaltung arbeitenden beiden Hauptdynamomaschinen ist der Strom zu einem Schaltbrett geführt, von wo derselbe zu den acht Motoren weiter geht. Von den letzteren sitzt je einer auf jeder Achse der beiden Radgestelle der Locomotive. Die Motoren haben je vier Pole mit zwei wagerecht gestellten Feldern; zu den Feldwickelungen sind isolirte Kupferstreifen verwendet. Der Anker sitzt auf einer hohlen, über die Radachse geschobenen Stahlwelle, welche an einem Ende eine Scheibe trägt; letztere überträgt die Bewegung auf die Radachse durch Vermittelung einer elastischen Kuppelung, nämlich mittels dreier kräftiger Bügel, welche zwischen die Speichen des gegenüber befindlichen Rades hineinreichen und hier durch je zwei einander entgegenstehende, am Rade festgemachte Schneckenfedern klammerartig gehalten werden. Zwischen Radachse und Ankerwelle ist genügend Luft und desgleichen besitzen die Stemmfedern hinreichende Elasticität, um dem Anker selbst in seinen äussersten Leistungen ein gewisses Maass freie Bewegung zu gestatten. Für gewöhnlich sind sämmtliche Motoren zu einander parallel geschaltet und jeder derselben hat seine eigene Speiseleitung, sowie am Schaltbrette seinen eigenen Umschalter; für langsame Fahrt oder bei schweren Zügen können sie jedoch mittels eines Controllers auch zu vieren gruppirt werden. Ein besonderer achtfacher Umschalter ermöglicht es, mit einem Griff in sämmtlichen Motoren die Stromrichtung momentan zu wechseln. Die Geschwindigkeit kann mit Hilfe eines Rheostates regulirt werden, der im Hauptstromwege der Generatoren liegt. Strommess- und Controlapparate, sowie sämmtliche Umschaltevorrichtungen sind zweimal vorhanden, und zwar befindet sich die eine Gruppe am vorderen Ende der Locomotive und die andere in unmittelbarer Nähe der Dampfkesselfeuerung; die erstbezeichneten Apparate kommen für gewöhnlich, nämlich beim Vorwärtsfahren, und letztere beim Rückwärtsfahren zur Benutzung. Das Gewicht der dienstbereiten Locomotive beträgt 124 t, erhöht sich aber für längere Fahrtouren, in welchen Fällen noch ein 45 t schwerer Wassertender beigegeben wird, auf 169 t. Die Versuche mit den Locomotiven der geschilderten neueren Construction wurden auf den Linien der Französischen Westbahn am 12. November 1897 begonnen; dieselben sind derart geplant, dass die Locomotive nach und nach mit Zügen von 150, 200, 250 und 300 t mit den Fahrgeschwindigkeiten von 30, 50, 60 und 100 km/Std. ausprobirt werden soll. Begonnen haben die Probefahrten am vorbezeichneten Tage mit einem 150 t schweren Zug und 30 km/Std. Fahrgeschwindigkeit. Die Erbauer der Locomotive versprechen sich übrigens mit aller Zuversicht jetzt schon, dass dieselbe als äusserste Leistung einen 400 t schweren Zug mit einer Fahrgeschwindigkeit von 100 km/Std. werde ziehen können. Seitdem berichtet indessen schon die Schweizerische Bauzeitung vom 20. November 1897 S. 161, die Versuche mit der Heilmann-Locomotive neuerer Construction hätten so günstige Erfolge ergeben, dass die Generaldirection der Französischen Westbahn sich zur Anschaffung einer Anzahl weiterer solcher Locomotiven veranlasst findet. Letztere sollen 18 m lang werden, 202 t Dienstgewicht haben und im Stande sein, mit einer mittleren Fahrgeschwindigkeit von 100 km/Std. einen Zug von 600 t Gewicht zu befördern. Der durchschnittliche Raddruck wird beiläufig 7,5 t betragen. Die neubestellten Locomotiven sollen zur Zeit der Weltausstellung 1900 auf der Linie Paris-Havre in Dienst gestellt werden. Ganz besonders bemerkenswerth darf es gelten, dass laut eines Berichtes der amerikanischen Zeitschrift Railway. and Engineering-Review die Heilmann'sche Idee auch in Amerika, allerdings in einer etwas abgeänderten Anordnung, und zwar für den Neben- und Kleinbahnbetrieb, selbständig aufgetaucht und gleichfalls mit Erfolgen praktisch verwerthet worden ist, die eine zunehmende Verbreitung solcher Locomotiven in Aussicht stellen. Als Constructeur Patton vor beiläufig 7 Jahren Versuche mit einer Locomotive vornahm, die an Stelle einer Dampfmaschine durch eine Gasmaschine angetrieben wurde, kam er nämlich zur Ueberzeugung, dass mit Rücksicht der Veränderlichkeit der erforderlichen Zugkraft und in Anbetracht der Nothwendigkeit, die Fahrtrichtung nach Bedarf ändern zu können, ein entsprechend elastischer Vermittler zwischen der Gasmaschine und der Radachse eingefügt werden müsse. Auf diese Weise gelangte Patton gleich Heilmann auf die Idee, die Gasmaschine lediglich zur Erzeugung elektrischer Energie zu verwenden und erst der letzteren die Zugförderung zu überantworten; ausserdem benutzte er zur Verwerthung der im Verlaufe des Locomotivdienstes verfügbar werdenden Kraftüberschüsse mitgeführte Accumulatoren. Die ersten einschlägigen Versuche wurden bereits 1892 vorgenommen, zu einer praktischen Anwendung kam es jedoch erst 1897, wo eine Patton'sche Locomotive beim Bau einer Vorortebahn in Chicago zur Verwendung gelangte. Dieselbe hatte ein Gewicht von 11000 k und enthielt einen mit einer Dynamomaschine direct gekuppelten Benzinmotor von 18 , ferner eine Accumulatorenbatterie von 92 Zellen mit 150 Ampère-Stunden Capacität und einen Elektromotor von 35 . Beim Stillstande oder auf Thalfahrten wurde die Batterie geladen, welche ihrerseits die Dynamomaschine zu unterstützen hatte, sobald die Leistung des Benzinmotors den erforderlichen Kraftaufwand nicht zu decken vermochte. Der Generator hatte Nebenschlusserregung, vermöge welcher das System in Stand gesetzt war, sich selbsthätig zu reguliren. Die täglichen Betriebskosten betrugen angeblich nur 25 Proc. von jenen der früher für die gleichen Zwecke in Benutzung gestandenen Dampflocomotive. Auf Grund der mit obiger Locomotive gewonnenen Erfahrung hat Patton kürzlich eine zweite, etwas grössere nach demselben Principe erbaut; bei derselben treibt ein Raymond'scher Gasolinmotor von 25 eine mit ihm direct gekuppelte Crocker-Wheeler'sche Nebenschlussdynamomaschine, welche 15 Kilo-Watt zu 220 Volt liefert. Eine Accumulatorenbatterie von 100 Zellen und 200 Ampère-Stunden dient als Aushilfe. Zwei Elektromotoren von je 35 treiben zwei Locomotivachsen durch einfache Zahnradübersetzung an. Auf dem Dache der Locomotive befindet sich ein Behälter für 110 l Gasolin, sowie ein zweiter Behälter für 330 l Kühlwasser. Letzteres kreist selbsthätig durch ein System von Kühlröhren und es ist anschliessend daran mit Hilfe entsprechend angeordneter Verbindungsröhren und Schlauchkuppelungen die Füglichkeit gewonnen, den Rundlauf des Kühlwassers zu Heizzwecken über die Anhängewagen zu leiten. Eine zweite, ganz gleiche Locomotive ist bereits wieder in Herstellung begriffen, während die soeben geschilderte, erste, seitens einer Eisenbahngesellschaft in Cedar-Falls angekauft wurde. Eben jetzt hat Patton den Entwurf einer dritten Type unter den Händen, welche bedeutend grösser werden und 400 leisten soll. Dieser amerikanische Bericht über die günstige Entwickelung der Patton-Locomotive und jener über das thatsächliche Gedeihen der Heilmann-Locomotive auf der Französischen Westbahn lassen für die mit der Kraftstation combinirten elektrischen Locomotiven, trotz ihrer anscheinenden Complicirtheit, eine beachtenswerthe Zukunft erhoffen, und zwar sowohl hinsichtlich der Verwendbarkeit auf Klein- und Nebenbahnen als hauptsächlich auf Vollbahnen, wo es wesentlich ins Gewicht fällt, dass eben nur im Wege der Heilmann-Locomotive ein elektrischer Betrieb auf bestehenden Linien angebahnt werden kann und das Mittel geboten ist, mit der elektrischen Zugkraft weitgehendere Versuche anzustellen, ohne vorher die Schienenwege einer Aenderung unterwerfen oder kostspielige Kraft- und Stromzuführungsanlagen errichten zu müssen. Elektrische Kraftübertragung. Elektrische Kraftübertragung. Die im J. 1872 gegründete Stadt Fresno in Californien hatte sich bisher wegen des hohen Preises der Kohlen nur langsam entwickelt. In einer Entfernung von 58 km von dieser Stadt befindet sich eine bedeutende Wasserkraft, welche für dieselbe nutzbar gemacht werden sollte. Die Anlage ist im ersten Ausbau für 1000 hergestellt worden, ist aber auf 7000 erweiterungsfähig. Sie ist wegen des sehr grossen Gefälles und der Bodenverhältnisse, welche besondere Constructionen erforderlich machten, von Interesse.The Engineer und E. Z., 1897 S. 177. Das Wasser wird dem betreffenden Flusse durch einen hölzernen Kanal oberhalb der Schneegrenze entnommen und 11 km weit am Bergabhange entlang geführt. Der Kanal kann 2 cbm Wasser in der Secunde führen und das Gefälle bis zur elektrischen Centrale beträgt 427 m. Der Kanal endigt in einem Thale, welches durch einen 3 m hohen und 150 m langen Damm abgeschlossen ist, und in welchem Wasservorrath für mehrere Tage aufgespeichert werden kann. Die Zuführung des Wassers von hier aus zu den Pelton-Rädern geschieht durch ein 1220 m langes Stahlrohr, das unten stärker ausgeführt ist. Der obere Theil ist 61 cm, der untere 51 cm weit und die Wandstärke beträgt oben 6,3 mm und unten 14 mm. Das Rohr ist durch starke Bolzen in den Felsen verankert, jedoch so, dass es sich den Temperaturschwankungen gemäss ausdehnen kann. Solange das Rohr kein Wasser führte, war es der Erwärmung durch die Sonne ausgesetzt. Bei der Verlegung der beiden Abtheilungen wurden dieselben beide von unten aus aufgebaut, und zwischen beiden vorläufig ein 2 m langes Stück frei gelassen. Am Mittag war diese Unterbrechungsstelle 200 mm kürzer als vor Sonnenaufgang. Um eine Beanspruchung des Rohres durch Temperaturschwankungen zu vermeiden, wurde das fehlende Verbindungsstück um 2 Uhr Nachts eingesetzt und das Rohr mit Wasser gefüllt, damit es der Erwärmung durch die Sonnenstrahlung weniger ausgesetzt sei. Am unteren Ende kommt das Wasser in ein 17 m langes wagerechtes Rohr und wird von diesem aus durch Röhren den Pelton-Rädern zugeführt. Im Ganzen sind zur Aufstellung gekommen drei Pelton-Räder von je 500 und jedes direct mit einem Drehstrommotor von 250 Kilo-Watt Leistung gekuppelt. Wenn man bedenkt, dass der Wasserdruck 40 at beträgt und das Gewicht der in Bewegung befindlichen Wassersäule mehr als 300000 k ausmacht, so ersieht man, dass eine gute Regulirung auf die constante Geschwindigkeit von 600 Umdrehungen in der Minute keine leichte Aufgabe war. Die Schieber für den Wasserzulauf werden durch hydraulische Kolben bewegt und die ganze Einrichtung musste mehrmals umgeändert werden, ehe es gelang, die Druckschwankungen innerhalb der Grenzen von ± 2 at zu bringen. Eine weitere Schwierigkeit bildete die zerstörende Wirkung des von den Rädern abgeschleuderten Wassers. Der Betonfussboden der Radkammer wurde in wenigen Tagen zerstört und selbst der darunter liegende Felsen angegriffen. Jetzt wird dieser Fussboden unter den Rädern mit Platten von Gusseisen abgedeckt. Die Abnutzung ist wegen der grossen Geschwindigkeit von 60 m in der Secunde und der mitgeführten Steinchen ziemlich bedeutend. In Amerika hat man sich noch nicht mit dem in Deutschland üblichen System befreundet, nach welchem die hohe Spannung direct in der Maschine erzeugt wird, sondern verwendet Transformatoren. Die elektrischen Maschinen in der Kraftstation sind für 700 Volt gebaut und der Strom wird zunächst auf 11200 Volt gebracht und dann in die Leitung geschickt. Letztere besteht aus 2 × 3 Drähten, die auf Holzmasten und 3fachen Isolirglocken befestigt sind. In der Stadt Fresno ist eine Unterstation, in welcher die Spannung herabgesetzt wird, und zwar auf 3000 Volt für die grossen Maschinen, auf 1000 Volt für entferntere Vertheilungspunkte und auf 115 Volt für die Glühlichtbeleuchtung in der Stadt. Eine wichtige Verwendung des Stromes ist die des Betriebes der Pumpen im städtischen Wasserwerke, welche früher durch Dampf erfolgte. Es sind jetzt an das Werk angeschlossen 145 Bogenlampen, 5000 Glühlampen und 410 -Motoren. Der Strompreis beträgt 265 M. für 1 jährlich, wobei die Kraft Tag und Nacht ununterbrochen bezogen werden kann. Rr. Apparat zum Fernmelden der Temperatur. Mit Abbildungen. Apparat zum Fernmelden der Temperatur. Die hierzu dienende Vorrichtung von Töpfer und Schädel in Berlin (D. R. P. Nr. 92866) besteht aus dem eigentlichen Thermometer und der von diesem in Thätigkeit gesetzten Contactvorrichtung. Das Thermometer besteht aus mehreren Spiralen, welche aus Metallstreifen mit verschiedenen Ausdehnungscoëfficienten zusammengesetzt sind. Die Spiralen sind auf einer drehbaren Achse so angeordnet, dass sie sich gegenseitig in der Bewegung unterstützen. Textabbildung Bd. 308, S. 18 Apparat zum Fernmelden der Temperatur von Töpfer und Schädel. Auf der Achse b (Fig. 1 und 2) sind die beiden Spiralen ss1 befestigt; das Ende a0 der einen ist bei a jedoch regelbar durch die Mikrometerschraube z festgeklemmt, während das Ende c0 der anderen bei c frei beweglich ist. Zwischen letzterem Ende und dem Radsegment, welches um eine Achse drehbar ist, ist eine auf dem Schenkel q des Radsegmentes verstellbare starre Verbindung p hergestellt, welche die Bewegungen des Spiralenendes c0 auf das Radsegment überträgt. Das Radsegment greift wieder in einen Trieb h0 ein, auf dessen Achse h die Contacträder gg1 mit den Sperrädern ee sitzen. Die Contacträder sind auf der Achse h drehbar, während die Sperräder fest sind, so dass entweder das eine oder das andere Contactrad bei einer Drehung der Achse durch die Sperrkegel k mitgenommen wird, je nachdem das Spiralende c0 nach rechts oder links sich bewegt bezieh. die Temperatur fällt oder steigt. Neben den Contacträdern sind federnd Rollen rr1angebracht, welche sich zwischen die Zähne der Räder legen und so einerseits eine selbständige Bewegung der Räder verhindern, andererseits ein rasches Weiterrücken um stets einen Zahn bewirken. Die Contactvorrichtung f0f0' besteht aus je einer Feder f1 für jedes Rad, welche über die Spitzen der Contactradzähne hinwegschleift und so angeordnet ist, dass der Contact beim Weiterrücken augenblicklich geschlossen und gelöst wird. Durch die Mikrometerschrauben z1z2 können noch die Träger der Rollen rr1 in ihrer Lage je nach Bedarf verstellt werden. Zum Ablesen der Temperatur dient ein System von zwei gegenüber stehenden Elektromagneten (Fig. 3), durch deren wechselseitige Wirkung das Vor- oder Rückwärtsgehen eines Zeigers verursacht wird. Der Stromlauf ist folgender: Von der Batterie b0 durch die Metallmasse des Apparates zu den Contacträdern gg1 und bei steigender Temperatur über f0, Elektromagnet w des Zeigerwerkes und zur Batterie zurück; bei sinkender Temperatur über f0', Elektromagnet k und zurück zur Batterie. Rr. Fortschritte der angewandten Elektrochemie. Von Dr. Franz Peters. (Fortsetzung des Berichtes Bd. 307 S. 276.) Mit Abbildungen. Fortschritte der angewandten Elektrochemie. C. Organische Elektrochemie. L. Gourwitsch gibt eine Uebersicht über die Anwendungen der Elektrolyse in der organischen Chemie (Moniteur scientif., 1897 Sér. 4 Bd. 11 S. 409). W. G. Mixter (Amer. Journ. of Science, 1897 Bd. 4 S. 51) hat Gemische verbrennlicher Gase mit Sauerstoff in Eudiometern der Wirkung eines elektrischen Wechselfeldes, das durch ein Inductorium erhalten wurde, ausgesetzt. Die Verbrennung fand langsam und stetig statt; ihre Geschwindigkeit war abhängig von der Natur der Gase, dem Druck und der Stromstärke. Ungesättigte Verbindungen scheinen schneller oxydirt zu werden als gesättigte. A. de Hemptinne (Belgische Akad. d. Wissenschaften vom 3. Juli 1897; Chemiker-Zeitung, 1897 Bd. 21 S. 651) hat den Einfluss festgestellt, den bei der Synthese organischer Verbindungen durch dunkle elektrische Entladung die Entfernung der beiden Belegungen, die mit der Inductionsspirale verbunden sind, auf die Natur der Producte ausübt. Bei der elektrolytischen Darstellung von Jodoform aus alkoholischer Kaliumjodidlösung verläuft nach K. Elbs und A. Herz (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 113) die Umsetzung nach der Gleichung: CH3 . CH2OH + 10 J + H2O = CH J3 + CO2 + 7 HJ und nicht nach CH3 . CH2OH + 8 J + H2O = CHJ3 + H . COOH + 5 HJ. Als Nebenproducte entstehen hauptsächlich jodsaures und vielleicht auch etwas überjodsaures Alkali. Nennenswerthe Mengen von unterjodigsaurem Salz finden sich dagegen zu keiner Zeit in der Anodenflüssigkeit vor. Aethyljodid war manchmal zu riechen, konnte aber nicht in sicher nachweisbaren Mengen gewonnen werden. Die günstigste Temperatur für die Jodoformbildung liegt zwischen 60 und 70°; auch die Bildung der Jodsäure nimmt unter sonst gleichen Umständen im Allgemeinen mit der Temperatur zu. Mit wachsendem Sodagehalte (über 6 g auf 100 cc) sinkt die Ausbeute an Jodoform schwach, während die an Jodsäure stark ansteigt, weil ein grösserer Theil des Stromes durch die Soda geht und deshalb durch die in Folge der Entladung von CO3-Ionen verfügbare und anwachsende Sauerstoffmenge mehr Jod oxydirt wird. Aus diesem Grunde wird auch die Ausbeute mit wachsender Kaliumjodid- und Alkoholmenge grösser. Bei Anwendung einer aus 5 g wasserfreier Soda, 10 g Kaliumjodid, 20 cc Alkohol von 96 Proc. und 100 cc Wasser bestehenden Lösung bei 60° ist eine höhere Anodenstromdichte als 1 Ampère ungünstig. Nahezu quantitative Ausbeuten erhält man bei continuirlichem Arbeiten, d.h. wenn man allstündlich das abgeschiedene Jodoform entfernt und die Anodenflüssigkeit durch Zusatz von Soda, Kaliumjodid und Alkohol wieder auf den ursprünglichen Gehalt bringt. Lässt man das Diaphragma weg, so wird die reducirende Wirkung des Wasserstoffs die Ausbeute an Jodoform beeinträchtigen. Man erhält aber ziemlich ebenso gute Resultate wie mit Diaphragma, wenn man eine kleine Kathode in genügender Entfernung von der Anode in den oberen Flüssigkeitsschichten anbringt. Anoden aus Nickel sind unbrauchbar. Bei Verwendung von gereinigtem Aceton statt Alkohol trat bald freies Jod auf. Jodirte Ketone waren durch den Geruch erkennbar. Mit dem Jodoform schied sich ein rothbraunes Pulver, aus der Flüssigkeit eine rothbraune Schmiere ab. Wurde die Soda durch Aetznatron ersetzt, so war Jodoform nur am Geruch zu erkennen, und der Elektrolyt färbte sich durch Condensationsproducte des Acetons rothbraun. Nach F. Foerster und W. Mewes (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 268) ist die Reduction des Jodoforms durch den an der Kathode entwickelten Wasserstoff nur unwesentlich. Man kann also ohne Thonzelle arbeiten. Da aber in diesem Falle sehr viel Jod sich eher mit dem an der Kathode gebildeten Alkalihydrat umsetzen als Jodoform bilden würde, müssen die Kathoden, die auch aus Blei bestehen können, mit Pergamentpapier umhüllt werden. In diesem Falle kommt man bei Stromdichten bis 3 Ampère mit Spannungen bis 2,5 Volt aus, während man beim Gebrauche einer Thonzelle bis 6 Volt nöthig hat. Ausserdem wird freies Alkalihydrat in der Lösung erscheinen, das durch Einleiten von Kohlensäure in das die Jodoformbildung begünstigende Carbonat umgewandelt werden muss. Das Carbonat führt viel schneller als das Hydrat freies Jod in Hypojodit über, und dieses ist für die Jodoformbildung wesentlich. Bildet sich zu viel Hypojodit, so geht es zum Theil in Jodat über und bildet aus dem Alkohol etwas Essigsäure. Die Kohlensäure muss in solchem Maasse eingeleitet werden, dass eine kleine Menge Bicarbonat zugegen ist, und die Lösung während der Elektrolyse eine blass- bis strohgelbe Farbe zeigt. Die Stromdichte kann bis 3 Ampère auf 1 qdm betragen, wird aber mit besserem Erfolge zu 1 Ampère genommen. Bei continuirlicher Darstellung ist es vortheilhaft, den Kaliumjodidgehalt so lange constant zu halten, bis die Menge des gebildeten Kaliumcarbonats der des ursprünglich vorhandenen Natriumcarbonats etwa gleich kommt (aber durchaus nicht das Fünffache wird), dann den weiteren Kaliumjodidzusatz zu unterlassen und den Rest des Salzes soweit thunlich in Jodoform umzuwandeln. Die Darstellung von Chloroform und Bromoform gelingt, auch ohne Einleiten von Kohlensäure, auf die für Jodoform vorgeschriebene Art und Weise nicht, wie viele im elektrochemischen Laboratorium der Technischen Hochschule Berlin ausgeführte Versuche beweisen, und wie es K. Elbs und A. Herz (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 118) bestätigen. Zum Pasteurisiren von alkoholhaltigen Flüssigkeiten bringt L. Müller (D. R. P. Nr. 90335) einen Apparat in das Fass, der aus einem Gehäuse mit elektrischem Heizkörper, einem Rohre, das zur Aufnahme der Drahtleitungen dient, und einer Contactbüchse mit mehreren Contactstellen besteht. Durch entsprechende Stöpselung kann der Strom entweder durch den Heizkörper oder einen Theil davon oder zum Gehäuse oder durch Heizkörper und zum Gehäuse gleichzeitig geleitet werden, so dass das Gehäuse entweder als Wärmequelle oder als Elektrode oder für beide Zwecke zugleich dient. Ueber die Elektrolyse von Alkalisalzen organischer Säuren macht Jul. Petersen (Oversigt over Videnskabernes Selskabs Forhandlinger, 1897 Bd. 4 S. 397) Mittheilungen, die kaum etwas Neues bieten. Bei der durch v, Miller und Hofer bereits früher vorgeschlagenen Elektrosynthese von Monocarbonsäuren aus Gemischen von estersauren und fettsauren Salzen erhält man nach v. Miller (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 55) bei Verwendung des Estersalzes der Malonsäure viel schlechtere Ausbeuten als mit Kaliumäthylsuccinat. Die besten Resultate erzielt man bei einem Verhältniss des fettsauren Salzes zum Esterkaliumsalz von 3 : 1. Bei der Elektrolyse wird das fettsaure Salz am stärksten zersetzt. Die Lösung des Kaliumsalzes des unsymmetrischen Tricarballylsäurediäthylesters in der Concentration 1,5 : 1 gab bei der Elektrolyse mit Kaliumacetat Aethylbernsteinsäureester. Aehnlich lieferte der Monoester der Tricarballylsäure Crotonsäureester. Auf diese Art kann also die Constitution organischer Säuren aufgeklärt werden. Bei Elektrolyse des Diesters allein trat Synthese nicht ein. Die Elektrolyse von Acetaten der Metalle constanter Valenz (Natrium, Kalium, Ammonium, Magnesium, Calcium, Zink und Aluminium) liefert nach E. Bauer (Dissertation, Giessen 1897; Wiedemann's Beiblätter, 1897 Bd. 21 S. 601), wenn die wässerige Lösung nicht zu verdünnt und die Stromdichte nicht zu gering ist, in der Kälte an der Anode Gase, die hauptsächlich Aethan und Kohlensäure, und zwar um so mehr, je höher die Stromdichte ist, enthalten. Sauerstoff und Ester (Methylacetat) sind in geringer Menge vorhanden. Bei Calcium, Magnesium und Kalium entstehen nicht unbedeutende Mengen Aethylen, bei Natrium, Ammonium und Zink nur sehr untergeordnete. In Siedhitze liefert die Elektrolyse an Gasen fast nur Sauerstoff neben wenig Kohlensäure und sehr wenig Aethan. Die Bildung von Aethylen, Methylacetat und Ameisensäure tritt dagegen stark zurück. Metalle mit mehreren Valenzen nehmen bei der Elektrolyse die höhere an. Dieser Uebergang erfolgt ausser beim Chrom durch Anlagerung des Anions an das ursprüngliche Metallacetat. K. Elbs hat schon früher Trichloressigsäuretrichlormethylester elektrolytisch erhalten. Nach neueren Untersuchungen von K. Elbs und K. Kratz (Journ. f. prakt. Chemie, 1897 Bd. 55 S. 502) oxydirt man zu seiner Darstellung am besten die concentrirte wässerige Lösung eines Gemisches aus ungefähr gleichen Theilen trichloressigsaurem Natrium und Zink mit DA, qdm = 40 bis 50 Ampère unter Kühlung mit Eiswasser. Die Stromausbeute beträgt 10 bis 30 Proc. der Theorie. Brazier und Gossleth haben früher durch Elektrolyse von capronsaurem Alkali Diisoamyl erhalten. Neuere Versuche, die mit einer Anode aus dickem Platindraht, einem Strome von 4 Volt und unter Einsetzen der Zelle in ein Kühlgefäss von 0 bis 5° vorgenommen wurden, lieferten P. Rohland (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 121) das bei 172 bis 173° siedende normale Dekan. Eine 29,4procentige Lösung von caprylsaurem Kalium gab unter denselben Versuchsbedingungen ein bei 252 bis 253° siedendes Tetradekan. Bei der Elektrolyse einer 5,8procentigen Lösung von heptylsaurem Kalium mit Dqc= 0,0647 Ampère entstand ausschliesslich bei 215° siedendes Dodekan, bei Anwendung einer 15- und 27procentigen Lösung daneben ein Gemisch ungesättigter Kohlenwasserstoffe von der Formel CnH2n. Die Polymerisationsfähigkeit der Anionen zu Kohlenwasserstoffen scheint mit steigendem Kohlenstoffgehalte zuzunehmen. Bei den ungesättigten Säuren bleiben die Anionen nicht intact, sondern zerfallen. So wurde bei der Elektrolyse einer massig concentrirten Lösung von undecylensaurem Kalium mit Dqc = 0,06475 Ampère ein Gemenge von öligen Kohlenwasserstoffen der Reihe CnH2n–2 erhalten. Auch die Elektrolyse einer 5procentigen Lösung von ölsaurem Kalium ergab ein Gemisch ungesättigter Kohlenwasserstoffe. Die Kaliumsalze der β-Methylglycid- und β-Methylglycerinsäure erleiden nach L. W. Pissarshewsky (Russ. phys.-chem. Gesellschaft vom 3./15. April 1897; Chemiker-Zeitung, 1897 Bd. 21 S. 564) bei der Elektrolyse dieselbe Zersetzung wie die von v. Miller und Hoff untersuchten Oxysäuren. Desruelles (Französisches Patent Nr. 251363) lässt zur Reinigung von Fetten mittels Elektricität durch sie einen Strom zwischen Anoden, die durch die freien Säuren des Oels angreifbar sind, und zwischen unangreifbaren Kathoden gehen. Die Anoden können aus Magnesium, Zink oder Eisen, die Kathoden aus Aluminium oder Kohle bestehen. Um den Widerstand möglichst zu verringern, nimmt man viele Elektroden mit grosser Oberfläche. Vom Isonitrosoaceton hofften F. B. Ahrens und Georg Meissner (Ber. d. d. chem. Gesellsch., 1897 Bd. 30 S. 532) durch Elektrolyse zum Amidoaceton zu gelangen. Sie erhielten aber, und zwar in schlechter Ausbeute, Dimethylpyrazin, Ketin, C6H8N2. 100 g Isonitrosoaceton wurden in 200 g 5procentiger Schwefelsäure gelöst und mit Bleikathode durch Dk, qdm = 3 bis 7 Ampère und E = 4 bis 6 Volt 3 bis 5 Stunden bis zur lebhaften Wasserstoffentwickelung reducirt. Die Platinanode stand in 5procentiger Schwefelsäure. Die Reinigung von Zuckersäften durch Elektrolyse betreffend, hat Gustav Schollmeyer (Elektrochem. Zeitschr., 1897 Bd. 4 S. 79) von Neuem festgestellt (vgl. D. p. J. 1897 304 284), dass bei einer Spannung von 5 Volt durchschnittlich nur 0,05 Ampère-Stunden für 1 l Rohsaft erforderlich sind, und dass der Kalkzusatz um rund 50 Proc. vermindert werden kann. Ausserdem wurde aber erwiesen, dass die mit geringer Kalkzugabe (0,25 Proc.) elektrolysirten Säfte filtrirbar sind und nach der Filtration eine Reinheit zeigen, die annähernd gleich der von Säften ist, die mit der 8- bis 10fachen Kalkmenge behandelt und dreimal saturirt wurden. Aehnliche Beobachtungen hat Madejski (Deutsche Zuckerind., 1897 S. 812) gemacht. Ozon verwenden Bourdon und Fradin (Französisches Patent Nr. 257189) zur Reinigung und Klärung von Zuckersäften. Eine Behandlung mit Thierkohle folgt. The Rectifying and Refining Co. (Französisches Patent Nr. 262214) empfiehlt den gleichzeitigen Gebrauch von Elektricität und Ozon, das während des Stromdurchganges oder nachher zugeleitet wird. Die Kathoden bestehen aus indifferentem Material, beispielsweise Kohle; die Anoden vortheilhaft aus Aluminium, da die entstehende Thonerde die Reinigung unterstützt. In Vertiefungen der Anoden kann auch noch Thonerde eingetragen werden. Die entfärbende Wirkung der schwefligen Säure auf Zuckersäfte will E. Urbain (L'Éclairage électr., 1897 Bd. 13 S. 192; Französisches Patent Nr. 262656) durch Elektricität unterstützen. Durch das combinirte Verfahren konnte ein Syrup von der Farbe 4 statt auf 2,1 auf 0,9 gebracht werden. Die bessere Wirkung rührt von der Ueberführung der schwefligen Säure durch den Wasserstoff an der Kathode in hydroschweflige Säure her. Unreinigkeiten werden ausserdem, wie schon früher von Anderen vorgeschlagen ist, durch Verwendung löslicher Anoden gefällt. Diese bestehen bei der Verarbeitung von Syrupen aus Blei, bei der von Rohsäften aus Zink, die Kathoden immer aus Zink. Während bei Einwirkung von freiem Stickstoff auf Carbide eine Anregung zur Cyanbildung durch Wasserdampf erfolgen muss (vgl. D. p. J. 1897 304 284), ist diese nach Nicodem Caro und Adolph Frank (D. R. P. Nr. 92587) nicht nöthig, wenn man den Stickstoff im Entstehungszustande wirken lässt. So kann man z.B. Ammoniakgas über Carbid oder ein Gemisch von Carbiden oder von Carbid mit Alkalien (Oxyd, Hydroxyd, Carbonat u.s.w.) leiten. Stickstoff wird gebunden; es entweicht fast reiner Wasserstoff, der z.B. als Heizmaterial bei dem Verfahren dienen kann. Wendet man Stickoxyde an, so wirkt der daraus abgespaltene Sauerstoff auf einen Theil des Carbids oder auf Beimengungen oxydirend. Auf ein ganz ähnliches Verfahren haben A. v. Rad und J. Rosenfels ein englisches Patent (Nr. 1022/1896) erhalten, das auch die Readman'sche Gewinnung von Ferrocyaniden (vgl. D. p. J. 1897 304 284) mit einschliesst, H. Mehner (D. R. P. Nr. 91814; Französisches Patent Nr. 261862) elektrolysirt eine Bariumcyanidschmelze bei Weissglut mit einer Kohlekathode, die durch den Strom zum Glühen gebracht ist. Das Cyanid wird an der Kathode durch deren Verbrauch und Zuleiten von Stickstoff regenerirt. Um das Cyan unmittelbar zu binden, kann auch (D. R. P. Nr. 94493) der Cyanidschmelze an der Anode Natriumchlorid o. dgl. vorgeschaltet werden. Man hält dann die beiden Schmelzen durch ein Diaphragma und einen Treppenrost oder ein Steingitter getrennt. Auf die Darstellung von Blausäure durch Verpuffung eines Gemisches von Acetylen mit Stickstoffoxyd durch den elektrischen Funken (vgl. D. p. J. 1897 304 283) hat A. R. Huntington jetzt auch ein deutsches Reichspatent (Nr. 93852) erhalten. Einzelheiten über T. Willson's Verfahren zur Herstellung von Cyaniden (vgl. D. p. J. 1897 304 283) gibt Lond. Electrical Review, 1897 Bd. 40 S. 394. Die Cyanide liefern bei der Zersetzung mit überhitztem Wasserdampf Ammoniak. (Vgl. auch H. Mehner, Französisches Patent Nr. 263623.) H. Pommerehne (Archiv f. Pharmacie, 1897 Bd. 235 S. 364) erhielt durch mehrtägige Einwirkung eines Stromes von 4 Volt auf eine mit Schwefelsäure angesäuerte Lösung von Coffeïn: Amalinsäure, Ameisensäure, Ammoniak und Methylamin. Eine Lösung von Morphin färbte sich fast schwarz und gab nach einigen Tagen Krystalle von Oxydimorphinsulfat. Eine ebenso behandelte Chininlösung lieferte nach dem Eindunsten eine grüne harzartige Masse, die vielleicht mit Thalleiochin identisch ist. Die Kohlenstoffverbindungen können unter dem Einflüsse der elektrischen Entladung Stickstoff aufnehmen. Die Grenze der Aufnahmefähigkeit liegt nach Berthelot (Académ. des Sciences vom 15. März 1897; L'Éclairage electr., 1897 Bd. 11 S. 96) für Benzol bei 0,12 seines Gewichts, für Schwefelkohlenstoff, der schneller absorbirt, bei 0,117, für Thiophen, bei dem die Absorption langsamer als beim Schwefelkohlenstoff ist, bei 0,086. Aus Benzol scheint ein Diphenylendiamin zu entstehen. Textabbildung Bd. 308, S. 21 Fig. 1. Reductionsapparat mit Alkaliamalgam. Organische Verbindungen will C. Kellner (D. R. P. Nr. 94736) durch elektrolytisch erzeugtes Alkaliamalgam reduciren. In der Zelle I (Fig. 1) ist b eine widerstandsfähige Anode. Eine Quecksilberschicht am Boden bildet die Kathode und gleichzeitig, da sie durch den zwischen beiden Zellen und der Scheidewand gebildeten Siphon hindurchgeht, die Lösungsanode der mit Kathode c versehenen Zelle II. In I befindet sich Alkalichloridlösung, in II z.B. eine organische Nitroverbindung. Das bei der Elektrolyse in I gebildete Alkaliamalgam wird, z.B. durch Pumpe d, nach II befördert. Hier wird es mit der Kathode c durch die Leitungen g kurz geschlossen. Es entwickelt sich an c Wasserstoff, der im Entstehungszustande die Nitrokörper reducirt. Diese Reduction kann geregelt werden: 1) durch Aenderung der Stärke des Hauptstromes, wodurch das Amalgam an Alkalimetall reicher oder ärmer wird; 2) dadurch, dass man die Zersetzungsgeschwindigkeit des Amalgams in II variirt. Zu dem Zwecke kann der Kurzschluss entfernt und durch einen Regulirwiderstand e ersetzt werden. Man kann auf diese Weise aus Nitrokörpern nach Belieben vorzugsweise Azo-, Hydrazo- oder Amidokörper erhalten. Walther Löb (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 3 S. 471) hat Versuche angestellt, ob allgemein bei der Reduction von Nitrokörpern in saurer Lösung primär ein im Ammoniakrest substituirtes Anilin entsteht, das dann secundär den Substituenten in den Benzolkern treten lässt, gemäss dem Schema: C6H5 . NO2 + 2 H2 + HX = C6H5 . NHX + 2 H2O und C6H5 . NHX = O6H4X . NH2. Die Versuche verliefen nicht in dem angestrebten Sinne. Die Lösung von 25 cc Nitrobenzol in 100 cc Ameisensäure, die mit 3 cc concentrirter Schwefelsäure versetzt war, gab als Kathodenflüssigkeit mit Platin oder Blei als Kathode (Anodenflüssigkeit: verdünnte Schwefelsäure, Anode: Kohle oder Platin) mit Strömen von 0,5 bis 22 Ampère und 4 bis 30 Volt bei 30 bis 40° oder der Siedetemperatur in 2 bis 50 Stunden primär hauptsächlich Hydrazobenzol, das sich durch die Säure schon während der Elektrolyse in ameisensaures Benzidin umlagerte. Ausbeute 70 Proc. der Theorie. Die erhofften Amidobenzoësäuren wurden nicht erhalten. Eine in kleiner Menge gewonnene violettblaue Base wurde nicht weiter untersucht. Aehnlich lieferte die Elektrolyse einer mit 3 cc concentrirter Schwefelsäure versetzten Lösung von 10 g Nitrobenzol in 50 bis 150 cc Eisessig, dem zuweilen noch 10 bis 20 g Oxalsäure beigefügt wurden, mit Strömen von 1 bis 20 Ampère und 4 bis 18 Volt in 6 bis 12 Stunden bei 30 bis 40° als Hauptproduct Benzidin, als Nebenproducte Azobenzol, spurenweise p-Amidophenol und die violette Base. Die Ausbeuten an Benzidin betragen ohne Zusatz der Oxalsäure 70 bis 80 Proc. der Theorie. Bei der kathodischen Einwirkung eines Stromes von 1,2 bis 0,5 Ampère (Dqdm = 1,8 bis 0,75 Ampère) und 6,5 Volt auf eine Lösung von 10 g Nitrobenzol in 70 cc Alkohol und 30 cc concentrirter wässeriger Ammoniakflüssigkeit, der zur Erhöhung des Leitvermögens 5 g Salmiak zugesetzt waren, wurden 5,5 g Azobenzol und 2 g Hydrazobenzol erhalten. Ferner entstand (69. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte; Chemiker-Zeitung, 1897 Bd. 21 S. 830) bei der elektrolytischen Reduction von Nitrobenzol in salzsaurer alkoholischer Lösung mit Strömen schwacher Spannung bei Gegenwart von Formaldehyd als Condensationsmittel ein beständiger basischer Körper von der Formel \mbox{C}_6\mbox{H}_4\left<{{\mbox{NH}-\mbox{CH}_2-\mbox{NH}}\atop{\mbox{CH} _2-\mbox{O}-\mbox{CH}_2}}\right>\mbox{C}_6\mbox{H}_4 Bei Strömen höherer Spannung bildete sich der erwartete o-Hydroxylaminobenzylalkohol. Durch Reduction von p-Nitrotoluol bei Gegenwart von Formaldehyd entstand mit etwa 60 Proc. Ausbeute Dimethyl-p-toluidin durch Reduction des Zwischenproductes Textabbildung Bd. 308, S. 22 Tetraoxyazobenzol will Johann Heilpern (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 89) durch elektrolytische Oxydation von Azobenzol in concentrirter Schwefelsäure mit einem Strome von 3 bis 4 Ampère in etwa 5 Stunden unter Kühlung erhalten haben. Die Kathodenflüssigkeit bestand aus einer ziemlich concentrirten Lösung von Aetzkali oder Kaliumchromat. Aus 5 g Azobenzol wurden 5 g Tetraoxyazobenzol gewonnen. Vanillin erhält Dr. F. v. Heyden Nachf. (D. R. P. Nr. 92007) durch elektrolytische Oxydation einer Isoeugenolsalzlösung (am besten Alkalisalz). Als Kathodenflüssigkeit dient eine alkalische gut leitende Lösung, z.B. die von Alkalihydroxyd oder carbonat. Die Anodenflüssigkeit wird nach der Elektrolyse angesäuert, ausgeäthert und mit Bisulfit versetzt. Man arbeitet z.B. bei Verwendung einer Anodenflüssigkeit, die 15 Proc. Isoeugenol in überschüssiger Natronlauge enthält, und 10- bis 20procentiger Natronlauge als Kathodenflüssigkeit bei 60° mit Dqm = 1304 Ampère und E = 5 Volt. Aehnlich wie bei den Fettsäuren (vgl. vorher) hat v. Miller (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 57) bei der Elektrolyse von äthylbenzylmalonsaurem Kalium mit Kaliumacetat α-Methylhydrozimmtsäureester, aber als zweites Hauptproduct auch Dibenzylbernsteinsäureester erhalten. Als Nebenproducte entstanden Hydrozimmtsäure und Zimmtsäure. Nach Coehn und v. Euler (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 63) wandern Colloide, die aus Nichtelektrolyten bestehen, wie suspendirte Theilchen entgegen dem Wasser zur Anode, dagegen Colloide, die dissociirbar sind (wie Metallhydroxyde), umgekehrt zur Kathode. Von ersterem Vorgange macht man bei der elektrischen Gerbung Gebrauch. Auch Cerych (D. R. P. Nr. 95187) benutzt die elektronegative Natur des Gerbstoffs bei der Anreicherung von Gerbstoffbrühen und -extracten. Diese fliessen durch den Anodenraum, leitend gemachtes Wasser im Gegenstrom durch die Kathodenabtheilung. Sofort nach Stromschluss wird das Kathodenwasser durch eindiffundirendes Kali- und Kalkhydrat alkalisch; Flocken von Metallhydroxyden scheiden sich ab. Gerbstoff bleibt im Anodenraum und reichert sich dort an, bis zu einer bestimmten Grenze um so mehr, je höher die Stromstärke und je länger die Wirkungsdauer ist. Stromdichte und Spannung müssen so gewählt werden, dass die Gerbsäure nicht zersetzt wird. Die Kathode besteht aus Kupfer oder Kohle, die Anode am besten aus Kohle. Als Diaphragma ist Pergamentpapier verwendbar. Enthalten die Extracte auch Mineralsäuren, so bringt man sie am besten in eine zwischen den Elektroden angeordnete poröse Mittelzelle. Bei Eichenholzbrühen erhöhte die Behandlung mit 8 Volt und 1 Ampère-Stunde in 1 l von 2,5° Bé. den Gerbstoffgehalt so, dass er um 6 Proc. auf 100 Trockensubstanz mehr betrug als vorher. Blaue beizenfärbende Farbstoffe stellt die Badische Anilin- und Sodafabrik (D. R. P. Nr. 92800 und Nr. 92998) durch elektrolytische Reduction von Dinitroanthrachinon, das in rauchender Schwefelsäure bei gewöhnlicher Temperatur gelöst ist, dar. Der durch Diaphragma abgeschiedene Anodenraum ist mit Schwefelsäure von 66° Bé. gefüllt. Man lässt den elektrischen Strom nur so lange wirken, bis alles Dinitroanthrachinon in Lösung gegangen ist und eine in Wasser gegossene Probe noch keinen oder nur sehr wenig unlöslichen Farbstoff abscheidet. Bei der Elektrolyse von Nitrosopiperidin hat Felix B. Ahrens früher (D. p. J. 1897 304 287) eine Base erhalten, die als Dipiperidyl, C10H20N2, angesprochen wurde. Bei näherer Untersuchung (Ber. d. d. chem. Gesellsch., 1897 Bd. 30 S. 533) erwies sie sich als ein Dipiperideïn, C10H18N2, das bei Reduction mit Zinn und Salzsäure zwei isomere Basen lieferte, unter denen sich Piperidin nicht befand. Zu ihrer Darstellung wird am besten die Lösung von 5 g Nitrosopiperidin in 60 g 30procentiger Schwefelsäure mit DA, qdm = 12 bis 15 Ampère und E = 4 bis 5 Volt 2 Stunden lang elektrolytisch oxydirt, wobei die Elektroden aus Platin bestehen and die Kathodenflüssigkeit 30procentige Schwefelsäure ist. Man erhält ein dickes Oel, das bald Krystalle abscheidet. Diese schmelzen nach dem Umkrystallisiren aus Aceton glatt bei 96 bis 97° und riechen schwach narkotisch. Ein Dipiperideïn entsteht (Ber. d. d. chem. Gesellsch., 1897 Bd. 30 S. 533) neben Kohlendioxyd durch elektrolytische Oxydation von 5 g Nitrosopiperidin in 30procentiger Schwefelsäure mit DA, qdm = 12 bis 15 Ampère und E = 4 bis 5 Volt. Dimethylpyrazin haben F. Ahrens und G. Meissner (Ber. d. d. chem. Gesellsch., 1897 Bd. 30 S. 532) durch elektrolytische Reduction einer Lösung von 10 g Isonitrosoaceton in 200 g 5procentiger Schwefelbalancirt mit Dk, qdm = 3 bis 7 Ampère unter Benutzung von Bleikathoden gewonnen. Im Anodenraum befand sich Platin in 5procentiger Schwefelsäure. Cotarnin führen R. Wolffenstein und E. Bandow (D. R. P. Nr. 94949) durch elektrolytischen Wasserstoff quantitativ in sofort reines Hydrocotarnin über. Zur Darstellung von Kampher elektrolysirt J. C. Richardson (Englisches Patent Nr. 3555/1896) Terpentinhydrochlorid in geschmolzenem Zustande oder in alkoholischer oder alkalisch gemachter Lösung in Essigsäure o. ä. Farblacke erzeugt die Electro Water Proofing and Dye Fixing Company (Englisches Patent Nr. 8318/1896) auf Gespinnstfasern, indem sie den Stoff mit natürlichen Farbstoffen sättigt oder bedruckt und dann einen elektrischen Strom hindurchgehen lässt von einer Anode aus oxydirbarem Metalle zu einer Kathode aus Kohle oder anderem geeigneten Material. Um Holz und andere Zell- oder Fibersubstanzen mit Flüssigkeit zu tränken, unterstützen L. A. Bretoneau und A. L. C. Nodon (Englisches Patent Nr. 13242/1895) die Capillaritätswirkung durch Elektrolyse. Zur Conservirung des Fleisches bringt es A. B. Pinto (Englisches Patent Nr. 2176/1896 und Französisches Patent Nr. 257401) in eine Lake mit 30 Proc. Kochsalz und lässt zwischen Platinelektroden den Strom übergehen. Dann wird es in einem Luftstrome bei 60° getrocknet. Für 1000 k genügt (The Electrical Review; L'Éclairage electr., 1897 Bd. 10 S. 48) ein Bad von 3000 l und ein Strom von 100 Ampère und 8 Volt. (Fortsetzung folgt.) [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Ein Spiegelkreuz und ein Doppelwinkelspiegel. Mechaniker L. Müller in Reutlingen hat zwei neue Instrumente construirt, welche zum Abstecken rechter Winkel dienen. Das Spiegelkreuz – auf der Idee des Bauernfeind'schen Prismenkreuzes beruhend – trägt in einem Messinggehäuse zwei über einander liegende, genau rechtwinklig zu einander stellbare Spiegel, in der Grösse, wie dieselben beim gewöhnlichen Winkelspiegel gebraucht werden. Die Spiegel haben in der Mitte einen kleinen Abstand, so dass man gut zwischen denselben hindurch sehen kann. Unter einem Winkel von 45° zu den Spiegelflächen ist ein Diopter angebracht. (Dem Auge zugekehrt ein Schlitz und auf der Rückseite des Gehäuses eine kleine Oeffnung mit aufgezogenem Rosshaar.) Der Bau des Instrumentes, das 180 g wiegt, dürfte hiernach klargestellt sein. Theorie und Gebrauch sind dieselben, wie bei dem oben erwähnten Bauernfeind'schen Instrumente. Das Einstellen in eine Gerade, das Errichten einer Senkrechten zu dieser Geraden, das Umkehren des Instrumentes und das Halbiren des allenfalls auftretenden Winkelfehlers, wenn der Apparat aus der Justirung gekommen sein sollte, sind allen Sachverständigen sofort bekannt und in jedem Lehrbuche der Vermessungskunde beschrieben, so dass wir von einer weitläufigeren Ausführung dieses Gegenstandes absehen können. Das Spiegelkreuz zeichnet sich durch seinen einfachen Bau aus, seine Form und seine Leichtigkeit sind hervorzuheben, auch kann dasselbe leicht mit einem Senkel verbunden oder auf einen Visirstab aufgesteckt werden. Der Doppelwinkelspiegel erfüllt den gleichen Zweck wie das Spiegelkreuz und besteht einfach aus zwei Winkelspiegeln, welche über einander gestellt sind und zwar so, dass je ein oberer Spiegel sich mit einem unteren rechtwinklig kreuzt. Theorie und Gebrauch sind auch hier jedem Fachmanne sofort klar, weshalb wir uns mit dieser kurzen Berichterstattung begnügen. Freilich wird in erster Linie die bedeutsame Erfindung Bauernfeind's immer ihre grosse Rolle spielen; das Prismenkreuz bleibt uns immer das beste Instrument für die gedachten Zwecke – und in zweiter Linie dürfte nach unserer Meinung der einfache Feldmesser am besten eine gute Winkeltrommel gebrauchen. -r. Die elektrische Bahn Orbe-Charvornay. Obzwar diese Linie nur 4 km lang ist, erweckt sie doch besonderes Interesse, weil sie zeigt, dass mit Hilfe der Elektricität ein schneller Bahnbetrieb sich ermöglichen lässt. Charvornay ist eine Station der Eisenbahnlinie Lausanne-Neuchâtel und Orbe, eine Stadt von etwa 2000 Einwohnern im Juragebirge. Die elektrische Bahn ist als Schmalspurbahn gebaut und geht von Charvornay aus etwa 3 km der Landstrasse entlang, von welcher 4,5 m Breite für den gewöhnlichen Wagenverkehr übrig bleiben. Nahe dem Orte Orbe machte sich die Erbauung einer Brücke von 33 m Spannweite erforderlich, die grösste Steigung beträgt 2,5 Proc. und der kleinste Radius ist 150 m. Die Endstation Orbe besteht aus einem kleinen Stationsgebäude und je einem Waaren- und Wagenschuppen. Für die oberirdische Stromzuleitung ist 6 mm starker Stahldraht genommen, welcher an gewöhnlichen Holzstangen mit Eisenträgern befestigt ist. An demselben Gestänge ist auch eine Telephonleitung für den Bahndienst. Der Betriebsstrom für die Linie wird einer Kraftstation entnommen, welche die Stadt Orbe mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft für Motoren versorgt. Diese Station liegt 800 m von der Stadt entfernt in einer Bergschlucht; die verfügbare Wassermenge beträgt 2,6 cbm für 1 Secunde mit 10 m Fallhöhe. Das Turbinengebäude enthält jetzt nur zwei Turbinen von je 80 , welche direct mit Gleichstromdynamo gekuppelt sind. Die Turbinen machen 100, die elektrischen Motoren 450 Umdrehungen in der Minute. Das Betriebsmaterial besteht aus zwei Personen- und einem Waarenmotorwagen, welche in der Fabrik der Société Industrielle Suisse in Neuhausen bei Schaffhausen gebaut worden sind. Die Wagen sind 6 m lang, 2,2 m breit und der Radabstand beträgt 2,3 m. Von den zwei Personenwagen ist einer getheilt; die eine Hälfte enthält 20 Sitzplätze und in der anderen können 2 bis 3 t Waaren oder Packete untergebracht werden; diese Einrichtung hat sich besonders im Winter als sehr praktisch erwiesen. In dem anderen Wagen sind 32 Sitzplätze und 13 Stehplätze auf den Plattformen. Die Einrichtung der Sitzplätze ist die für dritte Wagenklasse und die Theilung für Raucher und Nichtraucher hat sich nicht als erforderlich herausgestellt. Der Wärmemotorwagen ist für eine Belastung von 5 t berechnet und ist auch zur Beförderung von Vieh eingerichtet. Jeder Wagen ist mit zwei 30 -Motoren ausgerüstet, das Gewicht beträgt 3,5 t und die zulässige Geschwindigkeit ist 14 km in der Stunde. In jeder Richtung werden täglich 11 Fahrten gemacht und eine Fahrt dauert 17 Minuten. Die Zusammenstellung des Zuges richtet sich immer nach dem Bedürfniss. Das Bahnpersonal besteht aus 9 Mann oder 2,25 Mann für 1 km. (Engineering, 1897 S. 406.) Rr. Neue Arbeiten des Internationalen Maass- und Gewichtsinstitutes zu Breteuil bei Paris. Es ist bekannt, dass der Anschluss des Meter an den Erdkörper, in Wirklichkeit an die auf der Erdoberfläche gemessenen Abstände bestimmter fester Punkte, keine genügende Bürgschaft bietet; denn man hat allen Anlass, unablässige periodische und fortschreitende Aenderungen aller Theile des Erdkörpers, insbesondere der Oberflächenschichten, in Folge Temperaturschwankungen und Aenderungen der Elemente der Drehungsbewegung der Erde anzunehmen. Auch der Anschluss an die Pendellängen, welcher bei der Begründung des metrischen Systems ebenfalls als Controlmittel ins Auge gefasst war, versagt seine Sicherheit gerade in Folge jener Veränderlichkeit der Bedingungen, unter denen die Drehung der Erde, welche uns das Zeitmaass auch für die Pendelschwingungen liefert, sich vollzieht. Um die Mitte dieses Jahrhunderts war der Gedanke aufgetaucht, ob nicht die Wellenlängen des Lichtes, welches unter ganz bestimmten Temperatur- und sonstigen Bedingungen ausgesendet wird, als Erscheinung von ungewöhnlicher Beständigkeit der Dimensionen zu erachten und deshalb der Controle unserer Längeneinheiten dauernd zu Grunde zu legen seien. Bis in die neueste Zeit erschien jedoch der Gedanke, die Meterlänge mit solchen Wellenlängen zu vergleichen, als völlig unausführbar, bis der nordamerikanische Physiker Michelson um 1889 diese Möglichkeit nachwies. Das internationale Comité erachtete es sofort als seine Aufgabe, gemeinsam mit jenem ausgezeichneten Physiker die Mittel und Kräfte eine Zeitlang dieser Aufgabe zu widmen, und es ist nun eine Bestimmung der Verhältnisszahlen ausgeführt worden, welche zwischen der Länge des metrischen Prototyps und den Wellenlängen von drei besonderen Lichtstrahlungen glühenden Cadmiumdampfes obwalten. Die Lichtstrahlungen des Cadmiums hatten sich, unter zahllosen anderen, als die vorzugsweise und fast allein geeigneten für derartige Untersuchungen herausgestellt. Bekanntlich erfolgen die Lichtstrahlungen fast aller glühenden Gase zugleich in mehreren verschiedenen Schwingungsgeschwindigkeiten oder Wellenlängen, und diese verschiedenen Wellenlängen sind meistens durch grössere Intervalle, innerhalb deren von der Lichtquelle keine merkliche Strahlung ausgesendet wird, von einander getrennt. Diese drei Wellenlängen sind in der bekannten mikrometrischen Einheit von 0,001 des Millimeter, auf die zweite Decimale abgerundet: λ 1 = 0,64 λ 2 = 0,51 λ 3 = 0,48. Die Ergebnisse der Messungsreihen sind bei 15° C. die folgenden: 1 m = 1553163,5 λ 1 1 m = 1966249,7 λ 2 1 m = 2083372,1 λ3. Die Einrichtungen, Methoden und Resultate dieser grossen Messungsarbeit im Einzelnen sind in dem XI. Bande der Travaux et Memoires du Bureau International de Poids et Mesures näher dargelegt. Die Genauigkeit, mit welcher diese Bestimmungen der Metereinheit in Wellenlängen erfolgt sind, lässt sich auf eine Fehlergrenze von etwa einer halben Wellenlänge, also wenigen Zehnteln der mikrometrischen Einheit schätzen. In nicht zu langer Zeit werden mit einigen Verbesserungen der Einrichtungen im genannten Internationalen Institute die Messungen wiederholt werden, und voraussichtlich wird man dann auch an anderen Stellen ähnliche Bestimmungen ausführen, so dass man mit Sicherheit erwarten kann, um die Wende des Jahrhunderts die Anzahl der Wellenlängen von ganz bestimmten Lichtquellen, welcher die Längeneinheit äquivalent ist, mit vollster Sicherheit bis auf Zehnmillionstel der Einheit sichergestellt zu sehen. Hiernach ist in der That eine säculare Controle für die Unveränderlichkeit der Längeneinheit mit derselben Genauigkeit, mit welcher man Metermaasse ersten Ranges unter einander vergleichen kann, gesichert; denn wenn man nach einigen Jahrzehnten und später vielleicht nach Jahrhunderten die in Platiniridium ausgeführten Prototype des Meter aufs Neue mit den Wellenlängen vergleicht, kann man die feinsten Aenderungen, welche diese metallischen Verkörperungen der Einheit erfahren könnten, bestimmen und in Rechnung stellen unter der Voraussetzung, dass die Wellenlängen gewisser Lichtquellen keine Veränderung erfahren. (Prof. Dr. Förster, Zeitschr. f. Mechanik und Optik, 1897.) Rr. Bücher-Anzeigen. Die Grundvorstellungen über Elektricität und deren technische Verwendung. In Form eines Gespräches zwischen Laie und Fachmann. Von Dr. C. Heinke, Docent für Elektrotechnik an der königl. technischen Hochschule zu München. Zweite Auflage mit 24 Skizzen und Abbildungen. Leipzig 1898. Verlag von Oskar Leiner. 80 S. Preis brosch. 1,50 M. Das Werkchen ist für die erste Einführung in die Elektricität bestimmt, sollte also durch allgemeinverständliche Fassung hervorragen und die Grundbegriffe durchaus fasslich entwickeln. Wir müssen gestehen, dass wir nach dieser Richtung nicht ganz befriedigt sind. Gleich das erste Beispiel auf S. 11 ist wenig glücklich gewählt und ist geeignet, die Vorstellungen zu verwirren. Einzelnes ist allerdings sehr gut dargestellt und somit wird auch diese kleine Gabe nicht verfehlen, gute Dienste zu leisten. Henri Silbermann. Die Seide, ihre Geschichte, Gewinnung und Verarbeitung.I. Theil siehe 1897 306 72 Zweiter Band: I) Die Industrie der Seidenabfälle, Florette- und Bourettespinnerei. II) Die künstlichen Seiden. III) Physik und Chemie der Seidenfaser. IV) Die chemische Technologie der Seide: Bleicherei, Färberei u.s.w. V) Die Nachträge, 1) Geschichte der Seidenzölle, 2) Statistik. Mit 163 Illustrationen. Dresden 1897. Verlag von G. Kühtmann. S. 1 bis 514. 25 M. Mit dem vorliegenden Bande, der zwar nicht weniger umfangreich geworden ist – wie in Aussicht genommen war –, ist das Werk zu einem rühmlichsten Abschluss gekommen. Der textliche Stoff ist mit aller Sorgfalt behandelt und die bildlichen Darstellungen gut ausgewählt. Auf dem Gebiete der Seidenindustrie wird somit das Werk wohl von keinem Fachwerke übertroffen. Auch das Kapitel der Ersatzstoffe (die sogen. künstliche Seide) hat eingehende Darstellung gefunden. Lehrbuch der Chemie, Mit besonderer Berücksichtigung des für das Leben Wissenswerthen für Gebildete aller Stände, hauptsächlich aber für Schulen (besonders Real-, Gewerbe-, Industrieschulen und Gymnasien), Lehrer, Gewerbetreibende, Industrielle, Techniker, Kaufleute, Drogisten u.s.w. Bearbeitet von Georg Buchner. I. Theil: Chemie der Nichtmetalle (Metalloïde) und Metalle (Anorganische Chemie). Mit vielen Abbildungen. Regensburg 1897. Nationale Verlagsanstalt (früher G. J. Manz). 512 S. Preis 5,50 M. Das Werk zeichnet sich aus durch gründliche Bearbeitung und gute Auswahl des Stoffes. Der Inhalt trägt der praktischen Verwendung Rechnung und unterscheidet sich dadurch von vielen Lehrbüchern der Chemie. Nach dieser Richtung verdient es besondere Empfehlung und wird auch Gewerbetreibenden, Industriellen und Kaufleuten gute Dienste leisten. Experimentalvorlesungen über Elektrotechnik für Mitglieder der Eisenbahn- und Postverwaltung, Berg- und Hüttenbeamte, Angehörige des Baufaches, Architekten, Ingenieure, Bau- und Maschinentechniker, Chemiker, Lehrer der höheren Lehranstalten, Studirende u.s.w., gehalten von Dr. K. E. F. Schmidt, Professor der Physik an der Universität Halle a. S. Das Werk gelangt in 7 bis 8 Lieferungen à 1 M. zur Ausgabe. Erschienen ist Lieferung 1. (S. 1 bis 48.) Halle a. S. Verlag von W. Knapp. Die Aufgabe, welche sich diese Vorlesungen stellen, ist die, eine Darstellung der in elektrotechnischen Betrieben verwendeten Maschinen zu geben, ihre Wirkungsweise mittels Versuche darzulegen und endlich einen Ueberblick über die in der Praxis gemachten Erfahrungen betreffs Wirtschaftlichkeit elektrischer Betriebe zu geben. Die Rechnung ist auf ein Minimum beschränkt, zu theoretischen Erörterungen sind so weit wie möglich, graphische Darstellungen benutzt worden. Die vorliegende Lieferung lässt eine gute Leistung erwarten, die das angedeutete Ziel wohl mit Erfolg erreichen wird. Das russische Patentgesetz. Allerhöchst am 20. Mai 1896 bestätigtes Gesetz über Privilegien auf Erfindungen und Vervollkommnungen. Mit den Nebengesetzen, sowie Erläuterungen und Formularen herausgegeben von Iwan Koslow, Geschäftsführer u.s.w. Aus dem Russischen übersetzt mit Genehmigung des Herausgebers. Riga. Verlag von N. Kymmel 1898. 64 S. 2 M. (Das russische Original ist bereits vergriffen.) Inhalt: 1) Gesetz, bestätigt am 20. Mai 1896. 2) Reichsgutachten, desgl. 3) Instructionen, desgl. 4) Erläuterungen des Herausgebers. 5) Formulare für Gesuche u. dgl. Encyklopädie der Elektrochemie. Bd. 10. Der elektrische Widerstand der Metalle von C. Liebenow. Halle a. S. Verlag von W. Knapp. 64 S. 2,40 M. Verfasser beabsichtigt nachzuweisen, dass die an den festen Metallen stattfindenden Erscheinungen so vor sich gehen, als ob thermoelektromotorische Gegenkraft die Verschiebung der Elektricität in diesen Leitern verhindere. Die vorgetragene Lehre scheint die Anschauung der inneren Vorgänge zu vereinfachen. Eingesandt (Wettbewerb). Der deutsche Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke schreibt einen Wettbewerb aus in Höhe von 300 M. für den Entwurf von geschmackvollen Trinkbrunnen (Wassertrinkstellen). Bedingung: Herstellungskosten zwischen 200 und 300 M., Stoff nach eigener Wahl, Zeichnung mindestens in 1 : 5. Näheres durch G. Struckmann, Oberbürgermeister in Hildesheim. DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 2. Stuttgart, 16. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Neue Luftmaschinen *. Heissluftmaschine von Ledin *. Zusammenstellung einer Gas- und Heissluftmaschine von Roser und Mazurier *. Druckluftmaschine von Knight. * 25 Metallbearbeitung. Neuere Schleifmaschinen *. Falkenau's Rundschleifmaschine *. Reinecker's Rundschleifmaschine *. Landis' Spindelkopf *. v. Liechtenstein's Kugelschleifvorrichtung *. Schmalz' Kreissägeschärfmaschine * 28 Hüttenwesen. Neuerungen in der Eisengiesserei *. IV. Giessereirohmaterial: Beurtheilung desselben. Vermehrung der Festigkeit nach Outerbridge. V. Giessereibetrieb: Herstellung von Hartguss mittels Slattery's Metallform *. Coquille von Peipers *. Giessen von Hartgusswalzen von Martin *. VI. Gebläsevorrichtungen: Hochdruckgebläse von Jäger *. VII. Schmelzöfen: Crandall-Cupolofen *. Cupolofen von Whitcomb *. Desgl. von Shaw *. VIII. Verschiedene Verbesserungen: Drehbarer Einlauf *. Herstellung von Kernen nach Budde und Goehde *. Formen von Rotationskörpern nach Mennickheim *. Herstellung dünnwandiger Gusstücke nach Brown. Formmaschine der Marienhütte *. Natronmetall als Zusatz zur Beschickung von Cupolofen. Formverfahren für Heizröhren 31 Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen *. Vorrichtung von Fabian und Schnek *. Streckvorrichtung von Ormondroyd *. Desgl. von Gee und Sohn *. Desgl. der Zittauer Maschinenfabrik. Desgl. der Gebrüder Franke *. Desgl. von Haubold mit Glättrollen *. Maschine zum Glätten und Strecken von Riley * 36 Elektrotechnik. Elektrische Weichen und Signale *. Centrale Weichenstellvorrichtung von Siemens und Halske * 40 Fortschritte der angewandten Elektrochemie *. D. Apparatur: Schwächung des elektrischen Stromes durch Aluminiumanode und Versuche von Pollak und anderen. Apparat von Wehrlin. Kohlensorten für den elektrolytischen Process. Condensator für hohe Spannung von Blake. Ueber Bauweise der Spiegelgalvanometer von des Coudres. Platiniren der Elektroden für Widerstandsgefässe. Das Anzeigen des Stickstoffüberschusses in Gruben von Cohn. E. Pyroelektrochemie: Erzreductionsofen von Chavarria-Contardo *. Ueber Ablenkung des Lichtbogens durch den Magnet nach Patten. Röhrenförmiger Ofen von Helbig. Ueber metallurgisches Schmelzen von Leeds. Thomson's Apparat zum Enthärten von Stahl. Litteratur der Elektrochemie 42 Kautschukindustrie. Zur Vulkanisation wasserdichter Stoffe von C. O. Weber 45 Kleinere Mittheilungen: Henry Bessemer † 48 * bedeutet mit Abbildung. ☞ Das vorliegende Heft enthält eine Beilage von der Firma: Maschinenbau-Anstalt, Eisengiesserei und Dampfkessel-Fabrik, H. Paucksch, Aktiengesellschaft in Landsberg a. W. Wir empfehlen dieselbe bestens der freundlichen Beachtung unserer Leser. Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 2. Stuttgart, 16. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Neue Luftmaschinen. (Schluss des Berichtes S. 1 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neue Luftmaschinen. Ein Gemisch von verbrannten Gasen und Dampf bildet das Treibmittel für die Heissluftmaschine von S. J. Ledin in Liden, Schweden (D. R. P. Nr. 90669). Fig. 7 erläutert die Maschine. Textabbildung Bd. 308, S. 25 Fig. 7. Heissluftmaschine von Ledin. Die Wärme, welche während des Ganges der Warmluftmaschine im Verbrennungsraume erzeugt wird, verwandelt das in einem den Verbrennungsraum umschliessenden Behälter befindliche Wasser allmählich in Dampf, und wenn der Druck im Verdampfraume genügend hoch geworden ist, strömt der entwickelte Dampf in den Verbrennungsraum ein, wo derselbe den heissen Verbrennungsgasen begegnet und von denselben überhitzt wird. Sobald dieser Zustand erreicht worden ist, arbeitet die Maschine mit einem Gemische von Luft und überhitztem Wasserdampf. Bei dieser Maschine ist nicht nur der Verbrennungsraum, sondern auch der Arbeitscylinder vom Dampferzeuger umgeben, um auch die durch die Wand des Arbeitscylinders gehende Wärme ausnutzen zu können. Der Brennstoff soll aus Erdöl oder einem anderen flüssigen Kohlenwasserstoff bestehen. Gasförmige Kohlenwasserstoffe können auch verwendet werden, wenn die Maschine mit einer Pumpvorrichtung zum Einpressen des Gases in den Verbrennungsraum versehen wird. Der Arbeitscylinder a ist in einem Stück mit dem Verbrennungsraume b, dem Ventilraume b2 und dem umgebenden Dampferzeuger c gegossen. Innerhalb des Cylinders a bewegt sich ein Arbeitskolben k2. Das obere Ende des Cylinders ist durch einen Deckel b3 geschlossen. Oben und unten in den neben dem Cylinder a befindlichen Ventilraum b2 sind Ventilsitze ss1 eingesetzt, deren jeder eines der Einlassventile vv1 und der Auslassventile v2v3 enthält. Diese Ventile erhalten ihre Bewegung von der Maschinenwelle. Von den Ventilsitzen ss1 führen die Kanäle c1c2 von den Räumen zwischen den Ventilen nach dem Cylinder und die Auslasskanäle nn1 von den Räumen ausserhalb der Auslassventile in das Freie. Die Spindeln der Einlassventile vv1 führen durch die Auslassventile v2v3 in deren Spindeln. Der Verbrennungsraum b ist mit dem Ventilraume b2 durch die Oeffnung b1 und mit dem Dampfraume d durch das Rohr d1 verbunden. In eine Bodenöffnung des Verbrennungsraumes mündet der Brennstoffinjector i ein, welcher eine Fortsetzung der Luftrohrleitung k1 bildet. In den Injector i mündet ausserdem noch das Rohr e ein, das von dem Erdölbehälter e2 kommt, der auch mit dem Dampfraume d durch die Leitung e1 verbunden ist. Die Rohrleitung k1 steht ferner mit dem Druckkanale in Verbindung, in welchem Druckventile angeordnet sind. Mitten auf dem Arbeitscylinder a sitzt in einem Ventilsitze s2 ein Ventil f. Von diesem führt der Kanal l ab, der durch das Rohr l1 mit einem Luftverdichter verbunden ist. Jedesmal, wenn die Auslassventile sich öffnen, wird der Druck in dem Cylinder niedriger als in der Druckleitung ll1, so dass der Cylinder mit frischer Luft gefüllt wird, welche die Treibgase von einem vorherigen Arbeitsspiel fortdrängt. Wenn der Kolben ungefähr die Hälfte seines Hubes zurückgelegt hat, wird das entsprechende Auslassventil geschlossen, und die im Cylinder befindliche Luft wird von dem Kolben verdichtet und unter Oeffnung des entsprechenden Druckventiles durch die Rohrleitung k1 und den Injector i in den Verbrennungsraum b hineingepresst. Unmittelbar oberhalb der Mündung des Brennstoffinjectors i ist eine Anzündungsvorrichtung angeordnet, welche auf der Zeichnung nicht dargestellt ist. Dieselbe kann z.B. aus einem Platindrahte bestehen, welcher mittels eines elektrischen Stromes ins Glühen versetzt werden kann. Wenn die Maschine angelassen werden soll, wird Wasser in den Verdampfungsraum und Erdöl in den Behälter e2 eingelassen. Sodann wird Luft durch den Injector i eingetrieben und die Maschine von Hand in Bewegung gesetzt, wobei Luft durch das Rohr k1 und den Injector in den Verbrennungsraum eingepresst wird. Wenn die Luft durch den Injector strömt, wird Erdöl aus dem Behälter e2 durch das Rohr e gesaugt und, wenn dasselbe den Luftstrom trifft, fein zertheilt. Das Gemisch verbrennt, wenn dasselbe an der Anzündungsvorrichtung vorbeigeht. Durch das Einpressen von Luft und die von der Verbrennungswärme verursachte Ausdehnung wird der Druck im Dampfraume d und dem Ventilraume b2 erhöht. Sobald dieser Druck die erforderliche Höhe erreicht, um die unbelastete Maschine in Bewegung zu halten, wird das weitere Einpressen von Luft in den Verbrennungsraum von der Maschine bewirkt. Der Druck steigt dann bald zu dem vollen Arbeitsdrucke. Die Maschine wird nun mit warmer Luft getrieben, bis in Folge der Wärmeleitung des Verbrennungsraumes und der Cylinderwände die im Dampferzeuger befindliche Wassermasse so weit erhitzt, dass Dampf entwickelt wird. Dieser Dampf gelangt durch das Rohr d1 in den Verbrennungsraum, wird dort mit den heissen Verbrennungsgasen vermischt und überhitzt und wird zusammen mit diesen auf den Arbeitskolben wirken. Hierbei wird die Wärme der Wände des Verbrennungsraumes und des Cylinders zur Dampfbildung benutzt und zugleich verhindert, dass die Theile eine zu hohe Temperatur annehmen. Da der Verbrennungsraum mit dem Dampferzeuger unmittelbar verbunden ist, wird der Dampf auch als Druckregler wirken, weil für jede neue, in den Verbrennungsraum eingepresste Luftmenge der Druck im Dampferzeuger den Druck übersteigen wird, welcher der Temperatur des der Wasserfläche zunächst befindlichen Wasserdampfes entspricht. Ein Theil des Wasserdampfes wird hierbei condensirt, welcher beim Oeffnen des Einlassventiles wieder in Dampfform übergeht, wobei der frühere Druck im Dampferzeuger wieder hergestellt wird. Der Arbeitsvorgang der Maschine ist folgender: Beginnt der Kolben, sich aus der in der Zeichnung gezeigten Stellung abwärts zu bewegen, so öffnet sich unter Einwirkung einer Steuerung das Einlassventil v und das Auslassventil v3. Dadurch verringert sich der Druck unter dem Kolben auf Atmosphärendruck und über dem Kolben kommt der Druck des Treibmittels zur Geltung. Bei diesem Arbeitsspiele ist der Druck auf beiden Seiten des Druckventiles gleich gross und letzteres wird somit unter Einwirkung seiner Feder geschlossen gehalten. Hat sich der Kolben so weit abwärts bewegt, als der gewünschten! Füllung entspricht, so wird das Ventil v geschlossen und der Kolben wird nunmehr nur unter der Einwirkung der Expansion weiter getrieben. Inzwischen hat sich in Folge der Druckverminderung unter dem Kolben das Ventil f geöffnet und die Luftpumpe presst frische Luft durch die Leitung l1l in den Cylinder, welche Luft die verbrauchten Gase vor sich her treibt und durch das Ventil v3 verdrängt. Hat der Kolben etwa die Hälfte seines Weges zurückgelegt, so wird das Ventil v3 geschlossen und in Folge der fortgesetzten Bewegung des Kolbens wird die nunmehr eingeschlossene kalte Luft im unteren Cylindertheil verdichtet. Der hierbei auftretende Druck der sich gleichzeitig erwärmenden frischen Luft nimmt schnell zu und übersteigt schliesslich den Druck im Verbrennungsraume. Entspricht dieser Drucküberschuss der Spannung der Feder am Druckventile, so öffnet sich dieses und die Pressluft wird durch die Leitung k1 nach dem Injector i getrieben. Beim Durchtreten durch den Injector i saugt die Luft aus dem Rohre e Erdöl an, welches sich mit der Luft mischt und entzündet wird. Der Kolben hat nunmehr das Ende seines Hubes erreicht und wird dann bei gleichzeitiger Oeffnung des Einlassventiles v1 und Auslassventiles v2 in derselben Weise aufwärts bewegt, wie er vorher abwärts bewegt wurde, wobei sich dasselbe Spiel der zugehörigen Ventile wiederholt. Von N. Roser und J. Mazurier in St. Denis (D. R. P. Nr. 92553) ist eine Gasmaschine mit einer Heissluftmaschine derart zusammengestellt, dass die Abgase der ersteren die Treibluft der letzteren erhitzen. Bei dieser dreicylindrigen Maschine bläst die Heissluftmaschine einen Theil der nutzbar gewesenen Treibluft aus, während der Rest verdichtet wird. Fig. 8 und 9 erläutern die Maschine. Textabbildung Bd. 308, S. 26 Gasmaschine mit einer Heissluftmaschine zusammengestellt von Roser und Mazurier. In den beiden Cylindern aa1 finden auf einander folgend die Ansaugung, Verdichtung, die Kraftentwickelung und die Ausstossung der Verbrennungsgase statt. Die letzteren besitzen noch eine hohe Temperatur, welche als Wärmequelle zum Erhitzen einer bestimmten Menge bereits vorgewärmter und im Heissluftcylinder c verdichteter Gase dient. Weiter werden in Folge der Verdichtung der Gase im Expansionscylinder die aus den Explosionscylindern herrührenden Verbrennungsgase nicht einer plötzlichen Expansion bei ihrem Eintritte in den dritten Cylinder ausgesetzt. Die Cylinder a und a1 sind mit Eintrittsventilen cc1 für das Treibmittel und mit Austrittsventilen dd1 für die verbrannten Gase versehen. Der Cylinder c ist mit einem Eintrittsventile k für die Verbrennungsgase und mit einem Ventile e für den Auspuff der Gase versehen. Alle diese Ventile werden mittels Hebel f und Daumen g von der Maschine angetrieben. Das Ventil e, welches als Verschlussventil während der Zusammenpressung der Gase durch den dritten Kolben k1 dient, und das Ventil d bezieh. d1, welches die in den Cylinder c strömenden Verbrennungsgase aus den Cylindern a und a1 austreten lässt, sind gemeinschaftlich derart gesteuert, dass die in c verdichteten Gase nicht entweichen können, wenn die von den Explosionscylindern herrührenden heissen Gase einströmen. Die Kurbeln der Explosions- und der Heissluftmaschinen sind um 90° zu einander versetzt. Wenn die Kolben in die Nähe der Todtpunktlage angelangt sind, erhitzen die aus dem Gas- bezieh. Erdölbehälter strömenden Verbrennungsgase die in dem Heissluftcylinder c zusammengepresste Luftmasse wieder; der Kolben k1 wird durch die erzeugte Kraft angetrieben, die Gase dehnen sich aus, indem sie auf die grössten von der Welle dargebotenen Hebelarme einwirken. Andererseits werden durch diese Ruhepausen der Kolben aa1 die Rückstösse, denen die Kolben ausgesetzt sein würden, überwunden. Weiter ist zur Ausgleichung der Welle die letztere mit zwei Gegengewichten p1p2 versehen. Die beiden Expansionscylinder aa1 können von einem Wassermantel umgeben sein und der Cylinder des Heissluftmotors ist mit einem Luftmantel als Isolirmittel umgeben. Der als Durchgang für die Verbrennungsgase zur Erhitzung der vorher zusammengepressten Luftmasse dienende Kanal m ist im Inneren der Maschine angeordnet und ist sehr kurz, so dass die Gase auf ihrem Wege keinen Wärmeverlust erleiden. Die Daumen g wirken genau im beabsichtigten Augenblick und werden von der Kurbelwelle o1 aus in Umdrehung versetzt unter Vermittelung von vier Getrieben lnop, von denen das Getriebe p einen doppelt so grossen Durchmesser besitzt als das Getriebe o, wodurch erzielt wird, dass die Umdrehung der Welle g der Daumen nur eine halb so grosse ist als diejenige der Welle o1. Die Mischung von frischer Luft, erhitzter Luft und Erdöl vollzieht sich in einem geeigneten Vergaser, und das so erzeugte zündfähige Gemisch wird durch den Cylinder a während des ersten Kolbenhubes angesaugt und darauf während des zweiten verdichtet. In diesem Augenblicke findet die Entzündung in der üblichen Weise entweder mittels eines Zündrohres oder elektrischen Funkens statt. Während des dritten Kolbenspieles wird dann der Kolben vorgetrieben und während des vierten Kolbenspieles schliesslich die Verbrennungsgase mit einem Theil der letzten, vorher im dritten Cylinder zusammengepressten Gase zusammengebracht. Der Kolben a1 legt den gleichen Kreislauf zurück, seine Wirkung ist jedoch die umgekehrte, d.h. während der eine ansaugt, arbeitet der andere. Die aus a und a1 entweichenden Verbrennungsgase besitzen eine grosse Hitze, welche den Druck der verdichteten Gase des dritten Cylinders vermehren. Der Kolben k1 wirkt während des ersten Hubes unter dem Kraft an triebe der verdichteten und durch die Verbrennungsgase erhitzten Luft; während des zweiten Hubes lässt er während eines Theiles desselben einen Theil dieser Gase in die freie Luft entweichen. Darauf schliesst sich das Austrittsventil und während des letzten Theiles des Hubes verdichtet der Kolben die zurückbleibenden Gase, wobei dieselben durch die zuströmenden verbrannten Gase erhitzt werden. In gleicher Weise kann auch eine bestimmte Menge Wasser in den Kanal m bezieh. in den Cylinder c eingeführt werden, und zwar wird dieses Wasser mittels zweier Pumpen eingeführt. Diese Pumpen entnehmen das Wasser dem Mantel, welcher die Vertheilungsvorrichtung und die Cylinder umgibt. Dieses bereits eine gewisse Wärme besitzende Wasser wird dann durch ein von den beiden Zündlampen erhitztes Schlangenrohr und hierauf in den Verdampfer geführt, nimmt schliesslich die Wärme der Verbrennungsgase aus der Erdöl- bezieh. Gasmaschine auf und wird verdampft, um auf den Kolben k1 zu wirken. Eine zum Antriebe von Fahrzeugen bestimmte Druckluftmaschine ist Gegenstand der Erfindung von W. H. Knight in New Brighton, Nordamerika (D. R. P. Nr. 91943). Das Kennzeichen der Maschine, welche mit Bezug auf Fig. 10 und 11 beschrieben sei, besteht in der Bethätigung sämmtlicher Steuer- und Regulirvorrichtungen von einer einzigen Steuerstange aus. Textabbildung Bd. 308, S. 27 Fig. 10. Druckluftmaschine von Knight. An dem Wagen ist eine Verbundmaschine angebracht, zu der die Druckluft aus den Sammelbehältern durch ein Druckminderungsventil tritt. Da dieses Ventil nicht im Stande ist, das Ueberströmen der unter sehr hohem Druck stehenden Luft nach dem Hochdruckcylinder bei stillstehender Maschine vollständig zu verhindern, so ist weiter ein sicher wirkendes Absperrventil in die Hochdruckleitung eingeschaltet. Um aber auch die Luft mit geringerem Druck sicher von der Maschine abzuschliessen, ist ein zweites Absperrventil in die Niederdruckleitung eingeschaltet. Alle Ventile werden von einem einzigen Steuerhebel bethätigt, welcher auch die Umsteuerung und die Schieberventile der Maschine beeinflusst, und zwar in der Weise, dass, wenn der Zufluss der Pressluft zu der Maschine abgeschlossen ist, diese weiter laufen kann, ohne auf Luftwiderstand an den Cylinderenden zu stossen. Der Wagenkörper wird durch Federn 2 am Wagengestelle 3 getragen. Die Arbeitsmaschine 5 ist in dem Gestelle angebracht, um eine unmittelbare Kraftübertragung auf die Wagenachsen zu erhalten. Die Druckluftbehälter 4 befinden sich am Wagenkörper. Die gegenseitige senkrechte Bewegung zwischen Wagenkörper und Gestell macht es erforderlich, zwischen dem Druckluftbehälter und der Maschine eine bewegliche Verbindung einzuschalten. Da nun aber der Betrieb am wirthschaftlichsten ist, wenn die Luft angewärmt dem Cylinder zugeführt wird, und angewärmte Luft durch die bewegliche Verbindung zwischen Druckluftbehälter und Cylinder, welche in einem Gummischlauche besteht, zu leiten nicht rathsam ist, so wird der Vorwärmer zwischen dem Druckminderungsventil und den Cylindern eingeschaltet. Zwei Cylinder 6 sind mit einem Ende bei 7 an dem Gestelle 3 federnd gelagert, während das andere Ende in ein Gehäuse 8 ausläuft, das von der Achse 9 getragen wird. Dieses Gehäuse umhüllt das Triebwerk und diejenigen Theile, welche vor Staub geschützt und geölt werden sollen. Die Auspuffluft verlässt das Gehäuse durch mit Klappen versehene Oeffnungen des Gehäuses. Das Oel kann durch die Druckluft dem Gehäuse zugeführt werden. Die Zugstange 13 des Schieberventiles der Niederdruckmaschine ist hohl und mit Oeffnungen versehen, so dass, wenn die Umsteuerung in der einflusslosen Mittelstellung liegt, beide Seiten des Cylinders offen sind und durch die hohle Zugstange 13 und Oeffnungen mit dem Gehäuse 8 in Verbindung stehen. Textabbildung Bd. 308, S. 28 Fig. 11. Druckluftmaschine von Knight. In dem Gestelle 3 sind Vorwärmer 15 gelagert, durch welche in Windungen die Hochdruck- 16 und Niederdruckleitungen 17 hindurchgehen. Die Hochdruckleitung 16 enthält das Druckminderungsventil 18. Sowohl in der Leitung 16 als auch in der Leitung 17 ist je ein Absperrventil 19 und 20 angebracht, welche beide an einer Stange 21 sitzen, die von dem Winkelhebel 22 beeinflusst wird. Die Hochdruckleitung 16 ist mit dem Druckluftbehälter 4 durch den Schlauch 23 verbunden. Die Druckluft tritt also erst in den Vorwärmer ein, nachdem sie den Schlauch 23 durchlaufen hat. Die Druckluft strömt durch die Leitung 16 und den Vorwärmer 15 nach dem Schieberkasten des Hochdruckcylinders 6. Aus dem Hochdruckcylinder tritt dann die Luft durch die Leitung 17 aus, läuft durch das Drosselventil 20 und dann durch einen zweiten Vorwärmer 15 nach dem Schieberkasten des Niederdruckcylinders. Die Hochdruck- und Niederdruckleitungen können aber auch beide durch denselben Vorwärmer 15 laufen. Längs des Wagens liegt eine verschiebbare bewegliche Stange 24, die durch Zahngetriebe von einem Handhebel aus bewegt werden kann. An der Stange 24 sitzt der Hebel 28, welcher luftdicht in das Gehäuse 8 eingeführt ist, um die Umsteuerung 11 des Schieberventiles 12 zu bethätigen. Ebenso ist auch die Stange 24 mit dem Winkelhebel 22 verbunden, der die Zulassventile zu den Cylindern beeinflusst. In Fig. 11 ist die Ausführung einer eincylindrigen Maschine dargestellt, bei welcher ebenfalls alle Ventile von einer einzigen Stange aus bethätigt werden. An dem Cylinder a sitzen je zwei Kolbenschieber c und d für den Einlass der Druckluft, welche von dem Druckbehälter g durch die Röhren f in den Cylinder strömt. Der Austritt der benutzten Luft aus dem Cylinder erfolgt durch die Oeffnungen e. Die Steuerstange h0 wird durch den Handgriff i bewegt. Durch die Oeffnung j in dieser Steuerstange h0 kann Pressluft aus dem Behälter k nach dem Behälter g gelangen. Die Druckluft strömt von dem mit hoch gespannter Luft gefüllten Behälter m durch das Druckminderungsventil l nach dem Behälter k. Zwischen dem Ventile l und dem Behälter m ist ein Absperrventil h eingeschaltet, welches bei geschlossenem Zulass zum Cylinder den Zufluss vom Behälter m nach dem Ventile l abschliesst, so dass selbst bei unvollkommenem Schlusse dieses Ventiles l ein Durchströmen von Luft verhindert wird. Ein Einschnitt der Steuerstange h0 steuert den Hebel des Absperrventiles h, so dass dieses gleichzeitig mit der Oeffnung j geöffnet wird. Eine Feder zieht das Absperrventil h in seine Schlusstellung beim Schlusse der Oeffnung j zurück. Die Leitungen o und o1 gestatten der Druckluft, wenn der Kolben ihre Mündungen überlaufen hat, hinter dem Kolben durch die Steuerstange h0 nach dem Schieber d abzufliessen. Der Kanal p in der Steuerstange verbindet, kurz nachdem der Durchlass j geöffnet ist, die Leitung o mit den Schiebern d oder die Leitung o1 mit den Schiebern d. Dieser Kanal p ist so angeordnet, dass niemals beide Leitungen o und o1 mit den Schiebern d in Verbindung stehen, sondern immer nur die eine oder die andere. Am Ende der Steuerstange h0 sitzen zwei Hebel q, welche nach Schluss der Ventile bei fortgesetzter Schlussbewegung der Steuerstange mit einem oder dem anderen der Vorsprünge r an dem Schieber c in Berührung kommen werden. Es wird hierbei immer der Ansatz von den Hebeln mitgenommen werden, welcher der Mitte am nächsten liegt, so dass bei einem noch weiteren Bewegen der Steuerstange der Schieber in Folge der Wirkung des arbeitenden Hebels nach der Richtung bewegt wird, welche der beim vorhergegangenen Hube entgegengesetzt ist. Wenn die Steuerstange so weit, als es möglich ist, zurückgeschoben ist, dann wird umgesteuert sein. Der Hebel q lässt dann die Ansätze r in Folge der Wirkung der Anschläge s los. Während dieses Arbeitens des einen Hebels q kann der andere nicht beeinflusst werden. Federn t0 sind mit der Steuerstange verbunden und bringen die Hebel q in die Grundstellung zurück. Metallbearbeitung. Neuere Schleifmaschinen. (Schluss der Berichtes S. 4 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neuere Schleifmaschinen. A. Falkenau's Rundschleifmaschine. Diese von A. Falkenau in Philadelphia, Penn., gebaute, auch zum Schleifen von Fräsewerkzeugen (vgl. D. p. J. 1894 294 * 274) eingerichtete Universalmaschine (Fig. 20 bis 25) zeigt eine besondere Anordnung des Schlittentisches zum Schleifrad werk. Nach Engineering, 1894 II Bd. 58 * S. 452, besitzt der kreuzförmige Bettkasten a am Haupttheil eine senkrechte Wange b für den Schlitten c, am oberen Kreuzstück jedoch eine wagerechte Führung für den Lagerschlitten d, welcher mittels hochliegenden Handrades f Einstellung für die im Gabellager g laufende Schleifradspindel bezieh. deren fliegende Schleifscheibe h ermöglicht, wobei ein Zeigerwerk an f die Grösse der jedesmaligen Verstellung angibt. Auf der wagerechten Kopfplatte des Schlittens c ist ferner eine etwas geneigte Wange i parallel oder im Winkel zur Wangenkante c stellbar, auf der ein Spindelstock k und ein Reitstock l in gewünschter Entfernung festgeklemmt werden, von denen beide noch eine Drehverstellung um ihren Grundschieber ausführen können. Zudem kann der konischen Spindel k durch die Schnurrolle m Drehbewegung vom Deckenvorgelege aus ertheilt werden. Dagegen ist die Schlittenbewegung c nur durch Handrad n mittels Schraubenspindel o ausführbar, Selbstgang also nicht vorgesehen. An der linken hinteren Flanke der Wange a ist noch eine kleine Seitenführung p zur Aufnahme einer Neben Vorrichtung vorhanden, mit welcher hauptsächlich Fräser geschärft werden können. Textabbildung Bd. 308, S. 29 Fig. 20. Falkenau's Rundschleifmaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 29 Falkenau's Rundschleifmaschine. Diese zum Fräserschleifen bestimmte Vorrichtung (Fig. 23 bis 25) besteht aus einem Schlitten q, der auf der rückwärtigen Seitenwange p durch Schraubenspindel r verlegt wird. Im Klemmauge von q ist ein Winkelstück s mit cylindrischem Zapfenstück in der Höhe stellbar, wozu die Schraubenspindel t dient. Ferner wird um einen Zapfen u des Winkelstückes s die frei vorragende Wange v Schräglagen erhalten können, wozu ein Schlitzbogen vorgesehen ist. Auf dieser Wange dient endlich ein Schlitten w mit Klemmauge x zum Einspannen der Futterbüchse mit dem Fräserdorn. Hiernach kann das Fräsewerkzeug in jede gewünschte Annäherung, Hochlage und Schrägstellung zur linksseitigen Schleifscheibe gebracht und zugeschärft werden. Zur Führung des Fräsers dient das Stellwerk y, zur Begrenzung des Schlittenhubes das Anschlaggestänge z. Textabbildung Bd. 308, S. 29 Falkenau's Rundschleifmaschine. J. E. Reinecker's selbsthätige Rundschleifmaschine. Die Genauigkeit des Rundschleifens wird durch selbstthätige Nachstellung des Schleifrades nicht nur wesentlich erhöht, sondern dadurch eigentlich ein wirthschaftlicher Schleifbetrieb erst ermöglicht. Ueber Rundschleifmaschinen vgl. Landis, 1894 294 * 152; Huré * 154; Reinecker * 178; Brown-Sharpe, 1891 281 * 33; Landis * 174. Nach dem D. R. P. Nr. 74159 besteht die Schalteinrichtung dieser von J. E. Reinecker, Werkzeugmaschinenfabrik in Chemnitz-Gablenz, gebauten Schleifmaschinen in einem Differentialtriebwerk, welches durch das Schlittentriebwerk bethätigt wird, und das mittels doppelter Schneckentriebwerke auf die Stellspindel des Schleifradlagerschlittens einwirkt. Das in Fig. 26 bis 29 dargestellte Schleifwerk besteht aus einem Fusskasten a mit aufgesetzter Wange b, in deren ∨-Führungen der Schlitten c geht, auf dem die in Schräglagen einzubringende Tischplatte d liegt, auf der wieder die Tragtheile des Werkstückes, Spindel-, Reit-, sowie Setzstock, entsprechende Aufstellung finden. Dagegen ist auf den hinteren Vorsprung der Wange b eine Lagerplatte e festgeschraubt, in deren Kreisbahn ein Drehstück f Auflage findet, und welches mittels Kreisschlitzes Dreh Verstellung erhalten kann. Hierdurch wird der obere Führungsschlitten g mit dem Schleifradlager h nebst der Winkelrechtstellung noch beliebige Schräglagen zur Wangenkante nach rechts oder links bekommen können, wodurch die gegebene Schaltgrösse nach Belieben noch abgemindert wird. Geschaltet wird durch die im Führungsschlitten g festgehaltene Stellspindel i, deren kreisende Radmutter k in einem Seitenlager des Drehstückes f zwischen Bunden gehalten wird. Mittels Schrägzahnräder wird die stehende Welle l und durch Schneckentriebwerk m die liegende Steuerwelle n mit der Stellspindel i in Verbindung gebracht. Auf dieser Steuerwelle n ist nebst dem Handrade o nur noch ein Zahnrad p gekeilt, welches an dem Rade q anliegt, deren Zähnezahl q = (p ± 1) ist, und welches mit einem Riegelschieber r an der Drehung verhindert wird. Textabbildung Bd. 308, S. 30 Reinecker's selbsthätige Rundschleifmaschine. In diese beiden Räder p und q greift gleichzeitig das um einen Zapfen des Sperrades t lose laufende Zahnrad s ein. Nach einer vollen Umdrehung des Sperrades t wird daher das Rädchen p um einen einzigen Zahn vorgedreht oder um einen Zahn gegen das festgehaltene Rad q relativ verdreht worden sein. Da nun nach einem vollendeten Schlittenhub nur eine theilweise Drehung des 150zähnigen Schaltrades t beabsichtigt ist, so wird eine Regelung dieses Schaltwerthes innerhalb grösseren Grenzen, z.B. zwischen 5 und 120 Zähnen des Schaltrades t von grossem Werthe sein. Da eine solche aussergewöhnliche Schaltgrösse vom Schlittentisch unmittelbar durch Anschlagklinken, wie in Fig. 29, abzuleiten nicht gut möglich ist, so hat man im vorliegenden Fall die Ableitung von der für die Schlittenbewegung dienenden Leitrollenachse u besorgt, indem ein mittels Reibung mitgenommener Zahnbogen v ein Getriebe w und damit den auf der Nabenhülse von w sitzenden Klinkhebel x betreibt. Um nun den Hub dieses Klinkhebels x zu begrenzen, dient der Anschlagzapfen y, welcher in der Stellscheibe z sitzt, die ihre Anlage und Feststellung an der Wange findet. Damit aber diese Hubbegrenzung des Klinkhebels x möglich werde, sitzt der Zahnbogen v unter Federdruck auf einer kegelförmigen Schulter der Leitrollenachse u lose auf, und wird von dieser nur durch Reibung mitgenommen, so lange kein unüberwindlicher Widerstand dem entgegengesetzt wird, welcher aber durch den Anschlagstift y bedingt wird. Als Schlittentriebwerk dient ein an beiden Tischenden befestigtes und über die Leitrollen 2 und 3 geführtes Stahlband, welches die Triebscheibe 1 am unteren Bogentheil umschliesst. Landis' Spindelkopf. An den von der Landis Tool Co. in Waynesboro, Pa., gebauten Genauschleifmaschinen (vgl. D. p. J. 1894 294 * 152; 1891 281 * 174) ist ein drehbarer Aufsatz, ein Drehstück a (Fig. 30) angebracht, in welchem die seitlich angeordnete Werkstückspindel b in Rothgussbüchsen c und d durch Fest-Losscheibe fg bethätigt wird. Mittels eines Federstiftes h wird die gehärtete Stahlspindel b gehalten bezieh. an der Drehung verhindert, sobald der Riemen auf die Losscheibe g verlegt wird, welche alsdann auf der gehärteten Stahlbüchse i kreist, die an eine Konusschulter der Spindel zur Anlage kommt und sich auf die Spindel aufschraubt. Mitnehmerstifte k besorgen den Betrieb des zwischen festen Spitzen laufenden Werkstückes. (American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 25 * S. 470.) Textabbildung Bd. 308, S. 30 Fig. 30. Landis' Spindelkopf. Fr. v. Liechtenstein's Kugelschleifvorrichtung. Textabbildung Bd. 308, S. 30 v. Liechtensteins Kugelschleifvorrichtung. Zum Schleifen ganz genauer Metallkugeln, mit Durchmesserunterschieden von 0,0015 mm bei D = 25 mm Grösse, wird in der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin die in Fig. 31 und 32 nach Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1895 Bd. 15 * S. 80, dargestellte Vorrichtung an Drehbänken in Anwendung gebracht. Von der Rillenscheibe a der Drehbankspindel werden mittels einer Nebenwelle b durch einen Winkelschnurtrieb c und d zwei Schleifrohre f und g bethätigt, welche mit dem an der Drehbankspindel sitzenden Schleifrohr h eine Winkelstellung von 120° einnehmen. Da nun die Zapfen der Schleifrohre f und g in einem am Reitstockkolben i sitzenden Winkel sich befinden, so ist eine genaue Lage in der wagerechten Achsenebene unschwer zu erhalten. Um ferner einen gleichmässigen Andruck der kupfernen Schleifrohre zu erreichen, sind je zwischen Boden und Zapfen schwache Windungsfedern eingeschlossen, während das Schleifrohr selbst annähernd um ⅓ kleiner im Durchmesser ist, als die Werkstückkugel. Die 35 mm grossen Seilröllchen d laufen lose auf den Achszapfen und treiben mittels Mitnehmerstifte die Schleifrohre f und g. Dagegen finden die gegensätzlich umlaufenden Leitrollen k und l ihre Lagerstütze am Schlitten oder an einer Brücke der Drehbankwange. Mit diesem Schnurtrieb wird eine Schnellgangübersetzung (a : b) . (c : d) = (15 : 10) . (24 : 3,5) = 10,2 ermöglicht, so dass die Schleifrohre f und g gegen das Schleifrohr h annähernd 10mal voreilen und das Kugelwerkstück dadurch zu einer unregelmässigen Drehbewegung zwingen. Fr. Schmaltz' Kreissägeschärfmaschine. Das Constructionsprincip dieser selbsthätig arbeitenden Schärfmaschine ist folgendes: Indem das in einer Lagergabel a laufende Schleifrad b (Fig. 33 bis 36) der Contour des Sägezahnes folgt, was durch eine entsprechende Senkrechtverschiebung des die Lagergabel tragenden Armes c ermöglicht wird, tritt nach jeder Zahnschaltung eine Rechts- oder Linksschwingungsstellung der Lagergabel a ein. Weil aber deren senkrechter Zapfen d einseitig zur Schleifradebene b liegt, wird die untere Scheitelstelle des Schleifrades einmal vor und das andere Mal hinter der Ebene des Sägeblattes s zu liegen kommen. Deshalb wird einmal durch den hinteren Bogentheil der Schleifscheibe die vorliegende Zahnschräge und umgekehrt durch den unteren vorderen Bogentheil die hintenliegende Schärfe angeschliffen. Zudem wird nach jedem Schärfvorgange das Sägeblatt s selbsthätig um einen Zahn weiter geschaltet, während das Schleifrad ununterbrochen fortgeht. Es wird deshalb von der Antriebwelle für das Schleifwerk mittels Riemens eine zweite Steuerwelle langsam bethätigt, auf welcher eine Curvenscheibe für die Bewegung des Tragarmes c, ein Schaltwerk für das Sägeblatt s und ein Stellwerk für die Lagergabel a sich befinden. (Engineering, 1897 I Bd. 63 * S. 149.) Textabbildung Bd. 308, S. 31 Schmaltz' Kreissägeschärfmaschine. Gebaut wird diese Maschine von Fr. Schmaltz in Offenbach a. M. und Luke und Spencer in Broadheath bei Manchester. Hüttenwesen. Neuerungen in der Eisengiesserei. (Schluss des Berichtes S. 7 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neuerungen in der Eisengiesserei. IV. Giessereirohmaterial. Die Beurtheilung des Giessereiroheisens geschah bisher vorwiegend nach Maassgabe des Gefüges der Masseln, wie es sich im Bruche zeigte; es wurde dem grobkörnigen Gefüge ausnahmslos der Vorzug gegeben. Dass dies unbegründet sei, führt A. Ledebur in Stahl und Eisen vom 15. Juni 1896 des näheren aus. Er hält es auf Grund seiner Erfahrungen für viel richtiger, das Giessereiroheisen nicht nach dem Bruchaussehen, sondern nach der chemischen Zusammensetzung zu kaufen und einen um so höheren Preis zu bewilligen, je höher sein Siliciumgehalt und je niedriger sein Gehalt an Phosphor und sonstigen schädlichen Fremdkörpern sei. Die verdienstlichen Arbeiten Jüngst's u.a. hatten später den Zweck, auch den Giessereileuten klar zu machen, welche Bedeutung der Siliciumgehalt des Roheisens für den Eisengiessereibetrieb besitzt; aber nur sehr allmählich verschwand hier das alte Vorurtheil, welches man früher gegen den Siliciumgehalt gehegt hatte. Auch heute noch schätzt und bezahlt man in zahlreichen Eisengiessereien das Roheisen lediglich nach seinem Bruchaussehen, zum Leidwesen der Hochofenwerke, welchen manche Aergernisse daraus entstehen. Später hat sich diese Ueberzeugung auch in Amerika Bahn gebrochen und ist besonders von dem Giessereiingenieur West gefördert worden. „Schlechtes“ Eisen gibt es überhaupt nicht, sagt West; es kommt nur darauf an, dass es seiner Zusammensetzung gemäss behandelt und verwendet wird. Wenn man einem Giesser für dünne Gusswaaren ein Roheisen mit 1,02 Proc. Silicium zum Umschmelzen geben wollte, so würde er es, wenn er den Versuch gemacht hat, für „schlecht“ erklären, weil das beim Umschmelzen noch siliciumärmer gewordene Eisen jedenfalls die Neigung besässe, in den dünnen Querschnitten hart und weiss zu werden. Dasselbe Metall aber würde, sofern der Gehalt an schädlichen Körpern – Phosphor, Schwefel, Mangan – nicht zu hoch wäre, ein vorzügliches Material für schwere Abgüsse bilden. Aber das beste Roheisen kann durch ungeschicktes Schmelzen oder durch ungeeignetes Vermischen mit anderem verdorben worden. Deshalb schlägt West vor, dass die Hochofenwerke den Giessereien nicht allein die chemische Zusammensetzung des gelieferten Roheisens, sondern auch die Ergebnisse regelmässig nach jedem Abstiche angestellter Schmelzversuche mittheilen sollen, wobei die Biegungsfestigkeit, Einbiegung der Probestäbe und Dünnflüssigkeit des Eisens zu prüfen wären. Zu den Versuchsschmelzen empfiehlt West einen „Baby-Cupolofen“, wie er selbst ihn für gleiche Zwecke benutzt. Er ist von der Bodenplatte bis zur Gicht nur 0,76 m hoch, hat 0,25 m lichte, 0,30 m äussere Weite, eine Windform von 25 mm Weite und wird mit Wind von etwa 0,04 k Spannung (40-cm-Wassersäule) betrieben, welcher durch ein Handgebläse geliefert werden kann, wenn man nicht Gelegenheit hat, den Ofen an die Windleitung eines grösseren Gebläses anzuschliessen. Das Abstechen wird, wie gewöhnlich, durch eine in der Umfassung angebrachte Stichöffnung bewirkt; zum Entleeren von Koks und Schlacke nach dem Schmelzen dient eine Bodenklappe von bekannter Einrichtung. Der Ofen wird bis zur Hälfte seiner Höhe mit Koks gefüllt; wenn diese sich in Glut befinden, beginnt man mit dem Setzen des Eisens. Die Grösse der Eisengichten kann 20 bis 50 Pfund betragen; über den Koksverbrauch dabei ist nur angegeben, dass die jedesmal gegebenen Koksgichten 10 bis 12,5 cm hoch sein sollen. Schon 15 Minuten nach dem Aufgichten beginnt das Eisen zu schmelzen. Ledebur hält solche Versuchsschmelzen bei Hochöfen für die Erreichung des angestrebten Zieles nicht für besonders förderlich, weil der Giesser das vom Hochofen empfangene Roheisen selten allein verschmelzt, sondern mit Brucheisen und anderem Roheisen zu vermischen pflegt; eine zuverlässige Durchschnittsanalyse reicht seines Erachtens vollständig aus, dem kundigen Giessereimann die Beurtheilung der Verwendbarkeit des Roheisens zu ermöglichen. Bei der chemischen Untersuchung muss allerdings auch auf die Anwesenheit von nur ausnahmsweise vorkommenden Fremdkörpern, welche das Verhalten des Roheisens beeinflussen können, z.B. Chrom, Rücksicht genommen werden, wenn man Trugschlüsse sicher vermeiden will. Ueber eine – wenn sie sich bestätigt, überraschende und für die Verwendung des Gusseisens bedeutungsvolle – Beobachtung machte A. E. Outerbridge Mittheilung. Danach soll das Gusseisen an Festigkeit zunehmen, wenn es wiederholten Erschütterungen unterworfen wird, deren Stärke geringer ist, als zum Bruch erforderlich sein würde. Der Einfluss der Erschütterungen soll auf einem ähnlichen oder gleichen Vorgange beruhen, wie der Einfluss des Ausglühens (annealing); Spannungen, welche beim Giessen und Abkühlen entstanden waren, sollen dadurch beseitigt werden. Im J. 1894 wurde bei der Giesserei von Wm. Sellers und Co. in Philadelphia eine grosse Zahl gusseiserner Probestäbe, je 25 mm im Geviert stark und 380 mm lang, mit anderen Gusstücken in eine umlaufende Scheuertrommel gebracht, um vom anhaftenden Sande gereinigt zu werden, und mehrere Stunden darin belassen. Bei der späteren Prüfung beobachtete man mit Verwunderung, dass die Stäbe sich durch aussergewöhnlich hohe Festigkeit auszeichneten. Die Prüfungsmaschine wurde untersucht und in gutem Zustande befunden; auch die chemische Untersuchung ergab nichts Besonderes. Man goss nun in einer gemeinschaftlichen Gussform zwölf Probestäbe aus demselben Eingüsse, einen neben dem anderen. Sechs davon wurden in der Scheuertrommel, die anderen sechs mit Drahtbürsten durch die gewöhnliche Handarbeit geputzt. Bei der Festigkeitsprüfung ergab sich, dass die in der Scheuertrommel geputzten Stäbe sämmtlich eine um 10 bis 15 Proc. höhere Festigkeit besassen, als die übrigen. Eine mehrmalige Wiederholung des Versuches lieferte stets das gleiche Ergebniss. Man sann vielfach über die Ursache nach und glaubte schliesslich, diese darin gefunden zu haben, dass beim Scheuern in der Trommel die Kanten der Probestäbe etwas abgerundet und diese dadurch besser befähigt wurden, der Biegung zu wiederstehen. Die Annahme erwies sich indess als unhaltbar. Als man zwölf Stäbe in gewöhnlicher Weise mit Drahtbürsten putzte, dann die Kanten von sechs dieser Stäbe mit der Feile abrundete, von den sechs anderen aber in dem ursprünglichen Zustande beliess, zeigte sich bei der nachfolgenden Festigkeitsprüfung kein Unterschied. Man goss nun Stäbe mit rundem Querschnitt (28,5 mm im Durchmesser, 380 mm lang) aus einer und der nämlichen Giesspfanne, putzte einen Theil davon mit der Drahtbürste, den anderen in der Scheuertrommel, und alle in der letzteren Weise behandelten Stäbe zeigten bei der Prüfung ein erheblich höheres Maass von Festigkeit, als die ersteren. Outerbridge gelangte hierdurch zu der Ueberzeugung, dass die Steigerung der Festigkeit beim Behandeln in der Scheuertrommel nur durch Aenderungen in der Lage der Gusseisentheilchen hervorgerufen sei und dass diese Umlagerung der Theilchen durch die beim Scheuern stattfindenden Erschütterungen veranlasst worden sei. Zur Erprobung dieser Theorie wurden sechs mit der Drahtbürste geputzte Probestäbe der Einwirkung von je 3000 Schlägen mit einem Handhammer auf das eine Ende jedes Stabes ausgesetzt, während sechs andere Stäbe in der Scheuertrommel behandelt wurden. Bei der Prüfung zeigten alle Stäbe die gleiche Festigkeit. Vergleichende Versuche ergaben, dass bei hartem Gusseisen die durch Erschütterungen hervorgerufene Wirkung grösser ist als bei weichem, bei dicken Gusstücken grösser als bei dünnen. Zur Erlangung fernerer Aufschlüsse wurden auch Schlagversuche mit einer besonders für diesen Zweck gebauten Maschine angestellt. Der Fallbär wog 14 Pfund, die freie Auflage der Probestäbe, welche in der Mitte getroffen wurden, betrug 305 mm, ihr Querschnitt 25 mm im Geviert. Da durch die Schläge selbst starke Erschütterungen ausgeübt werden, liess sich erwarten, dass die Festigkeit der Probestäbe zunehmen müsse, wenn man sie zunächst mit schwächeren Schlägen, als zur Herbeiführung des Bruches erforderlich sein würde, behandelte. Demnach wurden zwölf Probestäbe mit der Bürste geputzt und sechs davon durch Schläge aus einer solchen Höhe zerbrochen, dass jedesmal der erste Schlag ausreichend war, den Bruch herbeizuführen. Die übrigen sechs Stäbe wurden dann der Reihe nach zunächst je 10 bis 50 Schlägen unterworfen, welche sämmtlich aus gleicher, aber derartig bemessener Fallhöhe geführt wurden, dass die Stäbe nicht dadurch zerbrochen wurden; alsdann erst führte man Schläge aus derjenigen Höhe, welche zum Bruche der ersten sechs Stäbe ausreichte. Kein einziger Stab brach bei dem ersten Schlage. 2, 3, 6, 10 und in einem Falle 15 Schläge waren erforderlich, den Bruch zu veranlassen. Outerbridge schliesst hieraus, dass die bei Hartgussrädern übliche Schlagprobe, wenn die Räder sie überhaupt bestehen, zugleich ein Mittel bilde, ihre Festigkeit zu erhöhen. Ein folgender Versuch bezweckte einen Vergleich des Verhaltens von Stäben, welche in der Scheuertrommel geputzt waren, mit solchen, die mit der Bürste geputzt waren, gegenüber Schlagwirkungen. Man fand, dass ein Schlag, welcher die letzteren Stäbe zerbrach, 5- bis 20mal – abweichend nach der ursprünglichen Beschaffenheit des Gusseisens – wiederholt werden musste, um auch die in der Trommel geputzten Stäbe zum Bruche zu bringen. Ferner ergab sich wiederum, dass man im Stande war, den mit der Bürste geputzten Stäben durch vorsichtige Behandlung, d.h. durch schwache Schläge auf dem Fallwerke, die gleiche Festigkeit wie den in der Trommel geputzten zu verleihen. Aus etwa 1000 angestellten Versuchen, welche das gleiche Ergebniss lieferten, geht hervor, dass sie wichtig genug sind, um völlige Klarstellung zu verdienen. Es möge hier daran erinnert werden, dass nach anderweitigen Versuchen die Festigkeit des Gusseisens auch dann um 11 bis 20 Proc. gesteigert wird, wenn man durch Bearbeitung mit schneidenden Werkzeugen die Gusshaut entfernt. Die Ursache dieser Festigkeitszunahme ist nach Ledebur a. a. O. jedenfalls im Wesentlichen die nämliche, als bei Outerbridge's Verfahren: Die Spannung, welche durch die raschere Erkaltung der äusseren Kruste entstanden war, wird durch deren Entfernung beseitigt. V. Giessereibetrieb. Auf dem Gebiete der Herstellung des Hartgusses sind nur geringfügige Aenderungen in Vorschlag gekommen. Das D. R. P. Nr. 79285 zeigt eine von J. Slattery in Philadelphia vorgeschlagene Metallform für Stahlräder. Textabbildung Bd. 308, S. 33 Fig. 4. Metallform für Stahlräder von Slattery. Die Form besteht aus einem Ober- und Unterkasten ab (Fig. 4), die zusammengestellt den Schreckring c (der auch besonders eingelegt werden kann – c1) bilden. Die innere Gestalt der Radkranzform wird durch in eine nach unten sich verjüngende Rinne geschütteten losen Sand gebildet, der ein Schrumpfen des Radkranzes ohne weiteres gestattet. Auf eine Form von Coquillen zur Herstellung von Hartgusswalzen ist der Commanditgesellschaft E. Peipers und Co. in Siegen i. W. das österreichische Privilegium vom 14. Juli 1895 ertheilt worden. Den Gegenstand der Erfindung bildet eine Verbesserung an Coquillen zur Herstellung von Hartgusswalzen und wird durch die Erfindung bezweckt, dass 1) eine bequeme Abführung der beim Giessen sich bildenden Gase ermöglicht und 2) ein zu plötzliches Abschrecken der Gussstücke verhindert wird (Fig. 5 und 6). Textabbildung Bd. 308, S. 33 Form zur Herstellung von Hartgusswalzen der Commanditgesellschaft Peipers und Co. Die Coquillen a werden der Länge nach mit Nuthen oder Ausnehmungen b versehen, in welchen ein Bindfaden b1 von Hanf eingelegt wird. Sodann werden die mit dem Gusse in Berührung kommenden Flächen mit einer dünnen Schicht Formmasse glatt ausgestrichen. Diese Schicht kann aus einer nassen Mischung von Formsand, Fliessand und Graphit bestehen. Die in Fig. 5 mit c bezeichnete Deckschicht darf nur etwa 2 mm stark sein, so dass die abschreckende Wirkung der Coquillen auf das eingeschlossene Hartgusseisen nicht gehindert oder eingeschränkt werden kann. Nachdem die Schicht c lufttrocken geworden ist, werden die Bindfaden b1 aus den Coquillen gezogen und gelangen die letzteren sodann in einen beliebigen Brenn- oder Trockenofen, in welchem die aufgetragene Schicht c gebrannt wird. Nach Einsetzen des Unterkastens d, der Coquille a und des Oberkastens e in die Dammgrube i und nach Befestigung des Giesstrichters fgh kann der Guss vor sich gehen. Die hierbei auftretenden Gase werden durch jene Kanäle abgeleitet, welche bei der Entfernung der Bindfaden b1 entstehen. Bisher wurden die mit dem Gusse in Berührung kommenden Flächen der Coquillen nur mit einer Auflösung von Graphit in Wasser bestrichen; dadurch nun, dass die erwähnte Deckschicht eine erhebliche Verstärkung erfährt, wird vermieden, dass die Abschreckung der erzeugten Gusstücke eine so plötzliche ist, wie es bisher der Fall war, so dass eine zähere und weniger spröde Härte an der Oberfläche mit Hilfe der neuen Vorrichtung erreicht wird. Dies hat einen besonderen Vortheil bei der Herstellung langer und dicker Hartgusswalzen, wie solche z.B. in der Eisen- und Stahlindustrie Verwendung finden, weil in der Oberflächenspannung der erzeugten Walzen nie so scharfe und plötzliche Differenzen entstehen als bisher, und somit ein Springen der Walzen weder in der Fabrikation noch im späteren Betriebe so häufig wie bisher zu beobachten sein wird. Der Patentanspruch lautet: Coquillen zur Herstellung von Hartgusswalzen, dadurch gekennzeichnet, dass diese Coquillen a der Länge nach mit Ausnehmungen oder Nuthen b zum Zwecke der Luftabführung und an den mit dem Gusse in Berührung kommenden Flächen mit einer aus Formmasse (Formsand, Fliessand oder Graphit) bestehenden Deckschicht c versehen werden, um eine zu plötzliche Abschreckung des Gusstückes zu vermeiden. Textabbildung Bd. 308, S. 33 Giessen von Hartgusswalzen von Martin. Das Verfahren zum Giessen von Hartgusswalzen von B. D. und N. Martin in Wolverhampton besteht nach dem Englischen Patent Nr. 572/1893 (Fig. 7 bis 10) darin, dass zunächst die Walzen in der Weise hergestellt werden, dass zuerst der Kern d2 mit den Zapfen d für sich und dann der Mantel um den Kern gegossen wird. Zur Herstellung des Kernes benutzt man nach Fig. 7 den unteren Formkasten, die Schreckschale und den oberen Formkasten. In den unteren Formkasten ist eine ringförmige, aus feuerfesten Steinen in Segmentform (Fig. 9) gebildete Gussrinne f gesetzt, welche zunächst den unteren Anlauf des Kernes formt. Das Metall wird durch den oberen Formkasten eingegossen. Wenn der Kern gegossen ist, werden die enge Schreckschale und der obere Formkasten nach Fig. 8 durch die weite Schreckschale e und den Deckel mit der Luftabführungsrinne p ersetzt. Der Mantel wird nun durch Eingiessen des Metalles in die Röhre h hergestellt. Der Kern d2 soll möglichst cylindrisch nach Fig. 7 und 8 sein. Anderenfalls vermittelt man den Uebergang aus einem dünnen Kern in dicken Zapfen nach Fig. 10 durch Anläufe, auf denen das geschmolzene Metall des Mantels sich fest ansetzt. VI. Gebläsevorrichtungen. Das Hochdruckgebläse von Jäger will die Uebelstände der Root'schen Gebläse vermeiden, die von der Nothwendigkeit, die Root'schen Flügel mit einer weichen Masse zu belegen, herbeigeführt werden. Diese Bekleidung besitzt nur kurze Dauer, sie erweicht oder bricht los. Als ein weiterer Uebelstand dieser Gebläse ist die wechselseitige Arbeit beider Flügelkörper zu betrachten, wodurch unangenehmes Geräusch und Stösse hervorgerufen werden, welche bei grösseren Gebläsen einen Antrieb durch zwei Riemen erforderlich machen. Textabbildung Bd. 308, S. 34 Fig. 11. Jäger'sches Gebläse. Das Jäger'sche Gebläse (Fig. 11) vermeidet die in den Root'schen Gebläsen übliche Verzahnung und beseitigt damit die Wurzel des Uebels. Die Grundidee zu Jäger's Hochdruckgebläse ist bereits durch Patentschrift Nr. 2253 (Greindl) bekannt geworden, wo sie jedoch noch in Verbindung mit Zahncurven auftritt. Das Gebläse zeigt im Inneren zwei rotirende Theile: 1) einen Kolbenkörper, bestehend aus einer kreisrunden Antriebsscheibe, auf welcher drei Kolben k sitzen, die sich in dem ringförmigen Cylinderraume a bewegen, der gebildet wird aus einer feststehenden inneren und äusseren Cylinderwand; 2) einem Steuercylinder w in dem oberen Cylinderraume mit drei Höhlungen h. Beide Körper drehen sich, durch Aussenzahnräder verbunden, mit gleicher Umlaufzahl, so dass die Kolben k jeweils in die Höhlungen h treten, in welchen sie pneumatisch von der Druck- zur Saugseite zurückgeleitet werden, indem im Momente des Uebertrittes (vgl. Fig. 11) die Einbuchtung op vom inneren Cylindermantel diese Höhlungen überdeckt, damit nie eine directe Verbindung der Druck- mit der Saugseite stattfinden kann. Sowie der betreffende Kolben k die Höhlung h verlässt, saugt er in Folge seiner Weiterbewegung aus dem zunächst liegenden Stutzen Luft an, bis der nachfolgende Kolben den Saugraum abschliesst. Die eingeschlossene Luft wird alsdann auf der anderen Seite fortgepresst. Die bei der Fressung durch die kleinen Zwischenräume zwischen Kolben und Cylinderwand etwa zurücktretende Luft wird stets durch den nachfolgenden Kolben aufgefangen, so dass die Verluste auf das geringste Maass beschränkt sind. Die Kolben k haben in den Höhlungen h nach allen Seiten reichlich Spielraum, weil beide Körper nicht gegenseitig, sondern nur gegen die Cylinderwandungen abdichten. Das Gebläse arbeitet nach beiden Seiten gleich gut. Aus dieser Construction ergeben sich folgende Vorzüge: 1) Alle Dichtungen sind durch reichliche Flächen bewirkt, jede Linienberührung oder Verwendung von Dichtungsmasse sind ausgeschlossen. 2) Alle Dichtungsflächen, ohne Ausnahme, werden auf der Drehbank bearbeitet, können also auf das Genaueste hergestellt werden. 3) Dadurch wird ein directes Schleifen der Flächen auf einander vermieden. Beide Körper laufen reibungslos im Gehäuse, nur die Achsenreibung ist vorhanden. Das Gebläse erfordert geringe Kraft. 4) Da eine Berührung der rotirenden Körper ausgeschlossen ist, arbeitet das Gebläse ruhig. 5) Nur der Kolbenkörper allein verrichtet Arbeit, kein Moment wirkt auf den Steuercylinder, welcher seine Arbeit verrichtet wie der Schieber einer Dampfmaschine. 6) Das Gebläse ergibt einen Druck von 3 m Wassersäule und behält denselben für die Dauer auch bei, da ein Verschleiss der inneren Theile nicht stattfinden kann. Uebrigens ist bekannt, dass gut gearbeitete Root-Bläser 15 Jahre und länger unbeanstandet betrieben werden können. VII. Schmelzöfen. Eine Cupolofeneinrichtung, welche sich die Aufgabe gestellt hat, den Gebläsewind möglichst gleichmässig zu vertheilen, so dass die Hitze durch die Düsen nicht zurückgedrängt wird, ist der Crandall-Cupolofen der Foundry Outfitting Company in Detroit. Dies wird durch Wahl einer in der Ofenachse liegenden Düse unter Luftzuführung von allen Seiten erreicht. Der betreffende Ofen (Fig. 12) ruht auf vier gusseisernen Füssen. Diese tragen den Gusseisenbodenring, der in der Mitte mit einer Oeffnung versehen ist, damit der Schacht von unten zugänglich sei. Während aber bei den älteren Cupolöfen der Bodendeckel zur Erleichterung des Einbettens der ausgestanzten Herdsohle an den Rändern schüsselartig aufgekrempt ist, hat dieser Deckel eine kanalartige Ausbauchung b, in welche das Windrohr a gelegt wird, wenn der Deckel geschlossen ist. Textabbildung Bd. 308, S. 34 Fig. 12. Crandall-Cupolofen der Foundry Outfitting Company. Das centrale Windrohr a ist an der Bodenplatte angeschraubt und lässt sich durch einen Schieber von der Windleitung absperren. In dem in den Schacht hineinragenden Theile ist das Blasrohr a ummantelt, um es gegen Verbrennen zu schützen. Der Wind tritt aus dem Rohr a durch den Ringkanal aus. Unterhalb des unteren Ringkanales sind im Ofenmantel acht konische Düsenstöcke c2 angeordnet, welche sich im Windkanale c1 vereinigen, der durch zwei Rohre mit der Windleitung verbunden ist. Hinter jedem Düsenstocke ist ein Schauverschluss angeordnet, um den Schmelzprocess controliren und die Stöcke reinigen zu können. Der Ringkanal c1 ist bei dieser Ofentype innerhalb des Blechmantels angeordnet, damit der Wind besser angewärmt werden kann. Das Abstichloch liegt 100 mm über der Schachtsohle. Textabbildung Bd. 308, S. 35 Fig. 13. Cupolofen von Whitcomb. Textabbildung Bd. 308, S. 35 Fig. 14. Cupolofen von Shaw. Ein Cupolofen nach der Bauart von Whitcomb (Fig. 13) ist seit mehreren Jahren in Beloit (Wisc., Nordamerika) bei der Eclipse Wind Engine Company im Betriebe. Es wurden in demselben durchschnittlich mit 1 k Koks 10,5 k Eisen erschmolzen. Die Auskleidung mit Chamotteziegeln reicht 1,143 m hoch. Nach Uhland liefert ein Sturtevant-Gebläse Nr. 6 die nöthige Gebläseluft. Das Luftzuleitungsrohr ist direct zu der den Mantel des Ofens umgebenden Luftkammer c geführt und ist etwas weiter bemessen als der Druckstutzen am Gebläse. Die Kammer c befindet sich einige Fuss über den Düsenstöcken b. Die Verbindungsrohre zwischen der Kammer c und den Stöcken b haben oben 279 × 254 und unten 254 × 127 mm Querschnitt. Die vier Düsen sind von rechteckigem Querschnitt (64 × 229 mm) und ausserhalb des Ofengemäuers wagerecht gelegt. Die am Ofen vorn sitzende Düse a1 ist 330 und die drei anderen je 343 mm, von Oberkante Ofensumpf gemessen, angeordnet. Im Mauerwerke wurden die Düsen a1 etwas nach abwärts umgebogen, um dem Windstrome eine schräge Richtung zu ertheilen und so die Wirkungsfläche desselben etwas zu vergrössern. Die Höhe des Ofens beträgt 3,19 m, gemessen von Oberkante Sumpf bis Unterkante Chargirloch. Der Schlackenabzug befindet sich 38 mm unterhalb der Düsen a1. Die Chargen schwanken im Betriebe zwischen 4 und 16 t. Dabei wurde mehrfach das Ergebniss erzielt, dass sogar 14 k Eisen mit 1 k Koks niedergeschmolzen werden konnten. Der benutzte Koks ist amerikanischen Ursprunges. Zum Niederschmelzen von 7½ t genügt 1 Stunde. Schon 6 bis 7 Minuten nach Anstellung des Gebläsewindes beginnt die Schmelzung. Das Ansetzen des Ofens erfolgt in der Weise, dass im Sumpfe etwa 600 bis 750 mm hoch Koks geschichtet wird, dann folgen etwa 1300 k Masseln und Bruchguss und dann auf je 600 k Eisen etwa 6 bis 7 Schaufeln Koks. Das Anfeuern des Ofens vor Anstellung des Gebläsewindes erfordert etwa 1¼ Stunde. Ein Cupolofen ist Shaw in Milwaukee, Wisc., unter Nr. 504282 in Amerika patentirt worden. Er hat einen konischen, nach unten sich verengenden Schmelzraum und im unteren Theile einen Sammelraum für das geschmolzene Eisen. In dem ersten Theile des Ofens ist eine regulirbare elektrische Leitung angebracht. Die Fig. 14 gibt eine oberflächliche Darstellung des Cupolofens. Ueber die Betriebsergebnisse sind uns zuverlässige Mittheilungen nicht bekannt geworden. VIII. Verschiedene kleine Verbesserungen. Es mögen hier noch einige kleinere Verbesserungen erwähnt werden: Drehbarer Einlauf für Formkästen von H. R. Müller und F. O. Müller in Löbtau bei Dresden (D. R. P. Nr. 80921). Der Einlaufkanal c (Fig. 15) von entsprechender Form ist mit einem Sammelbehälter b für das flüssige Material drehbar verbunden. Es kann ihm daher je nach der Form des Modelles die für das Anschneiden günstigste Lage ertheilt werden. Ausserdem hat man es hierdurch in der Hand, dem flüssigen Metalle den Eintritt in die Form zu erschweren. Textabbildung Bd. 308, S. 35 Fig. 15. Drehbarer Einlauf für Formkästen von Müller. Verfahren und Vorrichtung zur maschinellen Herstellung von Kernen von Budde und Goehde in Berlin (D. R. P. Nr. 80830). Der den Kern bildende Sand wird nur locker um das provisorisch eingelegte Kerneisen a (Fig. 16) gehäuft und dann einer Pressung durch den Stempel c unterworfen, welche nicht allein dem Sande den festen Halt gibt, sondern auch das vorher provisorisch eingelegte Kerneisen automatisch in seine richtige Lage bringt. Textabbildung Bd. 308, S. 35 Fig. 16. Vorrichtung zur maschinellen Herstellung von Kernen von Budde u. Goehde. Verfahren zum Formen von Rotationskörpern von N. Mennickheim in Erfurt (D. R. P. Nr. 75408), Fig. 17 und 18. Der Mantelring a wird aus Formsteinen in zwei Hälften aufgemauert, die an den beiden Stössen unter Zwischenlegung je eines Zwickels b durch Laschen c und Schraubenbolzen zusammengehalten werden. In diesen Mantel a wird die Lehmform e mittels eines Kranzmodelles eingedreht. Um den Mantelring a wird ein zweitheiliger Blechmantel d gelegt und der Zwischenraum mit Sand i vollgestampft. Nach Einlegung der Naben und der Speichenform wird der Kasten o mit dem Eingüsse und den setzt. Nach dem Gusse können die Mantelringhälften a gelockert, das Gusstück herausgenommen und erstere wieder benutzt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 35 Verfahren zum Formen von Rotationskörpern von Mennickheim. Verfahren zur Herstellung dünnwandiger Gusstücke von A. G. Brown in Manchester, England (D. R. P. Nr. 89212). Die Form wird vor dem Gusse bis nahezu auf die Temperatur des einzugiessenden Metalles erhitzt und nach dem Gusse von unten nach oben künstlich abgekühlt, so dass das in den grossen Eingussräumen befindliche Metall Zeit hat, die bei der Abkühlung entstehenden Schrumpfungen des Metalles auszugleichen. Die Abkühlung der Eingüsse erfolgt zuletzt. Formsandmaschine von dem Eisenhüttenwerke Marienhütte bei Kotzenau, Actiengesellschaft, vorm. Schlittgen und Haase in Kotzenau (D. R. P. Nr. 90897). Das Kernmodell i (Fig. 19) wird in die aus einem hohlen Kasten c bestehende Formplatte eingehängt. Letztere ist mittels in ungleichen Abständen von den Lagerflächen angeordneter Zapfen b drehbar gelagert. Textabbildung Bd. 308, S. 36 Fig. 19. Formsandmaschine von dem Eisenhüttenwerke Marienhütte, Actiengesellschaft, vorm. Schlittgen und Haase. Als Zusatz zur Beschickung von Cupolöfen will man in England mit gutem Erfolge eine Legirung von Gusseisen mit Natronmetall angewandt haben; diese wird durch Zusammenschmelzen von Eisen mit Kochsalz bei hoher Temperatur erhalten, wo alsdann in der That eine wirkliche Reduction des Chlornatriums und Abscheidung des Natriums stattfinden soll, welches im Verhältnisse von 15 : 100 sich mit dem Eisen legirt. Dieser Zuschlag soll eine ausserordentlich grosse reinigende Wirkung in Bezug auf Schwefel und Phosphor ausüben und kann sowohl in den Cupolofen als auch erst in die Gusspfanne eingegeben werden. In letzterem Falle soll die Reaction jedoch eine sehr stürmische sein; auch im Cupolöfen tritt nach dem Zusätze eine beträchtliche Erhöhung der Temperatur ein. Vorrichtung zum Formen von gerippten Heizrohren von der Société anonyme des aciéries, Forges et Ateliers de la Biesme in Bouffioulx, Belgien (D. R. P. Nr. 83009). Die Vorrichtung besteht darin, dass ein nur halbseitig mit Rippen versehenes Modell benutzt wird, welches nach dem Einstampfen des Sandes zwecks Lösung ein wenig zurückgedrückt und nächstdem durch eine halbe Umdrehung nach unten ausgeschaltet wird, wobei die zwischen den Querrippen des Modelles vorhandenen Zwischenräume durch auf Seitenbrettern befestigte Halbringe ausgefüllt bleiben, um den Sand während dieser Manipulation in dem Formkasten festzuhalten. Wir machen noch auf einige Veröffentlichungen des bekannten amerikanischen Giesserei-Ingenieurs Thos D. West aufmerksam, die auch für deutsche Giessereien einiges Interesse haben, obwohl sie vorwiegend sich auf amerikanische Verhältnisse stützen. Die betreffenden Arbeiten finden sich: „Ueber Cupolöfen“, American Machinist vom 28. März, 18. Juni und 21. November 1895. Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Von H. Glafey, Regierungsrath, in Berlin. (Fortsetzung des Berichtes S. 12 d. Bd.) Mit Abbildungen. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Richard Fabian in Gross-Schönau (Sachsen) und Siegfried Schnek in Wien entwirren und recken die Garnsträhne dadurch, dass sie dieselben klopfen, indem sie die Strähne gegen einen Barren oder Tisch schlagen. Die Maschine des erstgenannten ist in den Fig. 10 bis 12 dargestellt und Gegenstand des D. R. P. Nr. 77655. Nach demselben besitzt sie folgende Einrichtung. Sie besteht aus einem Holz- oder Metallgestell b, welches eine in zwei Lagern s drehbare Welle w trägt. Innerhalb des Maschinengestelles sind auf letztgenannter Welle w zwei Riemenscheiben a befestigt. Die Welle w trägt ferner auf ihren beiden Enden je einen Arm e mit den Garnträgern if. Die äussersten, von aussen nach innen sich im Durchmesser verringernden, aus hartem Holz hergestellten Walzen i sind drehbar auf einem durch Schrauben z an dem Arm e befestigten Bolzen m gelagert (Fig. 12). Unmittelbar unter- bezieh. oberhalb dieser Walzen befindet sich je eine weitere, ebenfalls nach der Mitte zu verjüngte Walze f, welche ähnlich wie die Walze i construirt ist, nur mit dem Unterschiede, dass dieselbe aus dünnem Metall hergestellt und an ihrem Umfange mit Kautschuk oder Gummi überzogen ist. Die Befestigungsart der Walze f ist dieserhalb wie bei Walze i, indem die Schraube p an dem Garnträger e angebracht ist. Die Walze f wird in der in der Zeichnung dargestellten Stellung durch die Federn h und g gehalten. Erstere drückt auf den als Nietkopf ausgebildeten Bolzen n der Walze f, letztere aber gegen eine gerade gehaltene Seite des Scharniers k. In Folge dieser Einrichtung kann daher die Walze f in der Richtung des Pfeiles bis an die Feder g aufgeklappt werden, so dass dieselbe die aufgeklappte Stellung behält. Dies ist besonders dann von hohem Werth, wenn Garn eingelegt bezieh. abgenommen werden soll. Die ziemlich kräftig construirten Blattfedern h und g halten gleichzeitig während des Rotirens die Walzen gegenseitig zusammen, so dass das Garn nicht über dieselben heraustreten kann. Ein zweiter Arm nach der oben beschriebenen Art befindet sich auch auf der rechten Seite der Maschine und ist dessen Einrichtung dieselbe, wie die des linksseitigen. Das Garn wird nun zwischen die Walzen i und f gebracht und die Maschine in Thätigkeit gesetzt. Während ihres Umlaufs schlagen jedoch die Arme ee das Garn auf einen entsprechend abgerundeten Holzbalken c, wodurch eine Lockerung und gleichzeitige Trocknung der einzelnen Fäden herbeigeführt wird. Um die Heftigkeit des Schlages zu mildern und somit ein Zerreissen und Zerschlagen des Garnes zu hindern, wenden Siegfried und Manfred Schnek in Wien bei ihrer durch D. R. P. Nr. 88208 geschützten Maschine an Stelle des festen Holzbaren einen elastischen Tisch an. Die Maschine ruht, wie Fig. 13 und 14 erkennen lassen, auf Ständern b0, welche einerseits Consollager c mit Welle und andererseits schmiedeeiserne Träger c1 mit den Verbindungswinkeleisen d d1 tragen. An den letzteren sind die Winkelstützen p und r mit an letzteren durch Scharniere e drehbar angebrachten Klopfplatten p0 befestigt. Die Klopfplatten werden durch die Spiralfedern f und Rollen o in wagerechter Lage erhalten (Fig. 13, 15 und 16) und weichen in die punktirte Lage (Fig. 15) schräg nach abwärts aus, sobald die Garnsträhne beim Umlauf der Strähnhalter in Richtung des Pfeiles (Fig. 13) auf sie aufschlagen. Die Strähnhalter a0 sitzen mit langen Zapfen drehbar in seiner hohlen Welle und sind innerhalb derselben mit Triebrädern ausgestattet; die sämmtlich mit einer Zahnstange in Eingriff stehen, welche durch den Handhebel g in axialer Richtung verschoben werden kann. Die Verschiebung hat zur Folge, dass die Garnträger aus der Arbeitslage Fig. 13 oben und Fig. 14 in die Stellung Fig. 13 unten gedreht, also die Strähne s nicht ausgewechselt werden können. Um das letztere zu ermöglichen, sind die Garnrollen e0 drehbar auf Handhebeln h angeordnet, die mit einem Ende in dem gabelförmig ausgebildeten Ende d0 der Garnträger a0 durch Gelenk verbunden und am anderen Ende durch eine Sperrung b in der Arbeitslage gehalten werden. Textabbildung Bd. 308, S. 37 Entwirren und Recken der Garnsträhne durch Klopfen von Fabian und Schnek. Eine Maschine, welche dazu bestimmt ist, mit Flotten behandelte Garne während des Trockenprocesses zu strecken, veranschaulichen die Fig. 17 bis 20. Diese Maschine ist eine Erfindung von Gathorn Ormondroyd in Wibsey bei Bradford und Gegenstand des engl. Patents Nr. 20785/1895; sie besitzt nach diesem folgende Einrichtung. Die zu behandelnden Garnsträhne werden über zwei Reihen lothrecht über einander angeordnete mit Randscheiben i versehene Garnrollen cd gebracht, von denen die unteren d zwar frei drehbar, aber unverschiebbar in einem Träger e gelagert sind, der sich mit Hilfe von Prismen e2 in den beiden Stirnwandungen aa2 des Gestells führt, die zu diesem Zweck mit entsprechenden Aussparungen a4 versehen sind und unter sich durch die Querriegel a3b in starrer Verbindung stehen. Von den letzteren ist der Riegel b auf seiner Oberseite lothrecht über den unteren Garnrollen d mit halbcylindrischen Aussparungen b3 versehen, in die die Garnrollen c eingelegt werden können. Ueber diese und die unteren Rollen werden die Garnsträhne in der aus Fig. 20 ersichtlichen Weise gelegt. Zum Zwecke des Beschickens und Entleerens der Maschine ist der Riegel b ferner an beiden Enden mit je zwei Consolen b2 ausgestattet, die auf ihrer Oberseite ebenfalls halbcylindrische Aussparungen b3 besitzen und beim Gebrauch aus der Stellung Fig. 17 rechts in die Stellung Fig. 18 links umgelegt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 37 Entwirren und Recken der Garnsträhne durch Klopfen von Schnek. In letzterer können die Garnrollen c in die Aussparungen eingelegt, mit Garnen beschickt und so in die Maschine eingeführt oder aus dieser entnommen und von Garnen befreit werden. Sind die auf den Rollen c hängenden Garne auch über die unter ihnen liegenden Rollen überführt, so wird der untere diese tragende Baum e mit Hilfe der Stellspindeln f von dem Baum b entfernt; es werden also die Strähne gereckt. Die Stellspindeln f ruhen mit Spurzapfen in Lagern auf dem Querriegel a und finden Führung in Muttern f2 des Trägers e. Zum Zwecke des gemeinsamen Antriebes der Spindeln ist jede derselben unterhalb des Trägers b mit je einem Schneckenrad g ausgestattet, die sämmtlich durch eine gemeinsame Welle h2 mit entsprechend angeordneten Triebschnecken h in Umdrehung versetzt werden können. Die Welle h2 trägt zu beiden Seiten der Gestellwandungen Triebräder h5, welche mit Triebrädern h3 auf kurzen Vorgelege wellen in Eingriff stehen. Textabbildung Bd. 308, S. 38 Maschine, um mit Flotten behandelte Garne während des Trockenprocesses zu strecken von Ormondroyd. Durch auf die Vierkantzapfen h4 aufgeschobene Schlüssel kann die Welle h2 nach Belieben nach rechts oder links in Drehung versetzt und somit der Garnrollenträger zwecks Spannung der Strähne gesenkt oder zwecks Entspannung derselben gehoben werden. Um während der Durchführung des Arbeitsprocesses die Strähne auch umziehen zu können, ist jede obere Garnrolle c an ihrer Stirnseite mit einem Vierkantzapfen c2 ausgestattet, auf den ebenfalls ein Schlüssel aufgeschoben werden kann. Um ferner genau festzustellen, auf welche Länge die Strähne gereckt sind, ist an jedem Ende der Maschine Scala l vorgesehen, auf welcher ein Zeiger k4 mit Hilfe einer Kette k verschoben wird, die über Rollen k2 geführt ist und deren beide Enden an dem Garnrollenträger e befestigt sind (Fig. 20). Textabbildung Bd. 308, S. 38 Fig. 21. Maschine zum Glätten und Strecken von Gee und Sohn. Die in Fig. 21 wiedergegebene Maschine von Walter Gee und Sohn in Paisley soll dazu dienen, Baumwoll- und Leinengarn in Strähnen von 20 bis 54 Zoll oder, wenn erforderlich, auch andere Längen zu glätten und zu strecken. Die Strähne werden zu diesem Zweck nach dem Deutschen Wollengewerbe über die beiden Führungsrollen, von denen die eine durch Gewichtshebel den Strähn spannt, derart geführt, dass sie zwischen zwei aus Gummi angefertigten Glättwalzen hindurchlaufen müssen, sobald die Garnträger in Umdrehung versetzt werden und somit den erforderlichen Glanz erhalten. Die Maschine ist hierbei derart ausgebildet, dass jede Seite derselben nach Bedarf zum Stillstand gebracht werden kann, also auf der einen Seite Garnsträhne aufgehängt werden können, während auf der anderen Seite solche bearbeitet werden. Auf diese Weise wird es nach der genannten Fachzeitschrift möglich, bei etwa 1400 Umdrehungen der Maschine 70 bis 80 Pfund Garn von mittlerer Stärke im Tag bearbeiten zu lassen. Eine Maschine, welche dazu bestimmt ist, Garnsträhne, insbesondere solche aus Seide, zu strecken und mit Glanz zu versehen, wird von der Zittauer Maschinenfabrik und Eisengiesserei gebaut und besitzt folgende Einrichtung. In einem eisernen Kasten mit zwei seitlichen Thüren sind vier Paar Metallspulen zum Aufhängen des Garnes vorgesehen, von denen die oberen fest gelagert und drehbar sind, während die unteren durch Gewindespindeln auf und nieder bewegt werden können. Auf jeder Seite ist die Maschine ferner mit einer Doppel-Messingrolle ausgestattet, um dem Garne beiderseitig Glanz zu geben, und besitzt weiterhin eine Scala zum Ablesen der Garnstreckung, ein Dämpfrohr mit Dampfeinlassventil und Condenswasserableiter, sowie Dampfzuleitungsrohre für die oberen Metallspulen, falls dieselben geheizt werden sollen. Die Maschine ist für Garnsträhne bis 650 mm Weichlänge bestimmt und beansprucht einen Rauminhalt von 1600 × 1400 × 1900. Textabbildung Bd. 308, S. 38 Fig. 22. Maschine zum Strecken der Garnsträhne von Franke. Eine ähnliche Einrichtung, wie die vorstehend erläuterte Maschine, zeigt die Maschine Fig. 22 von Gebrüder Franke. Dieselbe besitzt nach einer Abhandlung von Th. Gebauer über Maschinen zum Bleichen, Färben u.s.w. von Garnen folgende Construction. In einem Blechkasten a, der an den Seiten Thüren behufs Einbringens der Garnsträhne hat und auf einem festen Untergestelle ruht, befinden sich vier Paar Messingspulen b hinter und neben einander so angeordnet, dass die Strähne auf zwei lothrecht über einander stehenden Spulen aufgehängt werden. An den Seiten befinden sich Handkurbelräder c, welche durch Stirnradübersetzung eine Schnecken welle betreiben, deren Schnecken d die unteren Spulen in Umdrehung versetzen, ebenso führt eine Stirnradübersetzung f nach oben, um mittels Kegelrädergetriebe eine lothrechte Schraubenspindel g zu bethätigen, durch die der obere Spulenträger h gehoben oder gesenkt werden kann. Das Strecken der Strähne findet unter Dampf und demnach bei geschlossenen Thüren statt, es enthält deshalb der Kasten a unten ein Dampfeinlass- und Condensationswasserableitungsrohr i bezieh. k. An dem Spulenträger h ist ein Zeiger l angebracht, welcher an einer Scala m die Grösse der Streckung anzeigt. Hat diese die gewünschte Grösse erreicht, so wird die Kuppelung n gelöst, die Streckung also eingestellt, während zum Zwecke des Glanzgebens die Spulen sich weiter drehen. Behufs Abnahme der Strähne lässt man die Spindel g rückwärts laufen. C. G. Haubold construirt diese Maschine ganz ähnlich, bringt aber, wie die Zittauer Maschinenfabrik, Glättrollen an, welche auf die Garnsträhne wirken; auch baut derselbe nach Gebauer dieselbe mit wagerechter Anordnung mit nur zwei Paar Spulen, die neben einander gelagert sind. Eine Garnstreck- und Plättmaschine, hauptsächlich für baumwollene Näh-, Stick- und Häkelgarne, von Gebrüder Franke ist in Fig. 23 wiedergegeben. Die Maschine besitzt nach Gebauer auf jeder Seite zwei frei nach aussen ragende Garnträger, von denen die oberen a feststehen und als heizbare Bügelkörper ausgebildet sind, während die unteren b drehbare cylindrische Rollen bilden, die mittels der Spindel e gehoben und gesenkt werden können. Durch Drehung der Rollen werden die Strähne umgezogen und so auf den Bügelkörpern geglättet. Ihre Drehbewegung empfangen die Rollen b von der Antriebwelle d aus mittels der Kegelräder e, der stehenden Welle f, Stirnräder h und Kegelräder i, während die Drehung der Spindelmuttern für die Parallelverschiebung der Garnrolle b von der lothrechten Welle f aus durch die Stirnräder g erfolgt, sobald die Kuppelung k1 durch den Handhebel k eingerückt ist. Ist dies nicht der Fall, so erfahren die Rollen b nur eine Drehbewegung, der Strähn auf denselben wird also umgezogen. Textabbildung Bd. 308, S. 39 Fig. 23. Garnstreck- und Plättmaschine von Franke. Gleichfalls zum Strecken und Glätten von Garnsträhnen dient die in Fig. 24 wiedergegebene Maschine von J. H. Riley und Co. in Bury, England. Das zu behandelnde Garn wird bei derselben, wie die Figur erkennen lässt, über einen die obere Garn walze ersetzenden, feststehenden, heizbaren Sattel aus Metall und eine Garnrolle von polygonalem Querschnitte gebracht. Die letztere sitzt auf einem Schaft, der von dem gabelförmig ausgebildeten Ende einer Zahnstange getragen wird, die mit einem Zahntriebe in Eingriff steht, der auf einer im Obertheile der Maschine gelagerten Welle sitzt. Diese Welle empfängt ihre Bewegung durch Zwischenräder von einer parallel zu ihr liegenden zweiten Welle, sobald der gekreuzte Riemen zwischen ihr und der im Untertheile der Maschine gelagerten Antriebwelle der Maschine sich auf den Festscheiben dieser beiden Wellen befindet. Textabbildung Bd. 308, S. 39 Fig. 24. Maschine zum Strecken und Glätten von Garnsträhnen von Riley und Co. Ist dies der Fall, so wird die Zahnstange gehoben und mit ihr steigen auch die Garnrollen nach oben. Haben dieselben ihren höchsten Punkt erreicht, so stösst ein Ausrücker oder Steuerarm an den auf dem rechten oberen Ende der Figur ersichtlichen belasteten Bremshebel und hebt diesen an. Die Folge davon ist, dass das Bremsband gelockert und die mit dem Bremshebel verbundene Riemengabel verschoben wird. Der gekreuzte Riemen geht auf die Losscheiben über und die Zahnstange geht in Folge Wirkung des an ihrem unteren Ende hängenden Gewichtes plötzlich nach abwärts. Hierdurch werden die Garnsträhne gereckt. Das Umziehen wird durch Drehung der polygonalen Cylinder herbeigeführt. Das auf ihrer Achse zwischen der gegabelten Zahnstange sitzende Triebrad empfängt zu diesem Zwecke von der Hauptwelle aus durch an Gelenkhebeln sitzende Zwischenräder Bewegung. (Fortsetzung folgt.) Elektrotechnik. Elektrische Weichen und Signale. Mit Abbildungen. Elektrische Weichen und Signale. Centrale elektrische Weichen- und Signalstellwerke von Siemens und Halske. Bis vor kurzem fand die Elektricität im Eisenbahnsicherungsdienste fast ausschliesslich in den bekannten Siemens'schen Blockwerken Verwendung. In den letzten Jahren ist es der Firma Siemens und Halske jedoch gelungen, die Elektricität auch für Antrieb und Ueberwachung von Weichen- und Signalstellanlagen zu benutzen.Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1897 S. 203. Die in Fig. 1 dargestellte elektrische Weichenstellvorrichtung besteht aus einer im gusseisernen Gehäuse g eingeschlossenen Umstell- und Verriegelungsvorrichtung, die durch den in einem besonderen Gehäusetheil g1 befindlichen, leicht auswechselbaren Gleichstrommotor mittels eines Schneckengetriebes bethätigt wird. Der aus dem Gehäuse g herausragende kräftige Zapfen a überträgt die Bewegung des Schneckenrades mittels einer Doppelkurbel k und zweier Riegelstangen z1 und z2 auf die beiden Weichenzungen I und II. Von diesen ist in der Ruhelage die an der Stockschiene anliegende Zunge durch den an der Kurbel sitzenden Verriegelungsansatz h in ihrer Stellung verriegelt. Die Kurbel selbst wird durch einen festen Anschlag einerseits und durch einen Verriegelungshaken andererseits in ihrer Stellung festgehalten. Textabbildung Bd. 308, S. 40 Centrale elektrische Weichen- und Signalstellwerke von Siemens und Halske. Fig. 2 stellt den elektrischen Zusammenhang der Weichenstellvorrichtung mit dem Centralstellwerke und mit einem elektrisch betriebenen Signale dar. Der Weichenmotor wm ist mit Collectorbürsten 1 bis 4 ausgerüstet, von denen abwechselnd, je nach der Stellung der Weiche, zwei gegenüber liegende auf dem Collector aufliegen. Ein ⊤-förmiger Hebel t0, der vom Triebwerke der Weichenstellvorrichtung beeinflusst wird, stellt die Bürsten um. Die zur Bedienung und Ueberwachung der Weichenstellvorrichtung bestimmte Einrichtung des Centralstellwerkes besteht aus einem Umschalter w, der von Hand mittels eines ausserhalb des Stellwerkgehäuses befindlichen Knebels bewegt wird, aus einem Ueberwachungselektromagneten m, einem Umschalter w1 und einem Contacte c. Der Umschalter w1 ist so construirt, dass er durch Umlegen den Umschalter w aus der in Fig. 2 gezeichneten Normalstellung in die entgegengesetzte, durch Anziehung des Ueberwachungsmagneten m dagegen wieder in die Normalstellung gebracht wird. Der Contacthebel c ist derart mit dem Anker von m fest verbunden, dass bei angezogenem Anker der Stromschluss über c hergestellt, bei abgefallenem Anker dagegen, also bei Stromlosigkeit der Magnetspulen m, die Leitung IVa unterbrochen ist. Der Magnetanker trägt ein halb schwarz, halb weiss gestrichenes Täfelchen, dessen weisse Hälfte normal hinter einer im Stellwerkgehäuse angebrachten Oeffnung, dem Ueberwachungsfenster, sichtbar ist, während bei abgefallenem Anker der schwarze Theil hinter dem Fenster erscheint. Die Signalstellvorrichtung besteht aus einem Elektromotor sm, der in gleicher Weise wie der Weichenmotor mit vier Bürsten versehen ist und mittels eines Schneckengetriebes einen Hebel i um einen der Signalflügelbewegung entsprechenden Winkel nach abwärts und von da wieder in die in Fig. 2 gezeichnete Normalstellung zurückdreht, und aus einer elektromagnetischen Kuppelung ku, welche die Abwärtsbewegung des Hebels i auf den Signalflügel f überträgt. Zur Bethätigung der Signalstellvorrichtung von der Centralstelle aus dienen zwei Umschalter s und s1 und ein Ueberwachungsmagnet m2 von gleicher Wechselwirkung und Ausrüstung wie die entsprechenden Theile der Weichenstellvorrichtung, und ein Contactschliesser s2, der mit s gekuppelt ist. Das Weichenstellwerk wirkt folgendermaassen: In der Normalstellung wird der Ueberwachungsmagnet m von einem von der Batterie b25 gelieferten Strome von ungefähr 0,12 Ampère, dessen Weg durch Pfeile mit Zeigern 1 gekennzeichnet ist, gespeist und hält den Anker fest. Das weiss erscheinende Ueberwachungsfenster zeigt diesen Zustand und mithin auch das Aufliegen der Collectorbürsten 1 und 2, d.h. die richtige Verriegelung und Betriebsfähigkeit der Weiche an. Um die Weiche in die entgegengesetzte Stellung zu bringen, legt der das Centralstellwerk bedienende Wärter den Weichenknebel und damit die Umschalter w und w1 um. Der hierdurch von der Batterie b120 gelieferte Strom nimmt seinen Weg über w, Leitung 2, Weichenmotor, Leitung 1, w1 nach b120, der Ueberwachungsmagnet ist stromlos (schwarzes Fenster). Der Motor erhält nun in Folge des Anschlusses an die hochgespannte Batterie den zur Umstellung der Weiche erforderlichen Strom, der nach Maassgabe des Zustandes der Weichenzungen und der Reibungsverhältnisse zwischen 2 und 6 Ampère schwankt. Der Motor läuft leer an, entriegelt sodann die Achse a (Fig. 1) der Stellvorrichtung und dreht Achse und Kurbel im Sinne des Uhrzeigers um 120°, wodurch die Weichenzunge I von der Stockschiene entfernt, die Zunge II dagegen an die zugehörige Stockschiene angelegt und verriegelt wird. Die Bewegung der Kurbel k wird durch einen festen Anschlag begrenzt, ihre Kuppelung mit dem Motor wird gelöst und gleichzeitig tritt die Verriegelung der Kurbel in ihrer neuen Lage ein. Unmittelbar darauf wird der am Motor befindliche Steuerhebel t umgestellt und dadurch die Bürsten 1 und 2 vom Collector abgehoben, die Bürten 3 und 4 angelegt. Es ist nunmehr die unmittelbare Verbindung des Motors mit der Batterie unterbrochen und eine neue Verbindung über den Magnet m (Fig. 2, Zeiger 3) hergestellt. Dieser zieht den Anker an, drückt dabei den Umschalter w1 wieder in seine Normalstellung zurück und zeigt durch das weisse Feld im Ueberwachungsfenster die wirklich vollzogene Umstellung und Verriegelung der Weiche an. Der Strom läuft, wie vorher beschrieben, nur mit dem Unterschiede, dass er durch die Leitung 3 statt durch die Leitung 2 geht. Der Motor ist jetzt für die Rückstellung der Weichenzungen in die in Fig. 1 angenommene Lage dadurch vorbereitet, dass die nun aufliegende Bürste 3 mit jener Leitung (3) verbunden ist, die bei Rückstellung des Knebels unmittelbaren Anschluss an die Batterie erhielt. Noch zu erwähnen sind zwei in den beiden Figuren nicht ersichtlich gemachte, jedoch sehr wichtige Einzelheiten. Die erste besteht in einer durch gewaltsames Andrücken der freien Weichenzunge gegen die Stockschiene (durch Befahren der Weiche aus dem unrichtigen Gleise) lösbaren Keilkuppelung zwischen der Kurbel k und dem Verriegelungshaken, welche die Weiche ohne Zerstörung irgend eines Bestandtheiles aufschneidbar macht. Diese gewaltsame Entriegelung wird durch zwangläufiges Abheben der Collectorbürsten, sonach durch Unterbrechung des Ueberwachungsstromes und die damit verbundene Schwarzblendung des Ueberwachungsfensters angezeigt. Die zweite Einrichtung hat den Zweck, die Umstellung einer Weiche zu verhindern, so lange sich ein Fahrzeug darin oder davor befindet, das durch Umstellen der Weiche zum Entgleisen gebracht werden könnte. Diese Einrichtung besteht aus einem im Stellwerke befindlichen Elektromagneten in Verbindung mit einer unmittelbar vor der Weichenspitze liegenden isolirten Schiene. Die Wickelung des Elektromagneten ist einerseits mit einem Pole der Batterie, andererseits mit der isolirten Schiene, und der zweite Pol der Batterie mit der Erde verbunden. Der Elektromagnetanker sperrt in angezogenem Zustande den Weichenknebel. Der für diese Anziehung erforderliche Stromschluss wird dadurch hergestellt, dass die Achsen eines auf der isolirten Schiene stehenden Fahrzeuges diese mit der gegenüber liegenden Schiene, d.h. mit der Erde bezieh. dem zweiten Batteriepole, verbinden. Die Schaltung und Wirkungsweise der Signalstellvorrichtung ist aus Fig. 2 leicht verständlich. Durch Umlegen von s erhält der Signalmotor Betriebsstrom und bewegt den Hebel i bis in die Endstellung, worauf die Bürsten umgesteuert werden. Der Signalflügel f wird dabei in die Fahrtstellung bewegt, wenn die Contacte c, s2 und x geschlossen sind. Letzterer ist am Fahrstrassenverschluss verschiebbar angebracht und nur geschlossen, wenn der betreffende Schieber gezogen, d.h. sämmtliche für die durch das Signal f erlaubte Fahrt in Betracht kommenden Weichen verschlossen sind. Die Leitung IVa führt über die Contacte c aller verschlossenen Weichen und über einen im Stationsblockapparate untergebrachten Ausschalter, so dass die Freigabe des Signals nochmals besonders in die Hand des diensthabenden Verkehrsbeamten gelegt ist. Durch Unterbrechung des Kuppelstromes (Leitung IV IVa) wird das Signal sofort in die Normalstellung Halt zurückgebracht, da der Flügel an dem Hebel i nur durch den Elektromagneten kw festgehalten wird und, wenn dieser stromlos ist, durch sein Eigengewicht auf Halt fällt. Wenn der Signalknebel s zurückgelegt wird, so wird der Flügel überdies durch den Motor zwangläufig zurückgedrückt. Die mechanische Abhängigkeit zwischen Signalknebel, Fahrstrassenknebel und Weichenknebel ist in der bei mechanischen Stellwerkanlagen bereits bekannten Weise durch Schieber und Sperrklinken hergestellt. Die Abhängigkeit der Signale von Nachbarstationen und von Streckenblockposten ergibt sich von selbst dadurch, dass die Kuppelstrangleitung IV oder IVa über Contacte in den betreffenden Blockeinrichtungen geführt wird. Der Verbrauch elektrischer Energie ist durch Anwendung von drei Accumulatorenbatterien von verschiedener Spannung (120, 25 und 10 Volt) auf ein geringes Maass herabgedrückt. Der Ueberwachungsstrom beträgt, wie oben erwähnt, für einen Motor 0,12 Ampère und wird von einer Batterie von 25 Volt geliefert. Die zur Ueberwachung einer Stellvorrichtung für 1 Tag verbrauchte Energie beträgt somit 0,12 . 25 . 24 = 72 Watt-Stunden; die zum Betriebe für einen Weichen- oder Signalmotor unter der Annahme, dass die Betriebsvorrichtung täglich im Durchschnitt 200mal umgestellt werde, 190 Watt-Stunden und entspricht dem zum 3 ½stündigen Betriebe einer 16kerzigen Glühlampe erforderlichen Energieverbrauch. Als hauptsächlichste Vortheile derartiger Stellwerksanlagen haben sich folgende herausgestellt: Fortfall jeder beweglichen Transmission und Ersatz derselben durch Kabelleitungen, deren Unterhalt weitaus einfacher und billiger ist; Handhabung der Stellhebel ohne körperliche Anstrengung, in Folge dessen Ersparniss an Arbeitskräften; erhöhte Sicherheit des Betriebes durch die dauernd hergestellte Abhängigkeit der Signale und Weichen von einander und die besser ausgebildeten Ueberwachungseinrichtungen. Die Kosten einer derartigen Anlage sind nicht wesentlich höher als die einer Anlage mit Gestängeleitung. Es sind bereits mehrere solche Anlagen im Betriebe (Bahnhof Prerau der Kaiser Ferdinands-Nordbahn in Mähren, Bahnhof Westend der Berliner Ringbahn) und haben sich vorzüglich bewährt, während eine Anzahl weiterer Anlagen zur Zeit im Bau begriffen ist, von denen die fast vollendete Anlage auf dem Güterbahnhofe Untertürkheim bei Stuttgart 180 Weichen und 29 Signale umfasst. (Schluss folgt.) Fortschritte der angewandten Elektrochemie. Von Dr. Franz Peters. (Fortsetzung des Berichtes S. 19 d. Bd.) Mit Abbildungen. Fortschritte der angewandten Elektrochemie. D. Apparatur. Es ist schon lange bekannt, dass eine Aluminiumanode eine starke Schwächung des durch eine Zelle geschickten Stromes bewirkt. Die Erscheinung ist wohl nicht auf einen Uebergangswiderstand, sondern auf eine Art von Condensatorwirkung zwischen der Elektrode und der Flüssigkeit, also auf eine Art von dielektrischer Polarisation zurückzuführen. Denn nach L. Graetz (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 67; Englisches Patent Nr. 23084/1896) hält eine jede solche Zelle einer ganz bestimmten, mit der Stromdichte wachsenden elektromotorischen Kraft das Gleichgewicht, 22 Volt bei sehr geringer Dichte. Nach Stromöffnung bleibt nur eine elektromotorische Kraft von rund 1 Volt. In einer Reihe von x hinter einander geschalteten derartigen „Drossel- oder Ventilzellen“ geht dann in der Richtung, in der Aluminium die Anode ist, von dem primären Strom, falls dessen Spannung kleiner als x . 22 Volt ist, kein messbarer Betrag hindurch. Die andere Elektrode kann aus Kohle oder irgend einem von dem Elektrolyten chemisch nicht angreifbaren Metall (ausser Aluminium) oder aus einer geeigneten Legirung bestehen. Der Elektrolyt muss an der Anode direct oder secundär Sauerstoff entwickeln können. Verdünnte Säuren und besonders Alaunlösungen sind geeignet. Durch solche Zellen würden also von einem Wechselstrom nur die negativen Theile gehen und einen ununterbrochenen Gleichstrom liefern. Die anderen Stromtheile kann man für sich auffangen, wenn man eine zweite Drosselzellenbatterie in umgekehrter Anordnung mit den Polen der Wechselstromquelle verbindet. Durch jeden der beiden Drähte fliesst dann ein Gleichstrom von der halben Stärke des Wechselstroms. Schaltet man an jeden Pol der Wechselstromquelle zwei entgegengesetzt geschaltete Batterien neben einander ein, so erhält man in dem Drahte, der die beiden Verbindungen der gleichnamigen Batteriepole mit einander verbindet, einen pulsirenden Gleichstrom von der ganzen Stärke des Wechselstroms. Aehnliche Versuche hat Ch. Pollak (Compt. rend., 1897 Bd. 124 S. 1444; Englisches Patent Nr. 24398/1895 und 1069/1896; D. R. P. Nr. 92564) gemacht. Unter Verwendung alkalischer Lösungen gelingt es ihm, mit einer einzigen Zelle Stromdurchgang bei einer Spannung von 140 Volt aufzuhalten. Die Oxydschicht muss dünn und gleichmässig sein. Für die Dauerhaftigkeit eines solchen Umformers ist absolute Reinheit des Aluminiums Bedingung. Als Condensator wirkt der Apparat besser, wenn man poröse Aluminiumplatten verwendet. Mengarini verband den einen Pol einer Wechselstrommaschine mit einer grösseren in verdünnter Schwefelsäure stehenden Bleiplatte und erhielt beim Eintauchen des anderen, aus einem dünnen Platindrahte bestehenden Pols unter Erglühen der Spitze einen pulsirenden Gleichstrom. Einen Laboratoriumsapparat für Elektrolyse mit ruhendem und circulirendem Elektrolyten beschreibt Harry Wehrlin (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 3 S. 450). Verschiedene für elektrolytische Processe vorgeschlagene Kohlensorten haben Stanger und Blount (The Electrician, 1897 Bd. 39 S. 137) geprüft. Dabei wurde gefunden, dass Retortenkohle sich am besten bewährte. Ihr am nächsten kommt „Irex carbon“, während Lessing's Kohle (vgl. D. p. J. 1897 304 294) sich als geringerwerthig erwies, da sie mehr mineralische Substanzen enthält und (durch geschmolzenen Salpeter und bei der Elektrolyse von Schwefelsäure) schneller corrodirt wird. H. Pauli und L. Pincussohn (D. R. G. M. Nr. 83065; Chemiker-Zeitung, 1897 Bd. 21 S. 1048) benutzen als Diaphragma eine niedrige cylindrische Zelle mit grossem Boden, die an zwei durch den oberen Rand geführten Metallstäben aufgehängt wird. Man erreicht dadurch eine unveränderliche Stellung der Zelle und eine leichte Beobachtung des elektrochemischen Vorgangs. Statt der Becher können als Behälter für den Elektrolyten Krystallisirschalen dienen. Einen Condensator für hohe Spannungen (bis 500000 Volt), dessen Capacitäten regulirbar sind, kann man sich nach L. J. Blake (Electrical World, New York, 1896 Bd. 28 S. 556) leicht herstellen, wenn man auf eine Zinnplatte einen Zinnbecher von 18 cm Höhe, 20 cm oberem und 12,5 cm unterem Durchmesser und in diesen eine aussen mit gekochtem Leinöl angestrichene 2 l-Glasflasche mit Kohlenstab stellt. Die Capacität ist verschieden, je nachdem man Flasche und Becher mehr oder weniger weit mit angesäuertem oder salzhaltigem Wasser füllt. Th. des Coudres (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 3 S. 417, 441, 465, 489 und 513) verbreitet sich über Constructionsgrundsätze und Leistungsfähigkeit unserer Spiegelgalvanometer. Zum Platiniren der Elektroden für Widerstandsgefässe hat sich nach F. Kohlrausch (Wied. Ann., 1897 Bd. 60 S. 315) die von Lummer und Kurlbaum vorgeschlagene Lösung (1 Platinchlorid und 0,008 Bleiacetat in 30 Wasser) sehr gut bewährt. Man braucht nur ½ qc grosse Elektroden zu verwenden. Gefässe mit feststehenden, beweglichen und Tauchelektroden werden beschrieben, Scalenrohre und einzelne Operationen bei der Widerstandsbestimmung besprochen. Erzeugt man schnelle Wechselströme durch oscillatorische Entladung einer Leydener Flasche und verwendet man bei der Brückencombination als Indicator eine Funkenstrecke oder eine Vacuumröhre, so kann man nach W. Nernst (Wied. Ann., 1897 Bd. 60 S. 600) mit dieser Anordnung in ähnlicher Weise wie mit der Telephonbrücke Leitfähigkeiten, Dielektricitätsconstanten und Selbstinductionen bestimmen. Eine Methode zur Messung von elektrolytischen Widerständen mit Gleichstrom, die anscheinend nicht sehr genau ist, geben W. Stroud und J. B. Henderson (Philos. Magaz., 1897 Bd. 43 S. 19) an. R. Malmström (Zeitschr. f. physik. Chemie, 1897 Bd. 22 S. 331) misst grosse elektrolytische Widerstände in der gewöhnlichen Brückencombination mit Gleichstrom. Der Brücken ström wird immer nur so kurze Zeit geschlossen, dass man den Sinn des Galvanometerausschlages bestimmen kann, dass aber Polarisation so gut wie gar nicht eintritt, und jedesmal vor dem Widerstandsgefäss commutirt. Zum Anzeigen eines Ueberschusses von Stickstoff in Minen u.s.w. benutzt L. Colin (D. R. P. Nr. 92625 und Englisches Patent Nr. 28609/1896) eine offene Bogenlampe. Aenderungen im Glühen schalten durch den Zeiger eines Ampèremeters einen elektrischen Alarmapparat ein. Um Grubengas und andere schädliche Gase anzuzeigen, verwenden Ludwig Mayer und Busch (Französisches Patent Nr. 258047) eine Gasbatterie, die Aenderungen in der sie umgebenden Atmosphäre an einem Signalapparate kenntlich macht. E. Pyroelektrochemie. Der Erzreductionsofen von R. Chavarria-Contardo (D. R. P. Nr. 94508), der ununterbrochenen Betrieb und Ausnutzung der Verbrennungswärme etwaiger Abgase gestattet, besteht aus einem Schacht aus feuerfesten Steinen, einem Schmelzraume mit zwei einander gegenüber gestellten Elektroden und einem Herde; die beiden letzteren sind mit Graphit ausgekleidet oder werden gekühlt. Der Schmelzraum ist durch ein Dach, Gewölbe o. dgl. gegen den Reductionsschacht, der zweckmässig abhebbar auf einem Metallrahmen ruht, abgegrenzt. In verschiedener Höhe befinden sich in den Schachtwandungen Kanäle, durch die Luft angesaugt oder künstlich eingetrieben wird. Mit ihrer Hilfe verbrennt das bei der Reduction entstandene Kohlenoxyd, und dessen Hitze reducirt wiederum das Gemenge aus Erz, Kohle und Schmelzzuschlägen. Es können auch auf einen Schacht mehrere Schmelzstellen kommen. Bei rundem Ofenquerschnitte werden die beiden Kohlenstäbe jedes Lichtbogens zweckmässig parallel neben einander gelegt und die Elektrodenpaare radial angeordnet und mit einem gemeinsamen Dache versehen. Einen elektrischen Ofen mit Regulirvorrichtung für die Zu- und Ableitung von Gasen, sowie mit Kühlung der oberen Elektrode und des Ofenmantels beschreibt A. H. Cowles (Amerikanisches Patent Nr. 583249; Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 4 S. 238). Textabbildung Bd. 308, S. 43 Fig. 2. Erzreductionsofen von Chavarria-Contardo. In den Ofenschacht a (Fig. 2) mit der grobkörnigen Beschickung b ist die Elektrode c eingehängt; die andere Elektrode bildet die Kohlenauskleidung a1 des Herdes. Die Stromleitungskabel sind bei d und o befestigt. Der Halter für die obere Elektrode und der Ofenmantel können mittels der Röhren f, f1, f2 und f3 durch Wasser oder kalte Gase gekühlt werden. Ein wenig oberhalb des Herdes g mit Stichloch h münden zwei Rohre i und i1, die ihrerseits wieder durch die mit Wassermäntel k und k1 umgebenen Rohrleitungen l mit einem Wechselventile und durch dieses mit einer Gaszu- und -ableitung in Verbindung stehen. Ausser dem gewünschten Gase kann auch gleichzeitig Luft eingeführt werden. Der Schacht muss verschlossen oder bei niedrigem Gasdruck wenigstens mit feiner Kohle abgedeckt sein. In den Gaskanälen liegende Koks- oder Holzkohlenstücke verhindern ein Mitreissen von Flugstaub u. dgl. Um gleichmässiges Niederschmelzen der Beschickung zu erzielen, wird der Gasstrom von Zeit zu Zeit umgekehrt. O. Patin (D. R. P. Nr. 94641; Englisches Patent Nr. 19290/1896) verschliesst seinen Ofen hermetisch, um in ihm sowohl unter Druck wie unter Luftverdünnung arbeiten zu können. Der Abstand der geneigten Elektroden kann durch Stellvorrichtungen geregelt werden. Die Beschickung ruht als Säule auf einem Kolben, dessen allmählicher Abwärtsbewegung sie folgt. Wassercirculation sorgt für Abkühlung der Wandung des Heizraumes und für Regelung des Hitzegrades. Der Kolben kann durch Schieber, Schaufelräder u.s.w. ersetzt werden. Die Ablenkung des Lichtbogens durch einen Magnet, die sich F. J. Patten (Englisches Patent Nr. 4138/1897) hat schützen lassen, wurde durch Ch. W. Siemens schon 1879 bei der Construction elektrischer Oefen verwendet. Die Elektromagnete werden mit Gleichstrom gespeist, dessen Richtung durch einen mechanischen Commutator umgedreht wird. Der in D. p. J. 1897 304 296 beschriebene Ofen ist E. F. Price auch in Deutschland geschützt worden (D. R. P. Nr. 93798). Einen Apparat zum Schütze der Arbeiter, die an elektrolytischen Schmelzgefässen beschäftigt sind, beschreibt Hunt (Amerikanisches Patent Nr. 582923). Demetrio Helbig (Atti della Reale Accad. dei Lincei, 1897 5. Ser. Rendiconti Bd. 6 S. 314) berichtet über einen röhrenförmigen elektrischen Ofen. In einen vierkantigen Behälter aus Eisenplatten, der beiderseitig durch eine durchlochte feuerbeständige Wand geschlossen ist, wird ein 50 cm langes Kohlenrohr von 2 cm lichter Weite und 0,5 cm Wandstärke, das mit Stromzuleitungen versehen ist, eingeführt. Der eiserne Kasten hat ein mit Glimmer verkleidetes Schauloch. Vor dem Moissan'schen soll der Ofen hauptsächlich den Vorzug haben, die Temperatur leicht constant erhalten zu können. Ein recht praktischer, von Aug. E. Bonna und Alex. Lekoyer (Zeitschr. f. Elektrochemie, 1897 Bd. 3 S. 479) angegebener elektrischer Ofen für das Laboratorium besteht aus einem Blechcylinder, dessen beide Hälften durch verbolzte Ringe an einander gehalten werden. An einer als Boden dienenden Kreisscheibe ist die kupferne Stromzuleitung befestigt. Der Tiegel kommt auf eine mit einem Viertel ihres Gewichtes an Zucker vermengte Schicht Retortenkohle zu stehen. Zur Elektricitäts- und Wärmeisolation wird der Raum zwischen Cylinder- und Tiegelwänden mit gepulverter, von dickem Zuckersyrup durchsetzter und fest gestampfter Holzkohle gefüllt. M. D. Sohon (Journ. of the American Chem. Society, 1897 Bd. 19 S. 790) will einen elektrischen Laboratoriumsofen als ökonomischen Ersatz für Wasserbäder und Gasbrenner benutzen. Er besteht aus einem kupfernen Behälter mit auswechselbarer Heizplatte und Erhitzungsstöpseln aus Rheostatenmaterial. Jeder Stöpsel hat zwei verschieden grosse Theile, so dass durch entsprechende Schaltung dreierlei Temperaturen erzielt werden können. Umgeben sind die Heizstifte von Isolationsmaterial und Asbest, der gleichzeitig die Strahlung der Wärme nach unten verhindert. Zu ihrem Schutz dient eine Kupferplatte. Vor dem Wasserbade hat der elektrische Ofen den Vorzug, reinlich und trocken zu sein und keine Wartung zu beanspruchen. Vom gewöhnlichen Trockenofen unterscheidet er sich vortheilhaft dadurch, dass die Temperatur nicht durch Luftzug beeinflusst und eine unnöthige Erwärmung des Laboratoriums vermieden wird. Besonders zu empfehlen ist er beim Arbeiten mit feuergefährlichen Flüssigkeiten. F. H. Leeds (The Electrician vom 22. Januar 1897) weist nach, dass metallurgische Schmelzen ökonomischer als durch directe Erhitzung mit Kohle, im elektrischen Tiegel ausgeführt werden, wenn Wasserkräfte verfügbar sind. Zum elektrischen Schmelzen von Metallen bestimmte Tiegel überzieht Roger W. Wallace (Amerikanisches Patent Nr. 585993; übertragen auf The Electrometallurgical Co., Ltd.) dadurch mit dem Oxyde des betreffenden Metalles, dass er eine Suspension des Oxydes in geschmolzenem Borax über die Wandungen vertheilt. Der von der Thomson Electric Welding Company hergestellte Apparat zum Enthärten von Stahl hat sich nach J. Castner (Stahl und Eisen, 1897 Bd. 17 S. 323) sowohl bei Bohrlöchern als ganzen Linien bewährt. Man kann auch damit härten, wenn man die betreffende Stelle erhitzt und dann den Apparat schnell fortnimmt. Schweissen und Löthen nach dem Voltex-Verfahren beschreibt Electrician, 1897 Bd. 40 S. 155. Bei dem elektrischen Schweissverfahren von Lagrange und Hoho tritt der Uebelstand auf, dass die Arbeitsstücke an der Oberfläche sehr schnell schweisswarm werden oder sogar abschmelzen, während sie im Inneren noch kalt und hart sind. Um dies zu vermeiden und gleichzeitig an elektrischer Kraft zu sparen, wärmt die Kalker Werkzeugmaschinenfabrik L. W. Breuer, Schumacher und Co. (D. R. P. Nr. 93717; Französisches Patent Nr. 255312) die Stücke erst auf andere Weise vor, so dass sie durch den elektrischen Strom sehr schnell auf die Schweisstemperatur gebracht werden, um so schneller, als der beim Eintauchen der heissen Stücke entwickelte Wasserdampf sie vor zu raschem Abkühlen schützt. Ausserdem macht der elektrolytisch entwickelte Wasserstoff sie blank und also schweissfähig. Die Deutsche Eisenfassgesellschaft Drösse und Co. (D. R. P. Nr. 90250) stellt die positiven und negativen Kohlen durch Zahn triebe so ein, dass die Spitze der negativen sich stets unter dem Krater der positiven befindet. Durch Anwendung einer grossen Stromstärke wird dann der Lichtbogen zu einer Stichflamme ausgebildet, wobei die negative Kohle in die positive hineinwächst. F. Litteratur. Becker, H.: Manuel d'électrochimie et d'électrométallurgie. Paris, J. Fritsch. Cohn, E.: Elektrische Ströme. 10 Vorträge über die physikalischen Grundlagen der Starkstromtechnik. Leipzig, S. Hirzel. Herzfeld, R.: Ueber den elektrischen Kohlenlichtbogen. Inaug.-Dissert. Heidelberg. Lefèvre, J.: L'Acétylène. Paris, J. B. Bailliere et fils. Liebetanz, Franz: Calciumcarbid und Acetylen. Leipzig, Oskar Leiner. Löb, Walther: Grundzüge der Elektrochemie. Leipzig, J. J. Weber. Der Verfasser wollte in diesem „Katechismus“ einen kurzen Ueberblick über das ganze Gebiet der Elektrochemie geben und den, der ihn durchstudirt hat, befähigen, die heutigen Bestrebungen der Wissenschaft und Praxis zu verstehen. Dies ist ihm in weitgehender Weise gelungen. Die klare und präcise Darstellung, die sich auf das Wichtigste beschränkt, wird den Leser sicher und ohne Verwirrung in diesen neuesten Zweig der Chemie einführen und ihn zu weiterem Studium und Arbeiten befähigen. Minet, A.: L'électro-métallurgie. Paris, Gauthier-Villars et fils. Minet, Ad.: Électro-chimie. Production électrolytique des composés chimiques. Paris, Gauthier-Villars et fils, Masson et Cie. Das kleine Buch bringt die Resultate der wichtigsten Arbeiten über Wasserzersetzung mit besonderer Berücksichtigung der Voltameter, über Elektrolyse der Säuren, Basen und Salze, wobei den Hauptraum die Alkali- und Bleiweissindustrie einnehmen, und über Elektrolyse organischer Verbindungen, besonders über die Verwendung des elektrischen Stromes zur Reinigung und zum Altern alkoholischer Flüssigkeiten, zur Darstellung von Farbstoffen, zum Gerben und zur Zuckersaftreinigung. Mit Geschick ist das Wesentliche vom minder Wichtigen gesondert, so dass die Arbeit als eine gute Einführung in die bisher besonders angebauten Gebiete der angewandten Elektrochemie betrachtet werden kann. Moissan, H.: Der elektrische Ofen. Autorisirte deutsche Ausgabe, übersetzt von Th. Zettel. Berlin, Fischer's technologischer Verlag. Nernst, W. und W. Borchers: Jahrbuch der Elektrochemie. 3. Jahrg. 1896. Unter Mitwirkung von K. Elbs und F. W. Küster. Halle a. S. 1897. Neuburger, A.: Kalender für Elektro-Chemiker, sowie technische Chemiker und Physiker für das Jahr 1898. 2. Jahrg. Berlin, Fischer's technologischer Verlag. Panaotovic, J.: Das Calciumcarbid und Acetylen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Leipzig, Johann Ambrosius Barth. Pellissier, Georges: L'Éclairage à l'Acétylène. Paris, Georges Carré et C. Naud. Das Buch, das auch in deutscher, von A. Ludwig besorgter Uebersetzung bei S. Calvary und Co. in Berlin erschienen ist, stellt eine sorgsame Sichtung der schon überreichlich auf diesem Gebiete vorhandenen Litteratur dar. Wenn man auch in Bezug auf die Auswahl, besonders was die fremden Litteraturen betrifft, manchmal anderer Meinung als der Verfasser sein kann, wird man doch gern zur vorläufigen Orientirung auf das Buch, das sich ausserdem durch sehr gute Abbildungen auszeichnet, zurückgreifen. Ein „Handbuch“ ist es allerdings weniger als ein Leitfaden für den Praktiker. Perrodil, C. de: Le Carbure de Calcium et l'Acétylène. Les Fours électriques. Paris, P. Vicq-Dunod et Cie. Das auch die wissenschaftliche Seite des Gegenstandes genügend erörternde Werk des bekannten Fachmannes bietet in vieler Hinsicht eine dankenswerthe Ergänzung des Perrodil'schen Buches und wird jedem willkommen sein, der sich mit Carbid und Acetylen zu beschäftigen hat. Peters, F.: Angewandte Electrochemie. II. Band in 2 Abtheilungen: Anorganische Elektrochemie. Wien, A. Hartleben. Visbeck, K.: Calciumcarbid und Acetylen. Halle a. S., Hugo Peter. Die kleine Schrift enthält die Wiedergabe eines für Laien berechneten, nicht gerade sehr beachtenswerthen Vortrages. Webster, A. G.: The theory of electricity and magnetism. London, Macmillan and Co. Werner, Stephan: Ueber die Einwirkung von Jod auf Calciumcarbid. Inaug.-Dissert. Greifswald. Whitney, M. und L. J. Briggs: An electrical method of determining the temperature of soils. Whitney, M., F. D. Gardner und L. J. Briggs: An electrical method of determining the moisture content of arable soils. Whitney, M. und Th. H. Means: An electrical method of determining the soluble salt content of soils. Kautschukindustrie. Zur Vulkanisation wasserdichter Stoffe. Von Dr. Carl Otto Weber. Zur Vulkanisation wasserdichter Stoffe. Wie bekannt, besitzen wir gegenwärtig zwei verschiedene Verfahren zur Vulkanisation des Kautschuks: die hohe Hitzegrade erfordernde Vulkanisation mit Schwefel, sowie die bei gewöhnlicher Temperatur ausführbare Vulkanisation mit Schwefelchlorür. Von diesen beiden Methoden ist die erstere ganz allgemeiner Anwendung fähig, sie ist aber verhältnissmässig umständlich, zeitraubend und erfordert in den meisten Fällen mehr oder weniger complicirte Apparatur, die sie auch kostspielig machen. Die Methode der Vulkanisirung mit Schwefelchlorür ist dagegen nicht allgemein anwendbar, da sie homogene Durchvulkanisirung von Artikeln, deren dritte Dimension ein sehr geringes Maass übersteigt, nicht mehr gestattet. Aus diesem Grunde ist ihre Anwendung auf die Vulkanisation sehr dünner Kautschukblätter oder aus denselben erzeugter Artikel beschränkt, bietet aber hierbei Vortheile, die ihre dauernde Anwendung in der Kautschukindustrie sicherten, trotzdem vielfach in technischen Kreisen die Ansicht gehegt wird, dass kalt vulkanisirte Artikel von zweifelhafter Haltbarkeit sind. Ich halte diese Ansicht für durchaus anzutreffend trotz der Thatsache, dass ein Kautschukartikel von gegebener Zusammensetzung bei der Heissvulkanisirung ein tadelloses, bei der Kaltvulkanisirung oft ein unbefriedigendes bezieh. unhaltbares Product liefert. Bei der Untersuchung derartiger Fälle habe ich stets gefunden, dass der Grund des Misserfolges in der Kaltvulkanisirung nicht in der Methode liegt, sondern in den Bedingungen zu finden ist, unter denen dieselbe angewandt wurde. Die Methode der kalten Vulkanisation bietet nun in der Fabrikation wasserdichter Stoffe ganz besondere Vortheile, besonders wenn Massenproduction und Preis in Betracht kommen, und es dürfte daher von Interesse sein, die Aufmerksamkeit der Fabrikanten auf einige Punkte zu lenken, die häufig unbeachtet bleiben und zu schlechten Resultaten führen, die dann in Unkenntniss des wahren Sachverhaltes kurzweg der Methode an sich in die Schuhe geschoben werden. Der wichtigste Punkt, der bei der Vulkanisation mit Schwefelchlorür berücksichtigt werden muss, ist die bedeutende Reactionsfähigkeit des Schwefelchlorürs mit anderen Körpern als Kautschuk. Dies ist so wohl bekannt, dass ihre Berücksichtigung für den angegebenen Zweck ganz selbstverständlich und keiner weiteren Ausführung bedürftig erscheint, thatsächlich aber liegt in deren Unkenntniss oder Nichtbeachtung fast ganz ausschliesslich der Grund der nicht gerade guten Reputation des Schwefelchlorürs als eines Vulkanisationsmittels. Nur die in so vielen Kautschukfabriken herrschende greuliche Empirie macht es verständlich, dass Bleimennige oder Aetzkalk enthaltende Kautschukmischungen, die ja bei der Heissvulkanisation mit Schwefel für bestimmte Zwecke sehr vortheilhafte Producte liefern, der Vulkanisation mit Chlorschwefel unterworfen werden, wobei unfehlbar schlechte Resultate folgen müssen. Die bei der Einwirkung von Schwefelchlorür auf Kautschuk stattfindende Reaction habe ich in einer früheren Arbeit1887 265 363. eingehend besprochen. Dieselbe verläuft, wie ich dort zeigte, selbst bei Einwirkung relativ grosser, praktische Erfordernisse weit übersteigender Mengen von Schwefelchlorür durchaus quantitativ. Die Geschwindigkeit mit der sich die Addition des Chlorschwefels an den Kautschuk vollzieht, hängt aber durchaus von dem Verdünnungsgrad ab, in dem das Schwefelchlorür zur Anwendung gelangt. Mit reinem Chlorschwefel in flüssiger Form ist daher eine Vulkanisirung, wie sie für praktische Zwecke erforderlich ist, überhaupt nicht ausführbar. Die ganze Kautschukoberfläche der wasserdichten Stoffe würde dadurch momentan in das hornartige, brüchige Chlorosulfid, C10H16S2Cl2, übergeführt und der unvermeidliche Ueberschuss von Schwefelchlorür würde voraussichtlich zu totaler Zerstörung der dünnen Kautschukschicht führen. Die Anwendung des Schwefelchlorürs in Dampfform vermeidet diesen Uebelstand, führt aber andererseits zu dem kaum geringeren, dass nur die ganz oberste Schicht der Kautschukfläche vulkanisirt wird, der Rest aber unvulkanisirt bleibt. Haltbarkeit ist bei einem derartig vulkanisirten Artikel nicht zu erwarten und, wie die Erfahrung lehrt, auch nicht zu erreichen. Das Verfahren war für die Vulkanisation äusserst leichter und dünner wasserdichter Stoffe in Amerika in ausgedehntem Gebrauche, ist aber schon seit einiger Zeit so gut wie vollständig verlassen. Es bleibt also nur die Anwendung des Schwefelchlorürs in Lösung übrig und dies ist in der That die gegenwärtig für die Kaltvulkanisation angewandte Methode. Gegenwärtig dient allgemein Schwefelkohlenstoff als das hierbei angewandte Lösungsmittel, es ist aber sehr fraglich, ob derselbe in der That das für diesen Zweck geeignetste Lösungsmittel ist. Die Brauchbarkeit eines Lösungsmittels zum Zwecke der Kaltvulkanisation mittels Schwefelchlorür hängt von der Erfüllung folgender Bedingungen in erster Linie ab: 1) Das Lösungsmittel muss sich gegen Schwefelchlorür absolut indifferent verhalten. 2) Das Lösungsmittel muss eine einheitliche Substanz sein. 3) Der Siedepunkt des Lösungsmittels sollte nicht unter 70 und nicht über 100° C. liegen. 4) Das Lösungsmittel für Chlorschwefel muss auch ein Lösungsmittel und muss zum Mindesten ein Quellungsmittel für Kautschuk sein. Von diesen Bedingungen ist die erste selbstverständlich. Die Nothwendigkeit der zweiten leuchtet sofort ein, wenn wir uns erinnern, dass der Process der Kaltvulkanisation ein continuirlicher istA. a. O. , wobei die Lösung des Schwefelchlorürs in einem offenen Troge zwar fortwährend auf gleichem Niveau erhalten wird, aber natürlich im Laufe des Tages bei der relativ hohen Temperatur der Arbeitsräume einer erheblichen Verdunstung unterliegt, die um so grösser ist, je niedriger der Siedepunkt bezieh. Durchschnittssiedepunkt des Lösungsmittels liegt. Ist daher das Lösungsmittel keine einheitliche Substanz, sondern ein Gemenge verschiedener Körper von verschiedenem Siedepunkte, so erstreckt sich die stattfindende Verdunstung wesentlich auf die niedriger siedenden Antheile des Lösungsmittels, mit anderen Worten der Durchschnittssiedepunkt steigt. Dies wäre an und für sich unerheblich, aber in den meisten Fällen wird dies zu einer mehr oder weniger erheblichen Aenderung in der Oberflächenspannung der Lösung führen und zwar im Allgemeinen zu einer Erhöhung derselben. Das Resultat hiervon ist, dass die in der Vulkanisirungslösung rotirende Walze nunmehr ein grösseres Volumen der Lösung auf die Flächeneinheit des zu vulkanisirenden Stoffes überträgt, derselbe erfährt nunmehr eine stärkere Vulkanisation als beabsichtigt war und dies kann so weit gehen, dass thatsächlich Beschädigung des zu vulkanisirenden Artikels eintritt. Dieser Fall tritt ein bei Verwendung von Petroleumäther als Lösungsmittel für das Schwefelchlorür. Bei Versuchen im Grossen, dieses Lösungsmittel an Stelle des gegenwärtig allgemein angewandten Schwefelkohlenstoffs einzuführen, zeigten sich nach kurzer Zeit Anzeichen von Uebervulkanisation, die mit der Zeit immer auffälliger wurde. Der Grund hiervon liegt nicht in der zunehmenden Concentration der Vulkanisirungsflüssigkeit, diese tritt ja bei einem homogenen Lösungsmittel gleichfalls ein und lässt sich unschwer compensiren, sondern in der mit der Verschiebung des Siedepunktes Hand in Hand gehenden Aenderung (Erhöhung) der Oberflächenspannung. Die dritte und vierte der oben aufgestellten Bedingungen sind gleichfalls unschwer verständlich. Es beruht ja bekanntlich die Hauptschwierigkeit der Vulkanisation mit Schwefelchlorür in dem Umstände, dass es in Folge der grossen Schnelligkeit, mit der es auf Kautschuk einwirkt, die homogene Vulkanisation desselben sehr erschwert. Diese Reactionsgeschwindigkeit wird aber durch Lösungs- oder Verdünnungsmittel sehr vermindert. Entspricht daher das angewandte Lösungsmittel der vierten Bedingung, so wird die Lösung des Schwefelchlorürs nunmehr rascher in den Kautschuk eindringen als das Schwefelchlorür von der zuerst benetzten Kautschukschicht gebunden wird, so dass je grösser die Verdünnung der Lösung des Schwefelchlorürs, desto gleichmässiger wird der Kautschuk durchvulkanisirt. Liegt nun aber der Siedepunkt des Lösungsmittels sehr niedrig, so verdunstet dasselbe bei der relativ hohen Temperatur der Arbeitsräume so rasch, dass ein Eindringen desselben in die Kautschukfläche nur noch in sehr geringem Grade stattfinden kann. Ausserdem wird die Reactionsgeschwindigkeit zwischen Schwefelchlorür und Kautschuk durch die mit der Verdunstung des Lösungsmittels rasch zunehmende Concentration so gesteigert, dass eine homogene Durchvulkanisation nicht mehr zu erwarten ist. Hierzu kommt aber noch ein weiterer Punkt. Ein sehr niedrig siedendes, also sehr rasch verdampfendes Lösungsmittel bringt natürlich auf der Oberfläche, von der es verdampft, eine mehr oder minder erhebliche Temperaturerniedrigung hervor, die bei einigermaassen hohem Feuchtigkeitsgehalte der Luft unvermeidlich zu Thaubildung auf der Kautschukfläche führt. Das Resultat dieser Thaubildung ist eine mit der Vulkanisationswirkung des Schwefelchlorürs gleichzeitig verlaufende Zersetzung desselben. Die Zersetzung des Schwefelchlorürs durch Feuchtigkeit verläuft aber durchaus nicht in der einfachen Weise, wie gewöhnlich angenommen wird. Fest steht, dass, wenn dieselbe auf Kautschuk vor sich gebt, sehr übel riechende Producte entstehen, und allgemein wird angenommen, dass der unangenehme Geruch ein unvermeidliches Uebel der kalten Vulkanisation bildet. In Wirklichkeit ist dies aber nicht der Fall, derselbe lässt sich sehr wohl verhüten, wenn für absoluten Ausschluss aller Feuchtigkeit gesorgt wird. Nach dem Gesagten wird es nicht schwer verständlich sein, wenn ich den Schwefelkohlenstoff als ein unbefriedigendes Lösungsmittel für die Zwecke der kalten Vulkanisation bezeichne. In erster Linie ist technischer Schwefelkohlenstoff stets ein sehr übel riechendes Product. Dass der üble Geruch dem Schwefelkohlenstoff als solchem nicht zukommt, ist wohlbekannt. Thatsächlich gelingt es bei sehr langsam geleiteter Destillation technisch reinen Schwefelkohlenstoffs einen Rückstand zu erhalten, in der Hauptsache aus Schwefel bestehend, dessen Geruch betäubend ekelhaft ist. Durch Behandlung mit kaltem Aether lässt sich diesem Rückstande eine geringe Menge eines weissen, in seidenglänzenden Nadeln krystallisirenden Körpers entziehen. Derselbe verflüchtigt sich langsam bei gewöhnlicher Temperatur unter Verbreitung eines scheusslichen Geruches. Beim Erhitzen verflüchtigt er sich ohne zu schmelzen. Mit den geringen Mengen dieses Körpers, die ich erhalten konnte, liess sich nur feststellen, dass derselbe Kohlenstoff und Schwefel neben einem noch unbekannten Reste, vielleicht Sauerstoff oder Stickstoff, enthält. Jedenfalls ist der Schwefelkohlenstoff zum Theil für den üblen Geruch kaltvulkanisirter Kautschukartikel verantwortlich und deshalb seine Anwendung für den genannten Zweck schon aus diesem Grunde zu beanstanden. Im Weiteren aber ist dessen Siedepunkt unzweifelhaft zu niedrig, so dass bei der Kaltvulkanisation unter Anwendung dieses Lösungsmittels stets Thaubildung mit ihren unvermeidlichen Folgen eintritt. Von Lösungsmitteln, die unseren oben gestellten Anforderungen entsprechen, besonders auch bezüglich des Siedepunktes, haben wir keine grosse Auswahl und existiren meines Wissens nur zwei, die überhaupt in Betracht kommen können. Dies ist Benzol und Tetrachlorkohlenstoff. Beide entsprechen allen unseren Bedingungen und beider Siedepunkte sind hoch genug, um eine langsame Verdunstung ohne Thaubildung zu sichern. Die Wahl zwischen diesen beiden Lösungsmitteln scheint daher lediglich eine Frage des Preises zu sein. Dies ist indessen nicht ganz zutreffend und zwar aus dem Grunde, dass der Geruch eines Lösungsmittels für Kautschuk diesem unvergleichlich hartnäckiger anhaftet, als der Geruch einer Flüssigkeit, die nur im Stande ist, den Kautschuk aufzuquellen, aber nicht zu lösen. Da nun Benzol ein vorzügliches Lösungsmittel für Kautschuk darstellt, Tetrachlorkohlenstoff denselben aber nur zu quellen, nicht zu lösen vermag, so erscheint mir der letztere dem ersteren als überlegen für den Zweck der Kaltvulkanisation mit Schwefelchlorür. Leider aber ist der Preis des Tetrachlorkohlenstoffs gegenwärtig noch zu hoch, um denselben zu dem angeführten Zwecke, unter Verlust desselben, zu verwenden. Dass die Kaltvulkanisation unter Anwendung von Tetrachlorkohlenstoff ganz ausgezeichnete Resultate ergibt, davon habe ich mich durch eine grosse Zahl von Versuchen auf das bestimmteste überzeugt. Somit bleibt die Wahl unter den angegebenen Lösungsmitteln also auf das Benzol beschränkt. Obgleich ich dasselbe als, für den genannten Zweck, dem Tetrachlorkohlenstoff nachstehend bezeichnet habe, zeigt dasselbe sich doch noch immer dem Schwefelkohlenstoff weit überlegen. Bei Vulkanisation mit einer Lösung von Schwefelchlorür in Benzol zeigt sich sofort, dass eine Thaubildung auf den benetzten Oberflächen unter keinen Umständen mehr eintritt, sowie dass die Kautschukblätter bezieh. Schichten zu grösserer Tiefe und homogener durchvulkanisirt sind. In Anbetracht der Verschiedenheit der physikalischen Constanten von Benzol und Schwefelkohlenstoff entsteht nun die Frage: ob für die Anwendung als Lösungsmittel des Schwefelchlorürs zum Zwecke der Kaltvulkanisation das Benzol dem Schwefelkohlenstoff, Volum für Volum, gleichwerthig ist, ob also mit anderen Worten eine 5procentige Lösung in Benzol dieselbe Vulkanisationswirkung hat wie eine 5procentige Lösung in Schwefelkohlenstoff. Nun wird bekanntlich die Kaltvulkanisation von Kautschukgeweben in der Weise ausgeführt, dass die zu vulkanisirende Kautschukfläche eine etwa bis zur Hälfte ihres Durchmessers in die zu vulkanisirende Lösung eintauchende Walze in Umdrehung setztDetails siehe: Journ. prakt. Chem. , die nun die Vulkanisationslösung an die Kautschukfläche überträgt. Nun ist aber sofort klar, dass das Volumen der auf diese Weise von dieser Walze auf die Flächeneinheit des Kautschuks übertragenen Vulkanisationslösungen von den Ausmessungen der Walze unabhängig ist und in Wirklichkeit von der Dünn- oder Dickflüssigkeit der Lösung, genauer von ihrer Oberflächenspannung bestimmt wird, derart, dass die übertragenen Volumina zweier verschiedener Lösungen den bezieh. Oberflächenspannungen dieser Lösungen umgekehrt proportional sind. Nun lassen sich die relativen Werthe für die Oberflächenspannungen verschiedener Flüssigkeiten leicht mittels der Tropfenzählmethode bestimmen. Auf diese Weise finden wir 1 cc CS2 liefert 54 Tropfen 1 cc C6H6 „ 43 „ Hieraus folgt nun sofort, dass die in gleichen Zeitabschnitten, unter sonst gleichen Bedingungen, auf gleich grosse Kautschukflächen mittels der oben erwähnten Walze übertragenen Mengen von Schwefelkohlenstoff und Benzol sich wie 1 zu 1,25 verhalten. Bei gleichem Procentgehalte der beiden Lösungsmittel an Schwefelchlorür würde also das Benzol eine um 25 Proc. intensivere Vulkanisation bewirken. Ein Versuch mit 5procentigen Lösungen an aus reinem Parà-Kautschuk hergestelltem wasserdichten Gewebe ergab nach der Vulkanisation folgende Resultate: S Cl 3 3 Proc. „ S2Cl2 S2Cl2 in in CS2 C6H6 : 4,30 : 5,39 Proc. „ 4,55 5,69 Proc. „ vom Gewicht des Kautschuks Reducirte man nun den Schwefelchlorürgehalt in der Benzollösung in entsprechender Weise, also um 25 Proc., so ergab die Analyse: 2,25 Proc. S2Cl2 in C6H6 : 4,28 Proc. S, 4,71 Proc. Cl. Der Vulkanisationsgrad ist also nunmehr derselbe wie mit der 5procentigen Schwefelkohlenstofflösung. Da nun der Preis des Schwefelkohlenstoffs 240 M. und der des Benzols (90procentig) 500 M. für 1 t (engl.) betragen, von letzterem aber für denselben Vulkanisationsgrad 25 Proc. mehr erforderlich sind, so stellt sich die Vulkanisation unter Anwendung von Benzol gegenwärtig um etwa 160 Proc., also etwas mehr als das 1½fache, theurer als bei Anwendung von Schwefelkohlenstoff. Dies ist unzweifelhaft beträchtlich. Dem gegenüber steht aber der Vortheil einer weit besseren Durchvulkanisation des Kautschuks, eines viel besseren Geruches der Waare, einer ganz bedeutend grösseren Haltbarkeit derselben und schliesslich einer viel geringeren Gefährdung der Gesundheit der Arbeiter als bei Anwendung des in dieser Beziehung mit Recht übel angeschriebenen Schwefelkohlenstoffs. Da nun gegenwärtig, wenigstens in England, die Kautschukfläche der wasserdichten Stoffe wie eine Textilfläche in mannigfachster Weise decorativ behandelt wird, und diese Behandlung stets vor der Vulkanisation stattfindet, so ist es natürlich von Bedeutung, einen schädlichen Einfluss der Vulkanisation auf das Aussehen der Decorirung zu verhindern. Dies ist im Allgemeinen um so schwieriger, als die zu diesen Decorirungen verwendeten Materialien (Farben, Metallbronzen) auf die Oberfläche der zu vulkanisirenden Kautschukschicht applicirt werden und deshalb der möglichen schädigenden Wirkung des Schwefelchlorürs in hohem Grade ausgesetzt sind. Nun zeigt sich bei praktischen Versuchen sofort, dass eine theoretisch mögliche Schädigung mit Sicherheit stets eintritt, wenn gleichzeitig Schwefelchlorür und Feuchtigkeit zur Wirkung gelangen. Dies ist aber stets der Fall bei Anwendung von Schwefelkohlenstoff zur Kaltvulkanisation, wie oben ausgeführt wurde, ist aber bei Anwendung von Benzol vermieden, da bei dessen Verwendung auf der damit benetzten Kautschukfläche keine Thaubildung eintritt. Dieser Vortheil des Benzols ist in vielen Fällen sehr schwerwiegend. Dieser Punkt der Wirkung der Feuchtigkeit bei der Kaltvulkanisation ist übrigens von allgemeineren Gesichtspunkten aus sehr der Beachtung werth, gleichgültig ob unter Anwendung von Benzol oder Schwefelkohlenstoff vulkanisirt wird. Es kann nämlich der Fall eintreten, und thatsächlich wird in dieser Beziehung viel gesündigt, dass Feuchtigkeit enthaltende Materialien für die Kautschukmischungen verwendet werden, und zwar ist es merkwürdiger Weise gerade der Kautschuk selbst, dessen Feuchtigkeitsgehalt am häufigsten übersehen wird, und der in dem normalen Gange der Fabrikation auch nicht los zu werden ist. Wird nun schliesslich vulkanisirt, so verhindert die vorhandene Feuchtigkeit zwar nicht die Vulkanisationswirkung des Schwefelchlorürs, veranlasst aber in der ganzen von demselben durchdrungenen Dicke des Kautschuks eine Zersetzung eines Theiles desselben. Zunächst ist eine ungünstige Beeinflussung des Vulkanisationsresultates nicht zu bemerken, nach wenigen Wochen schon stellen sich aber Anzeichen beginnender Zersetzung des Kautschuks ein, die nach Verlauf von 3 oder 4 Monaten ihren Höhepunkt erreicht. Der Kautschuk wird hierbei hart und brüchig. Auf welche Weise diese Nebenreaction zwischen Wasser und Schwefelchlorür zur Zerstörung des Kautschuks führt, ist sehr der Aufklärung bedürftig, dürfte aber vielleicht auf die Weise herbeigeführt werden, dass zunächst eine Zersetzung des Schwefelchlorürs in Chlorwasserstoff, Schwefelwasserstoff, Schwefel, Thioschwefelsäure und schweflige Säure stattfindet. Von diesen addirt sich der erstere an den Kautschuk, die übrigen Körper erleiden nach und nach Oxydation, die dann auch den Kautschuk in Mitleidenschaft zieht. Dies zeigt sich viel klarer in den Fällen, in welchen der feuchte Kautschuk in Abwesenheit von Wasser ganz unschädliche Körper enthält, wie z.B. Eisenoxyde. Auf trockenes Eisenoxyd wirkt Schwefelchlorür nicht ein, ist aber Feuchtigkeit zugegen, so bilden sich basische Ferrichloride, die den Kautschuk in kürzester Zeit zerstören, da dieselben als kräftige Sauerstoffüberträger zu wirken im Stande sind. Noch viel fataler, weil rascher, wirken in dieser Beziehung Mangan und Kupferverbindungen, selbst wenn diese nicht dem Kautschuk beigemengt wurdenWas wohl sehr selten geschieht. Indessen möchte ich darauf hinweisen, dass nicht selten Ockerfarben dem Kautschuk beigemischt werden, die sehr häufig einen erheblichen Gehalt an Mangan aufweisen. Alle ungebrannten Ocker, ob manganhaltig oder nicht, sollten übrigens, ihres bedeutenden Hydratwassergehaltes wegen, nicht zur Mischung mit Kautschuk verwendet werden. , sondern nur als Mordants in den mit Kautschuk bedeckten Geweben vorhanden sind, ein sehr häufig auftretender Fall, der noch vor wenigen Jahren zu grossen Verlusten und zahllosen Processen führte. Von der grossen Zahl derjenigen Mineralsubstanzen oder anorganischen Körpern, die zu Kautschukmischungen angewandt werden, und die im Stande sind, mit Schwefelchlorür in Wechselwirkung zu treten, sind hauptsächlich Aetzkalk, Kaliumcarbonat, Bleioxydhydrat, Bleioxyd (Bleiglätte), Bleitetroxyd (Mennige) und Lithopone zu nennen, als geeignet, Vulkanisationsfehler zu verursachen. Aetzkalk findet, nur in ganz minimalen Mengen, ausgedehnte Anwendung und führt deshalb nur bei Anwesenheit erheblicher Feuchtigkeitsmengen, dann aber unfehlbar, zu schlechten Resultaten. Calciumcarbonat wird in erheblichen Mengen angewandt und wirkt entschieden ungünstig, höchst wahrscheinlich in Folge der Bildung von Calciumchlorid. Bleioxydhydrat, das noch vor kurzem vielfach benutzt wurde, hat bezüglich seiner Brauchbarkeit sehr verschiedene Beurtheilung gefunden. Dass dasselbe bei vorsichtiger Fabrikationsführung gute Resultate gibt, ist unzweifelhaft, ebenso aber, dass es unter Umständen zur raschen Zerstörung der damit hergestellten Artikel führt. Bleioxyd als solches kann anstandslos verwendet werden, doch ist sehr darauf zu achten, dass dasselbe absolut kupferfrei, anderenfalls fallen die damit hergestellten Artikel unfehlbar der Zerstörung anheim. Bleitetroxyd, das bekanntlich in gewissen Fällen der Heissvulkanisation mit grossem Vortheile angewandt wird, wirkt bei der Vulkanisation mit Schwefelchlorür unfehlbar schädlich, unzweifelhaft in Folge von Chlorentwickelung. Lithopone, ein Gemenge von Zinksulfid und Bariumsulfat, entwickelt bei Anwesenheit der geringsten Menge Feuchtigkeit Schwefelwasserstoff und das sich bildende Zinkchlorid bewirkt rasch die Zerstörung des Kautschuks. Aus dem Gesagten ist ersichtlich, dass Feuchtigkeit, entweder im Kautschuk oder in den zur Mischung mit demselben benutzten Rohmaterialien einerseits, andererseits Kupferverbindungen und Superoxyde die grössten Feinde der Kaltvulkanisation sind. Erstere muss natürlich durch entsprechende sorgfältige Trocknung aller zur Verwendung gelangenden Rohmaterialien, die letztere durch analytische Controle vermieden werden. Wird diesen beiden Punkten die gebührende Beachtung geschenkt, so verschwinden die angeblichen Nachtheile der Vulkanisation mit Schwefelchlorür von selbst. Die vorstehenden Ausführungen behalten ihre Gültigkeit unabhängig von der Art des in dem zu vulkanisirenden Artikel enthaltenen Kautschuks. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass jede Kautschuksorte zur Fabrikation kalt vulkanisirter Artikel verwendbar ist. Dies ist thatsächlich nicht der Fall, wie jedem Fachmanne wohl bekannt. Ueber den Grund dieser Thatsache herrscht noch völlige Dunkelheit, die sich auch nicht lüften wird, so lange unsere Kenntniss der chemischen Natur des Kautschuks und der Beziehungen der verschiedenen Kautschuksorten zu einander noch von solch fragmentarischer Beschaffenheit sind, wie gegenwärtig. Als praktische Regel lässt sich sagen, dass die leicht (heiss) vulkanisirten Kautschuksorten sich gut für die Kaltvulkanisation eignen, die schwer vulkanisirbaren um so weniger, je schwieriger sie heiss vulkanisirbar sind. [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Henry Bessemer †. Henry Bessemer, der Erfinder des nach ihm benannten Verfahrens zur Herstellung von Stahl, ist am 15. März d. J. zu London im 86. Lebensjahre verstorben. Es geziemt sich wohl, dieser interessanten Persönlichkeit, deren Wirken mit einer der für die Hüttenindustrie bedeutsamen Errungenschaften der Technik verknüpft ist, einige Worte zu widmen. Henry Bessemer wurde am 19. Januar 1813 zu Charlton, Herfortshire, als Sohn eines Mechanikers geboren. Schon in seiner frühesten Jugend entwickelte er eine grosse Neigung und Begabung für Zeichnen und Modelliren und begab sich bei seiner hervorragenden technischen Veranlagung vorzugsweise auf das Gebiet des Maschinenwesens. Seine erste Leistung bestand in der Construction einer Maschine zur Herstellung von Bronzestaub für Vergoldungszwecke. Weitere Versuche führten ihn zu zahlreichen Erfindungen und Verbesserungen, für welche er sich die Patente rechtzeitig sicherte. Zur Zeit des Krimkrieges wurde seine Aufmerksamkeit auf die Verbesserungsmöglichkeit von Geschützen und Wurfgeschossen gelenkt und bei dieser Gelegenheit betrat er das Gebiet der Metallurgie, auf dem er seine weltgeschichtliche Bedeutung erlangen sollte. Es war dies die Erfindung, Roheisen durch Einführung von Gebläseluft in Stahl zu verwandeln. Ueber diese Neuerung, welche gegenüber dem bis dahin üblichen, aber schwerfälligen und mühsamen Puddelprocess einen grossen Fortschritt darstellte, wurde von Bessemer in einer damals gerade stattfindenden Jahresversammlung der „British Association“ zu Chelthenham Vortrag gehalten. Die Ansichten der Fachleute über die Zweckmässigkeit und den Nutzen der neuen Erfindung waren jedoch getheilt; es wurde ihr wenig Werth beigemessen und als besonders charakteristisch mag erwähnt werden, dass es die „British Association“ ablehnte, in den Jahrbüchern der Gesellschaft auf diesen Vortrag hinzuweisen. Nur wenige Fabrikanten fanden sich bereit, das neue Verfahren praktisch auszunutzen und zu verwerthen, aber nach fortgesetzten Misserfolgen wollte sich Niemand mehr damit befassen. Bessemer liess sich indess nicht beirren, sondern arbeitete rastlos und hartnäckig 2 Jahr lang an der Weiterausbildung seiner Erfindung, bis es ihm endlich gelang, Stahl zu erblasen, der zu Schienen ausgewalzt werden konnte. Mannigfache Schwierigkeiten waren zwar noch zu überwinden, über welche jedoch schliesslich der Gedanke hinweghalf, dem Converter die Gestalt einer Birne zu geben und in dieser Gestalt hat die Erfindung Bessemer's schliesslich ihren Siegeszug durch die ganze civilisirte Welt angetreten. Nachdem sich Bessemer entschlossen, seine Erfindung selbst auszubeuten, verband er sich mit Longsdon und Galloway und errichtete eine Fabrik in Sheffield. Mit der Ausführung sehr kleiner Aufträge beginnend, vermochte er sehr bald alle anderen Stahlbereitungsverfahren zu schlagen, und man beeilte sich, das vor wenig Jahren ausgeschlagene Recht zur Erwerbung des Verfahrens nunmehr mit bedeutend hohen Summen zu erkaufen. So soll Bessemer durch den Verkauf seiner in allen Culturstaaten genommenen Patente allein über 25 Millionen Francs erhalten haben. Während des ersten 14jährigen Bestehens der Fabrik belief sich der Reingewinn auf nahezu 600 Proc. für das Jahr. Der Umfang seiner erfinderischen Thätigkeit ergibt sich aus der Thatsache, dass Bessemer nicht weniger als 250000 Francs an Patentgebühren verausgabt haben soll. Weniger glücklich war Bessemer mit der Construction eines Dampfschiffes, in welchem der Salon und die Kabinen mittels einer dem Cardanischen Ringe ähnlichen Vorrichtung so aufgehängt waren, dass dieselben auch bei hohem Seegange stets in unveränderter Lage bleiben und dadurch die Seekrankheit verhindern sollten. Die Einrichtung bewährte sich jedoch nicht, In späteren Jahren beschäftigte er sich noch mit der Herstellung von Spiegelteleskopen. Bessemer hat es nach seinen grossartigen Erfolgen selbstverständlich nicht an äusseren Ehrungen gefehlt. Er wurde von England in den Ritterstand erhoben; Ehrenmitglied von verschiedenen gelehrten und technischen Gesellschaften, im Besitze des Ehrenbürgerrechts der Städte London und Hamburg, sowie einer grossen Anzahl goldener Medaillen von industriellen Gesellschaften und hohen Ordensauszeichnungen. Für sein verdienstvolles Wirken wird ihm der Dank der Nachwelt für alle Zeiten gesichert sein. (Glaser's Annalen.) DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 3. Stuttgart, 23. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Kraftmaschinen mit leicht flüchtigen Arbeitsflüssigkeiten *. Ammoniakmotor von MacMahon *. Desgl. von Wepner *. Verbundmotor von Susini *. Aethermaschine von Rhodes * 49 Metallbearbeitung. Ueber das Drehen und Genauschleifen *. Allgemeines über den Schleifvorgang. Griffin's Rundschleifverfahren *. Verfahren von Freeland * 53 Fabrikation von Feilen in Sheffield, Birmingham und Remscheid 55 Flüssigkeitshebemaschinen. Neuerungen an Pumpen *. Rotirende Pumpen: Rotirende Pumpe von Dubois *. Desgl. von Jäger. Desgl. von Lehmann *. Luftpumpen bezieh. mittels Luftdruck betriebene Pumpe der Pulsometer Engineering Co., System Fleuss *. Pumpe von Montrichard *. Regulator für Dampfpumpen mit unregelmässigem Gang * 59 Venturi-Wassermesser * 61 Kälteindustrie. Die Kühlhausanlage in Hamburg 63 Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen *. Wren's Maschine zum Strecken und Lüstriren *. Klopfen und Bürsten von Garnsträhnen von Weissig *. Garnbürstmaschine der Zittauer Maschinenfabrik *. Gehrenbeck's Maschine zum Bürsten von Strähngarn *. Bürste von Büschgen's *. Bürstenwalze von Riera * 65 Elektrotechnik. Elektrische Weichen und Signale *. Weichenstellvorrichtung von Jüdel und Co. *. Elektrische Freigabevorrichtung für Blockstationen von denselben *. Sicherheitsvorrichtung von denselben * 69 Kleinere Mittheilungen: Vorsicht bei Anwendung von Anticorrosivum 72 Goldartige Kupferlegirung 72 Befestigung von Eisen in Stein 72 Ebbe und Fluth als Kraftquelle 72 Länge der Telephonleitungen der Erde 72 Bücher-Anzeigen 72 Eingesandt: Preisausschreiben des Nordwestdeutschen Forstvereins 72 Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 3. Stuttgart, 23. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Kraftmaschinen mit leicht flüchtigen Arbeitsflüssigkeiten. Mit Abbildungen. Kraftmaschinen mit leicht flüchtigen Arbeitsflüssigkeiten. Die Verwendung leicht flüchtiger Arbeitsflüssigkeiten zum Betriebe von Dampfmaschinen ist ausserordentlich oft versucht, ohne, mit geringen Ausnahmen, zu einem befriedigenden praktischen Ergebnisse geführt zu haben. Allein die Yarrow'schen sogen. Naphtaboote zeigen, dass der so verführerische theoretische Grundgedanke der Verwendung niedriger Wärmestufen praktische Bedeutung besitzt. Auch Diesel versuchte in den letzten Jahren die Anwendung von Dämpfen, die unter normalen Betriebsverhältnissen sehr weit von ihrem Condensationspunkt entfernt sind, um ihre Empfindlichkeit gegen die Wirkung der Wände abzuschwächen. Diesel benutzte hoch erhitzte Ammoniakdämpfe, um durch Anwendung eines hohen Temperaturgefälles den theoretischen Process zu verbessern, der hier gerade in dem geringen Temperaturgefälle liegt. Die Diesel'schen Versuche scheiterten an der benutzten hohen Erhitzung der Dämpfe, welche starke Drucke von 50 und 60 at bedingten, unter welchen Verhältnissen die Schwierigkeiten der Abdichtung und des Schutzes gegen Verlust des kostbaren Stoffes zu gross wurden. Von den zu Versuchszwecken benutzten Flüssigkeiten stehen Aether und Ammoniak in erster Linie; es werden jedoch auch Kohlensäure, schweflige Säure benutzt, ferner Spiritus, Naphta, überhaupt Kohlenwasserstoffe jeder Art. In Revue industrielle, 1895 * S. 455, wird ein Ammoniakmotor für feststehenden Betrieb und zum Antriebe von Strassenbahnfuhrwerk nach der Construction von Mac Maliern beschrieben und durch ausführliche Zeichnungen erläutert. Fig. 1 zeigt an einer feststehenden Anlage die zur Entwässerung des Ammoniaks und zur Abscheidung der Dämpfe getroffene Einrichtung. Hiernach ist der Behälter a bis zur Höhe a2 mit Ammoniakwasser gefüllt, aus welchem die Ammoniakdämpfe mittels der Dampfheizröhren a1 ausgetrieben werden. Letztere erhalten Wasserdampf aus dem Dampfkessel e2, welcher rechts im Bilde gelagert ist. Der entwickelte Dampf steigt in dem Behälter a nach oben und tritt durch g4 in einen mechanischen Wasserabscheider, welcher über dem Entwickler a angeordnet ist und den Dampf zickzackförmige Wege führt, so dass er ziemlich wasserfrei bei g5 in den Condensator h tritt, um hier im Gegenstrome zu dem von der Pumpe h1 durch h2 zugeführten Kühlwasser verdichtet zu werden. Das so erhaltene wasserfreie Ammoniak sammelt sich im Behälter h3, von wo es durch Rohr h4, Absperrhahn h und Leitung x zu der Kraftmaschine geführt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 49 Fig. 1. Ammoniakmotor von MacMahon. Das Gefäss a wird durch die Pumpe c ständig aus dem Behälter d, dem Temperaturwechselgefäss b und dem Rohr b1 gespeist, aus welchem die Ammoniaklösung über die Teller as rieselt. Die entgaste Lösung wird durch Rohr a5 entnommen und durch Behälter f und b in den Behälter e geführt in Gegenstrom zu der ammoniakreichen Flüssigkeit, welche durch b1 in den Behälter a strömt. Da der Behälter e völlig druckfrei ist, wird sich der letzte vorhandene Gasrest noch abscheiden und durch e1 in die Lösung im Behälter d übergehen. Der Behälter i6 dient dazu, den vom Motor kommenden Abdampf wieder in einer armen Flüssigkeit aufzusaugen. Das Verbindungsrohr f1 bringt dann die angereicherte Lösung auch in den Behälter f. Die Pumpe i fördert aus der Rückleitung yi3i1 in den untersten der mit Wasser gefüllten Staffelbehälter d. Die vom Motor kommende Lösung mischt sich mit dem Wasser in den Behältern d, steigt aufwärts, bis in der Colonne d3 die völlige Aufsaugung vollendet ist. Zum Betriebe von Strassenfuhrwerk ist diese sehr zusammengesetzte Einrichtung wesentlich vereinfacht, jedoch immer noch durch zahlreiche, schwer dicht zu haltende Verbindungen praktisch bedenklich. Bei der in Fig. 2 dargestellten Maschine von L. Wepner in Nürnberg (D. R. P. Nr. 64334) wird eine wässerige Lösung von Ammoniak zur Abgabe von Dämpfen in einem Kessel erhitzt; diese Dämpfe werden, nachdem dieselben entwässert worden sind, einer beliebig construirten Dampfmaschine zugeführt, um daselbst ihre Wirkung auszuüben, worauf dann die Abdämpfe dieser Maschine durch einen Vorwärmer geleitet werden, in welchem denselben ihre Wärme entzogen und an die in den Kessel zurückzuführende Flüssigkeit abgegeben wird und diese Abdämpfe schliesslich in einen Absorptionsapparat geleitet werden, in welchem dieselben von der aus dem unteren Theile des Kessels entnommenen und vorher durch einen Vorkühler abgekühlten ammoniakarmen Flüssigkeit absorbirt werden, um die ursprüngliche wässerige Ammoniaklösung zu ergeben, welche durch den Vorwärmer wieder nach dem Kessel geführt wird. Die Maschine enthält eine Dampfmaschine a0, einen Kessel b0, einen Absorber c0, einen Vorwärmer d0 und einen Vorkühler e0. Der Dampfkessel b0 erhält in einem Aufsatze einen Wasserabscheider 2, auch kann in die Abführungsleitung des Dampfes ein zweiter Abscheider 3 eingeschaltet werden. Der Absorber c0 kann in bekannter Weise als ein Gefäss mit innenliegenden Röhren ausgeführt werden in der Weise, dass die Kühlflüssigkeit um die Röhren spült, während das zu kühlende Gemisch von ammoniakarmer Flüssigkeit und abgekühlten Abdämpfen durch das Innere der Röhren hindurchströmt. Textabbildung Bd. 308, S. 50 Fig. 2. Ammoniakmaschine von Wepner. Die dem unteren Theile des Kessels b0 entnommene ammoniakarme Flüssigkeit fliesst durch das Rohr 8 zu, während die bereits abgekühlten Abdämpfe der Dampfmaschine durch das Rohr 6 dem Apparate zuströmen und, von Blechen n aufgefangen, auf in dem Apparate gelegene rotirende Trommeln rr geleitet werden, welche unterhalb der Einströmung 8 für die ammoniakarme Flüssigkeit angeordnet sind, so dass dadurch eine innige Mischung der letzteren mit den Abdämpfen der Maschine erzielt wird. Eine Rohrleitung 9 und 13 dient zur Zu- und Abführung des Kühlmediums, während ein Rührflügel m, der von aussen angetrieben wird, die Flüssigkeit in fortwährende Wallung bringen soll, um ein inniges Mengen der dem Apparate zugeführten Flüssigkeiten herbeizuführen. Die Wirkung des Apparates ist die folgende: Der Kessel b0 wird durch eine Speisepumpe a mit einer wässerigen Ammoniaklösung in einer Höhe bis zur Hälfte des Wasserstandsglases gefüllt. Sobald diese Lösung erwärmt wird, bilden sich Dämpfe, welche – durch die beiden Wasserabscheider 2 und 3 entwässert – durch das Rohr 4 nach der Dampfmaschine a0 gehen, dieselbe treiben und dann durch das Rohr 5 nach dem Vorwärmer d0 und von dort durch das Rohr 6 nach dem Absorber c0 gelangen, wo sie von der in denselben eingeleiteten und dem unteren Theile des Kessels entnommenen ammoniakarmen Flüssigkeit aufgesaugt werden. Der Vorwärmer d0 bewirkt hierbei, dass die Abdämpfe der Maschine a0 möglichst kalt nach dem Absorber c0 kommen, wohingegen die von dem Absorber c0 nach dem Kessel b0 gehende Flüssigkeit in diesem Vorwärmer d0 vorgewärmt wird. Die gleichzeitig mit den Abdämpfen der Maschine a0 in den Absorber eingeführte ammoniakarme Flüssigkeit, welche dem unteren Theile des Kessels entnommen wird, strömt in Folge des Druckes im Kessel b0 durch das Rohr 7, den Vorkühler e0 und das Rohr 8 nach dem Absorber c0, wo sie sich mit den Abdämpfen der Maschine a0 unmittelbar zu der ursprünglichen Flüssigkeit, also der wässerigen Ammoniaklösung, vereinigt, wie sie in dem Kessel b0 zur Erzeugung der Dämpfe nothwendig ist. Damit nun die Abdämpfe und die ammoniakarme Flüssigkeit eine sofortige Verbindung eingehen, strömt durch das Rohr 9 des im Absorber angebrachten Schlangenrohres kaltes Wasser oder von Eismaschinen entnommene Ammoniakgase, welche in dem Schlangenrohre direct zur Verdampfung gebracht werden, oder auch gekühlte Salzlösung. Wird der Absorber c0 in gleicher Weise wie der Vorwärmer d0 und der Vorkühler e0 construirt, so strömt dieses Kühlmittel am besten um die Röhren, deren Inneren dann die Abdämpfe der Maschine und die ammoniakarme Flüssigkeit aus dem unteren Theile des Kessels zugeführt werden. Durch die in dem Absorber herbeigeführte Abkühlung wird eine schnelle Absorption bewirkt und ein möglichst niedriger Druck im Absorber erhalten. Die Speisepumpe a saugt dann die gesättigte Flüssigkeit durch das Rohr 10 aus dem Absorber an und drückt sie durch das Rohr 11 in den Vorwärmer d0, in welchem sie vorgewärmt wird, durch das Rohr 12 wieder nach dem Kessel b0. Textabbildung Bd. 308, S. 51 Fig. 3. Verbundmotor von de Susini. In dem Vorkühler e0 wird die heisse, vom Kessel b0 kommende ammoniakarme Flüssigkeit durch das vom Absorber c0 durch das Rohr 13 abfliessende Wasser vorgekühlt, damit dieselbe nicht zu warm nach dem Absorber kommt. Das Kühlwasser tritt dabei bei dem Stutzen 14 in den Vorkühler ein und verlässt denselben bei dem Stutzen 15. Sind Kältemaschinen vorhanden, so geht diese Flüssigkeit nach dem Verdampfer bezieh. dieselbe wird vom Compressor abgesaugt, um von Neuem gekühlt zu werden. Bei der zur Anwendung gelangenden Dampfmaschine werden, einerlei ob dies eine Schieber- oder Ventilmaschine irgend eines Systems oder eine gewöhnliche Locomobile ist, sämmtliche Hohlräume der vorhandenen Stopfbüchsen durch eine Rohrleitung 16 mit dem Absorber c0 verbunden. Da nun in dem letzteren Gefässe nur ein Druck von ¼, höchstens aber von 1 at vorhanden ist, so werden sämmtliche Undichtigkeiten absorbirt und ein Verlust an Ammoniak findet nicht statt. Man kann aber auch eine besondere kleine Pumpe oder ein Strahlgebläse anordnen, welche aus dem Hohlräume aller an der Maschine befindlichen Stopfbüchsen die Undichtigkeiten absaugt. Zwischen dem Vorkühler e0 und dem Absorber c0 ist ein Regulirhahn b eingeschaltet, welcher so gestellt sein muss, dass dem Absorber bloss so viel ammoniakarme Flüssigkeit zuströmt, als nothwendig ist, um die Abdämpfe der Maschine zu absorbiren. Die beiden Condensationshähne cc am Dampfcylinder der Maschine werden durch eine Leitung 17 mit dem Absorber verbunden, um jeden Ammoniakverlust zu vermeiden und die den Condensationshähnen entströmende Flüssigkeit ebenfalls im Absorber mit zur Bildung der ursprünglichen wässerigen Ammoniaklösung verwenden zu können. Der mit der Ausbildung der Ammoniakmaschine vielfach beschäftigte Dr. P. de Susini in Paris (D. R. P. Nr. 67263) hat einen Verbundmotor erfunden, der mit Bezug auf Fig. 3 und 4 beschrieben sei. Ein Wasserdampferzeuger v beliebigen Systemes, welcher durch die heissen, nach dem Schornsteine einer gewöhnlichen Wasserdampfmaschine abziehenden Brenngase geheizt wird, leitet seinen Dampf in das Hemd a0 des kleinen Cylinders b0 der Aetherdampfmaschine. Hat der Wasserdampf den kleinen Cylinder b0 umspült, so entweicht er durch die Leitung d, welche concentrisch die Aetherdampfzuleitung e des kleineren Cylinders b0 umgibt, und ergiesst sich in die obere Kammer des Aetherdampfgenerators g, durchströmt dessen Röhren, um in die untere Kammer zu gelangen, von wo er schliesslich wieder durch das den Aetherdampfgenerator g umgebende Hemd wieder nach aufwärts steigt. Der zwischen den Kammern vorhandene und von dem Hemde umgebene Hohlraum ist mit dem zu verdampfenden Aether gefüllt, welcher von den durch Wasserdampf durchströmten Röhren durchsetzt ist; der Wasserdampf condensirt bei dieser Anordnung bei der Berührung mit diesen durch flüssigen Aether gekühlten Röhren, verdampft dabei den letzteren und gleicht seine Wärme mit diesem aus. Der so gebildete Aetherdampf entweicht durch die Leitung e nach dem Vertheilungsschieber b des kleineren Cylinders b0 und geht von diesem, nachdem er daselbst mit erster Expansion Arbeit geleistet hat, nach dem Schieberkasten k, woselbst er sich mit dem Aetherdampfe mischt, welcher in dem Generator u durch den Abdampf der Wasserdampfmaschine erzeugt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 51 Fig. 4. Verbundmotor von de Susini. Dieser Abdampf wird durch eine Leitung zugeführt, durchfliesst das Hemd v1 des grossen Cylinders c und strömt durch eine Leitung x0, welche die Zuführungsleitung x des Aetherdampfes concentrisch umgibt, nach der oberen Kammer eines Aetherdampfgenerators. Der hier entwickelte Aetherdampf geht durch die Leitung x zu dem Vertheilungsschieber c des grossen Cylinders c und mischt sich mit dem Aetherdampfe des kleinen Cylinders b0. Das Gemisch dieser beiden Aetherdampfe leistet bei seiner Expansion in dem grossen Cylinder Arbeit und entweicht schliesslich durch die Leitung l zu einem Oberflächencondensator m, welcher durch Wasser oder feuchte Luft gekühlt wird. Der flüssige, von dem Condensator kommende Aether wird durch eine Speisepumpe n angesaugt und in den Generator zur neuen Verdampfung zurückgepumpt, um den beschriebenen Kreisprocess zu vollenden. Behälter o0p0q0r0 welche mit Glycerin oder anderem Schmiermittel gefüllt sind, welche sich nicht mit dem Aether verbinden, umschliessen die Stopfbüchsen opqr der Kolben und Schieberstangen und schmieren einerseits selbsthätig diese gleitenden Theile, andererseits aber fangen sie die Aetherdampfe auf, welche durch zufällige Undichtigkeit entweichen sollten. Die Behälter o0p0q0r0 sind durch Leitungen stuv mit Hähnen slt1u1v1 mit einem Behälter s0 verbunden, der zum Speisen der Oelbehälter dient und ausserdem die etwa entwichenen Aetherdampfe wieder zu sammeln gestattet und gleichzeitig mit Hilfe eines Manometers t, welcher unter Vermittelung der Hähne s1t1u1v1 mit jedem beliebigen Behälter o0p0q0r0 in Verbindung gesetzt werden kann, dem Wärter erkennen lässt, aus welcher Stopfbüchse die Aetherdampfe ausströmen. Für diese Maschine hat Susini (D. R. P. Nr. 70566) eine Schmier Vorrichtung vorgeschlagen. Dieselbe besteht in der Anordnung eines Sammelbehälters, welcher mit jedem einzelnen der verschiedenen Stopfbüchsenräume in Verbindung gesetzt werden kann, um denselben eventuell mit Oel nachzufüllen, und ausserdem dazu dient, die entweichenden Aetherdampfe aufzufangen und anzugeben, wo dieselben entweichen. Eine weitere Neuerung ist die Anordnung von sogen. Belleville'schen Ringen zwischen den beiden Theilen der zur Verwendung kommenden Doppelstopfbüchsen. Diese Ringe gestatten dem Oele überall freien Zutritt zu den Kolben und Schieberstangen und ermöglichen eine Regulirung der inneren Stopfbüchse durch Verstellung der äusseren. Die allgemeine Durchbildung dieser Schmiervorrichtung ist aus den Zeichnungen ersichtlich. Fig. 5 erläutert eine zum Betriebe mit Aether bestimmte Maschine von O. S. Rhodes in East Stroudsberg, Nordamerika (D. R. P. Nr. 88412). Das beim Betriebe der Maschine benutzte Verfahren besteht in der Erhitzung einer in einem Kessel enthaltenen Flüssigkeit, um ein Mittel zur Uebertragung von Wärme auf eine in einem besonderen Behälter enthaltene Flüssigkeit zu bilden, so dass die letztere verdampft und das Kraftmittel zum Treiben einer Maschine bildet. Die Vorrichtung besteht aus einem geschlossenen, die zu verdampfende Flüssigkeit enthaltenden Behälter und einem den letzteren umgebenden, das Mittel zum Erhitzen der ersteren enthaltenden Kessel. Der geschlossene Behälter a ist zur Aufnahme der zu verdampfenden Flüssigkeit, z.B. Aether, bestimmt und in dem Kessel b eingeschlossen. Der untere Theil des letzteren besteht aus den senkrechten Röhren v, welche durch eine Anzahl wagerechter Stutzen mit einander verbunden sind; in diese Stutzen und in die Röhren sind kurze Siederöhren b0 eingeschraubt, welche an ihren äusseren Enden geschlossen sind. Der unterste Stutzen ruht auf Lagerböcken, welche auf dem Deckel des Ofens befestigt sind; der letztere enthält die Feuerbüchse e und ist auf der Grundplatte f befestigt. Ein Mantel g, welcher gleichfalls auf dem Ofen sitzt, umgibt den Kessel b; durch diesen Mantel streichen die bei der Verbrennung des Brennmaterials in der Feuerbüchse entstehenden Heiz- und Rauchgase, um so die in dem Kessel b und in den Röhren b0 desselben enthaltene Flüssigkeit zu erhitzen, bevor sie in den Schornstein g1 gelangen, welcher oben an den Mantel g angeschlossen ist. Textabbildung Bd. 308, S. 52 Fig. 5. Aethermaschine von Rhodes. Die Flüssigkeit wird mittels einer Pumpe oder einer anderen geeigneten Vorrichtung durch das Rohr h in die centrale Kammer i1 der Büchse i befördert, welche in dem unteren Ende der mittleren Röhren angeordnet ist. Von dem oberen Theile dieser Kammer i1 führt ein Rohr j durch die Röhre v hindurch senkrecht aufwärts in den Behälter a, so dass die Flüssigkeit aus der Pumpe durch das Rohr h in die Kammer i1 und von da durch das Rohr j nach dem Behälter a gelangt, in welchem es durch die erhitzte, den Behälter a und das Rohr j, sowie die Büchse i umspülende Flüssigkeit verdampft wird. In den Behälter a, und zwar beinahe bis zum Deckel a1 desselben, erstrecken sich die senkrechten Austrittsröhren j1 und j2, welche durch den Boden des Behälters a und die Röhre v hindurchgehen und an ihren unteren Enden in die Kammern i2 und is münden, welche an den einander gegenüber liegenden Seiten der Kammer i1 in der Büchse i angeordnet sind. Diese seitlichen Kammern i2 und i3 sind durch die Röhren k und k1 mit den Schieberkästen der Maschinen l bezieh. l1 verbunden, welch letztere an einander gegenüber liegenden Seitenwänden des Ofens befestigt sind. Vermöge dieser Einrichtung können die in dem Behälter a erzeugten Dämpfe durch die Röhren k und k1 Kammern i2 und i3 und Röhren k und k1 nach den Maschinen l und l1 gelangen, um dieselben in der gebräuchlichen Weise zu treiben. Die Röhren k und k1 sind mit den erforderlichen Ventilen k2 bezieh. k3 ausgerüstet, um den Durchgang des Dampfes aus dem Behälter a nach den Cylindern zu regeln. Die Cylinder sind mit Mänteln ausgestattet; indem die Seiten des Ofens mit Kammern d1 und d2 ausgestattet sind, welche mit den Cylindermänteln und mit den unteren Siederöhren des Kessels verbunden sind, kann die Heizflüssigkeit durch die Cylindermäntel kreisen, so dass, während die Dämpfe als Treibmittel in den Cylindern der Maschinen l und l1 ausgenutzt werden, Wärmeverlust möglichst vermieden wird. Die Auspuffdämpfe der Maschinen gelangen durch Röhren n nach einem Condensator geeigneter Construction, um hier condensirt, durch die Pumpe in das Rohr h zurückgedrückt und darauf wieder in dem Behälter a in der oben beschriebenen Weise verdampft zu werden. Kessel und Maschine bilden ein einziges Ganzes und nutzen beide ein und dieselbe Flüssigkeit aus. Die Construction ist derart, dass das Feuer des Ofens sich direct unter dem Kessel befindet und so mit dem unteren Kesseltheil in Berührung steht, und dass die Hitze auf ihrem Wege nach dem Schornsteine nothwendiger Weise über eine grosse Fläche des Kessels streichen muss, so dass die in demselben enthaltene Flüssigkeit zu einer hohen Temperatur gebracht und auf derselben mit weniger Brennmaterial verbrauch als bei den bis jetzt gebräuchlichen Kesseln erhalten wird. Als Heizflüssigkeit wird vortheilhafter Weise ein fettes Oel mit hohem Siedepunkte angewendet, so dass die Flüssigkeit eine grosse Hitze ohne hohen Druck abgibt und demgemäss die Explosionsgefahr vermindert wird. (Schluss folgt.) Metallbearbeitung. Ueber das Drehen und Genauschleifen. Mit Abbildungen. Ueber das Drehen und Genauschleifen. Nur bei weichem Stahl kann das Genaudrehen mit dem Schleifen in Vergleich gebracht werden. Es kann auch auf der Drehbank ein hoher Grad von Genauigkeit erreicht werden, sofern alle Bedingungen hierzu Erfüllung finden. Beispielsweise kann eine genaue kreiscylindrische, geradachsige, streng geometrische Oberfläche durch Drehen erhalten werden, sofern die Drehbankspindel streng im Lager geht und die Spitze derselben die Punktlage einhält, was wieder den Parallelismus der Drehbankspindel zur Wangenkante bedingt. Ist ferner durch genaue Höhen-, Seiten- und Paralleleinstellung der Reitstockspitze, die Parallelität der geometrischen Drehbankachse zur Wangenfläche und Wangenkante gesichert, so dass der kurz gehaltene Schneidstahl mittels seiner unterstützenden Supporttheile eine genaue Parallelbewegung zur Drehbankachse durchführt, so ist die erste Genauigkeitsbedingung erfüllt. Passen ferner die Körnergrübchen des Werkstückes in die Form der beiden Körnerspitzen von Spindel- und Reitstockkolben, liegen zudem die Achsen der beiden konischen Körnergrübchen in einer geraden Linie, welche möglichst die geometrische Achse des abzudrehenden Cylinderwerkstückes ist, bleiben die Körner frei von Fremdkörpern, Spänen, Staub u. dgl., und wird die Reitstockspitze ausreichend geölt, so dürfte die zweite Voraussetzung zutreffen. Auch die dritte Bedingung, Erhaltung der geometrischen Geradachse des Werkstückes kann bei zureichender Vorsicht erfüllt werden, sofern die Erwärmung durch reichlich und stetig der Schnittstelle zufliessende Kühlmittel herabgemindert bezieh. die dadurch bedingte Längenänderung durch Rücklage des Reitstockkolbens Berücksichtigung findet, auch Krümmungen der Körperachse durch den Schnittdruck vermieden werden. Nicht unerfüllbar ist die vierte Bedingung, Erhaltung der Spitze der Schneidkante des Werkzeuges bis zur Beendigung der Arbeit. Feiner Span, vorzüglicher selbsthärtender Werkzeugstahl, massige Länge des Werkstückes von möglichst homogenem Material, reichliche Kühlflüssigkeit, namentlich aber stetige, zwangläufige Schaltung des Schlittens mittels Räder und Leitspindel sind die Mittel zur Erfüllung der vierten Bedingung. Wird allen Bedingungen Genüge geleistet, so kann auch auf der Drehbank ein hoher Genauigkeitsgrad erreicht werden. Immerhin wird zur Beseitigung der Schnittriffen das Nachschleifen auf derselben Drehbank nicht zu umgehen sein. Im Allgemeinen kann zwar auf der Drehbank in gleicher Zeit mehr Spanmaterial abgenommen werden als auf einer Genauschleifmaschine, weil die letztere Spindel- und Reitstöcke von leichterer Bauart besitzt, welche eine stärkere Angriffsanstellung des Schleifrades nicht wohl ohne Rückenlager verträgt; aber es kann bei weichem Stahlmaterial und griffigem Schleifrade eine gleiche Leistung erreicht werden, jedoch bleibt zweckmässiger Weise die Schleifmaschine der Vollendung und Genauarbeit vorbehalten. Das eigentliche Arbeitsfeld der Genauschleifmaschine liegt aber in der Behandlung gehärteter Stahltheile, Werkzeuge und Hartgusskörper, wo die Spanleistung gegenüber der Erhaltung der Genauform zurücktritt. Mit einer stetig ruhig laufenden, weder schlagenden noch weifenden, genügend scharfen Schleifscheibe von passender Breite wird mit geringstem Seitendruck eine zureichende Spanentnahme möglich, wobei Angriffsgeschwindigkeiten von 13 bis 33 m/Sec., am besten 25 m/Sec., in Anwendung kommen. Der ruhige Gang des Schleifrades wird durch sichere Spindellagerung und gleichmässig biegsamen, verleimten Antriebriemen erreichbar. Das zwischen festen (todten) Spitzen kreisende Werkstück, dessen Achse parallel zur Schlittenkante liegt, wird gegen Seitendruck des Schleifrades durch stehende oder mitlaufende Rückenlager gesichert und am Schleifrade entlang geführt. Da eine einzige Hubbewegung des Schlittens zur Fertigstellung selten hinreicht, so wird diese Schlittenbewegung wiederholt. Da eine weitere Wiederholung ohne Zuschaltung des Schleifrades zwecklos wäre, so müsste mit der selbsthätig repetirenden Schlittenbewegung naturgemäss auch eine selbsthätig wirkende Querschaltung des Schleifradschlittens verbunden sein, weil eine Schaltung durch Handbetrieb doch im Ganzen unzuverlässig bleibt. Beim Grobschleifen weicher Stahltheile sind Schaltgrössen von \frac{1}{20} bis \frac{1}{40}, beim Genauschleifen harter Stücke Schaltwerthe von \frac{1}{400} bis \frac{1}{800} mm und bei der Regulirung von Messtücken (Calibern) sollen Schaltungen bis \frac{1}{4000} mm sicher erreichbar sein, wobei auf je eine Umdrehung des Schleifrades als Längsschiebung des Schlittentisches ein Bruchtheil der Scheibenbreite \left(\frac{1}{4}\mbox{ bis }\frac{1}{3}\ b\right) genommen werden kann. Das Schleifrad muss scharf bei weichem Bindemittel sein, falls das Material des Werkstückes mit geringstem Druck und kleinstem Aufwände an Reibung abgenommen werden soll. Hart muss dagegen das Schleifrad sein, damit für eine bestimmte Arbeitslänge des Werkstückes der Durchmesser des Schleifrades möglichst ungeändert bleibe. Auf die Abnahme der Materialschicht im Werkstücke und Schleifrade muss daher die Anstellung oder Schaltung bezogen sein. Bei einer Schleifscheibe von 300 mm Durchmesser und 20 mm Kranzbreite wird die Zahl der Angriffspunkte auf 180000 geschätzt, welche bei einer einzigen Umdrehung zur Wirkung kommen. Bei einer Schleifscheibe mit weichem Bindemittel (soft wheel) springen die Schmirgelkörner leicht aus, wodurch die übrigen scharfen Sandsplitter frei zu liegen kommen. Dagegen sitzen in einer Schleifscheibe mit hartem Bindemittel (hard wheel) die Körner fest, so dass sie schliesslich, der Abnutzung unterliegend, stumpf werden, wodurch die Angriffsfläche abgeglättet (glazing) wird. Bei zu grosser Schleifgeschwindigkeit und harter Scheibe wird bei starkem Angriffsdruck und weichem Werkstückmaterial durch übermässige Wärmeentwickelung leicht ein Schmelzen derselben eintreten, in Folge dessen der Raum zwischen den Körnern mit Schmelzgut ausgefüllt wird, wodurch das Rad verbleit (clogging) wird und die Angriffskanten verschmiert werden. Schmirgelscheiben für Bearbeitung von weichem Stahl sollen härter sein als solche für gehärteten Stahl und Gusseisen, während für Rothguss- und Kupferbearbeitung die Schmirgelscheibe schärfer sein muss. Textabbildung Bd. 308, S. 54 Schleifvorgang. Mit schmalen Schleifrädern beim Flankenschärfen oder da, wo die Schleifkanten genau sichtbar bleiben sollen, wird trocken geschliffen. Bei breiten Schleifrädern verursacht das Trockenschleifen Wärmebildung, in Folge dessen Erschütterungen entstehen, welche die Genauigkeit der Arbeit beeinträchtigen, wenn nicht ganz hemmen. Dies trifft schon zu und gibt Veranlassung zu unrunder Arbeit (ovalem Schliff), wenn mit harten Scheiben, mit zu grosser Geschwindigkeit und mit zu wenig Kühlwasser gearbeitet wird. Nur bei stetigem und reichlichem Wasserstrom kann mit breiter Schleifscheibe und starkem Angriff ein ruhiger Gang und damit bei Erhaltung der geraden Achse des Werkstückes eine 4- bis 5fache Schleifleistung im Vergleich zum Trockenschliff erzielt werden. Zeigt die Oberfläche des Werkstückes Wellen oder schraubenförmige Riffen, so muss die Umdrehungsgeschwindigkeit desselben abgeändert werden. Bei ovaler Arbeit muss die Umlaufszahl gesteigert, auch kann ein grösserer seitlicher Schlitten Vorschub mit stärkerem Angriff verbunden werden, während bei harten Scheiben der Schlitten Vorschub abgemindert werden soll. Wie bereits erwähnt, tritt der unrunde, einseitige Abschliff bei localer Erwärmung und Durchbiegung der Werkstückachse ein (Fig. 1), und da immer die Angriffsstelle auf einer Cylinderseite bleibt, so wird auch die Wärmebildung sich dementsprechend steigern und die Krümmung derselben Seite verstärken. Weil nun naturgemäss die Ausbuchtung in der Mitte am stärksten ausfällt, wird auch der Abschliff dort am grössten erscheinen. Wegen des geringeren Wärmeleitungsvermögens sind daher Hohlstäbe bezieh. Röhren weitaus schwieriger rund zu schleifen als massive Cylinderstäbe. Dagegen können abgesetzte Formen, wie Fig. 2, dem Schleifvorgange förderlich sein. C. H. Norton erklärt diese Erscheinung im American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 18 * S. 337, damit, dass durch die Wärmeüberleitung und ungehemmte Ausdehnung der Ringtheile a die Geradachsigkeit nicht gestört wird. Wird beim Trockenschliff der glatte cylindrische Theil b zum Angriff an das Schleifrad c gebracht, so wird eine Krümmung der Achse eintreten. Wird aber nass geschliffen, so können beide Stabtheile a und b ohne Schwierigkeit regelrecht rund bearbeitet werden. Weil aber ganz ohne Andruck des Schleifrades Arbeit nicht geliefert werden kann, so werden zur Entlastung des Werkstückes von diesem Arbeitsdrucke geeignete Gegenstützen in Anwendung gebracht, welche Lagerbacken aus Rothguss oder Hartholz tragen, in deren halbkreisförmiger Mulde sich der Stab einlegt. Unter keinen Umständen darf aus Ersparnissrücksichten das Lager eine ∨-förmige Rinne erhalten, wohl aber werden des besseren Wasserumflusses wegen längere Lagerbacken gitterförmig ausgespart. Textabbildung Bd. 308, S. 54 Schleifvorgang. Diese Rückenlager werden entweder in fester Anordnung gerade dem Schleifrade gegenüber, oder besser etwas seitlich davon an dem Bettkasten angeordnet, so dass sich der bereits abgeschliffene Theil des Rundstabes darin führt, wobei der Backen d (Fig. 3) im Lagerbock f mit Schraube g die erforderliche Anstellung bekommt, oder es wird diese Regelung der Windungsfeder h (Fig. 4) überlassen, während die Kraft derselben durch Schraube i abgeändert wird. Zur Konischarbeit ist diese feststehende Anordnung aber nicht zu gebrauchen. In diesem Fall und gewöhnlich auch zur regelrechten Rundarbeit werden die Lagerstützbockchen unmittelbar am Schlittentisch aufgeschraubt und wandern mit dem Werkstücke. Es erhält damit diese Rückenstütze k eine wechselnde Lage zum Schleifrade l in deren Verlauf unter Umständen leicht Störungen zu befürchten stehen. Um diese zu umgehen, wird mitunter die Rücklage auf die ganze Länge des schwachen Werkstückes erweitert, wie dies Fig. 5 zeigt, wobei m das Gitterklötzchen, n das Führungsstück, o die Spannfeder, p die Druckschraube und q das Stützböckchen vorstellt, wogegen r (Fig. 6) ein Gitterklötzchen mit angeschlossenem Führungszapfen s ist. (American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 20 * S. 374.) Textabbildung Bd. 308, S. 55 Schleifvorgang. Eigenartig ist eine von C. O. Griffin angegebene, zum Rundschleifen einer grösseren Anzahl gleichartiger Stäbe geeignete Führung, welche am Schleiftisch Aufstellung findet, also mit dem Werkstücke wandert. Nach American Machinist, 1896 Bd. 20 Nr. 51 * S. 1162, ist am Auge des Böckchens a (Fig. 7 und 8) mittels einer Schraube b ein Gabelstück c mit Reibung festzustellen, an deren Zinken zwei Holzklötzchen d und f mit Kopfschrauben festgespannt werden können, zwischen deren ∨-Nuth das Werkstück gefasst wird. Ausserdem wird das obere Führungsklötzchen d durch ein Ueberlegeisen h gehalten, welches mit der Standschraube i eingestellt und durch den Anschlagzapfen k geführt wird. Nach dem Achsmittel wird der Backen f durch Drehung des Gabelstückes c eingestellt, während der obere Backen d einfach mit dem Ueberlegeisen h nachgestellt wird. Wenn nach beendeter Arbeit dieses Ueberlegeisen h herausgedreht wird, so kann der Backen d hochgehoben und das zweite Werkstück eingelegt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 55 Schleifvorgang. Zum Kegelschliff wird die obere, um einen Mittelzapfen schwingende Tischplatte gegen den Schlittentisch verdreht. Weil aber die Kegelstellung mittels einer seitlichen Schraubenspindel nach Angabe herzustellen ist, so machen sich Strichtheilungen erforderlich, welche nur mittels Schleifvorgang. einer gleichen Seitenschraube durch Linearverschiebung der Mutter gezeichnet werden können. Diese von S. T. Freeland vorgeschlagene Einrichtung (American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 30 * S. 699) besteht aus einer Kreisplatte a (Fig. 9) mit einer mittelpunktsmässigen Quernuth, in welcher ein Schieberlineal b gleitet, an dem die Spindelmutter c angelenkt ist, welche durch die Stellspindel d verlegt wird. Weil nun der Kegel im Verhältniss der trigonometrischen Tangente des Centriwinkels (y : x), und zwar Anzahl Zoll zu 1 Fuss engl. oder Millimeter zu Meter u.s.w. angegeben ist, so wird zu einem bestimmten Grundmaass x (Fig. 10) das zugehörige Standmaass y mit der Stellspindel d leicht aufzutragen sein. Da nun an der Tischplatte der Schleifmaschine der Bogenschlitz mit Zeigermarke z sich befindet, am Schlittentisch die Scala f angebracht ist, so wird der Zeiger z gegen das gerade Scalalineal f im Bogen schwingen. Ob nun die Scalenstriche radial (Fig. 11) oder normal zu ziehen sind, scheint gleichwertig zu sein, doch dürften mit Bezug auf die Herstellung die normal stehenden Scalenstriche (Fig. 12) den Vorzug verdienen. Fabrikation von FeilenAuszüglich nach Jernkont. annaler, 1897 III. in Sheffield, Birmingham und Remscheid. Fabrikation von Feilen in Sheffield, Birmingham und Remscheid. Zur Feilenfabrikation werden vorzugsweise Tiegelstahl und deutscher Flusstahl verwendet, aber auch schwedischer Flusstahl ist dazu geeignet, sobald er mit Sorgfalt bearbeitet wird. Seine grössere Geneigtheit, sich zu verziehen, erschwert allerdings seine Verwendung zu breiten, halbrunden Feilen und die Grenze, über die hinaus das Resultat unsicher wird, liegt bei einer Breite der Feilen von 25 mm. Man wendet alle Kohlegehalte an zwischen 0,70 und 1,70, am meisten die von 1,00 bis 1,20 Proc; die Wahl wird bedingt dadurch, ob man mit den daraus erzeugten Feilen weiche oder harte Gegenstände zu bearbeiten gedenkt. Für jede besondere Feilensorte pflegt man deshalb überhaupt den gleichen Kohlegehalt bezieh. Härtegrad anzuwenden, weil jede einen fest bestimmten Anwendungszweck hat. Die kleinsten Kohlegehalte werden zur Raspelfabrikation genommen und der dazu verwendete Stahl wird nach erfolgter Abnutzung der Raspeln sehr häufig zu den verschiedensten Verstählungen benutzt. Schwedischer Feilenstahl wird sicher eine grössere Anwendung haben, als den Feilenschmieden bekannt ist; er wird häufig als englischer Gusstahl verkauft, der einen besonders guten Ruf bei ihnen besitzt. Es kommen mehrere Qualitäten desselben in den Handel. Die Herstellung der verschiedenen Feilenkörper erfolgt entweder unter dem Hammer oder im Walzwerke. Ausgewalzt werden fast ausschliesslich die schwächeren Sorten, besonders wenn dieselben eine aussergewöhnliche Form haben. Dagegen werden starke vierkantige und flache Feilen im Gewichte von 1 k und darüber aus dem Groben unter dem Hammer, meist unter einem kleinen Dampfhammer, so geschmiedet, dass das geschmiedete Stück zwei Feilen gibt, die mit den Handgriffen (Zangenenden) zusammenhängen. Geschmiedeter Feilenstahl wird von den Feilenfabrikanten als best angesehen; in schwächeren Abmessungen aber stellt er sich zu theuer. Kantiger Feilenstahl muss durchaus voll- und scharfkantig sein, namentlich sobald er zu schwächeren Sorten verarbeitet werden soll; Kantengrat ist zulässig, nicht volle Kanten dürfen niemals vorkommen; sie verursachen stets Extra arbeit. Der gewalzte Feilenstahl muss exacte Abmessungen haben, eine schöne dunkelblaue, ganz fehlerfreie Oberfläche besitzen, durchaus eben sein, wo es sich um ebene Flächen handelt, weil im anderen Falle der Hieb ungleich ausfällt, und volle, scharfe Kanten ohne Kerben oder Grat zeigen; völlige Gänze und Gesundheit des Stahles sind dabei Voraussetzung. Der gewalzte englische Feilenstahl soll diesem Ideale von Feilenstahl näher kommen als jeder andere. Feilenstahl wird rund und quadratisch, flach, flach mit schwach runder Oberseite, halbrund, flach als Maschinenfeilenstahl, mittel halbrund u. dgl. als Messer-, Schwert-, Brettsäge-, Dreiecksägefeilenstahl und noch in anderen Formen den Schmieden zur Verarbeitung zu Feilen geliefert; sie zerschroten denselben zu Stücken von passender Länge zu einer bezieh. zwei Feilen und geben ihm in zweimaliger Wärme die gewünschte Form. Sie schmieden zuerst sämmtliche Spitzen aus und dann alle Griffenden einer grösseren Zahl Feilen; man spart auf diese Weise erheblich an Zeit gegen Fertigschmieden jeder einzelnen auf einmal. Das Wärmen erfordert Vorsicht, soll der Stahl nicht verdorben werden, es muss möglichst gleichförmig erfolgen und darf besonders bei stärkeren Dimensionen nicht überhastet werden. Man schmiedet anfangs mit leichten Schlägen, um den Glühspan zum Abfallen zu bringen; dies wird befördert durch Schmieden mit nassem Hammer auf nassem Amboss, wobei der Aufschläger mit nassem Wisch über Amboss bezieh. Gesenke streicht. Auch hierbei ist Vorsicht erforderlich, soll der Stahl nicht durch Abkühlung zu hart werden. Starke Schläge befördern, sobald die Feile zu erkalten beginnt, ebenfalls das Hartwerden. Der Abbrand beim Ausschmieden hängt von der Dauer des Wärmens und von der Feuerführung des Schmiedes ab, er beläuft sich einschliesslich des Schrotes auf 5 bis 6 Proc. im Mittel. Um unvermeidlichen Abbrand zu verhüten, wird die Temperatur so niedrig gehalten, als es mit einem guten Schmiederesultate und mit Erreichbarkeit guter Qualität der Feile zulässig ist. Die Länge des abzuschmiedenden Stückes ist sorgsam abzumessen, damit es genau ausreicht, ohne dass die Feilenspitze noch nachträglich zu kürzen bleibt. Es liegt im Interesse des Feilenschmiedes als Verkäufer bei Dutzendfeilen knappes Gewicht einzuhalten, der Käufer aber fordert Einhalten der Dimensionen. Der Feilenschmied arbeitet in gewöhnlichen Kleinschmiedsherden und meist allein. Der Herd muss so placirt sein, dass der Schmied bei Beurtheilung der Temperatur des wärmenden Stahles durch das Tageslicht nicht getäuscht wird, dagegen wird der Amboss ins volle Licht gestellt, damit der Schmied den Gang seiner Arbeit ohne Schwierigkeit übersehen kann. Im Herde wärmen am besten Holzkohlen, leidlich Koks, am schlechtesten Steinkohlen; letztere werden trotzdem fast ausschliesslich ihres billigeren Preises halber zum Wärmen benutzt, jedoch sucht man stets Kohlen mit geringen Schwefelgehalt. Ausserdem mischt man in der Weise Koks bei, dass diese mit dem Stahle in Berührung kommen. Koks ist somit den Kohlen vorzuziehen, muss aber zerkleinert werden, damit die Aussenluft nicht durch zu grosse Zwischenräume leichten Zutritt zum Stahle findet und ihn zerstört; zu kleiner Koks brennt nur schwierig und fordert zum Brennen viel Luft, die wieder die Oxydation des Stahles befördert. Holzkohlen wärmen gleichmässig, mild und geben ein umfangreiches Feuer, sie brennen leicht ohne grosse Windzufuhr und schwächen dadurch die Oxydationsgefahr ab. Der Amboss der Feilenschmiede weicht in der Form von dem der Kleinschmiede ab; es fehlt ihm das Hörn, dagegen besitzt er einen oder zwei Ausschnitte zum Einsetzen von Gesenken. Er wird am besten aus Schmiedeeisen hergestellt und mit aufgeschweisster Stahloberfläche versehen; sein Gewicht beträgt 300 bis 350 k; zur Stahloberfläche wird vorzugsweise leichtschweissbarer Schwedenstahl gewählt. Stahlambösse sind nicht beliebt, sie entsprechen weniger als die schmiedeeisernen verstählten. Im Gesenke werden alle Feilensorten geschmiedet, die der Schmied ohne dasselbe nicht herzustellen vermag, als ∆, ⌓ und ◯; zum Rundschmieden wird auch ein Obergesenke erfordert. Die Gesenke werden aus Schmiedeeisen gefertigt, ihre Formflächen werden verstählt. Die Form der Gesenke ist für den Feilenschmied von Wichtigkeit und ihre Herstellung, insbesondere die der ∆, ist nicht leicht. Schmiedehammer und Aufschlaghammer erinnern in ihrer Form an den Hammer des Feilenhauers; das Auge sitzt weit nach hinten, nahe dem Nocken. Erfahrungsgemäss ist diese Form die vortheilhafteste für einen kräftigen Schlag ohne Neigung zum Abweichen. Der Hammer wird vorzugsweise ganz aus Stahl gefertigt, weil er das Umstählen nicht erfordert, sein Gewicht beträgt bis 6 k. Bei der Bearbeitung auf dem Amboss entstehen innere Spannungen in der Feile; schon daraus entstehen sie, weil die Feile zweimal gewärmt werden muss, zuerst an der einen, sodann an der anderen Seite, andere Spannungen folgen aus dem Hämmern, denn kein Schmied vermag so durchaus gleichmässig zu schmieden, dass seine Arbeit nicht Spannungen entstehen lässt. Um diese Spannungen aufzuheben und die ungleichen Verdickungen des Materiales in den verschiedenen Theilen der Feilen auszugleichen, glüht man dieselben stets aus und benutzt dazu besondere Oefen. Zwei Arten derselben sind: der englische und der deutsche Ausglühofen. Der erstere hat einen unteren Feuerraum und einen oberen Raum zum Einlegen der Feilen. Aus der Feuerung laufen sechs Kanäle, drei auf jeder Seite, nach oben und leiten die Verbrennungsproducte in den oberen Raum; die Verbrennungsgase entweichen durch eine Oeffnung in der Decke. Der deutsche Glühofen hat nur einen Raum, in welchem drei bis vier starke Eisenstangen wagerecht eingelegt sind, die die Feilen tragen; unterhalb dieser Tragstangen erfolgt die Befeuerung mit Buchenholz während 4 bis 6 Stunden, worauf alles zusammen einer etwa 12 Stunden andauernden Abkühlung überlassen wird, nachdem die glühenden Kohlen und Brände auf und über die Feilen aufgeworfen wurden. Zu diesen Oefen wird lediglich natürlicher Zug angewendet und die Temperatur möglichst niedrig gehalten. Bei den deutschen Oefen soll die Gefahr ungleicher und zu hoher Wärme grösser sein, als bei den englischen, wogegen die letzteren mit höherem Brennmaterialaufgange arbeiten. Die Feilen werden ohne irgend welche Bedeckung oder Zwischenlage eingelegt und die Gase werden in Folge dessen an der Durchströmung des Ofenraumes nicht gehindert; man muss jedoch besonders darauf achten, dass die Zuglöcher nicht überdeckt werden. Man legt grosse und kleine Feilen zusammen ein, die ersteren, da sie gegen die Flamme weniger empfindlich sind, unter die letzteren. Sind die Feilen erkaltet, so werden sie aus dem Ofen herausgenommen; sie haben dann einen Ueberzug von Glühspan, stellenweise von rothem, sammetartigem Aussehen. Meist haben sie sich verzogen und müssen vor dem Schleifen mit leichtem Schlage auf den Amboss gerade gerichtet werden, anderenfalls sind sie nicht schleifbar. Die Oxydhaut, welche nach dem Ausglühen die Oberfläche der Feilen bedeckt, muss vor dem Hiebe entfernt werden; man verwendet dazu gewöhnlich Schleifsteine oder auch feilt sie ab. Je feiner und werthvoller die Feilen sind, desto sorgsamer muss dieser Process zur Ausführung gebracht werden; für gewisse Arten gröberer Feilen begnügt man sich, den Glühspan so gut wie möglich abzufeilen. Die benutzten Schleifsteine gehören einer Art rothen Sandsteines an und werden an mehreren Orten im Elsass, in Lothringen, am Rhein, in der Eifel, bei Trier und anderenorts gebrochen; ihr Durchmesser misst 2 bis 2,5 m, ihre Dicke 0,26 bis 0,31 m, und man nutzt sie ab, bis sie auf einen Durchmesser von 0,8 m verbraucht sind. Die Umlaufsgeschwindigkeit erreicht 70 Umdrehungen in der Minute. Man schleift unter Anwendung von Wasser und presst dabei die Feilen mittels eines hölzernen Handgriffes gegen den Stein. Der Schleifstein ist gerauht durch zahlreiche zur Rotationsachse nicht völlig parallele Hiebe durch eine breite Hacke. Die Feilen werden entweder quer zur Länge oder längs, oder aber erst quer und dann längs geschliffen, letztere Schleifart findet nur dann statt, wenn es sich um ein nachheriges dichtes und theures Aufhauen handelt, sie gibt gleichmässigste und beste Oberflächen. Platte „feine“ und „feinste“ Feilen schleift man erst schräg quer, sodann längs; rechtwinklig quer zu schleifen ist beträchtlich schwerer und wird selten geübt. Billigere Sorten dieser Art werden nur quer, halbrunde auf der abgerundeten Seite quer, auf der ebenen längs, dreikantige gewöhnlich erst quer, dann längs, kleine dreikantige nur quer geschliffen; auch die Schmalseiten der flachen Feilen werden nur quer geschliffen. Der Schleifverlust beträgt im Mittel 10 Proc. des Feilengewichtes. Zum Nachputzen geschliffener Feilen übergeht man dieselben oft auch nur mit der Feile, das Gleiche findet statt bei Dreikantfeilen, um sie zum Hieb passend zu machen. Häufig pflegt man die vorgeschliffenen Feilen zum Schütze gegen Rostbildung beim Lagern in Kalkwasser zu tauchen. Feilen, die durch des Schleifers Schuld in gewissem Grade sich härteten oder überhaupt sehr hart sind, müssen vor dem Hauen nochmals ausgeglüht werden. Man unterscheidet in Bezug auf Hieb zwischen grob (rough), halbgrob (coarse), bastard (bastard), halbschlicht (second cut), schlicht (smooth), doppelschlicht (death smooth). Je länger eine Feile ist, desto gröber ist der Hieb der ganzen Sorte, je kürzer dagegen, um so feiner; in Folge dessen kann der Fall eintreten, dass der „feinste“ Hieb einer längeren Feile bei einer kürzeren „mittelfein“ genannt wird. Die Feilen werden mit der Hand oder mit der Maschine gehauen, erstere Hauart ist die allgemeinere und soll allgemein bessere Resultate geben, als der Maschinenhieb, der grosse Geschicklichkeit beim Führen der Maschine erfordert, wenn sie gute Arbeit liefern soll. Wird diese Bedingung erfüllt, so kann man mit der Maschine sehr wohl Feilen hauen, und zwar besonders schnell, auch andere Sorten, als platte und vierkantige. Man sieht es als misslich an, dass beim Hauen mit der Maschine, wenn ein Meisselwechsel während der Bearbeitung einer Feilenfläche nöthig wird, eine Verschiedenheit des Hiebes allzu merkbar hervortritt, und es kann nicht in Abrede gestellt werden, dass sich das Auge an einer solchen Feilenfläche stösst. Diese Unannehmlichkeit ist aber doch kaum nennenswerth und thatsächlich kann man wenige Feilen mit dichtem Hieb mit ganz einwandfreien Flächen vorweisen, seien sie mit der Maschine oder mit der Hand gehauen. Der Grat des Aufhiebes ist entweder einfach oder doppelt, bei den Raspeln besteht er aus zahlreichen Graten. Der einfache Aufhieb wird bei gewissen Arten platter und dreikantiger Sägefeilen, bei Schwertfeilen u.a. angewendet; am häufigsten wird doppelter Aufhieb gegeben. Bei diesem darf Ober- und Untergrat nicht rechte Winkel mit der Längsrichtung der Feile bilden, weil, wenn dies der Fall wäre, die durch den Hieb gebildeten Zähne in mit dieser Richtung parallelen Linien lägen und beim Befeilen von Gegenständen deren Oberfläche riffeiförmig ausfallen würde, auch würden die Feilen nicht auf jedem Punkte greifen. Der Untergrat bildet Winkel von etwa 50°, der Obergrat von etwa 65° zur Längsrichtung der Feile; beim Hauen wird dem Meissel eine etwa um 80° schräge Richtung gegen die Spitze hin gegeben, die Zähne der Feile erhalten somit zum Theil einen Angriffswinkel gegen die Basis von etwa 115°, theilweise aber auch eine Neigung nach vorwärts, beides ist vortheilhaft für das Arbeitsvermögen wie auch für die Haltbarkeit. Zum Feilenhauermeissel wird bester Tiegelstahl mit 0,75 bis 1,25 Proc. C verwendet. Man härtet ihn ganz im Wasser, lässt auf rothwarmen Eisen die Schneide gelb, das Schaftende blau anlaufen und schärft ihn durch Schleifen auf dem Schleifsteine. Sobald die breitere Partie der Schneide abgenutzt ist, schmiedet man ihn zum Aufhauen schmälerer Feilen schmäler aus. Die heutige Form des Feilenhauerhammers ist das Resultat aus den Verbesserungen langer Zeiten und für den besonderen Zweck sehr passend; sein Gewicht wechselt von ⅓ bis 3 k und er wird aus schwedischem Stahl gefertigt. Die Form des Ambosses ist gleich der des Feilenschmiedes; er wiegt etwa 35 k. In den Ausschnitt der Ambossbahn wird eine Einlage aus Blei oder Zink eingefügt, gegen welche die Feile durch zwei endlose Riemen festgepresst wird, die unter dem Tische vom Feilenhauer mit dem Fusse gespannt werden. Die Unterlage muss die bereits fertig gehauene, nach unten gewendete Fläche der Feile gegen Beschädigung auf dem harten Ambosse sichern. Beim Hauen liegt die Feile mit der Spitze abwärts gerichtet vom Hauenden und der Hieb erfolgt, bei der Spitze beginnend, gegen den Griff hin. Bei stärkeren Feilen werden minutlich 60, bei feineren 100 Schläge und und darüber geleistet. Halbrunde Feilen werden zuerst auf der ebenen Seite gehauen, alsdann folgen die abgerundete Fläche und die Uebergänge zur ebenen, zuletzt die Kanten. Die Kanten der Dreieckseiten werden ebenfalls gehauen, bei schwächeren Feilen einreihig, bei groben mit abgerundeten Kanten zwei- und dreireihig. Bevor der obere Grat bei einer Feile angesetzt wird, wird die äusserste Partie des Untergrates abgestrichen, dessen grössere oder geringere Ungleichmässigkeit anderenfalls verschieden grosse Zähne oder Einbuchtungen beim Ansetzen des Obergrates veranlassen würden. Nach erfolgtem Aufhieb überstreicht man die Feile mit einer Holzkohle; die anhaftende Kohle nimmt beim nachfolgenden Abbürsten im Aufhiebe sitzenden Schmutz und Span mit fort. Das Härten der Feilen vollzieht sich in zwei Vorgängen: Aufwärmen und Untertauchen in die Härteflüssigkeit. Die Aufwärmung wird entweder im Herde oder im Bleibade ausgeführt. Das Bleibad ermöglicht sicheres und gleichmässiges Wärmen, aber es muss zur Verhinderung der Oxydirung und zu jederzeitiger Erhaltung ein und derselben Temperatur mit Holzkohlen gedeckt gehalten werden. Im Herde kommen die Feilen lediglich mit der Flamme des Brennmateriales – Koks – in Berührung. Grössere Feilen liegen auf passend angebrachter Unterstützung direct in der Flamme, kleine Feilen werden im offenen Eisenkasten gewärmt, dessen Boden mit einer schwachen Schicht Holzkohlenpulver bedeckt ist, welches auch über und zwischen die Feilen gestreut wird. Jede Feile erhält vor dem Einsetzen einen schützenden Ueberzug, die einen wenden dazu ein Gemisch von Hufmehl und Salz an, andere Hufmehl, Thon und Salz, und noch andere Bodensatz aus Brauereien und Salz. Vermuthlich werden jedem dieser Gemische noch andere Beimischungen gegeben. Hauptsache ist der Ueberzug, der die empfindlichen feinen Zähne der Feilen gegen Entkohlung und Abbrand schützt und sie eine grössere Härte durch Abgabe von Kohle und Stickstoff erreichen lässt. Jene Gemische werden durch Zusatz von Wasser in eine teigige Schlempe verwandelt, die mit der Bürste fest auf die Feilen aufgetragen wird. Alle Vertiefungen werden auf diese Weise mit Masse ausgefüllt, aber die Schicht ist zu dünn und die Feilen werden deshalb noch in trockener Masse gleicher Zusammensetzung hin und her gerollt, um dieselbe zu einem genügend dicken Ueberzuge zu machen. Häufig trocknet man die so überzogenen Feilen einfach durch Einlegen unter den Rost des Härteofens; fallen dabei Stücke des Ueberzuges ab, so werden diese durch abermaliges Aufstreichen ersetzt. Die getrockneten Feilen sind zum Wärmen und Härten fertig und nehmen nun die Geschicklichkeit des Schmiedes besonders in Anspruch. Es kommt darauf an, dass der Schmied den Zeitpunkt richtig erfasst, zu welchem die Temperatur zum Eintauchen der Feile in die Härteflüssigkeit erreicht ist. Davon hängt ein richtiges, bestes Härten allein ab. Es muss jedem nachtheiligen Einflüsse auf dieses Resultat vorgebeugt werden und es bleibt dabei von grösstem Gewichte, dass das Härten stets bei möglichster Tageshelligkeit oder bei sonstiger guter Beleuchtung vorgenommen wird. Die Anwärmung der Feilen muss so rasch erfolgen, als sie überhaupt vollständig und gleichförmig zu erreichen möglich ist; sie darf nicht länger andauern, als es dem Zwecke entspricht, soll die Qualität des Stahls nicht darunter leiden. Alle Theile der Feile müssen gleich hoch erwärmt werden; bietet dem gegenüber die Form der Feile Schwierigkeiten, so empfiehlt es sich, die Temperatur um etwas zu hoch zu treiben und den Ueberschuss davon vor dem Eintauchen in die Härteflüssigkeit an die Luft abgeben zu lassen. Die Partien, welche die Wärme schneller aufnehmen, erkalten auch schneller an der Luft und es tritt ein Zeitraum ein, innerhalb welchem alle Theile der Feile gleiche Temperatur besitzen; in diesem Augenblicke muss das Eintauchen erfolgen. Als Härteflüssigkeit wird mit Kochsalz gesättigtes Wasser benutzt; das Gefäss, in welchem sich dasselbe befindet, ist räumlich von bedeutender Grösse, damit das Wasser während dem Härten keine erhebliche Temperatursteigerung erleidet. Um das Wasser stets mit Salz gesättigt zu erhalten, wird ein mit Salz gefüllter Sack in dasselbe eingehängt. Benutzt wird denaturirtes Gewerbesalz. Die zum Härten warmen Feilen werden mit einer Bürste oder einem Pinsel von dem schützenden Ueberzuge gereinigt und hierauf in die Härteflüssigkeit eingetaucht. Die Art und Weise des Eintauchens ist verschieden, je nachdem es sich um zur Centrumlinie symmetrische oder unsymmetrische Feilen handelt. Eine Feile ersteren Schlages wird langsam mit der Spitze voran in das Härtewasser niedergetaucht; eine der letzteren Art, die sich beim Härten immer wirft, wird zuerst in etwas entgegengesetzter Richtung zu ihrem Verwerfen zurückgebogen und dann nicht lothrecht eingetaucht, sondern in einer Lage, die geeignet erscheint, ihr die gerade Form zu geben und möglichst wenige innere Spannungen in ihr zu erzeugen. Ins Vorhinein diese Lage zu bestimmen oder allgemeine Regeln dafür zu geben, wie das Härten am besten auszuführen, ist unmöglich; oftmals kennt der Arbeiter die beste Härteart nicht und muss sie erst durch Versuche ermitteln. Verschiedene Stahlsorten halten sich verschieden beim Härten, die eine wirft sich mehr als die andere; unsymmetrischer Aufhieb symmetrischer Feilen begünstigt das Werfen, z.B. eine platte Feile bloss auf einer Kante aufgehauen, wirft sich nach dieser Seite. Halbrunde Feilen biegen sich mehr oder weniger nach der ebenen Seite und werden mit der halbrunden Seite in schiefer Stellung voran in das Härtewasser niedergetaucht. Hat sich die Feile beim Härten gezogen, so wird sie noch warm mit leichtem Schlage mit einem Holzkloben ausgerichtet oder durch Einbinden zwischen zwei Schienen und hierauf zur vollständigen Abkühlung in das Härtewasser eingeführt. Das vom Härten anhängende Salz wird durch Eintauchen der Feile in mit Schwefelsäure angesäuertes Wasser beseitigt; man bürstet sie alsdann mit Sand völlig rein, spült sie in reinem Wasser und zuletzt in Kalkwasser ab, um jede Spur von Schwefelsäure zu neutralisiren. Hierauf wird sie getrocknet und lässt man den Handgriff anlaufen. Das Anlaufen, welches im Bleibade schnell erfolgt, hebt die Härtung vollständig auf. Zuletzt folgen nochmalige Reinigung, Probiren auf Härte mit hartem Stahl, Besichtigung, Einölung und Verpackung. Dr. Leo. Flüssigkeitshebemaschinen. Neuerungen an Pumpen. (Schluss des Berichtes Bd. 307 S. 241.) Mit Abbildungen. Neuerungen an Pumpen. Rotirende Pumpen. Engineering vom 30. Juli 1897 bringt S. 154 die Beschreibung einer rotirenden Pumpe von C. Dubois in Paris. Sie besteht, wie Fig. 1 und 2 erkennen lassen, aus einem cylindrischen Gehäuse A1, in dessen Nabe ein hohler Zapfen S gelagert ist, der im Inneren des Gehäuses die Enden von Schaufeln P trägt. Das Gehäuse ist durch einen Deckel A geschlossen, der in einem excentrisch zum Zapfen S angeordneten Lager die Treibwelle B aufnimmt. Letztere trägt einerseits einen rotirenden cylindrischen Rahmen D, in welchem die Schaufeln P mittels Rollen C gelagert sind, andererseits die Antriebsscheibe T. Von der Höhlung des Zapfens S aus führen radiale Schmierkanäle nach dem Umfange desselben, auf welch letzterem die Schaufeln P bei ihrer Drehbewegung gleiten. Die Flüssigkeit wird je nach der Umdrehungsrichtung der Schaufeln P durch N bezieh. N1 angesaugt und durch N1 bezieh. N weiter gefördert. Textabbildung Bd. 308, S. 59 Rotirende Pumpe von Dubois. Die Pumpe lässt sich auch als Motor verwenden. In diesem Falle drückt der durch M in die Maschine tretende Dampf auf die betreffenden Schaufeln und bewirkt die Umdrehung des Rahmens D mitsammt der Welle B. Die excentrische Anordnung des Rahmens gestattet ein allmähliches Anwachsen des zwischen je zwei Schaufeln gelegenen Cylinderraumes, so dass der Dampf auch durch Expansion Arbeit verrichtet. Er entweicht zum grössten Theil durch N1 in einen Condensator bezieh. in die Atmosphäre, zum Theil aber auch, um die der Drehbewegung entgegen wirkenden Widerstände möglichst herabzumindern, durch den Stutzen M1. Die Scheibe T dient jetzt zur Abgabe der rotirenden Bewegung. Um die Maschine umzusteuern, lässt man den Dampf durch M1 in dieselbe ein- und durch N bezieh. M wieder austreten. Auf der vorjährigen Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung zu Leipzig erregten zwei von der Firma C. H. Jäger in Leipzig ausgestellte rotirende Pumpen wegen ihrer bedeutenden Leistungen von je 4,5 cbm in der Minute, bei einem Drucke von 6 at, berechtigtes Aufsehen. Bei dem auf S. 34 d. Bd. dargestellten Jäger'schen Bläser, der auch als Pumpe verwendbar ist, ist der obere Cylinderraum durch eingeschobene innere, an den Gehäusedeckeln befestigte Cylinder zu einem ringförmigen Arbeitsraume ausgebildet, in welchem drei, in der Mitte durch eine kreisrunde Scheibe unter einander und mit der Achse verbundene Kolben kreisen. In dem unteren Cylinderraume ist ein Rad mit vier Lücken untergebracht. Beide Achsen drehen sich im Verhältnisse von 3:4 mit Hilfe zweier Zahnräder ausserhalb des Gehäuses, so dass die drei Kolben jeweils in die Lücken des sogen. Steuerrades eintreten, ohne indessen mit den Wandungen derselben in Berührung zu kommen. Die gegenseitige Abdichtung beider Gehäusehälften wird lediglich an der Kreisaussparung des inneren Cylindermantels bewerkstelligt. Die Kolben müssen selbstverständlich bequem in die Lücken des Steuerrades eintreten können, damit hier kein Wasser eingeklemmt wird. Um an dieser Stelle dem Wasser einen reichlichen Ausfluss zu gestatten, wird nach D. R. P. Nr. 90014 die Lücke an der Peripherie so weit gemacht, dass die Einbuchtung beim Uebergange nicht mehr überdeckt und die Abdichtung während eines kurzen Zeitraumes lediglich durch die Trägheit der Flüssigkeit bewerkstelligt wird, die nach eingehenden Versuchen selbst bei 6 at Druck keine messbare Flüssigkeitsmenge zurückströmen lässt. Um eine Entlastung des Steuerrades vom Flüssigkeitsdrucke in allen Lagen zu ermöglichen, ist der Druckfläche diametral gegenüber eine Aussparung in der Gehäuse wand angebracht, welche durch einen Kanal mit der Druckleitung in Verbindung steht. Auf das Steuerrad wirken nur Pressungen, deren Richtungen durch den Mittelpunkt der Achse gehen. In Folge dessen nimmt dieses Rad auch keinen Antheil an der Arbeitsleistung; nur die angetriebene Kolbenstange verrichtet Arbeit. Die Zahnräder ausserhalb des Gehäuses haben lediglich die geringe Achsenreibung zu überwinden und sind daher keinem nennenswerthen Verschleisse unterworfen. Da die beiden Innenkörper mit grossem Spielraume durch einander laufen, ist ein Verschleiss dieser Räder im Uebrigen auch von keinem Einflüsse auf das Zusammenarbeiten der ersteren. Der Spielraum der Innenkörper ermöglicht ferner, dass fremde Körper bis zu bestimmten Grössen ungehindert durch die Pumpe treten können, während sie bei Zahnradpumpen leicht Brüche verursachen. Ein wesentlicher Vorzug der Einrichtung besteht noch darin, dass sämmtliche Dichtungsflächen auf der Drehbank leicht und genau hergestellt werden können. Die in Leipzig ausgestellten Jäger-Pumpen waren liegend ausgeführt, d.h. beide Achsen lagen neben einander, so dass sich der Saugstutzen unten, der Druckstutzen oben befand. Jede Pumpe wurde von einem 3,2 m grossen Schwungrade einer in demselben Gebäude wie die Pumpen aufgestellten Wolf'schen Locomobile angetrieben. Das gemeinsame Saugrohr von 500 mm lichter Weite zweigte sich kurz vor den Pumpen nach den Saugstutzen derselben ab. Die beiden Druckrohre führten zunächst in einen Windkessel, von wo aus ein Druckrohr von 500 mm Weite nach einer inmitten eines Teiches aufgebauten Leuchtfontaine, ein zweites, engeres Rohr nach zwei Fontainen eines anderen Teiches führte. Textabbildung Bd. 308, S. 59 Fig. 3. Vorrichtung, um Pumpen nach beiden Richtungen umlaufend gebrauchen zu können von Lehmann. Damit Pumpen der vorstehend beschriebenen Bauart nach beiden Richtungen umlaufend gebraucht werden können und auch eine Entlastung des Steuerkolbens der jeweiligen Drehrichtung entsprechend stattfindet, ist nach F. H. E. Lehmann in Eilenburg (D. R. P. Nr. 86889) unter Bezugnahme auf Fig. 3 erforderlich, dass, wenn d Druckseite, die Druckflüssigkeit nur nach e gelangt, wenn dagegen s die belastete Seite, die Entlastung nur bei e1 geschieht. Während die Aussparung 2 über die Entlastung e gelangt, wird die in 2 enthaltene Flüssigkeit auf Druck gebracht werden. Kommt dann 2 über e1, so wird sich dieser Druck nach s – der Saugseite – entlasten, d.h. die Saugleistung durch die übertretende Flüssigkeit verringert werden, der Wirkungsgrad der Pumpe bei höherem Drucke schnell abnehmen. Dasselbe wäre der Fall, wenn die Drehungsrichtung die umgekehrte ist. Es muss deshalb eine Vorrichtung geschaffen werden, welche verhindert, dass Druckflüssigkeit nach s, der unbelasteten Seite, gelangen kann. Zu dem Zwecke sind bei d und s kleine Rückschlagventile r bezieh. r1 angeordnet. Ist d Druckseite, so wird r geöffnet, die Druckflüssigkeit tritt nach e und entlastet den Steuerkolben m. Durch e1 kann aber keine Flüssigkeit nach s gelangen, da der Druck das Ventil r1 geschlossen hält. Ebenso ist es umgekehrt der Fall, wenn s Druckseite. Die Saugleistung bleibt somit dieselbe. Luftpumpen bezieh. mittels Druckluft betriebene Pumpen. Eine von der Pulsometer Engineering Company in London in den Handel gebrachte Luftpumpe, System Fleuss, zeigt die Revue industrielle vom 6. Juni 1896 S. 225 entnommene Abbildung (Fig. 4). Textabbildung Bd. 308, S. 60 Fig. 4. Luftpumpe der Pulsometer Engineering Comp. In dem von einer Kammer b umgebenen Cylinder a führt sich ein einfach wirkender Kolben e, durch dessen Bewegungen ein luftverdünnter Raum geschaffen wird. In die obere Oeffnung c der Kammer b mündet das Saugrohr, während die unteren Oeffnungen d derselben mit dem Cylinder a communiciren. Der Kolben e trägt ein Ventil e1, welches sich von unten nach oben öffnet; seine Stange e2 tritt durch den Cylinderdeckel, über welchem unmittelbar das Austrittsventil ff1 angeordnet ist. Dasselbe besteht aus dem Ventilsitze f, der gleichzeitig die Führung für die Kolbenstange bildet, und einer aus Leder gefertigten, mittels Ringes armirten Lederkappe f1, welche die in dem Ventilsitze angebrachten Oeffnungen bedeckt. Am Ende seines aufsteigenden Hubes kommt der Kolben mit der Hülse f in Berührung und treibt diese sammt dem Ventile f1 so weit in den mit einer Flüssigkeit angefüllten Cylinder g hinein, bis sie gegen den Hubbegrenzungsring g1 stösst. Um das Herausspritzen von Flüssigkeit während des Arbeitens der Pumpe zu verhüten, ist im oberen Theile des Cylinders g ein entsprechend ausgebildeter Ring n und über diesem eine nach oben gewölbte Scheibe g2 angebracht, die durch ein die Kolbenstange umgebendes Rohr mit dem mit kleinen Löchern zum Entweichen der ausgepumpten Luft versehenen Deckel g3 verbunden ist. Beim Beginne des Arbeitens der Pumpe muss die Bildung eines Vacuums unter dem Kolben beim Aufsteigen desselben vermieden werden; dies wird durch ein Rohr erreicht, welches den unteren Theil des Cylinders a mit der Kammer b verbindet. Wenn die Pumpe als Compressionspumpe Verwendung finden soll, schliesst man die Oeffnungen im Deckel g3 und verbindet den oberen Theil des entsprechend verstärkten Cylinders g mit dem Druckluftbehälter; auch ist das den Deckel g3 mit der Scheibe g2 verbindende Rohr bis unterhalb der im Cylinder g stehenden Flüssigkeit zu verlängern und ferner die Kolbenstange in ihrer Führung f durch eine Ledermanschette o. dgl. abzudichten. Die mittels Handhebels betriebenen Pumpen werden für gewöhnliche Laboratoriumszwecke – an Stelle der Quecksilberluftpumpen – und Luftverdünnungen von etwa ⅓ mm Quecksilbersäule mit einem Cylinder, für solche bis zu 0,003 mm Quecksilbersäule mit zwei Cylindern ausgeführt. Im letzteren Falle ist nur der eine Pumpenkörper mit dem Recipienten verbunden und der zweite mit dem Auslassventile des ersteren, so dass sie also hinter einander geschaltet sind. Die Pumpen werden in verschiedenen Grössen gebaut. Auf die bei Hebemaschinen für tropfbare und gasförmige Flüssigkeiten zur Verwendung kommenden Kolbenkörper und zugehörigen Stangen entfällt wegen der Reibung ihrer Liderungsringe an den Cylinderwandungen bezieh. der Stangen in den Führungen, auch wegen der bei ungenügendem Abschlusse der Liderungsringe auftretenden Verluste ein erheblicher Betrag der zu ihrem Betreiben erforderlichen Arbeit. Um sich die Verluste vor Augen zu führen, ist nach den Annales des Mines, 1896, entnommenen Mittheilungen in Revue industrielle vom 10. October 1896 S. 402 daran zu denken, dass bei direct wirkenden Speisepumpen zur Ueberwindung des Widerstandes der Druckwassersäule eine Kraft erforderlich ist, die der Spannung des Kesseldampfes ungefähr entspricht und letzterer mit vollem Drucke in dem Treibcylinder zur Wirkung kommt. Dahingegen stehen die Querschnitte des Dampf- und Wasserkolbens in einem ungefähren Verhältnisse von: 2,25 und darüber bei Pumpen für Fördermengen von 1 1/Sec. 2,00 „ „ „ „ „ „ „ 2 „ 1,70 „ „ „ „ „ „ „ 5 „ Bei Maschinen zur Erzeugung von Druckluft schätzt man nach einem von W. Donaldson auf dem Congrès de mécanique appliquée 1889 gehaltenen Vortrage die genannten Arbeitsverluste auf mindestens 25 Proc. der vom Kolben zu bewältigenden Compressionsarbeit. Man berücksichtigt die vom Dampfkolben herrührenden Verluste, indem man für die von demselben zu verrichtende Arbeit gegenüber derjenigen, welche ein vollkommener Kolben ausüben würde, bei sorgfältig ausgeführten Compressoren den Coëfficienten 1,56, bei gewöhnlichen Compressoren einen solchen von 1,60 in Rechnung stellt. Die Verwendung comprimirter Luft bedingt aber die Anordnung eines Accumulators o. dgl., dessen Kolben neue Verluste verursacht. Man wird deshalb zweckmässig den oben genannten Coëfficienten von vornherein bei kleineren Installationen mindestens zu 3,60, bei grösseren mindestens zu 2,65 annehmen. Das mangelhafte Functioniren der Kolbenkörper verursacht sonach einen Arbeitsaufwand, der ungefähr das Dreifache desjenigen beträgt, welchen vollkommene Kolben erfordern. Die zahlreichen Versuche, welche zum Zwecke der Beseitigung der Kolbenkörper bisher angestellt wurden, erscheinen nach dem Vorstehenden durchaus berechtigt. Bereits seit dem Jahre 1888 beschäftigt sich M. de Montrichard mit diesem Gegenstande. In dem von ihm erfundenen, mittels Druckluft betriebenen Apparate (Fig. 5) wirkt das Treibmittel direct auf die durch das Ventil a in die Pumpe tretende Flüssigkeit, welche durch das Ventil e in das Steigrohr gelangt. Der Ein- und Austritt der Druckluft wird durch Ventile geregelt, die von einem Schwimmer f derart bethätigt werden, dass beim Emporsteigen desselben die Oeffnung für die durch n ausströmende Luft geschlossen, diejenige für die durch m einströmende Druckluft dagegen geöffnet wird. Denkt man sich den Apparat in eine Flüssigkeit getaucht, so tritt diese durch das Ventil a in denselben ein und treibt die Luft durch das Rohr n aus. Die Flüssigkeit steigt über das Niveau der Eintauchlinie des Schwimmers und ertheilt diesem eine aufsteigende Bewegung, so dass die Oeffnung für den Luftaustritt geschlossen, diejenige für den Eintritt der Druckluft geöffnet wird. Letztere tritt nun in den Apparat ein und verdrängt die Flüssigkeit aus demselben, so dass sie unter die Eintauchlinie des Schwimmers sinkt und dieser in Folge seiner nach abwärts gerichteten Bewegung das Ventil m schliesst, dasjenige für den Luftaustritt dagegen wieder öffnet. Die Flüssigkeit strömt nun von Neuem durch das Ventil a in den Apparat und es wiederholt sich der beschriebene Vorgang. Textabbildung Bd. 308, S. 61 Fig. 5. Mittels Druckluft betriebene Pumpe von de Montrichard. Durch Anordnung eines Vorwärmers für die Druckluft, der in die Leitung für die letztere eingeschaltet wird, lässt sich das Güteverhältniss der Pumpe bedeutend erhöhen. Der Apparat kann bis zu einer Höhe von etwa 8 m auch über dem Flüssigkeitsspiegel aufgestellt werden und als Saugpumpe arbeiten. In diesem Falle wird das Saugrohr an den Stutzen n angeschlossen und wenn der Apparat mit Flüssigkeit angefüllt ist, öffnet sich das Ventil m, während dasjenige n geschlossen bleibt. Die Flüssigkeit wird dann durch das Ventil e in das Ausgussrohr getrieben. Wenn das letztere tief genug liegt, so dass der Flüssigkeitsspiegel bis zur unteren Grenze sinken kann, schliesst sich das Ventil m, und da sich nun wieder das Ventil n öffnet, beginnt das Ansaugen der Flüssigkeit von Neuem. Wenn die praktische Grenze der durch die Saugwirkung erreichten Erhebung des Wassers bei ungefähr 8 m liegt, entspricht dem grössten Nutzeffecte einer derartigen Pumpe eine Luftverdünnung von ⅓ at, d.h. einer Förderhöhe von ungefähr 6 m. Das auf diese Höhe geförderte Wasser kann durch einen zweiten, auch dritten Apparat angesaugt und je wieder auf weitere 6 m gehoben werden. Um tiefe Schächte auszupumpen, sind eine grosse Anzahl derartiger Apparate erforderlich. Es ist jedoch nur eine einzige Leitung für die Luft anzulegen, und da diese unter atmosphärischem Druck in den Apparat ein- und mit derselben Spannung auch wieder austritt, sind Verluste in Folge Expansion des Treibmittels ausgeschlossen. Verschiedenes. Einen Regulator für Dampfpumpen, die mit häufigen Unterbrechungen, also sehr unregelmässig arbeiten, zeigt die The Engineer vom 2. April 1897 S. 339 entnommene Abbildung (Fig. 6). In die nach der Pumpe führende Dampfleitung ist am unteren Ende einer senkrechten, in der Länge verstellbaren Spindel ein entlastetes Doppelsitzventil a eingeschaltet, welches sammt der Spindel von einer spiralförmig gewundenen Feder l getragen wird und im normalen Zustande so weit von seinem Sitze entfernt liegt, dass der Dampf ungehindert nach der Pumpe strömen kann. Mit dem Ventile ist ein Kolben c verbunden, der in einem über der Feder l angeordneten, durch ein Ventil b mit dem Druckraume (Druckwindkessel) der Pumpe in Verbindung stehenden Cylinder arbeitet. Solange der Bedarf an gefördertem Wasser derselbe bleibt, hält die Feder l das Ventil a geöffnet; wenn derselbe aber plötzlich abnimmt, treibt der entsprechend grössere Druck über dem Kolben c diesen nach abwärts. In Folge dessen wird die Feder l zusammengepresst und es schliesst sich das Dampfventil, so dass die Pumpe zum Stillstande kommt. Der bei f ausgeübte Druck lässt sich genau regeln. Textabbildung Bd. 308, S. 61 Fig. 6. Regulator für Dampfpumpen. Durch sorgfältige Einstellung kann erreicht werden, dass die Pumpe nur eine bestimmte Wassermenge – und nicht mehr – liefert. Sie arbeitet langsam, wenn der Bedarf abnimmt, und mit erhöhter Geschwindigkeit, wenn derselbe wächst. Versuche, welche mit dem Regulator an den von der Firma Worthington and Co. für das Hauptpostamt in London gelieferten Pumpen angestellt wurden, haben ein zuverlässiges Arbeiten desselben ergeben. Fr. Der Venturi-Wassermesser. Mit Abbildung. Der Venturi-Wassermesser. Nach dem Centralblatt der Bauverwaltung ist der Venturi-Wassermesser im J. 1887 von dem Civilingenieur Clemens Herschel in New York erfunden worden, der seiner Erfindung im Andenken an den italienischen Gelehrten Venturi den Namen gab. Venturi machte zuerst im J. 1796 auf die Beziehungen aufmerksam, die zwischen den Geschwindigkeiten und den Spannungen in durchströmten Röhren von zu- und abnehmendem Querschnitt bestehen. Zur Messung sehr grosser Wassermengen in weiten Rohrleitungen, wie sie bei grossen Wasserversorgungen und Bewässerungen gebraucht werden, zeigt sich die ausserordentlich einfache Vorrichtung in gleichem Maasse geeignet, wie für kleine Rohrweiten und geringe Durchflussmengen, und ist neuerdings auch in Europa schon mehrfach in Anwendung gekommen. Die Einrichtung des Wassermessers beruht auf folgender Erwägung: Die Geschwindigkeit des fliessenden Wassers entspricht der Geschwindigkeitshöhe nach dem Gesetze h=\frac{v^2}{2\,g}. In jedem Punkte einer geschlossenen Leitung gleicht der Unterschied zwischen dem hydrostatischen Drucke Ps, der eintritt, wenn die Strömung gehemmt wird, und dem hydraulischen P, der in der strömenden Flüssigkeit herrscht – beide in Wassersäulenhöhen gemessen – der Geschwindigkeitshöhe h, vermehrt um die dem durchlaufenen Wege entsprechende Widerstandshöhe w. P_s-P=h+w=\frac{v^2}{2\,g}+w. Verändert sich von einem Punkte der Rohrleitung zum anderen die Geschwindigkeit v in v1, so ändert sich dementsprechend P in P1, und es ergibt sich P_s-P_1=\frac{{v_1}^2}{2\,g}+w, vorausgesetzt, dass beide Querschnitte in einer Höhe und nahe bei einander liegen, so dass Ps und w in beiden gleich gross anzunehmen sind. Alsdann ergibt sich, wenn man beide Gleichungen von einander abzieht, P_1-P=\frac{v^2-{v_1}^2}{2\,g}. Kennt man nun das Grössenverhältniss der beiden betrachteten Rohrquerschnitte q = nq 1, so ist dementsprechend v1= nv, und es wird aus obiger Gleichung v=\sqrt{\frac{2\,g\,(P_1-P)}{1-n^2}}. Textabbildung Bd. 308, S. 62 Venturi-Wassermesser. Man kann sonach aus den unmittelbar messbaren inneren Spannungen von zwei verschieden grossen Rohrquerschnitten die Geschwindigkeit und somit auch die Menge des durchfliessenden Wassers ermitteln. Zu diesem Zwecke bildet das Venturi-Rohr eine Einschnürung in der Rohrleitung, gewöhnlich auf ein Drittel des Durchmessers. Dicht vor dem Anfange der Verjüngung und an der engsten Stelle derselben befinden sich ringförmige, mit dem Innenraume des Rohres in Verbindung stehende Kammern. Die in diesen bestehenden Spannungen werden durch enge Röhrchen von Kupfer oder Blei nach dem Messwerke übertragen, wo sie auf die beiden Oberflächen von zwei Quecksilbersäulen wirken, die am Boden mit einander in Verbindung stehen (Fig. 1). Die jeweilige Stellung der beiden Quecksilberspiegel entspricht also dem Spannungsunterschiede der beiden Rohrquerschnitte und damit der wechselnden Geschwindigkeit in der Rohrleitung. Sie wird durch einen Schwimmer und elektrischen Contact auf ein Zählwerk übertragen, von dem, der Rechnung gemäss, die durch das Rohr fliessende secundliche Wassermenge entweder abgelesen werden kann oder dauernd aufgezeichnet wird. Das Zählwerk kann in einer Entfernung bis zu 300 m von der Rohrleitung aufgestellt werden. Die Erfahrung lehrt, dass der Druckhöhenverlust, den die Rohrverengung verursacht, äusserst gering ist, wenn die Verjüngung und Erweiterung des Rohres sich allmählich vollziehen. Zahlreiche, mit grosser Sorgfalt ausgeführte Versuche haben die in nachstehender Zusammenstellung angeführten Zahlen ergeben. Darin bedeutet v die Geschwindigkeit in der engsten Stelle in Meter-Secunden, h den Druckunterschied zwischen dem Eingangspunkte und der engsten Stelle des Venturi-Rohres in Meter der Wassersäule gemessen, und f den Druckhöhenunterschied zwischen dem oberen und dem unteren Ende des Venturi-Rohres, das ist die Widerstandshöhe, die durch die Einschnürung verloren geht. v = 0,75 1,50 2,80 6,10 11,70 m h = 0,029 0,12 0,37 1,925   7,50 m f = 0,004 0,015 0,052 0,246   0,93 m Und zwar bleiben die Werthe von h und f gleich gross für die verschiedenen Rohrweiten von 0,26 bis 2 m, die versucht worden sind, und ändern sich nur mit den Geschwindigkeiten nach Maassgabe obiger Zusammenstellung. Bei den Versuchen hatte die engste Stelle durchweg ein Drittel des Rohrdurchmessers, also ein Neuntel des Querschnittes der Rohrleitung. Der Verlust ist danach verschwindend klein, er kann ganz vermieden werden, wenn nicht eine fortdauernde, sondern nur zeitweilige Messung der durchfliessenden Wassermengen erforderlich ist. In solchen Fällen legt man den Wassermesser in ein seitliches Umlaufrohr und sperrt das Hauptrohr zum Zwecke der Messung. Die Genauigkeit des Venturi-Messers ist durch sehr eingehende Versuche als überraschend gross erwiesen worden. Während die Durchflussgeschwindigkeiten im engsten Querschnitte zwischen 1,50 und 15 m in 1 Secunde betrugen, war der Messungsfehler niemals grosser als 6 Proc. der Wassermenge, und das Zählwerk zeigte bei 28 Versuchen mit einem 1,20 m weiten Rohre nur einen mittleren Fehler von 0,25 Proc. gegen die aus den gemessenen Spannungsunterschieden berechnete Wassermenge. Das Venturi-Rohr ist frei von allen beweglichen Theilen im Durchflussraume und deshalb auch zur Messung unreiner Wässer besonders geeignet. Ebenso wird es für salzhaltige und andere chemische Flüssigkeiten mit Vorliebe verwandt und in solchen Fällen zuweilen in Bronze ausgeführt. Ein Zählwerk zur Messung gesättigter Salzlösung befindet sich auf den Werken der Solvay Process Company in Syracuse, N. Y., wie es in ähnlicher Anordnung auch auf den Werken derselben Gesellschaft bei Detroit, M., in Benutzung ist. Neben dem gewöhnlichen Zählwerk steht die Vorrichtung, die dazu dient, die Salzlösung von dem Werke fern zu halten. Dieses selbst ist mit Oel gefüllt. Der dem Erfinder patentirte Wassermesser wird für Amerika von Builders Iron Foundry in Providence, R. I., hergestellt und ist für Europa durch George Kent, 199–201 High Holborn, London, zu beziehen. Der Preis beträgt für Rohrweiten von 31 bis 122 cm einschliesslich Zählwerk zwischen 2000 und 8000 M. Ein 70 cm weiter Venturi-Messer ist in Wien bei der neuen Wienthalleitung im Gebrauche. (Nach Eger.) Kälteindustrie. Die Kühlhausanlage in Hamburg. Von Prof. Alois Schwarz in M.-Ostrau. Die Kühlhausanlage in Hamburg. Die Hamburger Kühlhausanlage ist auf einem dem Hamburger Staate gehörigen, 8000 qm grossen Platze erbaut, der an der Kampstrasse belegen und an die Eisenbahn angeschlossen ist. Das aus einem Ober- und einem Untergeschosse bestehende Gebäude ist 70 m lang und 50 m breit. Auf beiden Seiten des Kühlhauses befinden sich rampenartige Strassen, aufsteigend nach dem Obergeschosse, absteigend nach dem Untergeschosse, so dass man von der Strasse aus direct in die betreffenden Stockwerke gelangen kann. Im oberen Stockwerke des Gebäudes sind die Kühl- und im unteren die Gefrierräume belegen. An der Rückseite befinden sich das Kessel-, das Maschinenhaus und der Eisgeneratorraum; an der Vorderseite sind die Verwaltungsräume erbaut. Die Kühl- und Gefrierräume sind von der Erd- und Luftwärme isolirt. Die Isolirung wird erreicht durch die eigenartige Construction des Fussbodens, der Ringmauern und der Bedachung. Der Fussboden wird gebildet durch eine 0,75 m starke Schlackenschüttung und darüber liegendes Cementfundament. Die Ringmauern sind 1,10 m stark, aus Backsteinen gemauert. In der Dicke der Mauer befinden sich drei Luftschichten von je 6 cm, die, um eine wirkliche Ruhelage der Luftschicht zu erzielen, in Höhen von 1 m quer durchmauert sind. Die Decke wird durch ein Monier'sches Gewölbe, ein Cementgewölbe mit Drahteinlage, abgeschlossen. Auf diesem Gewölbe ruht eine 0,5 m starke Torfstreuschüttung, die von dem darüber befindlichen Cementdache durch eine 1 m breite Luftschicht getrennt ist. Die im Obergeschosse befindlichen Kühlräume sind von den im Untergeschosse befindlichen Gefrierräumen durch eine einfache Cementdecke geschieden. Der Fussbodenbelag in den Kühlräumen wird durch Mosaikplatten gebildet. Die Kühl- und Gefrierräume haben eine Grundfläche von 4000 qm (halb Kühl-, halb Gefrierraum). Beleuchtung erhalten die ersteren durch Oberlicht (dreifache Fensterlage), die Gefrierräume durch elektrisches Licht. Die Kühlräume, die bestimmt sind, das zu kühlende Fleisch aufzunehmen, zerfallen in drei Einzelräume und enthalten dieselben zusammen 250 verschliessbare Zellen von 3 bis 16 qm Grundfläche. Die Seitenwände der Zellen werden durch verzinktes Wellblech gebildet, die Vorderwand durch ein Drahtgitter, damit die Circulation der Luft nicht gestört wird. In den Kühlzellen befinden sich in Manneshöhe Hakengestelle mit festen Haken für grössere Fleischstücke und verschiebbare Haken für kleine Fleischtheile. In der Mitte des Kühlraumes befinden sich unter der Decke zwei 1,5 m Durchmesser habende Holzkanäle, die sich in kleinere Kanäle verzweigen, die rings an den Wänden dicht über den Kühlzellen entlang laufen. Der eine Kanal – Zuführungskanal der gekühlten Luft – hat an der Unterseite einen Einschnitt, durch den die gekühlte Luft in die Kühlzellen fällt. Der andere Kanal, Abzugskanal für die warme, verbrauchte Luft, hat oben einen Einschnitt, durch den dieselbe in den Kanal hineingesogen wird. Aehnlich sind die Gefrierräume eingerichtet, nur sind dieselben durch Holzverschläge abgetheilt, damit dieselben je nach Bedarf vergeben werden können. Die oben genannten Kanäle stehen mit dem Eis- oder Luftkühlraum in Verbindung. In demselben befindet sich ein System von Röhren (Luftkühler), in denen das verdampfende Ammoniak enthalten ist. Ueber den Verdampferröhren liegt ein anderes Röhrensystem, das an der Unterseite mit feinen Oeffnungen versehen ist, aus denen ein stetiger Salzwasserregen sich über die Ammoniakröhren ergiesst und alsdann unten in einem Bassin sammelt. Das Salzwasser wird durch eine Pumpe wieder oben in die Röhren hineingepumpt, um sich von hier aus von Neuem über die Verdampferröhren zu ergiessen. Der Ammoniakcondensator, gleichfalls als Berieselungsapparat gebaut, befindet sich auf dem Dache des Gebäudes. In demselben wird das comprimirte Ammoniak durch einen einfachen Wasserregen gekühlt. Beide Röhrensysteme schliessen sich an die im Maschinenraume gelegenen, von der Gesellschaft für Linde's Eismaschinen in Wiesbaden gelieferten Compressionsmaschinen an. Diese Maschinen, bestehend aus zwei Verbund-(Tandem-)dampfmaschinen von je 150 , an welchen je zwei Linde'sche Compressoren Nr. 6 angekuppelt sind, bekommen ihren Betriebsdampf aus dem Kesselhause; hier liegen drei Doppelkessel von je 140 qm Heizfläche und 9,5 at Betriebsdruck, von denen höchstens zwei in Gebrauch sind. Ueber den Kesseln befindet sich ein Dampfsammler, der den aus den Kesseln kommenden Dampf von den noch etwa daran haftenden Unreinigkeiten reinigt und alsdann zum Betriebe der Maschinen entlässt. Das Speisewasser der Kessel beträgt im Tage 50 bis 70 cbm und wird aus der Wasserleitung entnommen. Das zur Condensation des Ammoniaks und des Dampfes erforderliche Kühlwasser, für den Tag etwa 700 bis 800 cbm, wird aus Tiefbrunnen gewonnen. Das zur Kälteerzeugung nothwendige flüssige Ammoniak wird in schmiedeeisernen Ballons bezogen. Jeder Ballon enthält etwa 20 k flüssiges Ammoniak. Soll nun die Kühlanlage in Betrieb gesetzt werden, so wird der Ballon an ein Röhrensystem angeschraubt und das Ventil geöffnet; das flüssige Ammoniak strömt in das Röhrensystem hinein, gelangt in das ausgedehnte Röhrensystem des Luftkühlers und verdampft. Das Verdampfen wird noch dadurch gefördert, dass der Luftkühler an den Linde'schen Compressor angeschlossen ist, der das verdampfende Ammoniak ansaugt, um es zu comprimiren. Das Ammoniak, welches den Luftkühler mit einer Temperatur von + 20° betreten hat, bindet bei der Verdampfung sämmtliche Wärme der Umgebung und wird selbst bis auf – 15° abgekühlt. Diese Kälte gibt es an die Röhren ab und von diesen wird die Kälte wieder dem strömenden Salzregen (eine 20procentige Chlorcalciumlösung) mitgetheilt. Durch diesen gekühlten Salzregen saugen und drücken nun die Ventilatoren die aus dem Abzugskanale der Kühlräume kommende Luft hindurch. Die Luft wird dadurch, je nachdem, für die Gefrierräume auf – 5 bis – 7°, für die Kühlräume auf + 1 bis + 2° abgekühlt. Die niedrig temperirte Luft gibt leicht die anhaftende Feuchtigkeit und damit etwa vorhandene Unreinigkeiten (Staub, Keime) an die Salzlösung ab. Die Luft wird somit gekühlt, gewaschen und getrocknet. Die so gereinigte Luft strömt durch die Zuführungskanäle in die Kühl- oder Gefrierzellen. Die zu kühlenden Gegenstände befinden sich somit in einer gekühlten, trockenen Luft (relative Feuchtigkeit 75 Proc.) und können dementsprechend der Entwickelung etwaiger Zersetzungskeime den günstigsten Widerstand entgegensetzen. Die verbrauchte Luft strömt durch den Abzugskanal wieder in den Luftkühlraum und dieser Kreislauf wiederholt sich in der Stunde etwa zehnmal. Es findet in den Kühl- und Gefrierräumen eine zehnmalige Lufterneuerung in der Stunde statt. Zeitweise wird auch frische Luft von aussen unmittelbar zu den Ventilatoren zugelassen und vor Eintritt in die Kühlräume durch den Luftkühlapparat geblasen. Das durch den Compressor ausgesogene verdampfte Ammoniak wird nun comprimirt. Hierdurch erwärmt sich dasselbe bis auf etwa + 30°, obgleich es mit einer Temperatur von – 15° dem Compressor zugeführt wurde. Das comprimirte, 30° warme Ammoniakgas wird in dem auf dem Dache befindlichen Condensator durch den Wasserregen gekühlt und gelangt dann wieder zu dem Röhrensysteme des Luftkühlers und verdampft hier von Neuem; damit ist auch dieser Kreislauf gegeben. In den Kühlräumen wird die Temperatur ständig auf 2 bis 4° gehalten und hält sich hier das hineingebrachte Fleisch wochenlang sehr gut. Aber nicht allein das Fleisch, sondern alle möglichen Nahrungsmittel, die leicht dem Verderben ausgesetzt sind, haben in den Hamburger Kühlhausanlagen eine Unterkunft gefunden und dadurch hat dasselbe für Hamburg eine grosse wirthschaftliche Bedeutung erlangt. Namentlich zeigt sich dies, wenn wir denjenigen Gegenständen, die in den Gefrierkammern lagern, unsere Aufmerksamkeit zuwenden. In dem einen Gefrierraume, wo beständig eine Temperatur von – 5 bis – 7° herrscht, hat ein Unternehmer etwa 1500 gefrorene Rinderviertel, Kälber und Hammel gelagert. Das Fleisch stammt von Rindern, Kälbern und Schafen, die in Australien geschlachtet worden sind; dasselbe wird dann bei – 12° gefroren und in diesem Zustande nach Deutschland überführt und hier im Kühlhause gelagert. Das Fleisch, welches im October und November v. J. eingebracht worden war, hatte noch im März d. J. das gleiche Ansehen, wie zur Zeit der Einfuhr. Das Fleisch ist somit Stapelartikel geworden. Der Unternehmer hat sich Mitte März Läden gemiethet, verkauft darin das Fleisch ausgehauen zu billigen Preisen und erzielt reissenden Absatz. Es ist dies der erste grössere Versuch der Einfuhr frischen, gefrorenen Fleisches aus Australien. In einem anderen Theile des Kühlhauses, der noch dadurch ausgezeichnet ist, dass die Abkühlung durch in Röhren strömende abgekühlte Chlorcalciumlösung bewirkt wird, ist ein Lagerraum für 7000 Centner gefrorenen Nordcap-Schellfisch hergerichtet. Der frisch gefangene Angel-Schellfisch wird in ein von der Nordcap-Actiengesellschaft im vorigen Sommer erbautes Kühlhaus in Vardö (Nordküste von Norwegen) gebracht und hier bei – 6° gelagert; sobald die Saison, die Fastenzeit, in Deutschland beginnt, wird der Schellfisch von dem Gefrierdampfer S. S. Nordcap übernommen, hier ebenfalls bei – 6° conservirt und nach Hamburg in die betreffenden Gefrierräume des Kühlhauses gebracht, um von da aus nach allen Theilen des Inlandes, nur in Papier eingeschlagen und in Körbe verpackt, versandt zu werden. Die Gutachten bedeutender Aerzte haben sich über die Güte des Fisches sehr befriedigend ausgesprochen. Die Gesellschaft beabsichtigt, den Fisch zu einem wirklichen Volksnahrungsmittel zu machen. In den Gefrierräumen lagern ausserdem enorme Quantitäten von gefrorenem Wild und Geflügel. Weiter werden dort in besonderen Räumen frische Eier (bei 0°), frische Milch, frische Fische bei – 7° conservirt. Ja, es hat sich sogar eine ganz eigenartige Conservirung entwickelt. Man macht umfassende Versuche, um Blumen in dem augenblicklichen Zustande, in dem sie sich befinden, zu erhalten. Maiblumenkeime sind in grossen Mengen in den Gefrierräumen aufgestapelt, sollen dort bis zum Hochsommer lagern und dann erst eingepflanzt und zum Blühen gebracht werden. Aehnliche Versuche werden mit Fliedersträuchern gemacht. Die von der Gesellschaft für Kühlhallen, welche den Betrieb der Anlage vom Staate Hamburg pachtweise übernommen hat, für die Benutzung derselben eingehobenen Miethen werden nach einem Tarife berechnet, welcher entweder nach Stück oder nach Gewicht bemessen wird. Die Miethtarife nach Stück betragen für ein Ochsen-, Kalb- oder Schweineviertel 0,40 M., für ein Hammel viertel 0,25 M. für je 3 Tage; für längere Aufbewahrungszeit wird entsprechender Nachlass gewährt. Beim Tarife nach Gewicht wird pro Meter-Centner für die erste Woche 2 M., für jede weitere Woche 1 M. berechnet. Die Kühlräume für Eier, Seefische, Häringe, Wild u.s.w. sind von einzelnen Unternehmern zu bestimmten Pauschalpreisen für das ganze Jahr gemiethet; ebenso haben grössere Schlächtereien besondere Miethsübereinkommen mit der Gesellschaft getroffen. Die Gesellschaft hat sich ferner die Aufgabe gestellt, ein absolut reines, jede Gefahr für den Gebrauch ausschliessendes Eis herzustellen. Zu dem Zwecke benutzt sie den zum Betriebe der Maschine verwandten Dampf. Derselbe wird condensirt, verflüssigt, alsdann nochmals aufgekocht, vollkommen sterilisirt und luftleer gemacht; dieses so gewonnene Wasser fliesst alsdann in die Gefrierzellen. Letztere tauchen in eine auf etwa – 5° abgekühlte Salzlösung und frieren in dieser im Laufe von 24 Stunden aus. Durch eine äusserst sinnreiche Schiebevorrichtung werden die einzelnen Zellenreihen von der Füllstelle nach vorn geschoben, mittels eines hydraulischen Krahnes herausgehoben, abgethaut und umgestürzt. Die krystallklaren, etwa 50 Pfund wiegenden Eisblöcke gelangen dann in den Eiskeller. Die Gesellschaft liefert etwa 75000 Pfund Eis in 1 Tag. Dasselbe ist wegen seiner absoluten Reinheit für Krankenhäuser, Aerzte, für den Haushalt u.s.w. ein äusserst begehrter Artikel. Nicht allein in Bezug auf die Eisfabrikation, sondern auch in Rücksicht auf die Conservirung frischer Waare hat sich die Hamburger Kühlhausanlage bereits in der kurzen Zeit des Bestehens einen Platz im wirthschaftlichen Leben erobert, von dem es voraussichtlich nicht wieder verdrängt werden kann. Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Von H. Glafey, Regierungsrath, in Berlin. (Fortsetzung des Berichtes S. 36 d. Bd.) Mit Abbildungen. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Henry Wren und Co. in Manchester haben zum Strecken und Lüstriren von Seidengarnsträhnen eine Maschine auf den Markt gebracht, welche die aus Fig. 25 ersichtliche Einrichtung besitzt, die nach dem Centralblatt für Textilindustrie die folgende ist. Die zu behandelnden Garnsträhne werden um Messingwalzen herumgelegt, die so gelagert und durch Führungen geleitet sind, dass sie einander genähert oder von einander entfernt werden können. Diese Walzen sind in dem senkrecht stehenden, viereckigen Dämpfkasten eingeschlossen, der seinerseits auf einem Dampfcylinder ruht. Innerhalb dieses Cylinders befindet sich ein gewöhnlicher Kolben, dessen Stange durch die Stopfbüchse unter dem Cylinder und durch eine ähnliche Stopfbüchse auf der oberen Seite geht. Textabbildung Bd. 308, S. 65 Fig. 25. Maschine zum Strecken und Lüstriren von Wren und Co. Das obere Ende der Kolbenstange ist in fester Verbindung mit der unteren Coulisse, worin die untere Messingwalze gelagert ist. Die obere Messingwalze wird dagegen durch eine Coulisse getragen, die mit Hilfe einer Schraube und daran sitzenden, durch Hand zu drehenden Schwungrades gehoben oder gesenkt werden kann. Das Schwungrad steht in fester Verbindung mit der darüber erscheinenden konischen Hülse, in welcher sich die Schraube bewegt, und welche dazu dient, den dampfdichten oberen Verschluss des Dämpfkastens trotz der durchpassirenden Schraube herzustellen. Unterhalb des Schwungrades sind Stangen angebracht, an welche man die Garnsträhne vor oder nach dem Arbeitsprocesse aufhängen kann. Die untere Messing walze wird von einer (an der linken Seite der Zeichnung erkennbaren) kurzen Welle aus in Drehung versetzt, welche Fest- und Losscheibe trägt. Die Einrichtung ist dabei so getroffen, dass die Lage der unteren Walze entsprechend der Kolbenbewegung im Cylinder verändert, die Walze jedoch fortwährend in Drehung erhalten werden kann. Beim Arbeiten mit der Maschine werden zunächst die Garnsträhne um die Walzen gelegt und mittels des Schwungrades und der Schraube werden die Walzen gegen einander so eingestellt, dass die Strähne die gewünschte Spannung erhalten. Die (in der Zeichnung weggelassene) sich in Angeln bewegende Seitenthür des Dämpfkastens wird hierauf dampfdicht verschlossen und verschraubt. Nun gibt man Dampf sowohl in den Dämpf kästen als in den Cylinder. Der Dampfzutritt zu letzterem wird durch ein Ventil regulirt, das sich innerhalb des rechts nach unten auf der Abbildung sichtbaren Ventilkastens befindet und durch Handhebel regulirt wird. Es ist klar, dass der Kolben im Cylinder allmählich durch den Dampf nach unten gedrückt wird. Da die untere Messingwalze an seiner Bewegung theilnimmt, so werden die Garnsträhne, während sie auf die oben beschriebene Art rotiren, allmählich ausgedehnt und gestreckt. Die Kolbenbewegung abwärts beträgt etwa 4 Zoll. Das Condensationswasser wird durch geeignet angebrachte Hähne abgeleitet. Die Maschine kann Strähne bis zu 60 Zoll Länge und von jedem Material aufnehmen. Für das Klopfen und Bürsten von Garnsträhnen hat Carl Friedrich Weissig in Marklissa (Schlesien) eine Maschine in Vorschlag gebracht, welche die in den Fig. 26 und 27 ersichtliche Einrichtung besitzt. In den Gestellwandungen a und b ist die mit Schwungrad und Handkurbel ausgestattete Antriebwelle c gelagert, welche an ihrem über das Lager b1 vorspringenden Ende die Garnrolle d trägt, über welche der zu bearbeitende Garnsträhn gehängt wird. Die untere Garnrolle d1, mittels welcher der Garnsträhn geklopft wird, ist in einem senkrecht beweglichen und in den Führungen g geführten Schieber f aus hartem Holze gelagert, bezieh. auf den in demselben verstellbar angeordneten, der Welle c parallelen Stift c1 aufgesteckt. Auf seiner Rückseite und am oberen Ende ist der Schieber f mit dem Anschlag h versehen, während auf der auf der Welle c sitzenden Schnurrolle m zwei Zapfen i angebracht sind, welche bei Umdrehung der Welle c abwechselnd an den Anschlag h hingleiten bezieh. diesen und den Schieber f heben oder fallen lassen. Auf der Hochkante des Schiebers f ist die Nase k befestigt, mit welcher zum Zwecke der Festhaltung des Schiebers in seiner höchsten Stellung die Klinke t in Eingriff gebracht werden kann. In der Nabe n der Schnurscheibe m befindet sich eine Nuth, in welche die Ausrückgabel o eingreift. Die Schnurscheibe m mit Nabe n ist mittels einer Nuth und Feder auf Welle c seitlich verschiebbar, so dass durch Umlegen des Griffes mit Gegengewicht die Zapfen i derselben in oder ausser Eingriff mit dem Anschlag h des Schiebers f gebracht werden können. Um die Welle c schwingend ist durch die unter einander verbundenen Arme p die Welle q aufgehängt, welche auf ihrem vorstehenden Ende die rotirende vier- oder mehrtheilige Bürste s fest aufgesteckt trägt, und welch letztere mittels der Schnurrolle r von der Schnurscheibe in schnelle Drehbewegung versetzt wird. Jede einzelne Bürste ist zugleich mit einem Messer s1 versehen, welches, hobeleisenartig gestellt, die etwa wirren und vorstehenden Fasern der Strähne abschneidet. Die Wirkungsweise der Maschine ist die folgende: Nachdem der Garnsträhn um die Garnrollen dd1 gelegt ist, wird, um die überflüssige Schlichte zu entfernen, der Schieber f in auf und ab gehende Bewegung versetzt, so dass derselbe jedesmal beim Herabfallen den Garnsträhn einer heftigen Erschütterung aussetzt. Ist diese Arbeit vollendet, so wird der Schieber f festgestellt und die Bürste in Wirkung gesetzt, welche nun von dem um die Rollen d und d1 laufenden Strähn Stärketheile und überflüssige Fasern entfernt, sowie die Fäden von einander entfernt und glättet. Durch einen Vorstecker kann die Bürste, wenn dieselbe nicht zur Thätigkeit gelangen soll, von dem Strähne entfernt gehalten werden, auch kann, um den Schlag des Schiebers mit der unteren Rolle zu mildern, irgend eine der bekannten Buffervorrichtungen unter dem Schieber f angebracht werden; ebenso kann die Maschine zweiseitig ausgeführt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 66 Maschine für das Klopfen und Bürsten von Garnsträhnen von Weissig. Die in Fig. 28 veranschaulichte Garnbürstmaschine wird von der schon mehrfach genannten Zittauer Maschinenfabrik und Eisengiesserei ausgeführt. Diese Maschine ist mit einem rotirenden Haspel mit vier Bürsthölzern ausgestattet, zu dessen beiden Seiten die Garnsträhne über zwei Garnrollen gespannt sind, deren oberer von dem Haspel aus eine Drehbewegung empfängt, während die untere durch belastete Gewichtshebel nach unten gezogen wird, die mit Hilfe von nach unten offenen Haken die Endzapfen der Garnrolle umgreifen. Mit Hilfe eines Fusstrittes können die Gewichtshebel angehoben und arretirt, die Streckvorrichtungen also zum Zwecke des Beschickens der Maschine ausgerückt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 66 Fig. 28. Garnbürstmaschine von der Zittauer Maschinenfabrik und Eisengiesserei. Ist die Maschine zur Behandlung von Baumwoll- und Leinengarn bestimmt, so wird sie noch mit einer Vorrichtung zum Glanzgeben ausgestattet. Diese besteht aus zwei, die oberen Garnrollen ersetzenden, rotirenden heizbaren kupfernen Tambours, welche zum bequemen Aufstecken und Abnehmen der Garne eingerichtet sind. An Stelle eines Bürstenhaspels sind deren zwei vorgesehen und jeder ist mit drei stellbaren Bürsten versehen, welche ermöglichen, den Garnen einen mehr oder weniger starken Anstrich zu geben. Jede Seite der Maschine ist mit einer leicht zu handhabenden Streckvorrichtung ausgestattet und besitzt besonderen Antrieb. Man ist in Folge dessen im Stande, auf jeder Seite allein oder auch auf beiden Seiten gleichzeitig zu arbeiten. Für die Aufstellung ist ein Raum von 1750 × 1500 × 1300 cm erforderlich. Textabbildung Bd. 308, S. 67 Fig. 29. Maschine zum Bürsten von Strähngarn von Gehrenbeck. Aehnliche Garnbürstmaschinen, wie die vorstehend erläuterten, bauen Gebrüder Franke in Chemnitz und C. G. Haubold ebendaselbst.Gebauer, Maschinen zum Bleichen, Färben u.s.w. der Garne. Bei der Maschine der erstgenannten Firma erfolgt das Anspannen der Garnsträhne durch Parallelverschiebung der oberen Garnrolle mittels Zahnstangengetriebes. Um den Bürsten eine mehr oder weniger starke Einwirkung auf die Garne zu geben, ist die untere Garnrolle derart in schwingenden Hebeln gelagert, dass durch Drehung derselben die Garnrolle, also auch der Strähn der Bürstentrommel genähert oder von derselben entfernt werden kann. Haubold ertheilt zum gleichen Zwecke dem Strähne eine Parallelverschiebung zu sich selbst dadurch, dass er die beiden oberen Garnrollen in einem Bock lagert, der mittels Handhebels in Schwalbenschwanzführungen verschoben werden kann. Es geschieht dies mittels Handhebels und Zugstange. Ebenso sind die unteren Garnrollen zwecks Streckung des Garnes in einem Schlitzlager geführt und dieses kann durch einen Winkelhebel ebenfalls mit der Hand verstellt werden. Die Maschine ist zweimal doppelseitig, es können also gleichzeitig vier Strähne gebürstet werden. Eine Maschine zum Bürsten von Strähngarn, welche die Behandlung des letzteren auf seinen Trockenstäben ermöglicht, ist in den Fig. 29 und 30 wiedergegeben. Die Maschine ist eine Erfindung von Oscar Gehrenbeck in Reichenberg (Böhmen) und besitzt folgende Einrichtung. Nachdem die Strähne in bekannter Weise gestärkt sind, werden dieselben einzeln auf zwei Trockenstäbe aa1 gereiht; der obere Trockenstab a wird in ein oben offenes Lagerstück b eingelegt, welches an dem Hebel g befestigt ist, der sich um einen Zapfen k im Maschinengestelle drehen kann. Der untere Stab a1 wird unter den Haken c geschoben, welcher zu diesem Zwecke mittels eines Druckes auf den Fusstritt d hochgehoben werden kann. Der Haken c umfasst dann die Trockenstange a1 und beim Loslassen des Trittes d zieht ein verstellbares Gewicht e die Trockenstange und damit auch die Garnsträhne straff an. Wird nun der Hebel g durch Stange f, welche die beiden auf jeder Seite der Maschine befindlichen Hebel g verbindet, aus der in Vollinien dargestellten Lage in die punktirte Lage gebracht, so treten die Strähne in den Bereich des von den Bürsten i beschriebenen Kreises (Fig. 30). Diese Bürsten i, in der Regel drei oder mehr, sind an Armen o befestigt, die auf der Hauptwelle p sitzen. Durch die Antriebscheibe s wird die Welle p in Drehung versetzt. Gleichzeitig mit der Hauptwelle p wird die mit ihr durch Riemen verbundene Scheibe r angetrieben. Eine gleiche Scheibe r1 auf derselben Welle mit r versetzt durch Riemenübertragung die beiden mit einander in Eingriff stehenden Zahnräder t und u und mit letzteren den Trockenstab a in Umdrehung. Textabbildung Bd. 308, S. 67 Fig. 30. Maschine zum Bürsten von Strähngarn von Gehrenbeck. Wie die in Fig. 30 dargestellten Pfeile zeigen, drehen sich die Bürsten in derselben Richtung, wie die sich etwas langsamer bewegenden Garnsträhne. Das Bürsten der gestärkten Garnsträhne wird nun entsprechend der angewendeten Stärkemenge kürzere oder längere Zeit fortgesetzt. Sind die Strähne genügend gebürstet, so wird die Stange f mit den Spannhebeln g aus der dargestellten punktirten Lage in die in Vollinien gezeichnete zurückgebracht. Durch einen Tritt auf das Pedal d wird der Haken c hochgehoben und die Trockenstange a1 gleitet aus dem Haken c, worauf man die Stäbe aa1 mit den darauf befindlichen Garnsträhnen abheben und zur Weiterbehandlung abführen kann. Die Maschine ist zweiseitig gebaut, d.h. ein Arbeiter kann, während auf der einen Hälfte der Maschine die Strähne gebürstet werden, die zu bürstenden Strähne der anderen Hälfte vorrichten. Textabbildung Bd. 308, S. 68 Fig. 31. Cylindrische, mit Borsten besetzte Bürste von Büschgens. Eugen Büschgens in Rheydt wendet an Stelle einer umlaufenden, mit Armen versehenen Bürste eine cylindrische, auf ihrem ganzen Umfange mit Borsten besetzte Bürste an und sucht eine vollkommene Trennung der einzelnen Fäden von einander und ein vollkommenes Glätten derselben dadurch zu erreichen, dass er das Garn über zwei mit Höckern versehene rotirende Walzen (Fig. 31 und 32) führt, von denen die eine mit einer rotirenden Bürste d zusammenarbeitet, die das Garn auf den Höckern zertheilt, in dieselben hineinstreicht und glättet. Die Walzen a und b lassen sich einander näher bringen oder von einander entfernen und ebenso lässt sich die Bürste d der Walze a nähern bezieh. von derselben entfernen. Beides ermöglicht das Hebelwerk fik mit dem Fusstritte h, sowie das dem letzteren entgegen wirkende Gegengewicht g. Textabbildung Bd. 308, S. 68 Fig. 32. Cylindrische, mit Borsten besetzte Bürste von Büschgens. Jose Riera in Barcelona, Spanien, wendet an Stelle einer Bürstenwalze deren zwei an und lässt das Garn zwischen beiden hindurchgehen. Der Cylinder a wird zu diesem Zwecke vom Riemenvorgelege aus durch die Zahnräder l und k (Fig. 33 und 34) gedreht, wovon das erstere auf der gleichen Achse mit der Antriebscheibe sitzt. Von den beiden Bürsten d und e kann die erstere mittels der Hebel v und x eine kreisförmige Bewegung um die Achse m des Rades k machen. Der Hebel v wird dabei durch Handrad u, konischen Trieb t und Schraube p bethätigt. Mittels des Stirnrades n wird der Bürste e rotirende Bewegung mitgetheilt. Der Cylinder b bewegt sich in wagerechter Richtung in den Coulissen ff, die durch die Schrauben gg verschoben werden, wobei diese mittels Handrades j, Stange i und konischer Räder bethätigt werden. Wenn die Bürste d sich in der Stellung Fig. 33 befindet, wird durch Umdrehung des Handrades j die Walze b nach links gegen die Bürste e bewegt. Hierauf wird der Garnsträhn so auf die Walzen a und b gelegt, dass die Bürste e von demselben eingeschlossen ist, und sodann wird die Walze b wieder zurückgeschraubt, so dass die Garnsträhne c1c1 scharf auf der Bürste e aufliegen und die Borsten derselben zwischen die einzelnen Fäden eintreten. Textabbildung Bd. 308, S. 68 Bürstenwalzen von Riera. Hierauf wird mittels des Handrades u, der Spindel r, der Schraube p der Arm v derart bewegt, dass Bürste d an die Garnsträhne kommt und deren Borsten auf letztere einwirken. Die Walze a, die ihre Bewegung durch das Rad k erhält, theilt durch die darüber laufenden Strähne der Walze b die rotirende Bewegung mit. Der Trieb der Bürste e erhält seine Umdrehung durch Rad n, während die bewegliche Bürste d ihre Drehung durch Trieb o empfängt, der mit dem Rade k in Eingriff steht, sich somit auf dem Rade k wälzt. Der Garnsträhn läuft über die Bürste e, deren Borsten zwischen die einzelnen Fäden eindringen, während die Bürste d von aussen auf das Garn einwirkt und dasselbe von allen anhaftenden Unreinheiten reinigt, sowie die zusammenklebenden Fäden von einander trennt. Bei Erweiterung der Strähne durch tieferes Eindringen in die Bürste wird die Walze b weiter nach rechts geführt. (Fortsetzung folgt.) Elektrotechnik. Elektrische Weichen und Signale. (Schluss des Berichtes S. 40 d. Bd.) Mit Abbildungen. Elektrische Weichen und Signale. Elektrische Weichenstellvorrichtung von Max Jüdel und Comp. Wenn zum Umstellen von Weichen ein stets nach derselben Richtung umlaufender Elektromotor zur Anwendung kommen soll, so kann die Bewegung der Weichenzungen nicht durch die üblichen Zwischentriebwerke (Zahnrad und Stange, Schraube und Mutter, oscillirende Kurbel) bewirkt werden, sondern es muss vielmehr eine umlaufende Schubkurbelanordnung oder eine ihr kinematisch gleichwerthige Uebertragungsart in Anwendung kommen, bei welcher die eine Hälfte der in stets gleichem Drehsinne durchlaufenen Kreisbahn für die Verschiebung der Weichenzungen in dem einen, die andere Hälfte für die Rückwärtsbewegung in entgegengesetztem Sinne benutzt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 69 Elektrische Weichenstellvorrichtung von Jüdel und Comp. Fig. 3 zeigt eine solche Anordnung für den Fall der Verwendung von Gleichstrom von der Signalbauanstalt Max Jüdel und Comp. (D. R. P. Nr. 90813). Die Leitung 1 geht von der Stromquelle e unmittelbar zum Elektromotor. Die Leitung 2 spaltet sich bei dem Umschalter f in zwei Aeste 21 und 22, die aber bei offener Stellung dieses Contactes durch einen zwischen sie geschalteten Widerstand w verbunden sind. Durch den Umschalter g kann abwechselnd der Leitungszweig 21 oder 22 an den zweiten Pol des Elektromotors gelegt werden. Vom Elektromotor a wird mittels Zahnräder b die Welle c in Umdrehung versetzt. Entweder auf einer besonderen Scheibe oder auf der Stirnseite des Zahnrades selbst ist ein Kurbelzapfen d angebracht, von dem die Schubstange h zur Weiche führt. Ausserdem ist auf dieser Fläche eine Nuth i1i2i3i4 in Form von zwei Kreisbögen von verschiedenen Durchmessern mit ziemlich steilen Uebergangsstellen angeordnet, welche durch die Hebelanordnung k einen verstellbaren Einfluss auf den Umschalter g ausübt. Die gezeichnete Stellung ist die Ruhelage; die linke Weichenzunge liegt an. Der Strom der Leitung 2 geht von der Stromquelle zum Ausschalter f in den Contact 22, durch den Widerstand w und in bekannter Weise als geschwächter Controlstrom durch Leitung 21 in den Umschalter g und so ohne drehende Wirkung zum Pol des Elektromotors. Soll eine Verstellung der Weiche herbeigeführt werden, so legt der Wärter den Umschalter f auf das Contactstück 21 (Fig. 4). Der Strom 2 wählt nun diesen Weg, vermeidet also den Widerstand w und gelangt so als ungeschwächter Arbeitsstrom an den Pol des Elektromotors, seine Drehung herbeiführend. Dreht sich hierbei der Kurbelzapfen d im Sinne des Uhrzeigers, so gelangt er von d nach d1 in Fig. 4, wobei die Weichenzungen um die Projection dieses Weges nach rechts geschoben werden. Hierbei gelangt die Stufe i2 der Nuth an die Führungsrolle l und drückt diese nach aussen, welche Bewegung durch das Gestänge k so auf den Umschalter g übertragen wird, dass er sich auf das Contactstück 22 legt (Fig. 4). Dadurch wird der Stromkreis 2 durch den Widerstand w und die Leitung 22 gelegt, so dass nur ein schwacher, keine Drehung des Motors bewirkender Controlstrom auftritt. Der Motor steht also still. Für die Rücklegung der Weiche findet durch Umlegen des Umschalters f auf das Contactstück 22 der gleiche Vorgang statt, indem der Arbeitsstrom nun durch die Leitung 22 zum Pole des Motors gelangt. Dieser letztere dreht sich wieder im gleichen Sinne wie vorher; da aber der Kurbelzapfen von d1 wieder nach d gelangt, so tritt eine Zurückbewegung der Weichenzungen und auch wiederum ein Umsteuern des Umschalters g ein. Diese an sich schon bekannten Anordnungen kann man nun auf folgende Weise für die beim Aufschneiden der Weiche eintretenden Vorgänge nutzbar machen. Wird die Weiche aus der Stellung in Fig. 3 aufgeschnitten, so setzt die Schubstange h die Kurbelscheibe im umgekehrten Sinne ihrer sonstigen Drehung in Bewegung. Um das zu ermöglichen, sind als Endstellungen der Kurbel d nicht ihre Todtlagen, sondern etwas rückwärts verschobene Stellungen gewählt. Sofort nach Beginn dieser Bewegung drückt die Stufe i4 der kreisförmigen Nuth die Führungsrolle l heraus und stellt so den Umschalter g auf das Contactstück 22, wodurch Arbeitsstrom in den Motor gelangt und daher sofort ein Zurücklegen der Weichenzungen herbeigeführt wird. Selbstverständlich wird eine Bewegung der Kurbel durch die Weiche beim Aufschneiden der letzteren auch ermöglicht, wenn die Endstellung der Kurbel gegen ihre Todtlage vorwärts statt rückwärts verschoben ist. Es wird dann die Kurbel beim Aufschneiden in ihrem gewöhnlichen Drehungssinne weitergedreht. Zu bemerken ist noch, dass wegen der Aussertodtlage der Punkte d und d1 zwischen dem Kurbelzapfen und den Weichenspitzen ein gewisser Leerlauf vorgesehen sein muss, damit bei Beginn der Drehung von d die Todtlage überwunden werden kann. Ein solcher lässt sich in dem Gestänge in beliebiger Weise anordnen oder durch das Büssing'sche Hakenweichenschloss gewinnen, das an und für sich nach Beendigung des Zungenspitzenweges noch einen gewissen Leerlauf des Gestänges erfordert. In Fig. 5 ist die gleiche Einrichtung für den Fall der Verwendung von Drehstrom gezeigt. Elektrische Freigabevorrichtung in Blockstationen. Durch diese Blockeinrichtung von Max Jüdel und Comp. in Braunschweig (D. R. P. Nr. 91598) soll die Mitwirkung des Stellwärters bei der Zurückgabe der Freigabe an die Station gänzlich ausgeschlossen werden. Zu diesem Zwecke wird die Stellung des Signalflügels selbst derart mit dem Mechanismus des Apparates in Zusammenhang gebracht, dass die Freigabe des Stationsapparates von selbst erfolgt, sobald das betreffende Signal gezogen und in die Ruhestellung zurückgelegt worden ist. Es sind drei Bedingungen vorhanden, von deren Erfüllung der Eintritt der Freigabe abhängig sein soll: 1) es muss eine Freigabecontactstange im Stationsapparat verschoben, 2) es muss das betreffende Signal auf Fahrt gezogen, 3) es muss das besagte Signal wieder auf Halt zurückgelegt worden sein. Es ist nun die Einrichtung getroffen, dass in einem Stromkreise drei Contacte vorhanden sind, von denen je einer durch Erfüllung einer der eben genannten Bedingungen geschlossen wird. Sind alle drei Contacte geschlossen, also alle drei Bedingungen erfüllt, so erfolgt die Freigabe. Sie unterbleibt, so lange ein einziger von den drei Contacten des Stromkreises nicht geschlossen ist; diese drei Contacte sind in Fig. 6 mit k1kk3 und der Stromkreis, in welchem sie liegen, mit II bezeichnet. Ist dieser geschlossen, so wird der Elektromagnet e erregt, der durch Anziehen seines Ankers a die Sperrung nh auslöst und so die Stange qs freigibt. Es wird vorausgesetzt, dass die Vorrichtung in Verbindung mit elektrischen Sperrwerken beliebiger Bauart für Signalstellhebel steht, welche durch Inductionswechselstrom blockirt oder freigegeben werden können. Zu diesem Zwecke sind Contactschieber d in einer der Anzahl der gesperrten Signalhebel gleichen Zahl angeordnet, welche bei eintretender Verschiebung einen Contact schliessen, der zur Entsendung des Freigabestromes dient in der Weise, dass bei Schluss des einen oder anderen Contactes der zur Lösung der zugehörigen Sperrung benöthigte Strom an das betreffende Sperrwerk abgegeben wird. Textabbildung Bd. 308, S. 70 Fig. 6. Elektrische Freigabevorrichtung in Blockstationen von Jüdel und Comp. Diese Contactschieber dienen ferner dazu, eine Verschiebung von in gleicher Zahl vorhandenen, in ihrer Längsrichtung beweglichen Stangen q s zu bewirken. Eine solche Stange soll einerseits bei ihrer Verschiebung eine Verriegelung der anderen Stangen herbeiführen und somit eine Freigabe feindlicher Signale hindern, andererseits aber auch diese Verriegelung so lange aufrecht erhalten, bis das betreffende Signal nicht nur gezogen, sondern auch in die Ruhelage zurückgelegt worden ist. Die Verriegelung der anderen Stangen mit der Verschiebung der Stange qs erfolgt in bereits bekannter Weise auf mechanischem oder elektrischem Wege. Damit nun nach erfolgter Verschiebung der Stange qs dieselbe vorläufig in ihrer Lage verharrt, sind folgende Anordnungen getroffen. Am hinteren Ende von qs befindet sich eine Oese o, in welcher ein zweiarmiger Hebel h spielt. Bei Benutzung des Drückers d tritt der Hebel h vor die Nase n des Ankerhebels a, dessen Anker dem Pole eines Elektromagneten e gegenüber steht. Wird nun der Drücker losgelassen, so wird er durch seine eigene Spiralzugfeder f wieder in die Anfangsstellung gebracht, die Stange qs jedoch wird durch den mit ihr in Verbindung stehenden Hebel h, welcher sich gegen die Nase n legt, so lange am Rückgänge behindert, bis dem Elektromagneten e Strom zugeführt wird, der ein Auslösen bewirkt. Durch die Benutzung des Drückers d und Verschiebung der Stange qs wird gleichzeitig der in der Ruhelage unterbrochene Contact k1 geschlossen und ferner durch einen an der Stange q s befestigten Anschlagnocken w der um z drehbare Contacthebel h1 so weit gehoben, dass die Schneide s dieses Hebels über die Nase n1 eines Ankerhebels a1 hinausgeführt wird und sich auf diese Nase auflegt, wenn der Nocken w sich an der Zunge b vorbeigeschoben hat. Die Zunge b ist als ein um eine Oese drehbarer Hebel ausgeführt, der einen gewissen Ausschlag im Sinne des beigezeichneten Pfeiles gestattet, zum Zweck, bei Rückwärtsführung des Nockens w keinen Ausschlag des Contacthebels h1 zu veranlassen. Dadurch, dass sich die Schneide s auf die Nase n1 des Ankerhebels a1 auflegt, ist eine Unterbrechung des Contactes k entstanden. In Zusammenhang mit diesen Theilen steht ein Rückmelder r, welcher die Stellung des Signalarmes wiedergibt. Zur Steuerung dieses Rückmelders dient der Elektromagnet e1, dessen doppelarmiger Anker gleichzeitig die Contacte k3 und k4 abwechselnd unterbricht oder schliesst. Der Signalarmcontact k2 liegt mit dem Elektromagneten e1 und der Batterie b in einem Stromkreise I, welch letzterer im Stadium der Ruhelage des Signalarmes bei k2 unterbrochen ist. Der Stromkreis II geht von der Batterie b aus durch den Doppelanker der Elektromagneten e1, den Contact k3, den Elektromagnet e, den Contact k, den Druckstangencontact k1, welcher in der Ruhelage unterbrochen ist, und von da zur Batterie zurück. Verfolgt man schliesslich noch den Verlauf des Stromkreises III, so lässt sich erkennen, dass derselbe ebenfalls durch den Doppelanker der Elektromagnete e1 den in der Ruhelage unterbrochenen Contact k4 und den Elektromagneten e2 zurück zur Batterie geht. Bei der Benutzung des Drückers d findet zunächst eine neue Unterbrechung des Stromkreises II bei k statt. Wird nun der frei gegebene Signalstellhebel und damit der Signalarm auf Fahrt gestellt, so wird der Contact k2 geschlossen und es findet nun ein Stromschluss im Kreise I statt, wodurch der Elektromagnet e1 seinen Doppelanker anzieht und der Contact k3 unterbrochen und k4 geschlossen wird. Es entsteht somit ein neuer Stromschluss im Leitungskreise III, der darin eingeschaltete Elektromagnet e2 zieht seinen Anker an, lässt dadurch die Schneide s frei, wodurch der Hebel h1 in seine Ruhelage gestellt und der Contact k geschlossen wird. Der Stromkreis II ist nur noch bei k3 unterbrochen. Ein Stromschluss in diesem Kreise wird erst eintreten, wenn der Signalarm wieder in die Ruhestellung zurückgeführt und in Folge dessen der Stromkreis I bei k2 unterbrochen, der Anker des Elektromagneten e1 losgelassen und der Contact k3 geschlossen wird. Der Leitungsschluss in II bewirkt, dass der darin eingeschaltete Elektromagnet e seinen Anker anzieht, der Hebel h dadurch frei wird und ein Zurückschnellen der Schiene qs unter gleichzeitiger Unterbrechung des Contactes k1 und Lösung der vorerwähnten bekannten Verriegelungsorgane der feindlichen Signale gestattet. Somit ist die Ruhelage wieder hergestellt und es kann jetzt die Benutzung eines neuen Drückers erfolgen. Für jeden Drücker ist eine besondere, der eben erläuterten gleiche Einrichtung vorgesehen. Sicherheitsvorrichtung für Eisenbahnsignalapparate. In einer Reihe von Eisenbahnsignalapparaten werden Bewegungsvorgänge durch elektromagnetische Kräfte vermittelt. So z.B. erfolgt in den Blockapparaten die Freigabe des Signales durch ein Wechselstromechappement, dessen schwingende Bewegungen einem gezahnten Sector gestatten, der Schwerkraft oder einer Federbeeinflussung Folge zu leisten. Solche Apparate haben den Nachtheil, dass die schwingende Bewegung des Echappementankers von aussen durch böswillige oder unbeabsichtigte Erschütterungen des ganzen Gehäuses herbeigeführt und so eine unerlaubte Freigabe des Signales bewirkt werden kann. Vorliegende Erfindung von Max Jüdel und Comp. in Braunschweig (D. R. P. Nr. 90139) bietet ein Mittel, einer derartigen unerlaubten Selbstfreigabe nach Wunsch entweder vorzubeugen oder sie dem überwachenden Beamten kenntlich zu machen. Es wird zu diesem Zwecke ein schwerer Körper durch geeignete Unterstützungen in eine solche labile Gleichgewichtslage gebracht, dass er bei Eintritt einer starken Erschütterung, wie sie zum Bewegen des Echappementankers erforderlich ist, die Lage, in welcher ein Schwerpunkt soeben noch seine Unterstützung fand, verlässt und vermöge seines Eigengewichtes in eine neue Lage gelangt, in welcher er selbst einen Verschluss des das Signal sperrenden Gliedes bewirkt oder dem überwachenden Beamten von dem Geschehenen Kenntniss gibt. Textabbildung Bd. 308, S. 71 Sicherheitsvorrichtung für Eisenbahnsignalapparate von Jüdel und Comp. In Fig. 7 ist a die Verschlusstange eines Blockapparates, b ein Gewichtstück, das an einem zweiarmigen Hebel c sitzt. Das Gelenk d einerseits und der Anschlag e andererseits stützen das Gewicht so, dass sein Schwerpunkt nur um ein Geringes gegen den Stützpunkt d in der wagerechten Ebene verschoben ist. Bei eintretender Erschütterung überschreitet das Gewicht die Gleichgewichtslage und begibt sich in die punktirte Stellung, in welcher es durch den Stift f aufgehalten wird. In dieser Stellung aber legt sich das andere Ende des zweiarmigen Hebels c vor einen an der Verschlusstange a sitzenden Anschlag g und hindert auf diese Weise die letztere am Hochgehen. In Fig. 8 ist eine andere Ausführungsform im Schnitt und in der Seitenansicht dargestellt, bei welcher eine Kugel b frei gelagert ist, und zwar zwischen drei Spitzen. Nach Eintritt der unerlaubten Erschütterung nimmt die Kugel die punktirte Lage ein, in welcher sie sich so zwischen den an der Verschlusstange a sitzenden Anschlag g und den festen Anschlag h legt, dass ein Hochgehen der Verschlusstange verhindert ist. Das sehr geringe Moment der Schwerkraft, welches in der Ruhelage in beiden Fällen die Kugel in ihrer Lage hält, kann durch eine leichte Feder unterstützt werden. Ebenso kann naturgemäss die geschilderte Vorrichtung auch dann wirken, wenn an Stelle der das Fallen der Kugel bewirkenden Schwerkraft eine Federkraft zur Verwendung kommt oder die Schwerkraft durch eine solche unterstützt wird. Die durch die Kugel bewirkte Sperrung der Bewegungstheile innerhalb der ganzen Vorrichtung kann natürlich auch an anderer Stelle, z.B. am Zahnsector, erfolgen. Rr. [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Warnung vor Anticorrosivum. Die Monatsschrift für Gesundheitspflege warnt vor dem Gebrauch des als eisenconservirendes Mittel für den inneren Anstrich von Dampfkesseln vielfach angepriesenen, von der Firma Frischauer und Cie. in Wien unter dem obigen Namen in den Handel gebrachten Mittels, da dasselbe schwere Betäubungen zur Folge habe. Nur der Umstand, dass zufällig einige Gummiballons mit Sauerstoff zur Stelle waren, hat die Rettung ermöglicht. Nach dem Durchblasen des Sauerstoffes haben sich die Betäubten allmählich erholt, doch sind dieselben zum Theil längere Zeit in ärztlicher Behandlung geblieben. Vergeblich wurden Versuche gemacht, die im Kessel zurückgebliebenen Werkzeuge u.s.w. herauszuholen, doch der starke, betäubende Geruch machte selbst ein kurzes Verweilen im Kessel unmöglich. Mit Hilfe eines Pneumatophors und einer elektrischen Grubenlampe gelang dies endlich. Der Kessel war nur zum kleinen Theil mit Anticorrosivum gestrichen, der Farbentopf war zum grossen Theil, wahrscheinlich durch die Kesselputzer, verschüttet. Die chemische Untersuchung hat ergeben, dass das Präparat eine Mischung von Erdöldestillaten und Steinkohlentheer zu sein scheint, von dessen Masse 82 Proc. zu den auch bei gewöhnlicher Temperatur stark verdampfenden Oelen gehören, deren Dünste im geschlossenen Raume betäubend wirken. Jedenfalls ist vor dem Gebrauche dieses viel angepriesenen und in vielen Ländern patentirten Mittels zu warnen. Kupferlegirung. Nach einer Mittheilung der Chemiker-Zeitung ist auf eine Kupferlegirung ein englisches Patent ertheilt worden, die sich durch eine goldige oder gelblich-rothe Farbe auszeichnet und aus 85 Th. Kupfer, 2 Th. Eisen, 1 Th. Magnesium, 10 Th. Zink und 1 Th. Zinn zusammengesetzt ist. Bei der Herstellung verfährt man folgendermaassen: Das Kupfer und das Eisen werden gesondert geschmolzen und hierauf gemischt; dann wird dem Gemenge das Magnesium zugesetzt und schliesslich das Zinn und Zink, die man zu einer Legirung vereinigt. Als Reinigungsmittel für die Legirung sollen vortheilhaft Salmiak und roher Weinstein verwendet werden. Befestigung von Eisen in Stein. Von den Bindemitteln, welche zur Befestigung von eisernen Bolzen, Gitterstäben u.s.w. in Stein verwendet werden, ist früher dem Portlandcement der Vorzug gegeben, da dieser sich durch grösste Festigkeit auszeichnet, sowie durch die Eigenschaft, dem Rosten des Eisens entgegenzuwirken. Als ein Nachtheil tritt nur die lange Erhärtungsdauer auf. Von den rasch erhärtenden Kitten, Blei und Schwefel, findet der letztere beliebte Anwendung. Man kann ihn für den Zweck des Vergiessens noch geeigneter machen durch Zusatz von Portlandcement, welchen man im Verhältniss von 1 zu 3 Gew.-Th. in den geschmolzenen Schwefel einrührt. Die Festigkeit des letzteren wird durch den Zusatz augenscheinlich erhöht, wohl aus dem Grunde, weil die Bildung eines so groben Krystallgefüges, wie bei erstarrendem reinen Schwefel, durch das zugesetzte Pulver gestört wird. Die Composition hat einen grauen metallischen Farben ton. (Der Müller.) Ebbe und Fluth als Kraftquelle. In der Nähe des Hafens von Ploumagoar (Côtes du Nord) befindet sich eine bemerkenswerthe Kraftanlage, bei welcher das Steigen und Fallen des Meeres zum Betriebe einer elektrischen Anlage ausgenutzt wird. Ein natürlicher Teich von 1½ ha steht mittels eines Kanals mit dem Meere in Verbindung. In diesen Kanal sind nun Thore eingelassen, die gegen die Fluthrichtung im spitzen Winkel geneigt, bei Eintritt der Fluth dem Wasserdruck nachgeben, sich öffnen und die Füllung des Teiches gestatten. Bei Eintritt der Ebbe drückt das nachströmende Wasser die Thore zu und hält sie geschlossen, so dass ein Abfluss des Wassers unmöglich wird. Durch einen zweiten wagerechten Kanal wird nun das Wasser des Teiches zu einer Turbine geleitet, die eine Pistel'sche Eismaschine und eine 50pferdige Dynamomaschine antreibt. Das für die Turbinen ausnutzbare Gefälle beträgt 4 bis 5 m. Allerdings kann hier nur zur Zeit der Ebbe gearbeitet werden, doch ist das genügend, da das Wasserquantum 60 cbm beträgt, somit eine angesammelte Kraftleistung von 1500 bis 2000 /Std. liefern kann und eine Vergrösserung der Anlage um das Zehnfache ermöglicht. (Elektrotechn. Neuigkeitsanzeiger.) Die Länge sämmtlicher Telephonleitungen der Erde. Dem von der internationalen Vereinigung für elektrisches Nachrichtenwesen zusammengestellten Ergebnisse für 1897 entnehmen wir, dass die Gesammtlänge sämmtlicher Telephonleitungen der Erde bereits rund 3000000 km beträgt. Hiervon entfallen auf Europa 1000000, auf Amerika 1800000 und auf die übrigen Erdtheile zusammen 200000 km. Ein Vergleich mit der Gesammtlänge der Telegraphenleitungen ergibt, dass die Länge sämmtlicher Telephonleitungen der Erde schon beinahe die Hälfte jener der Telegraphenleitungen beträgt. Bücher-Anzeigen. Tabellen der Spannweiten für Träger und Balken bei allen vorkommenden Theilungen und Belastungen. Normalprofile für Walzeisen, gusseiserne Hohlsäulen. Zur Ersparung des Berechnens und Vergleichung der Kosten herausgegeben von M. Koenen. 2. Aufl. Leipzig. J. M. Gebhardt's Verlag. 78 S. Geb. 3 M. Die erste Tabellenreihe umfasst die Belastungen von 100 bis 1250 k/qm für verschiedene Normalprofile in solchen Intervallen, die leicht eine Interpolation gestatten. Tabellen 2 bis 7 enthalten Widerstandsmomente verschiedener Formeisen. Tabelle 8 gibt die gebräuchlichen Angaben über gusseiserne Hohlsäulen, Tabelle 9 Gewichte von Wänden, Baustoffen und ihre zulässige Beanspruchung. Die Angaben sind übersichtlich und praktisch angeordnet und empfehlen sich für den Gebrauch. Ein kurzes Vorwort führt in die Benutzung der Tabellen ein. Eingesandt. Der Nordwestdeutsche Forstverein hat das im J. 1891 erfolglos gebliebene Preisausschreiben wiederholt und demselben folgende Fassung gegeben: Wie können die ersten Durchforstungserträge junger Nadelholzbestände industriell benutzt werden, sei es durch Verwerthung der chemischen Extractivstoffe, sei es durch mechanische Bearbeitung und wie ist eine diesem Zwecke dienende Fabrik einzurichten, um wirthschaftlichen Erfolg sicher zu stellen? Zur Beurtheilung der Arbeiten wird eine Commission niedergesetzt werden, in welcher forsttechnische und industrielle Sachverständige sowie Chemiker vertreten sein müssen. Der besten Arbeit wird, wenn sie prämiirt werden kann, ein Preis von 2000 M. aus Vereinsmitteln zuerkannt. Ein weiterer Betrag von 4000 M. wird in Aussicht genommen zur Förderung eines auf Grund der Preisschrift praktisch durchgeführten Versuches der Darstellung der Fabrikation in einer geeigneten, innerhalb des Regierungsbezirkes Lüneburg im Anschluss an grössere Staats- oder Provinzialforsten zu machenden Anlage, welche so grossen Umfang haben muss, dass eine Beurtheilung des Verfahrens und des wirthschaftlichen Effects möglich ist. Die mit Motto zu versehenden Ausarbeitungen ohne Namen des Autors sind bis spätestens am 1. Mai 1899 an den Vorstand des Nordwestdeutschen Forstvereins, zu Händen des stellvertretenden Vorsitzenden, Landesforstrath Quaet-Faslem zu Hannover einzusenden. Derselbe ertheilt auf Anfrage gern weitere Auskunft. DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 4. Stuttgart, 30. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Kraftmaschinen mit leicht flüchtigen Arbeitsflüssigkeiten *. Maschine mit einem Gemisch von Wasserdämpfen und Kohlenwasserstoffen als Betriebsmittel von Seigle *. Maschine von Fontana mit Benutzung der Gase von Kohlensäure und Chlorwasserstoffsäure *. Erzeugung von Arbeitsgasen nach Pape und Ausführung eines Motors * 73 Flüssigkeitshebemaschinen. Flüssigkeitsheber „Automobil“ für Druckluftbetrieb * 78 Messvorrichtungen. Theil- und Fühlwerke *. Die relative Löchertheilung. Smith's Eintheilungsverfahren *. Way's Lochtheilwerk *. Dessen Löchereintheilvorrichtung *. Fancher's Centrirvorrichtung *. Fühlhebelinstrumente von Bath *. Desgl. von Gribben * 80 Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen *. Bürstmaschine von Fothergill *. Trockenvorrichtung von Fischer *. Bürstmaschine von Knemeyer *. Klopf- und Bürstmaschine von Colinen * 83 Elektrotechnik. Glühlampen mit lösbarem Sockel *. Uebersicht über die neueren Anordnungen 85 Vervielfältigende Kunst. Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Photographische Objective, Camera und Momentapparate: Voigtländer's Linse. Dessen Cook Linse. Objectiv Planar von Zeiss. Objectiv von Lancelot und Aldis. Neue Teleobjective, Ausführung von Voigtländer. Clark's zusammenlegbare Camera. Krösche's Magazincamera. Linder's Wechselvorrichtung. Camera von Holst. Serienapparate, Vorrichtung zur Bestimmung der Geschwindigkeit von Momentverschlüssen, Copirautomaten: Lumière's Kinematograph. Geaumont's Fächer. Chronophotograph von Demeny. Müller's Aufnahme von Reisebildern. Flammarion's Kinematograph für Himmelskunde. Gaut's Momentapparat für Wettrennen. Mutograph, eine Ausführung des Kinematographen. Vorrichtungen zur Abwickelung von Films. Watkin's Mikrokinetoskop zur Beobachtung der Bewegung von Mikroben u. dgl. Bestimmung der Geschwindigkeit von Momentversehhissen. Künstliches Licht: Das Acetylengaslicht und dessen Verwendungsweise. Blitzpulver für Momentaufnahmen. Tompson's Atelier für Porträtaufnahmen mit elektrischem Lichte. Entladungserscheinungen bei Entladung durch eine Capillarröhre nach Schott. Erscheinungen bei Röntgen-Strahlen. Verfahren von Siemens und Halske, um Röntgen-Röhren wirksam zu erhalten. Dorn's Regelung des Vacuums mittels Aetzkali. Edison's Fluorescenzlampe. Lumière's Platten für Röntgen-Photographie. Levy's doppelseitige Platten und Films. Verstärkungsschirme aus Calciumwolframat. Anwendung der Photographie zu wissenschaftlichen Zwecken. Photogrammetrie, Mikrophotographie: Ueber Wolkenphotographie. Mach's Photographie der Luftstromlinien. Photographirte Saitenschwingungen. Fergusson's Photophon. Mach's Photographie von Kopfwellen der Gewehrgeschosse. Anwendung und Verbreitung der Photogrammetrie. Apparate zu derselben. Orientirung der Platten. Fortschritte der Mikrophotographie. Apparat von Butterworth. Desgl. von Giles. Weight's Verfahren zur Messung und Zählung mikroskopischer Objecte 89 Kleinere Mittheilungen: Verluste durch den englischen Maschinenbauerausstand 95 Locke's Hochspannungsisolator 96 Lederersatz durch japanisches Papier 96 Bleichen gelb gewordener Kupferstiche 96 Neuer Raddampfer 96 Nernst'sches Licht 96 Bücher-Anzeigen 96 Eingesandt: Handelsbericht von Gehe und Co. 96 ☞ Das vorliegende Heft enthält zwei Beilagen von den Firmen: F. Waldbauer in Stuttgart, Reise-Utensilien betr. und Gebrüder Schleif, Weingutsbesitzer in Rüdesheim a. Rh., Lieferanten der Kaiserlichen Marine, Wir empfehlen dieselben bestens der freundlichen Beachtung unserer Leser. Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 4. Stuttgart, 30. April 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Kraftmaschinen mit leicht flüchtigen Arbeitsflüssigkeiten. (Schluss des Berichtes S. 49 d. Bd.) Mit Abbildungen. Kraftmaschinen mit leicht flüchtigen Arbeitsflüssigkeiten. Bei der in Fig. 6 dargestellten Maschine der Compagnie internationale pour l'exploitation des procédés Adolphe Seigle in Lyon (D. R. P. Nr. 84483) dient als Treibflüssigkeit ein Gemisch von Dämpfen aus Wasser und Kohlenwasserstoffen. Die Benutzung zweier Flüssigkeiten mit verschiedenen Siedepunkten soll bereits bei einer Gas- und Aethermaschine von du Trembley vorliegen. Der Gegenstand der Erfindung erstreckt sich darauf, als Nebenflüssigkeit Wasser und als Hauptflüssigkeit einen schweren Kohlenwasserstoff zu verwenden; als Beispiel des letzteren kann etwa das russische Solaröl dienen, welches bei der Destillation des rohen kaukasischen Erdöls nach dem Kerosen gesammelt wird, d.h. desjenigen Oeles, welches ungefähr über 300 bis 350° sich bildet. Textabbildung Bd. 308, S. 73 Fig. 6. Maschine der Compagnie internationale pour l'exploitation des procédés Seigle. a0 ist ein beliebiger Generator, am besten ein Serpollet-Generator, in welchem sich die schweren Kohlenwasserstoffdämpfe bilden, a ist eine den zu verdampfenden Kohlenwasserstoff enthaltende Rohrschlange. b0 ist eine beliebige Maschine mit einfacher, doppelter oder dreifacher Expansion oder z.B. eine rotirende Maschine nach Parsons oder de Laval. b ist ein Rohr, welches die schweren Kohlenwasserdämpfe nach dem Condensator c0 überleitet, in welchem genannte Dämpfe condensirt werden und welcher zugleich als Erzeuger für Wasserdampf dient. Die durch Rohr b in die Kammer c übergeleiteten Kohlenwasserstoffdämpfe durchziehen die Röhren c1 und gelangen in die Kammer c2, in denen sie sich condensiren, während der flüssige Kohlenwasserstoff durch Rohr c3 abfliesst. Der von den Rohren c1 durchzogene Raum c4 wird mit Wasser gespeist, das beim Durchgange und bei Condensation der schweren, aus der Maschine b0 übertretenden Kohlenwasserstoffdämpfe verdampft wird. Der Wasserdampf geht durch Rohr c5 nach der zweiten Maschine d0 über, die ebenso wie die Maschine b0 von beliebiger Anordnung sein kann, d ist das Ausströmungsrohr für den Wasserdampf. e0 ist eine Saugpumpe, welche den condensirten schweren Kohlenwasserstoff durch Rohr e in den Generator a0 hinüberdrückt. Die Pfeile 1 zeigen die Kreisung des Kohlenwasserstoffes und der Kohlenwasserstoffdämpfe, die Pfeile 2 die Kreisung des Wassers und des Wasserdampfes. Bei Maschinen, welche durch eine Combination von schweren Kohlenwasserstoffen und Wasserdampf getrieben werden, ist die gesammte Wärmeabnahme oder die Abnahme an lebendiger Kraft eine beträchtliche, obgleich die Grenzen des praktisch verwerthbaren Druckes nicht überschritten werden. Der niedrige Siedepunkt des schweren Kohlenwasserstoffes muss einer Temperatur entsprechen, bei welcher das Wasser unter einem nutzbaren Drucke verdampft werden kann. Der im Generator a0 erzeugte Kohlenwasserstoffdampf condensirt sich nach der in der ersten Maschine b0 verrichteten Arbeit im Kühlapparate c0, in welchem er die Bildung von Wasserdampf veranlasst, der die mit der ersten Maschine b0 gekuppelte oder nicht gekuppelte zweite Maschine d0 antreibt. Der condensirte Kohlenwasserstoff wird mittels Pumpe e0 oder in anderer Weise nach seinem Generator a0 zurückgeleitet und verdampft in demselben von Neuem, und der aus der Maschine d0 austretende Wasserdampf kann wieder condensirt werden oder je nach Umständen ins Freie auspuffen. Die grosse Veränderlichkeit in der Zusammensetzung der schweren Kohlenwasserstoffe ermöglicht es, schnell diejenige Flüssigkeit ausfindig zu machen, welche die gewünschten Bedingungen erfüllt, d.h. welche auf eine hohe Temperatur gebracht werden kann, ohne dass der Druck des Dampfes dieser Flüssigkeit die Grenze einer praktischen Anwendung in einer Maschine überschreitet, und deren Dampf bei seiner Condensirung das Wasser auf eine Temperatur bringt, welche es ermöglicht, Dampf zu erhalten, der in einer anderen Maschine ausgenutzt werden kann. Nimmt man z.B. einen Kohlenwasserstoff, der bei 300 bis 350° vollständig überdestillirt, wie das oben erwähnte russische Solaröl, so wird bei Erhitzen dieses Oeles auf etwa 430° sein Dampf ungefähr 6 k Spannung aufweisen, wenn er in die erste Maschine b0 eintritt. Die Expansion und Condensation des Dampfes vermindern die Temperatur auf 250°, woraus eine erste Erniedrigung der Temperatur um 180° sich ergibt. Dieser Dampf wird bei seiner Condensation im als Kühler wirkenden Dampferzeuger c0 in demselben ohne Schwierigkeit Wasserdampf von 200° entwickeln, der seinerseits in der zweiten Maschine d0 Arbeit verrichtet und nach einem gewöhnlichen Condensator geleitet und dort auf die Temperatur von 35° gebracht werden kann, woraus eine zweite Erniedrigung der Temperatur um 165° sich ergibt. Die gesammte Erniedrigung der Temperatur beträgt also 345°. Wenn man, statt den Wasserdampf zu condensiren, denselben mit 105° ins Freie treten lässt, so wird die Temperaturerniedrigung immer noch 275° betragen. Hieraus ergibt sich, dass angesichts der Erhöhung der Nutzleistung, welche mit der Erfindung erzielt wird, der Einführung der Maschinen mit combinirten Dämpfen in die Industrie nichts im Wege steht, welche Maschinen bis jetzt schätzenswerthe Ergebnisse nicht gezeigt haben. Es ist in der Beschreibung eine Anlage mit zwei Maschinen, und zwar mit zweimaliger Erniedrigung der Wärme angenommen worden. Man kann den Erfindungsgegenstand auch für eine Anlage mit drei Maschinen oder dreifacher Erniedrigung der Wärme anwenden, deren letzte Erniedrigung immer die Entwickelung und Ausnutzung von Wasserdampf ist. Benutzt man ein z.B. bei 400° überdestillirendes Erdöl, so wird sein Dampf von 480° mit 6 k in einer ersten Maschine wirken, wird aus dieser in einem ersten als Condensator und Dampferzeuger wirkenden Apparate sich condensiren, wobei derselbe die Verdampfung eines noch flüchtigeren Erdöles als das erste Erdöl veranlasst, d.h. eines solchen, welches beispielsweise bei 250° destillirt, so dass sein Dampf bei 330° mit 6 k in einer zweiten Maschine zur Wirkung gelangt, welcher Dampf sich dann in einem zweiten als Condensator und Dampferzeuger wirkenden Apparate condensirt, in welchem sich Wasserdampf entwickelt, der die dritte Maschine in Betrieb setzt. Die Maschine von C. Fontana in Mailand (D. R. P. Nr. 92040) benutzt die aus Kohlensäure und Chlorwasserstoffsäure zu entwickelnden Gase. Das aus der Maschine strömende Gas wird in einem Behälter auf einen sehr geringen Druck gebracht, während es in einem zweiten durch Erhitzen eine sehr bedeutende Spannung erhält. Dieser Druckunterschied wird benutzt, um eine zwischen diesen beiden Theilen eingeschaltete Maschine anzutreiben. Fig. 7 zeigt zwei cylindrische Kästen a und b, welche symmetrisch auf einem Rahmen durch Eisenbänder befestigt sind. Zwischen den beiden Kästen sind drei Cylinder c eingeschaltet, welche mit den Kästen a und b abwechselnd in Verbindung gebracht werden können. Ist die Vorrichtung ausser Betrieb, so ist dieselbe in allen Theilen von Gas gefüllt, welches eine der Temperatur der äusseren Luft entsprechende Spannung hat. Ist die Lufttemperatur Null Grad, so beträgt beispielsweise die Spannung für Kohlensäure 34 at, für Chlorwasserstoffsäure 30 at. In dem Kasten a ist eine Kühlvorrichtung angeordnet, welche jedoch in der Zeichnung nicht dargestellt ist. Die Kühlvorrichtung ist mit einer Kältemaschine verbunden und dient dazu, die Temperatur des Gases in dem Kasten a, somit auch den Druck desselben auf einer bestimmten niedrigen Stufe während des Betriebes zu erhalten. Die Höhe des Druckes, sowie der dementsprechenden Temperatur bemisst sich nach dem Drucke, mit welchem das Gas in der Maschine wirken soll. In dem Kasten b ist eine gleichfalls in der Zeichnung nicht angegebene Heizvorrichtung vorgesehen, welche am besten aus einem kupfernen Schlangenrohr besteht, welches an einen ausserhalb des Kastens angeordneten Ofen angeschlossen ist. Durch diese Heiz Vorrichtung soll in dem Kasten b eine gleichmässig hohe Temperatur erhalten werden, bei welcher das zur Verwendung gelangende Gas einen bestimmten, der gewünschten Arbeitswirkung entsprechenden Druck erhält. Aus diesem Kasten b wird das Gas durch eine beliebige Regelungsvorrichtung auf die gewünschte Spannung gebracht und alsdann in die Maschine geleitet. Textabbildung Bd. 308, S. 74 Fig. 7. Maschine von Fontana. Die Cylinder c dienen als Vermittelungsbehälter, um das Gas aus dem Kasten a in den Kasten b zu schaffen. Dieselben werden mit den Kästen a und b in folgender Weise in Verbindung gebracht: An den Zwischenwänden der Kästen a und b sind entsprechend jedem der drei Cylinder Vertheilungskammern a1b1 angeordnet, die aus einem kurzen cylindrischen Rohre bestehen, welches nach beiden Seiten hin offen ist. In diesen Rohren gleiten Kolben, welche durch ihre hin und her gehende Bewegung die Oeffnungen in den Rohren a1 und b1 schliessen und wieder öffnen. Bei der veranschaulichten Stellung steht der obere Cylinder c in Verbindung mit der Kühlabtheilung a. Es befindet sich das Gas in diesem Cylinder unter den gleichen Bedingungen wie in der Kühlabtheilung a. Es habe also beispielsweise die Spannung von 2 at und die dieser Spannung entsprechende Temperatur. Diese Verbindung wird durch Verschieben des Kolbens in dem Rohre a1 unterbrochen und gleichzeitig durch Verschieben des in dem Rohre b1 gleitenden Kolbens die Verbindung des Cylinders c mit der Heizabtheilung b hergestellt. Das in dem Cylinder c befindliche, stark abgekühlte und niedrig gespannte Gas wird nun der Wirkung der in dem Raume b angeordneten Heizvorrichtung ausgesetzt, wodurch es plötzlich hoch gespannt wird. Der in diesem Abtheile der Vorrichtung herrschende Druck wird sich, abgesehen von der Temperatur der Heizvorrichtung, nach den Grössenverhältnissen des Cylinders c und des Heizraumes b bemessen. Das nunmehr hoch gespannte Gas wird in eine Druckverminderung geleitet, in welchem es eine bestimmte Arbeitsspannung erhält, um dann in die Maschine geleitet zu werden. Erhält das Gas in dem Druckverminderer beispielsweise die Spannung von 6 at, so wird der thatsächlich zur Ausnutzung gelangende Druck 4 at betragen, wenn in der Kühlabtheilung eine Spannung von 2 at herrscht. Die abwechselnde Verbindung der Cylinder c mit dem Heiz- bezieh. Kühlraume wird in folgender Weise hergestellt: Die in den Büchsen a1 und b1 gleitenden Kolben tragen Kolbenstangen, welche durch Stopfbüchsen der äusseren Wände der Kästen a und b hindurch gehen. An ihrem Ende sind sie bei d hakenförmig ausgebildet, so dass sie über den Kamm eines Rades r greifen können. Dieser Kamm verläuft an den Rädern nicht in einer Ebene, sondern weicht aus der Geraden ab, und zwar um so viel, als der Kolben in der Büchse a1bezieh. b1 sich bewegen soll. Der Kamm ist in vier Zonen eingetheilt. Damit das Gleichgewicht der Spannung des in beiden Körpern enthaltenen Gases eintreten kann und eine zu grosse Abkühlung der Cylinder c vermieden wird, darf der grosse Kolben a1 nur so lange in der gezeigten Stellung verbleiben, als zur Herstellung dieses Gleichgewichtes erforderlich ist. Die Verbindung des Kühlraumes mit dem Cylinder bleibt während eines verhältnissmässig kurzen Weges offen. Die Verbindung mit dem Heizraume bleibt hingegen während eines langen Weges offen. In dieser Weise wird jeder der drei Kolben der Büchsen a1 bezieh. b1 bethätigt, um die einzelnen Cylinder der Reihe nach mit dem Kühl- bezieh. Heizraume in Verbindung zu bringen. Die beiden Kammräder sind auf einer Welle d angeordnet, welche durch beide Kästen a und b, sowie durch den zwischen den drei Cylindern c liegenden Raum geht. Um Gasverluste in dem Kühl- bezieh. Heizraume zu vermeiden, ist in demselben je eine Röhre e angeordnet, welche die Welle umgeben und gegen den Kasten abdichten. An den Aussenwänden der Kästen a und b sind Stopfbüchsen angeordnet, durch welche die Welle d hindurchgeht. Die Verlängerung der Welle d trägt ein Zahnrad g, welches durch die endlose Schraube h umgetrieben wird. Die Schraube ist auf der Maschinenwelle i befestigt. Bei jeder Umdrehung der Welle geht das Rad g um einen Zahn weiter, so dass also die Kammräder r eine vollständige Umdrehung machen, wenn das Rad mit beispielsweise 90 Zähnen ausgerüstet ist und die Maschinenwelle 90 Umdrehungen gemacht hat. In dem Kühlraume kann zur schnelleren Abkühlung des eingeführten Gases eine Rührvorrichtung vorgesehen sein, desgleichen kann mit demselben ein kleiner Gasbehälter verbunden sein, welcher das Gas comprimirt oder flüssig enthält und dazu dient, etwaige an den Dichtungsstellen auftretende Verluste zu ersetzen. Im Ruhezustande befindet sich das Gas in den sämmtlichen Theilen der Vorrichtung, dem Kühlraum a, Heizraum b und Cylinder c im Gleichgewicht. Lässt man nun in dem Raume a die Kühlvorrichtung, in dem Raume b die Heizvorrichtung wirken, so erhält man einen Druckunterschied, welcher unter Einschaltung einer Regulirvorrichtung dazu benutzt wird, eine Maschine zu treiben. Aus dieser Maschine gelangt das Gas in die Kühlvorrichtung, in welcher der Druck herabgemindert wird. Das wieder auf eine niedrige Spannung gebrachte Gas gelangt durch die Cylinder c wieder in den Heizraum, wird dort erhitzt, um wiederum in die Maschine geführt zu werden. Es findet also ein beständiger Umlauf des Gases statt, bei welchem Verluste nur an den Stopfbüchsen, Dichtungen u.s.w. auftreten können. Es werde zum Schlusse ein eigenartiges Verfahren zur Erzeugung gespannter Arbeitsgase beschrieben, welches von H. Pape in Hamburg (D. R. P. Nr. 89383) vorgeschlagen ist. Dasselbe beruht auf folgenden Erwägungen. Es gibt verschiedene Ammoniumsalze, welche aus Stoffen zusammengesetzt sind, die bei mittleren Temperaturen und Spannungen nur in Dampfform bestehen können. Manche dieser Ammoniumsalze haben die Eigenschaft, sich bei genügender Erwärmung in die Dämpfe ihrer Componenten zu zersetzen und einige dieser Salze verbinden hiermit die besonders bemerkenswerthe Eigenthümlichkeit, dass ihre durch Erwärmung aus einander gespaltenen Componenten sich wieder zu dem ursprünglichen Salze zusammenfügen, sobald eine genügende Abkühlung stattgefunden hat. Unter diesen letzteren Salzen ist in erster Linie das carbaminsaure Ammonium zu nennen, welches durch die Verbindung von zwei Molekülen Ammoniak mit einem Molekül Kohlensäure entsteht. Dieses Salz hat zwei sehr wichtige Eigenschaften: 1) Die Dissociationstemperatur ist vom Drucke abhängig, gerade wie die Verdampfungstemperatur von Wasser und anderen Flüssigkeiten. Soweit die Spannungen unter Vacuum in Frage kommen, sind die Dissociationstemperaturen des carbaminsauren Ammoniums von Prof. Dr. A. Naumann ermittelt worden (Gmelin-Kraut's Handbuch der Chemie, 6. Aufl. Bd. 1 S. 385). Die betreffenden Ergebnisse sind: Bei 62,4 mm Druck ist die Zersetzungstemperatur 20° C, bei 124 mm 30° C, bei 248 mm 40° C, bei 470 mm 50° C, bei 770 mm 60° C. Für höhere Temperaturen ist die Zersetzungsspannung vom Erfinder untersucht worden, welcher bei verhältnissmässig geringen Temperaturzunahmen bedeutende Spannungszunahmen constatiren konnte. Die bezüglichen Versuche wurden in der Weise vorgenommen, dass ein mit einer genügenden Menge von carbaminsaurem Ammonium beschicktes eisernes Rohr in ein zweites Rohr von grösserem Durchmesser gesteckt wurde, worauf man in dem ringförmigen Zwischenraume zwischen den beiden Rohren Wasserdampf von verschiedenem Drucke oder, was dasselbe ist, von verschiedener Temperatur einströmen liess. Bei diesen Versuchen konnte mit hinreichender Genauigkeit festgestellt werden, dass es zur Erzielung einer Zersetzungsspannung von 10 at Ueberdruck genügt, das Salz auf + 125° C. zu erwärmen; die Zersetzung geht im Uebrigen bei dieser Temperatur sehr rasch und energisch vor sich. Die zweite wichtige Eigenschaft des carbaminsauren Ammoniums besteht in der Thatsache, dass 2) bei genügender Abkühlung der bei der Erhitzung des Salzes entstandenen Dämpfe die Rückbildung des Salzes eintritt, ohne dass man hierbei Wärme nach aussen abzuführen braucht. In dieser Beziehung unterscheidet sich die Bildung des carbaminsauren Ammoniums principiell von der Verdichtung von Wasserdampf zu Flüssigkeit, bei welcher Verdichtung die latente Dampfwärme im Condensator abgeführt werden muss. Diese letztere Nothwendigkeit tritt überhaupt, allgemein genommen, bei der Verflüssigung jeder dampfförmigen Substanz auf, wenn diese Substanz aus einem in dampfförmigem und in verdichtetem Zustande gleichförmigen Körper besteht; beispielsweise muss man auch die latente Wärme des Ammoniakdampfes und des Kohlensäuredampfes in einem Condensator durch Kühlwasser abführen, wenn beide Dämpfe für sich einzeln zu flüssigem Ammoniak bezieh. zu flüssiger Kohlensäure verdichtet werden sollen. Bei der Bildung des carbaminsauren Ammoniums wird jedoch die latente Wärme der Dämpfe von Ammoniak und Kohlensäure gebunden; ein Condensator zur Abführung dieser Wärme ist also nicht erforderlich. Man kann diese Thatsache aus dem folgenden Experimente deutlich erkennen. Wenn man Ammoniakdampf und Kohlensäuredampf von atmosphärischer Spannung durch getrennte Röhrchen derart in ein Gefäss einleitet, dass die Quecksilberkugel eines in diesem Gefässe frei hängenden Thermometers von den sich mischenden Dämpfen direct getroffen wird, so beobachtet man eine sofortige und energische Bildung des Salzes, welches hierbei in Form eines sehr feinen nebelartigen Staubes auftritt, und welches nach erfolgter Bildung eine etwas höhere Temperatur besitzt als die das Salz bildenden Dämpfe, bevor dieselben sich mischten und zu dem Salze vereinigten. Aus dieser Erscheinung folgt, dass die Dampfwärme bei der Bildung des carbaminsauren Ammoniums in zweifacher Weise zur Geltung kommt: ein Theil der Dampfwärme – und zwar der kleinere Theil – dient zur Erhöhung der Temperatur des entstehenden Salzes gegenüber der Temperatur der dasselbe bildenden Dämpfe und der andere Theil der Dampfwärme – und zwar der grössere Theil – bleibt latent in dem entstandenen Salze; nach aussen wird von der Dampfwärme nichts abgeführt. Der Erfinder hat diesen Versuch bei Temperaturen von 10 bis 15° C. für die das Salz bildenden Dämpfe durchgeführt, d.h. bei 40 bis 45° C. unterhalb der für atmosphärische Spannung ermittelten Zersetzungstemperatur des Salzes. Nach den hierbei gemachten Beobachtungen wurden etwa 15 Proc. der Gesammtwärme des Gemisches der Salz bildenden Dämpfe zur Temperaturerhöhung des Salzes verwendet, während etwa 85 Proc. jener Wärme in latenter Form bei der Salzbildung an das Salz gebunden wurden. Im Uebrigen vollzieht sich diese Salzbildung in folgender Art: Verdampft man das Salz unter irgend welchem Drucke und kühlt man das entstandene Dampfgemisch bei gleich bleibendem Drucke nur um ein Geringes unter die Zersetzungstemperatur des Salzes ab, so condensirt das Dampfgemisch zwar vollständig zu Salz, jedoch nur sehr langsam. Hält man dagegen die Bildungstemperatur des Salzes in nennenswerthem Maasse unterhalb der Zersetzungstemperatur, so bildet sich das Salz sehr energisch und rasch. Zu den soeben beschriebenen Eigenschaften des carbaminsauren Ammoniums hinsichtlich dessen Zersetzung und Rückbildung kommt nun noch als dritte wichtige Eigenschaft 3) die Expansion des bei hohem Drucke aus der Zersetzung von carbaminsaurem Ammonium entstandenen Dampfgemisches muss nach dem adiabatischen Gesetze stattfinden, so dass man die zur Rückbildung des Salzes erforderliche Abkühlung der Dämpfe direct durch den Process der Arbeitserzeugung im Cylinder einer Kraftmaschine hervorbringen kann, wobei die dem Dampfgemische durch die Expansion entzogene Wärme sich völlig in mechanische Arbeit umsetzt. Den Beweis für die Richtigkeit der soeben aufgestellten Behauptung liefert die folgende Betrachtung. Wie durch Versuche erwiesen worden ist, findet bei + 125° C. die Zersetzung des Salzes unter 10 at Ueberdruck statt. Das bei dieser Zersetzung entstehende Dampfgemisch besitzt annähernd dieselbe Temperatur wie das sich zersetzende Salz; es ist nun aber die Sättigungstemperatur bei 10 at Ueberdruck für Ammoniak + 25°C. und für Kohlensäure noch unter – 40° C. Beide Dämpfe sind also bei + 125° C. sehr stark überhitzt und müssen sich demnach bei der Expansion verhalten wie permanente Gase, d.h. sie müssen nach dem adiabatischen Gesetze expandiren. Der Exponent der adiabatischen Curve ist nun bekanntlich bei beiden in Frage kommenden Dämpfen keine constante Grösse, da die specifische Wärme dieser Dämpfe bei wachsender Temperatur sich verändert. Jedoch bewegen sich die in Frage kommenden Temperaturschwankungen in derart engen Grenzen, dass man berechtigt ist, constante Mittelwerthe für die beiden Expansionscoëfficienten anzunehmen; alsdann ergibt sich für ein aus 43,6 Gew.-Proc. Ammoniak und 56,4 Gew.-Proc. Kohlensäure bestehendes Dampfgemisch – entsprechend der Zusammensetzung des carbaminsauren Ammoniums – der Coëfficient der Adiabate zu k = 1,273. Expandirt nun das betreffende Dampfgemisch von 10 at Ueberdruck bezieh. 11 at abs. auf atmosphärischen Druck bezieh. 1 at abs., und zwar bei einer Anfangstemperatur von + 125° C. oder 398° abs., so würde die Endtemperatur sein T_1=\frac{398}{\left(\frac{11}1{}\right)\ \frac{0,273}{1\,\times\,273}}=237{\circ}\mbox{ abs.} oder – 36° C, bei welcher Temperatur in Gemässheit der oben gegebenen Darlegungen das Dampfgemisch als solches nicht bestehen kann, sondern sich vollständig zu Salz verdichten muss. Die adiabatische Expansion liefert also durchaus genügende Abkühlung, damit durch letztere die Condensation der Arbeitsdämpfe zu Salz im Cylinder der Maschine bewirkt werden kann. Aehnlich so, wie das Verhalten eines Gemisches von überhitzten Ammoniak- und Kohlensäuredämpfen bezieh. der Bildung von Ammoniaksalz im Cylinder einer Kraftmaschine durch Expansion und bezieh. der Wiederzersetzung des gebildeten Salzes zu Dampfgemisch beschrieben worden ist, verhalten sich die genannten Dämpfe auch dann, wenn man noch Wasserdampf hinzufügt. In diesem Falle entsteht durch Abkühlung gleichfalls ein Ammoniumsalz, welches jedoch nicht mehr als carbaminsaures Ammonium anzusehen ist, sondern als eine Mischung von letzterem Salze mit Ammoniumcarbonat. Diese veränderte chemische Beschaffenheit hat jedoch auf die Eigenschaft der Zersetzung und der Rückbildung des entstandenen Salzes keinen Einfluss; auch das aus Ammoniak, Kohlensäure und Wasserdampf entstandene Salz zersetzt sich bei Erwärmung unter Druck vollständig wieder in seine Componenten. Bei der Rückbildung des Salzes durch Abkühlung der entstandenen Dämpfe im Cylinder einer Expansionsmaschine ist jedoch zu beachten, dass durch das Hinzutreten von Wasserdampf bei der Salzbildung ein grösserer Procentsatz der gesammten Dampfwärme zur Erhöhung der Salztemperatur verwendet wird, als wenn nur Ammoniak und Kohlensäure den Arbeitsdampf der Maschine liefern. Man wird deshalb, allgemein genommen, bei Mitverwendung von Wasserdampf zweckmässig das Expansionsverhältniss grösser nehmen als bei Verwendung von Ammoniak und Kohlensäure allein, so dass man eine stärkere Abkühlung durch die Expansion erzielt. Diese stärkere Abkühlung compensirt alsdann die stärkere Wärmezunahme, welche das entsprechende Ammoniumsalz dadurch erfährt, dass bei seiner Bildung Wasserdampf mitwirkt. Im Uebrigen wird auch bei der Bildung von Salznebel aus Ammoniak und Kohlensäure unter Hinzutritt von Wasserdampf der grössere Theil der im Dampfgemische enthaltenen Wärme in Form von latenter Wärme an das Salz gebunden, und es ist eine Abfuhr von Wärme nach aussen, falls die Abkühlung der Dämpfe durch Expansion genügend gross bemessen wird, nicht erforderlich. Nachdem somit die allgemeinen Grundlagen beschrieben worden sind, welche für das Verfahren zur Erzeugung von mechanischer Energie durch Benutzung von Ammoniumsalzen maassgebend sind, möge nunmehr die Beschreibung eines Motors folgen, welcher nach dem betreffenden Verfahren arbeitet. Dieser Motor besteht aus zwei Theilen, nämlich aus dem Salzzersetzer und dem Expansionscylinder nebst zugehörigem Triebwerke. In dem Salzzersetzer findet durch Wärmezufuhr die Zersetzung des Salzes unter entsprechendem Ueberdruck statt. Zweckmässig bildet man den Salzzersetzer derart aus, dass der Salzraum einen Heizmantel erhält und von aussen durch Wasserdampf beheizt wird, welchen man in einem Dampfkessel von bekannter Construction erzeugt. Dieser Wasserdampf condensirt bei der Beheizung des Salzzersetzers unter Abgabe seiner gesammten Wärme an das Salz; das aus dem Heizdampfe entstehende Condensat wird wieder in den Dampfkessel zurückgeführt, und bewegt sich der Heizdampf somit in stetem Kreislaufe, ohne nach aussen hin mehr Wärme abzugeben als die von der Rohrleitung und von der Aussenwand des Heizmantels des Salzzersetzers ausstrahlende Wärme, deren Menge bei guter Isolirung der betreffenden Oberflächen nur gering ist. Der Expansionscylinder der Maschine erhält eine Steuerung, welche in Gemässheit des jemaligen Kraftbedarfes eine Veränderung der Füllung zulässt, und muss im Uebrigen mit einem Heizmantel versehen sein, damit die Temperatur der Cylinderwände auf einer constanten Höhe erhalten werden kann, welche das Ansetzen von Salz unmöglich macht. Das Salz nämlich, welches sich in Gestalt eines nebelartigen Staubes bildet, hat die Neigung, sich in sehr energischer Weise auf jeden Körper niederzuschlagen, dessen Temperatur niedriger ist als die Salzzersetzungstemperatur für den jemalig vorhandenen Druck. Es müssen demnach die Cylinderwände stets ungefähr so warm sein wie das hoch gespannte, in den Cylinder eintretende Dampfgemisch, wenn man die Bildung von Salzniederschlägen an den Cylinderwandungen sicher vermeiden will. Die Beschaffenheit des Arbeitsdampfes wird durch die Art der Salzbildung bedingt. Letztere, welche einen sehr feinen Salzstaub liefert, setzt voraus, dass zum Tragen und Fortschaffen dieses Staubes am Ende der Expansion noch eine genügende Menge von nicht zu Salz condensirten Dämpfen vorhanden sein muss. Es ist daher nöthig, von einer Dampfart einen genügenden Ueberschuss vorzusehen, welcher stets in Dampfform bestehen bleibt. In diesem überschüssigen Dampfe schweben dann die entstandenen Salzstäubchen ebenso wie feiner Flugstaub in der Luft, und wird das am Ende des Hubes nach beendeter Expansion vorhandene Gemenge von Dampf und Salzstaub durch den Kolben der Maschine beim Kolbenrückgange leicht aus dem Cylinder entfernt. Um den hierbei stattfindenden Vorgang durch Diagramme erläutern zu können, sei der Fall angenommen, dass der Motor arbeite mit: Anfangsdruck p = 11 at abs., Anfangstemperatur T = 398° abs., Admissionsfüllung = 0,3, Arbeitsdampf = Gemisch von Ammoniak und Kohlensäure, wobei volumetrisch zwei Drittheile aus der für die Salzbildung erforderlichen Menge von Ammoniak und Kohlensäure bestehen und ein Drittheil überflüssiges Ammoniak ist. Der Coëfficient dieses Arbeitsdampfes ist k = 1,277. A. Vorwärtsbewegung des Kolbens. Die Endtemperatur der rein adiabatischen Expansion mit dem Coëfficienten k = 1,277 ergibt, sich, in bekannter Weise berechnet, zu T1 = 285° abs. bezieh. 12° C. und der Enddruck zu p1 = 2,37 at abs. Nun ist experimental bewiesen, dass bei 12° C. das Salz bildende Dampfgemisch nicht einmal bei 1 at abs. als solches bestehen kann; um so weniger ist letzteres bei mehr als doppelt so hohem Drucke zu erwarten. Es muss also Salzbildung eintreten, wodurch das Volumen des Dampfgemisches sich stark verringert und – unter entsprechender Berücksichtigung der hierbei stattfindenden Temperaturerhöhung des entstehenden Salzes bezieh. der dasselbe tragenden Dämpfe, sowie unter Berücksichtigung des Einflusses der warmen Cylinderwände – der Enddruck sich ergibt zu p1 = 0,85 at abs. Eine Annahme, welche zur Gewinnung der Berechnungsgrundlage zunächst gemacht werden müsste, ist nicht zutreffend, nämlich die Annahme, dass während der Expansion keine Salzbildung eintreten wird. Diese Salzbildung muss vielmehr sofort beginnen, wenn die jeweilig vorhandene Temperatur geringer ist als die dem gleichzeitig vorhandenen Drucke entsprechende Zersetzungstemperatur des Salzes. Solches ist aber bereits gleich nach Beginn der Expansion der Fall; demnach muss die Salzbildung schon vom Anfange der Expansion an stattfinden. Wäre die Salzbildung dabei ganz gleichmässig, d.h. würde der Coëfficient der Expansionscurve constant sein, so lässt sich diese Curve construiren. Nun ist aber der Expansionscoëfficient nicht gleichmässig, sondern verändert sich fortwährend und zwar in dem Sinne, dass er continuirlich zunimmt. Erfolgt diese Zunahme zu der Zunahme des Volumens der expandirenden Dämpfe im geraden Verhältnisse, so lässt sich aus den beiden Grenzcurven eine dritte Curve construiren, deren Verlauf die bei der Expansion zu erwartenden Druckänderungen definitiv zum Ausdrucke bringt. B. Rückwärtsbewegung des Kolbens. Der am Ende der Expansion vorhandene Salzstaub muss wieder in den Salzzersetzer zurückgeschafft werden; am einfachsten geschieht dieses dadurch, dass man den vorhandenen überschüssigen Ammoniakdampf mit dem darin suspendirten Salzstaube durch den Rückgang des Kolbens wieder auf 11 at abs. comprimirt und dann in den Salzzersetzer zurückdrückt. Was hierbei das Verhalten des Ammoniakdampfes anbelangt, so wird dessen Compression adiabatisch sein, soweit nicht die Aufnahme der Compressionswärme durch den im Ammoniakdampfe schwebenden Salzstaub die Temperaturzunahme des Ammoniakdampfes und somit den Verlauf der Compressionscurve ändert. Nimmt man die Endtemperatur der Compression zu 398° abs. an, so lässt sich die Compressionscurve construiren. Was die Anordnung für die Ausführung eines Motors anbelangt, welcher für die Krafterzeugung construirt ist, so gibt Fig. 8 davon eine schematische Darstellung. Textabbildung Bd. 308, S. 78 Fig. 8. Anordnung für die Ausführung eines Motors. Der Motor ist im Längsschnitte dargestellt; a0 ist der mit Dampfheizung versehene, doppelt wirkende Cylinder, welcher mit den Rückschlagventilen aa versehen ist. Diese Rückschlagventile münden direct in den Salzzersetzer b0 ein. Hier ist der Salzzersetzer in Form von zwei senkrechten Rohren dargestellt, welche Dampfmäntel haben und oben durch das gleichfalls beheizte Sammelrohr c verbunden sind. Die Heizfläche und somit die Energie der Wirkung des Salzzersetzers lässt sich dadurch verändern, dass man den unteren Theil der Heizmäntel mit warmem Wasser füllt, dessen Niveau man verändern kann und dessen Temperatur etwas niedriger ist als diejenige des Heizdampfes. An den von warmem Wasser bespülten Flächen des Salzzersetzers findet dann keine Zersetzung statt und hängt es somit von der Grösse des Wasserstandes im Heizmantel ab, in welchem Umfange die Zersetzungsenergie in Erscheinung tritt. An das Sammelrohr c ist dann durch den Stutzen b das Zuführungsrohr des regenerirten Dampfgemisches angeschlossen, welches Rohr zu den Einlassorganen der Maschine führt. Die Arbeitsweise der Maschine ist derart, dass bei der Füllung des Cylinders und während der Expansionszeit die Rückschlagventile aa durch den Druck des Salzzersetzers geschlossen bleiben, ebenso während des ersten Theiles der Compressionsperiode, solange im Cylinder ein grösserer Druck herrscht als im Salzzersetzer. Steigt jedoch beim Ende der Compression der Druck etwas über die Zersetzerspannung, so öffnet sich das betreffende Ventil a sofort und lässt das comprimirte Gemisch von Arbeitsdampf und Salzstaub in den Salzzersetzer übertreten. Dieses Gemisch muss nun, bevor es durch das an den Stutzen b angeschlossene Zuführungsrohr wieder in den Cylinder zurück gelangen kann, den ganzen Salzzersetzer durchströmen und wird hierbei der durch das Ventil a in letzteren übergetretene Salzstaub in der erforderlichen Art und Weise wieder in Arbeitsdampf zurückverwandelt. Mg. Flüssigkeitshebemaschinen. Flüssigkeitsheber „Automobil“ für Druckluft- und Dampfbetrieb. (D. R. P. Nr. 88126.) Mit Abbildung. Flüssigkeitsheber „Automobil“ für Druckluft- und Dampfbetrieb. Zum Heben säurehaltiger Flüssigkeiten lassen sich im Allgemeinen die gewöhnlichen Saug- und Druckpumpen nicht verwenden, da die Säure die Metalle angreift und zersetzt. Man bedient sich zu diesen Zwecken vielfach säurebeständiger Strahlpumpen, Schleuder- und Dampfdruckluftpumpen mit Membranen (System Hausmann). Pumpen dieser Art sind jedoch nicht anwendbar, wenn die zu fördernden säurehaltigen Flüssigkeiten entweder heiss, oder unrein, oder mit festen Bestandtheilen vermischt sind. Für diese Fälle wendet man meistens mit Luft getriebene Druckfässer (Montejus) an, welche stets so aufgestellt werden, dass ihnen die Flüssigkeit zufliesst. Diese Druckfässer werden durch Bleimäntel oder Futter von Schmelz gegen die Einwirkung der Säure geschützt und alle bei den Pumpen verwendeten Steuerungstheile zu denselben liegen ausserhalb des Bereiches der Säure, so dass sie mit dieser nicht in Berührung kommen. Diese Pumpen haben nur den einen Nachtheil, dass sie beständig die Wartung eines Arbeiters erfordern, welcher bei jedem Hube die Steuerung umstellen muss. Es wird in Folge dessen die Bedienung theuer und verliert an Sicherheit, weil man stets von der Zuverlässigkeit des betreffenden Arbeiters abhängig ist. Durch Anwendung von mehreren, neben einander aufgestellten Druckfässern, welche paarweise zusammenarbeiten, ist es allerdings möglich, die Umsteuerung dadurch selbsthätig zu bewirken, dass man Schwimmer anbringt, welche in Folge ihrer auf- und abwärts gehenden Bewegung das Umstellen der Steuerung bewirken. Indessen schliesst die Anwendung dieser Bauweise den Nachtheil in sich, dass man Bolzen, Gelenke und Ventile in dem Säureraume unterbringen muss, wo sie leicht reparaturbedürftig werden. Auch muss man, um den Säureraum abzuschliessen, Stopfbüchsen anwenden, welche stark zu Undichtigkeiten hinneigen. Die erwähnten Nachtheile werden bei dem Automobil der Wilhelmshütte in Waldenburg, Schlesien (D. R. P. Nr. 88126), vermieden, welches in der Hauptsache aus zwei Druckfässern besteht, die wechselweise arbeiten und sich gegenseitig umsteuern. Die Umsteuerung geschieht jedoch nicht durch Schwimmer, sondern durch eine Membrane von Paragummi, welche beim Einlassen der Druckluft sich spannt und nach aussen wölbt, während beim Ablassen die Spannung nachlässt, womit gleichzeitig die Wölbung verschwindet. Mittels dieser Bewegung setzt die Membrane die Steuerung in Thätigkeit. Es liegen bei dieser Anordnung sämmtliche Steuerungstheile ausserhalb des Bereiches der Säure und nur die Druckfässer selbst, sowie die Rohrleitungen sind dem Angriffe der Säure ausgesetzt. Die Pumpe kann zwei bis vier Spiele in der Minute machen. Die Anzahl der Hübe wird durch ein Drosselventil geregelt, welches in die Druckluftleitung eingeschaltet ist. Wie die Abbildung erkennen lässt, besteht das Automobil aus den paarweise angeordneten Druckfässern n und n1, deren Steigrohre a und a1 in seitlichen Ansätzen mit den aus 12 mm starken Paragummiplatten gefertigten Membranen b und b1 versehen sind, die beim Füllen der Steigrohre, also beim Pumpen, durch den Druck der Flüssigkeitssäule ausgebaucht werden und beim Aufhören dieses Druckes, also gegen Ende des Pumpens, in die ursprüngliche Lage zurückgehen. An Stelle der Membran kann bei hohem Drucke auch ein Kolben oder eine Verbindung von Membran mit dahinter im Wasser gehenden Kolben benutzt werden. Die Bewegungen der Membrane werden mittels der Druckplatten s und s1 auf die Winkelhebel c und c1 derart übertragen, dass beim Herausdrücken der Membrane die am Ende der langen Hebelarme hängenden Gewichte g und g1 hochgehoben werden und die zur Umsteuerung erforderliche Kraft in sich aufspeichern. Sobald der Druck im Steigrohre abnimmt bezieh. aufhört, gehen die Membrane zurück und die Gewichte besorgen durch Vermittelung der Winkelhebel und der nachstehend beschriebenen Ausrückvorrichtung die Umsteuerung. An den Rippen der Druckplatten s und s1 sind die Fänger d und d1 befestigt, welche sich bei der Vorwärtsbewegung der Membrane, also bei der Aufwärtsbewegung der Gewichte g und g1, mit den am vorderen Ende befindlichen Greifern über die Wülste e der Schieber- bezieh. Ventilstange f schieben und durch Federn fest angedrückt werden. Findet die Umsteuerung statt, gehen also Membran und Fänger zurück, so erfolgt die Lösung der letzteren von der Schieber- bezieh. Ventilstange im richtigen Augenblicke dadurch, dass nach rückwärts überstehende Stellschrauben sich gegen das Membrangehäuse legen und die um ihre Drehpunkte beweglichen Fänger aus einander spreizen. Beim Pumpen ergibt sich hiernach folgender Vorgang: Das Druckfass n befindet sich unter Druck, es pumpt. Das Steigrohr a ist gefüllt, die Membran gespannt, das Gewicht g demnach gehoben, die Fänger d mit den Greifern über die Wulst e der Schieber- bezieh. Ventilstange f gedrückt. Der in dem Schieberkasten o befindliche Vertheilungsschieber steht so, dass die Druckluft durch den Kanal l in das Druckfass n gelangt. Zu gleicher Zeit füllt sich das Druckfass n1 selbsthätig durch ein in die Saugleitung eingebautes Gummiklappenventil, wobei die in demselben befindliche Luft durch den Kanal l1 in den Schieberkasten und aus diesem durch die Ausströmöffnung r ins Freie entweicht. Anstatt des Schiebers kann man natürlich auch Ventile verwenden und, was bei Säurepumpen zu empfehlen ist, die Einströmung der Druckluft und die Ausströmung der bei der Füllung der Fässer entweichenden Luft in getrennte Schieber- bezieh. Ventilkästen verlegen. Ist das Druckfass n entleert, so entweicht ein Theil der Druckluft durch das Steigrohr a. In demselben Augenblick lässt aber auch der auf der Membran b lastende Druck nach, das Gewicht g gewinnt Uebergewicht, die Membran b, der kurze Hebelarm und die Fänger d gehen zurück, wobei die letzteren die Schieberstange f und den Schieber bis zu dem Augenblicke, wo sie durch die Stellschrauben aus einander gespreizt werden, so weit herüberziehen, dass der Kanal l für die eintretende Druckluft geschlossen, der Kanal l dagegen geöffnet wird. Sofort beginnt das Druckfass n1 zu pumpen und der Vorgang wiederholt sich wie bei Fass n. Textabbildung Bd. 308, S. 79 Flüssigkeitsheber „Automobil“ für Druckluft- und Dampfbetrieb. Mit dieser Vorrichtung wird seit mehr als 2 Jahren eine saure und schlammige, heisse Flüssigkeit ununterbrochen ohne jede Störung gepumpt. Die Druckluft wird in einem Luftcompressor erzeugt, in einem zum Luftbehälter eingerichteten alten Dampfkessel gesammelt und von letzterem aus den Fässern zugeführt. Der Druck im Luftbehälter wird im Allgemeinen nicht über 2 at gehalten und durch ein dicht vor den Fässern in die Druckluftleitung eingeschaltetes Reducirventil so eingestellt, dass die Menge der gehobenen Flüssigkeit etwa 500 l in der Minute beträgt. Da die aus Gusseisen hergestellten, innen verbleiten Druckfässer je 250 l Inhalt haben, findet in jeder Minute gewöhnlich eine zweimalige Umsteuerung statt. Ist die mechanische Verunreinigung der Flüssigkeit nur schwach, so kann man ein Steigrohr fast ganz dadurch sparen, dass man die beiden, dann allerdings mit selbstthätig schliessenden Kugelventilen zu versehenden Steigrohre gleich nach dem Austritte aus den Druckfässern in ein gemeinsames Steigrohr münden lässt. Eine derartige Einrichtung dient zur Zeit auf der Friedrichshütte zum Pumpen von Zinkvitriollauge. Ausser bei chemischen Fabriken lässt sich das Locomobil auch in Gruben, wo Druckluft zur Verfügung steht, zum Sümpfen von einfallenden Strecken, zum Unterwerksbauen u.s.w. zweckmässig verwenden, besonders wenn es sich um schlammige und saure Grubenwässer handelt, auch wird dasselbe häufig mit den in neuerer Zeit aufgekommenen Mammuth- und Wellenpumpen in Verbindung gebracht, welche gleichfalls mit Druckluft arbeiten. Diese beiden letzteren PumpenVgl. 1896 300 * 2. bestehen bekanntlich aus einem glatten bezieh. gewellten Steigrohre, in welches von unten her Druckluft tritt, so dass die im Steigrohre befindliche Flüssigkeit durch die Vermischung mit Luft specifisch leichter wird und sich nach dem Gesetze der communicirenden Röhren höher stellt, als in dem das Steigrohr umgebenden Bohrloche oder Pumpenstumpfe. Naturgemäss muss aber das Steigrohr tief in die zu. pumpende Flüssigkeit eintauchen, und zwar soll diese Eintauchtiefe bei der Wellenpumpe 14 m für eine Förderhöhe von 22 m über dem Flüssigkeitsspiegel betragen und bei der Mammuthpumpe 36 m für 25 m Förderhöhe. Diese Tiefe ist in sehr vielen Fällen nicht möglich und daher ist die Verwendung von Pumpen dieser Art häufig ausgeschlossen. Auch stellen sich die Betriebskosten derselben weit höher als die des unter den gleichen Bedingungen arbeitenden Automobils, da dieselben viel stärkere Luftcompressoren für gleiche Leistung erfordern und der Nutzeffect weit niedriger ist. Messvorrichtungen. Theil- und Fühlwerke. Mit Abbildungen. Theil- und Fühlwerke. Die relative Löchertheilung. Werden die Coordinaten der Löchermittel am Werkstücke mittels Ritzstriche gezogen und die Schnittstellen derselben als der geometrische Ort für die Lochmittelpunkte mittels Schlagkörners festgelegt und die Löcher nach diesen gebohrt, so wird mit dieser Eintheilungsweise schwerlich eine genügend genaue Eintheilung zu erreichen sein. Werden aber die Coordinaten durch Körper ausgedrückt, deren genaue Dimensionen durch Endflächenmessung bequem zu bestimmen sind, und werden diese Zwischenmaasskörper zur Eintheilung herangezogen, so ist das Eintheilen der Löcher eine verhältnissmässig einfache Arbeit. Dieser unmittelbaren Eintheilung steht das Verfahren, bei welchem Schraubenspindeln oder Theilräder benutzt werden, wegen Abhängigkeit der Fehler etwas nach, ist aber billiger. In Folgendem sollen einige Eintheilungsverfahren kurz angedeutet werden. Herlin Smith's Eintheilungsverfahren. An die Planscheibe a (Fig. 1 bis 7) einer Drehbank wird ein Gleitstück b mit Nasenansatz c in einem Abstande k vom Spitzenmittel der Drehbank festgespannt. Dieser Abstand der Spitze d von der Gleitfläche b wird entweder durch Anschlag an einen Ring f (Fig. 4) von bekanntem äusseren Durchmesser bestimmt, welcher auf die Drehbankspitze aufgeschoben ist, oder es wird durch eine Mikrometerschraublehre der cylindrische Schenkel der Körnerspitze d und hierauf der Abstand x des Umfanges dieses Körnerkörpers von der Gleitfläche b gemessen, worauf durch einfache Rechnung der Abstand k zu bestimmen ist. In gleicher Weise ist der Seitenabstand der inneren Nasenfläche c vom Spitzenmittel zu ermitteln. Wird nun bei ausgehobener Körnerspitze das Werkstück g angeschlagen, so werden die Abstände k und c die Lage des Lochmittels, welches in die geometrische Spindelachse der Drehbank fällt, festlegen, worauf das Bohren des Loches mittels bekannter Mittel vorgenommen wird. Soll in gleicher Höhe, aber im Mittelabstande h, ein zweites gleiches oder abweichend grosses Loch gebohrt werden, so braucht man bloss zwischen Werkstück g und Anschlagnase c ein Passtück von der Weite h einzulegen. Textabbildung Bd. 308, S. 80 Herlin Simth's Eintheilungsverfahren. Das Gleiche wird mit dem zweiten Passtücke i (Fig. 3) bezweckt, sofern die drei Lochmittel den Abstand (h + i) erhalten sollen, wobei die Grösse der Lochbohrungen, wie in Fig. 6, gleichgültig bleibt. Wird aber, wie in Fig. 7, eine nach Höhe und Weite abweichende Lochmitteleintheilung verlangt, so sind mit Hilfe eines in das erste Hauptloch, z.B. l, eingeführten Passtiftes die Seitenabstände mittels Zwischenstücke, die Höhenabstände durch Lehrringe zu bestimmen. (American Machinist, 1894 Bd. 17 Nr. 35 * S. 7.) E. Way's Lochtheilwerk. Textabbildung Bd. 308, S. 80 Way's Lochtheilwerk. Bei der Herstellung von Massenartikeln, Bestandtheilen, wie Kettenglieder für Fahrräder, in welchen zwei gebohrte Löcher ihren genauen Abstand beibehalten sollen, hat sich ein Arbeitsverfahren bewährt, nach welchem die Bohrwerkzeuge in freier Lage, also in einer durch die Bohrspindel bedingten Richtung wirksam sind, im Gegensatze zu der früher geübten Weise, nach welcher die Lage der Bohrer durch Führungsbüchsen bestimmt wurde. Da nun die Vollendung des zweiten in genauer Theilung abständigen Loches eines Kettengliedes durch vier auf einander folgende Werkzeuge ermöglicht ist, welche in einer Maschine vereinigt sind, so wird bei Durchführung eines ununterbrochenen Arbeitsbetriebes eine Schaltung der Werkstücke v (Fig. 11 und 12) unter die in genauer Theilung abstehenden Werkzeuge erforderlich sein, welche eine Uebereinstimmung auf Bruchtheile von 1 : 100 mm voraussetzt. Damit dies durchführbar werde, müssen sämmtliche Werkzeuge, als: a) Vorbohrer 3 : 16 Zoll, b) Messerbohrer annähernd 7 : 16 Zoll, c) Genaubohrer gleich dem vorigen, genau 7 : 16 Zoll, und d) Ausreiber bezieh. Glattbohrer, welche gleichzeitig wirksam sind, in vier verschiedene auf einer Planscheibe gespannte Kettenglieder einsetzen, was selbstverständlich eine Schaltungsgrösse der Planscheibe voraussetzt, die absolut dem Abstande der Werkzeuge gleicht. Nachdem diese vier Bohrwerkzeuge aus den Werkstücken gehoben worden sind, erfolgt die Schaltung der die acht Werkstücke tragenden Planscheibe l in der Weise, dass ein neues Kettenglied unter dem Bohrer a, das bereits vorgebohrte unter dem Ausbohrwerkzeuge b u.s.w., immer eines dem anderen folgend, unter das entsprechende Bohrwerkzeug zu stehen kommt. Textabbildung Bd. 308, S. 81 Way's Lochtheilwerk. Um diese Arbeitsweise zu ermöglichen, ist eine besonders genaue Eintheilung der Spindellager a bis b zur Planscheibe l und deren Schaltwerk k erste Hauptbedingung. Wie dies durchgeführt wird, soll in Folgendem nach American Machinist, 1894 Bd. 17 Nr. 41 * S. 2, gezeigt werden. Im Lagerbock (Fig. 8 und 9) sind die Spindellager a, b, c und d im Kreise um einen mittleren Zapfen f derart gruppenweise angeordnet, dass die Bogentheilung ihrer Achsen einer Achteltheilung des Kreises entspricht, wobei die Lageraugen an drei ⊤-förmigen Fussrippen anschliessen, welche die Verbindung dieser Augen mit der Bodenplatte g herstellen. An dieser Platte ist ausserdem eine arm artige Erhöhung vorhanden, in welcher die Löcher h und i für den Schliesshakenbolzen k (Fig. 11) vorgesehen sind. Dieser Schliesshaken k setzt mit seinem Zahne in Randeinschnitte der Planscheibe l ein, welche um den Mittelzapfen f drehverstellbar ist, deren Lage aber durch den Zahn des Schliesshakens k festgesetzt wird. Der Anzahl der Randeinschnitte entsprechend, sind in der Planscheibe l die Löcher m und in demselben Kreise die der Kettengliedtheilung zukommenden Löcher n vorgesehen. Weil nun die beiden in der Bodenplatte g befindlichen Löcher h und t (Fig. 9) in gleichem radialen Abstande vom Achsenmittel f sich befinden, so wird ihre Bogentheilung h i genau verhältnissmässig zur Lochtheilung mn bezieh. zu den Halbmessern der beiden Kreise fh und fm sein. Damit nun für jede Achteldrehung der Planscheibe l die Uebereinstimmung des gebohrten Loches im Werkstücke mit dem darauf folgenden Bohrwerkzeuge aufs Genaueste gesichert bleibt, muss vorerst die Eintheilung der Spindellager a bis d und hiernach die Eintheilung der Randeinschnitte in der Planscheibe l entsprechend aufs Genaueste ausgeführt sein. Wird eine gegebene Anzahl (acht) genau calibrirter Ringe o um die abgedrehte Nabe einer Scheibe p (Fig. 15) anschliessend angebracht und in dieser Lage verschraubt, so ist eine Theilscheibe von grosser Genauigkeit gewonnen. Wird mit Hilfe eines Schiebers und durch diese Theilscheibe p eine Lehrscheibe q (Fig. 10) mit vier Löchern versehen und diese als Führungsplatte beim Ausbohren der Spindellöcher a, b, c und d verwendet, so wird mit dem Gelingen dieser Eintheilung auch die weitere Ausführung der Planscheibe l abhängen. Die Zahneinschnitte derselben werden auf einer Räderfräsemaschine hergestellt, ihre genaue Lückenform durch Lehrröllchen r (Fig. 18) geprüft, ihre Theilungsweite durch zwei auf einer Schiene s geschraubte Lehrröllchen r (Fig. 16) untersucht und verbessert, während die Tiefe der Zahneinschnitte, sowie ihre Flankenform durch die Lehren t oder u (Fig. 13 und 14) endgültig festgelegt werden. In diese Einschnitte wird nun der um den Zapfen h schwingende Schliesshaken k eingerückt, worauf mittels irgend einer vorher eingebauten Bohrspindel a bis d die Löcher n in die Planscheibe l eingebohrt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 81 Way's Löchereintheilvorrichtung. Wenn nun hierauf der Schliesshaken k in das zweite Loch i verlegt und dadurch eine relative Verdrehung der Planscheibe l gegenüber den Bohrwerken hervorgerufen wird, so kann die Eintheilung der Zapfenlöcher m bezieh. das Bohren derselben besorgt werden. Wenn nun das Werkstück v mit dem vorgebohrten Loche über den Zapfen m geschoben und durch zwei Seitenstifte w gehalten wird, so kann das zweite im Theilungsabstande ab = mn liegende Loch x des Kettengliedes gebohrt werden, worauf in den weiteren Schaltvorgängen die Fertigstellung nach der in der Einleitung angedeuteten Arbeitsweise erfolgt. Während des Arbeitsganges im Bohrbetriebe kann nun das fertige Kettenglied durch ein ungebohrtes ersetzt werden. Wie bereits erwähnt, setzen alle vier Bohrwerkzeuge gleichzeitig in vier verschiedene Kettenglieder ein, so dass es erst nach Hochstellung derselben die Drehverstellung der Planscheibe vorzunehmen geht. E. Way's Löchereintheilvorrichtung. Dieses an der Planscheibe einer Drehbank anzuordnende Theil werk besitzt nach American Machinist, 1894 Bd. 17 Nr. 48 * S. 2, die in Fig. 19 bis 21 dargestellten Einrichtungen. An die Planscheibe a wird eine um den Zapfen b schwingende, mit innenliegenden Führungsleisten für eine getheilte Schlittenmutter d versehene Wange c angeschlagen und mittels einer Bogenschlitzschraube f daran festgehalten. Nun wird die obere ebene Fläche der Wange c, auf der die gerade gehobelte Kante der Werkstückplatte angeschlagen wird, in zur Spindelachse der Drehbank fest bestimmte Abstände gebracht, indem die Bogenschlitzschraube f in gebohrte Löcher 1, 3, 5 und 7 eingebracht wird, die in einem zum Schwingungszapfen b centrischen Kreisbogen gleich abständig (z.B. je 1 Zoll entfernt) angeordnet liegen. Wenn nun die Schwingungsweite des Bogenschlitzes f im Lappen der Wange c dieser Lochweite entspricht, so sind alle Randabstände zwischen 1 und 7 einstellbar. In der Wange lagert ferner eine Mikrometerschraube g mit der, durch eine Theilscheibe h bethätigt, der Schlittenmutter d Einstellungen gegeben werden, die je nach der Gangsteigung der Spindel g und der Eintheilung der Trommel h sich entweder auf Zolltausendstel oder auf Achtelzolltheilung beziehen können. Z.B.: (1 : 8) . (1 : 125) = (1 : 1000) Zoll oder (1 : 10) . (1 : 80) = (1 : 800) Zoll oder (1 : 8) . (1 : 80) = (1 : 640) Zoll. Hieraus folgt, dass mit einer Gangzahl 8 bezieh. (1 : 8) Gangsteigung und (1 : 100) Trommeltheilung die Verschiebung des Schlittens mit (1 : 800) Zoll der vorausgeführten Bedingung am wenigsten entspricht. In diesen Schlitten d wird eine Platte i stehend gespannt, in welcher eine grössere Anzahl calibrirter Löcher vorgesehen sind, welche nach Wahl genau in die Spitzenlinie der Drehbank eingestellt werden können. Bemerkenswerth ist die Eintheilung der Planscheibenlöcher 1, 3, 5, 7, welche, wie bereits erwähnt, gleiche Abstände besitzen. Dies wird durch Anschlag der oberen Wangenfläche c an calibrirte Bolzen k erhalten, welche in die Spindel der Drehbank eingesetzt werden. Soll nun in eine Platte eine Lochreihe nach vorgeschriebener Theilung gebohrt werden, deren Durchmesser bestimmten Caliberbolzen entsprechen, die auch in Löcher der Platte i passen, so wird der folgende Arbeitsweg eingehalten. In die Werkplatte wird in gegebener Entfernung vom Rande das erste Loch gebohrt und die Bohrung ausgeschliffen. Hierauf wird die Wange c an den Rand der Werkplatte angeschlagen und die Wange durch die Schraube f festgelegt. Alsdann wird die Lochplatte i mit dem entsprechenden Loch genau vor das gebohrte erste Loch der Werkplatte eingestellt und in beide ein Caliberbolzen eingeführt, so dass die an die Planscheibe gespannte Werkplatte und die Lochplatte i verkuppelt werden. Wird nun diese letztere an die Schlittenmutter d festgeklemmt und die Lage der letzteren an der Scala und der Spindeltrommel abgelesen, die Werkplatte abgespannt und der Schlitten sammt Werkplatte durch die Mikrometerschraube der vorgeschriebenen Theilung entsprechend verlegt, die Schlittenmutter festgelegt und das Werkstück an die Planscheibe a gespannt, so kann das zweite und die weiteren Löcher gebohrt werden. Ed. F. Fancher's Centrirvorrichtung. Dieselbe besteht aus zwei mittelpunktrichtig stehenden Kreisscheiben a und b (Fig. 22 und 23), welche durch einen Hohlzapfen c mit Flügelmutter festgespannt werden können. Jede derselben enthält drei excentrische, im Scheibenrand auslaufende Bogenschütze d, welche, gegensätzlich gestellt, sich kreuzen. Nun ist durch den Kreuzungspunkt je ein Bolzen f mit Kopf und Scheibe durchgesteckt, welcher bei einer relativen Verdrehung der Scheiben von aussen nach innen und umgekehrt wandert. Wenn nun die beiden Scheiben mittels ihrer Griffe g verdreht und dabei mit den drei Zapfenköpfen der cylindrische Umfang des zu centrirenden Werkstückes gefasst, so wird die an die Stirnfläche des Werkstückes angestellte Scheibe das Anbohren des Mittelpunktes gestatten. (American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 25 * S. 474.) Textabbildung Bd. 308, S. 82 Fancher's Centrirvorrichtung. Fühlhebelinstrumente. Abweichungen von der genauen geometrischen Form eines Werkstückes werden durch Tastwerke nachgewiesen, in denen grosse Uebersetzungen von Hebeln oder Zahnräderwerken zur Anwendung kommen. Textabbildung Bd. 308, S. 82 Bath's Fühlhebelinstrument. J. Bath's Fühlhebelinstrument. In einem Blechkasten a (Fig. 24 bis 27), welcher mittels einer Klemmbüchse b an einem Halter c in gewünschter Lage befestigt werden kann, sind drei Winkelhebel d, f, und g untergebracht. Am ersten Hebel d wird der Fühlknopf h in zwei Lagen angebracht, während der dritte Hebel g als Zeiger an einem Gradbogen i spielt, welcher Abweichungen von 7 bezieh. 14 Tausendstel eines Zolls beherrscht, je nachdem der Fühlerknopf h in das untere oder das obere Loch des Hebels d eingesetzt wird. Die Gesammtübersetzung im Hebelwerke beträgt annähernd (1000 : 12) = (83 : 1). Textabbildung Bd. 308, S. 83 Gribben's Fühler. In Fig. 27 ist die Anwendung der Vorrichtung bei der Untersuchung eines cylindrischen Werkstückes in einer Drehbank gezeigt, wobei das Fühlwerk im Stahlhalter eingespannt und mittels Schlittenverschiebung längs der cylindrischen Stange geleitet wird. (American Mach., 1895 Bd. 18 S. * 624.) W. Gribben's Fühler. Dieses Fühlinstrument ist nach Art der Uhrmachermikrometer ausgestaltet, indem an einer 100-Theilscheibe a (Fig. 28 bis 32) ein Zeiger spielt, an deren Welle ein 12zähniger Trieb b mit zwei Zahnbogen c, welche 72zähnigen Rädern zukommen, im Eingriffe steht. An der unteren Zahnbogenwelle ist eine Rückstelltorsionsfeder angebracht, während an der oberen Zahnbogenspindel ein 12zähniger Trieb d vorgesehen ist, in welchen eine kurze Zahnstange f mit 1,25 mm Theilung eingreift, die durch den Fühlerstift g zurückgestellt wird. Dieser ist in einem Ansatzstücke h passend geführt, welches als Halter dient. (American Mach., 1895 Bd. 18 * S. 647.) In Fig. 31 und 32 ist die Anwendungsart dieses Fühlapparates gezeigt. Faserstoffe. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Von H. Glafey, Regierungsrath, in Berlin. (Fortsetzung des Berichtes S. 65 d. Bd.) Mit Abbildungen. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Während alle vorstehend erläuterten Bürstmaschinen für Garnsträhne umlaufende Bürsten besitzen, sind die nachstehend aufgeführten Maschinen mit Flachbürsten ausgestattet, die entweder nur in den Garnsträhn einschlagen, während derselbe umläuft oder gleichzeitig auch eine mehr oder weniger grosse Bewegung in Richtung des Garnes ausführen. Eine Maschine der erstgenannten Art ist in Fig. 35 dargestellt. Dieselbe ist eine Erfindung von William Fothergill in Radcliffe und wird von der bekannten Firma Robert Hall and Sons, Hope Faundry, Bury, ausgeführt. Textabbildung Bd. 308, S. 83 Fig. 35. Bürstmaschine mit Flachbürsten von Fothergill und Hall and Sons. Die zu behandelnden Garnsträhne werden über zwei lothrecht über einander angeordnete Cylinder a und b geschoben, welche auf zwei aus dem Gestell c der Maschine hervorragenden Achsen befestigt sind. Die obere den Cylinder a tragende Achse empfängt mit Hilfe des auf der stehenden Welle f sitzenden Schraubenrades f1 eine beständige Drehbewegung und es ist zu diesem Zweck die Welle f an ihrem Fussende mit einem Kegelrad ausgestattet, das mit einem zweiten Kegelrad zusammen arbeitet, welches auf einer kurzen Welle sich befindet, die von der Antrieb welle d aus in Umdrehung versetzt wird. Der den unteren Cylinder b lose tragende Zapfen sitzt in einem Schuh b1, welcher auf einem um den am Gestell der Maschine befestigten Bolzen b4 drehbar gelagerten Hebel b3 angeordnet ist, der mit einem in gleicher Weise angeordneten Hebel durch ein Gelenk in Verbindung steht. Dieser Hebel trägt an seinem freien Ende eine Führungsrolle, gegen welche die auf einer Welle sitzende unrunde Scheibe einwirkt und hierdurch in gewissen regelmässigen Zwischenräumen den Hebel, der mit dem Lenker in gleicher Weise angeordnet ist, also auch den Hebel b3 mit der Rolle b anhebt, damit derselbe durch sein eigenes Gewicht wieder so weit nach abwärts fallen kann, wie es die ihn tragende der Länge der Garnsträhne entsprechend eingestellte Kette r gestattet, und hierdurch die Garnsträhne reckt und schlägt. Die Welle empfängt ihren Antrieb von der Welle aus mittels Zwischenwelle und Wechselräder. Textabbildung Bd. 308, S. 84 Maschine, um Garne nach Belieben zu trocknen, von Fischer. Das Bürsten der Garnsträhne erfolgt durch die beiden auf den Hebelarmen l angebrachten Bürsten kk1 dadurch, dass diese Bürsten, ohne das Garn zu berühren, nach oben steigen, dann von beiden Seiten in die Garnsträhne einschlagen und sich nach abwärts bewegen, um sich wieder zu öffnen. Die freien Enden der Hebel l sind zu diesem Zweck mit Kurbeln n in Verbindung gebracht, welche auf den bereits erwähnten Wellen jj1 sitzen, während sie oberhalb dieser Kurbeln unter den Bürsten k durch geeignete Lenker mit dem Gestell und unter sich derart verbunden sind, dass sie bei einer Drehung der Kurbeln n die oben angegebene Bewegung ausführen. Behufs Aufziehens der Garnsträhne auf die beiden Cylinder a und b und Abnehmens von denselben ist ein Hebel durch einen Lenker mit dem Handhebel g verbunden, mit Hilfe dessen es möglich ist, den Hebel, also auch die untere Spannrolle b anzuheben. Eine Maschine, welche ermöglicht, Garne nach Belieben zu trocknen und zu spannen, und drittens auch gleichzeitig zu bürsten, ist in den Fig. 36 und 37 zur Darstellung gebracht. Die Maschine ist eine Erfindung von N. E. Emil Fischer in Oskau, Mähren, und besitzt folgende Einrichtung. In einer Buchse b des Gestelles a sitzt drehbar der Zapfen zweier heizbarer Cylinder c, die durch ein Schneckenradgetriebe h in Drehung versetzt werden. Oberhalb der genannten Cylinder ist eine zweite die Streckcylinder d tragende Buchse f angeordnet, die mittels einer Stellschraube e in einer Prismenführung gehoben und gesenkt werden kann. Sollen die Garne nur getrocknet werden, so werden dieselben über die in Umlauf gesetzten heizbaren Cylinder c gehängt. Soll bei Durchführung des Trockenprocesses auch ein Spannen des Garnes stattfinden, so wird dasselbe über die Cylinder c und nach Bedarf mit Filz überzogenen Spann walzen d gehängt und durch die letzteren in der erforderlichen Weise gereckt. Macht sich neben dem Spannen und Strecken noch ein Bürsten erforderlich, so werden auch die Bürsten w zur Wirkung gebracht. Dieselben sitzen auf Schienen t, die an Lenkern hängen und sich mit Nasen u auf die unrunden Scheiben q stützen, sowie gleichzeitig gegen die Daumenscheiben r anliegen. Führt die die beiden letzteren tragende Welle eine Drehbewegung aus, so werden die Bürsten durch q gehoben und gesenkt und durch r gleichzeitig in der Richtung senkrecht zum Strähn derart bewegt, dass sie sich beim Aufgang ausserhalb des Strähnes, beim Abwärtsgang dagegen in demselben befinden, ihn also bürsten. Die in Fig. 38 wiedergegebene Garnbürstmaschine von H. W. Knemeyer in Herford (D. R. P. Nr. 77624) ist dazu bestimmt, die Stärke in den geschlichteten Garnen gleichmassig zu vertheilen, sowie die zusammenhaftenden Fäden zu trennen und zu glätten. Die Bürsten werden von Excentern zwangläufig bewegt, können also mit grosser Geschwindigkeit sicher arbeiten und treten in Folge ihrer kreisbogenförmig schwingenden Bewegung in das Garn ein, durchbürsten dasselbe eine kurze Strecke und ziehen sich wieder zurück. Dieser Vorgang wiederholt sich etwa 250- bis 300mal in der Minute. Textabbildung Bd. 308, S. 84 Fig. 38. Garnbürstmaschine von Knemeyer. Beim Aufbringen des vorher gestärkten Garnes auf die Maschine legt man dasselbe um die im Maschinengestell gelagerte, langsam in Umdrehung versetzte Walze a einer- und um die am Ende des Hebels d gelagerte Spannwalze b andererseits und tritt mit dem Fuss auf den Hebel c, wodurch die Spannwalze b in die in der Zeichnung rechts dargestellte Lage gehoben und das Garn in Folge dessen gespannt wird, indem dieser Hebel durch die Gelenke g mit dem hinteren Ende des Spannwalzenhebels verbunden ist und dieses Ende herabzieht. Dabei wird zugleich die ebenfalls am vorderen Ende eines hinten mit den Gelenken g verbundenen zweiten Hebels i gelagerte Druckwalze e gegen die Walze a gehoben und drückt gegen das um diese laufende Garn, indem sie dabei vertheilend und ausgleichend auf die im Garn befindliche Stärke wirkt. Auf das durch die Drehbewegung der Walze a in der Richtung des Pfeiles mitgenommene Garn wirkt in der bereits angedeuteten neuartigen Weise die Bürste f, welche zu diesem Zweck an je einem die Excenter k der Welle o umgebenden Bügel l befestigt ist, dessen Stange m in beweglichen Führungen n gleitbar ruht. Indem die Welle und ihre Excenter sich in der Richtung des Pfeiles 2 drehen, erhalten die Excenterbügel und damit auch die an diesen befestigte Bürste f eine kreisförmig schwingende Bewegung entgegen der Bewegungsrichtung des um die Walzen a und b laufenden Garnes. Die Bürste wird dadurch abwechselnd dem Garn genähert, um mit kurzem Zuge durch dasselbe streichen zu können, und dann wieder zurückgezogen. Textabbildung Bd. 308, S. 85 Fig. 39. Klopf- und Bürstvorrichtung von Cohnen. Bernh. Cohnen in Grevenbroich hat im D. R. P. Nr. 84851 eine Klopf- und Bürstvorrichtung für Strähngarn-Schlicht- und Lösemaschinen in Vorschlag gebracht, welche sich dadurch auszeichnet, dass das Garn, sobald es durch eine unter Vermittelung eines mehrarmigen Hebels und eines federnden Gestänges absatzweise angehobene Walze straff gespannt ist, durch eine Bürste, welche unmittelbar vor dem jedesmaligen Anspannen des Garnes in dasselbe eingreift, geglättet wird. Die Walzen aa1 (Fig. 39) dienen zur Aufnahme des aus dem Schlichttroge kommenden und ausgerungenen Garnes; zufolge langsamer Drehbewegung der Walze a1 erhält letzteres eine massig rasche Bewegung. Die obere Walze a sitzt drehbar in einem Arme des mehrarmigen Hebels bbb, dessen Drehzapfen bei g liegt. Durch den unteren Schenkel des Hebels bbb geht eine Zugstange c hindurch, die an einem von einer Kurbel f bewegten Gleitstücke d anfasst. Hinter dem unteren Hebelarme sitzt auf der Zugstange c eine starke Spiralfeder oder ein Gummibuffer. Die Einrichtung ist nun so getroffen, dass zufolge Wirkung der Kurbel und der Federung die Walze a höher hinauf zu bewegen gesucht wird, als das Garn zulässt; das so herbeigeführte beständige Anprallen der Walze gegen das Garn wirkt lösend auf dasselbe. Spiralfeder oder Gummibuffer dienen dabei als nachgiebige Glieder und sorgen, dass kleine Längenunterschiede der behandelten Garnsträhne ohne Schaden vorkommen können. Die Garnsträhne sind bekanntlich niemals gleich lang. Hinzu tritt, dass die Nummern der Fäden auf einer Spinnmaschine selten gleich sind. Auf einer Maschine, die z.B. Nr. 20er spinnen soll, kommen auch Nr. 19er und Nr. 21er Garne vor. Wenn nun die Drehung für Nr. 20er eingerichtet ist, würde der Nr. 19er-Faden zu stark, der Nr. 21er-Faden zu wenig gedreht sein. Weiter ist zu beachten, dass das festgedrehte Garn beim Durchgange durch die Schlichte sich mehr zusammenzieht als das loser gedrehte. Aus alledem ergeben sich Unregelmässigkeiten in der Verarbeitung der Garnsträhne. Die Walze a würde z.B. um etwa 50 mm höher gehen, als das Garn, wenn aufgelegt, zulassen würde. Ob nun kürzeres oder längeres Garn aufgelegt wird, immer steht dieses unter geeigneter Spannung, so dass sich die Spiralfeder oder der Gummibuffer dann entsprechend mehr oder weniger zusammenzieht und es gleichgültig ist, ob dieser Mehrzug 25, 30, 40 oder 50 mm beträgt. Nur dadurch, dass überhaupt die Möglichkeit eines grösseren Zuges geboten ist, lässt sich ein sicheres Klopfen erreichen, ohne einmal das Garn zu zerreissen, das andere Mal zu wenig zu bearbeiten. Das geklopfte Garn wird nun gleichzeitig noch geglättet und zwar immer dann, wenn die Garnsträhne sich in gespanntem Zustande befinden. Bisher legte man das Garn nach vollendetem Klopfen auf besondere Bürstmaschinen, oder man liess nach Stillstehen der Klopfvorrichtung die vorher unthätige Bürste arbeiten. Das erstere bedeutet eine Verschwendung vieler Zeit und Arbeit, das letztere eine unnöthige Herabziehung der Leistungsfähigkeit der Maschine um fast die Hälfte, wenn nicht der Arbeiter, um mehr zu schaffen, überhaupt nicht bürstet. Diesen Misständen wird dadurch vorgebeugt, dass eine durch eine Kurbelachse und bezieh. Schleifenführung in einer ellipsenähnlichen Curve bewegte Bürste, die allmählich in den losen Strähn eindringt, das Garn immer erst in dem Augenblicke angreift, wenn die Walze a ihre höchste Stellung einnimmt, das Garn also straff ist. Anderenfalls, wenn also die Bürste auf das locker hängende Garn einwirkte, würde die Zerstörung desselben die unausbleibliche Folge sein. Das Bürsten selbst nimmt also keine Minute Zeit für sich in Anspruch, und eine Ursache für den Arbeiter, es überhaupt ganz zu unterlassen, besteht nicht. Die Leistungsfähigkeit der Maschine ist also eine hohe. (Schluss folgt.) Elektrotechnik. Glühlampen mit lösbarem Sockel. Mit Abbildungen. Glühlampen mit lösbarem Sockel. Die Beleuchtung mit elektrischen Glühlampen besitzt neben unleugbaren Vorzügen leider den sehr grossen Nachtheil der Kostspieligkeit. Es ist hier nicht der Ort, die Umstände zu ermitteln, welche diese hohen Kosten verursachen, jedenfalls besteht die Thatsache, dass bei den jetzigen Strompreisen und dem üblichen Kraftverbrauche von 3 bis 3,5 Watt für die Normalkerze die Beleuchtung beispielsweise im Vergleiche zum Gasglühlicht zu theuer wird. Es ist deshalb fast selbstverständlich, dass man neuerdings Lampen mit geringerem Kraftverbrauche immer mehr bevorzugt. Leider haben nun aber diese Lampen eine weit geringere Lebensdauer, als solche mit hohem Kraftverbrauche. So sollen die Glühlampen der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft bei einem Kraftverbrauche von 3,6 Watt für die Normalkerze eine Lebensdauer von durchschnittlich 1200 Stunden besitzen, während Lampen für 3,1 Watt nur 800 Stunden und Lampen für 2,6 Watt nur 350 bis 400 Stunden benutzt werden können. Je geringer also der Kraftverbrauch, um so geringer ist auch die Lebensdauer, d.h. den Ersparnissen an Kraftverbrauch stehen die Mehrausgaben für Lampenersatz gegenüber. Es wäre deshalb von ausserordentlichem Vortheile, wenn sich die Kosten des Lampenersatzes verringern liessen. Einer der werthvollsten Bestandtheile der Glühlampe ist nun der metallene Sockel, der das Einsetzen der Lampe in die Passung unter gleichzeitiger Herstellung der stromleitenden Verbindungen gestattet. Man hat deshalb auf verschiedene Weise versucht, den Sockel billiger herzustellen oder ihn so einzurichten, dass er nach Unbrauchbarwerden der Lampe wieder mit einer neuen Lampe benutzt werden kann, d.h. ihn mit der Glasbirne leicht lösbar zu verbinden. Man erreicht dabei noch den Vortheil, dass die Fabriken die fertigen Glühlampen ohne Sockel auf Lager halten und sie erst bei der Lieferung mit einem Sockel des vom Besteller gewünschten Fassungssystems versehen können. Ferner lässt sich bei derartigen Sockeln vielfach die gegen Feuchtigkeit so sehr empfindliche Gypskittung völlig vermeiden. In Nachstehendem sollen die hauptsächlichsten der bekannt gewordenen Ausführungen derartiger Sockelbefestigungen beschrieben werden. Zweckmässig unterscheidet man Befestigungen, bei denen nur ein Theil des Sockels lösbar ist, und Befestigungen, die eine Lösung des ganzen Sockels gestatten. Bei der ersteren Befestigungsart wird das Kitten mit Gyps o. dgl. nicht immer, bei der zweiten stets vermieden. Die Sockelbefestigungen der ersten Gruppe sind zum Theile schon recht alt. So schlug im J. 1888 StewartAmerikanisches Patent Nr. 420706. vor, den durch das Fassungssystem seiner Form nach vorgeschriebenen Theil des Sockels auswechselbar zu machen. Er befestigt an der Glasbirne in der üblichen Weise durch Kitten eine Hülse a (Fig. 1), an deren Boden zwei Schrauben b mit flachen Köpfen angebracht sind. Der je nach dem Fassungssystem mit Edison-Gewinde, Bajonnetstiften u.s.w. versehene Theil d wird durch Einsetzen der Schrauben b in die Löcher c und Verdrehen der Theile a und d gegen einander, wie leicht zu ersehen, an der Lampe befestigt. Textabbildung Bd. 308, S. 86 Fig. 1. Textabbildung Bd. 308, S. 86 Fig. 2. Später änderte Stewart die Befestigung in der Weise abAmerikanisches Patent Nr. 421630. , dass er den Theil a (Fig. 2) seines Sockels mit einer kleinen Mutter f versah, in welche eine am Theil d befestigte Schraube e eingeführt werden kann. Textabbildung Bd. 308, S. 86 Fig. 3. Aehnlich ist die Sockelbefestigung von Stearn und Topham.Schweizerisches Patent Nr. 5668. Hier wird auf der Birne ein Gewindering a (Fig. 3) angebracht, auf den der Sockel d mittels einer Gewindehülse b aufgeschraubt wird. Es lässt sich jedoch aus der Patentschrift nicht mit Sicherheit ersehen, ob der Gewindering a aufgekittet ist oder mit der Glasbirne aus einem Stücke besteht. Wahrscheinlich trifft das erstere zu. Criggal, Berkley und WilliamsonD. P. R. Nr. 63228. rüsten ihre Glühlampen mit einem fest aufgekitteten Gewindesockel a (Fig. 4) aus. Der auswechselbare Sockeltheil d erhält eine Drahtschraube b, mittels deren er mit der Lampe verbunden werden kann. Bei den bisher beschriebenen Befestigungen wird sich eine wesentliche Verbilligung der Glühlampe nicht erzielen lassen, da immer noch ein sehr bedeutender Theil des Sockels mit der Birne unlösbar verbunden ist und mit ihr verloren geht. Textabbildung Bd. 308, S. 86 Fig. 4. Man versuchte deshalb, den an der Birne befestigten Sockeltheil so weit wie möglich zu verkleinern und zu vereinfachen. So benutzen die Edison und Swan United Electric Light Co. und GiminghamEnglisches Patent Nr. 24166/1895. bei ihrer Sockelbefestigung einen kleinen auf die Birne gekitteten Ring b (Fig. 5). Der Ring ist mit einem gewölbten Boden versehen und hat einen bis über die Mitte des Bodens hinausreichenden Schlitz, durch den der Fuss a der Glasbirne hindurchtritt. Der Fuss ist über dem Ringboden verdickt – etwa wie in Fig. 10 dargestellt –, so dass der Ring von der Seite (in Fig. 5 von links) aufgeschoben werden muss. Ein Herausfallen der Birne aus dem Ringe bei Lösung des Kittes wird so verhindert. Der Fuss a ist abgeflacht, damit sich der Ring nicht drehen lässt. Der eigentliche Sockel c mit der die Contacte e tragenden Platte d wird über den Ring geschoben und mit ihm verlöthet. Bei einer später zu besprechenden Ausführungsform dieser Befestigung tritt an Stelle der Löthung ein Bajonnetverschluss, der sich natürlich auch hier verwenden liesse. Auch SwanAmerikanisches Patent Nr. 570517. befestigt nur einen kleinen Ring a dauernd an der Birne. Der Ring wird in eine Einschnürung der Glasbirne eingekittet. Die Verbindung zwischen dem Ringe und dem Sockel erfolgt hier durch kleine Schrauben c, die von aussen durch die Sockelhülse in den Ring eingeschraubt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 86 Fig. 5. Textabbildung Bd. 308, S. 86 Fig. 6. Textabbildung Bd. 308, S. 86 Fig. 7. ReicheltD. R. G. M. Nr. 70575. verwendet statt eines Ringes nur noch ein kleines Plättchen oder eine Kapsel a (Fig. 7), die auf einem Vorsprunge der Glasbirne befestigt ist. Die Sockelhülse hat zwei Eindrücke b, mittels deren der Sockel in die Nuthen c und d der Birne eingeführt und bajonnetartig befestigt wird. Durch eine Oeffnung der Sockelhülse wird letztere mittels eines Tropfen Lothes an der Kapsel a befestigt. Die Löthung hat nur eine Verdrehung des Sockels zu verhindern, während die in der Nuth d liegenden Eindrücke b den Sockel gegen das Abziehen sichern. Reichelt gibt noch einige andere Sockelbefestigungen an, die weiter unten besprochen werden sollen. Goossens, Pope und Co.D. R. P. Nr. 83240. vermeiden die Verwendung von Kitt o. dgl. vollständig. Sie setzen gleichzeitig mit dem Einschmelzen der Platindrähte auf den unteren Theil der Glasbirne einen Metallring a (Fig. 8) und klemmen ihn durch Ausblasen des unteren Birnentheiles fest. Der Ring hat ⌝-förmigen Querschnitt und besitzt in dem nach unten gerichteten Theile eine bogenförmige Aussparung b, in welcher eine Ausbauchung der Birne liegt, so dass der Ring gegen Drehung gesichert ist. Im wagerechten Theile des Ringes sind zwei einander gegenüber liegende Aussparungen c und zwei keilförmige Aufbiegungen d angebracht. Im Sockel werden am oberen Ende zwei Eindrücke e und zwischen diesen eine Oeffnung f angebracht. Der Sockel wird nun so aufgesetzt, dass die Eindrücke e durch die Aussparungen c treten. Dann wird er in der Pfeilrichtung gedreht, bis die Eindrücke e durch die keilförmigen Aufbiegungen d festgeklemmt werden. Schliesslich wird durch die Oeffnung f der Sockelhülse der Sockel mit dem Ringe und dem einen Leitungsdrahte verlöthet. Textabbildung Bd. 308, S. 87 Fig. 8. In ähnlicher Weise befestigt RobertsonEnglisches Patent Nr. 1237/1896. den Ring a (Fig. 9) an der Birne. Der Ring hat zwei Aussparungen b, in welche das noch weiche Glas des Birnenfusses hineingeblasen oder -gepresst wird, so dass der Ring unverrückbar festgehalten wird. Die Sockelhülse hat zwei einander gegenüber liegende Schlitze d, die über zwei am Ringe befestigte Stifte c geschoben werden. Die Schlitze können auch schräg gerichtet sein, so dass beim Aufsetzen der Hülse der Ring noch fester gegen den Birnenfuss gezogen wird. Die Verbindung zwischen Ring und Sockel erfolgt durch Löthung bei c. Wie man sieht, lassen sich nach den beschriebenen Verfahren recht gute Sockelbefestigungen herstellen, die trotz ihrer Festigkeit leicht durch Aufheben einer kleinen Löthstelle gelöst werden können. Der mit der Birne fest verbundene Metalltheil kann auf ein so geringes Maass beschränkt werden, dass der Materialverlust verschwindend klein wird. Jedoch lässt sich selbst dieser kleine Verlust vermeiden. Textabbildung Bd. 308, S. 87 Fig. 9. Bei einigen der beschriebenen Befestigungen erscheint es ausserordentlich nahe liegend, den Metalltheil ohne Verkittung und ohne Verblasen des Birnenfusses ganz lose auf die Birne aufzulegen, da er ja durch die übergeschobene Sockelhülse von selbst festgehalten wird. Geschieht dies, so erhält man Sockelbefestigungen der zweiten Gruppe, bei der alle Metalltheile des Sockels sich leicht von der Birne ablösen lassen. In der That haben nun auch verschiedene der aufgeführten Erfinder diesen Schritt gethan. So führen die Edison und Swan United Electric Light Co. und Gimingham ihre in Fig. 5 dargestellte Befestigung auch in der Weise ausEnglisches Patent Nr. 24166/1895. , dass sie den Ring b1 nicht auf kitten, sondern ihn lose auf die Birne aufschieben. Der Ring erhält dann zwei Bajonnetschlitze a (Fig. 10) und die Sockelhülse zwei entsprechende Eindrücke. Beim Befestigen der Sockelhülse stützt diese sich mit ihrem unteren Rande auf die Wölbung b, so dass beim Eindrehen der Eindrücke in den Bajonnetschlitz der Ring mit seinem gewölbten Boden gegen die Verstärkung des Birnenfusses gepresst wird. Textabbildung Bd. 308, S. 87 Fig. 10. Auch ReicheltD. R. G. M. Nr. 70575. ändert die in Fig. 7 dargestellte Sockelbefestigung dahin ab, dass die Kapsel a lose auf den Vorsprung der Birne gelegt wird. Eine andere Ausführungsform zeigt Fig. 11. Der Birnenfuss hat hiev zwei einander gegenüber liegende Erhöhungen oder Warzen a, auf welche kleine Metallkäppchen b gelegt werden. Die Verbindung zwischen den Käppchen und dem Sockel geschieht durch Einführen eines Lothtropfens in die Oeffnung c der Sockelhülse. Statt der Erhöhungen lassen sich auch Vertiefungen anbringen, in welche dann die Käppchen umgekehrt mit der Oeffnung nach aussen eingelegt werden. Hierbei ist es nicht nöthig, dass die Käppchen aus Metall bestehen. Sie werden beispielsweise aus Porzellan gefertigt. Der durch die Oeffnung c eingeführte Lothtropfen füllt dann das Käppchen aus und hält so den Sockel fest. Statt der Käppchen kann man in die Vertiefungen kleine Schraubenmuttern einlegen und den Sockel durch – ähnlich wie in Fig. 6 – von aussen eingeführte Schräubchen befestigen. Textabbildung Bd. 308, S. 87 Fig. 11. Schliesslich könnten die Warzen a zu Bajonnetzapfen ausgebildet und die Sockelhülse mit einem Bajonnetschlitz versehen werden. RobertsonEnglisches Patent Nr. 1237/1896. , dessen Sockelbefestigung in Fig. 9 dargestellt wurde, schlägt noch einige andere Ausführungen vor, bei denen ebenfalls sämmtliche Sockeltheile lösbar sind. So zeigt Fig. 12 eine Glasbirne, deren Fuss zwei einander gegenüber liegende Eindrücke a besitzt. In diese Eindrücke greifen die Ansätze c des federnden Ringes b. Die Sockelhülse wird an diesem Ringe in bekannter Weise befestigt. Die Einrichtung lässt sich umkehren, d.h. man gibt der Birne Erhöhungen und versieht den Ring mit Aussparungen. Textabbildung Bd. 308, S. 87 Fig. 12. Robertson führt ferner die Befestigung in der Weise aus, dass er, wie aus Fig. 13 zu ersehen, die Birne wieder mit Vertiefungen a versieht, aber den Sockel ohne einen Ring o. dgl. aufsetzt. Ein durch die Löcher b eingeführter Lothtropfen c hält wieder den Sockel fest. Damit das Loth am Glase haftet, werden die Vertiefungen mit einem eingebrannten Metallbelag versehen. Bei Verwendung eines solchen Belages können die Vertiefungen selbst ganz wegfallen. Die Sockelhülse wird dann unmittelbar an den cylindrischen Birnenfuss angelöthet. Der Metallbelag braucht natürlich nur unter den Löchern der Sockelhülse angebracht zu werden. Schliesslich kann man an Stelle des Lothes Stifte von aussen in die Vertiefungen einführen. Falls statt der Vertiefungen Erhöhungen angebracht sind, bedient man sich zur Befestigung des Sockels kleiner Rohrstückchen, die ebenfalls durch die Oeffnungen c eingeführt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 13. FowlerAmerikanisches Patent Nr. 579227. versieht die Glasbirne mit einem Wulst und legt um den Fuss der Birne einen offenen Blechring a Fig. 13. (Fig. 14 und 15), dessen unterer Rand um den Wulst fasst. Der Zwischenraum zwischen dem Ringe und dem Birnenfusse wird mit irgend einer Zwischenlage c ausgefüllt und der Sockel b in bekannter Weise befestigt. Bei einer anderen Ausführungsform wird nur ein schmaler Ring von C-förmigem Profil um den Wulst gelegt. PrentissLumière électrique, Bd. 48 S. 317. bringt auf dem Halse der Birne ein Gewinde an und schraubt hierauf einen Metallring a (Fig. 16). Der Sockel b wird auf den cylindrischen Hals aufgeschoben und durch einen übergeschraubten Ring c in der aus der Figur ersichtlichen Weise mit der Birne verbunden. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 14. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 15. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 16. Die Edison und Swan United Electric Light Co. hat ausser den bereits in Fig. 5 und 10 dargestellten Sockelbefestigungen zusammen mit WoodleyEnglisches Patent Nr. 20047/1895. noch die in Fig. 17 und 18 dargestellte Befestigung construirt. Der Fuss d der Birne ist ähnlich geformt wie der in Fig. 5 und 10. Statt eines Ringes wird eine Platte a mit einem radialen Schlitz c von der Seite aufgeschoben. Nach dem Aufsetzen des Sockels werden die Schrauben b eingeschraubt und dadurch die Platte a gegen die Verdickung des Birnenfusses gepresst. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 17. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 18. ScharfD. R. P. Nr. 95584. legt um den cylindrischen Hals der Glasbirne einen Ring t (Fig. 19) aus Gummi. Die Sockelhülse u ist am oberen Rande zu kleinen Federn u1 aufgeschlitzt. Nachdem sie über den Gummiring geschoben ist, wird eine Art Schnalle, deren Form sich aus Fig. 20 ersehen lässt, umgelegt. Die Schnalle besteht aus drei lose zusammengesetzten Theilen x, y und z. Der Ring z hat an seinen Enden kleine Umbiegungen z1 und z2, in welche die Theile x und y eingesetzt bezieh. eingehakt werden. Das andere Ende des Zugstückes y ist ebenfalls umgebogen und greift in der aus den Figuren ersichtlichen Weise auf den Schliesshebel x. Dieser besitzt eine Verlängerung x1, die sich beim Schliessen der Schnalle zwischen die Ausbiegungen z3 des Ringes z legt. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 19. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 20. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 21. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 22. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 23. Textabbildung Bd. 308, S. 88 Fig. 24. Die Constantia Incandescent Lamp Manfactory in VenlooD. R. P. Nr. 96171. benutzt eine von den bisher beschriebenen wesentlich abweichende Sockelbefestigung. Sie verwendet einen federnden Bügel e (Fig. 21 bis 24) mit zwei ausgebogenen Lappen f und drei Einbiegungen h. Die Enden g des Bügels sind nach auswärts gebogen. Der Birnenfuss erhält drei den Einbiegungen h des Bügels entsprechende Eindrücke. Die Sockelhülse c wird an gegenüber liegenden Seiten mit zwei zur Aufnahme der Lappen f dienenden Löchern f1 und einem die Enden g des Bügels aufnehmenden Loch g1 versehen. Von letzterem geht ein Schlitz bis zum Rande der Hülse. Der Bügel wird mit den Lappen f in die Oeffnungen f1 eingeführt, die Enden g werden so weit zusammengedrückt, dass sie durch den Schlitz in die Oeffnung g1 gebracht werden können, wo sie wieder aus einander federn. Durch die Einbiegungen h wird der Sockel gegen Verdrehen gesichert. Die Anwendung eines federnden Bügels hat den Vortheil, dass bei der Erwärmung der Glühlampe Glas und Metall sich beliebig ausdehnen können, ohne dass in Folge der verschiedenen Ausdehnung der beiden Stoffe ein Springen des Glases eintritt, wie es bei anderen Befestigungen nicht immer ausgeschlossen erscheint. Die von BecherElektrotechn. Zeitschr., 1897 S. 778. vorgeschlagene Sockelbefestigung ähnelt der in Fig. 9 dargestellten, jedoch wird kein Verbindungsring benutzt. Becher bringt am Birnenfusse eine Erhöhung an, die dem Stifte c des Ringes a in Fig. 9 entspricht. Die Sockelhülse wird wie dort aufgesetzt und durch einen zwischen die Erhöhung und den unteren Sockelrand um die Hülse gelegten Draht gegen Abstreifen gesichert. Zweckmässig wird der untere Sockelrand etwas nach aussen umgebördelt. Schliesslich sind noch einige Befestigungen zu erwähnen, bei denen der Sockel allein durch die federnd ausgeführte Sockelhülse an der Birne festgehalten wird. Zu diesen gehört die Sockelbefestigung von MosesD. R. P. Nr. 32527. (Fig. 25). Die federnde Sockelhülse a wird einfach auf den Birnenhals aufgeschoben. Zweckmässig kann man die Hülse mit Eindrücken b versehen, die in Vertiefungen c der Birne einspringen. Trotzdem wird die Befestigung wohl recht unvollkommen bleiben. Eine Umkehrung dieser Befestigung gibt KnowlesAmerikanisches Patent Nr. 292324. an. Wie aus Fig. 26 zu ersehen, besitzt die durch die Schlitze a federnd gemachte Hülse b zwei einander gegenüber liegende Oeffnungen c, die über entsprechende Warzen der Glasbirne geschoben werden. Auch diese Befestigung dürfte unsicher sein. Textabbildung Bd. 308, S. 89 Fig. 25. Aehnlich ist die Sockelbefestigung von SeelEnglisches Patent Nr. 11139/1886. . Die Sockelhülse federt und greift mit der Umbiegung a um einen Wulst des Birnenfusses (Fig. 27). Die Löcher b sollen den Zutritt der Luft zu den Leitungsdrähten gestatten. Eine Verschiebung des Sockels, die sehr leicht eintreten kann, wird oft eine Beschädigung der Zuleitungen zur Folge haben. Textabbildung Bd. 308, S. 89 Fig. 26. Textabbildung Bd. 308, S. 89 Fig. 27. Besser scheint die Befestigung von GreenAmerikanisches Patent Nr. 547249. zu sein (Fig. 28). Der Birnenfuss ist ziemlich lang und cylindrisch, so dass die Hülse gut anliegen kann. Eine feste Verbindung zwischen den Zuleitungsdrähten und den Contacten ist hier vermieden. Die Drähte sind an den Wänden der konischen Vertiefung a des Birnenfusses hochgeführt. Die an der Isolirplatte des Sockels befestigten Federn b legen sich beim Aufsetzen des Sockels auf diese Drähte und vermitteln so den Stromübergang von den Contacten zu den Drähten. Textabbildung Bd. 308, S. 89 Fig. 28. Sockelbefestigungen ähnlicher Art sind noch vielfach vorgeschlagen worden, doch dürften sie alle wohl wenig brauchbar sein, deshalb mögen diese wenigen Beispiele genügen. Ueberhaupt ist zu bemerken, dass vorstehende Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht. Die Zahl der lösbaren Sockelbefestigungen ist ausserordentlich gross. Es sind deshalb nur einige wenige der bemerkenswerthesten Constructionen berücksichtigt worden, um zu zeigen, auf welchen Wegen man im Allgemeinen bisher die für die elektrische Beleuchtungsindustrie äusserst wichtige Aufgabe zu lösen versuchte. Ob die Lösung gelungen ist, und welche der beschriebenen Befestigungen wirklich allen Anforderungen genügt, wird sich erst nach längerem Gebrauche der Sockel entscheiden lassen. F. Sch. Vervielfältigende Kunst. Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Von J. M. Eder und E. Valenta in Wien. Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Photographische Objective, Camera, Momentapparate u.s.w. Die Firma Voigtländer in Braunschweig bringt eine neue Linse aus vierfach verkitteten Gläsern in den Handel.Brit. Journ. Photogr., 1897 S. 729. Ferner erzeugt diese Firma die englische Cook Linse (Taylor's Patent) unter dem Namen Tripl-Anastigmat.D. R. P. Nr. 86757. Dieses Objectiv arbeitet mit einer Oeffnung 1 : 7,7 und ist billiger als die dreifach verkitteten Linsen. C. Zeiss in Jena bringt ein neues vierfach verkittetes Objectiv in den Handel, welches als Planar bezeichnet wird. Dasselbe ist ein sehr lichtstarkes Objectiv, welches bei guter anastigmatischer Bildebnung über ein grosses Gesichtsfeld verfügt und besonders hohen Anforderungen an die chromatische und sphärische Correction des Bildes genügt. Dieser Zweck wird durch Anwendung des im sogen. Gauss'schen Fernrohrobjective zum Ausdrucke kommenden Correctionsprincipes bei diesem Objective erreicht. Der Preis dieses Objectives ist aber ein sehr hoher und daher das Bedürfniss, dasselbe anzuwenden, auf wenige Fälle beschränkt. Auf ein aus drei getrennten Linsen bestehendes Objectiv erhielten H. Lancelot und A. Aldis ein englisches Patent (Nr. 92582/1895). Das Objectiv wird aus zwei Verbundlinsen zusammengesetzt, von denen die vordere ein lichtsammelndes, mit stark positiver sphärischer Abweichung, die hintere ein zerstreuendes System mit stark negativer sphärischer Abweichung darstellt.Photogr. Chron., 1897 S. 352. Auch bezüglich des Teleobjectives liegen Neuconstructionen vor. Miethe beschreibt eine Construction im Atelier des Photographen, 1897 S. 14, welches Objectiv von Voigtländer erzeugt wird. Das sehr lichtstarke Instrument besteht aus vier getrennten Linsen. Die ersten drei sind ihrer Form nach ein Porträtobjectiv, dessen Lichtstärke etwa ⅓ ist. An dieses schliesst sich eine dreifach verkittete Negativlinse an, welche gegen das Porträtobjectiv verschoben werden kann, in welchem überdies auch die beiden einfachen, in der Mitte des ganzen Objectives befindlichen Linsen gegen einander verstellbar sind. Diese letztere Verstellung ermöglicht eine genaue sphärische Correctur bei den verschiedenen Cameraauszügen. Bezüglich Cameras und Momentapparaten finden wir eine grössere Anzahl deutscher Reichspatente, welche sich mit diesem Gegenstande beschäftigen. So wurde dem Th. M. Clark in Newton eine zusammenlegbare Camera patentirt, welcher eine begrenzte Bewegung der Bodenplatte eigenthümlich ist (D. R. P. Nr. 92144, Zusatz zu Nr. 84835).Photogr. Chron., 1897 S. 328. August Krösche in Dresden liess sich eine Magazincamera mit einem um zwei Kanten drehbaren Plattenmagazin patentiren (D. R. P. Nr. 89398).Ibid. S. 85; Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898 S. 349. J. Linder in Paris construirte eine Wechselvorrichtung für Magazincameras, bei welcher die Plattenrahmen in einem treppenförmigen Gestelle angebracht und durch Verschieben desselben mit einer Schraubenspindel der Reihe nach umgelegt werden.Ibid. S. 87. L. J. A. Holst in Amsterdam erhielt ein Patent (D. R. P. Nr. 89200) auf eine Reflexcamera mit Kippwechselvorrichtung, bei welcher der Spiegel, der zur Einstellung dient, bei der Exposition nicht, wie sonst üblich, um seine obere Kante gedreht, sondern durch zwei seitwärts angebrachte Hebel gehoben oder gesenkt wird, wodurch es möglich ist, den Spiegel so nahe der Objectivwand anzubringen, dass die belichtete Platte hinter dem Spiegel vornüber gekippt werden kann. Serienapparate, Vorrichtung zur Bestimmung der Geschwindigkeit von Momentverschlüssen, Copirautomaten. Gebr. Lumière in Lyon gaben ihrem KinematographenEder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 189. eine etwas veränderte Form. Die Lampe des neuen Apparates enthält an Stelle der kostspieligen Condensatorlinse einen kugelförmigen, mit ausgekochtem Wasser gefüllten Kolben, welcher neben der Function einer Sammellinse noch jene einer Kühlwanne für die durchgehenden Strahlen bildet. Zur Sicherung der Films ist eine mit Mattglas versehene Scheibe vorhanden, welche vor Beginn der Projection die Strahlen zerstreut, dass dieselben nicht längere Zeit auf dasselbe Filmbild auffallen; ferner werden die Films während der Projection gegen ein 5 bis 6 mm starkes Glas gepresst, so dass die Erhitzung der Celluloidschicht eine gewisse Grenze nicht überschreiten kann. Der Apparat zeigt das lästige Flimmern der Bilder, welches bei manchen Constructionen sehr störend hervortritt, nur in sehr geringem Maasse. Zur Behebung dieses Uebelstandes wird von Geaumont et Cie. in Paris ein Fächer in den Handel gebracht, welcher mit vielen viereckigen Löchern versehen ist, durch welche man die Bilder betrachtet, während man den Fächer vor den Augen bewegt. Ein dem Kinematographen ähnlicher Apparat ist der von der Firma G. Demeny in Paris in den Handel gebrachte Chronophotograph. Ferner nahm P. Müller in Köln ein deutsches Reichspatent auf eine Vorrichtung zur Aufnahme und Projection von Reisebildern (D. R. P. Nr. 92247)Photogr. Chron., 1897 S. 360. . Bei diesem Apparate erfolgt die sprungweise Fortschaltung des Bildbandes durch periodische Ausbauchung des zwischen der Belichtungsstelle und der Aufwickelrolle befindlichen Theiles desselben. Eine Zusammenstellung verschiedener Methoden und Apparate der „lebenden Photographien“ findet sich im Brit. Journ. Phot. Almanac, 1898 S. 643; ferner siehe über diesen Gegenstand: Bloch, Der Photograph, 1897 S. 21. C. FlammarionDeutsche Photogr.-Ztg., 1898 S. 73. wendete den Kinematographen in der Himmelskunde an, indem er in 2000 bis 3000 Einzelaufnahmen in gleichen Festabständen den gestirnten Himmel während einer Nacht photographirte und dann binnen 2 Minuten als Serienphotogramme projicirte. J. GautBrit. Journ. Photogr., 1897 S. 522. construirte einen Serienmomentapparat zur Verwendung bei Wettrennen, welchen er Dromograph nennt; er ist mit einem Chronograph verbunden. Eine in amerikanischen Journalen beschriebene Form des Kinematographen führt die Namen Mutograph und Mutoskop; er ist von Herman Casler construirt und im Phot. Times, 1897 S. 472, mit zahlreichen Figuren abgebildet. Hughes nennt eine von ihm construirte Vorrichtung zur Abwickelung von Films für Projection lebender Photographien „Motophotoskop“ und beschreibt es im Brit. Journ. of Phot., 1897 S. 186 (mit Figur). Short nahm ein Patent auf Herstellung von Filmbänder für derartige Apparate (Brit. Journ. of Phot., 1897, mit drei Figuren). Max Sklodanowsky in Pankow bei Berlin liess sich eine Vorrichtung zur intermittirenden Vorwärtsbewegung des Bildbandes für photographische Serienapparate und Bioskope patentiren (D. R. P. Nr. 88599).Photogr. Chron., 1897 S. 119. Die Bildtrommel wird durch einen Schneckenradantrieb fortgeschaltet, bei dem die Schneckenachse mittels einer in sich geschlossenen Leitnuth so geführt wird, dass bei einer Theildrehung der Schnecke die Drehung des Schneckenrades und damit der Bildbandtrommel in Folge der axialen Verschiebung der Schnecke gerade aufgehoben wird. Auf diese Weise kommt eine periodische Fortbewegung und Stillsetzung des Bildbandes zu Stande. Dr. WatkinsDer Mechaniker, 1897 S. 280. in New York hat einen von ihm Mikrokinetoskop benannten Apparat construirt, der mit Hilfe des Mikroskopes in vielfacher Vergrösserung die kleinsten Lebewesen, wie Mikroben, Milben, Bacillen u.s.w., in ihren natürlichen Bewegungen in photographischen Bildern in vielen, rasch auf einander folgenden Aufnahmen fixirt, so dass es nachher möglich wird, diese Organismen viel bequemer und zu jeder Zeit im scheinbar lebenden Zustande zu studiren. Zur Bestimmung der Geschwindigkeit von Momentverschlüssen existiren recht brauchbare Apparate, von denen einzelne sogar sehr genaue Resultate ergeben. Neuester Zeit wurde von BraunEder's Jahrb. f. Photogr. f. 1897. in Berlin ein derartiger Apparat construirt, welcher aus einer grossen Scheibe besteht, auf der 20 kreisrunde Spiegelchen angebracht sind. Vor dieser Scheibe rotirt eine andere, welche einen Ausschnitt besitzt, der gerade so gross ist, dass er einen Spiegel erblicken lässt. Dreht sich nun diese Scheibe, so wird man, wenn man eine Aufnahme mit einem Momentverschlusse oder unter Anwendung von Blitzpulver macht, um so mehr Spiegelbilder erhalten, je länger die Belichtung dauert. Die Tourenzahl der rotirenden Scheibe wird in der Weise bestimmt, dass eine geschlossene, zu zwei Drittel mit Glycerin gefüllte, gegen die Horizontale geneigte, mit ihrem höheren Ende durch Zahnräder mit der Scheibe verbundene Glasröhre, welche ebenso viel Umdrehungen als diese macht, gleichzeitig in Umdrehung versetzt wird. Die Luftblase wird sich um so mehr senken, je schneller die Scheibe rotirt, und eine seitlich angebrachte Scala gestattet eine einfache Messung der Tourenzahl, indem dieselbe entsprechend dem Stande der Luftblase auf der Scala ersichtlich gemacht ist. L. Crosse verwendet rotirende Scheiben, Th. Simon ein Pendel zu obigem Zwecke. York Schwarz empfiehlt ein Secundenpendel mit Quecksilbergefäss zur Bestimmung der Geschwindigkeit von Momentverschlüssen. Das Quecksilbergefäss spiegelt und gibt eine Curvenlinie auf der photographischen Platte, aus deren Länge mittels einer Tabelle die Belichtungszeiten des Momentverschlusses ermittelt werden können. Künstliches Licht. Von den neueren künstlichen Lichtquellen ist das Acetylengaslicht zu erwähnen, über welches sich in der Fachliteratur zahlreiche Angaben finden. Seit man Acetylengas durch Zusammenbringen von Calciumcarbid und Wasser herstellt, welche Art der Acetylengaserzeugung eine sehr einfache und dabei relativ billige ist, findet dasselbe häufig Anwendung zu Beleuchtungszwecken. Die Gaserzeugungsapparate waren anfangs primitiver Natur und daher Explosionen nicht ausgeschlossen. Man hat dieselben heute bedeutend verbessert und eine rasche und gefahrlose Gasentwickelung bei diesen verbesserten Apparaten erzielt. Versuche, Acetylengaslicht zu photographischen Zwecken zu verwenden, sind wiederholt gemacht worden, es hat sich jedoch das Auer'sche Gasglühlicht, insbesondere, wenn mit Pressluft gearbeitet wird, demselben als bedeutend überlegen erwiesen, und es gestattet, nach Versuchen von JahrSüdd. Photogr.-Ztg., 1897 S. 97. , das mit Pressluft gespeiste Auer-Licht bei genügendem Drucke und 400 l Gasverbrauch in der Stunde eine Helligkeit von 600 Kerzen zu erzielen. Dr. R. NeuhausPhotogr. Rundschau, 1897 S. 204. verglich die Helligkeit verschiedener künstlicher Lichtquellen, welche zu Projectionszwecken Verwendung finden, und kam zu folgenden Resultaten: Auer'sches Gaslicht 84 Kerzen Acetylengaslicht (Apparat von Unger     und Hoffmann in Dresden) 90 „ Zirkonlicht, Sauerstoff-Leuchtgas (Ge-     bläse von Schmiedt und Hänsch in Berlin) 95 „ Kalklicht (Kalkblock) 350–950 „ Kalklicht (Einrichtung von Elkon in     Berlin) 500–1390 „ Zu Momentaufnahmen in Höhlen, für Interieuraufnahmen u. dgl. empfiehlt R. HitschcockAnthony's Internat. Annal. f. 1898, S. 20. , als Blitzpulver ein Gemisch von 66 Th. Aluminiumpulver, 34 Th. Magnesiumpulver, 50 Th. Kaliumchlorat und 10 Th. Kaliumhypermanganat zu verwenden. A. T. TompsonEder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 386. in New York richtete ein Porträtatelier mit elektrischer Beleuchtung zu Aufnahmen ohne Tageslicht ein; er verwendet eine Bogenlampe von 10000 Kerzen und zerstreut das von derselben ausgehende Licht, welches durch einen Hohlspiegel verstärkt wird, mittels verschiedener Schirme. O. SchottWiedemann's Ann, d. Phys.u. Chem., 1897 Nr. 12. in Jena beschreibt Entladungserscheinungen, welche auftreten, wenn man den Funken einer Inductionsrolle durch eine Capillarröhre von 0,05 mm Durchmesser im Inneren schlagen lässt. Das auftretende Licht ist so stark, dass es das Bogenlicht übertrifft. Es würde diese Erscheinung eine höchst ergiebige Lichtquelle abgeben, wenn sie continuirlich gemacht werden könnte. Die Röhren, welche verwendet wurden, waren 10 cm lang und mit Kupfer- oder Aluminiumelektroden versehen; sie gingen leider sehr schnell zu Grunde, während weitere Capillarröhren ein schwächeres Licht gaben. Röntgen-Strahlen. Nach Prof. Röntgen geben die Vacuumröhren Strahlen von verschiedener Qualität, und zwar: 1) Die von einem Entladungsapparate ausgehenden Strahlen bestehen aus einem Gemische von Strahlen verschiedener Absorbirbarkeit und Intensität. 2) Die Zusammensetzung des Gemisches ist wesentlich von dem zeitlichen Verlaufe des Entladungsstromes abhängig. 3) Die bei der Absorption von den Körpern bevorzugten Strahlen sind für die verschiedenen Körper verschieden. Die fluorescenzerregende Wirkung der X-Strahlen geht keineswegs parallel mit der photographischen Wirkung. Allerdings aber steigert ein Vergrössern der primären Stromstärke beide Wirkungen in demselben Maasse. Prof. Röntgen gibt in seiner späteren Mittheilung in der Berliner Akademie der WissenschaftenBerliner Berichte, Bd. 26 S. 576; Beibl. Wiedemann's Ann. d. Phys.u. Chem., 1897 S. 651. die Principien der Herstellung von Röntgen-Lampen genau an. Er theilt die Lampen (Röhren), welche X-Strahlen aussenden, in zwei Gruppen: „harte“ und „weiche“ Röhren, je nach dem Grade der Verdünnung des Gasinhaltes der Entladungsröhre und dem dadurch bedingten Entladungspotential; Röhren mit kleinerem Entladungspotential nennt er „weich“, solche mit grösserem Potential „hart“. Die Körper sind für Strahlen einer harten Röhre durchlässiger als für Strahlen einer weicheren Röhre. Ebenso ist das Verhältniss der Dicke von zwei gleich durchlässigen Platten verschiedener Körper von der Härte der Entladungsröhre abhängig. Weiche Röhren geben z.B. von der Hand dunkle Bilder, in denen die Knochen wenig durchleuchtet sind, sehr harte Röhren durchdringen nicht nur Weichtheile, sondern ziemlich stark auch die Knochen. Man kann den „Härtegrad“ einer Röhre durch eine vorgeschaltete Funkenstrecke oder einen eingeschalteten Tesla-Transformator erhöhen, wie Röntgen eingehend darlegt. Unter Anwendung solcher Hilfsmittel kann man schon bei relativ hohen Gasdrücken (bis 3,1 mm) von einer Röhre X-Strahlen erhalten. Die Qualität der ausgesendeten Strahlen ist von der Art der Unterbrechung, d.h. dem Verlaufe des primären Stromes abhängig und schliesslich noch von verschiedenen, noch nicht genügend erkannten Vorgängen im Inneren der Entladungsröhre. Von der Stärke des primären Stromes hängt die Qualität der X-Strahlen nicht ab, wohl aber ist ihre Intensität proportional. Zur Durchführung photometrischer Vergleichung von X-Strahlen bedient sich Röntgen einer dem Bouguer'schen Photometer analogen Vorrichtung: Ein Streifen Bleiblech wirft seine von beiden zu vergleichenden X-Strahlenquellen erzeugten Schattenbilder auf denselben Fluorescenzschirm. Man stellt auf gleiche Fluorescenzhelligkeit beider Schirmhälften ein. Mittels dieses Instrumentes zeigte Prof. Röntgen, dass die Bestrahlung von einer X-Strahlenantikathode fast halbkugelförmig sehr gleichmässig erfolge, und zwar am Rande fast so stark wie in der Mitte. Für die Technik der Herstellung von Röntgen-Photographien folgt aus der erwähnten Intensitätsvertheilung, dass man, um möglichst scharfe Bilder zu erhalten, diejenigen Strahlen verwenden soll, welche die Platinoberfläche unter einem möglichst grossen, jedoch nicht über 80° hinaus gehenden Winkel verlassen, denn dann verkürzt sich die strahlende Fläche möglichst zu einer Linie, ohne dass die Intensität der Strahlen geringer wird. Campbell SwintonJourn. Camera-Club London, 1897 S. 119. fand, dass bei der Herstellung von Röntgen-Röhren die Antikathode von Platin besser als andere Metalle (Cu, Fe, Bi, Al, Ag) wirkt; grosse Kathoden erfordern grössere Evacuirung als kleine. Mittels Röhren, bei denen die Antikathode gegen die Kathode verschiebbar ist, fand er, dass je geringer die Entfernung der Antikathode von der Kathode ist, desto grösser die durchdringende Kraft der Strahlen ist. A. C. Swinton befestigt die Platinantikathode auf einer Aluminiumscheibe, um die Erwärmung zu vermindern. Platinantikathoden geben die hellsten X-Strahlen; Silber wirkt fast ebenso gut, aber schwärzt schnell die Innenwand der Röhren.Electrician, Bd. 39 S. 15; Bleibl. Wiedemann's Ann. d. Phys.u. Chem., 1897 S. 654. Die neueren Inductorien mit grösseren Schlagweiten als 20 cm werden fast ausnahmslos anstatt mit dem gewöhnlichen Quecksilberunterbrecher mit sogen. rotirenden Unterbrechern ausgerüstet. Diese Apparate bestehen in einem kleinen Dynamo, an dessen Ankerwelle mittels Excenter und Schieberstange ein oder zwei Contactstifte in auf und ab gehende Bewegung versetzt werden; diese sind mit dem einen Pole der die Primärspule speisenden Stromquelle in Verbindung, während das heb- und senkbare Quecksilbergefäss mit dem anderen Pole leitend verbunden wird. Nachdem die Tourenzahl des Motors mittels eines Rheostaten leicht regulirt werden kann und andererseits die Unterbrechung durch den die Quecksilberschicht bedeckenden schlechten Leiter (Wasser, Erdöl) eine exacte ist, so arbeiten diese Unterbrecher sehr zufriedenstellend. Vorzügliche Constructionen derartiger Apparate liefern Max Kohl in Chemnitz, die Firma Kayser und Schmiedt in Berlin, Voltohm in München u.a. Bezüglich der Röntgen-Lampen ist man heute dahin gelangt, dass ausschliesslich Lampen mit Antikathoden Verwendung finden, und zwar gibt man den Lampen, um ihre Lebensdauer zu verlängern, heute ein möglichst grosses Volumen. Eine sehr empfehlenswerthe Form solcher Röhren ist die zuerst von Gundelach angegebene, welche heute fast allgemein in Gebrauch ist. Diese Lampen haben Kugelform mit cylindrischem Ansätze, in welchem sich die Hohlspiegelkathode befindet. Die Anode und Antikathode sind mittels eines Drahtes leitend verbunden. Das Volumen der Lampen ist je nach der Grösse des Inductoriums 1 bis 2,5 l und halten die grossen auch länger. J. Rosenthal gibt als Grund der Anordnung, dass man die Antikathode nicht isolirt, sondern leitend mit der Anode verbindet, Folgendes an: Nach E. Goldstein wird ein Kathodenstrahlenbündel beim Vorbeigehen an einer anderen Kathode zum grossen Theil abgelenkt, deflectirtDie erwähnte Deflexionserscheinung an einer isolirten Antikathode tritt um so stärker auf, je höher der Druck in der Vacuumröhre ist; bei sehr niedrigen Drucken ist sie nur äusserst schwach zu bemerken. ; es trifft also dieselbe nicht vollständig und kann daher nur theilweise in Röntgen-Strahlen transformirt werden. Eine isolirte Antikathode wird aber unter dem Einflüsse der Kathodenstrahlen selbst zur Kathode, zeigt also die erwähnten Erscheinungen. Sobald man aber die Antikathode mit der Anode verbindet oder selbst zur Anode macht, kann sie nicht mehr Kathode werden, die Kathodenstrahlen können in Folge dessen vollständig auf dieselbe auftreffen und damit intensive X-Strahlen erzeugen. (Sitzber. phys. medie. Societät in Erlangen, 14. December 1896; Beibl. Wied. Annal. d. Phys.u. Chem., 1897 S. 446.) Die Thatsache, dass Röntgen-Röhren beim andauernden Gebrauche (zufolge Absorption der letzten Gasreste in den Elektroden) ein immer höher steigendes Vacuum bekommen, dann dem Durchschlagen der Funken zu grossen Widerstand entgegensetzen und nur wenig X-Strahlen erzeugen, sowie die Beobachtung über die verschiedene Leistungsfähigkeit von „harten“ und „weichen“ Vacuumröhren und ihre Fähigkeit, X1-, X2- und X3-Strahlen zu erzeugen, führte zur Construction von Lampen mit variablen Vacuum. Das Verfahren von Siemens und Halske, eine Röntgen-Röhre wirksam zu erhalten, ist ähnlich dem Verfahren von Dorn (vgl. unten). Das Mittel zur Verminderung des Luftdruckes ergab sich aus der Beobachtung, dass die beim Stromdurchgange leuchtende Luft mit den Dämpfen des Phosphors und ähnlicher Stoffe feste Körper bildet, während eine Zunahme des Druckes durch Erwärmung der Rohrwandung und Vertreiben der an der Glasfläche verdichteten Luftschicht erreicht werden kann. Eine mit dem Entladungsrohre verbundene Kugel trägt eine Hilfsanode und dieser gegenüber ein Ansatzrohr, dessen Wandung mit dem zur Luftabsorption dienenden Phosphor bedeckt ist. Mit Hilfe eines fluorescirenden (Bariumplatincyanür) Schirmes lässt sich leicht erkennen, ob im Entladungsrohre der für die Entstehung von Röntgen-Strahlen günstigste Luftdruck herrscht. Leuchtet der Schirm nur schwach, während von dem Aluminiumhohlspiegel ein starkes konisches Bündel blauer Strahlen ausgeht, so ist der Luftdruck im Rohre zu hoch; man legt in diesem Falle den positiven Pol der Stromquelle an die Hilfsanode der Kugel und lässt den Entladungsstrom so lange auf die Luft und den Phosphor in der Kugel einwirken, bis das anfangs das Verbindungsrohr erfüllende blauweisse Licht zu einem dünnen Faden zusammenschrumpft. Ein zu niedriger Luftdruck wird durch völliges Fehlen des blauen Lichtes bei schwacher Fluorescenz des Schirmes angezeigt; man erhöht dann den Druck, indem man die Kugel mit einer Flamme erwärmt und dadurch die am Glase haftende Luftschicht in das Vacuum hineintreibt. Max DornAbhandl. d. naturf. Gesellsch. zu Halle 1896 Bd. 21 S. 75. empfiehlt, zur Regulirung des Vacuums der Lampe einen Ansatz mit Aetzkali anzubringen. Wird das Vacuum zu gering, so wird durch Erwärmen aus dem Aetzkali etwas Wasserdampf herausgetrieben; bis das richtige Vacuum wieder hergestellt ist. Dr. Walter in Hamburg erwärmt, um Schwankungen im Vacuum zu vermeiden, das Dorn'sche Ansatzstück constant durch einen galvanischen Strom. Zu diesem Zwecke wird ein Platindraht spiralförmig um das Ansatzstück gewickelt und der Strom einer Batterie hindurchgehen gelassen, welcher die Spirale erwärmt. Die Stärke dieses elektrischen Stromes muss durch Einschaltung von Drahtwiderständen so regulirt werden, bis das Vacuum gleichmässig bleibt. Von Amerika aus kommt heute eine Röntgen-Lampe in den HandelSiehe Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898. , bei welcher dieses Princip verwerthet wird und durch Einschaltung einer variablen Funkenstrecke eine Selbstregulirung des inneren Lampenwiderstandes stattfindet. Durch Verstellung der an der Lampe angebrachten Funkenstrecke lässt sich diese der Schlag weite des verwendeten Inductoriums entsprechend reguliren und hat man es in der Hand, ob die Lampe „hart“ oder „weich“ arbeiten soll. Die Fluorescenzerscheinung, welche X-Strahlen auf Calciumwolframat hervorbringen, benutzt Edison zur Construction einer Fluorescenzlampe. Er bekleidet Röntgen-Röhren innen mit Calciumwolframat, welches unter dem Einflüsse der in denselben erzeugten X-Strahlen stark zu leuchten begann (Helligkeit von 2 bis 3 Kerzen), ohne dass merkbare Wärmeentwickelung eintrat; die angewendete Kraft soll 75 Proc. an Licht ergeben, was sehr ökonomisch betreffs der theoretischen Kraftausnutzung wäre, wenn auch die Fluorescenzlampe gegenwärtig nicht concurrenzfähig in ihrer praktischen Anwendung erscheint. Für Röntgen-Photographie werden in neuerer Zeit (1897) Platten mit sehr dicker Schicht von Lumière in Lyon fabricirt, wobei sehr gute Matrizen erhalten werden, weil die X-Strahlen sehr dicke Schichten der Emulsion mit geringer Schwächung durchsetzen und die Wirkung durch dicke Schichten vervielfacht wird. Dr. Max Levy in Berlin führte doppelseitig überzogene Bromsilberemulsionsplatten und Films, sowie Verstärkungsschirme ein. Die doppelseitig überzogenen Films (welche auch die Trockenplattenfabrik der Berliner Actiengesellschaft für Anilinfabrikation erzeugt) sind günstiger als Glasplatten, wegen der grösseren Durchlässigkeit des Celluloids gegen X-Strahlen. Die Verstärkungsschirme bestehen aus Calciumwolframat (auf Carton unter Celluloidfirniss), welches unter dem Einflüsse der Röntgen-Strahlen lebhaft blau fluorescirt. Legt man eine solche Schicht auf eine Bromsilberplatte und lässt die Röntgen-Strahlen einwirken, so verstärkt sich die Wirkung wesentlich, weil das blaue Fluorescenzlicht stark wirkt und ein grosser Theil der Röntgen-Strahlen die Calciumwolframatschicht durchsetzt und gleichfalls photographisch wirkt. Solche Verstärkungsschirme und Cassetten bringt Dr. M. Levy in Berlin, sowie Dr. Kahlbaum in Berlin in den Handel. Anwendung der Photographie zu wissenschaftlichen Zwecken. Photogrammetrie, Mikrophotographie. Ueber Wolkenphotographie erschien mit Bezug auf den vom internationalen Comité (Paris 1897) herausgegebenen Atlas ein Artikel im Bull. Assoc. Belg. de Photogr., 1897 S. 508. Prof. MachZeitschr. f. Luftschiff. u. Phys. d. Atmosph., 1896 S. 126. stellte Versuche über Photographie der Luftstromlinien an. A. CornuPhotogr. Wochenbl., 1897 S. 36. studirte die Transversalschwingungen von Saiten mit Hilfe der Photographie, indem er an verschiedenen Stellen der schwingenden Saite Spiegelchen befestigte, die einen Lichtstrahl auf die photographische Platte warfen und den Weg dort aufzeichneten. Dabei constatirte er das bisher nicht beobachtete Auftreten von Torsionsschwingungen, welche am stärksten bei gestrichenen Saiten zur Geltung gelangen. A. C. FergussonIbid. S. 247. construirte ein Photophon, bei dem die Schallwellen zuerst photographirt und dann wieder reproducirt werden. Es scheint bei diesem Apparate das Princip des Graphophons zur Geltung gebracht worden zu sein, mit dem Unterschiede, dass ein Stift die Bewegungen des Resonanzbodens photographisch fixirt. L. MachBer. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien, Bd. 105 Abth. Ha S. 605; Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 399. hat seine Versuche über die Photographie der Kopfwelle von Gewehrgeschossen fortgesetzt. Bei der von ihm gewählten Versuchsanordnung wurde als Kopf des Töpler'schen Schlierenapparates ein sphärischer Glasspiegel von 15,6 cm freier Oeffnung und 1,6 m Brennweite und als photographische Linse ein Steinheil'scher Gruppenantiplanet mit 78 mm Oeffnung und 44 cm Brennweite gewählt. Er erhielt Bilder der erzeugten Kopfwelle, welche eine Menge Details zeigten, die bei keiner anderen Versuchsanordnung wahrgenommen werden konnten. Die Photogrammetrie findet eine von Jahr zu Jahr ausgebreitetere Verwendung. Das militär-geographische Institut zu Wien hat sich entschlossen, für phototopographische Zwecke zwei Instrumente zu benutzen, und zwar: 1) einen Theodoliten zur Festlegung der Standpunkte, und 2) einen photogrammetrischen Apparat, welcher neben compendiöser Form, leichtem Gewichte auch eine einfache, rasche und sichere Rectification ohne Zuhilfenahme von Hilfsinstrumenten gestattet. Der photogrammetrische Apparat, welchen das Institut benutzt, ist nach den Angaben von Baron Hübl bei Rast in Wien gebaut und hat nachstehende Hauptbestandtheile: a) die photographische Camera, b) die Orientirungsvorrichtung, und c) den Unterbau sammt Stativ. Die photographische Camera hat ein Metallgerippe, welches mit Aluminiumblech verkleidet ist. Das Objectiv ist ein Zeiss'scher Anastigmat mit der Brennweite 24 cm und einer Rotationsblende. Dasselbe kann in einer sicheren Führung durch einen Trieb in senkrechtem Sinne verschoben und die Grösse dieser Verschiebung bis auf 0,05 mm ermittelt werden. Ausserdem kann dem Objective eine Gelbscheibe vorgesetzt und dasselbe mit einem pneumatisch auslösbaren Momentverschlusse ausgerüstet werden. Dem Objective gegenüber befindet sich, auf der Camera befestigt, ein Metallrahmen mit sichtbaren Marken für den Horizont und die Verticallinie. An diesen Metallrahmen wird die Cassette mit der lichtempfindlichen Platte angepresst. Zur Richtigstellung des Horizontes und der optischen Achse des Objectivs sind zwei Libellen an der Camera montirt, und ausserdem ist eine Hängelibelle beigegeben, mittels welcher eine directe Prüfung der Horizontmarken des Rahmens erfolgen kann. Auf die obere Begrenzungsfläche der Camera lässt sich eine Orientirungsvorrichtung mit einem Horizontalkreise, welcher an der Camera fix montirt ist, in entsprechende Verbindung bringen. Das Fernrohr ist durchschlagbar und trägt eine Reversionslibelle. Eine Reiterlibelle ist vorhanden zur Prüfung der wagerechten Drehachse des Fernrohres, und ausserdem ist eine kleine Libelle mit der Achse parallel zur Fernrohrdrehachse an der Alhidade angebracht, um die Reiterlibelle zu ersetzen. Die Orientirungsvorrichtung dient einem doppelten Zwecke: a) der Rectification des photogrammetrischen Apparates, und b) der eigentlichen Orientirung der Platte im Raume. Durch die beschriebene Einrichtung des Fernrohres und die erwähnte Hängelibelle wird es möglich, ohne Hilfsinstrumente die Rectification in kürzester Zeit durchzuführen. Die Orientirung der Platte erfolgt dann auf folgende Weise: Die Alhidade der Orientirungsvorrichtung kann auf einen der Theilstriche, welche mit den Buchstaben A, B... H auf dem mit der Camera fest verbundenen Kreise sich befinden, gestellt werden; wird sie auf A scharf gestellt, dann läuft bei einspielender Libelle des Fernrohres dessen Visirlinie parallel zur optischen Achse des Objectivs, wobei bei richtig ausgeführtem Instrumente die Bildebene senkrecht zu den beiden genannten Linien stehen muss. Wird nun bei fix bleibender Visur der Index der Alhidade auf B des Limbus gestellt, so hat die optische Achse der Camera ihre Lage um \frac{360}{8}=45^{\circ} im Horizonte geändert, weil die Buchstaben um den achten Theil der Peripherie von einander abstehen. Durch successive Drehung der Camera und Einstellung des Index auf die Buchstaben C... H wird die volle Umdrehung im Kreise vollzogen, und die Bildebene repräsentirt durch ihre nach einander folgenden Lagen ein Panorama von acht Bildern. Der Unterbau des Instrumentes besitzt die gewöhnlichen Einrichtungen. Das Stativ ist solid hergestellt, und bei neueren Apparaten ist die Kopfplatte des Stativs derart eingerichtet, dass nach Entfernung des photogrammetrischen Instrumentes auf dasselbe Stativ der Theodolit placirt werden kann, um die erforderlichen Winkelmessungen vornehmen zu können. Die Stativfüsse können von der Kopfplatte entfernt und als Bergstöcke zur Stütze benutzt werden. J. Scheimpflug in Wien demonstrirte der 69. Versammlung deutscher Naturforscher in Braunschweig 1897 sein Verfahren der Verwendung des Skioptikons zur Herstellung von Karten und Plänen. Das Verfahren ist kurz folgendes: Werden die in den Endpunkten einer bekannten Basis erhaltenen Negative der photogrammetrischen Aufnahme in ihre richtige relative Lage zur Basis in Skioptikas gesetzt, derart, dass der innere Knotenpunkt des Linsensystemes mit dem Augpunkte des Bildes (Negativs) coïncidirt, so entstehen optische Bilder, welche auf einer Fläche aufgefangen und nachgezeichnet oder aber auf eine andere Art festgehalten werden können. Scheimpflug zeigt, wie speciell für topographische Aufnahmen eine Ebene, welche sich dem Terrain am besten anpasst, Schmiegungsebene genannt, eine bedeutende Rolle spielt, wie ein Berg in eine Schaar solcher Ebenen zerlegt werden kann. Indem er mehrere zuerst von Deville gegebene theoretische Transformationen des Augpunktes zur Basisebene in die Praxis umsetzt, ist er im Stande, direct die horizontale Projection der Karte abzuleiten. Die Wichtigkeit besonders des letzten Problems für die Phototopographie liegt auf der Hand, und das k. k. militär-geographische Institut zu Wien hat im Interesse der Ausbildung der Phototopographie sich entschlossen, die Scheimpflug'schen Bestrebungen zu unterstützen.Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898. Einen Ueberblick über die Fortschritte der Mikrophotographie im J. 1897 gibt Marktanner-Turneretscher in Eder's Jahrbuch f. Photographie f. 1898. J. ButterworthJourn. of the Royal Microscopical Society, 1896 S. 595. beschreibt unter dem Titel „Photomicrographic Camera, designed chiefly to facilitate the Study of Opaque Objects, more especially in the Study of Palaero-Botany“ einen speciell zu Vergrösserungen und mikrophotographischen Aufnahmen bei auffallendem Lichte construirten Apparat, der gewiss überall dort, wo derartige Aufnahmen häufig gemacht werden müssen, empfehlenswerth ist. Die Einstellung des Objectivs, und zwar eines gewöhnlichen photographischen oder eines Mikroskopobjectivs, geschieht durch eine eigenthümliche Hebeleinrichtung, wobei auf das eine Hebelende eine Art Mikrometerschraube wirkt, die vom hinteren Cameraende aus gedreht werden kann. Das Objectiv ist am Ende einer weiten Röhre aufgeschraubt, welche in einer zweiten, am Objectivbrette befestigten Röhre verschiebbar ist. Die Verschiebung wird durch den zweiten Arm des erwähnten Hebels besorgt. Als Lichtquelle fungirt eine Lampe, deren Licht durch eine in ihrer Nähe angebrachte Condensorlinse fast parallelstrahlig austritt, dann durch einen Hohlspiegel convergent zurückgeworfen und neben dem zu photographirenden Objecte noch durch eine weitere Condensorlinse concentrirt wird. Diese Einrichtung kann unter entsprechender Veränderung in der Anordnung der Lichtquelle auch für schwächere Vergrösserungen bei durchfallendem Lichte dienen. G. M. GilesIbid. 1897 S. 169; auch Marktanner's Bericht in Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 320. beschreibt einen mikrophotographischen Apparat, zu dem jede beliebige photographische Camera verwendet werden kann. Eigentlich ist es also nur ein für Aufnahmen bei schwächerer und mittelstarker Vergrösserung gewiss recht brauchbares Camerastativ, welches uns Giles vorführt und dessen Anschaffung keine nennenswerthen Kosten verursacht. Ein Basalbrett von etwa 1 Quadratfuss Grösse und 1 Zoll Dicke trägt an einer seiner Seiten eine senkrechte dicke Röhre, in der sich eine zweite Röhre gleitend auf und ab schieben und durch eine am oberen Ende der äusseren Röhre angebrachte Stellschraube in beliebiger Höbe fixiren lässt. Die innere Röhre ist an ihrem oberen Ende nach aussen gebogen und trägt dort eine senkrechte Platte von etwa 2,5 Zoll im Geviert, die in ihrem Mittelpunkte ein Loch besitzt, durch welches die gewöhnliche Stativschraube der verwendeten Camera durchgesteckt werden kann, um auf diese Art die Camera (mit senkrechter optischer Achse) daran befestigen zu können. Die innere Röhre soll, soweit sie in der äusseren Röhre verschiebbar ist, eine Theilung tragen. Die Verbindung des Objectivbrettes mit dem Tubus des auf das Basalbrett zu stellenden Mikroskopes geschieht in gewöhnlicher Weise mittels eines Sammetkonus. Bemerkt mag nur werden, dass Giles einer Camera den Vorzug gibt, bei welcher der Objectivtheil nicht fix mit dem Laufboden verbunden ist, so dass nach Entfernung des ersteren das Objectivbrettchen am Balgen lose herabhängt. A. E. Weight'sJourn. of the Royal Microscopical Society, 1897 S. 182 und 245. Methode zur Messung und Zählung mikroskopischer Objecte, welche auch für mikrophoto-graphische Aufnahmen praktisch sein soll, besteht darin, dass er mit Hilfe des Condensors ein verkleinertes Bild einer Scala oder eines Systems von Quadraten in die Objectebene projicirt. Diese Scala kann entweder auf einer Glasplatte vor dem Mikroskopplanspiegel oder zwischen Lichtquelle und Spiegel, oder auf der Oberfläche des Planspiegels selbst, oder zwischen diesem und dem Condensor angebracht werden, und erfordert naturgemäss jede dieser Aenderungen eine andere Einstellung des Condensors. Die Scala wird jedenfalls durch Einritzen oder Aetzen auf der Glasplatte erzeugt. Darin, dass die Scala unbehindert vom eingestellten Präparate leicht entfernt werden, eventuell bei vorhergegangener Markirung wieder leicht an dieselbe Stelle gebracht werden kann, liegt ein Vortheil dieser Methode, gegenüber den für gewisse Zwecke (Zählung der Blutkörperchen) sonst angewandten. (Fortsetzung folgt.) [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Der durch den grossen englischen Maschinenbauerausstand herbeigeführte Verlust. Ueber die Kosten des Maschinenbauerausstandes theilt Lüders Nachstehendes mit: Daily News bringen eine Aufstellung über die Kosten des grossen englischen Arbeitskrieges für beide Theile. Das Blatt rechnet nur mit Schätzungen, hat aber augenscheinlich aus voller Kenntniss der Dinge geschöpft und ist jedenfalls nicht sehr weit von den wirklichen Ergebnissen entfernt. Die Zahlen haben um so mehr Anspruch auf Beachtung, als der Ausstand im Ganzen wohl als der grösste bezeichnet werden kann, den England bisher erlebt hat. Unmittelbar betroffen waren von den Gewerkvereinen der grosse Maschinenarbeiterverein (Amalgamated Society of Engineers 92000 Mitglieder), die Dampfmaschinenarbeitervereinigung (8500 Mitglieder), die Vereinigten Maschinenarbeiter (4300 Mitglieder), die Vereinigte Gesellschaft der Werkzeugarbeiter (2500 Mitglieder), die Schmiede und Hammerarbeiter (1000 Mitglieder), die Arbeiter für wissenschaftliche Instrumente (600 Mitglieder), die Gesellschaft der Kupferschmiede (500 Mitglieder), die Londoner Vereinigte Gesellschaft der Messinggiesser (400 Mitglieder), die Vereinigte Gesellschaft der Bohrer (350 Mitglieder), die Londoner und Provincial-Gesellschaft der Hammerarbeiter (250 Mitglieder). Von diesen im Ganzen 110400 Mitgliedern verbündeter Vereine feierten während der Dauer des Arbeitskrieges im Durchschnitt die ganze Zeit über 34000 Mann. Dann kamen dazu noch 6000 Nichtmitglieder von Gewerkvereinen, die sich der Bewegung anschlössen. Es kamen ferner hinzu 22000 Tagelöhner und Handlanger, die durch den Stillstand ausser Thätigkeit gesetzt wurden und weitere 3000 Arbeiter und Tagelöhner der verwandten Betriebe, die mittelbar lahm gelegt wurden. Alles zusammen feierten 70000 Arbeiter und Tagelöhner. Von diesen 70000 Arbeitern nimmt der betreffende Sachverständige an, dass mit Rücksicht auf das lebhafte Geschäft zur Zeit des Ausbruchs, auf den Umfang der damals üblichen Ueberstunden und auf die Thatsache, dass die Mehrzahl der Feiernden aus gelernten Handwerkern bestand, ein Durchschnittswochenlohn von 30 M. die annähernd richtigste Schätzung sei. Der Gesammtverlust an Löhnen für 70000 Mann zu durchschnittlich 30 M. wöchentlich beträgt auf 31 Wochen 64500000 M. Dieser gewaltige Betrag stellt indess nur einen Theil der von den Arbeitern erlittenen Verluste dar. Die verbündeten Gewerkvereine hatten vielmehr durch ihre Ausstandsleitung für 40000 Mann eine durchschnittliche Ausstandslöhnung von 12,50 M. für 31 Wochen zu beschaffen, was weitere 15500000 M. ausmacht. Ferner berechnet man die Beiträge der verwandten Arbeitszweige der Kesselschmiede, Eisenformer, Modellmacher, Schiffbauer, Schlosser und Zimmerleute auf 2000000 M. an Löhnungen für Arbeitslose. Sodann musste eine gewisse Anzahl von Tagelöhnern und Handlangern, die mit zu den Gewerkvereinen gehörten, ebenfalls aus deren Mitteln unterhalten werden. Wenn dafür weitere 1000000 M. in Anschlag gebracht werden, so ergibt sich an Ausstandslohnzahlungen ein Gesammtbetrag von 18500000 M. Damit sind die Verluste der Arbeiter noch keineswegs erschöpft. In guten Geschäftszeiten sind die Ersparnisse tüchtiger Arbeiter im Maschinenbaufache vielfach ganz ansehnlich. Einen gewissen Maasstab dafür gewährten die beträchtlichen Anerbietungen von Vorschüssen, die dem Ausstandsausschusse von einzelnen Mitgliedern gemacht wurden. Aus diesen Ersparnissen wurde in erster Linie von den feiernden Arbeitern die Ausstandslöhnung ergänzt, um einigermaassen innerhalb der Grenzen der hergebrachten Lebensgewohnheiten zu bleiben. Es ist nicht leicht, hier einen zuverlässigen Maasstab zur Schätzung zu gewinnen, es wird jedoch von den Führern der Gewerkvereine, die am meisten Uebersicht und Urtheil über diesen Punkt besitzen, angenommen, dass 10000000 M. an Ersparnissen während der 31 Wochen des Ausstandes aufgezehrt wurden. Fragt man, woher die 15500000 M. an Ausstandslöhnung kommen, die während der 31 Wochen vertheilt wurden, so ist zuerst auf die Baarbestände der Gewerkvereine hinzuweisen. Die Amalgamated Society of Engineers begann den Kampf mit 7200000 M. Davon gehörten 1200000 M. zum Pensionsfonds. Von den weiteren 6000000 M. sollen heute nur mehr 700000 M. übrig sein. Die anderen Gewerkverbände hatten ein Vermögen von 400000 M., die bis auf den letzten Heller aufgegangen sind. Man kann sonach sagen, dass 5700000 M. aus den Vereinskassen zur Deckung der Ausstandslöhnung geflossen sind. Ausser dem wurden die in Arbeit gebliebenen Mitglieder der Vereine mit 4 M. wöchentlich zu Beiträgen herangezogen, was für 60000 Mann, die 25 Wochen lang diese Kriegssteuer tragen, annähernd weitere 6000000 M. ausmacht. Sodann wurden 600000 M. an Vorschüssen aufgenommen. Sehr beträchtlich waren auch die Beiträge, die von ausserhalb des Kreises der unmittelbar Betroffenen eingingen. Die Gewerkvereine, die nicht unmittelbar oder mittelbar in den Kreis des Kampfes gehörten, haben 3200000 M. beigesteuert, aus dem Publikum sind Alles in Allem nur 160000 bis 200000 M. eingegangen. Recht ansehnlich waren unter den Beiträgen der Gewerkvereine von ausserhalb auch die deutschen Sendungen vertreten. Im Ganzen stellt sich sonach der Kostenbeitrag der Arbeiter an nicht verdientem Lohn, an ausgezahlter Ausstandslöhnung und an aufgezehrten Ersparnissen auf annähernd 93600000 M. Auf Seiten der Unternehmer sind die Verluste dieser 31 Wochen viel schwerer zu übersehen. Auf den ersten Blick fallen hauptsächlich Einbussen an Gewinn und fortlaufende Kosten für Geschäftsleitung auf, allein es dürfen auch die Verluste der einschlägigen Geschäftszweige nicht übersehen werden, die von der Stockung in der Lieferung von Rohmaterial herrühren. Zu diesen Darstellungen wurde der einzige Maasstab genommen, den man überhaupt anlegen kann, nämlich der, der nicht gelieferten Arbeit für die 31 Wochen des Ausstandes. Wenn man annimmt, dass im Maschinengewerbe die Arbeitslöhne ein Drittel des Werthes der Erzeugnisse darstellen, und wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Verlust an Löhnen der Arbeiter annähernd auf 65300000 M. zu stehen kommt, so ist der Bruttogeschäftsverlust der Unternehmer auf 130220000 M. oder unter Abzug von 12½ Proc. für Arbeit, die von Nichtgewerkvereinsmitgliedern hergestellt wurde, auf 113920000 M. anzuschlagen. Es hätten sonach Arbeiter und Unternehmer zusammen in diesem Kriege von 31 Wochen annähernd gegen 207520000 M. eingebüsst. Doch selbst in diesem grossen Betrage ist der Gesammtbetrag der schlimmen Wirkungen des grossen Kampfes bei Weitem nicht enthalten. Es gibt so vieles, was sich nicht in Ziffern wiedergeben lässt. Die Folge Monate langer Unthätigkeit, die Erbitterung zwischen Unternehmern und Arbeitern, das Darben mit seinen zerstörenden Wirkungen auf die Kindheit in arbeitslosen Familien und noch manches andere ist auf der Verlustseite eines grossen Industriekampfes zu erwägen, ohne dass man es in Ziffern und Geld in Anwendung bringen könnte. Hochspannungsisolator. Der Hochspannungsisolator von M. Locke in Victor, N. Y., besteht aus drei Porzellanglocken, die durch eine Glasurschicht mit einander verschmolzen sind und hutförmig einander überdecken. Der untere Theil des Isolators setzt sich in einen Porzellanhals fort, der die Stütze aufnimmt und in gewöhnlicher Weise ausgebildet ist. Lederersatz aus japanischem Papier. Gelegentlich der Austragung einer Zollstreitigkeit wurden der königl. technischen Versuchsanstalt zu Berlin, wie Abtheilungsvorsteher W. Herzberg in Heft 1 der Mittheilungen für 1897 berichtet, zwei Muster sogen. japanischer Lederpapiere behufs Feststellung der Festigkeitseigenschaften übersandt. Das eine Muster war grün gefärbt, hatte ein Quadratmetergewicht von 261 g, das zweite zeigte rothe Farbe und war 190 g das Quadratmeter schwer. In ihrem Aeusseren ähnelten die Muster wirklichem Leder ganz ausserordentlich, sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite. Die Festigkeitsprüfungen lieferten folgende Ergebnisse: Bruchdehnung Reisslänge Muster I, grün Maschinenrichtung Querrichtung Mittel 37,8 43,5 40,7 Proc. „ „ 3150 1450 2300 m „ „ Muster II, roth Maschinenrichtung Querrichtung Mittel 41,3 21,0 31,2 „ „ „ 4200 1950 3075 „ „ „ Im Anschluss an diese Versuchsergebnisse macht Herzberg einige Mittheilungen über die Herstellung der japanischen Lederpapiere. Diese Ledernachahmungen, welche in Japan den Namen Kami-Kava führen, werden in den verschiedensten Farben erzeugt und kommen geköpert oder glatt, mit Arabesken versehen, mit Blumen oder anderen Verzierungen bedruckt, oder auf andere Weise reich ausgestattet, in den Handel. Ihre Weichheit, ihr Aussehen und ihre Geschmeidigkeit sind oft derartig, dass man glaubt, es mit wirklichem Leder zu thun zu haben. Diese Lederpapiere werden in Japan zur Herstellung von Brieftaschen, Tabaksbeuteln, Futteralen, Tischdecken, Tapeten und vielen anderen Gegenständen benutzt. Das einfach geköperte, schwarz lackirte Lederpapier dient zum Schutz der Füsse bei Regenwetter. Gewöhnlich wird das Lederpapier in kleineren Bogen hergestellt, zuweilen aber auch in längeren Bahnen, wenn es beispielsweise zu Tapeten verwendet werden soll. Als Rohmaterial wird festes Gampipapier verwendet, und auch die in der Versuchsanstalt geprüften, eingangs erwähnten Proben enthielten ausschliesslich Gampifasern. Ueber die Herstellung des Lederpapiers berichtet Rein in seinem trefflichen Werk über Japan Folgendes: Man breitet das Papier auf einem Brett aus, die glatte Seite nach oben, und bestreicht es mittels einer weichen Haarbürste mit verdünntem Reiskleister, dem etwas Kienruss zugesetzt ist. Dann hängt man den Bogen über wagerecht laufende Stangen und lässt ihn trocknen. Der so gekleisterte und getrocknete Bogen wird dann geköpert, wobei er sich nach beiden Richtungen beträchtlich verkürzt. Dieses Köpern wird in einfachen Hebelpressen vorgenommen. Die Papierbogen werden durch Besprengen angefeuchtet und dann, eine Stunde lang über einander geschichtet, dem geringen Druck einer Presse ausgesetzt, damit die Feuchtigkeit sich gleichmässig durch die einzelnen Lagen vertheilt. Gewissermaaasen als Form für das Kreppen dienen grosse, braune Katabogen aus dickem Papier, welche parallel streifig nach einer oder mehreren Richtungen gefurcht und in feuchtem Zustande sehr elastisch sind. Auf diesen Katabogen legt man einen Bogen des angefeuchteten Papiers, hierauf einen zweiten Katabogen, dann wieder einen Papierbogen und so fort, etwa zehn Wiederholungen, bis man mit einem Katabogen den Schluss macht. Auf diesen Stoss wird eine Walze gelegt und das Papier fest um dieselbe zu einem Cylinder gerollt, aus welchem die Walze beiderseits etwa 5 bis 6 cm hervorragen muss. Diesen Cylinder umwickelt man sodann, um ihm besseren Halt zu geben, mit einem Streifen Leinwand und bringt die umwickelte Walze in die Presse. Der Arbeiter drückt das Papier ruckweise 6- bis 10mal auf der Rolle zusammen, wodurch diese in der Richtung der Längsachse zusammengepresst wird. Darauf wird die Rolle aus dem Brett genommen, der Leinwandstreifen entfernt, die Bogen abgerollt und in derselben Weise abwechselnd wie vorher gelegt, aber so, dass die Papiere jetzt eine andere Lage gegen die Katabogen bekommen wie vorher; die weitere Bearbeitung ist genau wie beschrieben. Wenn dieses Verfahren 8- bis 10mal wiederholt worden ist, ist die Köperung fertig. Die Bogen werden nunmehr mit einem Anstrich eines trocknenden Oeles versehen und darauf in der Sonne zum gründlichen Trocknen aufgehängt. Nach vollständigem Trocknen erhalten sie einen Anstrich von Kleisterlösung, welcher gleichzeitig die Farbe beigemengt ist, die das Leder erhalten soll (Eisenoxyd, Auripigment, Indigo, Tusche u.s.w.). Zum Schluss erhält das Muster noch einen Lackanstrich und ist nun zur Verwendung fertig. Gelb gewordene Kupferstiche zu bleichen. Hierzu eignen sich nach den Photographischen Mittheilungen am besten Wasserstoffsuperoxyd, Chlorwasser oder Eau de Javelle (Fleckenwasser). Bei Anwendung der beiden letztgenannten Mittel müssen die Kupferstiche nach dem Bleichen mit einer verdünnten Lösung von Fixirnatron behandelt werden, um die im Papier zurückbleibenden Spuren von Chlor unschädlich zu machen. Die Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein hat die Lieferung eines neuen Raddampfers, der im März 1899 in Dienst gestellt werden soll, der deutschen Werft von Gebr. Sachsenberg in Rosslau a. d. Elbe übertragen. Das Schiff soll ein erstklassiges Salonboot von 83 m Länge in der Wasserlinie, 8,2 m Breite zwischen den Radkasten und 1,09 m Tiefgang in dienstbereitem Zustande werden, während die grössten heutigen Salonboote 70 m Länge bei 7,32 m Breite messen. Das Boot wird ganz aus deutschem Material hergestellt, erhält eine Verbundmaschine von 1250 i und vier engröhrige Siederohrkessel (System Dürr) von zusammen 500 qm wasserberührter Heizfläche. Die Fahrgeschwindigkeit soll so bemessen werden, dass die Strecke Köln-Mainz gegen Strom bei einem Wasserstande von 2 m Cauber Pegel in 11¾ Stunden gegen 12¼ Stunden jetzt durchlaufen wird. (Stahl und Eisen.) Nernst'sches Licht. Das Nernst'sche Licht ist eine mit Elektricität gespeiste Glühlampe, deren Glühkörper anstatt des bekannten dünnen Kohlenfadens einen kleinen 8 mm langen und 1,6 mm dicken Hohlcylinder aus Magnesia, mit etwas Zirkon- und Kalkerde vermischt, erhält; diesem wird ein Wechselstrom niedriger Spannung zugeführt. Das starke Lichtentwicklungsvermögen dieser Erden ergibt sich daraus, dass ein Stromverbrauch von 1 Watt eine Lichtstärke von 1,04 Normalkerzen liefert, während in den gewöhnlichen Glühlampen unter gleichen Voraussetzungen nur 0,35 bis 0,40 Normalkerzen erzielt werden. (Nach Tägliche Rundschau.) Bücher-Anzeigen. Ueber Fernthermometer von Dr. Karl Scheel. Halle a. S. Verlag von C. Marhold 1898. 48 S. 1 M. Es ist in vielen Fällen von Werth, die Temperatur entfernter Räume beobachten zu können. Die vorliegende Monographie beschreibt übersichtlich: 1) Alarmthermometer; 2) Thermometer, welche in springender Folge, und 3) in stetiger Folge mehrere Temperaturen melden; 4) Fernregistrirende Thermometer. Berliner Bezirksverein des Vereines deutscher Chemiker. Mitgliederliste, Vereinsmittheilungen, Taschenbuch für das Jahr April 1898–99. Zusammengestellt vom Schriftführer Dr. Werner Heffter. 112 S. Vom Verfasser für 80 Pf. zu beziehen. Enthält neben dem im Titel angeführten Inhalt Kaiendarien, physikalische und chemische Tabellen und allgemeine Notizen über Post, Patente und Schutzgesetze, Aus- und Einfuhr. Eingesandt. Handelsbericht von Gehe und Co. in Dresden-Neustadt vom April 1898. 93 S. Verzeichniss neuerer Eilmittel mit kurzen Bemerkungen über Herkommen, Zusammensetzung und Wirkung. Zusammengestellt von Gehe und Co. in Dresden. April 1898. 28 S. DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 5. Stuttgart, 7. Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Metallbearbeitung. Maschinen zur Massenherstellung von Schrauben *. Claussen's Schraubenmaschine *. Spencer's Maschine zur Massenherstellung von Schrauben * 97 Bauwesen. Neuerungen auf dem Gebiete des Bauwesens. I. Fenster und Thüren: Schiebefenster von Sümmermann *. Spangenfenster von Spengler *. Stellfenster von Maurer *. Sicherung von Rolläden gegen Abstürzen von Dihm *. Kipprolladen von Fuchs *. Feuerfeste Thüre von Grüner 100 Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation *. Rohstoffe, a) Hadern: Hadernkrankheit. Versuche über das Dämpfen der Hadern von Lenz. Eisenbahnstäuber von Pitzler *. Lumpenschneider von Voith *. Desgl. von Albert *. Kochen der Lumpen von Beadle. b) Holzschliff: Holzschleifer von Voith *. Amerikanischer Schleifer von Farnsworth und Farwell *. Desgl. von Schäffer und Dale *. Holzschleifer von Millard *. Desgl. von Schmidt. Desgl. von Roberts. Desgl. von Kemp. Heisschleifer der Maschinenfabrik Golzern (vorm. Gottschald und Nötzli) * 105 Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen *. Bürstmaschine von Monforts *. Strähngarn-Bürst- und Reckmaschine von Monforts *. Maschine zum Glätten von Strähngarn von Timmer * 109 Kälteindustrie. Die Wasserrückkühlanlagen nach Rohleder * 112 Elektrotechnik. Fernübertragung von Zeigerstellungen *. Fernübertragung von Zeigerstellungen von Bindemann *. Desgl. von v. Krempelhuber *. Desgl. von Rudel und Marcher *. Desgl. von Blochmann * 113 Gasindustrie. Schmitt's Acetylenlampe für Fahrräder von der Oberrheinischen Metallwaarenfabrik * 116 Vervielfältigende Kunst. Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Lichthöfe und Polarisation: Lichthoffreie Platten der Berliner Actiengesellschaft für Anilinfarben. Hinterkleiden der Platten zur Verhütung von Lichthöfen von Drouet. Desgl. von Mussat. Desgl. von Edward. Collodionverfahen: Bromsilbercollodion von Penrose. Reifen der Collodionemulsion. von Bolton. Bromsilbergelatineemulsion, Trockenplatten und Papiere, Copirapparate: Herstellung von Bromsilbergelatine-Rapidemulsion von Blanc. Herstellung von Bromsilbergelatineemulsion von Hallenbeck. Chromatpapier von Colson. Aristobromopapier von Talbot. Bromsilberemulsion für Positivbromsilberpapier mit Stärke von der Eastman Company. Junk's Bromsilberarrowrootpapier von Scheering. Abziehbare Negativpapiere von Brookes. Negativbromsilberpapier von Balagny. Schnellcopirapparat von Manenizza. Belichtungsvorrichtung von Bühler. Uebertragungsemulsionspapier von Warnecke. Copirverfahren von Fleck. Entwickler für Bromsilberplatten: Ortol-Entwickler von Hauff. Aldehyde und Ketone als Ersatz der Alkalien von Lumière frères und Seyewetz. Aromatische Hydroxylaminverbindungen von Kalle und Co. Diamidoresorcinentwickler von Lumière und Seyewetz. Hydrirte Oxychinoline von Lembach und Schleicher. Brenzcatechin von Ellon. Farbensensibilisatoren: Rothsensibilisatoren von Eckhardt und Hinterberger. Photographie in natürlichen Farben: Versuche von Chassagne, Abney, Wood, Blanc, Lippmann und Graby 117 Kleinere Mittheilungen: Die Hefner-Lampe der Actiengesellschaft Siemens und Halske * 119 Eine 1200 Willans-Maschine 120 Bücher-Anzeigen 120 * bedeutet mit Abbildung. ☞ Das vorliegende Heft enthält zwei Beilagen von den Firmen: Briegleb, Hansen & Co. in Gotha und Schaeffer & Budenberg in Magdeburg-Buckau. Wir empfehlen dieselben bestens der freundlichen Beachtung unserer Leser. Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 5. Stuttgart, 7. Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Metallbearbeitung. Maschinen zur Massenherstellung von Schrauben. Mit Abbildungen. Maschinen zur Massenherstellung von Schrauben. Ed. E. Claussen's Schraubenmaschine. Um aus einem fortlaufenden Drahte Schrauben oder ähnliche Theile massenweise herzustellen, dient die in Fig. 1 bis 10 nach American Machinist, 1895 Bd. 18 Nr. 21 * S. 401, bezieh. nach D. R. P. Nr. 82469 dargestellte, vollständig selbsthätige, von Edw. E. Claussen in Hartford, Conn., erfundene Maschine. Dieselbe besitzt folgende Einrichtungen und Werkzeuge, um die nachbenannten Arbeiten auszuführen: Textabbildung Bd. 308, S. 97 Claussen's Schraubenmaschine. A. Ein Vierwalzenstreckwerk, um den von einer Haspel ablaufenden Draht gerade zu richten, worauf B. ein Walzenvorschubwerk folgt, dessen zwei Walzen excentrische Lagerung besitzen, um eine der Drahtstärke entsprechende Nachstellung zu ermöglichen. C. Von hier aus wird der Draht in ein feststehendes Klemmfutter geschoben und darin ohne weitere Verdrehung festgehalten. D. Ueber diesen Klemmkopf ist eine kreisende Abstechvorrichtung angebracht, mit der auch mittels Formstähle der Schraubenkopf abgedreht werden kann. Textabbildung Bd. 308, S. 97 Fig. 3. Claussen's Schraubenmaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 97 Fig. 4. Claussen's Schraubenmaschine. E. Das aus dem Klemmfutter vorstehende Drahtende wird nun mittels einer Hohlmesserkluppe abgedreht, hierauf mittels F. einem Gewindeschneidkopf das entsprechende Gewinde angeschnitten, alsdann durch G. eine Uebertragvorrichtung in dem Augenblick abgefangen, in dem der Schraubenkopf abgestochen worden ist. H. Dieser Uebertrager bringt die Kopfseite der fertigen Schraube vor eine Schlitzfräse, durch welche der Schraubenzieherschlitz eingearbeitet wird, wogegen bei Wegfall dieser Schlitzfräse in den Schraubenkopf durch das I. Bohrwerk ein ausserachsig stehendes bezieh. ein achsenrichtiges Loch gebohrt wird. K. Endlich schlägt ein Auswerfer die vollends fertig gestellte Schraube aus dem Gewindefutter des Uebertragers, wobei diese in einen Sammelbehälter fällt. Textabbildung Bd. 308, S. 98 Claussen's Schraubenmaschine. Diese Vorrichtungen sind zum Theil auf der festen Tischplatte a (Fig. 3), zum Theil (wie die drei Werkzeuge zum Drehen, Gewindeschneiden und zum Uebertragen) auf einer Schwingplatte c angeordnet, die auf einer Schlittenplatte b angegliedert ist, welche geradlinige, zum Spannfutter des Drahtes achsenrichtige Hubbewegungen ausführt. Textabbildung Bd. 308, S. 98 Claussen's Schraubenmaschine. Ausgenommen das Vierwalzenstreck werk d, werden alle übrigen Werke entweder unmittelbar angetrieben oder durch besondere Trommeln geschaltet. Unmittelbaren Antrieb vom Deckenvorgelege erhalten: das Abstech- oder Kopfhohldreh werk e durch Riemenscheibe f, das Schafthohldrehwerk g durch Riemenscheibe h, das Gewindeschneidwerk i durch Winkelräder k Antrieb bezieh. durch das angeschlossene Wendetriebwerk l Rücklaufbewegung, ferner die Schlitzfräse m durch Winkelwelle von der Riemenscheibe n, endlich das Lochbohrwerk o von der Scheibe o1. Vom Deckenvorgelege wird ausserdem durch Stufenscheibe p (Fig. 1) die Steuerwelle g angetrieben, an der zwei Leistentrommeln und zwei Curvenscheiben für den Schalt-, Schwing- und Stellbetrieb aufgekeilt sind, wobei Zahnbogenhebel und Schwinghebel vermittelnd wirken. Ausserdem ist noch ein zur Sicherung der Achsenrichtigkeit der Werkzeuge dienendes Riegelwerk g1 vorgesehen, welches mit Rücksicht auf die Schwingplatte c eine besondere Bedeutung besitzt. Von diesen Steuerungswerken treibt die Leistentrommel r die Speisevorrichtung s, während die Daumenscheibe t durch einen Zahnbogenhebel u (Fig. 6) das Abstechwerk e bezieh. durch einen diesen ersetzenden Gabelhebel (Fig. 7 und 8), durch welchen mittels Schrägnuth und Ueberwurfring die relative Verdrehung einer im Abstechkopf untergebrachten Curvenscheibe das Zuschieben der Kopfformstähle (Fig. 10) bezieh. der Abstechwerkzeuge veranlasst wird. Mit der Leistentrommel v (Fig. 1) wird der Schlitten b in Hubbewegung gebracht, während mit der Stirnscheibe w durch den Hebel x auch (Fig. 5) die Winkelschwingung der Platte c mit Hilfe des geführten Zapfenstückes y erhalten wird, wobei der Zapfen z (Fig. 4) als Schwingungsmittelpunkt dient, welcher unter der Antriebscheibe h seinen Platz hat. Abgesehen von den übrigen leicht verständlichen Arbeitsvorgängen, ist in dieser Maschine die Wirkungsweise der drei auf der Schwingplatte b angeordneten Werkzeuge bemerkenswerth. Je eines dieser drei Werkzeuge kann nur dann in Wirksamkeit treten, sobald es die zum Klemmfutter achsenrichtige Lage eingenommen hat. So tritt in Fig. 2 das Schafthohldrehwerk g, in Fig. 3 das Gewindeschneidwerk i in Thätigkeit, was je einer Schwingungslage der Platte b entspricht. Soll aber der Uebertrager a1 (Fig. 3 und 9) in die Flucht des Klemmfutters gelangen, so muss die Platte c zwei Rechtsschwingungen durchgeführt haben. Wird nun in dieser Lage der Schwingungsplatte c der Schlitten b vorgestossen, so fängt der Uebertrager a1 mittels seiner federnden Backen die eben abgestochene Schraube a ab und trägt dieselbe nach zwei beendeten Linksschwingungen der Platte c vor die Schlitzfräse m, währenddessen das Schaftdrehwerk g die Richtung des Klemmschlosses eingenommen hat. Damit nun der Uebertrager die Richtung des Schlittens b bezieh. der Schlitzfräse m einnehme, ist der Uebertrager als Winkelhebel b1 ausgebildet, welcher um einen Zapfen c1 schwingt. Schlägt nun dieser unter Federdruck stehende Winkelhebel b1 an die Führungsleiste d1 an, so stellt sich die sonst zum Zapfen z radial stehende Uebertragvorrichtung in die zum Schlitten b parallele Lage, so dass beim Rechtsschwingen von c das Fräsen des Kopfschlitzes vor sich geht. Im Rücklauf des Hauptschlittens b1 schlägt ein Auswerfer f1 die fertige Schraube aus dem Klemmfutter des Uebertragers, wobei dieselbe in einen Sammelbehälter fällt. Ch. M. Spencer's Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. Zur Herstellung von Schraubenwerkstücken (Fig. 11 und 12) mit zweiendiger Bearbeitung ist von Ch. Miner Spencer in Windsor, Conn., die in Fig. 13 bis 23 nach D. R. P. Nr. 88343 bezieh. nach American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 16 * S. 304, gezeichnete Maschine erfunden worden. Textabbildung Bd. 308, S. 98 Herstellung von Schraubenwerkstücken Zu diesem Behufe besitzt diese Maschine zwei selbständige, mit Vor- und Rücklaufdrehung bethätigte Hauptspindeln, welche in wagerechter Lage gegensätzlich aber achsenrichtig laufen, von denen die linksseitige für den Drahtvorschub eingerichtet ist, sonst aber eine feste Lagerung besitzt, während die rechtsseitige, mit dem Spannfutter nach links gerichtete axiale Verschiebungen nach jeder Arbeitsperiode erhält. Auf einer zu den Hauptspindeln parallelen Nebenwelle sitzen zwei Sticheltrommeln, von denen jene, welche mit der linken Hauptspindel arbeitet, zu axialen Schwingungsbewegungen eingerichtet ist, während dagegen die zweite, entsprechend der axial schwingenden rechten Hauptspindel, feste Lagerung auf einer Rohrwelle besitzt. Da nun beide Sticheltrommeln durch einen Bolzen auf Drehung verkuppelt sind, wobei eine axiale Verschiebung der linken Sticheltrommel stets möglich bleibt, so wird durch eine ruckweise Schaltung des Trommelrohres stets eines der Werkzeuge an die Arbeitsstelle verlegt. Nun ist die Einrichtung getroffen, dass die Werkzeuge den Spindelbüchsen zugekehrt sind, derart, dass die Stähle links und rechts an den Stirnflächen der entsprechenden Trommel angebracht sind. Textabbildung Bd. 308, S. 99 Spencer's Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. Ausserdem ist noch ein Querschlitten vorgesehen, auf welchem Abstech- bezieh. Rändelwerkzeuge in passender Verbindung aufgestellt sind, wobei eine Uebertragung des Werkstückes von der linken in das Klemmfutter der rechten Hauptspindel durchgeführt wird, sobald das Abstechen beendet ist. Um diese Uebertragung zu ermöglichen, sind in beiden Sticheltrommeln entsprechend grosse Aussparungen vorhanden, in welchen das Werkstück, unbeschadet einer kleinen Verstellung, genügenden Platz findet. Durch eine bis zum Werkstück reichende Ausschwingung der rechtsseitigen Hauptspindel wird nun das Werkstück erfasst und in den Bereich der Werkzeuge der rechten Sticheltrommel gebracht und hier den Vollendungsarbeiten unterworfen. Die im linken Spindelstock lagernde Hohlspindel (Fig. 15) wird durch die feste Riemenscheibe a bethätigt, während die auf den seitlichen Losscheiben auflaufenden Riemen mit dem Gabelhebel b verlegt werden. Mittels Kniehebelschloss c wird ferner das Klemmfutter d bewegt und mit dem Bordring f durch das daran geschlossene Fangrohr g der Rohdraht vorgeschaltet. Mit einem ähnlichen Kniehebelschloss (Fig. 16) wird das Klemmfutter h durch einen Mittelstab bethätigt, während der Bordring i die axiale Schwingungsstellung der gesammten rechten Spindel (Fig. 16) vermittelt, wobei zum Spindelantrieb Scheibe k und Riemengabel l dienen. Im rechten Spindelstock lagert ferner die Rohrwelle m, während die durchgeschobene Welle n auch noch zum Theil im linken Spindelstock ihre Lagerung findet. Textabbildung Bd. 308, S. 99 Spencer's Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. Auf dieser Welle n sitzt die Sticheltrommel p und auf der Rohrwelle m die Trommel q (auch Fig. 19 bis 22), während beide durch zwei Bolzen o ihre Verkuppelung erhalten und, indem mittels Kettenrads r die Drehschaltung der beiden Trommeln ermöglicht wird, findet die axiale Verschiebung der Sticheltrommel p mittels des Bordringes s statt. Querschlitten t für Abstechstähle u. dgl., ferner eine unmittelbar betriebene Schlitzfräse u und endlich ein selbständiges Lochbohrwerk v vervollständigen den Werkzeugstand. Diese Spindeln und Werkzeuge werden durch Vermittelung von Schlitten, Anschlägen und Hebelwerken von einer Steuerwelle w (Fig. 13) im Schaltgang bethätigt bezieh. durch diese die Hauptbewegungen der Spindeln eingeleitet, abgestellt oder umgekehrt, welche Steuerwellew von einer Riemenscheiben xdurch Vermittelung eines Schneckengetriebes y unmittelbar vom Deckenvorgelege ihre Bethätigung empfängt. Als Träger sämmtlicher vorerwähnten Theile dient eine Wange z, welche auf einem muldenförmigen Tisch ihre Aufstellung in passender Arbeitshöhe erhält. Zur eigentlichen Arbeitsführung sind nun folgende Schaltwerke, Stelleinrichtungen und Werkzeuge vorhanden, welche in der entsprechenden Arbeitsfolge bezieh. auch gleichzeitig zur Wirkung gelangen: A. Mittels Leisten 1 wird der Gabelschlitten für den das Fangrohr g betreibenden Bordring f hin und her bewegt und der Rohdraht vorgestellt. B. Hierauf findet durch die Trommelleisten 2 Verschluss der Klemmbüchse d durch Vermittelung des Kniehebelschlosses c statt, worauf C. die Werkzeuge der Sticheltrommel p zur Wirkung dadurch gelangen, dass die Leisten 3 der rechten Steuertrommel den Bordring s der Welle n durch den Schlitten 4 erfassen und die Welle n nach links schieben. Textabbildung Bd. 308, S. 100 Spencer's Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. D. Hierdurch treffen Anschlagbolzen 5 auf einen festen Winkel 6 (Fig. 19 und 20) auf, wodurch die Trommel p in Stellung erhalten wird, so dass eines der drei Werkzeuge zur Wirkung gelangt. E. Nach beendeter Bearbeitung findet die Rücklage bezieh. Rechtsschiebung der Sticheltrommel p statt, wobei der Anschlagbolzen 5 seinen Stützpunkt am Winkel 6 verliert, so dass sofort die Drehschaltung eintreten kann. F. Diese wird durch das schon früher erwähnte Kettenrad r eingeleitet, indem das zwischen Reibungsscheiben (Fig. 17 und 18) eingeklemmte Kettenrad r1 sich mitdrehen kann, während dasselbe in den Arbeitsperioden zum Stillstand gezwungen wird, was Anschlag 5 auf 6 bewirkt. G. Ist im Verlauf der Sticheltrommelschaltung das Loch 7 vor das Werkstück gekommen, so kann die Uebertragung desselben auf die rechtsliegende Hauptspindel h eingeleitet werden. Textabbildung Bd. 308, S. 100 Spencer's Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. H. Bevor dies eintritt, muss aber das Werkstück vom Rohdraht getrennt, d.h. abgestochen werden, wozu die Werkzeuge des Querschlittens t dienen, welche von der Daumenscheibe 8 durch Hebel 9 (auch Fig. 23) ihre Stell- und Schaltbewegungen empfangen. I. Kurz vor dem endgültigen Abstechen tritt die rechtsseitige Spindel h vor das Werkstück, erfasst dasselbe und trägt dieses, die Aussparungen 7 in den beiden Sticheltrommeln p und q passirend, in die Rechtslage vor den Werkzeugen der Trommel q. Diese Fangbewegung wird durch die Leiste 10, die darauf folgenden Arbeitsschaltungen durch die Hubleisten 11 vermittelt, während den Schluss des Klemmfutters h die Leiste 12 besorgt. K. Zum Abfangen des Werkstückes bezieh. zum Einschrauben desselben in das Futter h ist eine Rücklaufdrehung der Spindel ebenso wie zum Ausschrauben des fertigen Theiles erforderlich, wozu die Verlegung des gekreuzten Riemens auf die Scheibe k mittels Riemenführers l nothwendig wird, wozu die Daumenscheibe 13 vorgesehen ist. L. Ebenso ist nach dem Gewindeschneiden mit der Trommel p ein Zurückschrauben des Werkstückes unerlässlich, weshalb ein Rücklauf der Spindel a durch Riemengabel b mittels Daumenscheibe 14 einzuleiten ist. M. Endlich wird bei abgestellter Spindel h mittels Curvenscheibe 15 und Hebel 16 das Lochbohrwerk v gegen den Kopf des feststehenden Werkstückes geschaltet. Textabbildung Bd. 308, S. 100 Spencer's Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. Aus dem vorbeschriebenen Arbeitspläne ist zu erkennen, dass die Arbeiten mit der rechten Hauptspindel h mit jenen der linken Hauptspindel gleichzeitig verlaufen können, so dass selbst das Abfangen mit dem Abstechen zum grossen Theil sich decken muss. (Schluss folgt.) Bauwesen. Neuerungen auf dem Gebiete des Bauwesens. Mit Abbildungen. Neuerungen auf dem Gebiete des Bauwesens. I. Fenster und Thüren. Bei dem lebhaften Streben nach Vervollkommnung unserer Wohnungen bezüglich Behaglichkeit und Gesundheit ist es befremdlich, dass den Fenstern, als den Zubringern von Luft und Licht, bisher nicht eine grössere Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Die Mängel, welche den am meisten verbreiteten Penstern – den Flügelfenstern – anhängen, sind nach Sümmermann hauptsächlich folgende: Ein luft- und regendichter Verschluss ist selbst bei der besten Bauweise der Fenster dauernd nicht zu erzielen, weil die Flügel nur in denjenigen Punkten, wo die Beschläge angreifen, an die feststehenden Rahmen gepresst werden, sich im Uebrigen aber abbiegen können und damit dem Winde und dem Regen Eingang gestatten. Ferner ruhen die Flügel nur an einer der senkrechten Seiten in Gehängen, so dass, da eine genügende Verstrebung nicht angebracht werden kann, ein Senken derselben unvermeidlich ist, und durch Werfen, Ziehen, Eintrocknen und Aufquillen ein undichtes Schliessen und ein Klemmen der Flügel entsteht. Die Flügelfenster sind stets ein Spiel des Windes, der häufig Fenster zertrümmert, Vorhänge zerreisst und Gegenstände von den Fensterbänken herabwirft. Auch ist die Zuführung frischer Aussenluft durch die Flügelfenster sehr erschwert und ein Einstellen derselben auf ein bestimmtes Maass nur schwer zu erreichen, so dass sich ein freier Durchzug der Luft beim Staubputzen fast verbietet; und doch ist es von grosser. Wichtigkeit, dass der beim Putzen und Klopfen aufgewirbelte Staub rasch und gründlich fortgeführt werde. Ferner möge noch erwähnt werden, dass die Vorhänge beim Oeffnen der Flügel leicht eingeklemmt und zerstört werden; dass die Fensterbänke nicht mit Blumen, die oft den einzigen grünen Schmuck bilden, bestellt werden können, und dass beim Oeffnen der durch Regen, Schnee oder Niederschlagswasser angenässten Fenster das Wasser auf die Umgebung tropft. Es ist daher das Bestreben der Technik darauf hingewiesen, eine bessere Bauweise zu erfinden. Es sind auch bereits Versuche gern acht worden, durch senkrecht verschiebbare Fenster eine Besserung zu erreichen, und es finden sich diese Fenster in England, Amerika und auch an der deutschen Nordküste vielfach in Gebrauch. Dieselben haben jedoch den Nachtheil, dass nie das ganze Fenster geöffnet werden kann. Die Fenstertafel ist entweder so getheilt, dass die untere Fensterhälfte vor die obere, feststehende geschoben wird, in welchem Falle das Hochschieben der Fenster meistens durch Gegengewichte erleichtert wird, oder es schieben sich die mittels Schnur und Rolle abgewichteten unteren und oberen Fensterhälften so vor einander, dass im geöffneten Zustande das untere und obere Viertel der Fensterhöhe geöffnet ist. Bei der ersteren Bauweise ist die Lüftung der Räume mangelhaft, weil die obere Hälfte des Fensters stets geschlossen ist. Die letztere Bauweise hat den Nachtheil, dass das Fenster, da es nur bis auf ¼ der Fensterhöhe geöffnet werden kann, in Kopfhöhe keinen freien Ausblick ermöglicht. Auch die Bewegungsvorrichtungen dieser Fenster werden leicht abgenutzt. Ein einigermaassen dichtes Schliessen kann, da in geschlossenem Zustande kein allseitiges, festes Anpressen der Fenstertafel an die feststehenden Rahmen erzielt wird, nur durch Dichtungseinlagen erreicht werden, welche aber nach einiger Zeit sich abnutzen und ihren Dienst versagen, so dass die frei in den Führungsfalzen hängenden Fenster vom Winde hin und her getrieben werden und Knarren und Klopfen verursachen. Diese Mängel traten besonders hervor beim Baue eines von drei Seiten frei liegenden Gartenzimmers, das mit möglichst grossen, dichtschliessenden Schiebefenstern zu versehen war, und wurden Veranlassung zur Lösung dieser Aufgabe durch Einrichtung von wagerecht verschiebbaren Fenstern, welche sich in 4jähriger Probezeit bei Sturm, Regen und Kälte bewährt haben. Wenngleich der Patentträger, Carl Sümmermann in Münster, das Patent, das als D. R. P. Nr. 73585 in Kl. 37 eingetragen ist, hat verfallen lassen, so halten wir den Grundgedanken doch für so beachtenswerth, dass wir die Beschreibung hier eingehender mittheilen: Die Erfindung besteht darin, dass wagerecht verschiebbare Verschlusstafeln (Fenster, Thüren, Thore, Läden) in der Schlusstellung dicht geschlossen werden. Dies wird dadurch erreicht, dass die schliessende Tafel kurz vor der Schlusstellung gehoben oder gesenkt, seitlich und nach aussen bezieh. nach innen geführt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 101 Schiebefenster von Sümmermann. Als tragende Theile der Verschlusstafel können Rollen, Kugeln oder Schlitten benutzt werden. Der Führungsweg (Laufschiene) der tragenden Theile kann unterhalb oder oberhalb der Verschlusstafel liegen. Beim Auf- oder Zurollen läuft die Verschlusstafel vollständig frei und leicht ohne Reibung an den feststehenden Theilen der Umrahmung. Unmittelbar vor der Schlusstellung aber wird die Verschlusstafel entweder gehoben (s. Fig. 1) oder gesenkt (s. Fig. 2) und gleichzeitig seitlich und nach aussen bezieh. nach innen geführt (s. die Schlusstellungen der Fig. 1 bis 3). Die Bewegung der Tafel wird erzielt durch folgende Mittel: Gesenkt oder gehoben wird die Tafel durch Einschnitte bezieh. Erhöhungen auf dem Führungswege, in bezieh. auf welchen die tragenden Theile der Verschlusstafel laufen. Durch diese Bewegung der Tafel wird die obere und untere Stirnfläche der Verschlusstafel (s. die Schlusstellung der Fig. 1 und 2) fest an die feststehende Umrahmung der Oeffnung gepresst. In ähnlicher Weise werden auch die senkrechten Stirnflächen der Verschlusstafel durch die seitliche Bewegung der Tafel zum Schlusse mit der festen Umrahmung gebracht (s. die Schlusstellung Fig. 3a). Die dritte Bewegung der Verschlusstafel, welche unmittelbar vor der Schlusstellung gleichzeitig mit einer der vorbeschriebenen Bewegungen ausgeführt wird, ist nach aussen oder nach innen gerichtet, je nachdem verlangt wird, dass die Verschlusstafel mit der Aussen- oder Innenfläche an die feste Umrahmung gepresst werden soll (s. die Schlusstellungen Fig. 1 bis 3a). Erzielt wird diese Bewegung dadurch, dass die Führungsschiene an den Stellen, an welchen die tragenden Theile der Verschlusstafel in der Schlusstellung stehen, nach aussen oder nach innen gebogen ist. Durch diese Vorrichtung wird die Verschlusstafel nach aussen bezieh. nach innen getragen und legt sich mit ihrer Breitseite an die äusseren bezieh. inneren Flächen der feststehenden Umrahmung an. Die Berührungsflächen der Stirnseiten der Verschlusstafel und der festen Umrahmung sind, entsprechend der schrägen Bewegung, welche die Tafel vor der Schlusstellung ausführt, abgeschrägt, so dass dieselben klauenformig in einander greifen. Durch die Bewegung in die Schlusstellung werden nicht allein die schrägen Verschlusskanten, sondern auch die Breitseiten der Rahmen fest an die feststehende Umrahmung gepresst, so dass weder Luft und Regen eintreten, noch auch die Tafel erschüttert werden kann. Auch ein Ziehen des Fensterrahmens ist ausgeschlossen, da derselbe in der Schlusstellung in jedem Punkte durch das Gewicht der Tafel gleichmässig stark an die feste Umrahmung des Fensters gepresst, und somit in seiner geraden Lage erhalten wird. Das Oeffnen des Fensters geschieht von der Innenseite durch einen Hebel. Ein leiser Zug an einer Zugschnur genügt, um den Fensterrahmen von dem feststehenden Rahmen abzubiegen und zu heben. Ist das Fenster aus der Schlusstellung gehoben, so kann dasselbe beliebig weit eingestellt oder ganz geöffnet werden. In der Schlusstellung steht die Tafel so fest, dass ein Oeffnen von aussen nicht möglich ist. Ein besonderer Verschluss ist also nicht nothwendig, kann aber in einfacher Weise, z.B. als Ueberfallhaken, leicht angebracht werden. Dieses Schiebefenster ist frei von den den Flügelfenstern und den bisher gebräuchlichen Schiebefenstern anhaftenden Mängeln. Es zeichnet sich aus durch luft- und regendichtes Schliessen, bequeme Handhabung, leichten Gang und geht ohne jedes Klemmen der sonst häufigen Folge von Senken u. dgl. Die Ventilation ist gut, weil sich das Schiebefenster in seiner ganzen Höhe öffnet und die senkrechte Ausdehnung der Lüftungsspalte die wirksamste ist, da sie getrennte Ein- und Ausströmung der Luft gestattet. Ferner muss in Betracht gezogen werden dass das Fenster als eine grosse Tafel angeordnet werden kann, wie es in reicher ausgestatteten Häusern häufig gewünscht wird. – Die Schwere des Fensters ist von keiner Bedeutung, so dass, ohne den leichten Gang zu beeinträchtigen, die Fenster in beliebiger Grösse ausgeführt und Doppelscheiben angewendet werden können. Schliesslich lässt sich die Anbringung von Schiebeläden aus einer Tafel mit den Schiebefenstern mit geringen Kosten vereinigen, wodurch gleichzeitig für die Rollenläden ein ausgezeichneter Ersatz geschaffen ist. – Anwendbar ist die Bauweise an Fenstern oder Thüren bei massiven wie bei Fachwerkbauten. Die Tafeln können beim Oeffnen in Mauerschlitze bezieh. Hohlwände eintreten, durch besondere Verkleidungen gedeckt werden, oder frei vor die Wandflächen treten. Bei Massivbauten lässt man in der bei besseren Bauten wohl ausnahmslos vorkommenden Luftschicht in der Grösse der Fenstertafel die Binder fehlen, und ermöglicht auf diese Weise den Eintritt der Tafel in die Mauer. Eine Schwächung der Mauer kann durch Cementmörtel beseitigt werden. Bei Fachwerkbauten, wie z.B. bei den schwedischen und Schweizerbauten, lässt man die Fenster in die beiderseitig mit Brettern verkleideten Wände eintreten. Auch die modernen dünnen Hohlwände in Eisenfachwerk mit Putz- oder Gypsdielenverkleidung gestatten eine sehr zweckmässige Anwendung. Bei einfachen Nutzbauten, wie z.B. bei Schulen, Krankenhäusern, Schutzhallen, Fabriken, Lagerhäusern u. dgl. kann man die Fenstertafeln beim Oeffnen frei vor die inneren Wandflächen treten lassen. Soll die ganze Wandfläche möglichst in Lichtöffnungen aufgelöst werden, so können die Fenstertafeln vor einander geschoben werden, so dass sich dieselben in geöffnetem Zustande zur Hälfte decken. Auch für Schiebethüren an Eisenbahnwagen, geschlossenen Güterwagen, Pferdebahn wagen, wasserdichten Schiffsthüren und Luken, bei Thoren an Viehställen, wo der Kälte wegen ein dichter Verschluss verlangt werden muss, u.s.w., findet die neue Construction passende Verwendung. Die Fenster sind so eingerichtet, dass sie jederzeit herausgenommen und die Laufschienen abgeschraubt werden können, ohne die Anschlussleisten zwischen Tapeten und den inneren Deckrahmen zu lösen.Zu weiteren Mittheilungen ist der Patentbesitzer F. J. Schärmann in Münster (Westfalen) gerne bereit. Bei seinem Spangenfenster (Fig. 4) (D. R. P. Nr. 80244 und D. R. G. M. Nr. 29143 und 37236) sucht Franz Spengler, Berlin, alte Jakobsstrasse, dem Uebelstande abzuhelfen, dass man beim Oeffnen und Schliessen mehrere Verschlüsse nach einander zu drehen hat. Bei dem Spangenfenster bewirken „Gelenkspangen“ die gleichzeitige Drehung eines zu diesem Zwecke gefalzten Flügelpaares. Diese beim Reinigen aushängbaren Spangen dienen in Verbindung mit einem Stellbogen und mit Klemmspangen dazu, ein geöffnetes Fensterpaar in beliebiger Lage festzustellen. Die Stellschraube bewirkt, dass die Haltevorrichtung bei Stössen etwas nachgibt. Beim Schliessen des rechten Innenflügels werden auch die Aussenflügel, und zwar unten durch die Spangen, oben durch den Puffer, so fest an ihren Falz gedrückt, dass für die warme Jahreszeit das Schliessen des Reserveverschlusses nicht nothwendig erforderlich ist. Der letztere Verschluss kann ausser zum Festschliessen der Aussenflügel noch zum Festhalten des linken Flügelpaares benutzt werden. Die Verklemmungen der Wasserschenkel werden somit vermieden. Auf einfache und sinnreiche Weise sind die Gelenkstangen auch zum Feststellen der geöffneten Fenster nutzbar gemacht, indem ihre Drehung durch Knopfschieber, die in concentrische Zahnbogen eingreifen, zu hindern bezieh. zu reguliren ist. Diese übrigens das Lüften der Zimmer ungemein erleichternde Einrichtung lässt sich auch an den nach bisheriger Art construirten Fenstern und Balkonthüren ohne Schwierigkeiten anbringen. Textabbildung Bd. 308, S. 103 Fig. 4. Spangenfenster von Spengler. Das österr.-ungarische Privilegium vom 28. August 1893 von Matthäus Maurer in Pörtschach a. See, Kärnten, betrifft Einrichtungen an Fenstern, durch welche mittels eines einzigen Griffes das Oeffnen oder Schliessen der oberen Fensterflügel sowohl zum Zwecke der Lüftung als auch das Feststellen der unteren Fensterflügel in geöffneter Stellung und ein Verschluss derselben nach dem Schliessen ermöglicht ist. Zum gleichzeitigen Oeffnen und Schliessen der oberen Flügel dient ein Gestänge, dessen Arme in die durch Lenker gegenseitig verbundenen Fensterflügel eingelenkt sind und durch einen im unteren Theile des Fensterstockes auf und ab bewegbaren Handhebel verschwenkt werden können, wobei die Anordnung derart getroffen ist, dass das Oeffnen der Fensterflügel durch Bewegung eines Handhebels erfolgen kann. Das Feststellen der unteren Fensterflügel in geöffneter Stellung erfolgt durch einen an jedem Flügel drehbar angebrachten, federnden Arm, welcher hinter eine Nase oder einen Falz des Fensterstockes einschnappt, während der Verschluss der geschlossenen unteren Fensterflügel durch einen Fenstertrieb bewirkt wird. Fig. 5 zeigt eine Ansicht des Fensters mit geschlossenen Flügeln. Fig. 6 und 7 zeigen im Querschnitte die zum Oeffnen und Schliessen der oberen Fensterflügel dienenden Einrichtungen bei geschlossenen und geöffneten Flügeln. Fig. 8 ist ein Schnitt durch die oberen geschlossenen Flügel. Wie aus den Fig. 5 bis 8 ersichtlich, sind die oberen Fensterflügel a0a0' um Scharniere a beweglich, so dass der Flügel a0 unten und Flügel a0' oben drehbar ist. An den Flügeln sind Lenker b drehbar befestigt, welche mit den Enden der zu beiden Seiten des Fensterstockes drehbaren doppelarmigen Hebel c verbunden sind. Auf den Flügel a0 wirken die auf einer drehbar gelagerten Welle d sitzenden Hebelarme, deren Enden in am Fensterrahmen befestigten Platten angeordneten Längsschlitzen eingelenkt sind. Eine weitere Erörterung der Hebelübertragung ist ohne weiteres aus der Figur ersichtlich. Textabbildung Bd. 308, S. 103 Stellfenster von Maurer. Neu und Gegenstand des Privilegiums ist: An Fenstern, deren untere Flügel um senkrechte Angeln drehbar sind, während die oberen Flügel auf wagerechten Angeln ruhen: 1) Eine Vorrichtung zum gleichzeitigen Oeffnen und Schliessen der oberen Fensterflügel a0a0', bestehend aus den an einem der um Scharniere a drehbaren Flügel eingelenkten Armen c0 und einem Gestänge c2, welches durch die Kurbel d1 mit der Drehachse d dieser Arme und durch die Kurbel e mit einem verschwenkbaren Handhebel e2 derart verbunden ist, dass die durch Lenker bcb mit einander in Verbindung gebrachten Flügel a0a0' durch Ab- und Aufwärtsschwenken des Handhebels gleichzeitig geöffnet oder geschlossen werden und ein Oeffnen der Flügel ohne Bewegung dieses Handhebels nicht stattfinden kann (Fig. 5 bis 8). 2) Eine Vorrichtung zum Feststellen der unteren Flügel d0d0' in geöffneter Lage, bestehend aus dem am unteren Rahmentheile i drehbaren, durch eine Feder nach einwärts schwenkbaren Arme an jedem dieser Flügel, dessen Vorderende hinter eine Nase des Fensterstockes oder in den Schliessfalz des letzteren einschnappt. 3) Eine Vorrichtung zum Verriegeln der unteren Flügel d0d0', bestehend aus einem Fenstertrieb, dessen Olive f eine Scheibe trägt, in welche ein Stift der mit Schliesshaken g versehenen Riegelstange eingreift und auf einen, die Flügel in der Mitte verbindenden Schliesshaken einwirkt. Eine selbsthätige Sicherung von Rolläden gegen Abstürzen will nach D. R. P. Nr. 88260 Ludwig Dihm in Friedenau-Berlin bewirken. Bei der üblichen Construction der Rolläden für Thüren und Fenster besteht die fortwährende Gefahr des Herunterfallens dieser Läden, sobald der Gurt reisst oder die Klemmvorrichtung, die den Gurt festhalten soll, versagt. Textabbildung Bd. 308, S. 104 Fig. 9. Sicherung von Rolläden gegen Abstürzen von Dihm. In der vorliegenden Vorrichtung (Fig. 9) ist der Kasten k in das Futter der Thür oder des Fensters eingelassen, der Winkel w in das Rahmenholz des beweglichen Flügels und das Schliessblech s in die äussere Wandung der Nuth für den Laden. Auf dem Boden des Kastens ist das Excenter e mit seiner einen Ecke befestigt; an den beiden anderen Ecken des Excenters sind der Stift a und die Zunge b mit beweglichen Gelenken angebracht. Hinter dem Excenter steht eine Feder f, die mit ihrem freien Ende gegen die den Stift a mit dem Excenter verbindende Schraube drückt. Schliesst man den Thür- oder Fensterflügel, so drückt der an dem Flügel befestigte Winkel w den Stift a in den Kasten zurück. In Folge dessen geht die Zunge b so weit in den Kasten zurück, dass die Nuth für den Rolladen frei ist. Der Laden kann also bei geschlossenem Flügel nach Belieben bewegt werden. Wird hingegen der Flügel geöffnet, so drückt die Feder f den Stift a heraus, das Excenter überträgt die Bewegung auf die Zunge b, und diese schiebt sich nun über die ganze Breite der Nuth für den Rolladen und greift noch eine kurze Strecke durch das Schliessblech s hindurch in die gegenüber liegende Wandung der Nuth. Es ist nunmehr für den zum Fenster Hinaussehenden oder die Thür Durchschreitenden jede Gefahr ausgeschlossen, weil der Laden nur bis auf die Zunge h fallen kann. Selbstverständlich muss die Vorrichtung hoch angebracht werden. Die Ausführung des Patentes ist Golde und Raebel in Charlottenburg übertragen. Der Kipprolladen von Fuchs in Pforzheim ist in Fig. 10 bis 16 dargestellt. Fig. 10 zeigt das Profil der Stäbe, Fig. 11 die Aussenansicht derselben mit den Kippzapfen. Diese greifen in das Mittelglied einer Flachstabkette ein (Fig. 12), deren Seitenglieder, mit Langlöchern versehen, eine Verlängerung der Kette zulassen. Solche beiderseits angeordnete Ketten gleiten in ⊏-Eisenführungen. Die inneren Zwischenketten k lassen eine solche Verlängerung oder Verkürzung nicht zu. Soll nun der Laden in der Stellung bei geöffneten Stäben hochgezogen werden, so schliessen sich zunächst die Klappstäbe, alsdann erst beginnt die Aufrollung, dabei verlängert sich die Führungskette nach Erforderniss der Mehrlänge des äusseren Durchmessers. Beim Herablassen treten die Stäbe zunächst wieder in die Stellung nach Fig. 15 und 16 ein und bei weiterem Nachlassen in die Stellung Fig. 13 und 14 zurück. Bezüglich der Thüren wollen wir uns auf die Bestrebungen beschränken, welche darauf gerichtet sind, die Feuersicherheit der Thüren zu erhöhen. Textabbildung Bd. 308, S. 104 Kipprolladen von Fuchs. O. Grüner wendet sich in der Schlosserzeitung gegen die früher üblichen eisernen Thüren, die man für feuerfest hielt und aus starkem Schwarzblech anfertigte, mit aufgelegtem Flacheisenbesatz, Bändern und Schloss versah und möglichst genau in den Falz des steinernen Thürgerüstes einschlagen liess. Wer aber die Erprobung einer solchen Thür beobachtete, wendet eine derartige Bauart kaum zum zweiten Mal an, denn eine solche Thür wird bald rothglühend und strahlt zündende Hitze nach dem Raume, der geschützt werden soll. Ferner verzieht sie sich und gestattet dem Feuer, den Brandgasen und dem Rauche in breiten Spalten den Durchtritt. Man zieht deshalb feuerfeste Thüren aus zwei Brettlagen mit Nuth und Feder zusammengefügt und in Kreuzlage auf einander zu genagelt vor. Die Thür wird beiderseits und an den Kanten mit Weissblech beschlagen, die Ränder sind zusammenzufalzen, damit sie sich unter der Hitze weder auflöthen noch platzen. Zuletzt werden Bänder und Schloss oder Riegel angeschlagen. – Solche Thüren haben sich, wenn sorgfältig ausgeführt, gut bewährt. Gute Erfahrungen hat man mit Thüren gemacht, die in Rabitz-Art ausgeführt wurden. Diese erhielten ein Rahm werk aus leichtem Winkel- oder ⊤-Eisen, an dem Bänder und Riegel befestigt werden; die Fläche oder Füllung der Thür besteht aus Drahtgewebe mit beiderseitigem Ueberzuge von Mörtel. Diese Thüren schlagen in Falze, die gleichfalls aus Façoneisen hergestellt und durch Rabitz-Putz gegen Hitze geschützt werden. Verziehen durch die Hitze oder das eigene Gewicht tritt bei solcher Bauart um so weniger ein, als die innere Drahtfüllung wie ein Gitterträger wirkt. Die Uebertragung der Hitze durch eine solche Thür ist so gering, dass an ihrer Aussenseite angehängte Fasergewebe sich nicht entzünden. Zum Schütze des Thürputzes kann ein Schutzmantel aus Holz oder Blech dienen. Wichtig ist es, dass Abschlüsse an Brandmauerdurchbrüchen im Falle der Noth geschlossen werden können oder schon geschlossen sind. Um etwaige Vergesslichkeit beim Schliessen dieser Oeffnungen unschädlich zu machen, empfiehlt es sich, feuerfeste Schutzthüren so aufzugänzen, dass sie auf einer schiefen Bahn durch ihr eigenes Gewicht herabgleiten und die Oeffnung verschliessen, sobald ein leicht verbrennliches Hinderniss (eine ölgetränkte Hanfschnur oder ein zwischengespreizter Holzstab) durch die Hitze zerstört worden ist. Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation. Von Prof. Alfred Haussner, Brünn. Mit Abbildungen. Neuerungen in der Papierfabrikation. Rohstoffe. a) Hadern. Der steigende Preis feiner weisser Hadern lässt vermuthen, dass die Nachfrage nach derartigen Abfällen bedeutend ist. Daraus darf wohl der Schluss gezogen werden, dass auch die Herstellung der, wenn sie richtig erzeugt worden sind, auch heute noch unübertroffenen europäischen Hadernpapiere erfreulicher Weise zum Mindesten nicht zurückgeht. Allerdings darf nicht unbeachtet bleiben, dass besonders weisse Hadern, wie Abfälle aus Wäschefabriken u. dgl., deshalb mehr begehrt sind, weil die Verarbeitung derselben durch Verordnungen der Gesundheitsbehörden nicht so sehr erschwert wird, als wie die Verwendung solcher Hadern, welche bereits derart gebraucht und beschmutzt worden sind, dass Befürchtungen wegen Uebertragung von Krankheitskeimen nahe liegen. Gerade in jüngster Zeit sind von österreichischen, deutschen und belgischen Behörden theilweise strenge Verordnungen in dieser Richtung erlassen worden, welche vermuthlich auf Fälle von Hadernkrankheit (Milzbrand) zurückzuführen sind, die in Oesterreich letzter Zeit vorkamen. Es ist wohl zu begreifen, dass die betroffenen Kreise Abänderungen wünschen. Das Schwergewicht der Bitten um Abhilfe liegt wohl darin, dass die theilweise geplante, theilweise schon gehandhabte Vorschrift für das Behandeln der Lumpen im strömenden Dampfe von über 100° zurückgenommen werde. Begründet wird dies damit, dass durch das Dämpfen nicht der beabsichtigte Erfolg erreicht wird, indem doch die Lumpen durch viele Hände zu gehen haben, also doch die Ansteckungsgefahr zu fürchten ist, besonders für jene Leute, welche die Lumpen in den Dämpfkammern auszubreiten haben – dass weiters durch das Dämpfen die Lumpen in einen Zustand übergehen, der ihre weitere Verarbeitung wesentlich erschwert, wenn nicht fast unmöglich macht – dass endlich die Kosten des Dämpfens von der Industrie nicht mehr getragen werden können. Nun scheint es dem Berichterstatter, als ob diese Beschwerdepunkte meist als nicht stichhaltig anerkannt werden können mit Rücksicht auf die gewissenhaften, sorgfältig ausgeführten und in meinem Berichte in D. p. J. 1896 300 25 erwähnten Versuche von Dr. Lenz. Mit Rücksicht auf die besondere Wichtigkeit dieser Fragen sei von diesen Versuchen noch hervorgehoben, dass das Dämpfen der Hadern im Ballen stattfand, so dass also die Berührung zwischen den ungedämpften Lumpen und den Arbeitern ausserordentlich eingeschränkt worden ist – dass ein im Inneren der Ballen angebrachtes Thermometer nach einer Desinfectionszeit von 50 Minuten eine Temperatur von 125 bis 130° C. nachwies – dass dann die Hadern ausgebreitet und, sich selbst überlassen, in kürzester Zeit so trocken waren, dass sie ohne Anstand längere Zeit lagern konnten – dass endlich so durch Dämpfen entseuchte Hadern keinerlei Anstände bei der Verarbeitung im Holländer u. dgl. machten. Von all den Beschwerdepunkten blieben nun nur noch die unleugbar aufzuwendenden Kosten. Diese sind aber auch nach den genauen Angaben von Lenz, worüber auch in D. p. J. 1896 300 25 auszugsweise berichtet wurde, für sich allein betrachtet, keineswegs hoch. Im Zusammenhalt jedoch mit den von der Industrie sonst zu tragenden grossen Lasten müssen allerdings auch diese Aufwendungen gewiss fühlbar werden, so dass es sich entschieden empfiehlt, die Frage zu erwägen, ob die Maassregeln hinsichtlich des Dämpfens, welche mit Rücksicht auf das allgemeine Wohl, den allgemeinen Gesundheitszustand so lange ins Auge gefasst werden müssen, bis ein besseres Entseuchungsverfahren angegeben wird, nicht für die betroffene Industrie durch anderweitige Erleichterungen erträglicher gemacht werden sollen. In dem erwähnten Berichte (D. p. J. 1896 300 25) ist übrigens auch schon des Umstandes gedacht, dass mechanisch ausgeführtes Stäuben den Lumpen sehr Vieles an Gefährlichkeit zu nehmen vermag. Im D. R. P. Nr. 93781 gibt nun Heinrich Pitzler in Birkesdorf bei Düren die Ausführung eines Eisenbahnstäubers an, welcher es ermöglicht, stark beschmutzte Hadern dauernd zu klopfen, während durch eine einfache Umänderung in demselben Apparate reinere Lumpen kürzere Zeit der schlagenden Wirkung ausgesetzt werden können. Fig. 1 zeigt ein Transporttuch a, durch welches die Hadern dem ersten Schläger b1 zugebracht werden. Bei der Drehung gemäss dem eingezeichneten Pfeile werden die Lumpen gefasst, geschlagen, über das Sieb d1 geführt, wo Gelegenheit zum Abfallen des Schmutzes in die tiefer liegenden Theile der Maschine gegeben ist, und endlich gegen rechts abgeschleudert. Wird nun der Schieber s1, welcher in Schlitzen des Gehäuses geeignet geführt und durch Stellschrauben festzulegen ist, hinreichend tief gestellt, so fliegen die Lumpen über die Schieberoberkante sofort dem zweiten Schläger b2 zu. Stellt man dagegen s1 hoch, so wird, weil die Hadern doch tangentiell zu den von den Schlägerpunkten beschriebenen Kreisen rechts abgeschleudert werden, wie es der Pfeil 1 andeutet, das Hadernmaterial gezwungen, länger in der ersten Abtheilung zu verweilen. Weil dieser, das Wesen der Erfindung bildende Zwang auch in den folgenden Abtheilungen durch die Stellung der Schieber s2 und s3 erreicht werden kann, so hat man es thatsächlich in ganz einfacher Weise in der Hand, nach Belieben gewisse Sorten von Lumpen länger, andere kürzer in der Maschine verweilen zu lassen, dadurch manche Hadern mehr, manche weniger zu stäuben. Durch das Lattentuch rechts werden die durchgestäubten Lumpen abgeleitet, der Ventilator e saugt in bekannter Weise die mit Staub erfüllte Luft des Innenraumes der Maschine ab. Textabbildung Bd. 308, S. 106 Fig. 1. Eisenbahnstäuber von Pitzler. Textabbildung Bd. 308, S. 106 Lumpenschneider von Voith. Für Lumpenschneider finden wir von der Papiermaschinen-Firma J. M. Voith in Heidenheim eine Neuerung, die in der Papier-Zeitung, 1896, beschrieben ist. Danach soll bei Hadernschneidern mit geradlinig auf und ab gehender Bewegung der Messer statt der meist angewendeten Bekleidung des Schneidtisches mit einem weichen Metall eine Stahlplattenbekleidung gegeben werden mit besonderer Anordnung, um die Messerschneiden nicht zu verderben. Wir bemerken in Fig. 2 und 3, dass auf dem aus weichem Eisen gedachten Tische c eine Stahlplatte d aufgeschraubt ist, welche aber durch Schlitze e1e2... h1h2 unterbrochen ist. In diese tauchen nun beim Abwärtsgange die Messer 6 mm tief ein, so dass sie sich gewiss nicht beschädigen können. Eine andere Frage bleibt allerdings die, ob die Lumpen beim Schneiden nicht doch etwas mit in die Schlitze hineingezogen werden und solcherart unangenehme und kraftverzehrende Klemmungen veranlassen. Jedenfalls dürfte es nothwendig sein, die bezüglichen Schlitz weiten im Vergleich mit den Messern genau auszuprobiren, was von einer Firma wie J. M. Voith wohl anzunehmen ist. Dass der Staub durch die gegen unten sich ausweitenden Schlitze e-h leicht fallen kann, ist gewiss eine Annehmlichkeit. Ein ganz neues System für Lumpenschneider in der Papierfabrikation will Hans Albert in Kronstadt gemäss dem französischen Patent Nr. 264588 einführen. Wir bemerken, dass in Fig. 4 die Hadern durch das Zuführtuch f den Einführwalzen d und e übergeben werden, deren Abstand und Druck einstellbar ist mittels der Gewichtsbelastung p. An die Walzen d und e schliesst sich eine Art Zange mit den Backen m und n an, wobei auch m durch ein Gewicht p1 belastet werden kann. Allem Anscheine nach muss die schiebende Wirkung der Walzen d und e ausreichen, um die gefassten Lumpen auch durch die Zange mn zu drücken. Hinter dieser werden die Lumpen von den Zähnen einer Säge c zerzupft, welche in spiralförmig verlaufenden Nuthen der Gussnabe b eingelegt und die einzelnen Windungen durch Stehbolzen i gegen einander abgesteift hat. Es erscheint wohl zweifellos, dass diese Maschine, welche in ihrer Anordnung und Arbeitsweise gewissen Apparaten mit ähnlichem Endzwecke in der Textilindustrie fast gleicht, die ihr übergebenen Hadern so weit zertheilen kann, dass von Gewebestücken keine Spur mehr zu entdecken und solcherart dem Holländer kräftig vorgearbeitet ist. Aber etwas anderes muss wohl hier auch erwogen werden. Wie steht es mit der Kochung soweit zertheilter Lumpen? Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen dürften die in ungefähr quadratische, nicht allzu kleine Fleckchen zerschnittenen Lumpen deshalb geeigneter sein, weil dabei weniger Verlust beim Kochen eintreten dürfte. Textabbildung Bd. 308, S. 106 Fig. 4. Lumpenschneider von Albert. Für das Kochen von Lumpen wird von Clayton Beadle in The Chemical Trade Journal aufmerksam gemacht, dass Hadern, welche ziemlich viel Stärke enthalten, in üblicher Weise mit Sodalösung gekocht, nicht ordentlich vorbereitet werden, weil die Stärke in einen gelblichen Schleim übergeht, welcher insofern schädlich ist, als er bei der Wäsche sich in Klümpchen theilt, welche das fertige Papier verunstalten. Aus durchgeführten Versuchen schliesst Beadle, dass für diesen Fall eine Abkochung von Malz das geeignete Kochmittel sei. Dadurch kann die Stärke in Dextrin und Zucker verwandelt und in dieser Form leicht ausgewaschen werden. Erst darauf soll die gewöhnliche Kochung mit Alkali folgen; nothwendig ist diese letztere nur mehr in dem Falle, wenn es sich um schmutzige oder färbige Lumpen handelt. Bei neuen Lumpen genügt die Kochung mit Malzabsud allein, so dass in diesem Falle auch noch die Fasern geschont werden. b) Holzschliff. Für die Construction der Holzschleifer liegen einige Neuerungen vor. J. M. Voith in Heidenheim zeigt im D. R. P. Nr. 84043 eine Lösung für die Aufgabe, das Holz bequem in ganzen Stämmen oder doch in grösseren Stücken zu verschleifen, als dies bisher üblich ist. Dadurch wird begreiflicher Weise an Vorbereitungsarbeit gespart und auch der Abfall an den fast werthlosen Sägespänen vermindert. Textabbildung Bd. 308, S. 107 Fig. 5. Holzschleifer von Voith. Wir bemerken in Fig. 5 einen Schleifer mit wagerecht liegendem Stein, links ist die der oben erwähnten Aufgabe angepasste Zuführung für das Holz angebracht. Das Holz h wird der Mantelfläche des Steines schief zugeführt, so dass die Mittellinie der Zufuhrkästen die Linie schneidet, in welcher Mantelfläche und untere Steinebene in einander übergehen, wobei natürlich besondere Genauigkeit nicht unbedingt nöthig ist. Es empfiehlt sich diese Anordnung nur dadurch, dass die schleifende Mantelfläche thunlichst in der ganzen Höhe ausgenutzt wird. Die Hölzer werden selbsthätig zugeführt durch die Stachelwalze c, welche mittels des Gewichtshebels d an das Holz gedrückt wird. Dabei wird c fortwährend langsam gedreht, und zwar vom Kettenrade f aus durch die Räderübersetzung 1–6. In dieser bietet insbesondere die eingeschaltete Schnecke 3 Gewähr dafür, dass das Holz langsam, stetig und ruhig vorgeschoben wird. Wenn man nur auf das Abschleifen der Fasern bedacht zu sein hätte, so würde Walze c ausreichen. Um jedoch die Berührungsstelle zwischen Holz und Stein recht klein zu halten und dadurch den Wasserzutritt thunlichst zu ermöglichen, auch dem „Todtschleifen“ vorzubeugen, finden wir noch eine zweite, schief liegende Stachelwalze b, welche ganz unten das Holz erfasst und dreht, wodurch das Holz ungefähr kegelig zugeschliffen wird. Die Stachelwalze b wird von dem bereits erwähnten Kettenrade f aus angetrieben mit Hilfe der Kegelräder 7 und 8. Spritzrohre, wie bei e angedeutet, sorgen dafür, dass der Schliff von der Mantelfläche des Steines ab- und in die tiefliegenden Gehäusetheile gespült werde, von wo aus der verdünnte Schliff weiter geleitet wird. Wie es bei der bestbekannten Firma Voith kaum anders zu erwarten ist, lässt schon die in der Patentbeschreibung enthaltene Skizze die sorgfältige Durchbildung der Construction erkennen. Nur mag bemerkt werden, dass mindestens ein zweiter Presskasten, und zwar diametral dem bereits vorhandenen gegenüber liegend, entschieden empfehlenswerth sein dürfte, um einerseits den Stein besser auszunutzen und andererseits die starke einseitige Inanspruchnahme zu vermeiden. Zwei amerikanische Schleiferconstructionen gehen darauf aus, Ungleichförmigkeiten in der Steindrehung möglichst zu beschränken. In dem amerikanischen Patent Nr. 575600 schlagen W. R. Farnsworth und Porter Farwell in Turner Falls, Mass., eine selbsthätige Regelung vor. Wir bemerken in Fig. 6 bei d den Schleifstein auf der wagerechten, durch die Turbine bei a gedrehten Welle c. An den Stein d wird das Holz durch drei hydraulische Pressen 2 angedrückt, welche ihr Druckwasser von der Pumpenanlage e mittels der Rohre 6, 8, 9, 10 bekommen. Die Abmessungen der Pumpen e sind so gross gewählt, dass Wasser reichlich geliefert wird und immer ein merklicher Ueberschuss noch durch das Ventil 7 in das Ueberfallrohr 13 fliesst. Machen wir durch Ventil 7, etwa mittels des Handrades 14, die Durchflussöffnung für das überschüssige Wasser kleiner, so muss natürlich der Druck steigen, um durch erhöhte Geschwindigkeit noch immer genug Wasser abzuleiten, während bei weiterer Eröffnung von 7 der Druck wird sinken müssen, so dass das an 8 angeschlossene Manometer 16 veränderliche Drücke in der zu den Pressen führenden Leitung wird erkennen lassen. Wollen wir nun diese Druckänderungen selbsthätig vor sich gehen lassen, so haben wir Folgendes zu überlegen. Dreht sich die Welle c rascher, etwa dadurch, dass eine Presse behufs Neubeschickung ausgeschaltet worden ist, so muss der Stein um so mehr durch die anderen, in Thätigkeit befindlichen Pressen abgebremst, also in diesen der Druck erhöht werden. Dies besorgt in vorliegender Construction der Centrifugalregulator f, welcher von der Hauptwelle c durch den Riemen 5 und eine geeignete Räderübersetzung angetrieben wird. Steigt mit der Geschwindigkeit der Hauptwelle c auch jene des Regulators f, so heben sich dessen Kugeln und daraus kann in geeigneter Weise die Drehung des Kegelrades 17 hergeleitet werden, welche Bewegung in 7 das Ueberfallwasser drosselt und dadurch, wie oben auseinandergesetzt, den Druck für die Pressen erhöht. Natürlich ist es Sache von Versuchen, passende Verhältnisse herauszufinden. Textabbildung Bd. 308, S. 107 Fig. 6. Amerikanischer Schleifer von Farnsworth und Farwell. In anderer Weise lösen A. D. Schäffer und Ch. H. Dale in Hartford, Ind., die vorerwähnte Aufgabe. Wir sehen in der schematischen Fig. 7 gemäss amerikanischem Patent Nr. 553157, dass an den im Gehäuse a befindlichen Stein durch zwei hydraulische Pressen d0 Holz in den Kästen b und c0 gedrückt wird. Das Druckwasser strömt gewöhnlich aus Rohr h1 durch das Reducirventil f in die Abzweigung c d zu den Pressen. Wenn nun eine der beiden Pressen d0 abgestellt wird, so werden die Hähne if0 oder jg0 so gebraucht, dass das Druckwasser aus dem Hauptrohre h1, ohne durch das Reducirventil f zu strömen, also mit dem vollen Drucke in die jetzt allein benutzte Presse durch eines der Zweigrohre g oder h gelangt. Dadurch wird in der einen, nun allein benutzten Presse mehr gebremst und ist es nicht ausgeschlossen, dass die Verhältnisse so gewählt werden, dass die Geschwindigkeit des Steines sich nicht ändert. Ob aber trotzdem unter diesem, jetzt wesentlich höheren Drucke gleich guter Schliff erzeugt wird, erscheint wohl fraglich. Immerhin dürfte ja im normalen Betriebe dieses Auskunftsmittel nicht lange benutzt werden müssen. Etwas anderes erscheint aber deshalb bei den beiden letztangeführten Constructionen bedenklicher, und zwar die nach Ausschaltung einer Presse bei den anderen eintretende, wesentlich grössere, einseitige Belastung. Textabbildung Bd. 308, S. 108 Fig. 7. Amerikanischer Schleifer von Schäffer und Dale. Gleichmässige Holzzufuhr wird bei dem Holzschleifer von E. F. Millard in Jackson (Amerikanisches Patent Nr. 567720) erstrebt. Es ist nur natürlich, dass dann, wenn sich Holz in irgend einem der Presskästen des Schleifers (Fig. 8) befindet, das Holz bei der durch den Pfeil angedeuteten Drehungsrichtung an die Wände c angedrückt wird und bei dem Vorschübe gegen den Stein mittels Kolben d besonders an den bezeichneten Wänden merkliche Reibung wird überwunden werden müssen, wodurch das Holz an diesen Wänden sozusagen zurückgehalten wird, das Holz sich schief stellt, „spiesst“ u. dgl. Um dem vorzubeugen, sehen wir Schnecken a eingebaut, welche nur wenig in die Kästen vorragen und so durch Räder bb1 gedreht werden, dass sich beim Andrücken der Hölzer an die Umfläche der Walzen a eine zur Achse derselben parallele Vorschubgeschwindigkeit ergibt, die jener des Kolbens d gleich ist. Es ist nicht zu leugnen, dass die Erwägungen, aus welchen diese Anordnung hervorgegangen ist, manches für sich haben, nur ist natürlich durch die Walzen a die einfache Presse immerhin verwickelter geworden. Textabbildung Bd. 308, S. 108 Fig. 8. Holzschleifer von Millard. Eine Anordnung, welche an die Construction von Schmidt erinnert D. p. J. 1890 275 529), ist jene von Ch. W. Roberts in North Bennington nach amerikanischem Patent Nr. 571019, indem auch hier die Schleifkästen hin und her bewegt werden. Nur wird bei der Roberts'schen Ausführung das Holz quergeschliffen und haben die zwei an einander liegenden und gemeinsam senkrecht gegen die Steinachse bewegten Kästen vermuthlich den Zweck, Holz nachfüllen zu können, ohne dass der Schleifprocess irgendwie gestört wird, indem ein Kasten frei liegt, während das Holz des Nachbarkastens abgeschliffen wird. Von J. C. Kemp in Tipton finden wir im amerikanischen Patent Nr. 588340 einen neuen Versuch, auf andere Weise als wie mit Steinen, aber auf mechanischem Wege Holzstoff zu erzielen. Es wird dabei eine Art Reibeisen, auf dem Umfange einer Walze festgelegt, benutzt. Holz in Bretterform oder noch im Stamme soll damit in Fasern aufgelöst werden. Die Art der Ausführung des Gedankens, das verkleinernde Werkzeug selbst und die Einzelheiten der beabsichtigten Anordnung lassen eine solche Unkenntniss ganz einfacher mechanischer Principien erkennen, dass wohl von der in der Patentbeschreibung geschilderten Ausführung, trotz der geäusserten Hoffnungen des Erfinders, nichts zu erwarten ist. Das Heisschleifen, von welchem bereits in D. p. J. 1896 300 26 geschrieben worden ist, scheint sich seither doch etwas verbreitet zu haben. Obwohl nach ziemlich verlässlichen Nachrichten doch bis 25 Proc. mehr an Kraft für dieselbe Gewichtsmenge Schliff verbraucht wird gegenüber den bisher allgemein benutzten Kaltschleifern, so soll doch der Heisstoff thatsächlich etwas besser als der Kaltschliff sein und demgemäss etwas bessere Preise erzielen. Erklärungen hierfür, die durch einschlägige Versuche begründet wären, liegen noch nicht vor; es bleibt also nichts übrig, als auf die a. a. O. versuchte Erklärung neuerlich hinzuweisen. So viel ist, obwohl es dem Berichterstatter trotz wiederholten Ansuchen bei einschlägigen Fabriken nicht gelungen ist, bestimmte Zahlen zu erlangen, doch schon als gewiss anzunehmen, dass der specifische Druck für das Anpressen des Holzes wesentlich grösser, die benutzte Schleifwassermenge merklich kleiner als bei den Kaltschleifern ist. Dass trotz dieser Umstände, wie vielfach, insbesondere von amerikanischen Schleifern behauptet wird, der Heisschliff feiner sei als der Kaltschliff, hängt vielleicht damit zusammen, dass unter der hohen Pressung der Stein sich mehr verlegt und deshalb die die Fasern abtrennenden Sandkörnerspitzen weniger vorragen. Durch die hohe specifische Pressung für den Holzandruck gelingt es auch, auf verhältnissmässig kleinen Steinen eine hohe Anzahl von Pferdekräften zur Erzielung von Holzschliff aufzubrauchen, wodurch natürlich eine Schleiferei für eine gegebene Menge Schliff einfacher, kleiner werden kann. Nach Angaben der Maschinenbauanstalt Golzern werden 250 bis 300 auf Steinen aufgebraucht, welche 1300 mm Durchmesser und 700 mm Breite haben. Von anderer Seite wird nun nicht verschwiegen, dass gegenüber den geschilderten Vortheilen doch auch nicht zu vergessen ist, dass unter den hohen Pressungen die Steine sehr beansprucht werden und leider viel häufiger Brüche vorkommen als früher. Aus einem Rundschreiben der Maschinenfabrik Golzern (vormals Gottschald und Nötzli) ist die Fig. 9 entnommen, welche das in der genannten Anstalt gebaute System der Heisschleife darstellt. Eine deutlichere Zeichnung konnte leider nicht erlangt werden. Wir bemerken, dass drei Pressen, die entweder mit Druckwasser (vgl. D. p. J. 1890 275 532) oder Druckluft bedient werden, vorhanden sind. In der Regel sind jedoch nur die zwei, einander diametral gegenüber liegenden Pressen im Gebrauche. Beim Abstellen einer leergeschliffenen Presse rückt der dritte Reservekasten selbsthätig ein, so dass also wie bei anderen, weiter oben erwähnten Constructionen eine Presse ausgerückt werden kann, ohne dass die Umfangskraft merklich geändert, somit also ziemlich gleichbleibender Kraft verbrauch erzielt wird. Nur auf etwas sei dabei hingewiesen. Wenn die beiden, im Durchmesser angeordneten Pressen arbeiten, so wird der Druck durch den Stein hindurch nahezu aufgehoben (ganz dann, wenn wir wirklich genau gleich grosse und entgegengesetzt gerichtete Kräfte bekämen) und die Drehungsachse des Steines ist durch diese Pressungen unmittelbar kaum beeinflusst. Textabbildung Bd. 308, S. 109 Fig. 9. Heisschleifer der Maschinenfabrik Golzern. Wenn jedoch die dritte, im Scheitel ungefähr liegende Presse statt einer der beiden anderen zur Arbeit benutzt wird, so ist von einem Aufheben der Pressendrücke durch den Stein hindurch begreiflicher Weise keine Rede und die Achse desselben erfährt eine nur zu merkliche Beanspruchung, unmittelbar von den Pressendrücken herrührend. Es ist gewiss richtig, dass etwas Aehnliches bezüglich der Resultirenden aus den Pressendrücken bei den altbekannten Schleifern mit wagerechter Drehungsachse und der Mantelfläche als Schleiffläche auch vorkommt. Doch ist bei den Kaltschleifern aller Wahrscheinlichkeit nach der Andruck ein geringerer, so dass die Anordnung, wobei eine schief liegende Resultirende als Belastung der Drehungsachse sich ergibt und die principiell jener mit sich aufhebenden Pressendrücken nachsteht, weniger bedenklich ist. Sehr interessant ist die in dem Rundschreiben der Maschinenbauanstalt Golzern enthaltene Bemerkung, wonach beim Schleifen nur das verbrauchte Druckwasser der Presscylinder (kein besonderes Spritzwasser) genügt. Danach wäre wohl die Erhitzung des Stoffes sehr erklärlich, indem der Stoff nur mit seinem eigenen Rauminhalte an Wasser (ungefähr) befeuchtet würde. Ob dies wirklich streng zu nehmen ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. (Fortsetzung folgt.) Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. Von H. Glafey, Regierungsrath, in Berlin. (Schluss des Berichtes S. 83 d. Bd.) Mit Abbildungen. Ueber Maschinen zum Weichmachen, Strecken, Entwirren und Glätten von Garnen. August Monforts in M.-Gladbach bürstet auf seinen durch das Patent Nr. 90314 und das Schweizer Patent Nr. 12860 geschützten Maschinen den über zwei Rollen geführten Garnsträhn, sobald er gespannt ist, im Ruhestande von aussen und innen gleichzeitig, entspannt sodann den Strähn nach Stillsetzung der Bürsten durch Parallelverschiebung einer der ihn tragenden beiden Rollen, zieht ihn durch Drehung der einen Rolle um und spannt ihn schliesslich wieder durch Entfernung beider Rollen von einander. Die durch das erstgenannte Patent unter Schutz gestellte Maschine ist in den Fig. 40 bis 42 dargestellt und besitzt folgende Einrichtung. Die Garnrolle g1 ist auf dem Maschinengestell und die Garnrolle g2 auf einem um c1 schwingenden Hebel h1 gelagert. Der Hebel h1 wird von dem auf der Welle w sitzenden Daumen d1, welcher auf die Rolle r1 wirkt, bewegt. Die Bewegung des Hebels h1 wird mittels der Verbindungsstange v1 auf das die Garnrolle g1 drehende Schaltwerk k1 übertragen. Gleichzeitig wird die auf dem Hebel h1 sitzende Garnrolle g2 bei der Bewegung des Hebels durch die Klinke k2 gedreht. Auf dem Hebel h1 ist ein kleiner Hebel h2 gelagert, auf welchen der Daumen d2 mittels der Rolle r2 einwirkt. Die Bewegung des Hebels h2 wird durch die Verbindungsstange w2 auf das Schaltwerk k3 übertragen. Durch jede Schaltung des Schaltwerkes k3 erhalten beide Bürsten b1b2 mittels Zahnradübersetzung oder sonstigen Getriebes gleichzeitig eine ein- oder mehrmalige Kreisbewegung um ihre excentrisch angeordneten Zapfen, so dass eine Parallelverschiebung beider Bürsten erfolgt und diese nur senkrecht in das Garn einstechen. Die Bürsten b1b2 werden beim Stillstande durch Gegengewichte in ihrer höchsten Stellung gehalten. Der Fusshebel t dient dazu, den Hebel h1 von der Welle w zu entfernen, die Rollen r1r2 aus dem Bereich der Daumen d1d2 zu bringen und die Garnrollen g1g2 einander zu nähern. Textabbildung Bd. 308, S. 110 Bürstmaschine von Monforts. Die Arbeitsweise der Maschine ist folgende: Der Antrieb erfolgt durch die Welle w, welche mit den Daumen d1 und d2 versehen ist. Der Hebel h1 mit der Garnrolle g2 wird der Rolle g1 mittels des Tritthebels t genähert und der Garnsträhn, wie in Fig. 42, um die Rollen gelegt, wobei die Bürsten b1 b2 ihre höchste Stellung einnehmen. Wird der Tritthebel freigegeben, so bewegt sich das Gewicht g0 abwärts und somit der Hebel h1 rückwärts, bis der Garnsträhn vollständig angespannt ist. Der Daumen d2 drückt den Hebel h1 mittels der Rolle r1 von der Welle w ab und lässt denselben zurückfallen, wodurch der Garnsträhn gereckt und gespannt wird. Hierauf erreicht der Daumen d2 die Rolle r2, bewegt den Hebel h2 und setzt durch die Verbindungsstange w2 das Schaltwerk k3 und damit durch Räderübersetzung die die Bürsten b1 und b2 tragenden Kurbelzapfen in ein- oder mehrmalige Umdrehung. In Folge dieser Umdrehung greifen die durch die Gleitstange s parallel geführten Bürsten b1b2 ein- oder mehrmal nach einander rechtwinklig in den Garnsträhn ein (Bürste b1 innenseitig, Bürste b2 aussenseitig) und bürsten eine der Excentricität der Zapfen entsprechende Länge des Garnes, worauf sie, durch Gegengewicht gehalten, in ihrer oberen Lage zum Stillstand kommen. Hierauf erreicht der Daumen d1 wiederum die Rolle r1, hebt den Hebel h1 an und bewegt mit den durch die Schaltwerke k1k2 gedrehten Garnrollen g1 und g2 den Garnsträhn eine Strecke vorwärts. Nunmehr erreicht der Daumen d2 die Rolle r2 und das Spiel beginnt von Neuem, so lange, bis der Garnsträhn genügend gebürstet und gereckt ist. Die Einrichtung der durch Schweizer Patent geschützten Ausführungsform der Monforts'schen Strähngarn-Bürst- und Reckmaschine ergibt sich aus den Fig. 43 und 44 und ist folgende: Die Bürsten b1b2 sind in den Armen a1a2 gelagert und erhalten durch die Excenter e1e2 eine um den Zapfen z schwingende Bewegung. Durch die Excenterscheibe e3 und den Hebel h2 wird der Zapfen z gehoben und gesenkt und die Bürsten b1b2 beschreiben daher eine Ellipse, deren Form durch die Excenterscheibe e3 bestimmt wird. Die Excenter e1, e2 und e3 sind so eingestellt, dass die Bürsten b1b2 die untere Hälfte der Ellipse beschreiben und in den Garnsträhn eingreifen, solange derselbe gespannt ist, während sie die obere Hälfte der Ellipse beschreiben, solange der Garnsträhn entspannt ist und weiter bewegt und gereckt wird. Der Fusshebel t dient dazu, den Hebel h1 von der Welle w zu entfernen, und dadurch die Garnrolle g2 der Garnrolle g1 zunähern, sowie gleichzeitig die Bürsten b1b2 durch Heben des Hebels h2, gegen dessen Unterseite sich die Rolle r2 des Fusshebels legt, in ihre höchste Stellung zu bringen, um ungehindert den gebürsteten und gereckten Garnsträhn von den Garnrollen g1g2 abnehmen und einen neuen auflegen zu können. Textabbildung Bd. 308, S. 110 Strähngarn-Bürst- und Reckmaschine von Monforts. Wird der Tritthebel t freigegeben, so wird der Hebel h1 durch das Gewicht g0 in seine Anfangslage zurückbewegt, ebenso gehen die Bürsten in ihre untere Stellung, zurück. Die Arbeitsweise der Maschine ist folgende: Der Antrieb erfolgt durch die Welle w, welche mit dem Daumen d1 und den Excentern e1e2 und e3 versehen ist. Der Hebel h1 mit der Garnrolle g2 wird der Rolle g1 mittels des Tritthebels t genähert, und die Bürsten b1b2 werden gleichzeitig durch die Rolle r2 in ihre höchste Stellung gehoben; alsdann wird ein Garnsträhn um die Garnrollen g1g2 gelegt. Lässt man nun den Tritthebel t zurückfallen, so wird der Garnsträhn gereckt und gespannt, und dann greifen die von der Rolle r2 freigegebenen Bürsten b1b2 in die Fäden desselben ein. Sobald durch Drehung der Welle w der Daumen d1 von Neuem die Rolle r1 erreicht, bewegen die Bürsten b1b2 sich aus dem Garnsträhn. Das Schaltwerk k2 dreht die Garnrolle g2 und bewegt dadurch den Garnsträhn eine entsprechende Strecke vorwärts, worauf derselbe wieder gereckt und gespannt wird. Sodann beginnt das Spiel von Neuem, so lange bis der Garnsträhn genügend gebürstet und gereckt ist. In den Fig. 45 und 46 ist eine Maschine zum Glätten von Strähngarn nach dem Schlichten von Josef Timmer in Coesfeld dargestellt, bei welcher eine schonende Bearbeitung des Garnes auf seiner ganzen Oberfläche dadurch herbeigeführt wird, dass das für gewöhnlich zwischen einer festen Bürste und einer beweglichen Bürste ohne Berührung hindurchgehende Garn von der beweglichen Bürste zeitweise erfasst und in die Gegenbürste gedrückt, also auf kurze Zeit zwischen beiden Bürsten bearbeitet wird, während gleichzeitig die Spann- und Transportwalzen, in Folge ihres sternförmigen Querschnitts neben der Schaltbewegung eine abwechselnde Drehung und Lockerung der einzelnen Garnfäden herbeiführen, diese also allmählich die Unebenheiten und Knoten ihres gesammten Umfangs den Borsten zum Abstreichen darbieten. Textabbildung Bd. 308, S. 111 Fig. 45. Maschine zum Glätten von Strähngarn von Timmer. Die dargestellte Maschine ist, wie Fig. 45 erkennen lässt, als Doppelmaschine ausgeführt, d.h. es sind an dem Gestell zwei unabhängig von einander arbeitende Maschinen angebracht, so dass der Arbeiter im Stande ist, zwecks neuer Auflegung von Material abwechselnd die eine Maschine zum Stillstand zu bringen, die andere aber weiter arbeiten zu lassen. Zu diesem Zweck sind auf dem Maschinenrahmen a vier Wellen b vorgesehen, welche die zum Schlagen des Garnes dienenden Walzen c von kreuzförmigem Querschnitt tragen. Die beiden äusseren Paare dieser Walzen sind zwecks leichten Auflegens der Garnsträhne sowie zum Anspannen derselben verschiebbar gelagert. Zwischen jedem Paar zusammengehöriger Walzen sind zwei Bürsten gg1 so angeordnet, dass zwischen ihnen die unterhalb der Walzen liegenden Garnsträhnhälften hindurchpassiren müssen und zwar für gewöhnlich, ohne eine der Bürsten zu streifen, während dann von Zeit zu Zeit (etwa 200mal in der Minute) die eine Bürste in das Garn eingreift und dieses auch in die andere Bürste hineindrückt. Letztere ist die obere Bürste g, welche fest am Maschinenrahmen mit den Borsten nach abwärts gelagert ist, während die untere Bürste g1, mit den Borsten nach oben gerichtet, derart beweglich geführt ist, dass sie sich in gleichmässigen Zwischenräumen abwechselnd der oberen Bürste bis zum Eingriff nähert und dann sich wieder davon entfernt. Diese Bewegung kann, wie gezeichnet, von der Scheibe i aus durch Drehung oder Excenterbewegung auf die bei h drehbar befestigte und durch Stange k am Maschinenbock geführte Bürste g1 übertragen oder durch andere Hilfsmittel erreicht werden, doch bildet die Vorrichtung zur Bewegung der Bürste keinen Theil der Erfindung. Textabbildung Bd. 308, S. 111 Fig. 46. Maschine zum Glätten von Strähngarn von Timmer. Das Garn wird bei dem zeitweiligen Eingreifen der Bürsten von oben und von unten gleichzeitig bearbeitet, wobei ein Zurückweichen des Garnsträhns, wie es sonst bei blossem Eingreifen der beweglichen Unterbürste ohne Anwesenheit der oberen Garnbürste eintreten würde, unmöglich ist. Aber auch hierbei ist immer noch ein Verdrehen der Fäden möglich, so dass ihre Unebenheiten und Knoten glatt zwischen den Borsten herstreichen und nicht von diesen gefasst werden, somit also eine ganz vollständige Reinigung noch nicht gesichert ist. Zur Behebung dieses Uebelstandes dienen die Walzen c mit ihrem kreuz- oder sternförmigen Querschnitt. Da nämlich bei beiden Walzen in Folge der Umdrehung das Kreuz im Querschnitt abwechselnd in stehender und in liegender Form von dem Garnsträhn umgeben wird, so erfährt letzterer abwechselnd eine Drehung und eine Zusammenziehung, und zwar sowohl in der Längsrichtung, wie, wenn auch nur ganz gering, in der Breitenrichtung des Strähns. Hierbei machen also die einzelnen Fäden, ausser der durch das Drehen der Walzen an sich erzeugten fortlaufenden Bewegung zwischen den Bürsten hindurch, noch fortwährend kurze, ruckweise Längs- und Querbewegungen. Ausserdem aber wird durch das abwechselnde Dehnen und Zusammenziehen des Strähns jeder einzelne Faden abwechselnd straff gezogen und wieder nachgelassen, wobei derselbe eine hin und her gehende Verdrehung um seine Achse ausführt. Dies zusammen wirkt dahin, dass sich die einzelnen Fäden längs der einzelnen Borsten der Bürsten verschieben und verdrehen, also den Borsten allmählich ihren ganzen Umfang darbieten, so dass alle Knötchen und sonstigen Unebenheiten mit Sicherheit von den Borsten erfasst und entfernt werden. Die kreuzförmig profilirten Walzen bieten fernerhin einen grossen Vortheil bei Heizung von innen behufs Trocknens der Garnsträhne. Sie bilden hierbei gleichsam Rippenheizkörper mit vergrösserter Oberfläche und zudem wird jedesmal in den vom Garn ganz umschlossenen Vertiefungen zwischen zwei Armen des Kreuzes eine auf kurze Zeit ganz von der Aussenluft abgeschlossene stagnirende Heissluftschicht gebildet, also bei energischer Wirkung auf das Garn ein zu schnelles Abgeben der Wärme nach aussen verhindert. Hierdurch wird also einerseits eine Beschleunigung des Trockenprocesses, andererseits eine Ersparniss an Heizmaterial erzielt. Selbstredend könnten die Walzen, statt des kreuzförmigen, auch einen sonstwie vieleckigen Querschnitt, jedoch stets mit hohlen, d.h. nach der Achse hin einwärts gekrümmten Seitenflächen haben, so dass also im Querschnitt von der Mitte nach jeder Ecke hin eine Art Arm gebildet wird. Im Uebrigen ist die Einrichtung der Maschine folgende: Der Antrieb der Maschine geschieht von der Hauptriemenscheibe r' aus, welche mit den Riemenscheiben r'1r'2 auf gleicher Welle q sitzt. Den Riemenscheiben auf der Welle q entsprechen auf der anderen Hälfte der Maschine bezieh. unter der zweiten Bürstvorrichtung die Riemenscheiben s'1s'2 auf der Welle q1, von denen s'1 mit r'1 verbunden ist. Von der Riemenscheibe r'2 führt ein Riemen ohne Ende zunächst nach der Riemenscheibe r der ersten Walze c, von da über eine durch Federkraft beeinflusste Spannrolle r1 nach der Antriebscheibe r2 der zweiten Walze c und von dieser wieder zurück nach der Antriebscheibe r'2. Diese Riemenverbindung wiederholt sich im anderen Theile der Maschine, wie aus Fig. 46 (rechts) hervorgeht. Ein besonderer Riemen verbindet nun noch je eine mit den Riemenscheiben r bezieh. s auf gleicher Achse sitzende Scheibe r'3 bezieh. s'3 mit den Scheiben r3 bezieh. s3, die zum Antrieb der Scheibe i bezieh. i1 dienen. Kälteindustrie. Die Wasserrückkühlanlagen nach Rohleder. Mit Abbildung. Die Wasserrückkühlanlagen nach Rohleder. Textabbildung Bd. 308, S. 112 Wasserrückkühlanlage nach Rohleder. Von dem Ingenieur Carl Morgenstern in Stuttgart – dem Vertreter der Patentträger mit dem Ausführungsrecht für Süddeutschland – gehen uns nachstehende Mittheilungen über die Rohleder'schen Kühlanlagen zu. Der Apparat ist in einem eisernen Gerüste angeordnet, welches nach Bedarf in Stockwerke getheilt ist, deren jeweilige Grundfläche ein Auffang- und Vertheilungsbecken bildet. Die Auffangbecken bestehen aus Eisenblech oder sind von Stein gemauert. Das Hauptsammelbecken des gekühlten Wassers wird nach der Oertlichkeit angelegt. In dem Firste des Apparatgestelles liegt ein Wasservertheilungsbecken, unter welches reihenartig unter einander angeordnete, mit Draht gebundene Besen eingehängt sind, auf welche das zu kühlende Wasser gleichmässig vertheilt, dünnstrahlig oder tropfenartig aufläuft. In den Becken jedes Stockwerkes wird das Wasser erneut gesammelt und wieder über die Besenreihen vertheilt. Die Wirksamkeit dieser Bückkühlwerke ist durch tabellarische Beobachtungen nachgewiesen. Aus einer grossen Anzahl von Beobachtungen ergibt sich, dass durchschnittlich die Lufttemperatur im Schatten 21,19° betrug, dass dieselbe zum Apparate mit 39,97° gelangte und vom Apparate mit 13,55° zurückkam. Die Ergebnisse des Kühlapparates bei einer bezieh. zwei Ammoniakcompressionsmaschinen waren durchschnittlich bei einer Lufttemperatur im Schatten von 16⅛° auf dem Wege zum Kühlapparat 17°, beim Abströmen von demselben 11,2°. Ueber die Anordnung gibt nachstehende Abbildung eine Uebersicht. Elektrotechnik. Fernübertragung von Zeigerstellungen. Mit Abbildungen. Fernübertragung von Zeigerstellungen. In Bd. 303 * S. 162 wurde die von Prigge erfundene Einrichtung besprochen, die Richtung einer Compassnadel nach einer anderen Stelle eines Schliffes so zu übertragen, dass danach gesteuert werden kann. Seitdem sind wieder drei neue Erfindungen bekannt geworden, welche die Lösung derselben Aufgabe bezwecken. Diese Fernübertragung kann auch auf andere Zeigerwerke, als Wasserstandszeiger, Manometer u.a., angewendet werden und hat daher für weitere Kreise Interesse. Die Methode von Bindemann in Berlin (D. R. P. Nr. 89622) besitzt grosse Aehnlichkeit mit der von Prigge. Der betreffende Zeiger spielt zwischen zwei nahe an einander befindlichen Contacten. Sobald der Zeiger mit einem dieser Contacte in Berührung kommt, wird durch einen dadurch geschlossenen Strom bewirkt, dass dieser Contact nach der Richtung, in welcher der Zeiger sich bewegen will, ausweicht. Dieselbe Bewegung führt dann auf einer zweiten Station durch diesen Strom eine Zeigerscheibe aus. Wie Bindemann diese Bewegungen bewirkt, soll nun mit Hilfe nachstehender Figur betrachtet werden. In der Station g befindet sich der Apparat, dessen Zeigerstellung nach der Station e übertragen werden soll (Fig. 1). Die mit dem Pole einer Stromquelle 1 leitend verbundene Achse rotirt in Bezug auf die anderen Apparattheile unabhängig und trägt einen Arm a, der bei Rechts- oder Linksbewegung des Zeigers die Stromschlussklötze c1 oder c2 berührt und dadurch Strom in die entsprechend hiermit verbundenen Leitungsdrähte sendet. Dieser Strom erregt in der Empfangsstation e, je nach dem Stromschlussklotz, der in g berührt wurde, die Schaltmagnete s1 oder s2, worauf der Strom, nachdem er noch die Feldmagnete fe des Elektromotors me erregt hat, zum anderen Pol der Batterie zurückkehrt. Durch Erregung der Magnete s2 oder s1 wird nun ein Anker a0 entweder nach links oder rechts gezogen und verstellt hierdurch einen Doppelbürstenhalter b, welcher in der Mitte der Achse gelagert ist, demzufolge entweder Stromschlussbürste + 1 und – 3 oder Bürste + 2 und – 4 gegen den Stromwender des Elektromotors drücken. Der von einem Pole der Batterie kommende Strom wird dementsprechend den Anker des Motors in dem einen oder anderen Sinne durchfliessen und ihn nach rechts oder links kreisen lassen. Die Achse des Elektromotors, welche durch ein Universalgelenk verlängert ist, greift nun mittels Schnecke c in die gezahnte Peripherie der Zeigerscheibe z0 ein, so dass die letztere mit dem damit verbundenen Zeiger ebenfalls nach rechts oder links kreist. Um nun den nach erfolgter Drehung des Empfängers im Geber noch bestehenden Stromschluss aufzuheben, sind die Stromschlussklötze c1 und c2 ihrerseits wieder auf einer Scheibe d befestigt, die ebenso wie in e am Rande gezahnt und mit Schnecke c und Gelenk mit einem zweiten Elektromotor mechanisch verbunden ist. Die Einrichtung der Schaltmagnete, Bürsten u.s.w. ist genau dieselbe wie beim Motor me in der Empfangsstation. Textabbildung Bd. 308, S. 113 Fig. 1. Fernübertragung von Zeigerstellungen von Bindemann. Bei der Bewegung des Zeigers z des Gebers nach der einen oder anderen Richtung wird an den Stromschlussklotz c1 oder c2 ein Stromschluss bewirkt, demzufolge in der Geberstation der Motor mg und in der Empfangsstation der Motor me synchron zu laufen beginnen. Der Motor mg bewirkt ein Drehen der Scheibe d in solcher Richtung, dass die Stromschlussklötze c1 und c2 in demselben Drehungssinne wie der Arm a gedreht werden und der eine der Klötze so lange mit dem Arm in Berührung bleibt und für ein Schliessen des Stromkreises sorgt, bis der Zeiger z und der Arm a in Stillstand kommt. Geschieht dieses, so bewegt sich die Scheibe d noch so viel, dass die Stromschlussklötze c1 und c2 den Ann a zwischen sich lassen und den Strom unterbrechen. In der Empfangsstation wird der Motor me gleichzeitig mit dem Motor mg der Geberstation ausgeschaltet, und da beide Motoren genau synchron laufen, so wird auch der Zeiger der Empfangsstation stets genau dieselbe Lage einnehmen, wie der Zeiger der Geberstation. In dieser Beschreibung wurde angenommen, dass beide Elektromotoren vollkommen synchron laufen, was bei gleicher Klemmenspannung, gleichen Widerständen und bei sonst gleicher Bauart der Motoren für die meisten Apparate in genügend genauer Weise der Fall sein wird. Für die elektrische Uebertragung der Bewegung eines Compasses jedoch dürfte eine selbsthätige Regulirvorrichtung erforderlich sein; durch diese soll ein Ausgleich geringer Rotationsverschiedenheiten, die sich durch asynchronen Gang der Motoren ergeben, erzielt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 114 Fernübertragung von Zeigerstellungen von Krempelhuber. Zu diesem Zwecke ist die Geberscheibe d mit einem Rande aus isolirendem Stoff versehen und lässt nur einen schmalen leitenden Streifen h frei. Auf dem Rande schleift eine Feder f1, die am Apparatkörper in einer bestimmten Lage zur Achse des ganzen Apparates befestigt ist. Diese Feder steht durch den Leitungsdraht w mit einer zur Empfängerscheibe in gleicher Richtung befestigten Schleiffeder f'1 in elektrischer Verbindung. Die Scheibe z0 ist im Gegensatz zu d mit zwei Metallsegmenten t1 und t2 versehen, welche zwischen sich einen isolirenden Streifen h1 frei lassen und bezüglich der Lage identisch mit h auf d ist. t1 und t2 stehen durch Schleiffedern t'1 und t'2 mit den Elektromagneten s1 und s2 durch Leitungsdrähte in Verbindung. Bei jeder vollen Umdrehung der Scheibe d wird nun die Feder f1 einmal den Streifen h decken; sind dann die Motoren synchron gelaufen, so wird auch die Feder f'1 im Empfänger mit dem isolirenden Streifen h1 correspondiren, ein Strom wird also nicht fliessen können. Ist jedoch Motor me vorangeeilt oder nachgeblieben, so wird die Feder f'1 entweder noch t1 oder schon t2 decken, sodann wird von d durch den mit der Batterie verbundenen Arm a, welcher mit d dieselbe Achse bildet, über Streifen h, Feder f1, Leitungsdraht w nach f'1 Strom fliessen und hier entweder über t1t'1 oder t2t'2 nach den Schaltmagneten s1 oder s2 fliessen und die Scheibe z mittels Motor me so lange nach rechts oder links drehen, bis die Feder f'1 den isolirenden Streifen h1 deckt. Um nun eine gleichzeitige Drehung des Motors mg im Geber zu verhindern, ist in den Stromkreis w ein Unterbrecher 6 eingeschaltet. Sowie in w Strom fliesst, wird der Elektromagnet eingeschaltet und bewirkt so ein Unterbrechen der Leitung 5 6 7, so dass die Regulirung nur in der Empfangsstation erfolgt, während der Motor in der Geberstation dann in Ruhe verbleibt. Ein eigenartiges Verfahren schlägt Dr. F. v. Krempelhuber in Nürnberg vor (D. R. P. Nr. 90758). Mit der Compassnadel m (Fig. 2) ist ein leichtes, mit einer Spitze versehenes Metallstück t verbunden und am inneren Umfang des Compassgehäuses sind Spitzen s angebracht, so dass bei einer Drehung der Compassnadel die Spitze t sehr nahe an den Spitzen s vorbeistreift, ohne sie jedoch zu berühren. An dem Compassgehäuse ist ferner noch die Spitze p befestigt. Auf der Grundplatte des Gehäuses der Empfangsstation sind radial Vacuumröhren (Geissler'sche Röhren) in gleichen Abständen angebracht, deren Zahl mit den Spitzen s im Compass übereinstimmt. Spitzen und Vacuumröhren stehen durch je eine Leitung mit einander in Verbindung und in die gemeinsame Rückleitung ist ein kleiner Funkeninductor f eingeschaltet. Textabbildung Bd. 308, S. 114 Fernübertragung von Zeigerstellungen von Rudel u. Marcher. Wird die Stromquelle in Thätigkeit gesetzt, so geht der Strom durch die Leitung r in die Spitze p, von da in das Metallstück t und durch die zunächstliegende Spitze s in die mit derselben verbundene Vacuumröhre und zum Inductor zurück. Die Vacuumröhre leuchtet und bei p und t sind kurze Funkenstrecken. Bei einer anderen Stellung der Compassnadel wird eine andere Röhre leuchten, so dass die Stellung der Compassnadel annähernd erkannt werden kann. Da bei einem Compass die Genauigkeit bis auf einen Grad erwünscht ist, so würden 360 Spitzen, Drahtleitungen und Röhren erforderlich sein. Um dieses zu vermeiden, wird der Apparat in folgender Weise abgeändert. Mit der Compassnadel wird ausser dem Metallstück t noch ein zweites u verbunden, welches so viel Spitzen erhält, als Vacuumröhren angeordnet sind (Fig. 3). Am Umfang des Compassgehäuses sind ferner noch eine Anzahl Spitzen z angeordnet, deren äusserste gleichen Abstand wie die Spitzen s haben. Von jeder Spitze z führt wieder eine Leitung zu einer Vacuumröhre in der Empfangsstation und von hier eine gemeinsame Leitung durch die Stromquelle nach der Spitze h im Compassgehäuse. Dreht sich die Compassnadel um den Abstand der Spitzen s, so wandert das Licht in den Röhren v von einer zur nächsten und bei den Röhren w durch alle, und kann somit die Stellung der Compassnadel durch die jeweils erglühende Röhre w genau angegeben werden. Textabbildung Bd. 308, S. 115 Fig. 6. Fernübertragung von Zeigerstellungen von Rudel und Marcher. Es ist möglich, den Röhrenkranz v zum allgemeinen Anzeigen der Compassrichtung durch einen gewöhnlichen Compass mit Magnetnadel ohne jede Vorrichtung zu ersetzen, da derselbe nur die ungefähre Richtung roh anzuzeigen braucht, während die feinere Ablesung dann an den Röhren w erfolgen würde. Diese Anordnung hätte den Vortheil, dass man etwa die Hälfte der Drahtleitungen erspart. Textabbildung Bd. 308, S. 115 Fernübertragung von Zeigerstellungen von Blochmann. Rudel und Marcher in Dresden (D. R. P. Nr. 88880) wenden einen auf einer leitenden Flüssigkeit schwimmenden Contact an, und die Construction ist so getroffen, dass sie leicht an jedem Compass angebracht werden kann. In Fig. 4 und 5 sind m die auf einer Scheibe fest gemachten und auf der Flüssigkeit schwimmenden Magnete des Compasses. An der Innenwand des Gehäuses ist eine Rinne r aus Isolirmaterial angebracht und mit einer leitenden Flüssigkeit gefüllt. In gleichen Abständen führen aus der Rinne Leitungsdrähte zu ebensoviel Drahtspulen eines Galvanometers (Fig. 6). Der Fuss im Gehäuse, welcher mittels Spitze nebst der Flüssigkeit die Magnete trägt, ist noch mit einem Quecksilbernapf n versehen, in welchen ein Contactstift c taucht. Der Strom einer Batterie geht durch die Leitung n nach dem Quecksilbernapf, durch c und c0 in die Rinne und von hier durch alle Abzweigungen nach dem Galvanometer und zur Batterie zurück. Die Stärke des Stromes ist zwar in den c0 zunächst gelegenen Abzweigungen am stärksten, aber alle Spulen im Galvanometer wirken im gleichen Sinne richtend auf die Magnetnadel, und es wird sich dieselbe wie die Compassnadel einstellen. Blochmann in Kiel bringt an der Compassrose ein kleines Uhrwerk an, welches in bestimmten Zeitabschnitten einen elektrischen Strom schliesst, welcher dann an einem beliebigen Orte des Schiffes die Stellung der Rose anzeigt (D. R. P. Nr. 91791). Textabbildung Bd. 308, S. 115 Fig. 9. Fernübertragung von Zeigerstellungen von Blochmann. Die Compassrose ist zu diesem Zweck mit einer durch ein Uhrwerk in bestimmtem Rhythmus beweglichen Vorrichtung b versehen (Fig. 7 und 8), durch deren Berührung mit Contacteinrichtungen c, die an dem einen Theil des Compassgehäuses angebracht sind, der Schluss eines elektrischen Stromes hergestellt wird, und zwar derart, dass in gewissen Zeitintervallen auf kurze Zeit ein Schluss eintritt. Es wird durch das Uhrwerk an zwei diametral gegenüber liegenden Punkten der Rosenscheibe ein Stäbchen vor- und rückwärts bewegt, welches den Contact vermittelt. Bei der in der Figur dargestellten Ausführungsform ist in das Uhrwerk ein Steigrad s eingefügt (Fig. 9), welches eine durch Federkraft gegen dasselbe gedrückte Lamelle vorwärts schiebt. Dieses Steigrad ist mit sechs Zähnen versehen und auf der Achse des Secundenrades t angebracht, so dass die Contactgeber in Perioden von 10 Secunden vorwärts- und dann schnell durch die Federkraft zurückgeschoben werden. In der letzten Zeit der 10 Secunden findet dabei allmählich Contactgebung statt. Damit das Uhrwerk dabei nicht gehemmt wird, ist vorn auf das Stäbchen ein Hütchen v aufgesetzt, welches durch eine leichte Feder w mit dem Stäbchen in Verbindung steht. Ist nun Contact zwischen Hütchen und Compassgehäuse eingetreten, so wird während der letzten Zeit der Vorwärtsbewegung des Stäbchens das Hütchen etwas nach hinten geschoben, indem die Feder zusammengepresst wird. Die während der Zeit dieses Schlusses herrschende Richtung der Compassrose wird auf die Secundärstation übertragen. Zu diesem Behufe ist die Hälfte der Innenfläche des Gehäuses in viele leitende Streifen c zerlegt, die von den Nachbarflächen isolirt sind. Von diesen Streifen können zur Verminderung derselben eine gewisse Anzahl unter einander verbunden sein. Durch die Berührung der beweglichen Vorrichtung b an der Compassrose mit einem solchen Sector c wird ein Strom geschlossen, welcher unter Einschaltung geeigneter Apparate die Uebertragung der jeweilig herrschenden Richtung der Compassrose nach einem entfernt gelegenen Orte vermittelt. Rr. Gasindustrie. Schmitt's Acetylenlampe für Fahrräder. Mit Abbildungen. Schmitt's Acetylenlampe für Fahrräder. Zur Beleuchtung von Fahrrädern sind zuerst Oel-, Kerzen-, Erdöl-, dann in neuerer Zeit elektrische Lampen construirt worden, ohne dass ein günstiges Resultat damit erzielt worden wäre. Die Oberrheinische Metallwaarenfabrik in Mannheim hat neuerdings eine Acetylengaslampe construirt, die, was Leuchtkraft, Sturm- und Stossicherheit anbelangt, allen Ansprüchen genügt. Wie nebenstehende Abbildung zeigt, besteht dieselbe aus dem Wasserbehälter b, mit welchem das Tropfventil c, sowie der Gaszuleitungsschlauch verbunden ist. Letzterer ist so kurz bemessen, dass er nicht schwankt, wodurch ein Zittern und Verlöschen der Flamme vermieden wird, a ist der Carbidbehälter, der mittels der Flügelschrauben i an den Haken h des am Wasserbehälter befestigten Flansches festgeschraubt und mittels eingelegten Gummiringes gegen Gasverlust gesichert ist. Um die Lampe in Gebrauch zu nehmen, werden die drei Flügelschrauben i gelöst und der Carbidbehälter a so gedreht, dass die Gewindestifte der Schrauben i aus den Haken h herausgleiten, so dass der Carbidbehälter abgenommen werden kann. Aus letzterem entfernt man den zum Niederdrücken des Carbids dienenden Deckel und achte beim Füllen darauf, dass kein Carbid in das centrale Siebrohr k fällt. Nun wird der Carbidbehälter wieder angeschraubt, der Wasserbehälter mit reinem Wasser gefüllt und die Lampe ist zum Gebrauche fertig. Um Gas zu erzeugen, wird der Ventilstift c ¼ bis ½ Umdrehung nach rechts gedreht, wodurch das Wasser tropfenweise dem Carbide zugeführt wird und Gas liefert. Letzteres steigt dann durch den Schlauch zum Brenner. Die Lampe brennt mit einmaliger Füllung etwa 8 Stunden lang, und wird eine grössere oder kleinere Flamme dadurch erzeugt, dass mehr oder weniger Wasser dem Carbide zugeführt wird. Nach dem Gebrauche wird das Wassertropfventil geschlossen und die Flamme durch Zudrücken des Schlauches gelöscht. Zur Regulirung des Wasserzutrittes, sowie um einem Verstopfen der Tropföffnung vorzubeugen, steckt in dem Rohrende des Tropfventiles ein Draht e. Gegen das Verkalken des Brenners ist am Wasserbehälter b unterhalb des Gasaustrittes ein Siebkorb f angebracht, der zum Zwecke des Reinigens durch Herausschrauben der Mutter g entfernt werden kann. Zum Reinigen der Brenndüsen ist am Schlauchende des Brenners ein Gewinde vorgesehen, an das die Pneumatikluftpumpe angeschraubt und Luft durch den Brenner geblasen werden kann. Textabbildung Bd. 308, S. 116 Schmitt's Acetylenlampe für Fahrräder. Der Gasleitungsschlauch bietet volle Sicherheit gegen zu starken Druck bei etwa zu starker Gasentwickelung und damit Sicherheit gegen Explosion. Die Lampe ist frei von Condenswasser. Ein Aluminiumscheinwerfer, der bei d abnehmbar ist, unterstützt die Lichtwirkung, so dass eine Leuchtkraft von 147 Normalkerzen erreicht wird. Vervielfältigende Kunst.Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Von J. M. Eder und E. Valenta in Wien. (Fortsetzung des Berichtes S. 89 d. Bd.) Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Lichthöfe und Polarisation. Die Berliner Actiengesellschaft für Anilinfabrikation erzeugt gegenwärtig lichthoffreie Platten, welche sehr gute Resultate ergeben, indem sie, um die Reflexion der Glasplatte, welche die Lichthofbildung bedingt, zu vermeiden, zwischen Platte und lichtempfindlicher Schichte inactiv gefärbte Schichte anbrachten.Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898. Die bekannten Mittel zur Vermeidung von Lichthöfen (Hinterkleiden der Platten mit schwarzen, rothen o. dgl. Schichten) waren in Frankreich Gegenstand neuerlicher Untersuchungen, wobei wohl keine neuen Principien, wohl aber variirte Arbeitsmethoden zu Tage gefördert wurden. Drouet bestreicht die Plattenrückseite mit rothem Ocker und glycerinhaltigem Dextrin. Reinlicher ist das Arbeiten mit den von Mussat vorgeschlagenen glycerinhaltigen, rothen Gelatinefolien, welche bloss an die Platte angepresst zu werden brauchen. Er mischt 100 Th. Wasser, 15 Th. Gelatine, 12 Th. Glycerin, 15 Th. feinst gepulverten Ocker; das warm gelöste Gemisch wird filtrirt, auf eine wagerechte (zuvor mit Talk abgeriebene) Glasplatte aufgetragen und nach dem Erstarren (d. i. nach einigen Minuten) in eine 5procentige Formalinlösung während ¼ Stunde gelegt; man kann die Folie dann ablösen, bestreicht sie mit einer Lösung von 75 Th. Gummi arab., 125 Th. Wasser, 12 Th. Glycerin und ½ Th. Salicylsäure und presst sie an die Platte. Die Platte wird hierauf verwendet und vor dem Entwickeln in Wasser gelegt, wonach sich die Schicht leicht abziehen lässt.Bull. Soc. franç. Photogr., 1897 S. 82. B. J. Edward hinterkleidet die Platten zur Vermeidung von Lichthöfen mit einer gefärbten wasserlöslichen Schichte, deren Brechungsindex jenem des Glases entspricht.Brit. Journ. Photogr., 1897 S. 257. Zum gleichen Zwecke empfiehlt Dr. E. Vogel eine Mischung von Acridingelb (10 g) und Rubinschellack (4 g) in Alkohol (120 cc) zu lösen. Von dieser Lösung werden 20 cc mit 80 cc Collodion (4procentig) gemischt und mit gleichen Theilen Aetheralkohol das Ganze auf 100 cc verdünnt. Die Wirkung soll eine sehr gute sein.Photogr. Mittheil., 1897 Bd. 34 S. 126. Collodionverfahren. PenroseBrit. Journ. Photogr., 1897 S. 123. in London bringt Bromsilbercollodion in den Handel, welches sowohl für Reproductionsverfahren als insbesondere zur Herstellung von Diapositiven empfohlen wird. Dasselbe wird auf Platten, welche mit Kautschuklösung am Rande bestrichen sind, gegossen. Diese werden trocknen gelassen und nach dem Belichten vor dem Entwickeln mit einem Pyrogallolammoniakentwickler mit gleichen Theilen Alkohol und Wasser übergössen. BoltonPenrose Annual, 1897 B. 113. kommt auf das Reifen von Collodionemulsion durch Digeriren in warmer wässeriger Gelatinelösung zurück. Er giesst die Collodionemulsion auf Glasplatten und legt diese in Gelatinelösung (12 Th. Nelson-Gelatine, 12 Th. Bromkalium, 15 Th. Ammoniumnitrat, 18 Th. Ammoniumcarbonat und 4000 Th. Wasser) bei 41 bis 43° C. während 1 bis 2 Stunden, dann wird mit Wasser abgespült und getrocknet. Bromsilbergelatineemulsion, Trockenplatten und Papiere, Copirapparate. A. BlancBull. Soc. franç. Photogr., 1897 S. 449. empfiehlt folgendes Verfahren zur Herstellung von Bromsilbergelatine-Rapidemulsion von 25° (Warnecke). Man gibt alle Gelatine während des Silberoxyd-Ammoniakreifungsprocesses in die Mischung und behandelt die reife Emulsion mit Alkohol. Seine Mischung enthält: 30 g Gelatine, ½ Stunde in Wasser gequollen und geschmolzen, 50 cc gesättigte Alaunlösung, wonach die Lösung dicklich und erst nach Zusatz einiger Messerspitzen voll Citronensäure wieder flüssig wird; diese Masse wird in eine Schale ausgegossen, nach dem Erstarren zerschnitten und gut gewaschen. Diese Behandlung soll die Empfindlichkeit erhöhen. Er nimmt 50 g von derartiger Gallerte, 15 g Bromammonium, 50 cc Wasser und mischt auf einmal eine Lösung von 20 g Silbernitrat, 150 cc Wasser und Ammoniak bis zur Auflösung des Niederschlages bei; nach dem Mischen wird der Rest der in Arbeit genommenen Gelatinemasse zugegeben und bei 40° C. digerirt bis die Farbe eines Tropfens der Emulsion auf Glas im durchfallenden Lichte grünlich geworden ist, was 1½ Stunden braucht. Man giesst in eine Tasse aus, lässt erstarren, wäscht mit Wasser, übergiesst dann mit einer Schicht Alkohol, lässt über Nacht stehen, wascht neuerdings mit Wasser und begiesst mit der geschmolzenen und filtrirten Emulsion die Platten. Vorschriften zur Darstellung von Bromsilbergelatineemulsion für Papierbilder zu Vergrösserungen gibt Dr. Hallenbeck im American Journ. of Phot., 1897 S. 342. Für schwarze Töne: 15 g Gelatine, 9 g Bromkalium, 150 cc Wasser, 2 Tropfen Salpetersäure. Andererseits werden 11,2 g Silbernitrat in 150 cc Wasser gelöst und beides bei 30° C. gemischt, ¾ bis 1 Stunde warm gehalten und dann zum Erstarren ausgegossen, gewaschen u.s.w. – Für braune Töne: 15 g Gelatine, 7,5 g Bromkalium, 1,6 g Jodkalium, 150 cc Wasser, 2 Tropfen Salpetersäure und 11,2 g Silbernitrat in 150 cc Wasser. – Als Entwickler dient Eisenoxalat, Hydrochinon oder Eikonogen. ColsonIbid. 1896 S. 392. empfahl im Congrès de Chimie appliquée, 1896, zum Einpacken der Trockenplatten Chromatpapier, welches durch Baden des Papieres in 3procentiger Kaliumbichromatlösung, welcher etwas Gummi arab.-Lösung zugesetzt ist, Trocknen, Belichten an der Sonne während einiger Stunden, Waschen und Trocknen, hergestellt ist. Dieses Papier schützt die Platten vor Feuchtigkeit und hindert bis zu einem gewissen Grade das Eindringen von Licht. Häufigere Anwendung finden jetzt die Bromsilbernegativpapiere an Stelle der Trockenplatten und Films, insbesondere wenn es sich um grosse Bildformate handelt, wo die Preisdifferenz sehr merklich ins Gewicht fällt. Die Behandlung ist eine sehr einfache und die Negative, welche mit dem Papiere, wie es z.B. die Firma Moh in Görlitz in sehr guter Qualität auf den Markt bringt, erhalten werden, sind nach dem Transparentmachen mit einem eigens dazu bestimmten Oele (nach Dr. E. VogelPhotogr. Mittheil., Bd. 34 S. 51. ist dasselbe eine Auflösung von Vaseline in Benzol) sehr klar und copiren gut; das Korn des Papieres wirkt wenig störend, insbesondere wenn es sich um grosse Bildformate handelt. Für künstlerische Zwecke bestimmtes, sehr grobnarbiges Bromsilbergelatinepapier (Positivpapier) bringt Talbot als Aristobromopapier in den Handel. Die Eastman Compagnie setzt der Bromsilberemulsion für Positivbromsilberpapier Stärke zu, ohne diese früher zu verkleistern, wodurch eine sehr matte Oberfläche erzielt wird.Siehe unsere Referate 1895 und 1896 über den Artikel: „Stärkehaltige Bromsilberemulsion“. Bromsilberarrowrootpapier mit Eisenoxalatentwickelung nach Junk's Patent erzeugt gegenwärtig die Chemische Fabrik auf Actien vorm. Scheering in Berlin.Photogr, Rundschau. J. BrookesPhotogr. Mittheil., 1897 S. 71. in England nahm ein Patent auf die Herstellung von abziehbarem Negativpapier, welches im Wesentlichen darin besteht, dass das Rohpapier mit einer Harzlösung vorbereitet, getrocknet und dann erst mit Gelatineemulsion überzogen wird. Balagny'sBull. Soc. franç. Photogr., 1898 S. 575. Negativbromsilberpapier enthält die Bromsilbergelatineschicht durch eine Kautschukschicht vom Papier getrennt. Nach der Fertigstellung des Bildes wird das trockene Negativ mit Amylacetatcollodion (30 Th. Pyroxylin, 500 Th. Amylacetat, 500 Th. Aether und 30 Th. Ricinusöl) gefirnisst und mit Benzin das Abziehen der Bildschicht vom Papier bewirkt. Man erhält so ein dünnes Hautnegativ, welches von beiden Seiten copirt werden kann. Zur raschen Herstellung von Bromsilbergelatinepapierbildern sind sogen. „Schnellcopirapparate“ im Gebrauche. Dieselben bestehen zumeist aus einem Kasten, in welchem das Negativ und hinter demselben eine künstliche Lichtquelle angebracht ist. Das empfindliche Papier wird durch einen Hebel nach erfolgter Belichtung selbsthätig verschoben und eine neue Fläche zur Exposition gebracht. Der Verschluss, welcher die Belichtung besorgt, functionirt mechanisch und ist regulirbar. Ein guter derartiger Apparat wurde von ManenizzaEder's Jahrb. f. Photogr. f. 1897, S. 322. unter dem Namen Pontograph in den Handel gebracht. Originell ist die Belichtungsvorrichtung bei einem Apparate von E. Bühler. Dieselbe besteht in einem Schraubengange, in welchen eine Kugel geworfen wird; sobald dieselbe eingeworfen ist, öffnet sich der Verschluss, sobald sie den Schraubengang verlässt, schliesst sich der Verschluss. Je nach dem die Kugel nun bei der 1., 2., 3. u.s.w. Windung eingeworfen wurde, dauert die Belichtung die entsprechende Anzahl Secunden. Warnecke's Uebertragungsemulsionspapier (Process Tissue) ist eine Art Pigmentpapier. Das Princip desselben besteht darin, dass Bromsilbergelatinebilder nach der Entwickelung mit Pyrogallol nur an den Bildstellen unlöslich werden, nicht aber an den bildfreien Stellen.Siehe Eder, Handb. d. Photogr., Bd. III: „Photogr. mit Bromsilbergelatine“. Das Papier wird unter einem Negative etwa 10 Secunden in diffusem Tageslichte oder die entsprechende Zeit bei künstlichem Lichte copirt und wie eine Trockenplatte mit Pyrogallussäure entwickelt. Die Entwickelung hat genau nach Vorschrift stattzufinden. Durch dieselbe werden die belichteten Theile in warmem Wasser unlöslich, während die unbelichteten Theile durch die Behandlung mit warmem Wasser entfernt werden; also genau wie beim gewöhnlichen Kohlepapier. Als Pyrogallusentwickler setzt man sich zwei Lösungen an, wovon die A-Lösung besteht aus: Wasser, destillirt 100 Th. Pyrogallussäure 10 „ Citronensäure 1 „ Die B-Lösung besteht aus: Wasser (88 bis 96°)          100 Th. Ammoniak 10 bis 12 „ Bromkalium   4    „   5 „ Von diesen Vorrathslösungen wird die Gebrauchslösung folgendermaassen angesetzt: Lösung A 3 cc Lösung B 4 cc Wasser, destillirt 200 cc Nachdem das Bild copirt ist, wird die exponirte Schicht zuerst in Wasser eingetaucht und kommt hierauf in den Entwickler, wobei die Schale, wie gewöhnlich, geschwenkt wird, bis das Bild in all seinen Details erscheint. Wird der Entwickler missfarbig, bevor das Bild fertig entwickelt wird, so muss er abgegossen und durch frischen Entwickler erneuert werden. Ist die Entwickelung beendigt, so wird die Copie kurze Zeit gewässert und im Dunkelzimmer auf die Metallplatte übertragen. Die Metallplatte soll mit Lindenholzkohle oder Tripelerde polirt werden. Nach dem Aufquetschen wird die Copie wie ein gewöhnlicher Kohledruck in warmem Wasser von 30° C. entwickelt. Hier ersieht man, ob der Entwickler richtig benutzt wurde. War er zu stark, so wurden auch die unbelichteten Partien der Schicht unlöslich; im anderen Falle ist natürlich das Gegentheil die Differenz. Nach FleckPhotogr. Chronik, 1897 S. 333. ist das Verfahren ganz unverlässlich, es hat nur den Vortheil, dass das Papier schneller copirt als das gewöhnliche Chromatkohlepapier. Dagegen hat es die Nachtheile, dass es bedeutend theurer ist als das gewöhnliche; zwei Entwickelungen beansprucht, wovon die eine als difficil angesehen werden muss; der Aetzung viel weniger widersteht und überhaupt gar nicht erkennen lässt, ob das Aetzbad genügend angegriffen hat oder nicht. Entwickler für Bromsilberplatten. J. Hauff in Feuerbach bringt unter dem Namen Ortol eine neue Entwicklersubstanz in den Handel, welche aus je einem Molekül o-Amidophenol und Hydrochinon besteht.Photogr. Corresp., 1897 S. 557. Nach der Art der Wirkung steht dieser Entwickler zwischen dem Metol und dem Pyrogallol. Er arbeitet, den an der K. K. graphischen Lehr- und Versuchsanstalt vorgenommenen Versuchen zufolge, sehr gut und gibt gut gedeckte klare Negative. Der Entwickler reagirt gut auf Bromkalium, welches die Entwickelung verzögert und daher gestattet, Ueberexposition zu corrigiren. Ueber praktischen Werth der Aldehyde und Ketone als Ersatz der Alkalien in den alkalischen Entwicklern berichten A. Lumière frères und Seyewetz.Photogr. Mittheil., Bd. 34 S. 324. Es werden Recepturen mit Formaldehyd und Pyrogallol (100 Th. Wasser, 5 Th. wasserfreies Natriumsulfit, 1 g Pyrogallol und 5 Th. Formaldehydlösung, 40procentig), sowie Hydrochinon (100 Th. Wasser, 15 Th. Natriumsulfit, 2 cc Formaldehyd, 1,5 Th. Hydrochinon); ferner gewöhnlichem Aldehyd (Aethylaldehyd) und Hydrochinon (100 Th. Wasser, 15 Th. Natriumsulfit, 3 Th. Aldehyd, 1,5 Th. Hydrochinon) angegeben. Pyrogallolaldehyd ist schlechter als Pyrogallolaceton. Aromatische Aldehyde und Ketone sind praktisch werthlos. Die chemische Fabrik von Kalle und Comp. stellt aromatische Hydroxylaminverbindungen zu Entwicklerzwecken durch Reduction von aromatischen Nitroverbindungen her.D. R. P. Nr. 89978. Der von Lumière und Seyewetz beschriebene Diamidoresorcinentwickler wurde bereits im J. 1891 und 1892 in dem Hauff'schen Patente erwähntBrit. Journ. Photogr., 1897 S. 464. , jedoch nicht in die Praxis eingeführt, weil er sich in alkalischer Lösung nur während kurzer Zeit hält und die Gelatine, sowie die Finger färbt. Hydrirte Oxychinoline als Entwicklersubstanzen wurden Lembach und Schleicher patentirt.Patent vom 21. April 1895. Brenzcatechin wird von der Firma Dr. Ellon in Berlin in sehr reiner Form billig in den Handel gebracht, so dass es jetzt möglich sein wird, diese gute Entwicklersubstanz in die Praxis einzuführen.Eder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 419. Farbensensibilisatoren. W. EckhardtIbid. setzte die von Hinterberger begonnenen Versuche über Rothsensibilisatoren fort. Gute Resultate wurden mit dem von Eberhardt als Rothsensibilisator beschriebenen Nigrosin B erhalten. –. Als Vorschrift gibt Eckhardt folgende an: Wasser 100 Th. Nigrosinlösung (1 : 500) 10 „ Ammoniak 1 „ Die Lösung muss filtrirt werden, die Platten werden 2 bis 4 Minuten darin gebadet, dann herausgenommen und mit Alkohol 3 bis 4 Minuten behandelt, dann getrocknet und verwendet. Ueber neue Sensibilisatoren liegt eine grössere Arbeit von E. ValentaPhotogr. Corresp., 1897. vor, welcher eine grössere Anzahl von neueren Theerfarbstoffen bezüglich ihres Sensibilisirungsvermögens untersuchte und die Resultate dieser Untersuchung in der Photogr. Correspondenz publicirte. Photographie in natürlichen Farben. Im J. 1897 machte ein Verfahren der Photographie in natürlichen Farben von Chassagne grosses Aufsehen, da Fachmänner von hervorragenden Namen, wie Abney, Wood u.a., in den Journalen als Gewährsmänner citirt wurden. Das Verfahren entpuppte sich endlich als ein ganz gewöhnliches Colorirverfahren mit wässerigen Farbstofflösungen (Radiotint). Die Farben sind Theerfarben und ziemlich unecht.Siehe Eder, Photogr. Corresp., 1897. A. Blanc in Laval bedient sich zu seinen Versuchen mit dem Lippmann'schen Verfahren der Photographie in natürlichen Farben des reinen Eiweissprocesses. Die gut mit Kaliumbichromat und Schwefelsäure gereinigten Platten werden mit jodbromirtem Eiweiss überzogen (100 cc geschlagenes Eiweiss, 1 g Jodammonium, 0,25 g Bromammonium, 10 cc Ammoniak und 10 cc Wasser), im Silberbade (100 cc Wasser, 10 g Silbernitrat, 10 cc Eisessig und 10 g Kaolin) während 1 Stunde gesilbert – dann wird gut gewaschen und getrocknet, nachdem die Platten vorher in eine gesättigte Gallussäurelösung getaucht wurden. Als Entwickler dient eine gesättigte Gallussäurelösung, welcher auf je 80 cc 8 Tropfen 3procentiger Silbernitratlösung zugesetzt wurden. Fixirt wird mit 15procentiger Fixirnatronlösung. GrabyPhotogr. Corresp., 1897 S. 602. versuchte den Spiegel, welcher bei den Aufnahmen von Interferenzbildern zur Hinterkleidung der Schicht dient, durch spiegelnde Theilchen in der Emulsion selbst zu ersetzen, um gleichsam jedes Bromsilbertheilchen mit seinem Spiegel zu versehen. (Schluss folgt.) [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Die Hefner-Lampe der Actiengesellschaft Siemens und Halske.Für diejenigen unserer Leser, welche sich über die Einzelheiten der Lichtmessungsfrage näher unterrichten wollen, sei bemerkt, dass die bei Siemens und Halske erschienene Druckschrift (Nr. 48 vom Februar 1898) über alle einschlägigen Fragen, insbesondere auch über die Vergleichung der bisher zur Verwendung gekommenen Lichteinheiten eingehend Auskunft gibt. In dem Maasse, wie das Bedürfniss nach Licht gestiegen ist, hat sich das Bedürfniss fühlbar gemacht, die Bestimmung und Messung der Lichtstärke einer Beleuchtungsquelle einfacher und handlicher bewirken zu können. Es ist deshalb erklärlich, dass die vorbenannte Firma, von der so viele Lichtquellen hergestellt werden, dieser Frage ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet. In ihren Neuen Nachrichten beschreibt sie für weitere Kreise ihre Hefner-Lampe und knüpft daran eine kurze Anleitung zu dem Gebrauche derselben. Der Begriff der Hefner-Lampe ist durch den Beschluss des Verbandes deutscher Elektrotechniker und des deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern übereinstimmend in folgender Weise festgestellt worden. „Als Lichteinheit dient die Leuchtkraft einer in ruhig stehender, reiner atmosphärischer Luft frei brennenden Flamme, welche aus dem Querschnitt eines massiven, mit Amylacetat gesättigten Dochtes aufsteigt, der ein kreisrundes Dochtröhrchen aus Neusilber von 8 mm innerem und 8,3 mm äusserem Durchmesser und 25 mm freistehender Länge vollkommen ausfüllt, bei einer Flammenhöhe von 40 mm vom Rande des Dochtröhrchens aus und wenigstens 10 Minuten nach dem Anzünden gemessen.“ Durch die Beschlüsse des Elektrikercongresses zu Genf im Jahre 1896 scheint die Einführung der Hefner-Kerze als internationale technische Einheit für die Lichtstärke gesichert. In Deutschland ist die Hefner-Kerze (HK) als Lichteinheit bereits thatsächlich eingeführt und zwar durch die übereinstimmenden Beschlüsse des Verbandes deutscher Elektrotechniker und des Vereins deutscher Gas- und Wasserfachmänner. Die Lichtstärke der Hefner-Lampe zeigt sich abhängig von der umgebenden Luft. In der Nähe des normalen Barometerstandes ist die Aenderung der Lichtstärke ohne jede praktische Bedeutung. Auch die Aenderung der Lichtstärke mit der Feuchtigkeit kann meist unbeachtet gelassen werden. Dagegen wird durch eine Verminderung des Sauerstoffgehaltes der Verbrennungsluft die Leuchtkraft stark beeinträchtigt. Als erste Grundbedingung für das Photometriren mit der Hefner-Lampe ist deshalb die Forderung hinreichend grosser, gut gelüfteter Räume aufzustellen. Die von der Firma Siemens und Halske Actiengesellschaft gelieferte, in Fig. 1 im Schnitt dargestellte Hefner-Lampe hat folgende Einrichtung. Das Gefäss A dient zur Aufnahme des Amylacetats; es ist aus Messing oder Rothguss hergestellt und im Inneren verzinnt. Der Kopf B trägt in seinem Inneren das dochtführende Rohrstück a und das Triebwerk. Letzteres besteht aus zwei Achsen, über welche zwei gezahnte, in die Ausschnitte des Rohrstückes a eingreifende Walzen w und w1 geschoben sind. Seitlich von den Walzen und mit diesen fest verbunden sitzen die Zahnräder e und e1, diese können durch die beiden in sie eingreifenden, auf ein und derselben Achse b sitzenden Schrauben ohne Ende f und f1 in einander entgegengesetzter Richtung gedreht werden. Die Achse b endet in dem Knopf g, mit dessen Hilfe das Triebwerk in Bewegung gesetzt wird. Das dochtführende Rohrstück a ragt über die obere Platte des Kopfes B um etwa 4 mm heraus und trägt am herausragenden Ende aussen ein Gewinde, auf das die Hülse D aufgeschraubt werden kann. Dicht neben dem Rohrstück a befinden sich in der oberen Platte des Kopfes B zwei einander gegenüber liegende Oeffnungen von etwa 1 mm Durchmesser, die zur Zuführung der Luft an Stelle des verbrauchten Brennstoffes dienen. Das Dochtrohr ist aus Neusilber ohne Löthnaht hergestellt; seine Länge beträgt 35 mm, der innere Durchmesser 8 mm, die Wandstärke 0,15 mm. Es wird von oben in das Rohrstück a bis an einen darin befindlichen Ansatz eingeschoben. Das Flammenmaass, das zur Feststellung der richtigen Flammenhöhe (40 mm) dient, ist auf einem abnehmbaren, drehbaren und an jeder Stelle festklemmbaren Ring h befestigt, der auf die obere Platte des Kopfes B aufgesetzt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 120 Fig. 1. Als Messvorrichtung dient entweder ein Flammenmaass nach v. Hefner-Alteneck oder nach Krüss (Fig. 2). Das Hefner'sche Flammenmaass (Fig. 1 und 2) besteht aus zwei in einander geschobenen Rohrstücken mit wagerechter, durch die Achse des Dochtrohres hindurchgehender Achse. Das innere Rohrstück ist der Länge nach durchschnitten und trägt ein wagerecht liegendes blankes Stahlplättchen q von 0,2 mm Dicke mit einem rechtwinkligen Ausschnitt. Die untere Ebene des Stahlplättchens soll 40 mm über dem oberen Rande des Dochtrohres liegen. Das Krüss'sche Flammenmaass (Fig. 2) besteht aus einem etwa 30 mm langen Rohrstück, dessen Achse ebenfalls wagerecht liegt und durch die Achse des Dochtrohres hindurchgeht. Das Rohrstück ist auf der dem Dochtrohr zugewandten Seite durch ein kleines Objectiv von etwa 15 mm Brennweite geschlossen, auf der entgegengesetzten Seite durch eine matte Scheibe, die von feinem Korn ist und dem Objectiv ihre matte Seite zuwendet. Die Scheibe trägt in ihrer Mitte eine wagerechte, schwarze Marke von nicht mehr als 0,2 mm Dicke. Das durch das Objectiv entworfene Bild der oberen Kante dieser Marke soll genau 40 mm über der Mitte des oberen Dochtrohrrandes liegen. Textabbildung Bd. 308, S. 120 Fig. 2. Lehre. Hefner-Lampe mit Hefner'schem Flammenmaass. Krüss'sches Flammenmaass. Die Lehre (Fig. 2) dient zur Controle der richtigen Stellung des oberen Randes des Dochtrohres, sowie derjenigen des Flammenmaasses. Wenn die Lehre über das Dochtrohr geschoben ist, so dass sie auf der Decke des Kopfes B fest aufsteht, so soll beim Hindurchblicken durch den in etwa halber Höhe der Lehre befindlichen Schlitz zwischen dem oberen Rande des Dochtrohres und der wagerechten Decke des inneren Hohlraumes der Lehre eine feine, weniger als 0,1 mm breite Lichtlinie sichtbar sein; ausserdem muss die Schneide oben an der Lehre bei Benutzung des Hefner'schen Flammenmaasses in der Ebene der unteren Fläche des Stahlplättchens liegen. Bei Benutzung des Krüss'schen Flammenmaasses muss die Schneide der Lehre in der oberen Kante der Marke des Flammenmaasses scharf abgebildet werden. Der Abstand zwischen dem oberen Dochtrohrrande und der Schneide der Lehre muss somit genau 40 mm betragen. Sämmtliche Metalltheile der Lampe ausser dem Dochtrohr und dem Stahlplättchen des Hefner'schen Flammenmaasses werden mattschwarz gebeizt. Eine 1200 Willans-Maschine zum Antrieb eines Bahngenerators wird, wie The Electrician mittheilt, jetzt für die erweiterte Centrale der Strassenbahn in Liverpool gebaut. Es ist das eine Dreikurbelmaschine, wobei jede Kurbel einem Hoch- und Niederdruckcylinder in Tandemanordnung entspricht. Die Kurbeln sind um 120° verstellt. Die Hochdruckcylinder haben 52 cm und die Niederdruckcylinder 88 cm Durchmesser; der Hub ist 43 cm. Bei 10,7 k Dampfdruck, Condensation und 230 Umdrehungen in der Minute ist die normale Leistung 1200 und die maximale Leistung 1500 . Die Welle hat einen Durchmesser von 28 cm und das Schwungrad enthält bei normaler Tourenzahl 270000 m/k kinetische Energie. Die Dynamomaschine ist 10polig und für eine Leistung von 1420 Ampère bei 550 Volt bestimmt. Sie hat einen Nuthenanker von 170 cm Durchmesser und Schleifenwickelung. Die Stromabnahme findet durch 10 Sätze von Bürsten statt. Der äussere Jochring sowie die Magnetkerne sind aus Stahlguss. (E. T. Z.) Bücher-Anzeigen. Die maschinellen Hilfsmittel der chemischen Technik. 2. Aufl. Bearbeitet von A. Parnicke, Civilingenieur in Frankfurt a. M., vormals Oberingenieur der chemischen Fabrik Griesheim. Frankfurt a. M. Verlag von H. Bechhold. 426 S. Geb. 12 M. Das zeitgemässe Werk fand bereits 1894 294 216 anerkennende Besprechung nebst Inhaltsangabe. Neu hinzugekommen sind die elektrischen Beleuchtungseinrichtungen und die Ventilations- und Badeeinrichtungen, und zwar in der verständlichen und gedrängten Fassung, durch welche sich das ganze Werk auszeichnet. DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 6. Stuttgart, 14 Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Neuere Locomotiven *. Bericht über belgische Staatsbahnen von Lavezzari. Curvenbewegliche Schnellzuglocomotive *. Locomotive mit Messingrohren mit Innenrippen von der Société anonyme de la Meuse bezieh. der Société anonyme des Forges, Usines et Fonderies. Güterzuglocomotive mit Messingrohren (System Serve) der Société de Saint-Leonard. Güterzuglocomotive von Zimmermann, Haurey et Cie. Leichte Personenzugtenderlocomotive der Société de construction de Boussu. Tenderlocomotive für Rangirzwecke von Métallurgique. Mittheilungen von Kelényi. Bericht von v. Borries über eine Verbundlocomotive mit vier Dampfcylindern *. Locomotive mit zwei Hochdruck- und zwei Niederdruckcylindern nach Baudry. Viercylindrige Verbundlocomotive von Strong. Versuche von Goss. Bericht von Morison. Viercylindrige Verbundschnellzuglocomotive von den Baldwin Locomotive Works. Ungekuppelte Schnellzuglocomotive von Krauss und Co. Schmalspurige Güterzuglocomotive der Rogers Locomotive Works. Tenderlocomotive der Brooks Locomotive Works 121 Metallbearbeitung. Maschinen zur Massenherstellung von Schrauben *. Roberts' selbsthätige Maschine zur Massenherstellung von Schrauben *. Briggs' Maschine zur selbsthätigen Herstellung von Schrauben *. Weiland's Maschine zur Massenherstellung vorgepresster Holzschrauben * 126 Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation *. Schärfhammer von Kapp *. Erzeugung von Holzschliff von Ondraschek. Sortirung von Holzschliff von Curtis *. Hoffmann'sche Schwimmsiebe. Cylindersortirer von Wallberg und Ullgren *. Sortirapparat mit ebenen Sieben von Chelius *. Entwässerungs- (oder Sortir-) Apparat von Finckh *. Entwässerung der Park Falls Pulp and Paper Company. Dörrapparat nach Dr. Ryder. Aufbewahrung feuchten Holzschliffes. Stachybotrys alba *. Pilz *. Rhynchosphaeria Pilz * 129 Elektrotechnik. Elektrische Kraftübertragungen auf Stationen der französischen Nordbahn * 132 Vervielfältigende Kunst. Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Copirpapiere: Herstellung von Aristopapier nach Valenta. Herstellung von Chlorsilbercollodion nach Bolton. Chlorzinkemulsion nach Moss Giessmaschine für Chlorsilberemulsionen nach Schwartz. Emulsionirtes Albuminpapier nach Gevaert. Farbenzusatz zu Silberauscopirpapiere. Mattpapier mit Albuminstärkeschicht nach Hübl. Vehikel zur Herstellung von Emulsionen von Lilienfeld. Tonung von photographischen Bildern: Bromsilberentwickelungsbilder. Tonung von Diapositiven auf Chlorbromplatten nach Stieglitz, 1) Blautonung. 2) Grüntonung. 3) Röthliche Töne. Herstellung neutraler Goldchloridlösungen nach Eder. Goldtonbad von Lüttke. Neutrales Goldsalz von Lüttke und Arndts. Herstellung einer concentrischen Goldlösung nach Bühler. Pigmentverfahren (Gummidruck): Herstellung von Gummipigmentdreifarbendrucken nach Watzek. Korn- und Lineaturverfahren, Autotypie, Emailverfahren, Aetzung in Kupfer, Zink, Stahl, Aluminium u.s.w.: Neuer Process der Photogravure nach Braun. Emailprocess nach Wilkinson. Vermeidung der krystallinischen Structur nach Turatti. Hochätzung von Aluminium nach Klimsch. Farbendruck: Typochromie nach v. Schmaedel. Selbstfärbende Druckplatten der Anglo Continental Stencil Comp. Verfahren zum partiellen Einfärben von Druckplatten nach Kühnl. Verfahren zum gleichzeitigen Drucken mehrerer Zeichnungen der American Bank Note Company 135 Kleinere Mittheilungen: Carbolineum als Holzschutz 139 Aluminium als Ersatz für Kupfer bei elektrischen Leitungen 139 Brüniren von Kupfer 139 Ein neues Kabelschiff 139 Glühlampe nach System Ch. Howard 140 Hydrolicht 140 Verbilligung des Glühlichtes 140 Die Dauerhaftigkeit von Glühkörpern für Gasglühlicht zu erhöhen 140 Bücher-Anzeigen 140 Eingesandt 140 * bedeutet mit Abbildung. Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 6. Stuttgart, 14. Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Neuere Locomotiven. Mit Abbildungen. Neuere Locomotiven. Ueber bemerkenswerthe Locomotiven der belgischen Staatsbahnen auf der Weltausstellung zu Brüssel bezieh. Tervueren 1897 berichtet A. Lavezzari in dem Bulletin de la Société des Ingenieurs civils de France, Mai 1897 S. 670 und folgende. Die einzige von den belgischen Staatsbahnen selbst ausgestellte Locomotive – eine curvenbewegliche Schnellzuglocomotive – war in den Centralwerkstätten erbaut und ohne Anstrich und ohne Ummantelung des Kessels zur Ausstellung gebracht. Textabbildung Bd. 308, S. 121 Fig. 1. Curvenbewegliche Schnellzuglocomotive. Die Fig. 1 ersichtliche Maschine hat folgende Hauptabmessungen: Durchmesser der Cylinder 500 mm Kolbenhub 600 mm Durchmesser des Kessels 1,300 m Anzahl der Feuerröhren 242 Länge    „         „ 3,850 m Durchmesser der Feuerröhren (aussen) 45 mm Heizflache der Feuerkiste der Rohre 12,500 112,175 qm qm Gesammte Heizfläche 124,675 qm Rostfläche 4,7071 qm System der Steuerung Heusinger v. Waldegg (Walschaert) Gesammtgewicht, betriebsfähig 49200 k              „               leer 45500 k Kesselspannung 10 at Zwei andere Locomotiven derselben Type mit Messingrohren mit Innenrippen nach Serve (1890 275 * 395) wurden von der Société anonyme de la Meuse zu Lüttich bezieh. der Société anonyme des Forges, Usines et Fonderies zu Haine-Saint-Pierre vorgeführt. Die eine Locomotive ist mit einer mit schwingenden und für Ein- und Auslass getrennten Kolbenschiebern arbeitenden Steuerung, System Lencauchez (1892 286 * 126; 1894 293 10), versehen. Cylinder und Schieberkasten liegen innerhalb der Rahmen. Die andere Locomotive hat Flachschiebersteuerung, System Hayois, mit zwei Einlass- und einem Auslasschieber für jeden Cylinder. Die Maschinen dieser Type befördern Züge, deren Traingewicht 150 t beträgt, auf Steigungen von 5 mm und 5 km Länge mit Geschwindigkeiten von 90 km in der Stunde, ohne dass ein Sinken der Kesselspannung und des Wasserspiegels im Kessel eintritt. Die Rostfläche von 4,7071 qm ist unter Zugrundelegung eines Verbrauches an Brennmaterial von im Mittel 260 bis 280 k halbfetter Kohle für 1 qm und Stunde berechnet worden. Jedes Kilo Kohle verdampft 8 k Wasser. Mit einer Steuerung System Hayois war auch die von der Société de Marcinelle et Couillet ausgestellte, für starke Steigungen gebaute Schnellzuglocomotive (Type 16) mit sechs gekuppelten Rädern von je 1,70 m Durchmesser versehen. Die Maschine hat aus weichem Stahl gefertigte Rohre, System Serve. Derartige, in Dienst gestellte Maschinen befördern unter normalen Verhältnissen Züge von 110 t Traingewicht auf Steigungen von 16 mm mit einer mittleren Geschwindigkeit von 60 km in der Stunde. Der anwachsende Verkehr auf der Luxemburg-Linie der belgischen Staatsbahnen erforderte stärkere Locomotiven der vorstehenden Bauart. Es ist deshalb eine neue Locomotivtype mit je sechs gekuppelten Rädern in Dienst gestellt worden, die sich durch grössere Kessel und Maschinen, in Folge dessen eine um 30 Proc. gesteigerte Zugkraft von der vorgenannten Type unterscheidet. Die Société de Saint-Leonard hatte eine Güterzuglocomotive mit Messingrohren, System Serve, ausgestellt. Die Maschine ist eine Doppel-Verbundlocomotive, System Mallet (1891 282 27), mit je sechs gekuppelten Rädern und beweglichen Rahmengestellen. Ihre Zugkraft berechnet sich zu 13500 k. Die Maschine dient zur Beförderung der Züge auf den schiefen Ebenen von Lüttich nach Ans. Gegenwärtig müssen die auf der Linie von Aachen nach dem Inneren von Belgien verkehrenden Güterzüge vor den genannten schiefen Ebenen getheilt und auf den oberen Stationen wieder zusammengestellt werden, was durch die neuen Locomotiven vermieden wird. Die Hauptabmessungen derselben sind nachstehende: Durchmesser der Hochdruckcylinder 500 mm         „              „   Niederdruckcylinder 810 mm Kolbenhub 650 mm Durchmesser der Treibräder 1,30 m Kesselspannung 15 at Rostfläche 7 qm Heizfläche 260 qm Fassungsraum für Wasser 9000 l         „                „  Kohlen 3000 l Leergewicht 80000 k Dienstgewicht 98000 k Eine Güterzuglocomotive mit sechs gekuppelten Rädern von je 1,30 m Durchmesser (Type 25) war von Zimmermann, Haurey et Cie. ausgestellt. Die Maschine soll Züge im Traingewicht bis zu 230 t auf ununterbrochenen Steigungen von 16 mm mit Geschwindigkeiten von 30 km in der Stunde befördern. Ihre hauptsächlichsten Abmessungen sind: Durchmesser der Cylinder 500 mm Kolbenhub 600 mm Anzahl der Feuerröhren 251 Länge     „           „ 3,510 m Aeusserer Durchmesser der Feuer-     röhren 45 mm Heizflache der Feuerkiste der Rohre 11,3310 109,3550 qm qm Gesammte Heizfläche 120,6860 qm Rostfläche 5,149 qm System der Steuerung Heusinger v. Waldegg (Walschaert) Dienstgewicht 43200 k Leergewicht 39800 k Kesselspannung 10 at Die Société de construction de Boussu stellte eine leichte Personenzugtenderlocomotive mit sechs gekuppelten Rädern von je 1,20 m Durchmesser (Type 11) aus, deren Hauptabmessungen hierunter folgen: Durchmesser der Cylinder 350 mm Kolbenhub 500 mm Anzahl der Feuerröhren 147 Länge     „          „ 2,500 m Aeusserer Durchmesser der Feuer-     röhren 45 mm der Feuerkiste 6,7630 qm Heizflache der Rohre 46,1767 qm Gesammte Heizfläche 52,9397 qm Rostfläche 2,0647 qm Dienstgewicht 30700 k Leergewicht 24700 k Kesselspannung 11 at System der Steuerung Heusinger v. Waldegg (Walschaert) Die Maschine vermag Züge von 110 t Traingewicht auf Steigungen von 16 mm mit 30 km Geschwindigkeit in der Stunde zu ziehen. Eine andere, für Rangierzwecke auf Bahnhöfen bestimmte Tenderlocomotive mit sechs gekuppelten Rädern war von der Firma Métallurgique ausgestellt. Von den auf der Millenniums-Landesausstellung in Budapest 1896 ausgestellten Locomotiven waren namentlich die in einem besonderen Gebäude untergebrachten Locomotiven der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahn für 760 mm Spurweite äusserst lehrreich, insofern sie die Steigerung des Verkehrs auf diesen im J. 1879 eröffneten Bahnen zur Anschauung brachten, andererseits ein mustergültiges Beispiel lieferten, durch die Art und Weise, wie in ihnen den Anforderungen, selbst bei den durch scharfe Bahnkrümmungen und steile Steigungen gestellten schwierigsten technischen Bedingungen, Rechnung getragen ist. Nach den von E. Kelényi in dem Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens, 1897 Heft 5 S. 91, gemachten Mittheilungen wurden in der ersten Zeit des Betriebes auf der genannten Bahn 2/2 gekuppelte Tenderlocomotiven benutzt, welche jedoch schon 1882 Zwillingstenderlocomotiven Platz machten, die derart gekuppelt waren, dass die Führerstände vereinigt wurden und ein Führer beide handhaben konnte. Durch diese Kuppelung wurde die 5,7 bis 11,3 t betragende Reibungslast der 2/2 gekuppelten Locomotive auf zusammen 24,2 t der 2 × 2/2 gekuppelten Zwillingslocomotiven erhöht. Im J. 1885 wurden die ersten ¾ gekuppelten Klose'schen Tenderlocomotiven gebaut, bei welchen trotz des grossen Achsstandes die Einstellbarkeit der Achsen dadurch erreicht wurde, dass der in einem besonderen Rahmen gelagerte Tendertheil, unter dem sich auch die hintere Laufachse befindet, mittels eines Querstückes und einer entsprechenden Hebelübersetzung die Lagerbüchsen der gekuppelten Achsen derart verschiebt, dass sich letztere nach dem Mittelpunkte einstellen. Gleichzeitig wird durch entsprechende Hebelübersetzung und mittels Verdrehung eines auf die zweite gekuppelte Achse gesteckten vierarmigen Stellkopfes die Verkürzung oder Verlängerung der beiderseitigen Kuppelstangen bewirkt (1896 299 * 78). Diese Locomotive vermag bei durchschnittlich 21 km Geschwindigkeit in der Stunde auf wagerechter Bahn 420 t, auf Steigungen von 25 mm 70 t zu ziehen. Im J. 1893 wurden versuchsweise fünf gekuppelte Klose'sche Locomotiven gebaut, doch ist man von dieser Bauart wegen der weniger günstigen Einstellbarkeit der Achsen wieder abgegangen. Im J. 1895 wurden 2/4 gekuppelte Klose'sche Locomotiven mit Verbund Wirkung gebaut, bei denen die Einstellbarkeit der vorderen und hinteren Laufachse durch das Einstellen der hinteren Laufachse mittels eines wagerechten dreiarmigen Querstückes bewirkt wird, während die beiden mittleren gekuppelten Achsen bei dem nur 1,3 m betragenden Achsstande keiner Einstellvorrichtung bedürfen. Die Räder dieser mittleren Achsen sind ohne Spurkränze. Diese Locomotive zieht auf den zwischen Doboj und Sarajewo befindlichen Steigungen von 27 bis 37 mm bei durchschnittlich 30 km Geschwindigkeit in der Stunde 11 t. Nach den Lieferungsbedingungen hat die Locomotive auf 8 mm Steigungen bei durchschnittlich 35 km Geschwindigkeit in der Stunde 115 t zu ziehen. Ausser den genannten Locomotiven besorgen auf den Linien der bosnisch-herzegowinischen Staatsbahn, welche Abt'sche Zahnstange haben, die nach der Abt'schen gemischten Reibungs- und Zahnradbauart gebauten Locomotiven (1892 284 107) den Betrieb. Von diesen Locomotiven sind die älteren ¾, die neueren 3/5 gekuppelt, deren hintere bezieh. beide hinteren, unter dem Tender befindliche Achsen nach dem Mittelpunkte einstellbar sind. Auf der Millenniums-Landesausstellung war die neuere Ausführung dieser Locomotiven vertreten (1897 305 173). Ueber eine Verbundlocomotive mit vier Dampfcylindern berichtet v. Borries in Glaser's Annalen für Gewerbe und Bauwesen vom 15. August 1897 S. 61 bezieh. in dem Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens, 1897 S. 141. Die Locomotive hat an jeder Langseite einen Hochdruck- und einen Niederdruckcylinder (Fig. 2 und 3), die behufs einfacher Bearbeitung und Anbringung in einem Stücke hergestellt werden können. Die beiden Dampfkolben jeder Seite wirken auf eine innere und eine äussere Kurbel, welche annähernd oder genau entgegengesetzt gerichtet sind, so dass die Kolben sich in annähernd oder genau entgegengesetzter Richtung bewegen und die wagerecht bewegten Triebwerkskräfte und Massen sich theilweise ausgleichen. Die beiden Dampfschieber jedes Cylinderpaares – es sind Kolbenschieber angenommen – werden durch eine einzige Steuerung bewegt, wobei die Füllungsgrade, von denen die Ausnutzung der Dampfkraft wesentlich abhängt, durch zwei verschiedene Anordnungen der Kurbeln bezieh. Steuerung erreicht werden. Textabbildung Bd. 308, S. 123 Verbundlocomotive mit vier Dampfcylindern. Bei der ersten Anordnung ist die Kurbel jedes Niederdruckkolbens gegen diejenige des zugehörigen Hochdruckkolbens in der Drehrichtung der Triebachse für Vorwärtslauf um einen kleinen Winkel – etwa 5 bis 6° – vorgestellt. Die Steuerung ist beliebiger Art. Die Voreilung der Niederdruckkurbel bewirkt, dass ihr Kolben früher als der Hochdruckkolben in die Endstellung gelangt, dass ihr Steuerungsschieber also geringere äussere Deckung als derjenige des später geöffneten Hochdruckcylinders erhält. In Folge dieser geringen Deckung seines Schiebers erhält der Niederdruckcylinder grössere Füllungsgrade als der Hochdruckcylinder. Bei der zweiten Anordnung stehen die Kurbeln einander gerade gegenüber. Die beiden Dampfschieber jedes Cylinderpaares werden nicht gemeinsam, sondern von verschiedenen Punkten des Haupthebels einer Steuerung, Bauart Heusinger, bewegt, und zwar ist die Niederdruckschieberstange näher an dem Punkte des Haupthebels angeschlossen, an welchem die nach der Coulisse führende Schubstange angreift, als die Hochdruckschieberstange. An Stelle der Steuerung von Heusinger können auch Ellipsensteuerungen, welche einen ähnlich wirkenden Haupthebel haben, z.B. diejenige von Joy, an Stelle der Kolbenschieber auch Flachschieber angewendet werden. Die beiden Dampfcylinder jeder Seite können auch in zwei Stücken hergestellt und die Platten rahmen zwischen ihnen durchgeführt werden. Die neue Anordnung bietet gegenüber den bisher üblichen Verbundlocomotiven die folgenden Vorzüge: 1) Im Vergleich mit der Verbundlocomotive mit zwei Cylindern gestattet sie die Anwendung grösserer Niederdruckcylinder, also stärkere Dampfdehnung und bessere Dampfausnutzung bei grosser Geschwindigkeit, sowie grössere Zugkraft bei gleicher Dehnung auf Steigungen. Bei zwei Cylindern kann man über massige Kolbenquerschnitte nicht hinausgehen, weil die Abmessungen unbequem und die Triebwerksmassen zu gross werden. Man begnügt sich daher mit höchstens 5- bis 6facher Dampfdehnung, während mit vier Cylindern 6- bis 7,5fache bei 0,4 bis 0,3 Füllung in den Hochdruckcylindern ohne Schwierigkeit erreicht wird. Die Dampfkanäle an den Niederdruckcylindern können im Verhältnisse zu den Kolbenflächen grösser hergestellt und damit die Spannungsverluste bei grosser Geschwindigkeit verringert, die Dampfausnutzung also verbessert werden. Die entgegengesetzt gerichteten Triebkräfte jedes Kolbenpaares entlasten die Triebachsschenkel und -lager um so mehr, je weniger Triebkraft auf die Kuppelstangen übertragen wird, vermindern also deren Reibung und Abnutzung. Sie verringern ferner, da nur noch leichte Gegengewichte erforderlich sind, die Beanspruchung der Gleise und bewirken ein ruhiges und stossfreies Arbeiten der Maschine, wodurch deren Unterhaltungskosten entsprechend niedriger ausfallen. Die Feueranfachung durch vier Dampfschläge bei jeder Triebradumdrehung ist gleichmässiger als bei den zwei Schlägen der Zweicylinder-Verbundlocomotive. Hierdurch wird der Kohlenverbrauch etwas vermindert und die Verdampfung besonders bei massiger Geschwindigkeit gesteigert. 2) Im Vergleich mit der Viercylinder-Locomotive, Bauart de Glehn (1896 301 254), ist die Anordnung erheblich einfacher, da zwei vollständige Steuerungen erspart und je zwei Cylinder in einem Stücke hergestellt werden können. Die Beanspruchung der Triebachse auf Biegung ist grösser als bei der Glehn'schen Anordnung, soweit die Druckkräfte der äusseren Dampfkolben nicht durch die Kuppelstangen aufgenommen und auf die Kuppelachse übertragen werden. Bei starkem Arbeiten der Locomotive, wenn die Kuppelachse mitarbeitet, wird letzteres grösstentheils der Fall sein, so dass eine wesentlich stärkere Biegung durch die Kolbendrucke nicht eintreten wird. Jedenfalls ist die Beanspruchung geringer, als bei allen Locomotiven mit zwei innen liegenden Cylindern, da die verdrehenden Kräfte erheblich geringer ausfallen. Gegenüber den starken Beanspruchungen durch Schleudern der Triebräder und Stösse bei rascher Fahrt dürften diese Verschiedenheiten wenig ausmachen. Bei Verwendung von Nickelstahl bietet diese Achse jedenfalls volle Sicherheit. Bei Locomotiven mit drei gekuppelten Achsen kann die erste derselben von dem inneren, die zweite von dem äusseren Kolben angetrieben und damit eine entsprechende Vertheilung der Beanspruchungen erreicht werden. Das innere Triebwerk ist von aussen leichter zugänglich, weil die äusseren Cylinder nicht davor liegen und deren Querverbindung zwischen den Rahmen fortfällt. Die Bauart der Rahmen ist wesentlich einfacher und nach amerikanischem Vorbilde so gewählt, dass sie unabhängig von den Cylindern in kurzer Zeit angebracht und abgenommen werden können. In Folge des weitgehenden Ausgleiches der entgegengesetzt gerichteten Kolbenkräfte an den Triebachslagern und der entsprechenden Dampfdrucke auf die Cylinderdeckel am Cylinderkörper werden die Hauptrahmen und die Befestigung der Cylinder verhältnissmässig wenig beansprucht. Der als Verbinder dienende gemeinsame Schieberraum vermeidet die Druck- und Wärmeverluste in den Verbindungsleitungen. Auf Verbinderohre in der Rauchkammer ist verzichtet, da dieselben in Folge ihrer kleinen Heizfläche fast wirkungslos sind. Das Verhältniss der Füllungsgrade kann je nach dem Querschnittsverhältnisse der Kolben und der Fahrgeschwindigkeit der Locomotive für den geringsten Dampf verbrauch richtig hergestellt werden, und zwar bei der beschriebenen Anordnung der Heusinger-Steuerung für Vor- und Rückwärtsgang. 3) Im Vergleich mit der Viercylinder-Locomotive, Bauart Vauclain (1893 287 * 25), gestattet die geringere Compression in den Hochdruckcylindern die Anwendung geringerer Füllungsgrade, wodurch bessere Dampfausnutzung erzielt wird. Der Hauptmangel der Bauart Vauclain sind die Wirkungen der schweren, wagerecht bewegten Triebwerksmassen, welche bei leichtester Ausführung noch etwa doppelt so schwer, als bei hiesigen Locomotiven mit zwei Cylindern ausfallen. Wird die Hälfte derselben durch die Gegengewichte ausgeglichen, so beträgt die in senkrechter Richtung überschüssige Fliehkraft der Gegengewichte bei 240 bis 300 Triebradumdrehungen in der Minute etwa 4500 bis 7000 k. Um diese Kraft wird die Triebradlast jeder Langseite bei jeder Umdrehung einmal vermehrt und vermindert, woraus sehr erhebliche Beanspruchungen des Oberbaues folgen müssen. Bei der hier beschriebenen Anordnung ist diese Kraft durch den erwähnten Ausgleich bis auf ein unschädliches Maass verringert. Die Anwendung einer gekröpften Triebachse hat kein Bedenken, da diese bei Herstellung aus Nickelstahl alle Einwirkungen sicher erträgt. Als Nachtheil gegen die Bauart Vauclain bleibt daher die Vermehrung der Theile um zwei Geradführungen, zwei Kreuzköpfe, zwei Schubstangen und zwei Schieber, wogegen als Vorzüge, wie unter 2, die geringere Beanspruchung der Triebachslager und Rahmen, die Vermeidung der ungünstigen Beanspruchungen der Kolbenstangen auf Biegung und demnach die geringere Eigenreibung hervorzuheben sind. Verbundlocomotiven mit vier Cylindern sind bekanntlich in Nordamerika häufig anzutreffen. Auch französische Eisenbahnverwaltungen haben derartige Locomotiven unlängst in Dienst gestellt. So berichtet The Engineer vom 10. September 1897 S. 257 über eine viercylindrige Verbundlocomotive der französischen Paris-Lyon-Mittelmeerbahn. Die nach Angaben von Ch. Baudry erbaute Maschine hat zwei Hochdruck- und zwei Niederdruckcylinder; erstere liegen ausserhalb der Rahmen. Zur Dampfvertheilung dient eine Steuerung, System Heusinger, während die unter dem Kessel liegenden Niederdruckcylinder von einer Gooch'schen Coulissensteuerung beherrscht werden. Beide Steuerungen arbeiten vollständig unabhängig von einander. Die Maschine hat vorderes zweiachsiges Drehgestell und feste Treib- und Kuppelachse. Die von George S. Strong in New York entworfene viercylindrige Verbundlocomotive der Pittsburgh-, Fort Wayne- und Chicago-Eisenbahn bietet noch wegen der getroffenen Anordnungen zum Ausbalanciren der hin und her gehenden bezieh. rotirenden Massen, des weiteren wegen ihrer Steuerung und der an Stelle gewöhnlicher Schieber verwendeten Gitterschieber besonderes Interesse. Die beiden Hochdruckcylinder liegen zwischen den Rahmen; ihre Kolben arbeiten auf zwei um 90° gegenseitig versetzte Kröpfungen der Treibachse, während diejenigen der ausserhalb der Rahmen befestigten Niederdruckcylinder mit den Kurbelzapfen der Treibräder verbunden sind. Da der Kurbelzapfen jeder Maschinenseite mit dem Krummzapfen derselben Seite einen Winkel von 180° bildet, der Hochdruckkolben demnach eine Vorwärtsbewegung ausführt, während sich der Niederdruckkolben nach rückwärts bewegt, gleichen sich, genau wie bei der vorbesprochenen viercylindrigen Verbundlocomotive von Borries, die Gewichte der bewegten Maschinentheile nahezu aus. Die Kurbeln der einen Maschinenseite sind gegen diejenigen der anderen Seite um 90° versetzt, so dass die vier Kurbeln rechte Winkel zu einander bilden. Die rotirenden Massen der Niederdruckcylinder und die Gewichte der einander parallelen Stangen sind in der gewöhnlichen Weise durch Gegengewichte in den Rädern, die rotirenden Massen der Hochdruckcylinder durch solche in den Armen der Kurbelkröpfungen ausbalancirt. Die Gewichte der hin und her gehenden Theile jedes Hochdruckcylinders gleichen diejenigen des Niederdruckcylinders auf derselben Maschinenseite aus. Im Hinblicke auf die Wirkungen der in senkrechter Richtung und der Länge nach auftretenden Kräfte kann die Ausbalancirung eine vollkommene genannt werden und was die verbleibenden Horizontalkräfte und die durch dieselben hervorgerufenen schlingernden Bewegungen der Locomotive anbelangt, so werden letztere wegen der nur geringen Entfernung zwischen den Mitten der Hochdruck- und Niederdruckcylinder wesentlich kleiner als bei anderen Locomotivsystemen ausfallen. Den bemerkenswerthesten Theil der Maschine bildet die Steuerung. Die Hauptbewegung der, wie schon erwähnt, als Rostschieber ausgebildeten Steuerungsorgane wird für jeden Cylinder von einer mittels Gegenkurbel in Schwingungen gebrachten Coulisse abgeleitet und die Umsteuerung durch Veränderung der Lage eines Gleitstückes in dieser Coulisse erreicht. Der äussere Kreuzkopf jeder Maschinenseite ist durch eine Stange mit dem gemeinsamen Zapfen zweier Schwinghebel verbunden, die, damit die Schieber behufs guter Dampfvertheilung mit einer gewissen Ueberdeckung oder Voreilung arbeiten, am oberen Ende entsprechend ausgebildet sind. Ueber Versuche, welche W. F. M. Goss, Professor an der Purdue University zu Lafayette, an einer derartigen Locomotive anstellte, berichtet George L. Morison im Engineering vom 5. November 1897 S. 539 u. ff. Danach befinden sich die Treibräder stets in vollkommen ausbalancirtem Zustande. Unter gewöhnlichen Verhältnissen konnte weder eine Zu- noch Abnahme der Drücke, mit denen diese Räder auf die Schienen einwirken, beobachtet werden. Was die Schwingungen der Locomotive anbelangt, so stellten sich dieselben geringer heraus als jene, welche bei gewöhnlichen Locomotiven auftreten. Eine für die Atlantic City Railroad von den Baldwin Locomotive Works in Philadelphia erbaute viercylindrige Verbundschnellzuglocomotive mit vier gekuppelten Rädern, einem vorderen zweiachsigen Drehgestell und einer Laufachse unter der Feuerbüchse beschreibt Engineering vom 17. September 1897 S. 351 bezieh. The Engineer vom 10. September 1897 S. 252. Die Dampfcylinder von 330 und 559 mm Durchmesser für 660 mm Kolbenhub liegen nach der Bauart Vauclain (1893 287 * 25) zu je zwei über einander, und zwar der Hochdruckcylinder über dem zugehörigen Niederdruckcylinder in demselben Gehäuse. Die beiden Kolbenstangen jedes Cylinderpaares greifen an einem gemeinschaftlichen Kreuzkopfe an. Die Rostfläche von 7,432 qm ist zum Verfeuern von Anthracitkohle eingerichtet. Ihre bedeutende Grösse erforderte eine Verbreiterung der Feuerbüchse über die Rahmenbleche hinaus. In Folge dessen mussten Führer und Heizer von einander getrennt werden. Letzterer hat seinen Standort auf der Fussplatte des Tenders hinter der Feuerbüchse, ersterer in einem vor dieser gelegenen Führerhause. Weitere Hauptabmessungen der Locomotive sind die folgenden: Durchmesser der Treibräder 2140 mm Radstand der Treibräder 2210 mm Gesammter Radstand 8102 mm Dienstgewicht 64800 k Durchmesser des Kessels 1492 mm Anzahl der Feuerrohren 278 Durchmesser der Feuerröhren 44,4 mm Länge               „          „ 3960,0 mm Heizfläche der Feuerkiste der Rohre der Verbrennungskammer 12,67 152,81 5,00 qm qm qm Gesammte Heizfläche 170,48 qm Wasserinhalt 18,18 cbm Die Maschine befördert den aus fünf oder sechs Pullman-Wagen bestehenden Schnellzug Nr. 25 auf der zwischen Philadelphia und Atlantic City liegenden, 89,31 km langen Strecke in 60 Minuten, einschliesslich einer 9 bis 12 Minuten andauernden Ueberfahrt mittels Fährbootes. Engineering vom 21. Mai 1897 bringt S. 691 u. ff. ausführliche Mittheilungen über die eigenartige, von Krauss und Co. in München gebaute, in Nürnberg 1896 ausgestellte, mit Vorspannachse versehene, ungekuppelte Schnellzuglocomotive, die bekanntlich ebenfalls mit vier Cylindern ausgerüstet ist (1897 305 * 180). Die Vorzüge der zweicylindrigen Verbundlocomotiven gewöhnlichen Zwillingslocomotiven gegenüber kamen auf der letzten Jahresversammlung der Master Mechanics amerikanischer Eisenbahnen von Neuem zum Ausdrucke. Wie The Engineer vom 23. Juli 1897 S. 91 berichtet, wurden auf der Chicago-, Milwaukee- und St. Paul-Railway elf viercylindrige Verbundgüterzugmaschinen der Baldwin Locomotive Works mit 14,06 at Kesselspannung und elf gewöhnliche Güterzuglocomotiven mit 12,65 bis 14,06 at Kesselspannung in Dienst gestellt. Der durchschnittliche Verbrauch an Brennmaterial wurde vor etwa 2 Jahren bei den ersteren zu 5,49 k, bei den letzteren zu 6,62 k auf 100 t Traingewicht und Meile (engl.) ermittelt. Vor kurzem angestellte Versuchsfahrten ergaben in Bezug auf den Brennmaterialverbrauch ähnliche Zahlenwerthe, was auf ein gutes Dichthalten der bei den Verbundmaschinen angeordneten Kolbenschieber schliessen lässt. Durchschnittlich stellte sich der Brennmaterialverbrauch bei den Verbundlocomotiven um 17,5 bis 25 Proc. niedriger als bei den gewöhnlichen Locomotiven. Auf der Chesapeake and Ohio Railway laufende Verbundlocomotiven erforderten während einer 4jährigen Dienstzeit einen um 8,5 Proc. geringeren Gesammtaufwand für Brenn- und Schmiermaterial, Reparaturen u.s.w. als gewöhnliche Locomotiven. Die vorgenannte Zeitschrift bringt ferner Mittheilungen über die Lieferung amerikanischer Locomotiven nach Südamerika und Japan. In Südamerika war es die Verwaltung der Chilian Government Railways, welche Rogers Locomotive Works in Paterson einige schmalspurige Güterzuglocomotiven mit je acht gekuppelten Rädern und zweiräderigem Drehgestelle in Auftrag gab. Die dritte Achse ist Treibachse; die zweite Achse hat Räder mit ungeflanschten Bandagen. Maschine und Tender zeigen die gewöhnliche amerikanische Bauart; letzterer ruht auf zwei vierräderigen Truckgestellen und ist, wie auch der Train, mit Westinghouse-Bremse ausgerüstet. Die Hauptabmessungen der Locomotive sind nachstehend gegeben: Durchmesser der Cylinder 406 mm Kolbenhub 457 mm Durchmesser der Treibräder 990 mm         „              „   Drehgestellräder 762 mm         „              „   Tenderräder 600 mm Radstand der Treibräder 3710 mm Gesammtradstand 5490 mm Dienstgewicht 33570 k Durchmesser des Kessels 1143 mm Anzahl der Feuerröhren (Messing) 146 Aeusserer Durchmesser der Feuer-     röhren 51 mm Länge der Feuerröhren zwischen den     Rohrplatten 3430 mm Rostfläche 1,17 qm Heizflache der Rohre der Feuerkiste 79,90 6,98 qm qm Gesammte Heizfläche 86,88 qm Wasserinhalt des Tenders 8,2 cbm Für Japan lieferten Brooks Locomotive Works in Dunkirk mehrere Tenderlocomotiven mit je sechs gekuppelten Rädern und einem zweiräderigen Truckgestelle an jedem Ende für 1067 mm Spurweite. Die Cylinder liegen ausserhalb der Rahmen, die Wasserbehälter mit Kohlenbunkern und Sandkasten zu beiden Seiten des Langkessels. Die Feuerbüchse ist aus Stahl gefertigt. Einige Hauptabmessungen sind folgende: Durchmesser der Cylinder 381 mm Kolbenhub 559 mm Durchmesser der Treibräder 1270 mm Durchmesser der Räder des Truck-     gestelles 660 mm Radstand der Treibräder 3150 mm Gesammtradstand 7420 mm Dienstgewicht 41730 k Durchmesser des Kessels 1295 mm Anzahl der Feuerröhren (Messing) 216 Aeusserer Durchmesser der Feuer-     röhren 41 mm Länge der Feuerrohren 2900 mm Rostfläche 1,2 qm Heizflache der Rohre der Feuerkiste 81,00 7,25 m qm Gesammte Heizfläche 88,25 qm Inhalt der Wasserbehälter 5,9 cbm Länge   „            „ 4730 mm Inhalt der Kohlenbunker 2 t (Schluss folgt.) Metallbearbeitung. Maschinen zur Massenherstellung von Schrauben. (Schluss der Berichtes S. 97 d. Bd.) Mit Abbildungen. Maschinen zur Massenherstellung von Schrauben. C. E. Roberts' selbsthätige Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. Eine besondere Anordnung zeigt die in Fig. 24 bis 27 dargestellte Maschine von C. E. Roberts in Oak Park, Ill., welche zur Massenherstellung von Schrauben und ähnlicher Gegenstände, wie Nippel für Fahrräder u. dgl., dient, und die nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 6 * S. 172, folgende Einrichtungen besitzt. Textabbildung Bd. 308, S. 126 Roberts' selbsthätige Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. Textabbildung Bd. 308, S. 126 Roberts' selbsthätige Maschine zur Massenherstellung von Schrauben. Die Hauptspindel a mit Klemmschloss b und Speisevorrichtung c wird mittels Winkelräder d unmittelbar von der Riemenscheibe f bethätigt. Durch ein zweites Winkelräderpaar g auf dieser Antriebwelle wird eine stehende Schneckenwelle h und davon mittels Räderwerke i eine Steuerwelle k in gleichmassige Drehung versetzt, auf der eine Curventrommel l für den Betrieb des Klemmschlosses b und ein Daumenrad m für die Bethätigung des Vorschubapparates c an der linken Maschinenseite, sowie eine Unrundscheibe n für die Schwingung der Abstechstähle o vorhanden, welche auf einer Welle p angeordnet sind. Von dieser längs gelagerten Steuerwelle k zweigt eine kurze Querwelle q ab, die mittels Winkelräder r betrieben wird und die eine Scheibe s mit drei stellbaren Daumen t trägt. Durch diese Daumenscheibe t wird mittels eines Hebelwerkes u (Fig. 24) der Stahlhalterkolben v in axiale Schwingungen gebracht, während in der äussersten Rechtslage desselben eine durch Hebelwerk w betriebene senkrechte Zahnstange x in Berührung mit dem am Halterkolben v angebrachten Zahnrade y gelangt. Da bei dieser Rechtslage (Fig. 27 Linkslage) die den Werkzeugen entsprechenden Anschlagzähne die feste Zahnleiste z verlassen, so wird bei Hebelbetrieb von w die Zahnstange x dem Zahnrade y und damit den Werkzeugkolben eine bestimmte Drehschaltung ertheilen. Um einzelnen Werkzeugen, namentlich dem Gewindeschneidkopf, eine Rücklaufdrehung zu geben, ist noch ein unmittelbarer Betrieb von der Riemenscheibe f durch Scheibe a1 mittels Winkelräder b1 breitem Stirnrade c1 und Centralrad d1 vorgesehen, dessen mittelachsige Spindel durch den Stahlhalterkolben v geführt ist, an dessen Stirnfläche mittels Räder f1 das betreffende Werkzeug bethätigt wird, sobald es durch Rücklaufschiebung von v eingerückt wird. O. Ph. Briggs' Maschine zur selbsttätigen Herstellung von Schrauben. Textabbildung Bd. 308, S. 126 Fig. 28. Briggs' Maschine zur selbsthätigen Herstellung von Schrauben. Hervorzuheben ist bei dieser selbsthätigen Schraubenmaschine die Anordnung der beiden wagerechten Arbeitsspindeln in senkrechter Ebene über einander, der gleichzeitige Haupt- und Schaltbetrieb derselben, der den Spindeln gegenüberstehende, senkrechte doppelte Stichelthurm und das sinnreiche Greiferwerk, durch welches das Werkstück aus der unteren Hauptspindel entnommen, um 180° gewendet, in die obere Arbeitsspindel übertragen und in dieselbe eingeführt wird. Hierdurch wird eine zweiendige Bearbeitung des Schraubenwerkstückes in einfacher und übersichtlicher Weise ermöglicht. Nach dem D. R. P. Nr. 78454 besteht diese von Orlando Ph. Briggs in Chicago erfundene und in Fig. 28 bis 38 dargestellte Maschine aus einer Rahmenwange, in welcher die Steuerwelle lagert und auf welcher der Stichelthurmschlitten a, der Querschlitten b für die Abstechstähle gleiten und der Spindelstockrahmen c aufgeschraubt ist. In diesem Lagerrahmen lagert die durch Riemenscheibe d bethätigte Hauptspindel f, während auf die beiden anliegenden Losscheiben ein offener und ein gekreuzter Riemen auflaufen, deren Riemengabel g durch eine Daumenscheibe an der Steuerwelle bethätigt wird. Mittels Stirnräder h wird die zweite darüber liegende Arbeitsspindel i von der Hauptspindel f in gleichem Drehsinn und in gleicher Gangweise betrieben. Textabbildung Bd. 308, S. 127 Briggs' Maschine zur selbsttätigen Herstellung von Schrauben. Textabbildung Bd. 308, S. 127 Briggs' Maschine zur selbsthätigen Herstellung von Schrauben. Während die Hauptspindel f einen rohrförmigen Ausbau für die Durchführung des Rohstabes besitzt, deren bereits beschriebene und bekannte Einrichtung hier übergangen werden kann, wobei k das Speisewerk und l das Klemmschloss für das Spannfutter ist, ist das mit dem gleichgebauten Klemmschloss m (Fig. 29) der oberen Spindel i durch den Schieber n verkuppelt. Im Klemmrohr o dieser Spindel i (Fig. 30) ist ein stellbarer Rohrkolben p eingeschoben, in dem ein federgespannter Anschlagkolben q mit Stellschraube spielt und der dazu dient, dem mit dem Greifer eingeführten Werkstück die richtige Einspanntiefe zu sichern und damit die Gleichheit der einzelnen Werkstücke zu gewährleisten. Textabbildung Bd. 308, S. 127 Briggs' Maschine zur selbsthätigen Herstellung von Schrauben. Noch vor dem Abstechen des Werkstückes in der unteren Hauptspindel f tritt der an der senkrecht geführten Spindel r aus zwei Seitenfingern s und dem Gelenkdaumen t bestehende Greifer in Thätigkeit und erfasst das Werkstück, sobald dieses vom Rohstab getrennt ist (Fig. 33). Alsdann wird die Greiferspindel r mittels eines Armes u durch die Seitenstange v gehoben, wobei diese Greiferspindel in Folge eingefräster Gewindenuth eine halbe Wendung macht, so dass nun das in der unteren Spindel f fertig gestellte Ende des Werkstückes nunmehr vor das Klemmfutter der oberen Arbeitsspindel i zu stehen kommt. Weil nun das Führungsauge dieser Greiferspindel r an einem Schlitten w sitzt (Fig. 28 und 29), dieser mittels Hebels x durch eine Hubleistentrommel an der Steuerwelle verstellt wird, so findet dadurch eine Einführung des Werkstückes in das geöffnete Klemmfutter statt, worauf der Verschluss des letzteren folgt. Um nun einestheils das todte Gewicht des Greifergestänges zu entlasten, dient der Gewichtshebel y (Fig. 28), andererseits ist ein den Hub steigerndes Scherenwerk z in die Seitenstange v eingeschaltet. Damit ferner nach beendeter Uebertragung des Werkstückes die Arbeitsstelle für die Werkzeuge zugänglich gemacht werde, findet noch eine weitere Hebung des Greiferwerkes von der Lage Fig. 34 in jene Fig. 29 statt. Bemerkt muss noch werden, dass noch vor Eintritt des Greifers in die Lage Fig. 34 zwei Flügel t1 (Fig. 35) des Greiferdaumens t an Nasen des Führungsschlittens w schlagen, wodurch das Werkstück durch den Daumen t in das Klemmfutter mit Gewalt hineingedrückt wird. Zur Bethätigung dieser Werke dient die von unten betriebene Riemenscheibe 1 auf Steuerwelle 2, welche die Hubleistentrommel 3 für den Stichelthurmschlitten a, ferner die Daumenscheibe 4 mit Hebel 5 (Fig. 31 und 32) für den Abstechstahlschlitten b in Bewegung setzt. Mit der Curvennuthscheibe 6 erhält durch Zwischenhebel 7 das Greifergestänge vz die bekannte verwickelte Bethätigung, und während die Leistentrommel 8 durch den Hebel x und die Riemengabel g durch die Daumenscheibe 9 bewegt wird, findet der Betrieb der Speisevorrichtung k und des Klemmschlosses l durch die Hubleistentrommel 10 nach bekannter Art statt. Zur Ergänzung diene noch, dass diese Hubleisten 10 entsprechend des Arbeitserfordernisses ausgewechselt werden können, sowie in der Curvenscheibe 6 zur Genaueinstellung stellbare Schieber 11 eingesetzt sind. H. Weiland's Maschine zur Massenherstellung vorgepresster Holzschrauben. An vorgepressten Holzschrauben wird der Kopf geschlitzt, darauf derselbe angedreht, das Gewinde angeschnitten und die Spitze in einer Maschine mit selbstthätigem Betrieb angedreht, welche von Hermann Weiland in Barmen erfunden worden ist. Textabbildung Bd. 308, S. 128 Fig. 39. Weiland's Maschine zur Massenherstellung vorgepresster Holzschrauben. Nach dem D. R. P. Nr. 79337 besteht diese in Fig. 39 bis 46 abgebildete Maschine aus einer Hauptspindel a, an deren Kopf mittels eines Muffringes b ein Klemmwerk c mit bogenförmigen (säbelartigen) Hebelschienen d geschlossen und dadurch das Werkstück festgehalten wird. Eine in dieser Hauptspindel excentrisch lagernde Spindel f trägt einen Messerkopf g (9 in Fig. 41), mit welchem der Schraubenkopf abgedreht werden kann. Mit einem um ein besonderes Wellenstück h schwingenden Schneidstahlhalter i wird Gewinde angeschnitten, und weil dieses Gewinde der Holzschraube konisch zulaufende Umhüllung und zunehmende Steigung besitzt, so wird der Schneidstahlhalter mit seiner Welle eine axiale Verlegung durch eine Curvenscheibe k erhalten, während der den Schneidstahl tragende Arm i mittels eines Winkelhebels l durch einen mit staffelförmigen Curvenflächen versehenen, mittels Sperradwerks n getriebenen Daumen m die Schaltung für den Gewindeschnitt erhält. Ebenso wird die Spitze der Schraube o durch einen Dreikantstahl p abgedreht, dessen Halter sich an einer Formschiene q führt. Vor Ausführung dieser Arbeiten wird das in einer Fächertrommel r eingeführte, wagerecht liegende Schraubenwerkstück mit aus dem Futter zum Theil vorragenden Kopf mittels einer durch Winkelräder s bethätigten Schlitzfräse t bearbeitet. Durch eine Gabel u wird eine fortlaufende Stückzahl vorgepresster Werkstücke abgefangen und, indem durch windschiefe Führungsleisten eine Ueberleitung aus der senkrechten in die wagerechte Lage durchgeführt ist, werden diese in die Fächertrommel r behufs des Schlitzfräsens eingebracht. Nach Vollendung dieser Arbeit gelangt das Werkstück mittels eines Greiferhebels v und w in die Klemmvorrichtung c des Futters der Hauptspindel a, von wo es nach endgültiger Vollendung abgetragen und in einen Sammelbehälter abgeworfen wird, worauf das sofortige Abfangen eines neuen Werkstückes aus der Schlitzfräsetrommel r folgt. Textabbildung Bd. 308, S. 128 Weiland's Maschine zur Massenherstellung vorgepresster Holzschrauben. Textabbildung Bd. 308, S. 128 Weiland's Maschine zur Massenherstellung vorgepresster Holzschrauben. Zum Betriebe dieser Maschine dienen Räder und Curvenscheibentriebwerke, deren eingehendere Beschreibung hier zu weit führen würde. Erwähnt sei nur, dass von Riemenscheibe 1 mittels Stirnräder 2 eine Welle mit einer verschiebbaren Hülse 3 (Fig. 41) getrieben wird, deren konische Curvenscheiben 3 und 4 einen Doppelhebel 5 bethätigen, der, auf senkrechten Zapfen drehbar, mittels eines Gabelhebels 6 den auf der Hauptspindel a verschiebbaren Muffring b treibt. Von der zweiten höher gelagerten Welle, auf welcher die Curvenscheibe k sitzt, zweigt mittels Winkelräder 7 eine Welle z ab, deren Unrundscheibe 8 zum Betrieb des Greiferwerkes v durch Hebelwerk x dient. Von dieser Winkelwelle z zweigt mittels Schraubenradgetriebes eine zweite Längswelle y ab. Ueberhaupt wird von dieser Welle y mit Ausnahme des Gewindeschneidwerkes i das richtige Ineinandergreifen sämmtlicher Werke veranlasst. Textabbildung Bd. 308, S. 129 Weiland's Maschine zur Massenherstellung vorgepresster Holzschrauben. Mit der Unrundscheibe 9 (Fig. 39 und 44) wird mittels Zahnstangen trieb Werkes die Spindel g mit dem Stahlhalter zur Bearbeitung des Schraubenkopfes betrieben, durch die linke Curvennuthscheibe 10 das Spiel des Klemmwerkes, durch die rechtsliegende Zahnnuthscheibe 11 die Schwingung des Widerlagers 12 für die Schraube während des Gewindeschneidens und theilweise der Zubringer x bethätigt, wobei durch die Doppelcurvenscheibe 18 die Schlitzfräsevorrichtung r, sowie der Anspitzapparat p durch Hebelgestänge 14 seine Bethätigung erhält. Zudem wird mittels des Kegelräderwerkes 15 das im oberen Schalenwerk 16 thätige Gabelwerk u angetrieben. Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation. Von Prof. Alfred Haussner, Brünn. (Fortsetzung des Berichtes S. 105 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neuerungen in der Papierfabrikation. Eine einfache und bewährte Ausführung eines Schärfhammers für die Steine in Holz- (oder auch anderen) Schleifereien ist jene durch D. R. G. M. Nr. 34249 geschützte von Wolfgang Kapp in Düsseldorf. Wir bemerken in Fig. 10, dass die Schärfspitzenplatte a zwischen den beiden Backen b und c einfach durch die Federkraft derselben festgehalten wird. Früher benutzte man dazu eine Schraube, welche b gegen c näherte. Wenn die Schärfspitzen bei a abgenutzt sind, schlägt man zwischen b und c einen Keil d, treibt dadurch b und c etwas aus einander und kann dann ohne Anstand an Stelle von a eine neue Platte einführen, welche nach Wegnahme des Keiles d von den Backen b und c wieder festgeklemmt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 129 Fig. 10. Schärfhammer von Kapp. Für die Erzeugung von braunem Holzschliff finden wir in der Papierzeitung, 1896 S. 292, eine ganz interessante Angabe aus der Praxis. Es zeigte sich nämlich, dass es ganz wohl angeht, gewöhnliche Lumpenkocher auch zur Erzeugung von Braunschliff zu benutzen und zwar abwechselnd mit dem Kochen von Lumpen. Wenn sich nämlich durch das Kochen der Lumpen mit Kalk auf der Innenwand des Kochers eine glänzende Kruste angesetzt hat, kann dann Holz gedämpft werden ohne Schaden für das Eisen, welches den Kocher bildet. Vermuthlich hängt dies damit zusammen, dass die beim Holzdämpfen entstehenden Säuren vorerst den Kalküberzug im Kocher weglösen und daher erst bei durch längere Zeit fortgesetztem Kochen das Eisen angreifen würden. Wenn aber wieder rechtzeitig Lumpenkochung folgt, so erhält man dann wieder die einige Zeit vorhaltende Kalkschutzschichte. Nach dem Verfahren von A. Ondraschek in Eisenberg a. d. March (D. R. P. Nr. 86869) wird, nachdem das Holz 6 bis 10 Stunden bei 4 bis 5 at Spannung gedämpft worden ist, bei voller Spannung warmes Wasser in den Kocher eingepresst, und unter allmählicher Spannungsverminderung durch 3 bis 5 Stunden darin belassen. Der Effect soll derart günstig sein, dass beim nachherigen Schleifen 31 bis 34,5 k Schliff trocken gedacht in 24 Stunden von 1 erzeugt werden können. Ueberdies soll dieser Schliff ungemein geschmeidig, also ein relativ werthvolles Papierrohmaterial sein. Für die Sortirung von Holzschliff gibt Warren Curtis in Palmer eine durch amerikanisches Patent Nr. 552749 geschützte Construction, welche, was die äussere Form anbelangt, lebhaft an bekannte und oft benutzte europäische Sortirer erinnert, wie aus der Betrachtung der Fig. 11 und 12 sofort hervorgeht. Doch besitzen die drei über einander befindlichen Siebe ff1f2 gleich grosse Maschenweite, so dass also nur in zwei Sorten getrennt wird und diese Ausführung offenbar dahin zielt, über verhältnissmässig kleiner Grundfläche viel Siebfläche anzubringen auf Kosten einer weitgehenden Sortirung in verschiedene Nummern. Auf die durch Excenter a0e geschüttelten Siebe gelangt einerlei Schliff aus dem Hauptkasten o bezieh. aus den mit diesem unmittelbar verbundenen Ueberfallkästen o1 und o2. Der Stoff fliesst aber ganz zweckmässig nicht unmittelbar auf die Siebflächen, sondern auf schiefe Ebenen a, welche den Stoff ziemlich sanft und in breitem Strahle auf die Siebflächen leiten. Der feinere Stoff dringt durch diese und gelangt in Wannen g, von welchen er mittels Rohrstutzen i in das gemeinsame Ableitungsrohr k tritt, während der grobe, allenfalls noch zu raffinirende Stoff vermöge der Schüttelbewegung auf den Sieben weiter gegen links rutscht, wobei durch Wasser aus Spritzrohren s nachgeholfen wird. Textabbildung Bd. 308, S. 130 Sortirung von Holzschliff von Curtis. Es ist unvermeidlich, dass bei dieser, wie bei einer ganzen Reihe anderer bekannter Constructionen das Spritz- und Verdünnungswasser deshalb nicht ordentlich wirkt, weil es eben zu rasch durch die Siebe läuft und zwar mit nur verhältnissmässig wenig Stoff. Dieser Erwägung entsprechend, also um den ungeheuren Wasserverbrauch für diese Zwecke einigermaassen einzuschränken, sind schon verschiedene Ausführungen vorgeschlagen worden; es sei nur an die Hoffmann'schen Schwimmsiebe erinnert. Im Anschlusse sind zwei Lösungen dieser Aufgabe gegeben. Textabbildung Bd. 308, S. 130 Cylindersortirer von Wallberg und Ullgren. F. Wallberg in Karlstad und D. Ullgren in Katrinenholm erhielten im D. R. P. Nr. 86604 einen eigenthümlichen Cylindersortirer geschützt. Wir bemerken in Fig. 13 und 14 eine Siebtrommel m bekannter Ausführung mit längsgeschlitzten Platten. Die Trommel m kann entweder vollständig ruhen oder auch langsame Drehung erhalten, obwohl letzteres bei der vorliegenden Ausführung nach Ansicht des Berichterstatters keineswegs nothwendig ist. In der Figur ist auch diese einfachere Lösung versinnlicht. Mittels der Ringe n ist die Trommel gegen die Trogwandungen abgedichtet, durch welche Oeffnungen gegen das Trommelinnere führen. Eine Platte i reicht durch diese Oeffnungen in die Trommelhöhlung und bringt, weil sie durch geeignete Verbindung von der Welle g aus in Schwingungen versetzt wird, den Effect eines Rührers hervor, so dass der Stoff sich nicht leicht absetzen, sondern vermöge des im Zulaufe b erzeugten Ueberdruckes durch die Siebschlitze hindurch der feinere Stoff in den Trog a und aus diesem durch Ueberlauf k zum Abflüsse gelangt, während der gröbere Stoff nach d und von da über Wand und Schieber l nach e und von dort weitergeht. Wir sehen, dass hier, wo das ganze Rundsieb von Flüssigkeit umgeben ist, besonderes Spritzwasser nicht erforderlich ist und Wasser entschieden wird gespart werden können. Textabbildung Bd. 308, S. 130 Fig. 15. Sortirapparat mit ebenen Sieben von Chelius. Mit ebenen Sieben, wobei auch die Flüssigkeit gerührt wird, statt die Siebe zu schütteln, arbeitet C. Chelius in Rumbeck gemäss D. R. P. Nr. 90201. Der Stoff strömt durch die Siebe b von c aus in der Richtung von unten nach oben, und zwar ist die aus den Fig. 15 bis 17 ersichtliche, durch Pfeile verdeutlichte, etwas verwickelte Stoffleitung vermuthlich deshalb gewählt, um solche Strömungen, eine derartige Flüssigkeitsbewegung hintanzuhalten, welche durch das kräftige Hereinfallen des Stoffes aus der Rinne r veranlasst werden. Dafür wird aber durch hölzerne Rahmen mit Stäben e oberhalb und unterhalb des Siebes b der Stoff kräftig gerührt, indem diese Rahmen, durch ein geeignetes Gestelle zusammengefasst, mit Hilfe der Hängestangen ff1 durch das Schlagrädchen g rasch auf und ab bewegt werden. Solcherart ist es anzunehmen, dass wirklich auf dem Siebe b kein Stoff sich festsetzt und das Sieb nicht verstopft wird. Der feine Stoff, welcher durch das Sieb b gegangen ist, fliesst durch die Kanäle d ab. Textabbildung Bd. 308, S. 131 Sortirapparat mit ebenen Sieben von Chelius. Mit der Sortirung hängt auf das innigste die mechanische Entwässerung zusammen. Es sind auch besonders die rotirenden Apparate dieser beiden Gruppen einander vielfach ähnlich. Für einen solchen rotirenden Entwässerungs- (oder Sortir-) Apparat finden wir im D. R. P. Nr. 92909 von Hermann Finckh in Reutlingen eine Einzelheit in Fig. 18, worin die Dichtung des Halses b vom Cylinder b0 gegen den Trog a0 durch eine Art Manschette c aus Gummi, Leder oder Filz gebildet wird. Die Manschette c stützt sich einerseits an den Ring b1 des Halses b, andererseits an den Vorsprung a1 in derjenigen Oeffnung a, durch welche der Hals b aus dem Troginneren nach aussen tritt. Der Gegenhalt wird durch einen Ring e und die Mutter d gebildet. Textabbildung Bd. 308, S. 131 Fig. 18. Entwässerungs- (oder Sortir-) Apparat von Finckh. Eigenthümlich ist ein Verfahren, welches von der Park Falls Pulp and Paper Company im Fox River Thale, Nordamerika, angewendet werden soll. In dieser Fabrik wird keine Entwässerungsmaschine für den Schliff gebraucht; der Stoff geht, hinreichend verdünnt, durch in die Erde verlegte Rohre ungefähr 2 km weit stromaufwärts zur Papierfabrik. Von diesem Ausnahmsfalle aber abgesehen, ist (obwohl der eben berührte Vorgang für viele Fälle nur als höchst praktisch zu bezeichnen ist, wird doch die Entwässerung und darauf folgende Auflösung umgangen, also Zeit und Arbeit gespart) heute noch die Entwässerung des Holzschliffes und die Pappenform für den Transport die Regel. Zur Ermittelung des Trockengehaltes muss dann, um einen sicheren Anhalt für den Kauf und Verkauf zu gewinnen, die gänzliche Entziehung der Feuchtigkeit in geeigneten Apparaten geschehen. Als ein solcher Trockenprüfer für Holzschliff wird neuestens, nach einer in der Papierzeitung, 1897, enthaltenen Bemerkung, der Dörrapparat nach Dr. Ryder (D. R. P. Nr. 37623) mit befriedigendem Erfolge benutzt. Auf Sieben liegen die zu trocknenden Holzschliffpappen flach, während durch die Kammern, in welchen jene enthalten sind, die durch einen kleinen, mit dem Apparate zusammenhängenden Ofen erhitzte Luft streicht. Mit den Marktverhältnissen veränderlich stellt sich die Wichtigkeit der Frage wegen Aufbewahrung feuchten Holzschliffes. Ueberragt die Production wesentlich den augenblicklichen Bedarf, so ist es unvermeidlich, dass grössere Mengen von Holzschliff liegen bleiben und gegen das Verderben geschützt werden müssen. Folgen wir nun auszugsweise einer gründlichen Arbeit von Dr. Klemm in der Papierzeitung, 1897 S. 1167 ff., so sind rein chemische Vorgänge einerseits und die verderbliche Wirkung gewisser Organismen andererseits für das Verderben des Schliffes verantwortlich zu machen. In der erst angedeuteten Richtung hat man gegen eine hässliche Verfärbung in Blaugrau zu kämpfen. Diese Verfärbung ist einer Eisenreaction zuzuschreiben, indem im Fabrikationswasser gelöste Eisensalze mit dem im Holz stets enthaltenen Gerbstoff eine schwarze Farbe erzeugen, eine Reaction, auf welcher auch die Erzeugung von Eisengallustinte beruht. Will man also solchen nicht gerade schlechten, doch aber durch seine Farbe minderwerthigen Schliff vermeiden, so muss eben auf hinreichend reines, insbesondere auf möglichst eisenfreies Fabrikationswasser gesehen werden. Textabbildung Bd. 308, S. 131 Fig. 19. Stachybotrys alba. In der zweiten Richtung, wo Mikroorganismen an der Verschlechterung, oft aber auch an dem gänzlichen Verderben Schuld tragen, untersuchte Dr. Klemm etwas näher die Natur jener Organismen und fand Pilze, von welchen hier etwa die folgenden in Betracht kommen: 1) Schimmelpilze (Penicillium glaucum, Aspergillus glaucus, Mucorineen), selbst Hefepilze und Bakterien, welche aber immer zu ihrem Entstehen beim Holzschliffe ganz abnorme Verhältnisse oder grobe Vernachlässigungen voraussetzen und buntfarbige Flecken verursachen; 2) die eigentlichen Holzschliffpilze. Als solche wurden von Dr. Klemm hauptsächlich drei verschiedene gefunden. Stachybotrys alba (Fig. 19) zeigt ein weitverzweigtes Fadensystem, das sich im Stoffe entwickelt und farblos ist. Ueber die Oberfläche treten nur die bereits dunkel gefärbten Sporenträger hervor, welche Ursache eines oft in concentrischen Ringen um sich greifenden, russigen Anfluges sind. Anscheinend werden die Holzfasern selbst von diesem Pilze kaum angegriffen, sondern nur umsponnen, so dass höchstens bei reichlichem Pilzvorkommen die schwarzen Sporen eine nicht willkommene Verfärbung verursachen können und dieser Pilz nicht als der gefährlichste erscheint. Aehnlich ist es mit einem zweiten Pilze (Fig. 20), welcher schwarze Kügelchen, von einem bräunlichen oder gelblichen Hofe umgeben, bildet. Textabbildung Bd. 308, S. 132 Fig. 20. Pilz. Als der gefährlichste Schädling ist ein Pilz aus der Familie der Pyrenomyceten zu bezeichnen, ein Pilz, den der Botaniker mit Rhynchosphaeria bezeichnet. Er bildet auf dem Holzschliff entweder bis centimetergrosse dunkle Flecken, von deren Mittelpunkt reichverzweigte braune oder dunkelgrüne Pilzfäden ausgehen (Fig. 21), oder es entstehen in ausserordentlich grosser Anzahl dicht neben einander liegende, oft in parallelen Streifen geordnete, mehr oder weniger dunkle, graue nicht scharf begrenzte Flecke. Die letztere Erscheinung ist die schlimmere, der Holzschliff ist dann durchsetzt von den Pilzfäden, wie es aus Fig. 22 zu ersehen ist. Textabbildung Bd. 308, S. 132 Rhynchosphaeria Pilz. Im weiteren Verlaufe seiner Betrachtungen kommt Dr. Klemm zu dem anscheinend berechtigten Schlusse, dass dieser zuletzt genannte, am meisten zu fürchtende Pilz meist schon im geschlagenen Holze sein Wachsthum begonnen hat, und sich im Schliffe erst noch weiter verbreitet. Sowohl aus der Luft, wie aus dem gewöhnlichen, guten Fabrikationswasser unmittelbar herrührende Pilzwucherungen im Schliffe sind weitaus weniger zu erwarten und zu fürchten; das Wasser wirkt nur mehr weniger als Nährflüssigkeit für die Pilze. Es ist daher nur logisch, wenn Dr. Klemm zur Verhütung des Verderbens von Holzschliff vorschlägt, schon bei dem geschlagenen Holze damit zu beginnen. Dieses soll womöglich nicht im Safte stehen, luftig und keinesfalls lange gelagert werden und ist dieses gelagerte Holz endlich geeignet zu desinficiren. Von der Behandlung des Schliffes selbst mit solchen Mitteln erhofft Dr. Klemm nicht viel Nutzen. Denn von den hier ernstlicher zu beachtenden Mitteln, hauptsächlich mit Rücksicht auf die Kosten, kommt wohl nur Alaun, nach dem Vorschlage von Némethy, oder, was auf dasselbe hinauskommt, schwefelsaure Thonerde nach dem Vorschlage von Serog u.a. ernstlicher, nach den bisher vorhandenen Erfahrungen, in Frage. Dabei wird aber leicht der Schliff zu wasserreich, es ist bei Némethy kaum möglich, mehr als 25procentigen Schliff zu erzielen; auch kann doch selbst bei diesem Mittel der Kostenpunkt bedenklich werden, weil nach Dr. Klemm's Versuchen in Gelatinculturen selbst bei einem Gehalt von 5 Proc. Aluminiumsulfat die Entwickelung der Pilze kaum verzögert worden ist. Die Schimmelpilze insbesondere lieben saure Reaction und diese wird durch Alaunzusatz dem Stoffe beigebracht. Nach diesen Auseinandersetzungen ist schliesslich auch nicht besonders viel Nutzen von den Vorschlägen zu erwarten, welche darauf hinausgehen, aufzubewahrenden Holzschliff möglichst luftig zu lagern. Ein solcher Vorschlag ist in dem übrigens recht dunkel gehaltenen französischen Patent Nr. 249543 an Reichard zu finden. (Fortsetzung folgt.) Elektrotechnik. Elektrische Kraftübertragungen auf Stationen der französischen Nordbahn. Mit Abbildungen. Elektrische Kraftübertragungen auf Stationen der französischen Nordbahn. Die französische Nordbahngesellschaft besitzt auf ihren Linien in 35 Stationen Elektricitätswerke, welche nebstdem weitere 21 Stationen mitbesorgen, so dass im Ganzen 56 ihrer Bahnhöfe mit elektrischen Licht- und Kraftanlagen versehen sind. Letztere lieferten schon im J. 1894 (vgl. Albert Sartiaux in Revue générale des chemins de fer vom 19. März 1896 S. 127) 1610570 Kilo-Watt-Stunden, wovon 1377890 für Beleuchtungszwecke und 232680 für motorische Zwecke verbraucht wurden. Diese Leistungen haben sich seither um etwa 40 Proc. erhöht. Der Preis für 1 Kilo-Watt-Stunde für Gewinnung, Erneuerung und Unterhaltung, inbegriffen der Verzinsung und Amortisation der Anschaffungskosten, stellte sich auf 0,224 Francs, wovon die eigentlichen Betriebskosten 0,104 Francs betragen. Sämmtliche 35 Elektricitätswerke sind natürlich nur in solchen Stationen errichtet worden, wo sich Preise erreichen liessen, welche mit Rücksicht auf die Wichtigkeit, die Ausdehnung und die Verkehrsverhältnisse der betreffenden Bahnhöfe als niedrig genug gelten konnten, um die Anlage wirthschaftlich zu rechtfertigen. Es ist ja eine bekannte Thatsache, dass sich die Kosten der Elektricität nur dann nicht allzuhoch stellen, wenn es sich zuförderst um die Gewinnung und den Verbrauch einer grösseren Menge von Energie, die möglichst gleichmässig vertheilt und innerhalb einer möglichst langen Zeit benutzt wird, handelt. Bahnhöfe, welche dieser Vorbedingung nicht entsprachen, sonst aber zur Errichtung eines Elektricitätswerkes, sei es bezüglich des verfügbaren Platzes, sei es wegen Vorhandenseins einer Wasserkraft oder leichter, billiger Zubringung von Kohlen u.s.w., besonders geeignet sind, können nichtsdestoweniger für diese Anlagen erst dann eine völlig günstige Ausnutzung versprechen, wenn das daselbst zu errichtende Elektricitätswerk im Wege der Energieübertragung seine Ueberschüsse an entfernte Stationen, d. i. an andere Bahnhöfe verwerthen kann. Diesem Umstände ist auch bei der französischen Nordbahn in vielen Fällen mit grossem Erfolge Rechnung getragen worden. Bei den ersten solcher Einrichtungen sind nach älterer Weise mit Hilfe der Fernleitungen an die Nebenanlagen gleich gerichtete Ströme hoher Spannung abgegeben, und in dieser Art werden beispielsweise von dem Elektricitätswerke im Bahnhofe Calais (Stadt) auch die Licht- und Kraftanlagen der Bahnhöfe Calais (Hafen) und jene des Rangirbahnhofes Calais, oder vom Werke der Station Ermont zugleich die Beleuchtung des Bahnhofes Enghien versorgt u.s.w. Derartige Durchführungen leiden jedoch bekanntermaassen an mannigfachen Misslichkeiten und erweisen sich namentlich zufolge der grossen, mit der Entfernung der Verbrauchsstelle von der Erzeugungsstelle stark ansteigenden Leitungskosten nur dort als wirthschaftlich wirklich günstig, wo die Nebenstellen dem Werke näher liegen. Um Centralwerke allgemein mit Erfolg anwenden zu können, muss also von der Weiterleitung hoch gespannten Gleichstromes abgegangen und derselbe vorher erst in Wechselstrom umgeformt werden, der dann allenfalls an der Verbrauchsstelle wieder in Gleichstrom zurückzuwandeln ist. Unter Zugrundelegung dieses Haupterfordernisses wurde denn auch 1894 für die von der französischen Nordbahn zu errichtenden neuen Centralelektricitätswerke durch deren Oberingenieur Albert Sartiaux ein den besonderen Bedürfnissen der Bahnanstalt sorglichst angepasstes Programm aufgestellt, welchem die Société de la Transmission de la Force par l'Électricité in vorzüglicher Weise nachgekommen ist. Der Ingenieur Moriz Leblanc dieser Gesellschaft hatte diesen Erfolg durch einen neuerdachten Umformer herbeigeführt, mit dessen Hilfe schwach gespannte Gleichströme in hoch gespannte drei- oder mehrphasige Wechselströme und umgekehrt hoch gespannte drei- oder mehrphasige Wechselströme in schwach gespannte Gleichströme umgeformt werden, welch letztere sich gleich direct sowohl für Lichtanlagen als zum Betriebe von Motoren, oder auch – und das war vorliegendenfalls von besonderer Bedeutung – zum Laden von Accumulatoren benutzen lassen. Da aber die Leblanc'sche Anordnung bis dahin noch nirgends praktisch erprobt war, vereinbarte die Eisenbahnverwaltung mit der genannten Gesellschaft für Kraftübertragung vorerst die Errichtung einer auf gemeinschaftlichen Kosten zwischen La Chapelle und Epinay herzustellenden Versuchsanlage, die sich in jeder Beziehung so vortrefflich bewährte, dass alle später errichteten Uebertragungsanlagen nur mehr nach demselben Systeme erstellt wurden. Das Princip, aus dem sich die Leblanc'sche Einrichtung entwickelt hat, welche der Erfinder Transformateur-Redresseur nennt, erscheint durch Fig. 1 erläutert: Zu einer Innenpolmaschine mit der feststehenden Armatur aa und dem drehbaren Elektromagneten ii gehört der gleichfalls feststehende Collector cc, um den sich die Abnehmerbürsten ff drehen. Bekanntermaassen entstehen in den einzelnen Spulen 1, 2, 3... der Ankerbewickelung ebenso viele gleiche, nur in den Phasen von einander verschiedene Wechselströme, welche erst vermöge der entsprechenden Collectoranordnung gleich gerichtet werden. Unter den vorausgesetzten Verhältnissen unterliegt es keinem Anstände, die von den Knotenpunkten der Ankerwickelung zu den Collectorabschnitten geführten Verbindungsdrähte beliebig zu verlängern, d.h. den Collector von der Maschine beliebig weit zu entfernen, vorausgesetzt, dass die Bewegung der Bürsten ff stets dieselbe bleibt, welche die Elektromagnete ii besitzen. Diese Bedingung des Synchronismus lässt sich am einfachsten durch einen kleinen Motor erreichen, den der Strom der Maschine selbst antreibt und der die Drehung der Bürsten besorgt. Ja, ganz dasselbe lässt sich ebenso gut erreichen, wenn die Bürsten festliegen und an ihrer Statt durch den Elektromotor der Collector angetrieben wird. Und werden nun, sei es unter dieser oder jener Voraussetzung, die Verbindungsdrähte zwischen Armatur und Collector genügend lang genommen, so kann schliesslich der letztere mit den Bürsten und dem vorgedachten Motor gleich an jener Stelle Platz erhalten, wo der Strom seine Verwendung finden soll, und hier wird ersichtlichermaassen durch die Bürsten ff ohne weiteres ebenso gut Gleichstrom abgenommen werden, als befände sich der Collector am Aufstellungsorte der Armatur. Textabbildung Bd. 308, S. 133 Fig. 1. Elektrische Kraftübertragung auf Stationen der französischen Nordbahn. Es unterliegt ferner keiner Schwierigkeit, die Spannung der in den einzelnen Verbindungsdrähten dld1 auftretenden Wechselströme an beliebiger Stelle zwischen Armatur und Collector mit Hilfe eines gewöhnlichen Transformators nach Willkür abzuändern. Demnach könnten, wie es in Fig. 1 angedeutet erscheint, gleich am Aufstellungsorte der Maschine die schwach gespannten Wechselströme durch Vorschaltung der Transformatoren u1u2u3... in hoch gespannte und diese letzteren ebenso durch die am Aufstellungsorte des Collectors vorzuschaltenden, umgekehrten Umformer t1t2t3... wieder in schwach gespannte Wechselströme verwandelt werden, die der Collector schliesslich gleichrichtet. Ohne Frage ermöglichen also die bisher betrachteten Anordnungen – abgesehen von Verlusten –, in genau derselben Weise an einem entfernten Orte Gleichstrom an einem Collector zu gewinnen, wie wenn dieser unmittelbar mit der Maschine verbunden wäre. Allerdings würde hierbei die leidige Misslichkeit mit in den Kauf zu nehmen sein, dass zwischen Ausgangs- und Ankunftsstation ebenso viele Stromleitungen vorhanden sein müssten, als der Collector Theile besitzt. In dieser einfachen Form besitzt also die Einrichtung für die Praxis allerdings keine Eignung, allein Leblanc machte es möglich, mit nur drei Leitungen in allen Fällen das Auslangen zu finden, indem er einen ganz eigenthümlichen, aus drei Eisenkernen bestehenden Umformer verwendete, in welchem durch Vorschalten von Spulen, die eine ganz bestimmte Windungszahl besitzen, eine derartige Phasenverschiebung eintritt, dass drei in ihrer Phase um 120° gegen einander versetzte Wechselströme entstehen, die am Verwendungsorte durch gleiche, nur umgekehrte Umformer in dieselbe Anzahl niedrig gespannte Wechselströme mit derselben Phasenfolge zurückgeführt werden, wie sie die Armatur der Dynamomaschine ursprünglich liefert. Mit dem Umformer ist sowohl an der Erzeugungs- als an der Verbrauchsstelle zugleich ein Vertheiler und ein kleiner Elektromotor combinirt, welche Anordnung es ermöglicht, an der Erzeugungsstelle jede beliebige Gleichstrommaschine ohne weiteres in Verwendung zu nehmen, wenn sie nur überhaupt Ströme von der erforderlichen Stärke und Spannung liefert. Die in La Chapelle ausgeführte erste Einrichtung dieser Art macht Fig. 2 schematisch und Fig. 3 im Bilde ersichtlich. Auf der Drehachse xx des kleinen Elektromotors ee sitzen die Schleifringe 1', 2', 3'... und der Vertheiler cc fest. Letzterer, sowie der Elektromotor sind in Fig. 2 neben der Draufsicht auch umgelegt dargestellt, um bezüglich der Stromwege, welche durch die gestrichelten Linien verdeutlicht werden, die erforderliche Uebersicht bieten zu können. Ein Theil des von der Dynamomaschine v kommenden Gleichstromes betreibt den kleinen Elektromotor ee, während der Hauptstrom, durch den Vertheiler in Wechselströme zerlegt, über die Gleitringe 1', 2', 3'... und Abnehmer y1, y2, y3,... in die drei Gruppen der Primärrollen m, n und p des Umformers uu gelangt, von wo ihn die Secundärspulen b1b2b3 mittels der Leitungen l1, l2 und l3 als hoch gespannte Wechselströme dreiphasig nach der 8 km weit entfernten Station Epinay weiter führt. Hier befindet sich gleichfalls eine Einrichtung, die mit Fig. 2 vollständig übereinstimmt, nur dass nunmehr v die Stromverbrauchsstelle bezeichnet. Textabbildung Bd. 308, S. 134 Fig. 2. Elektrische Kraftübertragungen auf Stationen der französischen Nordbahn. Die über l1, l2 und l3 einlangenden hoch gespannten Wechselströme werden nämlich in den Spulen m, n und p in niedrig gespannte Wechselströme umgeformt und durch Vermittelung der Gleitringe und des Vertheilers cc, der an dieser Stelle mithin als richtiger Collector dient, in Gleichstrom überführt, der ohne weiteres der Verwendung zugeführt wird. Wie Fig. 3 zeigt, haben der Elektromotor ee sammt dem Collector cc und den Schleifringen ihren Platz auf einer Gestellsplatte gg, während der Umformer im gusseisernen Kasten k, der dem Ganzen als Sockel dient, untergebracht ist. Von den 18 Schleifringen, welche in Wirklichkeit vorhanden sind, erscheinen in Fig. 2 der Einfachheit und besseren Uebersicht wegen nur 6 eingezeichnet. Die beiden kleinen Elektromotoren ee, nämlich der an der Stromerzeugungs-, wie jener an der Stromverwendungsstelle, sollen natürlich synchron laufen und haben zu dem Ende eine besondere Pendelregulirung, über deren Anordnung sich in unserer Quelle jedoch keine näheren Angaben finden. Textabbildung Bd. 308, S. 134 Fig. 3. Elektrische Kraftübertragungen auf Stationen der französischen Nordbahn. Die zu den Versuchen zwischen La Chapelle und Epinay in ersterer Station aufgestellte Dynamomaschine lieferte Gleichstrom von 100 Ampère und ungefähr 160 Volt. Der nächst der Maschine aufgestellte Umformer wandelte die Spannung auf 4000 bis 5000 Volt um. Die zur Verbindung der beiden Stationen dienende Dreileitung bestand aus zwei Kabel aus je sieben 0,9 mm starken Reinkupferdrähten und aus einem Kabel aus drei 1,5 mm starken Reinkupferdrähten. Diese in Röhren verlegten Leitungen kamen deshalb zur Verwendung, weil sie von einer älteren Einrichtung her vorhanden waren, denn sonst würden drei einfache Kupferdrähte von je 2 mm Durchmesser (3,1415 qmm Querschnitt) vollständig genügt haben. Die Hauptaufgabe des in Epinay verfügbar werdenden Gleichstromes war und ist das Laden einer aus 64 Zellen bestehenden Accumulatorenbatterie, deren einzelne Zellen je neun 200 mm hohe Dauer des Ver- suches in Stund. Durchschnitts- werthe des in La Chapelle gelie- ferten Gleichstroms Kilo-Watt-Stunden Nutzergebniss in Proc. Volt Ampère geliefert in La Chapelle gesammelt in Epinay Brutto Netto 2 160 52 16,4 12,8 77,4 74,6 3 170 52 26,9 22,3 82,5 79,6 2 155 47 16,5 12,7 76,3 73,5 3 200 60 28,3 23,6 83,0 80,5 3 150 54 13,9 11,8 83,5 78,5 2 180 54   9,8   8,1 81,2 76,6 2 160 67 19,6 17,0 86,0 83,8 2 155 60   15,37 12,7 81,8 78,8 4 200 60 33,5 30,0 88,6 86,0   1½ 155 57 11,5   10,01 86,0 83,0 3 198 57 28,3   24,07 86,8 84,2 2 170 56 26,8 23,3 86,5 84,8 2 165 50 24,2 19,5 80,2 78,3 und ebenso breite, zusammen 16 k schwere Platten enthalten. Diese Batterie hat die im Ganzen 64 Glühlichtlampen umfassende Beleuchtung der Eisenbahnstation Epinay zu besorgen. Mit Hilfe zweier Aron'scher Hectowattzähler war man im Stande, die Umwandelungs- und Nutzungsverhältnisse genau zu verfolgen; das Ergebniss einer Reihe solcher Versuche ist aus vorstehender Tabelle ersichtlich. Wie man sieht, schwankt die Nutzung, wenn die Verluste nicht abgerechnet werden, welche der Energieverbrauch der beiden Vermittelungsvorrichtungen verursacht, zwischen 76,3 und 88,6 Proc. und, wenn man diese Verluste in Anrechnung bringt, zwischen 73,5 und 86 Proc. Dieses Ergebniss hätte sich ohne Frage noch wesentlich günstiger gestaltet, wenn die Dampfmaschine in La Chapelle es gestattet hätte, die Dynamomaschine zu ihrer vollen Leistungsfähigkeit von 20000 Watt auszunutzen, in welchem Falle die Nutzziffer auf 87 Proc. gestiegen wäre. Soll die wirthschaftliche Bedeutung der geschilderten elektrischen Anlage gegenüber den alten Verhältnissen festgestellt werden, so kommt zuförderst zu bemerken, dass die frühere Erdölbeleuchtung für 59 Lampen verschiedener Grösse mit einer jährlichen Betriebsausgabe von 2400 Francs verbunden war, wovon 700 Francs für Verbrauchsmaterial, 1500 Francs für Arbeitslöhne und 200 Francs für die Unterhaltung und Erneuerung entfielen. Dabei erwies sich diese Beleuchtung schon seit lange durchaus unzulänglich, weshalb sie um 31 Lampen vermehrt werden sollte, wodurch die oben angegebenen Jahreskosten sich um weitere 1300 bis 1400 Francs erhöht hätten. Dementgegen belaufen sich die jährlichen Betriebskosten für die elektrische Anlage, durch welche die Beleuchtungsverhältnisse ganz glänzend verbessert wurden, nur auf 2213 Francs, nämlich 1761,28 Francs für Verbrauchsmaterial und Arbeitslöhne, 55,43 Francs für die Unterhaltung der Leitung und 396,29 Francs für die Unterhaltung der Accumulatoren. Es stellt sich sonach die elektrische Beleuchtung gegenüber der Erdölbeleuchtung ganz nennenswerth billiger, ein Verhältniss, das sich noch viel günstiger äusserte, nachdem die Einrichtung in La Chapelle definitiv hergestellt und der geregelte Betrieb eingeführt worden war. Seither kommt nämlich der Strom, alles inbegriffen, nur auf einen Jahrespreis von nicht ganz 0,1 Franc für 1 Kilo-Watt, und da die Beleuchtung des Bahnhofes Epinay beiläufig 9000 Kilo-Watt-Stunden aufbraucht, gibt dies lediglich eine Ausgabe von 900 Francs. Wird ausserdem für die laufende Unterhaltung etwa noch ein Posten von 460 Francs zugerechnet, so stellen sich die jährlichen Gesammtkosten auf 1360 Francs, das ist beträchtlich weniger als die Hälfte von dem, was die erweiterte Erdölbeleuchtung kosten würde. Diese Ziffern lassen am besten ersehen, welche Vortheile sich durch das Leblanc'sche Verfahren der Energieübertragung erzielen lassen. Die französische Nordbahn hat denn auch dasselbe System in ihren Stationen Jeumont, St. André, Cateau, St. Ouen bei La Chapelle u.a.m. zur Einführung gebracht. Etwas abweichend von der ersten Anlage La Chapelle-Epinay sind jene von Cateau und von St. Ouen. Für den bedeutenden Strombedarf der Station Cateau sorgt das beiläufig 10 km entfernte Elektricitätswerk in Busigny. Daselbst liefern zwei sechspolige Desrozier'sche Dynamomaschinen mit 820 Umdrehungen in der Minute niedrig gespannte Wechselströme vierphasig im Sinne der Fig. 1 direct an den Umformer. Hier erfolgt die Ueberführung in dreiphasige Wechselströme von 6000 Volt Spannung, welche in Cateau in derselben Weise und mit einer ebensolchen Vorrichtung in Gleichstrom von 100 bis 160 Volt zurückgewandelt wird, wie es in Epinay geschieht. Dass in Busigny vierphasige Ströme zur Benutzung kamen, ergab sich übrigens nur ganz zufällig aus der Ankerwickelung der bereits vorhanden gewesenen Maschinen, die lediglich der neuen Einrichtung angepasst wurden. Wollte man nicht erst eine vierdrähtige Fernleitung herstellen, sondern mit einer dreidrähtigen auslangen, mussten die vierphasigen Ströme vor ihrem Uebertritte in die Fernleitung in dreiphasige umgeformt werden, was allerdings nicht viele Schwierigkeiten machte, sich aber bei neu zu erbauenden Maschinen durch eine zweckmässige Anordnung der Ankerwickelung von vorhinein ersparen lässt. Wieder anders sind die Abweichungen in St. Ouen, wo das Elektricitätswerk der Gesellschaft für Licht- und Kraftübertragung, welches die Docks versorgt, auch der Nordbahn den Strom liefert für die Beleuchtung und verschiedenen Kraftanlagen des 5 bis 6 km entfernten Güterbahnhofes La Chapelle und für die ebenso weit entlegene Ladestation, in welcher die zur Beleuchtung von 300 Nordbahnwagen erforderlichen Accumulatoren in Stand gesetzt werden. Der gelieferte Wechselstrom wird in St. Ouen in dreiphasigen Wechselstrom von 6000 Volt umgeformt und am Güterbahnhofe La Chapelle gerade so in Gleichstrom von 100 bis 160 Volt Spannung umgewandelt, wie in den früheren Fällen. Bei der Ladestation in La Chapelle ist aber die Anordnung getroffen, dass die Umformerspulen durch gruppenweises Hinter- oder Nebeneinanderschalten verschiedene Spannung, nämlich eine solche von 150, 300, 400, 500 und 600 Volt liefern können, was mit Rücksicht auf die grossen Unterschiede, welche hinsichtlich der Gattung, des Zustandes und der Anzahl der zu ladenden Accumulatoren vorkommen, von besonderer Wichtigkeit ist. Nach den durchaus günstigen Erfahrungen der französischen Nordbahn glaubt Oberingenieur Sartiaux behaupten zu dürfen, dass die Leblanc'sche Methode die Frage der elektrischen Stromvermittelung bezieh. der Kraftübertragung auf grössere Entfernungen einfacher, anpassungsfähiger und wirthschaftlicher löst, als es bei den älteren, unter ähnlichen Verhältnissen verwendeten Anordnungen der Fall ist. Vervielfältigende Kunst. Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Von J. M. Eder und E. Valenta in Wien. (Schluss des Berichtes S. 116 d. Bd.) Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Reproductionsverfahren. Copirpapiere. Ueber die Herstellung von Aristopapier schreibt E. ValentaPhotogr. Corresp., 1897. : Das Rohpapier, welches zur Herstellung von Aristopapier verwendet wird, ist dasselbe wie jenes, welches zur Celloidinpapiererzeugung dient: ein mit organischen Säuren (Citronensäure) präparirtes Barytpapier, dessen Oberfläche, je nachdem es zur Herstellung von hochglänzendem oder Mattpapier dienen soll, glatt oder rauh präparirt wird. Es wurde zu den hier beschriebenen Versuchen Barytpapier verwendet, welches wir von der Firma Benecken in Löbau (Sachsen) bezogen, mit demselben recht zufriedenstellende Resultate erhalten und kann daher denjenigen, welche sich mit der Herstellung von Aristopapier beschäftigen wollen, nur empfohlen werden. Die Emulsion richtet sich nach dem gewünschten Grade der Brillanz und Härte, welche die Copien zeigen sollen, bezieh. nach der Beschaffenheit des Negatives. Für gut gedeckte Negative empfiehlt Valenta folgende Normalemulsion: I. Silbernitrat 32 g Citronensäure 8 g Wasser 160 cc II. Gelatine 96 g Chlorammonium 2,8 g Wasser 700 cc III. Weinsäure 2,8 g Natriumbicarbonat 1,4 g Alaun 2,8 g Wasser 140 cc I. Das Silbernitrat wird in Wasser heiss gelöst. II. Die Gelatine in dem vorgeschriebenen Quantum Wasser quellen gelassen, dann geschmolzen und der Salmiak zugesetzt. III. Die Weinsäure wird in Wasser gelöst, das Natriumbicarbonat zugesetzt und dann der Alaun. II und III werden bei einer Temperatur von 50 bis 60° C. gemischt und hierauf wird bei gelbem Lichte Lösung I, welche auf dieselbe Temperatur gebracht wurde, in kleinen Partien successive unter fortwährendem Rühren zugegeben. Die erhaltene Emulsion wird einige Zeit bei 40 bis 50° C. reifen gelassen, dann mittels eines Heisswassertrichters durch Glaswolle filtrirt und in eine beigewärmte flache Tasse gebracht, deren Flächenraum jenem der zu präparirenden Bogen entspricht. Die auftretenden Luftblasen werden sodann sorgfältig mittels eines Stückes Carton entfernt und das zu präparirende Barytpapier auf der flüssigen Emulsion schwimmen gelassen, worauf man es über den Rand der Schale vorsichtig abzieht und, nachdem es erstarrt ist, zum Trocknen aufhängt. Man erhält bei richtiger Durchführung fehlerfreie Bogen; das Trocknen ist innerhalb 24 Stunden vollzogen und das Papier wird nun in die entsprechenden Formate zerschnitten. Die Aufbewahrung geschieht am besten in der Weise, dass man die Blätter Schicht an Schicht legt und zwischen je zwei Blatt ein Blatt Seidenpapier, welches mit schwacher Citronensäurelösung imprägnirt und gut getrocknet wurde, einlegt, worauf man die Packete in schwarzes Papier hüllt und leicht beschwert. Mattpapier erfordert eine etwas gelatineärmere Emulsion und die Anwendung von geeignetem Rohpapier (s. oben). Der Gelatinegehalt dieser Emulsion ist 80 bis 90 g statt 96 g. Für dünne, flaue Negative empfiehlt E. Valenta Chlorchromocitratemulsionen, das sind Chlorsilbergelatineemulsionen mit Zusätzen von Dichromaten oder von Chromsäure. Zur Ermittelung der Menge dieser Zusätze zur Normalemulsion, welche nöthig sind, dieselbe ähnlich den Celloidinpapieren des Handels copiren zu machen, oder um ein Aristopapier zu erzeugen, welches für stark verschleierte oder sehr dünne Matrizen geeignet ist, wurden folgende Versuche angestellt: Je 100 cc Normalemulsion von der 4fachen Empfindlichkeit des Albuminpapieres und einer Gradation von 17° des Sawyer'schen Scalenphotometers wurden mit 4,0, 1,2, 0,8, 0,4, 0,2 und 0,1 cc einer Calciumbichromatlösung versetzt, deren Gehalt an CrO3 10 Proc. betrug und die damit hergestellten Papiere unter einer Anzahl vollkommener gleicher Papier-Scalenphotometer im Vergleiche mit Albuminpapier gleich lange Zeit belichtet. Das Resultat war folgendes: Calciumbichromat- lösung (10 Proc. CrO3) auf je 100 cc Emulsion Gradation Empfindlichkeit auf frisch gesilbertes Albuminpapier = 1 bezogen 4   cc etwa 3° 1/120 1,2 cc    „    3° 1/112 0,8 cc    „    3° 1/90 0,4 cc    „    6° 4/34 0,2 cc    „    8° 4/14 0,1 cc etwa 0–11° 1/7 Ein Zusatz von 0,1 cc Chromatlösung gibt also bereits ein Copirpapier, welches mit Negativen, die selbst auf Celloidinpapier flau copiren, noch brillante Copien liefert und dabei keine orangefarbige, sondern nur eine gelbliche Schicht besitzt. Will man aber, dass das Aristopapier ähnlich den meisten Celloidinpapieren des Handels arbeite, so genügt, wie weitere Versuche zeigten, ein Zusatz von 0,05 cc obiger Calciumbichromatlösung und weniger auf je 100 cc Normalemulsion. BoltonBrit. Journ. Photogr., 1897 S. 245. gibt eine Vorschrift zur Herstellung von Chlorsilbercollodion für den Auscopirprocess, welche als Chlorid Natriumchlorid enthält. G. H. MossVortrag, gehalten in der „Putney Phot. Soc.“ am 18. November 1897. empfiehlt eine Chlorzinkemulsion zur Herstellung von Celloidinpapier. Die bezügliche Vorschrift lautet: Zinkchlorid 12 grains, Weinsäure 5 grains, Citronensäure 5 grains werden in 1,5 Unzen Aether gelöst. Andererseits werden 60 grains Silbernitrat in 30 Tropfen Wasser heiss gelöst, 100 Tropfen Glycerin zugesetzt, 4 Unzen Alkohol und 60 grains Collodion wolle, man mischt und fügt 1,5 Unzen Aether bei. Die gemischte Chlorsilberemulsion bleibt einige Stunden stehen und wird dann vergossen. Als Goldtonbad dient ein Acetattonbad. Eine neue Construction von Giessmaschinen für Chlorsilberemulsionen legte York Schwartz der photographischen Wanderversammlung in Hannover vor. Gevaert in Vieux-Dieu bringt emulsionirtes Albuminpapier in den Handel; es ist dies ein Chlorsilbercollodionpapier, welches als Unterguss eine Albuminschicht mit Chlorsilber ohne Silbernitratüberschuss enthält. Eder.Photogr. Corresp., 1897 S. 230. Dr. AndresenEder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 439. meldete ein Verfahren zum Patente an, nach welchem haltbare Silberauscopirpapiere durch Farbenzusatz für die weniger brechbaren Strahlen sensibilisirt werden. Als geeignete Farbstoffe bezeichnet er Chlorophyl für Roth, Rhodamine für Gelb, Eosin für Grün und Aurarain für Gelbblau. Baron HüblSiehe v. Hübl, „Silberdruck auf Salzpapier 1896“. – Verlag von W. Knapp, Halle a. S. empfahl ein Mattpapier mit Albuminstärkeschicht) dieses Papier wird von Dr. Just im Grossen dargestellt. Die Photogr. Chronik kommt auf die Herstellung solchen Papieres zurück. Es wird daselbst empfohlen, Arowrootlösung, 2procentig, mit Chlornatrium (2 Proc.) und mit ¼ bis 1 Th. geschlagenem Hühnerei weiss, welches ebenfalls 2 Proc. Chlornatrium enthält, zu vermischen. Je grösser der Albumingehalt, desto kräftiger und brillanter werden die Copien. Die Mischung wird auf Rohpapier aufgetragen und mittels „Vertreibers“ (breiter Haarpinsel) egalisirt. Das Papier wird vor dem Gebrauche auf einem Silberbade, bestehend aus: 500 cc Wasser, 60 g Silbernitrat und 8 g Citronensäure, sensibilisirt, trocknen gelassen, copirt und die Copien im Tonfixirbade (1000 cc Wasser, 100 g Fixirnatron, 20 g Rhodankalium, 10 g Bleizucker, 5 cc Goldchloridnatriumlösung 1 : 10) oder im Platintonbade (1000 cc Wasser, 10 g Chlornatrium, 10 cc Kaliumplatinchlorürlösung 1 : 6) mit darauf folgender Fixirung im 10procentigen Fixirbade getont. Ein neues Vehikel zur Herstellung von Emulsionen für photographische Zwecke hat Dr. Lilienfeld in Wien in die Praxis eingeführt. Es ist dies in Alkohol lösliches Pflanzeneiweiss. Copirpapiere mit solchen Emulsionsschichten kommen unter dem Namen ProtalbinpapierPhotogr. Corresp., 1897 S. 434. in den Handel. Tonung von photographischen Bildern. Bromsilberentwickelungsbilder lassen sich auf verschiedene Weise ohne Anwendung von Gold tonen. Es wurden zu diesem Zwecke Alaunfixirbäder, ferner Uransalze angewendet; eine derartige Tonung erhält man mit folgendem TonbadeBrit. Journ. Photogr., 1898 S. 45. : A. Urannitrat (1 Th.), Essigsäure (1 Th.), Wasser (60 Th.), B. Ferricyankaliumlösung (1:60), C. Rhodanammoniumlösung (1 : 20). Man mischt je 1 Th. von A, B und C und 48 Th. Wasser. Die Bromsilbercopien werden hierin nach dem Fixiren und Waschen gebadet. Zur Tonung von Diapositiven auf Chlorbromplatten empfiehlt A. StieglitzIbid. 1897 S. 557. folgendes Verfahren: 1) Blautonung für fixirte Bilder: 20 Th. Rhodanammonium, 0,2 Th. Soda, 1500 Th. Wasser; zu je 60 cc dieser Lösung gibt man 6 bis 7 Tropfen Goldchloridlösung 1 : 50. Das Bad soll mindestens 22° C. warm sein, sonst tont es schlecht. 2) Grüntonung: zuerst ein Bad aus Ferrioxalat 2 Th., Ferricyankalium 1,5 Th. und Wasser 1500 Th., in diesem Bade werden die Bilder blau, dann bringt man sie in eine Auflösung von Kaliumbichromat in Wasser (1 : 1500), in welcher sie eine grüne Farbe annehmen. 3) Röthliche Töne: A. Gelbes Blutlaugensalz 1,5 Th., Wasser 760 Th., B. Citronensäure 3 Th., Urannitrat 3 Th., Rhodanammonium 15 Th., Wasser 760 Th. Man mischt beide Flüssigkeiten zu gleichen Theilen. Ueber die Herstellung neutraler Goldchloridlösungen schreibt J. M. Eder.Photogr. Corresp., 1897 S. 505. Er empfiehlt die Goldchloridlösung, welche zur Herstellung von Goldtonbädern verwendet werden soll, in der Vorrathsflasche mit einer kleinen Menge von Kreidepulver zu versetzen. Dr. H. Lüttke in Hamburg erhielt ein Patent auf ein Goldtonbad aus einer mittels Aethylendiamin in Goldsalzlösungen gebildeten organischen Goldverbindung (D. R. P. Nr. 94515). Das von Lüttke und Arndts in Hamburg in den Handel gebrachte neutrale Goldsalz enthält nach E. ValentaIbid. S. 560. Fixirnatron, Gold, Chlornatrium, Bleisalz und Kreidepulver und hält die in der Gebrauchsanweisung gegebenen Versprechungen nicht. BühlerEder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 440. in Mannheim gibt eine neue Vorschrift zur Herstellung einer concentrirten Goldlösung für schwarze Töne auf Chlorsilbergelatinepapier (Gebrauchsanweisung zum Mignonpapier dieser Firma). Man erwärme in einem neuen Emaille- oder Porzellangefäss 150 cc destillirtes Wasser auf 30° R. und gebe dazu 5 g reines Chlorgold, zu 100 g destillirtem Wasser 50 g Chlorstrontium, erwärme bis zum Sieden und schütte die Goldlösung unter Schütteln zu der Chlorstrontiumlösung. In 250 cc destillirtem Wasser löse man 25 bis 50 g Rhodankalium und erwärme bis zum Sieden. Man lässt auf 78° R. zurückgehen und schüttet die Goldlösung in 4 bis 5 Portionen unter starkem Schütteln zu der Rhodanlösung, lässt dann das Ganze erkalten und filtrirt hierauf; entsteht ein starker Niederschlag, so entfernt man diesen durch Nachwärmen bis zu 80° R. Das Filter spüle man dann mit 100 cc destillirtem Wasser aus und setze dieses ebenfalls der Goldlösung zu. Vor dem Abfüllen in kleinere Flaschen, wie auch vor dem Gebrauche, ist die Lösung gut zu schütteln. Mit 25 g Rhodankalium sind Töne wie bei Platinbildern zu erreichen. Je mehr Rhodankalium hinzugesetzt wird, um so leichter vergoldet das Papier, gibt aber dem Bilde mehr tiefschwarze und bläuliche Töne. Pigmentverfahren (Gummidruck). Nach Art des Artiqueprocesses können Kohledrucke auch mit Hilfe von Fischleim hergestellt werden. Zu diesem Zwecke wird eine Lösung von Fischleim (5 Th.), Aquarelltubenfarbe (10 Th.) und gesättigte Lösung von Kaliumdichromat (25 Th.) auf Papier dünn gestrichen. Entwickelt wird mit kaltem Wasser mit Hilfe eines Pinsels (geeignet sind nur rauhe Papiere). Sehr dünne Schichten geben harte Bilder.Photogr. Chron., 1897 S. 293. Ein Pigmentverfahren mit Gummi, der sogen. „Gummidruck“, erfreut sich heute grosser Beliebtheit unter den Amateuren. Die Eigenthümlichkeit des Verfahrens, dass es schwer möglich ist, mit demselben zwei gleiche Copien zu erhalten und dass bei der Ausführung des Bildes, insbesonders beim sogen. „Gummidreifarbendruck“, das Bild mehr von der Geschicklichkeit des Ausführenden abhängt, als bei irgend einem anderen Copirverfahren, mag vielleicht dazu beitragen, die Beliebtheit des Verfahrens in Amateurkreisen zu erhöhen. Als Rohpapier dient Aquarellpapier und sogen. Montgolfierpapier; gekörntes Papier hält besser Farbe als glattes. Das Papier wird mit Stärke, Schellacklösung oder Gelatine vorpräparirt. Als Farben dienen die Aquarellfarben (z.B. von Schminke in Düsseldorf). Watzek mischt 10procentige Gummilösung mit gleichen Theilen Farbstoff und 10procentiger Dichromatlösung. Die Mischung wird aufgepinselt, egalisirt, getrocknet, frisch copirt, in kaltem Wasser entwickelt, eventuell mit dem Pinsel beim Entwickeln local nachgeholfen.Wiener Photogr. Blätter, 1897 S. 234. Zur Herstellung von Gummipigmentdreifarbendrucken wird nach H. WatzekIbid. S. 33. Papier mit 2procentiger Schellacklösung getränkt, dann mit Gummichromatlösung überzogen, welcher letzteren das Pigment, Gelb, Roth, Blau, beigemengt wird. R. v. SchoellerPhotogr. Chron., 1897 S. 171. wendet als Pigmentfarben Pariserblau, Gummigutt und Münchenerlack oder Krapproth an. Korn- und Lineaturverfahren, Autotypie, Emailverfahren, Aetzung in Kupfer, Zink, Stahl, Aluminium u.s.w. G. BraunBull. Soc. franç. Photogr., 1897 S. 147. theilt einen neuen Process der Photogravure mit, welchen Cronenberg in Grönenbach ausgearbeitet haben soll. Es wird ein auf einer Lichtdruckplatte copirtes Bild mit fetter Farbe auf eine Kupferplatte übertragen und das Bild dann mit Eisenchloridlösung geätzt. WilkinsonProcess Yearbook, 1897 S. 40. reinigt Leim für den Emailprocess durch Behandeln mit Eiweiss unter Zusatz von Ammoniak bei Kochhitze.Photogr. Chron., 1897 S. 107. (Die Verwendung von Leim an Stelle von Fischleim und die Klärung mit Eiweiss wurde von E. Valenta schon vor Jahren empfohlen. Anm. der Ref.) Für den directen Copirprocess auf Zink wurde neuester Zeit empfohlen, eine chromirte Lösung von Chloralhydrat-Gelatine zu verwenden. (Es ist uns nicht recht erklärlich, wie solche Lösungen, kalt entwickelt, ein brauchbares Resultat geben sollen, da flüssige Chloralgelatine nach dem Waschen der trockenen Schicht mit Wasser in kaltem Wasser unlöslich wird wie gewöhnliche Gelatine. Anm. der Ref.) Da Zinkplatten das Einbrennen (Emailliren) der Chromatschichte nicht vertragen, indem dabei das Zink krystallinisch wird, so muss der Fischleimprocess, wenn er auf Zink angewendet werden soll, entsprechend modificirt werden (kaltes Emailverfahren). Eine Vorschrift zur Ausführung dieses modificirten Processes ist in Atelier des Photographen1897, Januarheft. mitgetheilt. Man verwendet zum Präpariren der Zinkplatten eine Lösung von Wasser 365 cc Fischleim 120 „ Frisches Eieralbumin 120 „ Ammoniumdichromat 12 „ Einige Tropfen Ammoniak Als Aetzflüssigkeit dientSiehe auch Photogr. Wochenbl., 1897 S. 115. eine (jedenfalls entsprechend verdünnte, Anm. der Ref.) Lösung von Rohe Essigsäure 2000 Salpetersäure 170 Salzsäure 70 (Besser geeignet zur Aetzung von Zink für das kalte Emailverfahren sind alkoholische Eisenchloridlösungen von 20° Be. mit einem entsprechenden Zusätze von Oxalsäure. Die Ref.) Graf TurattiEder's Jahrb. f. Photogr. f. 1898, S. 463. will den ungünstigen Einfluss der krystallinischen Structur des Zinks, welcher durch Erhitzen der Platten beim Einbrennen des Bildes auftritt, dadurch vermeiden, dass er der Aetzflüssigkeit schleimige Substanzen, Gummi, Dextrin u.s.w., zusetzt. Zur Hochätzung von Aluminium empfiehlt KlimschPhotogr. Mittheil., 1897 Bd. 34 S. 125. folgende Aetzflüssigkeit: Antimonchlorid 15 Th. Weinsäure 45 „ Essigsäure 15 „ Wasser 100 „ Später fand Klimsch, dass für gehämmertes Aluminium eine Lösung von Eisenchlorid in Alkohol (1 : 2) mit einem Zusatz von 0,3 bis 0,4 Th. Oxalsäure das beste Aetzmittel sei. Das eingebrannte Emailbild auf Kupfergegenständen kann vortheilhaft zur Decoration derselben in der Industrie Verwendung finden, E. Vogel.Ibid. S. 91. Farbendruck. Typochromie nennt J. R. v. SchmaedelUng. Buchdruckerztg., 1897 S. 484. (Firma Meissenbach, Riffarth und Comp.) sein neues Verfahren zur Herstellung mehrfarbiger Reproductionen. Das Verfahren soll darin bestehen, dass von dem Originale zunächst eine farbenrichtige autotypische Aufnahme gemacht wird. Diese wird auf eine glatte Platte übertragen und druckfertig gemacht. Dann werden sechs oder mehr weitere Zinkplatten (je nach der Anzahl der gewünschten Farbentöne) gekörnt, mittels des autotypischen Originalnegatives photochemische Copien erzeugt und auf diese mit (verharzungsfähigem) Zeichenmaterial auf einer Platte die gelben, auf der anderen die rothen, auf der dritten die blauen u.s.w. Töne eingezeichnet, die Platten mit Harz eingestaubt und geätzt, worauf der Druck auf der Buchdruckpresse erfolgen kann. Selbstfärbende Druckplatte für ein- und mehrfarbigen Druck (D. R. P. Nr. 90105) der Anglo Continental Stencil Comp. Die Patentansprüche sind folgende: 1) Selbstfärbende Druckplatte, gekennzeichnet durch eine beliebig durchbrochene Schablone, auf deren Rückseite eine Farbpaste in Verbindung mit einer undurchlässigen Schutzplatte derartig befestigt und nach aussen hin abgeschlossen ist, dass bei Anwendung eines geringen Druckes, etwa durch Bestreichen der undurchlässigen Schutzplatte mit der Fingerspitze, der zu bedruckende Stoff an den durchbrochenen Stellen der Schablone mit der Farbe, welche theilweise verschieden sein kann, in Berührung kommt und so eine Copie der durchbrochenen Stellen der Schablone auf dem untergelegten Stoff hervorgerufen wird. 2) Eine selbstfärbende Druckplatte der unter 1) gekennzeichneten Art, bei welcher zwischen die Farbpaste und Schablone ein durchlässiges Stoffstück gelegt ist, um ein besseres Vertheilen und gleichmässigeres Austreten der Farbe zu sichern. Die Herstellung dieser selbstfärbenden Druckplatten geschieht wie folgt: Auf die eine Seite einer beliebig durchbrochenen oder durchlochten Platte aus Metall oder sonst geeignetem Stoff wird eine etwa 2 mm dicke Farbschicht entweder direct oder unter Vermittelung eines Farbträgers aufgetragen, auf diese Farbpaste wird eine feste, für Fett und Feuchtigkeit undurchlässige Platte, welche etwas kleiner als die Schablone selbst ist, gelegt und entweder durch Umbiegung des überstehenden Randes oder in sonst zweckdienlicher Weise befestigt. Die Farbmasse befindet sich in Folge dessen zwischen der Schablone und der undurchlässigen Platte. Zur Hervorrufung eines Abzuges der auf der Schablone in durchbrochenen Linien befindlichen Zeichnung legt man die Schablone auf den zu bedruckenden Stoff und reibt einigemal ohne Anwendung eines stärkeren Druckes (etwa mit der Fingerspitze) über die undurchlässige, nunmehr nach oben liegende Platte, wodurch die Farbmasse mit dem Stoff in enge Berührung kommt und an denselben eine zum Hervortreten der Zeichnung genügende Menge Farbstoff abgibt. Ausserdem ermöglichen die selbstfärbenden Druckplatten das gleichzeitige Drucken in verschiedenen Farben, da an Stelle des gleichmässig aufgetragenen Farbstoffes hinter den durchbrochenen Stellen, welche in anderer Farbe gedruckt werden sollen, eine andere Farbe aufgetragen oder aufgelegt wird. Ein Verfahren zum partiellen Einfärben von Druckplatten mit mehreren Farben, unter Anwendung von Schablonen, liess sich Josef Kühnl in Asch in Böhmen patentiren (D. R. P. Nr. 90396). Dasselbe soll hauptsächlich zum Bedrucken keramischer Gegenstände unter Anwendung von Tiefdruckplatten geeignet sein, deren Einfärbung derart geschieht, dass einzelne Partien derselben mit Schablonen abgedeckt werden. (Die ausführliche Patentschrift siehe in der Papierzeitung, 1897 Nr. 11 S. 360, und Allgem. Anzeiger f. Druckereien, 1897 Nr. 44.) Ein Verfahren zum gleichzeitigen Drucken mehrerer Zeichnungen (oder mehrerer Farben) wurde der American Bank Note Company in New York (U. St. A.) in Deutschland unter Nr. 88096 patentirt. Das Verfahren besteht darin, dass man auf die für die Hauptfarbe bestimmte und eingefärbte Tiefdruckplatte die anderen Zeichnungen oder Farben durch Ueberdruck mittels Kautschuk oder durch Abziehen überträgt. Die auf diese Art mit mehreren Zeichnungen oder Farben versehene Hauptdruckplatte wird sodann zum Abdruck benutzt, welcher das Gesammtbild der einzelnen Platten vereinigt. (Dieses Verfahren soll hauptsächlich zum Druck von Wertpapieren verwendbar sein. Die ausführliche Patentschrift siehe in Allgem. Anzeiger f. Druckereien, 1897 Nr. 15 S. 367.) [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Carbolineum als Holzschutz. Auf der in Stuttgart abgehaltenen 25. Versammlung deutscher Forstmänner erregte in der damit verbundenen Ausstellung in das Forstfach einschlagender Gegenstände der Abschnitt eines tannenen Brettstücks Beachtung. Dasselbe rührt von einer vor 18 Jahren im Freien aufgestellten mit Carbolineum Avenarius getränkten Planke her. Das Brettstück war derjenigen Stelle entnommen, welche zum Theil in den Boden eingegraben war, zum Theil aus demselben herausragte. Obgleich sonst das Holz gerade hier in Folge der wechselnden Feuchtigkeit am frühesten zu verderben beginnt, zeigte der Abschnitt keine Spur von Fäulniss. Ein Anschnitt des Brettstücks zeigte, dass die Imprägnirung seiner Zeit recht gründlich vorgenommen war und in dieser Hinsicht wird bei Verwendung von Carbolineum häufig gefehlt. Der Aufstrich muss satt erfolgen, auch soll möglichst trockenes Holz verwendet werden, damit das Material tief eindringen kann. Auch sollten die Holzbauten, Pfosten u.s.w. nicht erst nach der Aufstellung, sondern vorher gestrichen werden. Aluminium als Ersatz für Kupfer bei elektrischen Leitungen. Die Vergleichung des specifischen Gewichtes, der Leitfähigkeit und Festigkeit des Kupfers und des Aluminiums ergibt, dass bei einem Preise des Kupfers von 14 Cts. und des Aluminiums von 29 Cts. für 1 Pfund bei sonst gleichen Eigenschaften aus letzterem sich eine etwas billigere Leitung als aus jenem herstellen lässt. Nach Versuchen der Pittsburgh Reduction Co. ist, wie die Chem.-Zeitung nach El. World berichtet, zu erwarten, dass Aluminiumlegirungen mit wenig fremden Metallen von derselben Festigkeit, allerdings nur der halben Leitfähigkeit wie Kupfer erhalten werden können, die Leitungsdrähte der Legirungen also entsprechend stärker ausfallen. Dafür aber widersteht das Aluminium schädlichen Einflüssen der Luftfeuchtigkeit und des Ammoniaks besser. Da sich Aluminium schwieriger löthen lässt als Kupfer, auch leicht ein zerstörender elektrolytischer Vorgang zwischen ihm und dem Löthungsmittel eintritt, so hat man mit Erfolg versucht, die Drahtenden zusammenzuflechten und durch umgelegte dünne Aluminiumbleche zu schützen. Solche Verbindungsweisen sind auch bereits patentirt. Nur da, wo der grössere Querschnitt die Kosten der Isolirung zu gross macht, wird man von der Verwendung des Aluminiums absehen müssen, dagegen wird es sich für blanke Leitungen, wie Arbeitsübertragungen mit hoch gespannten Strömen, lange Telephon- und Telegraphenleitungen u.s.w., besonders gut eignen. Seit 1895 hat die oben erwähnte Firma in ihren Werken an den Niagarafällen Leitungen aus Aluminium in Gebrauch, die sich sehr bewährt haben. In Chicago hat man z.B. die Telephondrähte aus Aluminium hergestellt, weil die Rauchgase der vorbeifahrenden Locomotiven Kupfer bald zerstören würden. Auch für Maschinentheile, die durch ein magnetisches Feld bewegt werden, kann Aluminium an Stelle von Zink oder eines anderen Metalles von geringem Leitungsvermögen zur Verwendung kommen, um sogen. Wirbelströme zu vermeiden. (Der Metallarbeiter, Nr. 34.) Brüniren von Kupfer. Nach einem französischen, im Journal der Goldschmiedekunst veröffentlichten Verfahren werden die zu brünirenden Kupfergegenstände zunächst mit einer verdünnten Lösung von Ammoniumpolysulfit überstrichen. Nachdem der Ueberzug in gelinder Wärme getrocknet ist, wird der ausgeschiedene Schwefel abgebürstet und eine verdünnte Lösung von Schwefelarsen in Ammoniak aufgetragen. Es entsteht dadurch eine goldähnliche Farbe, die nach mehrmaligem Auftragen einer Lösung von Schwefelarsen in Schwefelammonium in ein schönes Braun übergeht. Benutzt man Schwefelantimon, in Ammoniak oder Schwefelammonium gelöst, so lassen sich Farbentöne vom hellsten Rosa bis zum dunklen Roth hervorbringen. (Der Metallarbeiter vom 30. März 1898.) Ein neues Kabelschiff. Einer Mittheilung des Electrician zufolge baut die Telegraph Construction and Maintenance Company gegenwärtig einen neuen Kabeldampfer, welcher das grösste derartige Schiff sein wird. Bei Herstellung und Ausführung der Pläne wurde das Beste aller bestehenden Kabelschiffe gewählt und alle bisher gemachten Erfahrungen berücksichtigt, um auf diese Weise ein Werk zu schaffen, welches allen Anforderungen auf das Vollkommenste entspricht. Dieses Schiff wird 8000 t Kabel aufnehmen und verlegen können. Zwei Zwillingsschrauben ertheilen ihm eine Geschwindigkeit bis zu 12 Knoten in der Stunde, bei sehr sparsamem Kohlenverbrauche. Es steht zu hoffen, dass das Schiff im künftigen Herbste vom Stapel gelassen wird. Glühlampe nach System Ch. Howard. Bei dieser Construction der Lampe schliesst sich an die übliche Glasbirne eine kurze Glasröhre an, die mit einem Ende an dem Sockel befestigt ist. Letzteres Ende ist geschlossen und trägt die eingeschmolzenen Platindrähtchen, die nach innen ihre Fortsetzung in Nickeldrähten finden, welche hier bis etwas über die Hälfte des Rohres reichen. Die Enden dieser Drähte stecken in kleinen Hülsen, in welche die Drahtenden des eigentlichen Gestelles, aus Nickeldraht mit Glasbrücke bestehend, hineinreichen; es kann also durch Ziehen an der Glasbrücke das Gestell sammt deren eingebranntem Glühfaden aus den Hülsen gezogen werden. Der cylindrische Theil des Sockels der Fassung ist mit Schlitzen versehen, in welche aus dem Glase herausgeblasene Nasen des Glasrohres sich hineinlegen. Auf diese Weise ist der Glastheil gegen seitliche Verdrehungen gesichert; damit nun die Fassung nicht von dem Rohre abgestreift werden könne, ist neben den Nasen, rund um den oberen Rand der Fassung, ein Draht gelegt, der noch durch die umgebogenen Lappen der Ausnehmungen an etwaiger Verschiebung gehindert wird. In der Art der Luftleermachung unterscheidet sich die Lampe nicht von der bisherigen, die sie bezüglich der Kosten nicht übertrifft. Soll aus einer solchen Lampe, wenn der Kohlenfaden dienstuntauglich ist, eine neue gebaut werden, so trennt man den Glaskörper an dem Rohrtheile durch bekannte Handgriffe in zwei, zieht das Gestell sammt Glühfaden heraus und hat nun drei Theile in den Händen; den Sockel sammt Rohr, die Birne und den Kohlenfaden, von welchen Theilen man nun jeden beliebigen ersetzen kann. Meist wird ja die Kohle zu erneuern sein, dann wird nur ein neues Gestell sammt Kohlenfaden in die Enden der Hülsen geschoben, der Glastheil wird an der Trennungsstelle zusammengeschmolzen und ausgepumpt. Eine solche regenerirte Lampe steht einer neuen in keinem Punkte nach. Hydrolicht. Die Berliner Hydro-Press-Gas-Gesellschaft m. b. H. bringt unter dem Namen „Hydrolicht“ einen Apparat in den Handel, mittels dessen man nach dem Gastechniker mit einem gewöhnlichen Gasglühlicht eine Helligkeit von 500 bis 800 Kerzen zu erreichen vermag. Die stündlichen Kosten sollen 10 Pf. betragen, während das elektrische Bogenlicht etwa das 3fache kostet. Das Hydrolicht beruht auf der Eigenschaft des Glühlichtbrenners, um so heller zu brennen, je höher der Druck ist, unter dem das Gas durch die Düse des Glühlichtbrenners gepresst wird. Der gewöhnliche Gasdruck unserer Gasanstalten entspricht einer Wassersäule von 30 bis 60 mm Höhe. Im Hydrolicht wird unter Zuhilfenahme von Druckwasser (Wasserleitung) in einem Druckumwandler ein Gasdruck von 1000 bis 1300 mm Wassersäule erzeugt. Der Umwandler kann im Keller oder in sonst geeigneten Räumen aufgestellt und leicht mit der Wasserleitung verbunden werden. Fehlt die centrale Wasserversorgung, die einen Betriebsdruck von 2 bis 2,5 at haben muss, so kann der Umwandler z.B. mit einer Dampfpumpe (Kesselspeisepumpe u.s.w.) verbunden werden. Das Hydrolicht ist daher auch für ausgedehnte Fabrikgrundstücke vortheilhaft zur Platzbeleuchtung, sowie zur Erleuchtung der Arbeitssäle verwendbar und hier sogar dem elektrischen Bogenlichte vorzuziehen, da es ruhig und ohne Schwankungen brennt. Die Glühstrümpfe sollen trotz der erheblichen Beanspruchung eine Lebensdauer von 200 Brennstunden haben. Der Preis eines Umwandlers für zwei Lampen beträgt 130 M. Zur Beleuchtung kann jede Gasbogenlampe verwendet werden. Verbilligung des Glühlichtes. Von der Deutschen Gasglühlicht-Actiengesellschaft ist der Preis des Auer-Lichtes vor kurzem in Berlin und seinen Vororten ermässigt worden; eine vollständige Auer-Lichteinrichtung für eine Flamme (bestehend aus Brenner, Glühkörper und Cylinder) kostet jetzt 3 M., ein Glühstrumpf 70 Pf., einschliesslich der Anbringung. Diese Preisermässigung ist, wie uns die Gesellschaft mittheilt, schon seit langer Zeit geplant und der Absicht entsprungen, das Auer-Licht auch den kleineren Haushaltungen und Geschäften zugänglich zu machen, die die Preisermässigung wegen der mit dieser Beleuchtungsart verbundenen grossen Ersparnisse sicherlich mit Freuden begrüssen werden. Andererseits zeigt diese Verbilligung des Auer-Lichtes, dass die Gesellschaft der durch die Kammergerichtsurtheile geschaffenen Sachlage bereits Rechnung trägt und gesonnen ist, den Vorsprung, den sie in der Gasglühlichtindustrie bisher auf Grund ihrer Ansprüche aus den Patenten thatsächlich innegehabt hat, im nunmehrigen freien Wettbewerbe nach Möglichkeit zu behaupten. Die Dauerhaftigkeit von Glühkörpern für Gasglühlicht zu erhöhen. Die mit leuchtenden Substanzen imprägnirten und getrockneten Strümpfe kommen in concentrirte alkoholische Schellacklösung, zu der Magnesiumsilicat, Magnesiumchlorid und Kieselsäurehydrat gemischt wird, und zwar setzt man diese Salze je nach der gewünschten Stärke und Elasticität der Gewebe einzeln oder zusammen zu. Schellack lässt sich durch andere Harze, die mineralische Beimengung durch Aluminiumsilicat, Aluminiummagnesium = Kalium- und Kaliumdoppelsilicat ersetzen. Beide Imprägnirungen können vereinigt werden. Der Imprägnation des Strumpfes mit alkoholischer Lösung muss sorgfältiges Ausglühen vorhergehen, dann geben die Gewebe ein dauerhaftes Mineralskelett. (Der Gastechniker.) Bücher-Anzeigen. Taschenbuch der praktischen Photographie. Ein Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene von Dr. E. Vogel. 5. vermehrte und verbesserte Auflage. Mit 60 in den Text gedruckten Abbildungen und 5 Tafeln. Berlin. Verlag von Gustav Schmidt (vorm. Robert Oppenheim). Preis in biegsamem Leinenband 3 M. Dieser Leitfaden verdankt seine Entstehung dem Verlangen vieler Studirenden der königl. technischen Hochschule und Amateure, in kurzer Uebersicht eine Darstellung aller wichtigeren photographischen Processe zu besitzen. Es ist deshalb neben dem Bedürfnisse der Photographen und Amateure auch den Ingenieuren Rechnung getragen, und in Folge dessen auch das Lichtpauseverfahren besprochen. Bei der Vorschrift der Recepte für Entwickler, Collodien, Verstärker, Abschwächer, Fixirbäder u.s.w. ist vom Verfasser, der mitten in der Praxis steht, darauf Bedacht genommen, nur solche zu geben, bei denen die im photochemischen Laboratorium der königl. technischen Hochschule in Berlin gemachten Erfahrungen maassgebend waren. Der Inhalt ergibt sich aus den nachstehenden Hauptüberschriften: Einleitung (S. 1 bis 4); I. Photographische Apparate (S. 5 bis 47); II. Einrichtung der Dunkelkammer (S. 48 bis 58); III. Allgemeines über photographische Aufnahmen (S. 59 bis 83); IV. Negativ verfahren (S. 84 bis 204); V. Positivverfahren (S. 205 bis 269); VI. Paus verfahren (S. 270 bis 277); Sachregister (S. 278 bis 287). Die Handcamera (Detectivcamera) und ihre Anwendung für die Momentphotographie, sowie die Beschreibung ihrer Einrichtung, der einzelnen Bestandtheile und Anwendung zu Hause und auf Reisen von Dr. B. Krügener. 1. Auflage mit 67 Abbildungen. Berlin. Verlag von Gustav Schmidt (vorm. Robert Oppenheim.) 165 S. Preis 3 M. Vorliegendes Werkchen ist hauptsächlich für angehende Amateure geschrieben, um einen Einblick in die verschiedenen Constructionen zu bekommen und besonders die Einrichtungen einer Handcamera, sowie deren Behandlung und Benutzung zu den verschiedenen Aufnahmen kennen zu lernen. Das Werkchen ist gemeinverständlich abgefasst, was jedoch nicht hindert, dass auch weiter Fortgeschrittene sich desselben bedienen. Um das Buch möglichst übersichtlich zu gestalten, ist alles, was nicht direct die Handcamera betrifft, fortgelassen. Eingesandt. Congress für angewandte Chemie. Vom 28. Juli bis 2. August laufenden Jahres wird in Wien der III. internationale Congress für angewandte Chemie abgehalten werden. Nähere Auskünfte und eingehende Entwürfe für die Tagesordnung sind durch das Generalsecretariat des III. internationalen Congresses für angewandte Chemie, Wien, IV/2, Schönburgstrasse 6, erhältlich. DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 7. Stuttgart, 21. Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Neuere Locomotiven *. Verbundlocomotive der österreichischen Staatsbahn. Tenderlocomotive. Desgl. von Henschel und Sohn. Desgl. der Esslinger Maschinenfabrik *. Luftcompressor von Ingersoll-Sergeant. Vortrag von Thuns aus Glaser's Annalen. Wechselventil von Jost- v. Borries *. Wechselvorrichtung von Dultz *. Wechselhahn der Hauptwerkstatt Grunewald. Wechselvorrichtung von Colvin 141 Regelung dynamotreibender Wasserräder * 146 Metallbearbeitung. Fräsestangen *. Aufräummaschine von Krummel *. Fräsestange von Mc Gregor *. Lawrenz' Fräsedorn * 148 Technik des Wassers. Idealfilter für Trink- und Nutzwasser von Schuler * 148 Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation *. c) Zellstoff. Vorbereitung des Holzes zum Verkochen. Schälmaschine von Werthheim *. Hackmaschine von Goetjes und Schulze *. Sortirapparat von Piette *. Desgl. von Pedersen *. Desgl. von Jones und Talbot 149 Maschine zur Herstellung von Krausen und Rüschen von Holeywell * 152 Farbstoffe. Ueber künstlich gefärbte Mineralfarben 153 Statistik. Die Erfindungsthätigkeit im J. 1897 155 Kleinere Mittheilungen: Bergrath Köbrich † 159 Verwendung des Retortengraphits 160 Elektrische Glühlampe von Nernst und Auer 160 * bedeutet mit Abbildung. ☞ Das vorliegende Heft enthält eine Beilage von der Firma: Groyen & Richmann in Solingen. Wir empfehlen dieselbe bestens der freundlichen Beachtung unserer Leser. Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 7. Stuttgart, 21. Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Neuere Locomotiven. (Schluss des Berichtes S. 121 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neuere Locomotiven. Die österreichischen Staatsbahnen sind nach dem Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens, 1897 S. 202 u. ff., seit dem Jahre 1893 für alle Zuglocomotiven zu ausschliesslicher Anwendung der Verbundwirkung übergegangen und haben bei dieser Gelegenheit eine Anzahl neuer Locomotivgattungen eingeführt, über welche kurze Mittheilungen folgen. Sämmtliche Locomotiven sind unter Leitung des Hofrathes Kargl von dem Inspector C. Gölsdorf entworfen und mit dessen Anfahrvorrichtung (1894 293 * 26 bezieh. 1895 295 294) versehen. Die 2/4 gekuppelte Schnellzuglocomotive hat vier gekuppelte Räder von je 2120 mm Durchmesser und ein vorderes, seitlich nicht verschiebbares zweiachsiges Drehgestell, dessen Radstand 2700 mm beträgt. Die Maschinen entsprechen bezüglich ihrer Bauart den gleichartigen Locomotiven der preussischen Staatsbahnen (1896 299 * 78). Sie durchfahren Krümmungen von 380 und 475 m Halbmesser im gewöhnlichen Dienste mit Geschwindigkeiten von 85 und 90 km in der Stunde. Die 3/5 gekuppelte Tenderlocomotive ist für die im Bau begriffene Wiener Stadtbahn bestimmt, auf welcher Steigungen von 25 mm und Krümmungen bis zu 150 m, vereinzelt bis zu 100 m Halbmesser herab vorkommen. Sie hat daher möglichst geringen festen Achsstand und grösste Einstellbarkeit durch je eine nach dem Krümmungshalbmesser einstellbare vordere und hintere Adams-Laufachse. Die Cylinder haben 520 bezieh. 740 mm Durchmesser für 632 mm Hub. Bei Geschwindigkeiten bis zu 92 km in der Stunde ging die Locomotive auf geraden Strecken noch völlig ruhig. Die 3/3 gekuppelte Güterzuglocomotive gewöhnlicher Bauart mit einem Radstande von nur 3160 m ist für Geschwindigkeiten bis zu 45 km in der Stunde gebaut. Sie hat Cylinder von 500 bezieh. 740 mm Durchmesser für 632 mm Hub, 120 qm Heizfläche bei 1,80 qm Rostfläche, einen Kessel von 1350 mm Durchmesser für 12 at Dampfdruck und ist wie alle neueren Locomotiven der österreichischen Staatsbahnen mit aussenliegender Heusinger-Steuerung ausgerüstet. Für Güterzüge und für Personen- und Schnellzüge auf Gebirgsstrecken ist eine ¾ gekuppelte Locomotive mit vorderer Laufachse in Dienst gestellt. Die Maschine, welche bei den Probefahrten leer Geschwindigkeiten bis 78 km in der Stunde erreichte, hat Cylinder von 520 bezieh. 740 mm Bohrung für 632 mm Hub, 132 qm Heizfläche, 2,65 qm Rostfläche und einen Kessel von 1350 mm Durchmesser für 13 at Dampfdruck. Die 4/5 gekuppelte Gebirgslocomotive hat die grössten bisher im Gebiete des V. d. E.-V. angewandten Niederdruckcylinder von 800 mm Bohrung. Die Hochdruckcylinder haben 540 mm Bohrung. Der gemeinschaftliche Hub beträgt auch hier 632 mm, der gesammte Radstand 6800 mm. Die vordere Adams-Laufachse ist einstellbar, die zweite Kuppelachse um 22 mm, die letzte um 4 mm nach jeder Seite verschiebbar, so dass in Krümmungen eine Führung durch die drei vorderen Spurkränze und möglichst geringe Reibung eintritt. Die Locomotive ist für eine grösste Geschwindigkeit von 60 km gebaut, hat aber bei den Probefahrten leer 84 km in der Stunde erreicht. Die beiden ersten Locomotiven dieser Gattung werden zur Beförderung der bis 200 t schweren Schnellzüge auf der Arlberg-Bahn verwendet und sind mit Oelfeuerung versehen. Die hier vorkommenden Krümmungen von 200 bis 250 m Halbmesser durchfahren sie mit 40 bis 45 km Geschwindigkeit in der Stunde. Mit Ausnahme der 3/3 gekuppelten Güterzuglocomotive haben die Kessel der vorgenannten Locomotiven zur Vergrösserung des Dampfraumes zwei Dampfdome mit Verbindungsrohr. Ihre Niederdruckcylinder erhalten um 12 bis 15 Proc. grössere Füllungsgrade als die zugehörigen Hochdruckcylinder, was zunächst durch versetzte Hebel auf der Steuerwelle, später durch ungleiche Längen der oberen kurzen Arme der Voreilhebel erzielt wurde. Auf der Metropolitan Railway zu London vor kurzem in Dienst gestellte, in den eigenen Werkstätten der Bahn zu Neasden unter der Leitung des Maschinendirectors T. F. Clark erbaute Tenderlocomotiven mit vier gekuppelten Rädern, hinterem zweiachsigen Drehgestelle und Innencylindern beschreibt Engineering vom 5. März 1897, S. 323. Die Maschinen dienen zum Befördern der schweren Vorortzüge zwischen den Stationen Baker-street und Aylesbury der genannten Eisenbahn. Sie arbeiten mit einem durchschnittlichen Verbrauche an Brennmaterial von 12,70 k für 1 Meile (engl.). Wegen des Durchfahrens zahlreicher Tunnels wird der Exhaustdampf in geeigneten Behältern condensirt. Zur Speisung des Kessels dienen ein Gresham-Injector und zwei Pumpen. Die angeordnete Dampfbremse bewirkt in Verbindung mit der selbsthätigen Vacuumbremse des Zuges ein schnelles Anhalten des letzteren. Nachstehend sind einige Hauptabmessungen der Locomotiven gegeben. Durchmesser der Cylinder 432 mm Kolbenhub 660 mm Von Mitte zu Mitte Cylinder 724 mm Durchmesser der Treibräder 1676 mm        „              „    Räder des Drehge-    stelles 1143 mm Länge des cylindrischen Kessels 3137 mm Aeusserer Durchmesser des Kessels 1320 mm Blechstärke 12,7 mm Arbeitsdruck 11,25 at Anzahl der Feuerröhren 219 Aeusserer Durchmesser der Feuerröhren 44,4 mm Heizfläche der Rohre der Feuerkiste 97,55 8,88 qm qm Gesammte Heizfläche 106,43 qm Rostfläche 1,55 qm Inhalt der Wasserbehälter 5,45 cbm Dienstgewicht 52,10 t Bereits 1896 302 144 haben die von Henschel und Sohn in Cassel erbauten fünffach gekuppelten Tenderlocomotiven, System Hagans, von etwa 70 t Dienstgewicht, kurze Erwähnung gefunden. Derartige Locomotiven sind auf verschiedenen bergigen Nebenbahnen Thüringens, u.a. auf der Strecke Probstzella-Wallendorf, Triptis-Blankenstein, Plaue-Ritschenhausen, auch auf der Schwarzathalbahn, welche Steigungen von 20 bis 30 mm und Krümmungen von 180 m aufweist, in Dienst gestellt. Wie Engineering vom 8. October 1897, S. 437, berichtet, sind die drei vorderen Achsen der Locomotive in dem Hauptrahmen, die beiden hinteren Achsen in einem Drehgestelle gelagert. Der Antrieb der letzteren erfolgt in der 1896 299 * 76 näher beschriebenen Weise. Die Hauptabmessungen sind folgende: Durchmesser der Cylinder 520 mm Kolbenhub 630 mm Raddurchmesser 1200 mm Dampfdruck 12 at Heizfläche der Feuerkiste 8,16 qm       „            „   Rohre 129,05 qm       „        gesammt 137,21 qm Rostfläche 2,51 qm Fester Radstand 2680 mm Gesammter Radstand 6460 mm Inhalt der Wasserbehälter 4 cbm      „     „   Kohlenbehälter 1,5 cbm Leergewicht 55 t Die Lieferungsbedingungen schreiben vor, dass die Locomotiven auf Steigungen von 33 mm und Krümmungen von 180 m ein Traingewicht von 250 t mit 15 km und ein solches von 110 t mit 30 km Geschwindigkeit, auf Steigungen von 25 mm und Krümmungen von 200 m 270 t mit 15 km bezieh. 160 t mit 30 km Geschwindigkeit und auf Steigungen von 20 mm bei 12,5 km Länge und Krümmungen von 320 m 330 t mit einer Geschwindigkeit von 15 km in der Stunde ziehen. Für die Berechnung der Zugkraft ist ein Reibungscoëfficient von 0,18 (der Ruhe) bezieh. von 0,15 (der Bewegung) anzunehmen. Mit 7 cbm Wasser und einem Fassungsraume von 6 cbm für Kohlen sollen die Locomotiven eine Strecke von 20 km zurücklegen können. Der Kessel jeder Locomotive hat 1600 mm Durchmesser und fasst bei dem niedrigsten Wasserstande 3,8 cbm Wasser. Die übrigen 4 cbm Wasser sind in einem seitlichen Behälter untergebracht. Angestellte Versuchsfahrten haben ergeben, dass die Locomotive den Lieferungsbedingungen vollständig Genüge leistet. Sie beförderte auf Steigungen von 25 mm mit Krümmungen von 200 m Züge von 296 t Traingewicht mit 17 bis 20 km und solche von 330 t Traingewicht mit 13 km Geschwindigkeit, ferner auf 12 km langen Steigungen von 20 mm mit Krümmungen von 320 m Züge von 360 t Traingewicht mit 15 km Geschwindigkeit in der Stunde. Ueber die Locomotiven der zum Befördern schwerer Kohlenzüge von den Gruben bei Sarva Loento auf Sumatra nach dem Küstenplatze Emmahaven des Indischen Oceans führenden, etwa 160 km langen Eisenbahn – wovon ungefähr 30 km Zahnstangenbahn mit Steigungen von 200 bis 140 mm – berichtet Engineering vom 3. September 1897, S. 281. Die zwischen den Laufschienen von 1067 mm Spurweite liegende Zahnstange ist nach System Riggenbach aus zwei ⊐-Eisen gebildet, die durch zwischengenietete Bolzen zusammengehalten werden. Sie ruht auf gusseisernen Unterlagen, die, wie auch die Laufschienen, von aus Stahl gefertigten Querschwellen getragen werden. Textabbildung Bd. 308, S. 142 Fig. 4. Zahnradlocomotive der Maschinenfabrik Esslingen zum Befördern schwerer Kohlenzüge. Die Locomotiven arbeiten auf wagerechten Strecken und solchen mit geringen Steigungen als Reibungsmaschinen, auf Strecken mit bedeutenderen Steigungen, da hier die Schienenreibung allein zur Fortbewegung des Zuges nicht genügen würde, als Zahnradmaschinen. Es ist aber nur ein einziger Satz von Cylindern und bewegten Theilen vorhanden. Die Zahnräder bleiben deshalb in fortwährender Umdrehung, gleichviel ob sich die Locomotive auf Zahnradstrecken oder auf reinen Adhäsionsstrecken bewegt. Die Locomotiven kommen in zwei Arten zur Verwendung. Die Maschinen der einen Art entsprechen mehr denjenigen europäischer Zahnradbahnen, abgesehen von einigen Abänderungen, die von Kuntze, dem früheren Betriebsleiter der den Holländern gehörigen Bahnen auf Sumatra, wegen der im vorliegenden Falle eigenartigen Verhältnisse angegeben wurden. Es sind, wie in Fig. 4 dargestellt, auf einer Hilfswelle ein Paar Zahnräder befestigt, die mit entsprechenden Rädern auf der Hauptzahnrad welle in Eingriff stehen, welche durch Schraubenbolzen mit dem zwischenliegenden, in die Zahnstangen greifenden Getriebe verbunden sind. Die Arbeit wird sonach mittelbar auf das letztere übertragen. Bei der anderen Art von Locomotiven werden dagegen, um sowohl auf wagerechten Strecken oder solchen mit geringen Steigungen, wie auch auf den mit Zahnstangen versehenen Strecken Geschwindigkeiten von 25 km in der Stunde zu erzielen, die Kolbenbewegungen auf die Hauptzahnradwelle unmittelbar übertragen. Beide Arten von Locomotiven sind von der Maschinenfabrik Esslingen in Esslingen erbaut worden. Die erstgenannten Locomotiven (Fig. 4) haben zwei Paar Treibräder und eine hintere einstellbare Adams-Laufachse. Ihre Hauptabmessungen sind folgende: Durchmesser der Cylinder 340 mm Kolbenhub 500 mm Anzahl der minutlichen Umdrehungen 185 Heizflache der Rohre der Feuerkiste 73,78 6,64 qm qm Gesammte Heizfläche 80,42 qm Rostfläche 1,4 qm Arbeitsdruck 11 at Durchmesser der Treibräder 983 mm         „              „   Laufräder 550 mm Gesammter Radstand 3900 mm Theilkreisdurchmesser der Zahnräder     auf der Hilfswelle 369 mm Theilkreisdurchmesser der Zahnräder     auf der Zahnradwelle 820 mm Theilkreisdurchmesser des Zahnstangen-     getriebes 975 mm Belastung der vorderen Treibachse 9600 k         „         „  hinteren          „ 9600 k         „         „  Laufachse 7050 k Dienstgewicht 26250 k Inhalt der Wasserbehälter 2200 l      „     „   Kohlenbunker 400 k Die Cylinder mit oberem Schieberkasten liegen ausserhalb der Rahmen. Die Hilfswelle wird in der üblichen Weise durch Lenkstangen, welche an Zapfen der an ihren Enden befestigten kleinen Schwungräder angreifen, von den Kolben in Umdrehungen versetzt. Die innerhalb der Rahmen liegenden Excenter und Coulissen übertragen ihre Bewegungen mittels Zwischenhebel auf die Schieberstangen. Es sind vier Bremsvorrichtungen vorhanden. Zunächst eine gewöhnliche Handbremse, deren Klötze auf die Räder der vorderen Treibachse wirken, dann eine auf die vorgenannten Schwungräder der Hilfswelle wirkende Bandbremse, aus zwei mit Holzstücken ausgefütterten Stahlbändern bestehend, die sich, ebenfalls von Hand angezogen, in eingeschnittene Umfangsnuthen der Schwungräder legen, ferner eine der letztgenannten ähnliche Bremse, die auf zwei mit Umfangsnuthen versehene lose Scheiben der vorderen Treibachse wirkt, zwischen denen ein mit ihnen verschraubtes Zahnradgetriebe von etwas kleinerem Durchmesser als dasjenige auf der Hauptzahnradwelle sitzt, und endlich kann das sofortige Anhalten des Zuges im Nothfalle auch durch Umsteuerung der Schieberbewegung, ohne jedoch Gegendampf geben zu müssen, bewirkt werden. Zu dem Zwecke wird nach Oeffnen eines besonderen, in die Auspuffleitung eingeschalteten Ventiles Luft in die Cylinder gesaugt, welche sich beim Zusammendrücken stark erhitzt und durch einen Wasserstrahl gekühlt wird, um danach, je nach Stellung eines Regulirventiles, vollständig oder nur zum Theile ins Freie zu entweichen. Die Cylinder arbeiten jetzt als Luftverdichtungspumpen. Auf diese Weise werden gewöhnlich auch die Züge auf den Thalfahrten gebremst. Jeder Wagen des Zuges ist im Uebrigen mit einer Handbremse ausgerüstet. Genaue Messungen haben ergeben, dass die Abnutzung der Zähne des Hauptzahnrades nur 1 mm für je 8000 km zurückgelegter Fahrt beträgt. Da die Zähne in der Ausführung 20 mm stärker gehalten sind, als nothwendig ist, werden dieselben erst nach etwa 8 Jahren grösster Beanspruchung, d.h. wenn die Maschine etwa 160000 km durchlaufen hat, ihre minimale Stärke erreicht haben. Da aber beobachtet wurde, dass sich die Zähne, wenn sie neu sind, weit schneller abnutzen, als nachdem sie eine Reihe von Jahren Arbeit verrichtet haben, ist wahrscheinlich, dass eine Auswechselung des Hauptzahnrades erst nach etwa 11 Jahren nothwendig sein wird. Bei der zweiten Art von Zahnradlocomotiven werden die Kolbenbewegungen, wie bereits bemerkt, nicht erst auf eine Hilfswelle, sondern mittels Lenkstangen, welche an Zapfen der auf den Enden der Hauptzahnradwelle befestigten kleinen Schwungräder angreifen, auf diese letztere, von hier, um das volle Gewicht der Maschine auf den Adhäsionsstrecken auszunutzen, durch Kuppelstangen auf die Treibräder übertragen. Die Hauptabmessungen der in Fig. 5 dargestellten Locomotive sind nachstehend gegeben: Durchmesser der Cylinder 430 mm Kolbenhub 500 mm Heizfläche der Rohre der Feuerkiste 53,6 6,8 qm qm Gesammte Heizfläche 60,4 qm Rostfläche 1,3 qm Arbeitsdruck 12 at Durchmesser der Treibräder 983 mm Radstand 2800 mm Belastung der Vorderachse 10840 k         „        „    Hinterachse 10770 k Dienstgewicht 21610 k Inhalt der Wasserbehälter 1480 l     „      „   Kohlenbunker 250 k Theilkreisdurchmesser des Zahnstangen-     getriebes 975 mm Zum Bremsen dient eine gewöhnliche von Hand oder mittels Dampf bewegte Backenbremse, welche auf die hinteren Treibräder wirkt, ferner eine kräftige Bandbremse, die beim Anziehen von Hand oder mittels Dampf über die Umfange der genannten Schwungräder gezogen wird, und schliesslich noch eine Vorrichtung, welche in derselben Weise, wie bei der vorgenannten Maschine, die Umsteuerung der Maschine bewirkt. Die Nabe des Zahnstangengetriebes läuft noch in zwei seitlichen Lagern, welche dasselbe bei einem etwaigen Achsenbruche stützen. Sofern die Bremswirkungen mittels Dampf hervorgebracht werden, erfolgt das Anziehen der Backen- und Bandbremse gleichzeitig. Die Maschinen laufen mit einem Zuge von 50 t Traingewicht (Locomotive nicht eingeschlossen) auf dem Gefälle von 140 mm mit einer Geschwindigkeit von 24 km in der Stunde abwärts und ziehen einen Zug von 45 t Traingewicht mit einer Geschwindigkeit von 18 km in der Stunde aufwärts. Der mittlere Zahnstangendruck ist rechnerisch zu etwa 3500 bis 4000 k ermittelt worden. Bei beiden Arten von Locomotiven sitzt das Wasserstandsglas ungefähr in der Mitte des Kessels. Eine mittels Druckluft betriebene Locomotive der Hochbahnen in New York beschreibt The Engineer vom 6. August 1897, S. 137. Der Druckluftbehälter besteht nach der Erfindung von Robert Hardie, einem schottischen Ingenieur, aus 37 Mannesmann-Bohren, von je 230 mm Durchmesser und 4730 mm Länge, die wagerecht in einem als Mantel dienenden Kessel gelagert sind. An dem hinteren Ende des Behälters liegt das Führerhaus mit einem etwa 230 l Wasser fassenden Erhitzerapparat mit eigener Feuerung. An die vorderen Enden der Mannesmann-Rohre sind engere Rohrleitungen angeschlossen, die sämmtlich in ein aufrecht stehendes cylindrisches Sammelgefäss im vorderen Theile des Kesselmantels ausmünden. Vom Boden desselben führen zwei Hauptleitungen nach den auf den seitlichen Rahmenblechen befestigten Reducirventilen, von wo aus die Luft durch äussere Rohre nach dem Erhitzer bezieh. Controlapparat des Führerhauses gelangt. Das Triebwerk der Locomotive unterscheidet sich von demjenigen einer gewöhnlichen Locomotive nur dadurch, dass an Stelle der Coulissensteuerung eine vom Kreuzkopfe jeder Maschinenseite aus bethätigte Meyer'sche Expansionssteuerung angeordnet ist. Zum Anfahren der Locomotive wird, ohne die für den normalen Betrieb festgesetzten Füllungen der Cylinder zu ändern, diesen letzteren Druckluft von etwa 10,5 at Spannung zugeführt, ausserdem noch, zur Erleichterung des Anfahrens, solche mit einer um etwa ⅓ grösseren Spannung den vor den Reducirventilen liegenden Leitungen entnommen. Die Maschine hat vier Treibräder und ein hinteres zweirädriges Truckgestell. Die in den Behälter mit einer Spannung von etwa 175 at eingeführte Druckluft kann bis auf etwa 32 at Spannung sinken, ehe eine Wiedererhitzung derselben nothwendig ist. Textabbildung Bd. 308, S. 144 Fig. 5. Zahnradlocomotive der Maschinenfabrik Esslingen. Die Maschine legte bei Versuchsfahrten eine Strecke von 72 km in der Stunde zurück. Sie dient zur Beförderung der Züge von 130 t Traingewicht auf der 7,2 km langen Strecke der Sixth Avenue Linie, von Rector-street bis 58th-street mit 14 Anhaltepunkten. Zum Bremsen dient eine auf die Treibräder wirkende Luftbremse; ausserdem ist die Maschine mit einem Luftejector für die Eames-Vacuumbremse des Zuges versehen. Ihre Hauptabmessungen sind folgende: Durchmesser der Cylinder 330 mm Kolbenhub 508 mm Durchmesser der Treibräder 1067 mm Radstand         „         „ 1830 mm Gesammter Radstand 4115 mm Belastung der Treibräder 16 t Dienstgewicht 22 t In der zur Erzeugung der Druckluft dienenden Kraftstation ist ein Luftcompressor, System Ingersoll-Sergeant (1897 305 7) für vierstufige Compression mit Cylindern von 540, 230, 178 und 76 mm Durchmesser und 914 mm Hub aufgestellt, der in der Minute 14,2 cbm Luft auf etwa 175 at Spannung verdichtet. Zum Betreiben desselben dient eine Zwillingsdampfmaschine, System Corliss, von 230 mit Cylindern von 406 mm Durchmesser für 914 mm Hub. Die Druckluft wird in einem aus einem Satz von Mannesmann-Rohren bestehenden Accumulator von rund 23 cbm Fassungsraum aufgespeichert. Das Füllen des Druckluftbehälters der Maschine erfolgt mittels einer beweglichen Metallrohrverbindung in ungefähr 1,5 Minuten. Ueber Anfahr- und Wechselvorrichtungen bei den Verbundlocomotiven der preussischen Staatsbahnen hielt Regierungsbaumeister Thuns in der Versammlung des Vereins deutscher Maschinen-Ingenieure am 25. Mai 1897 einen Vortrag, der in Glaser's Annalen für Gewerbe und Bauwesen vom 1. August 1897, S. 41 u. ff., wiedergegeben ist. Demselben sind nachstehende Mittheilungen über einige, in dem Journal bisher noch nicht gebrachte Wechselvorrichtungen entnommen, die im Verwaltungsbezirke der preussischen Staatsbahnen seit dem Jahre 1895 allgemein an Stelle der bisherigen Anfahrvorrichtungen getreten sind. Sie ermöglichen, dem grossen Cylinder der Verbundlocomotiven nach Belieben auf längere Dauer frischen Dampf zuzuführen, während dies mittels der Anfahrvorrichtungen bekanntlich nur für die Zeit des Anfahrens erreicht werden kann. Textabbildung Bd. 308, S. 145 Fig. 6. Wechselventil von Jost- v. Borries der Stettiner Maschinenbauanstalt Vulkan. Um die Verbundlocomotive in ihrer Wirkungsweise mittels der Wechselvorrichtungen vorübergehend zur Zwillingsmaschine umwandeln zu können, ist nur nöthig, für diese Zeit dem im kleinen Cylinder zur Wirkung gelangten Dampfe einen Austritt ins Freie zu schaffen. Die so eingerichteten Locomotiven besitzen demnach im Gegensatze zu den Verbundlocomotiven mit Anfahrvorrichtungen, wie die Zwillingslocomotiven, Auspuffrohre für beide Cylinder. Aufgabe der Wechselventile ist es alsdann einmal, bei Zwillingswirkung das Ausströmungsrohr des kleinen Cylinders vom Verbinder abzusperren, dabei ersteres mit dem Auspuffe zu verbinden und die Dampfeinströmung für den grossen Cylinder zu öffnen, das andere Mal bei Verbundwirkung das Ausströmungsrohr des kleinen Cylinders vom Auspuffe abzusperren, dabei ersteres nach dem Verbinder zu öffnen und die Dampfeinströmung nach dem grossen Cylinder zu schliessen. Hierdurch ist es möglich, die Locomotive beliebig als Zwillings- oder Verbundmaschine zu benutzen; das Anfahren, sowie die grösste Leistungsfähigkeit auf Steigungen ist also gesichert. Diesen Wechsel selbsthätig, wie bei der Anfahrvorrichtung herbeizuführen, ist ausgeschlossen. Zunächst kamen ausschliesslich die Wechselventile Mallet- v. Borries'scher Bauart (1896 301 255) zur Anwendung. Dieselben haben bezüglich ihrer Wirkung beim Anfahren und Wechseln allen Anforderungen genügt, in Hinsicht ihrer häufigen Reparaturbedürftigkeit jedoch zu berechtigten Klagen und wiederholten Betriebsstörungen Veranlassung gegeben. Diesen Mängeln abzuhelfen, versucht die von Jost, einem Ingenieur der Stettiner Maschinenbauanstalt Vulkan, angegebene Abänderung der unter dem Namen „Wechselventil von Jost- v. Borries“ versuchsweise an 12 Stück 4/4 gekuppelten Güterzuglocomotiven zur Ausführung gekommenen Vorrichtung. Wie Fig. 6 erkennen lässt, ist der Kolben k1 beiderseits als Ventil ausgebildet, dessen Umstellung durch einen Kolben k erfolgt, indem je nach der Stellung eines vom Führerstande aus zu bewegenden Vierwegehahnes gespannter Kesseldampf auf die eine oder andere Seite desselben geleitet werden kann. Der Reducirkolben r sitzt lose auf der Kolbenstange, so dass die spielenden Massen gering gehalten sind. Derselbe wird bei Verbundstellung durch den auf das vordere Ende der Kolbenstange aufgeschraubten Bund so weit mitgenommen, dass die runde Oeffnung b abgeschlossen wird; von da ab erfolgt die Weiterbewegung und schliesslich der Druck auf den Ventilsitz durch den directen Dampf. Bei Zwillingsstellung stösst der feste Bund der Kolbenstange den Reducirkolben in die gezeichnete Stellung, in der sein Spiel, eingeleitet durch den Druck der Verbinderspannung auf die dem Ventilkolben zugekehrte und durch den Druck des Frischdampfes auf die abgekehrte Seite, eine Reduction des zuströmenden Dampfes herbeiführt. Um Schläge beim Umstellen zu verhindern, ist an der Dampfauslassöffnung des Vierwegehahnes eine Schraube derart angeordnet, dass die Durchlassöffnung sich beliebig verengen lässt. Der Auslassquerschnitt kann also so gewählt werden, dass der ausströmende Dampf nur langsam entweichen und dementsprechend auch nur eine langsame Bewegung des Ventilkolbens eintreten kann. Die von Hand ohne Mitwirkung des Frischdampfes umzustellende Wechsel Vorrichtung von Dultz, mit der ebenfalls eine Anzahl von Locomotiven ausgerüstet ist, besteht in einem Schiebergehäuse, dessen drei Kammern mit den Fig. 7 und 8 bezeichneten Räumen in Verbindung stehen. Der Schieberraum selbst steht mit der Ausströmung aus dem kleinen Cylinder in Verbindung. Der vollkommen entlastete Schieber, als Kolbenschieber ausgeführt, hat zwei Vertheilungskammern, die in den Endstellungen einmal die Frischdampfleitung mit dem Verbinder und die Ausströmung mit dem Auspuff in Verbindung setzen, ein andermal die Ausströmung nach dem Verbinder öffnen und die Frischdampfleitung, sowie den Auspuff absperren. Von der Anwendung eines besonderen Druckminderventiles für den Frischdampf ist der Einfachheit wegen Abstand genommen worden. Textabbildung Bd. 308, S. 146 Wechselvorrichtung von Dultz. Stellung für die Zwillingswirkung: Bei b Eintritt des Exhaustdampfes des Hochdruckcylinders; Weg desselben durch c und d zum Exhaustor; Bei f Eintritt des Frischdampfes; Weg desselben, durch m, k und i zum Schieberkasten des Niederdruckcylinders; Hochdruck- und Niederdruckcylinder haben getrennte Exhaustorrohre; Stellung für die Verbundwirkung: Frischdampf und Exhaustor sind am Apparat abgesperrt; Der Exhaustdampf des Hochdruckcylinders tritt bei b ein und geht durch k und i zum Schieberkasten des Niederdruckcylinders; Mit diesem Apparat kann die Locomotive bei jeder beliebigen Cylinderfüllung als Zwillings- oder Verbundlocomotive fahren. Der Querschnitt der Zuleitung ist so gewählt, dass bei den gewöhnlichen Geschwindigkeiten der Locomotive durch langsames Nachströmen des Dampfes die Druckminderung eintritt. Der beim langsamen Anfahren etwa auftretende zu hohe Druck wird durch das auf dem Niederdruckschieberkasten befindliche Sicherheitsventil unschädlich gemacht. Bis jetzt sind die Berichte über die Bewährung der Vorrichtung günstig, insbesondere lässt sich die Umstellung von Hand auch bei geöffnetem Regler leicht ausführen. Eine weitere versuchsweise Anwendung hat ein von der Hauptwerkstatt Grunewald angegebener Wechselhahn gefunden. Derselbe besteht aus einem cylindrischen Hahngehäuse, an welches an entgegengesetzten Seiten die Ausströmung des kleinen Cylinders und das Verbinderrohr, lothrecht hierzu das Auspuffrohr für den kleinen Cylinder anschliesst. Im oberen Theile des Gehäuses mündet die Zuleitung für den Frischdampf. Durch einen Umlaufkanal im oberen Theile, sowie einen lothrechten Kanal, der die Räume über und unter dem Hahnküken verbindet, ist für ausreichende Entlastung gesorgt. Anfahren und Wechsel sollen mit dieser Vorrichtung anstandslos erfolgen, doch erfordert die Umstellung, im Gegensatze zu der vorher besprochenen Wechselvorrichtung, grössere Kraft und ist bei geöffnetem Regler die Umstellung von Verbund- auf Zwillingswirkung nicht möglich. Bei den neuesten Beschaffungen kommen noch zwei weitere Wechselvorrichtungen probeweise zur Anwendung und zwar die Colvin'sche und die von v. Borries. Bei beiden vermittelt ein hohler Kolbenschieber die Verbindung zwischen den Dampf-Ein- und Ausströmungen. Die zahlreichen zur Zeit mit verschiedenen Wechselventilen angestellten Versuche stellen ein abschliessendes Ergebniss bezüglich ihrer Brauchbarkeit in baldige Aussicht. Fr. Regelung dynamotreibender Wasserräder.Nach Electrical World. Von Wilh. Müller in Cannstatt. Mit Abbildung. Regelung dynamotreibender Wasserräder. Die rasch zunehmende Ausnutzung von Wassergefällen zur Erzeugung und Uebertragung der Kraft auf elektrischem Wege hat eine beachtenswerthe Entwickelung der verschiedenen Arten von Wassermotoren und deren Regelung zur Folge gehabt. Die Aufgabe des Regeins für solche Zwecke ist eigenartig und schwierig. Während das Regeln von Dampfmaschinen für elektrische Beleuchtung nach und nach zu annähernder Vollkommenheit gebracht worden ist, bestehen noch Schwierigkeiten verschiedener Art bei Wasserkraftmaschinen. Sie liegen einestheils in dem Gewichte der zu bewegenden Einlassfallen, anderentheils in dem bedeutenden Reibungswiderstände derselben, welcher durch das Aufschlagwasser verursacht wird. Dieser Umstand macht es unmöglich, die Bewegung der Fallen unmittelbar durch einen Schwungkraftregulator zu bewerkstelligen, wie es bei der Dampfmaschine geschieht. Hier muss das Differentialprincip in passender Weise zur Anwendung kommen. Wird die Kraft am Ende einer langen geschlossenen Rohrleitung oder am Fusse eines Turbinenschachtes erzeugt, so erschwert das Trägheitsmoment der sich bewegenden Wassersäule die Lösung der Aufgabe. Das Schliessen der Zellen z.B. erhöht die Pressung und somit die durch das noch in Bewegung befindliche Wasser in der Zuleitungsröhre hervorgerufene Reibung. Im Falle plötzlicher Schliessung der Klappen wirkt die Wassersäule gleichsam wie ein Wasserhammer und erhöht die Pressung in empfindlicher Weise. Die Hauptschwierigkeit tritt jedoch dann ein, wenn versucht wird, solche Wasserräder befriedigend zu regeln, welche Wechselstrommaschinen zu treiben haben, die neben einander geschaltet sind. Wenn, was öfters der Fall, eine Wasserersparniss bei der Regelung nicht verlangt wird, so ist das Problem leicht gelöst. In einem Falle z.B. war bei einer bestehenden Anlage die Nothwendigkeit des Regulirens gänzlich überflüssig, weil die Belastung der Dynamomaschine gleichmässig war. Eine künstliche Belastung wurde eingeschaltet, um auf solche Weise die Summe beider Belastungen (mögliche und künstliche) stets zu einer Constante zu machen. Eine ganz ähnliche Methode ist von der Pelton water wheel Co. im Gebrauche, sobald keine Ursache zur Beschränkung des Wasserverbrauches vorhanden. Das Pelton-Rad ist bekanntlich eine Actionsturbine; sinkt die Belastung, so wird das Rad geregelt, indem man die Mundstücke aus ihrer Stellung bringt und nur einen Theil des Wasserstrahles auf die Schaufeln wirken lässt. Auf diese Weise kann eine ausreichende Regelung erzielt werden, der Wasserverbrauch bleibt dabei stets derselbe, ob das Rad voll belastet ist oder leer läuft. Ein ähnliches Verfahren kommt zur Anwendung, wenn so viele Seitenschieber geöffnet werden, als Schieber an der Turbine geschlossen sind. Das Wasser fliesst stets mit der nämlichen Geschwindigkeit, ungeachtet der Veränderlichkeit der Belastung, verhindert also die Wirkung des Wasserstosses. Ein anderes Verfahren, welches dieselben Ergebnisse liefert, ist das Regeln von Impulsrädern durch Drosselung, zwar nicht unmittelbar an der Austrittsöffnung, sondern in einiger Entfernung von derselben. Der Theorie von Impulsrädern zufolge sollte die lineare Geschwindigkeit der Schapfen (Schaufeln bei Pelton-Rädern) bei der grössten Nutzwirkung die Hälfte von derjenigen des Wasserstrahles an der Austrittsmündung betragen. Durch Verkleinerung der Austrittsöffnung kann die abgegebene Kraft mit unbedeutenden Aenderungen der Wirkung vollzogen werden, solange das Verhältniss von Rad- und Austrittsgeschwindigkeit aus dem Mundstücke praktisch das gleiche bleibt. Wenn der Zufluss an irgend einer Stelle innerhalb des Mundstückes jedoch gedrosselt wird, nimmt die Austrittsgeschwindigkeit des Wasserstrahles ab und mit ihr die Nutzwirkung des Rades. Auf diese Weise kann mit geringerer Veränderung von verbrauchtem Wasser regulirt werden, als wenn, wie oben angegeben, die Regelung durch Ablenkung des Strahles geschieht. Mit anderen Worten: eine Abnahme der Leistung von 50 Proc. wird verursacht durch Verminderung des Wasserverbrauches von bedeutend weniger als 50 Proc. Bei einer in der Electrical World früher beschriebenen Anlage war für die Erhöhung der Leistungsfähigkeit bei kleiner Belastung eine Vorrichtung angebracht, die dem Maschinenwärter ermöglichte, den Motor von Hand und nach Belieben zu beeinflussen, während gleichzeitig die selbstwirkende, zeitweise nothwendige Regelung schnell vor sich gehen sollte, die mittels des Schiebers im Mundstücke den Wasserzufluss drosselt. Eine andere Regelung für Wasserräder wurde für Motoren ausgedacht, die multipolargeschaltete Wechselstrommaschinen zu treiben haben. Bei letzteren nämlich zwingt eine Maschine die andere zu einem genau übereinstimmenden (synchronischen) Zusammenarbeiten, das Ergebniss an solchen Turbinen ist dasselbe, als wenn sie gleichsam eine gemeinsame Welle treiben würden. Wasserradregulatoren arbeiten fast alle nach dem Relaistypus. Sie entnehmen die Kraft, um die Schützen des Motors zu bewegen, entweder vom Hauptwellenstrange oder von einem hydraulischen Hilfscylinder, oder aber wird Elektricität angewandt. Jedenfalls können sie in zwei besondere Klassen eingetheilt werden: 1) in solche, bei welchen das Relais durch den Schwungkugelregulator bethätigt wird, und 2) in solche, bei denen differential mittels Schwungkugelregulator und Schieberbewegung regulirt wird. Beistehende Skizze zeigt die Anordnung eines hydraulischen Relais. Aus derselben ist ersichtlich, dass der Schieber differential beeinflusst wird, und zwar so, dass, wenn die Belastung steigt, der Regulator fällt, um den Schieber in der neutralen Stellung zu halten, in Folge dessen muss die Geschwindigkeit nothwendiger Weise ebenfalls abnehmen und umgekehrt. Die Wirkungsweise dieser Regulatoren ist also, wie Figur zeigt, ganz ähnlich wie bei Dampfmaschinenregulatoren; ohne dieses Differentialprincip ist ersichtlich, dass der Regulator isochronisch wirkt, oder wenn nicht isochronisch, so erhält er wenigstens die Geschwindigkeit stets zwischen oberer und unterer Grenze und unabhängig von der Belastung. Die Geschwindigkeit zwischen einer oberen und unteren Grenze hängt grossentheils von der Reibung des Regulatormechanismus ab; jedoch sinken diese Grenzen, wenn die Belastung steigt. Sehr häufig kommt in der Praxis der bemerkenswerthe Fall vor, dass zwei isochronische Regulatoren zusammen arbeiten. Uebersteigt hierbei die äussere Belastung plus Nachschleppung der langsameren Maschine bei offener Falle die Kraft der schnelleren Maschine, so wird die Geschwindigkeit zu einem Punkte herabgedrückt, in welchem der Regulator der langsameren Maschine zu wirken anfängt. Von diesem Punkte an bis zur Erreichung der vollen Belastung beider Maschinen wird das Reguliren von der langsameren Maschine besorgt (die erste Maschine arbeitet mit ganz offenen Fallen). Dieses Princip kann auch bei mehr als zwei Generatoren angewendet werden. Textabbildung Bd. 308, S. 147 Regelung dynamotreibender Wasserräder. a Einlauf; b Auslauf; c Schütze zu; d Schütze auf. Nach einem anderen Verfahren zur Erreichung desselben Ergebnisses ordnet man eine besondere Turbine an, die, um ziemlich gleichmässige Geschwindigkeit zu erreichen, nicht belastet ist. Die verschiedenen Fallen werden durch entsprechende Differentialverbindungen und Bewegungsglieder zwischen dieser Turbine und den bezüglichen Maschinen bewegt. Sind die Regulatoren in Verbindung mit den Fallen bei entsprechender Oeffnung, so werden sie auch nothwendiger Weise zusammen arbeiten. Metallbearbeitung. Fräsestangen. Mit Abbildungen. Fräsestangen. Rudolphi-Krummel's Aufräummaschine. Zur Bearbeitung von Fahrradtheilen mittels Fräsestangen wird nach American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 19 * S. 358, von Rudolphi und Krümmet in Chicago, Ill., die in Fig. 1 dargestellte Maschine (Broaching Machine) gebraucht. Am Ständer a verschiebt sich in Führungen ein Schlitten c gegen einen angegossenen Winkeltisch b mit entsprechender Tischplatte. Dieser Schlitten c wird mittels Schraubenspindel d durch Räderwerke f von einer senkrechten Welle mittels Winkelräder h von den Riemenscheiben i und k in Hubbewegung versetzt. Mittels einer zwischen den Riemenscheiben verlegbaren Trommel l wird durch den axialen federgespannten Stab m der Hubwechsel im Rücklauf besorgt, während der Arbeitshub durch einen Tritthebel eingeleitet wird. Mittels Anschlagstangen wird der Schlittenhub selbstthätig begrenzt. Textabbildung Bd. 308, S. 148 Fig. 1. Rudolphi-Krummel's Aufräummaschine Mc Gregor's Fräsestange. Um an den Kettenradzapfen a (Fig. 2 bis 4) Vierkante anzuarbeiten, wird ein Hobel Werkzeug gebraucht, welches aus einer Stange b besteht, in deren eingefräste Schrägzahnnuthen 15 bezieh. 30 Schneidstähle parallel eingesetzt und entsprechend verschraubt sind. Dem Arbeitsverlaufe nach nehmen die Schneidkanten stetig an Höhe zu, so dass die Schnittleistung auf die einzelnen Stähle gleichmässig vertheilt ist. Das Werkstück ist ferner in eine viereckige Platte c eingespannt, welche mittels Keil d in einem Führungskörper f festgelegt wird, in welchem die Fräsestange gleitet und der mittels Klemmnabe an das Auge der Hubmaschine g angeschlossen ist. Nach jedem in einem Hub verlaufenden Arbeitsgange wird die Platte c verlegt, so dass ohne besondere Messungen beide Vierkante fertig gestellt werden. (American Machinist, 1895 Bd. 18 Nr. 22 * S. 431.) Textabbildung Bd. 308, S. 148 Mc Gregor's Fräsestange. E. Lawrenz' Fräsedorn. Bei Zahnrädern, Losscheiben u. dgl., die frei laufen und daher mit ausgegossener Nabenbohrung versehen werden, wird durch das Eintreiben des Drehdornes die Weissmetallbüchse leicht verletzt. Es wird daher von E. Lawrenz in Troy, N. Y., vorgeschlagen, den Arbeitsgang in der Art umzukehren, dass vorher der Umfang dieser Theile a (Fig. 5) abgedreht und eine oder die beiden Randleisten des Nabenloches ausgedreht werden, welche zur Führung und zur Centrirung des Werkstückes a auf der Kernbüchse b (Fig. 6) dienen. Das auf annähernd 150° C. erwärmte Werkrad wird über diese etwas konische Kernbüchse b geschoben, worauf der Einguss des Weissmetalls in die vorher verzinnte Nabenaussparung erfolgt. Textabbildung Bd. 308, S. 148 Lawrenz' Fräsedorn. Durch diese Radnabe wird mittels einer geeigneten Presse vorerst ein Fräsedorn c (Fig. 7) getrieben, mit dessen Wulst d das Weissmetall verdichtet und in die Nabenaussparung gedrückt wird, worauf der Schneidrand f zur Wirkung kommt. Diesem Werkzeuge wird der Fräsedorn g (Fig. 8) nachgesetzt, auf dessen Führungszapfen die Schneidkrause h folgt, durch welche das Nabenloch fertig gestellt wird. Um das Spanmaterial besser zu zerlegen, wird dem Führungszapfen i (Fig. 9) eine durch zwei Längsnuthen h unterbrochene Schneide l und dieser erst die volle Schneidkrause m nachgesetzt. (American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 25 * S. 476.) Technik des Wassers. Idealfilter für Trink- und Nutzwasser. Mit Abbildungen. Idealfilter für Trink- und Nutzwasser. Textabbildung Bd. 308, S. 148 Fig. 1. Pumpfilter von Schuler. Diesen Namen hat W. Schuler in Isny (Württemberg) seinem Filter ertheilt, welches aus einem Gehäuse und darin befindlichen cylindrischen Filterelementen besteht. Diese sind hohl und bestehen aus einem harten feinporigen Kunststeinmaterial, welches dem Filtrate weder Geschmack noch Geruch mittheilt. Die Cylinder sind an dem einen Ende geschlossen, während das andere Ende ein Mundstück besitzt für den Auslauf des Filtrates. Textabbildung Bd. 308, S. 149 Fig. 2. Pumpfilter von Schuler. Die Anwendung von Filterkörpern in Form von Hohlcylindern gestattet, auf einem kleinen Raume eine grosse Filterfläche zu vereinigen. Feinporige Filtersteine mit geringer Wandstärke haben sich in der Praxis vortheilhafter erwiesen als dickwandige, grobkörnige Filtersteine oder lose Sandfilter. Während bei grobporigen Filtern die zu reinigende Flüssigkeit die Unreinigkeiten zum grossen Theil im Inneren des Filtermaterials absetzt und eine umständliche Reinigung erfordern, werden bei dem Schuler'schen Filter wegen der Feinheit des Materials und der Poren alle Unreinigkeiten auf der Aussenfläche der Filtercylinder ausgeschieden, abgelagert und können mühelos abgestossen werden. Textabbildung Bd. 308, S. 149 Fig. 3. Wasserleitungsfilter von Schuler. Textabbildung Bd. 308, S. 149 Fig. 4. Filtertopf ohne Pumpe von Schüler. Bei den feinporigen Steinfiltern sollen Druckschwankungen oder plötzliche Veränderungen des Rohwassers keinen Einfluss auf die Qualität des Filters haben. Die Filter kommen in verschiedener Ausführung zur Anwendung. Fig. 1 zeigt die Form der Pumpfilter, Fig. 2 zeigt das Filter in Verbindung mit einer Flügelpumpe. Sehr einfach gestaltet sich die Ausstattung der Filter bei Wasserleitungen wie Fig. 3. Grössere Filter, mit oder ohne Pumpe, erhalten die in Fig. 4 skizzirte Anordnung. Auch als Tisch- und Hausfilter sind die Filter zu benutzen, wie Fig. 5 zeigt. Die Reinigung erfolgt mit einer scharfen Bürste und mit Wasser; bei grösseren Apparaten benutzt man zweckmässig eine kleine Luftpumpe. Nach längeren Zwischenräumen empfiehlt sich ein 1stündiges Auskochen der Filtercylinder, welche dabei mit kaltem Wasser aufzusetzen sind. Bei neuen Cylindern sind die ersten Liter des Filtrates wegzuschütten, da dasselbe durch den Cylindern anfänglich anhaftende Unreinigkeiten getrübt sein kann. Textabbildung Bd. 308, S. 149 Fig. 5. Hausfilter von Schuler. Im Weiteren ist es angezeigt, bei den mit Pumpen- oder Leitungsdruck arbeitenden Filtern bei jedesmaliger Filtration von Wasser vorerst einige Liter Filtrat ablaufen zu lassen, ehe man das zum Gebrauche bestimmte Wasser auffängt, damit das im Filtertopfe und in den Cylindern vom früheren Gebrauche zurückgebliebene, abgestandene Wasser entfernt wird. Bei Beobachtung dieser Vorsichtsmaassregeln sind die Filter zu empfehlen zur Reinigung in erster Linie von Trinkwasser, sodann der Wasch- und Badewasser und in grösseren Ausführungen für Fabrikationswasser, zu Kesselspeisungen sowie bei ganz grossen Anwendungen zur Filtration des Wasserbedarfes ganzer Städte. Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation. Von Prof. Alfred Haussner, Brünn. (Fortsetzung des Berichtes S. 129 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neuerungen in der Papierfabrikation. c) Zellstoff. Was die nothwendige Vorbereitung des Holzes, welches verkocht werden soll, anbelangt, so bemerken wir, dass für das Entrinden eine mechanische Vorrichtung von Leopold Werthheim zum Patente angemeldet ist (vgl. Papierzeitung, 1897 S. 3504). Die Vorrichtung ist wohl recht einfach und besitzt nichts von der Gefährlichkeit der üblichen Schälmaschinen. Sie ähnelt aber sehr der bereits 1894 292 98 beschriebenen Vorrichtung von Bache-Wiig und Morterud.In Fig. 23 ist eine mit Löchern oder Schlitzen versehene Trommel a dargestellt, welche von dem Getriebe prr1 gedreht wird, nachdem durch die Thüre c die Holzklötze, welche geschält werden sollen, eingelegt worden sind. Diese Klötze werden nun, während Wasser aus w fortwährend zufliesst, an einander und an den Kanten der ⋃-Eisen b abgescheuert und – wenn auch nicht vollständig – entrindet. Die Rindentheile fallen durch die Schlitze von a in die Rinne e. Textabbildung Bd. 308, S. 150 Fig. 23. Vorrichtung zum Entrinden des Holzes von Werthheim. Textabbildung Bd. 308, S. 150 Rotirende Hackmaschine der Eisengiesserei und Maschinenfabrik vorm. Goetjes und Schulze. Was die übrige Vorbereitung des Holzes anbetrifft, so finden wir eine solid ausgeführte und, nach den vorgekommenen Bestellungen zu schliessen, in der Praxis sehr befriedigende rotirende Hackmaschine der Eisengiesserei und Maschinenfabrik vorm. Goetjes und Schulze in Bautzen im D. R. P. Nr. 86981 geschützt. Vor allem sehen wir, dass der Forderung, Platten ungefähr unter 45° gegen die Stammachse abzutrennen, was sich in der Praxis als vortheilhaft erwiesen hat, dadurch genügt ist, dass der Stamm s entsprechend tiefer (Fig. 24 bis 26) zugeführt wird, als die Messerdrehungsachse 1 gelegt ist. Auf dieser befindet sich ein sehr kräftiger Rahmen b, welcher auf seinen Querstücken 2 die Messer 3 so befestigt hält, dass die Messer, wie aus dem zu 1 concentrischen Kreise z deutlich zu ersehen ist, einen merklichen Anstellwinkel bekommen und mit ihrer Rückenfläche nicht an dem Schnittholze während des Schneidens schleifen. Das Festhalten des Holzes s während des Schneidens ist gut durchgeführt. Vorerst sehen wir s gehalten durch die kräftigen lothrechten Riffelwalzen 6, welche auf Schlitten 7 gelagert sind und dadurch an das Holz gedrückt werden, dass die Schlitten 7 auf ihrer Geradführung 8 mittels der Zahnstangen 11 und des Getriebes 10 vom Gewichtshebel 9 gegen das Holz geschoben werden. Ausserdem ist s von unten durch den Tisch 4 mit einem glücklich gewählten Ansätze 5 gestützt, der halbrund ausgenommen ist. Dieser letztere, sowie die schiefgelegten Walzen 23, welche unabhängig von einander in Bügeln 24 auf Achsen 25 gelagert und durch kräftige Federn 26 an das Holz gepresst werden, geben den Widerhalt für das Holz so nahe bei den Messern ab, als es nur immer denkbar ist. Wir sehen in Fig. 25 besonders deutlich einen Ausnahmsfall skizzirt, indem das Holz s in der Nähe der Schnittstelle trotz des wesentlich grösseren Durchmessers gegenüber jener Stelle, wo die Walzen 6 wirken, doch gut geklemmt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 150 Fig. 26. Rotirende Hackmaschine der Eisengiesserei und Maschinenfabrik vorm. Goetjes und Schulze. Weil wir zwei Messer haben, so ist für eine Umdrehung der Messerwelle zweimal die Schaltung um die Scheibendicke vorzunehmen. Dies ist hier mittels eines Excenters folgendermaassen gelöst. Das Excenter 14 greift mit der Stange 15 an den um die Welle 12 lose schwingenden Hebel 16, wobei in der aus der Fig. 24 ersichtlichen Weise dafür gesorgt ist, durch eine einfache Verstellung des Angriffspunktes von 15 an 16 die Dicke der zu erzielenden Holzscheiben zu regeln. An 16 ist der Sperrhaken 17 angelenkt, welcher durch Zusammenwirken mit dem auf 12 gekeilten Sperrade 18 die Schaltung für eine Umdrehung einmal bewirkt. Um die zweite Schaltung auch noch zu erzielen, finden wir an einen Nebenarm von 16 eine Stange 20 angeschlossen, welche um den festen Punkt 21 am Ständer schwingen kann und durch den mit einem kleinen Gegengewichte ausgestatteten Sperrhaken 19 das bereits früher erwähnte Sperrad 18 dann bethätigt, wenn eben der Sperrhaken 17 lose über die Zähne von 18 gleitet. Eine Rückdrehung wird durch die auf Scheibe 22 wirkende Bandbremse c verhindert. Weil nun die ruckweise Drehung der Welle 12 durch die Kegelräder 13 auf die Riffelwalzen 6 übertragen wird, welche an die Umfläche des Stammes s gedrückt werden, so ist die richtige, oben erwähnte Schaltung thatsächlich von einem Excenter aus erreicht. Hervorgehoben soll aber noch werden, dass theoretisch die in Fig. 24 ersichtliche Verbindung zwischen Stange 20 und dem Nebenarme von 16 eigentlich eine Bethätigung der Schaltung überhaupt nicht zulässt. Das ganze System wäre bei ganz genauem Anschlusse starr. Weil nun aber Spiel in den bezüglichen Gelenken und Lagern praktisch immer vorhanden sein muss und Punkt 21 mit Bezug auf die Lage von Welle 12 und die Richtung des in Frage kommenden Nebenarmes von 16 so gelegt ist, dass der Bogen aus 21 durch d hindurch von jenem aus 12 auf die hier in Frage kommende geringe Länge des Bogens wenig abweicht, so ist die gewählte Construction praktisch wohl ausführbar. – Bei den neuesten Ausführungsformen des Systems dieser Hackmaschine finden sich einige Abänderungen, wobei die Anpressung mittels Getriebe 10 und Hebel 9 anders gelöst ist. Es sei auch noch aufmerksam gemacht, dass die Messerschneidenflächen sich in schief gelegte Flächen des Rahmens fortsetzen, wodurch die durch die Messer abgetrennten Scheiben, wie aus Fig. 24 zu erkennen ist, abgelenkt, bezieh. in sich gebrochen werden, was bekanntlich für die weitere Verarbeitung dieses Holzes sehr zu billigen ist. Textabbildung Bd. 308, S. 151 Fig. 27. Mechanischer Sortirapparat von Piette. Wenn die so erzielten Scheiben weiter verkleinert worden sind, z.B. durch Schlagstiftenmühlen, so folgen mehr oder weniger grosse Faserbüschel, welche noch manchmal ganze Knorren oder doch Reste derselben enthalten, welche, wie schon in früheren Berichten hervorgehoben worden ist, nur schwer verkocht werden können und daher von den anderen Holztheilen geschieden werden müssen. Um diese Aufgabe, soweit wie möglich, mechanisch zu lösen, werden heute meist Siebe verschiedener Form und Anordnung benutzt. Für diese Lösung finden wir einige neue Ausführungsformen. Robert Dietrich in Merseburg schlägt im D. R. P. Nr. 93212 einen Kegel vor, dessen Mantelfläche durch das Sieb gebildet ist, welches unmittelbar über die Beschickungsöffnung des Kochers gestellt ist. Unmittelbar auf dieses Sieb werden die zu sondernden Späne von einer Cyklone geworfen und zwar parallel zur Kegelachse. Das scheint bedenklich zu sein, weil dadurch das Sieb, auf welches das Siebgut senkrecht fallen sollte, nicht günstig ausgenutzt wird. Trotzdem die Vorrichtung durch ihre Einfachheit bestechen könnte, wird sie mangels Verlässlichkeit, so wie sie jetzt dasteht, schwerlich eine Zukunft haben. Textabbildung Bd. 308, S. 151 Fig. 28. Mechanischer Sortirapparat von Piette. Mehr ausgebildet, dafür wohl nicht so einfach, wie die eben erwähnte Vorrichtung, aber um so mehr angepasst den Erfordernissen einer sehr weitgehenden Sonderung der knorrenfreien und jener Stücke, welche noch Knorren anhängend haben, ist die mechanische Sortirung von Ludwig Piette in Pilsen nach D. R. P. Nr. 85978. Auch Piette geht von der Beobachtung aus, dass Stücke ohne Knorren relativ klein und geradlinig begrenzt sind, während die Stücke mit Knorrentheilen mehr klumpig und krummlinig begrenzt sind. Daher werden erstere durch geeignete Langschlitze treten können, letztere aber nicht. Damit ist es aber noch nicht genug. Es ist nämlich unvermeidlich, dass auch Stücke derselben Qualität (also mit, bezieh. ohne Knorren) sehr verschiedene Grösse haben und dementsprechend verschiedener Siebweiten bedürfen. Wenn man das nicht beachtet, wie es häufig, besonders auch bei der eben vorher erwähnten Vorrichtung der Fall ist, so kann es leicht geschehen, dass ein ziemlich massiges, reines Holzklümpchen durch dasselbe Sieb mit einem solchen Klümpchen geht, welches wenig Holz und viel von den Knorren besitzt. Demgemäss können wir von der mechanischen Sortirung durch Siebe hier nur dann Erfolg erwarten, wenn ungefähr gleichen Körperinhalt besitzende Stücke auf Sieben mit Längsschlitzen bestimmter Weite getrennt werden. Somit kommt es darauf an, Gruppen von ungefähr gleich grossen Stücken vorerst durch Siebe zu erzielen, welche nicht längliche, sondern runde oder polygonale Oeffnungen besitzen, und das Sortirgut von diesen dann auf Siebe mit Längsschlitzen zur endgültigen, zur Qualitätstrennung gelangen zu lassen. Eine Ausführungsform, welche diesen Betrachtungen entspricht, gibt Fig. 27 und 28. Die Sortirung nach der Grösse besorgen die über einander angeordneten Siebe a1 bis a6 . a1 besitzt die grössten Oeffnungen; dieselben werden dann von Sieb zu Sieb kleiner, bis zu a6, welches nur die hier noch unbrauchbaren Sägespäne durchfallen lässt. Weil sämmtliche Siebe durch Wackelstelzen d aus Holz gestützt und von Kurbelkröpfungen der Welle b durch Vermittlung von Stangen c geschüttelt werden, so gelangen die Holztheile, welche durch irgend eines der geneigten Siebe a1 bis a6 nicht durchfallen können, allmählich seitlich auf die Siebe e mit Längsschlitzen. Für diese schlägt Piette eine treppenrostartige Construction vor. Diese Siebe sind also gebildet aus Blechstreifen, welche sich schrägliegend übergreifen und Spalten bilden, durch welche nur Holzplättchen von einer gewissen Dicke gehen. Es soll sich gerade diese Anordnung für den vorliegenden Zweck besonders bewährt haben. Auch diese Blechstreifensiebe sind durch Wackelstelzen getragen und werden geschüttelt. Selbstverständlich muss jedes der Siebe a neben sich ein Sieb e bekommen. Dann folgen über jedem Siebe die knorrigen Bestandtheile, unter dem Siebe die durch die Längsschlitze gegangenen reinen Holzstücke, welche bezüglich je durch ein Transporttuch fortgeführt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 152 Fig. 29. Sortirapparat mit Hilfe von Wasser von Pedersen. Ein für diesen Zweck anscheinend noch nicht benutztes Princip verwendet Nils Pedersen in Borregard nach D. R. P. Nr. 85517: Sortirung mit Hilfe von Wasser. Sogar in Einzelheiten damit viel Aehnlichkeit zeigt das spätere amerikanische Patent Nr. 573981 an N. M. Jones und R. Talbot in Lincoln. Nehmen wir eine Skizze (Fig. 29) für die letztgenannte Ausführung, so erkennen wir Folgendes. Die zu trennenden Späne fallen über a1 in den mit Wasser gefüllten Trog a und werden durch das über die ganze Breite reichende Schaufelrad b untergetaucht. Bei Pedersen sind nach einander noch mehrere solcher Theile wie b vorhanden, was für den beabsichtigten Erfolg nur gut sein mag. Die von Knorren freien, specifisch leichteren Stücke steigen aber nach dem Eintauchen wieder empor an die Oberfläche, die specifisch schwereren, mit harzigen Knorrentheilen behafteten Stücke bleiben unten und werden von der im Wasser gemäss der eingezeichneten Pfeilrichtung sich bewegenden Transportvorrichtung e gegen rechts geschafft, fallen in den Kanal f, welcher diese Knorrenstücke zum Transporttuch g leitet, das diese Theile endlich aus der Flüssigkeit heraus in die Rinne g1 liefert. Die specifisch leichteren Stücke hingegen gelangen zum Tuche i, welches sie aus der Flüssigkeit hebt, dem Tuche j übergibt, das sie seinerseits in den Trichter k fallen lässt. Von diesem können dann die Späne in ebene Rüttelsiebe r geleitet werden, wo das überschüssige Wasser abtropfen kann. Die Durchfeuchtung der Späne wird mit Rücksicht auf den folgenden Kochprocess sogar willkommen geheissen. (Fortsetzung folgt.) Maschine zur Herstellung von Krausen und Rüschen von William Henry Holeywell in New York. Mit Abbildungen. Maschine zur Herstellung von Krausen und Rüschen. Diese Maschine ist dazu bestimmt, aus Mull, glattem Crêpe, Tüll, Seide und ähnlichen Stoffen Rüschen herzustellen, welche in Fig. 1 veranschaulicht sind, die also aus einem gefalteten Stoffstreifen bestehen, dessen Faltstelle zu gepressten Hohlgliedern ausgebildet ist. Textabbildung Bd. 308, S. 152 Maschine zur Herstellung von Krausen und Rüschen von William Henry Holeywell. Zur Erzielung solcher Rüschen ist die Maschine mit einer ruckweise bewegten, endlosen Kette ausgestattet, die eine entsprechende Anzahl von Matrizen trägt, welche sich unterhalb eines Tisches befinden. Durch Speisewalzen a wird das Material über die Matrizen gefördert und durch einen Tauchfuss b in diese hineingedrückt, während ein Druckfuss ein Herausreissen des bereits in den Matrizen befindlichen Stoffes verhindert. Zwei Plättcylinder c und d (Fig. 2) glätten die überragenden Materialstreifen, drücken dieselben platt und pressen mit Klebstoff versehene Fäden e seitlich an die so flach geplätteten Stofftheile an, wodurch nach Austritt aus der Maschine ein bandartig fortlaufendes Material gebildet ist, welches beiderseitig mit gummirten Fäden gesteift ist und dessen freistehende Theile die Formen der Matrizen aufweisen. Wegen der besonderen Form der Maschine verweisen wir auf die in die Einzelheiten eingehende Patentschrift. Farbstoffe. Ueber künstlich gefärbte Mineralfarben. Von Max Bottler. Ueber künstlich gefärbte Mineralfarben. In neuerer Zeit kommen im Handel nicht selten Mineralfarben vor, welche ihre meist feurige Färbung auf künstlichem Wege erhalten haben. Ueber die Zusammensetzung dieser Farben ist man in den Kreisen der Consumenten nur theilweise oder gar nicht unterrichtet; häufige unliebsame Verwechselungen waren eine Folge dieser Unkenntniss. Täuschungen hinsichtlich der Natur der künstlich gefärbten Mineralfarben waren um so eher möglich, als manche derselben unter Bezeichnungen in den Handel gebracht werden, welche leicht unrichtige Vorstellungen erwecken können. Abgesehen von einigen kurzen Bemerkungen wurde in der einschlägigen Litteratur über künstlich gefärbte Mineralfarben nichts veröffentlicht. Im Hinblicke auf die vorgenannten Verhältnisse erschien es angezeigt, um über die Beschaffenheit dieser Farben genauen Aufschluss zu erhalten, eine Anzahl derselben einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Es wurden zu diesem Zwecke untersucht: Carminette, Zinnoberersatz, Zinnoberroth, Chromzinnober, Carminzinnober, Granatroth, Purpurlackroth, Samtroth, Purpurroth und Ocker. Carminette stand in 10 Sorten mit 6 verschiedenen Nuancen und Bezeichnungen, Zinnoberersatz in 2 Sorten und 2 Nuancen, Zinnoberroth, Chrom- und Carminzinnober in je 1, Granatroth in 2 Sorten, Purpurlackroth in 3 Sorten und 3 Nuancen, Samtroth in 2 Sorten und 2 Nuancen, Purpurroth in 1 Sorte und Ocker in 6 Sorten und 4 Nuancen zur Verfügung. Bezüglich der Abscheidung und Isolirung der künstlichen Farbstoffe dürfte vor allem zu erwähnen sein, dass die Farben mit destillirtem Wasser und Alkohol (70 Proc.) in der Kälte und Wärme behandelt wurden. Erhielt man bei der Behandlung mit Wasser eine gefärbte Flüssigkeit, so wurde dieselbe auf dem Wasserbade zur Trockne verdampft. Auf den Rückstand liess man sodann Alkohol einwirken und verdampfte, wenn etwas gelöst wurde, ebenfalls zur Trockne. Ausserdem bediente man sich auch der von PernodBull. de la soc. industr. de Mulhouse, 1859 S. 231. angegebenen und der Lindinger'schenJahresberichte der chem. Technologie, 1881 S. 449. Methode des Aufstreuens auf Filtrirpapier und Glasplatten; bei den Azofarbstoffen benutzte man die Eigenschaft derselben, sich in concentrirter Schwefelsäure mit verschiedener Farbe zu lösen. Es erschien dies nöthig, da zum Färben meist ein Gemenge von organischen Farbstoffen Verwendung fand. Die isolirten Farbstoffe wurden in destillirtem Wasser oder in Alkohol aufgelöst. Die wässerigen Lösungen derselben behandelte man zunächst mit einigen Tropfen einer Tanninlösung, welche durch Auflösen von 15 g Tannin und 25 g essigsaurem Natrium in 250 cc destillirtem Wasser bereitet wurde, um zu ermitteln, ob ein basischer oder saurer künstlicher Farbstoff vorhanden war. Hierauf wurde mit Salzsäure und Zinkstaub reducirt und mit essigsaurem Natrium neutralisirt und geprüft, ob sich die ursprüngliche Farbe wieder einstellte. Nachdem man durch diese allgemeinen Reactionen gefunden hatte, zu welcher Gruppe von künstlichen Farbstoffen die zum Färben benutzten Stoffe gehörten, wurden die Glieder der Gruppe durch Specialreactionen ermittelt. Hierbei ergaben sich, da – wie oben schon bemerkt – öfters Farbstoffmischungen zum Färben dienten, manche Schwierigkeiten; letztere konnten durch Anwendung der Capillaranalyse grösstentheils behoben werden. In zweifelhaften Fällen wurden auch Färbeversuche mit Garnsträhnen von Wolle und Seide unternommen. A. Carminette. Die Sorte „Carminette gelb“ stellt ein schweres, feurig rothes Pulver dar, das mit destillirtem Wasser erwärmt eine rosafarbene Lösung mit schön grüner Fluorescenz liefert, während sich der weitaus grösste Theil desselben als in, Wasser unlöslich zu Boden setzt. Um den künstlich zugesetzten Farbstoff zu isoliren, wurde Carminette so lange zuerst mit destillirtem Wasser und dann mit Alkohol auf dem Wasserbade behandelt, bis dieselbe an diese Lösungsmittel nichts mehr abgab und man beim Filtriren ein farbloses Filtrat erhielt. Die Lösung des künstlichen Farbstoffes war stark rosaroth gefärbt und der unlösliche Rückstand besass eine hell orangerothe Farbe, weniger feurig wie vor dieser Behandlung. Beim Abdampfen der Farbstofflösung auf dem Wasserbade resultirte ein rothes Pulver mit hell gelblichgrünem Goldglanz. Nachdem man durch die oben angeführten allgemeinen Reactionen ermittelt hatte, dass der künstliche Farbstoff zur Gruppe der Phtaleïne gehörte, wurde das rothe Pulver in destillirtem Wasser aufgelöst und die erhaltene roth gefärbte und grün fluorescirende Flüssigkeit mit Salzsäure versetzt; es schieden sich nach kurzem Stehen gelbrothe Flocken aus. Natronlauge bewirkte in der Lösung keine Veränderung. Man behandelte sodann das Pulver mit concentrirter Schwefelsäure und erzielte eine gelbe Lösung, in welcher auf Zusatz von destillirtem Wasser ein gelbrother Niederschlag entstand. Da durch vorliegende Reactionen erwiesen wurde, dass der zum Färben benutzte Stoff nur wasserlösliches „Eosin gelblich“ war, ging man zur Prüfung des unlöslichen Rückstandes über. Letzterer nahm beim Uebergiessen mit Salzsäure unter Chlorentwickelung eine weisse Farbe an. Die erhaltene weisse krystallinische Masse war in viel heissem destillirtem Wasser löslich und aus der Lösung krystallisirte beim Erkalten ein Salz in weissen glänzenden Nadeln. Bei der Behandlung mit verdünnter Salpetersäure löste sich der rothe Rückstand unter Abscheidung eines dunkelbraunen amorphen Pulvers. Obwohl durch dieses Verhalten schon erkannt wurde, dass der unlösliche Theil von Carminette Mennige war, unterzog man denselben dennoch einer vollständigen Analyse, wodurch erwiesen wurde, dass derselbe thatsächlich nur aus dieser Bleiverbindung bestand. „Carminette gelb“ ist mithin Mennige, welche durch „Eosin gelblich“ gefärbt wurde. Die Sorte „Carminette blau“ war im Aussehen der „Carminette gelb“ ähnlich und verhielt sich auch bei der Behandlung mit destillirtem Wasser und Weingeist wie diese. Beim Abdampfen der etwas stärker bläulichrosaroth gefärbten Lösung erhielt man einen aus rothen und schwachbläulichrothen Schüppchen mit gelbgrünem Goldglanze bestehenden Rückstand. Letzterer wurde mit Wasser, Salzsäure, Natronlauge und Schwefelsäure – wie Carminette gelb – behandelt, wobei sich im Ganzen dieselben Reactionen ergaben. Zum Färben war mithin ein blaustichiges, wasserlösliches Eosin verwendet worden. Der in Wasser unlösliche und schwach dunkler roth wie bei „Carminette gelb“ gefärbte Theil der Farbe bestand aus Mennige. „Carminette blau“ ist mithin eine um eine Nuance dunkler (wie bei der vorigen Sorte) gefärbte Mennige, welche mit blaustichigem „Eosin gelblich“ gefärbt wurde. Die untersuchten übrigen Sorten, welche als „Carminette blauroth, röthlichgelb, feurigroth, feurigdunkel“ bezeichnet waren, bestanden sämmtlich aus Mennige, zu deren Färbung wasserlösliches Rose bengale, Eosin BN und Eosin B (auch in Mischung) benutzt wurden. Es kommen jedenfalls im Handel auch Carminettesorten vor, zu deren Auffärbung man andere wasserlösliche Alkalisalze der Phtaleïne, wie Erythrosin (rosenroth, blaustichig), Eosin B (alkohollöslich), Rose bengale [B] und Phloxin verwendet; die gelbste Nuance entsteht mit „Eosin gelblich [A]“, dann folgen alkohollösliches Eosin B, wasserlösliches Eosin B, wasserlösliches Eosin BN, Phloxin und Rose bengale. Letzteres gibt die blaueste Nuance, wie durch Versuche ermittelt wurde. Durch vorsichtiges Erhitzen von basischem Bleicarbonat und Färben der erhaltenen lebhaft gefärbten Orangemennige mit Eosinlösungen gelang es, einige Sorten von Carminette herzustellen. Es wurde zu diesem Zwecke die Orangemennige allmählich mit der Eosinlösung, in welcher auch etwas farbloses Dextrin aufgelöst war, durch inniges Zusammenreiben gemengt und dann die erhaltene Mischung getrocknet. Nachdem alle oben erwähnten Eosine wenig lichtecht sind, dürfte deren Anwendung zum Färben von Mineralfarben, von denen man erwartet, dass sie vollkommen luft- und lichtecht dargestellt werden, keineswegs unbedenklich erscheinen. B. Zinnoberersatz. Die als „Zinnoberimitation“ oder „Zinnoberersatz bläulich und gelblich“ bezeichneten und dem Zinnober in den Farben ähnlichen Sorten bestanden beide aus Mennige, welche künstlich gefärbt wurde. Für „Zinnoberersatzbläulich“ verwendete man sogen. Bleizinnober oder Bleiroth, eine Mennigesorte, die dem Zinnober bezüglich der Farbe sehr nahe steht; für „Zinnoberersatz gelblich“ wurde eine gelbere Sorte von Mennige – Orangemennige – benutzt. Die Abscheidung des zum Färben verwendeten künstlichen Farbstoffes geschah nach der bei Carminette angeführten Weise. Der erhaltene Farbstoff war von dunkel bräunlichrother Farbe mit schwach grünlichem Schimmer. Die Lösung desselben in destillirtem Wasser besass eine kirschrothe Farbe ohne Fluorescenz, die alkoholische Lösung erschien mehr gelbroth gefärbt mit schwach grünlichgelber Fluorescenz. In der wässerigen Lösung entstand auf Zusatz von Tanninlösung kein Niederschlag; es handelte sich mithin um einen sauren Farbstoff. Die mit Zinkstaub und Salzsäure reducirte wässerige Lösung war farblos und oxydirte sich nur wenig an der Luft. Die Reactionen zeigten an, dass bei der einen Sorte Zinnoberersatz behufs Färbung Rose bengale (Phtaleïne) und bei der anderen eine Mischung von Rose bengale mit etwas Cochenillescharlach 2R benutzt worden war. Letzteres wurde durch Capillaranalyse ermittelt. C. Zinnoberroth. Bei der Behandlung dieser Farbe mit kochendem Wasser und mit Alkohol ergab sich die Anwesenheit eines künstlichen Farbstoffes durch die Rothfärbung dieser Lösungsmittel. In der kirschrothen Lösung des isolirten Farbstoffes erzeugte Salzsäure einen gelbbraunen Niederschlag; mit Natronlauge behandelt, färbte sich die Lösung dunkler, wobei sich eine dunkelgrüne Fluorescenz zeigte. Von concentrirter Schwefelsäure wurde der Farbstoff mit gelber Farbe gelöst; beim Erwärmen dieser Lösung trat Bromgeruch auf, Wasser schied aus derselben einen gelbbraunen Niederschlag aus. Durch diese Reactionen wurde erwiesen, dass man zum Färben des Zinnobers oder rothen Schwefelquecksilbers, aus welchem die Farbe bestand, Methyleosin oder Primerose [DH] – Primerose à l'alcool – verwendete. D. Chromzinnober. Dieser erwies sich als reines Chromroth oder krystallinisches basisches Bleichromat. E. Carminzinnober. Dieser Zinnober besass eine feurig rothe Farbe; bei der Behandlung mit destillirtem Wasser und Alkohol ergab sich, dass kein künstlicher Farbstoff zum Auffärben benutzt wurde. Bei der chemischen Untersuchung fand man, dass diese Sorte aus rothem Schwefelquecksilber bestand, welchem etwas feines Englischroth – wahrscheinlich erzeugt durch Glühen von oxalsaurem Eisen – beigemengt war. F. Granatroth. Sorte α. Diese Farbe stellte ein feurig rothes, schweres Pulver dar, welches bei der Behandlung mit destillirtem Wasser und Alkohol (wie oben bemerkt) eine schön rothe, etwas ins Hellrothe ziehende Flüssigkeit lieferte. Bei dem Verdampfen der wässerigen Farbstofflösung auf dem Wasserbade erhielt man einen schön roth gefärbten und schwach grünlichgelb glänzenden Rückstand, der sich in Wasser mit rother und in Alkohol mit gelbrother Farbe löste. Die alkoholische Lösung des Rückstandes lieferte beim Verdampfen ein fast scharlachroth gefärbtes Pulver. Bei der Behandlung der wässerigen Lösung mit Tanninlösung bildete sich kein Niederschlag. Die wässerige Lösung des sauren Farbstoffes wurde mit Zink und Salzsäure reducirt und mit Natriumacetat neutralisirt. Auf Papier gegossen, kam die ursprüngliche Farbe nicht wieder zum Vorschein. Auf Platinblech verbrannte der Farbstoff langsam. Ein Stück ungeheiztes Baumwollengewebe wurde von der wässerigen Farbstofflösung in der Hitze gefärbt; die Färbung widerstand einer warmen Seifenlösung nicht. Diese Reactionen wiesen auf einen Azofarbstoff hin. Die schön rothe wässerige Lösung färbte sich mit Ammoniak schwach röthlichbraun und mit Schwefelsäure fuchsinroth; beim Verdünnen mit destillirtem Wasser wurde diese Lösung rein roth. Mit Chlorbarium entstand ein bräunlichrother Niederschlag, und Chlorcalcium erzeugte nach längerem Stehen einen rothen Niederschlag. Aus diesen Specialreactionen ergab sich die Anwesenheit von Coccin. Durch die früher erwähnten Versuche und mit Hilfe von Capillaranalyse gelang es, zu constatiren, dass Coccin zum Färben der Mineralfarbe Verwendung gefunden hatte. Der unlösliche Theil der untersuchten Farbe bestand nur aus einer lebhaft gefärbten Mennige. Granatroth – Sorte α – war mithin Mennige, welche mit Coccin gefärbt wurde. Sorte β. Diese Sorte bestand aus Orangemennige, zu deren Färbung man ein Gemenge von Ponceau benutzte. Aus den Specialreactionen und Versuchen ergab sich, dass zum grösseren Theile Ponceau 2 R, und 3 R verwendet wurde. In der Nuance unterschied sich Sorte β nur wenig von Sorte α. G. Purpurlackroth Sorte α, als „Purpurlackroth hell“ bezeichnet, war hell purpurfarben; Sorte β, „Purpurlackroth mittel“, und Sorte γ, „Purpurlackroth dunkel“, waren dunkler purpurroth gefärbt. Alle drei Sorten lösten sich in Salzsäure mit gelber Farbe; die Lösung erschien getrübt. Mit Natronlauge behandelt, erhielt man violettrothe Lösungen. Beim Glühen hinterliessen alle drei Farben ziemlich viel Asche. Diese Reactionen wiesen auf eine rothe Lackfarbe hin. Bei der Untersuchung ergab sich auch, dass diese drei Farben mit Rothholzextract – durch Fällung der wässerigen, mit Alaun versetzten Extractlösungen mit Soda – erzeugte Lackfarben darstellten. H. Purpurroth. Die als „Purpurroth hell“ bezeichnete Sorte war von hell purpurrother Farbe. Mit destillirtem Wasser behandelt, löste sich besonders in der Wärme etwas mehr von dem künstlichen Farbstoffe und man erhielt eine bläulichrothe Lösung, welche beim Abdampfen auf dem Wasserbade einen rothen, grünlich goldglänzenden Rückstand lieferte. Bei der Behandlung mit Alkohol (70 Proc.) wurde eine dunkelrothe Lösung erzielt, und der beim Verdampfen derselben erhaltene Rückstand war dunkelroth-braun und besass grünlichen Metallglanz. Nachdem man constatirt hatte, dass der zugesetzte Farbstoff basischen Charakter besass, wurde mit Zink und Salzsäure reducirt und mit Natriumacetat neutralisirt. Auf Filtrirpapier gebracht, erschien nach der Oxydation die ursprünglich rothe Färbung wieder. Bei Vornahme der Specialreactionen ergab sich, dass Fuchsin vorhanden war. „Purpurroth hell“ wurde schliesslich auch als eine Lackfarbe erkannt, zu deren Herstellung man Rothholzextract mit etwas Fuchsinzusatz verwendet hatte. I. Samtroth. Sorte α. Diese Sorte stellte ein rothbraunes Pulver dar, welches, mit destillirtem Wasser behandelt, an dieses in der Wärme etwas rothen Farbstoff abgab. Bei der Behandlung mit Alkohol erhielt man eine schön violettrothe Lösung, während der unlösliche Theil der Farbe als braunes Pulver zurückblieb. Der bei dem Abdampfen der wässerigen Farbstofflösung zurückbleibende Rückstand wurde als Anilinroth (Fuchsin) erkannt. Den in Wasser unlöslichen Theil des künstlich zugesetzten Farbstoffes behandelte man mit destillirtem Wasser und etwas Natronlauge (5 Proc). Nachdem er sich hierbei nicht löste, liess man Alkohol (70 Proc.) in der Wärme einwirken, wobei eine nicht fluorescirende Lösung erhalten wurde. Bei der Behandlung dieser Lösung mit 33procentiger Natronlauge ging die blaue Färbung derselben in Rothbraun über. Die blaue alkoholische Lösung wurde auf Zusatz von Salzsäure grünlich und durch Natronlauge bräunlich gefärbt. In Schwefelsäure war der Farbstoff mit röthlichbrauner Farbe löslich. Aus diesen Reactionen ergab sich, dass der in Alkohol lösliche Theil des künstlich zugesetzten Farbstoffes spritlösliches Rosanilinblau (Triphenylrosanilinblau) war. Das in Wasser und Alkohol unlösliche braune Pulver gab mit Salzsäure behandelt eine gelbe Lösung; durch die Analyse fand man, dass es aus einem braun gefärbten Eisenoxyd bestand. Samtroth, Sorte α, wurde mithin als Eisenoxyd erkannt, welches man durch ein Gemenge von Rosanilinblau mit etwas Fuchsin gefärbt hatte. Die Anwesenheit der genannten künstlichen Farbstoffe ergab sich auch aus den anderen, früher erwähnten Versuchen. Sorte β. Diese Farbe erschien um eine Nuance dunkler braunroth gefärbt wie die vorige. Sie bestand ebenfalls aus einem braunen Eisenoxyd, das mit rothstichigem Anilinblau (Diphenylrosanilinblau) mit nur wenig Fuchsin gefärbt worden war. K. Ocker. Der untersuchte Goldocker oder Satinocker, welchen man als „goldgelb, lichtgelb, röthlichgelb, feurig dunkel und ganz dunkel“ bezeichnet hatte, bestand nur aus mineralischen Bestandtheilen. Nachdem in Consumentenkreisen besonders die Ockersorten als „aufgefärbt“ angesehen werden, dürfte die durch diese Untersuchung einiger Sorten festgestellte Thatsache ihrer Echtheit deshalb nicht unwichtig erscheinen, weil dieselben von sechs verschiedenen Firmen bezogen wurden. Hinsichtlich der zur künstlichen Färbung von Mineralfarben benutzten Eosine ist schon oben deren geringe Lichtechtheit hervorgehoben worden; Färbungen mit Fuchsin, von dem man reine Sorten – Diamantfuchsin und Fuchsin mit Blaustich – verwendete, verblassen am Lichte. Dasselbe ist von dem spritlöslichen Anilinblau (Rosanilinblau), von welchem auch die rothstichige Sorte zur Anwendung kam, zu erwähnen. Wenn man wirklich künstliche organische Farbstoffe zum Schönen benutzen will, so sollten doch lichtechtere gebraucht werden; in letzterer Beziehung würden die ziemlich lichtechten Rhodamine, dann Methylen- und Meldolablau, die sehr lichtecht sind, den Vorzug verdienen. Gegen die Verwendung der Ponceau, Coccine und Scharlache, welche grösstentheils in Bezug auf Lichtechtheit der Cochenille, an deren Stelle sie getreten sind, nicht nachstehen, lässt sich weniger einwenden. Nachdem durch vorliegende Untersuchungen erwiesen wurde, dass zur Färbung der verschiedenen Sorten von Carminette, Samtroth, Purpurroth, Zinnoberroth und Zinnoberersatz auch solche künstliche organische Farbstoffe Anwendung finden, deren Verblassen am Lichte leicht eintreten kann, wird man in der Praxis veranlasst sein, diese Thatsachen entsprechend zu berücksichtigen. Carminette benutzt man häufig, mit Terpentin und englischem Lack angemacht, als Wagenfarbe, ebenso Zinnoberroth und Zinnoberersatz. Als Bleifarben dürfen Carminette, Zinnoberersatz und Granatroth zum Bemalen von Spielwaaren u.s.w. nicht verwendet werden. Statistik. Die Erfindungsthätigkeit im J. 1897. Die Erfindungsthätigkeit im J. 1897. Die wiederholt zum Ausdrucke gebrachte Vermuthung, dass die Erfindungsthätigkeit jetzt eine gewisse Constanz erreichen werde, ist auch diesmal nach Ausweis der soeben erschienenen Statistik des kaiserl. Patentamtes über den Geschäftsbetrieb im verflossenen Jahre nicht bewahrheitet. Auch diesmal ist wieder ein Zuwachs der Ziffer von Patentanmeldungen zu verzeichnen gewesen, und zwar ein Zuwachs, wie er so bedeutend selbst nach der dreijährigen Abnahme der Anmeldungen (1886 bis 1888) im J. 1889 nicht vorhanden war. Die Zahl der Patentanmeldungen ist nämlich von 16486 im J. 1896 auf 18347 im J. 1897 gestiegen. Selbstverständlich ist diese beträchtliche Steigerung weniger in einer höheren Bewerthung des Patentwesens an sich begründet, als vielmehr in der rastlosen Beschäftigung der Industrie, deren Thätigkeit ihre Rückwirkung auf die Erfindungsthätigkeit äussert. Zwischen der Industrie und der Erfindungsthätigkeit besteht ein derart inniger Zusammenhang, dass die in die Erscheinung tretenden Aeusserungen ihrer Regsamkeit gemeinsame und gleichartige Gestaltung zeigen werden. Eine gesteigerte Beanspruchung des Patentamtes wird stets einen Gradmesser für die Beschäftigung und den Entwickelungstrieb der Industrie bilden. Unter diesem Gesichtspunkte müssen wir dem Patentamte eine weitere stetige Steigerung seines Arbeitsgebietes wünschen. Die Zahl der Patentanmeldungen ist in ununterbrochenem Wachsen begriffen. Im J. 1897 waren 5221 oder 40 Proc. mehr Anmeldungen als im J. 1892 zu vermerken. Gegenüber dem Vorjahre weist das Jahr 1897 eine Steigerung von 1861 oder 11 Proc. auf. Ein so hochgradiges Anwachsen von einem Jahr auf das andere ist bisher in dem reichsdeutschen Patentwesen überhaupt noch niemals beobachtet worden. Die Steigerung der Anmeldungen macht sich wesentlich auf den Gebieten des Fahrrad- und Hüttenwesens, der Elektrotechnik und Gasbeleuchtung, der Maschinenelemente und Textilindustrie bemerkbar. Die Mehranmeldungen gegenüber dem Vorjahre stellen sich demgemäss in den bezüglichen Klassen wie folgt: Kl. 63. Sattlerei, Wagenbau und Fahrräder 515 „ 21. Elektrische Apparate und Maschinen 208 Kl. 26. Gasbereitung und Beleuchtung 73 „ 47. Maschinenelemente 72 „ 52. Nähmaschinen 52 „   8. Bleichen 44 „ 76. Spinnerei 32 „ 86. Weberei 32 Den Hauptantheil hieran hat ersichtlich die Fahrrad- und verwandte Industrie, welche an dem diesjährigen Mehr mit 27 bis 28 Proc. betheiligt ist und sich vom Jahre 1892 mit 405 Anmeldungen zu 1897 im J. 1897 aufgeschwungen hat. Gegenüber der aufsteigenden Richtung der Anmeldungen zeigen die Bekanntmachungen und die Patentertheilungen die absteigende Tendenz, und zwar gegenüber dem Ausgangsjahre 1892 um 14 bezieh. 8 Proc. Die absolute Zahl war 6205 im J. 1896 und 5925 im J. 1897. Insgesammt sind von den 222046 seit 1877 angemeldeten Erfindungen nur 106 683 zur Auslegung gelangt, während nur 96190 zur endgültigen Patentertheilung führten, so dass noch 5468 Anmeldungen nach der Bekanntmachung der Zurückweisung auf Grund von Einsprüchen u. dgl. verfielen. Die Zahl der in den Jahren 1896 und 1897 ertheilten Patente war die gleiche, nämlich 5410; während jedoch 1896 noch 228 bekannt gemachte Anmeldungen der nachträglichen Zurückweisung verfielen, ging diese Zahl 1897 auf 193 zurück. In diesen Zahlen macht sich die Prüfungsarbeit des Patentamtes bemerkbar, so dass die Annahme berechtigt ist, dass die wirklich zur Ertheilung gelangenden Patente eine gewisse Unanfechtbarkeit ihres Erfindungscharakters besitzen und unter diesem Gesichtspunkte auch eine wesentliche technische Bedeutung besitzen. Ueber die Anfechtungen dieser ertheilten Patente wird weiter unten berichtet werden. Die Zahl der in Kraft stehenden Patente hat stetig zugenommen, am Schlusse des Jahres 1897 das neunzehnte Tausend überschritten (19334) und weist gegenüber den Jahren 1892 und 1893 einen Zuwachs von 22 bezieh. 12 Proc. auf. Insgesammt sind seit der Geltung des deutschen Patentgesetzes in den 20 verflossenen Jahren 96190 Patente ertheilt. Das laufende Jahr wird die Zahl auf mehr denn 100000 erhöhen. Nahezu 80 Proc. der ertheilten Patente sind bereits abgelaufen oder erloschen. 69 Patente sind nach ihrem Erlöschen noch für nichtig erklärt, insgesammt sind 374 Patente ganz vernichtet und 40 ganz zurückgenommen worden. Danach kommen auf je 258 ertheilte Patente 1 vernichtetes und auf je 2346 ertheilte Patente 1 zurückgenommenes Patent. Aus der folgenden Zusammenstellung über die Betheiligung der einzelnen Industriezweige an der Erfindungsthätigkeit lässt sich erkennen, dass eine ausserordentliche Regellosigkeit herrscht, deren Ursache aber wohl zumeist in dem Grade der jeweiligen gewerblichen Thätigkeit liegt. Betheiligung einzelner Industriezweige an der Erfindungsthätigkeit. Industriezweig Patent- Er- theilungen Löschungen Anmeldungen Ertheilungen 1896 1897 1896 1897 von 1877 bis 1897   1) Bergbau und Hüttenwesen (Kl. 1, 5, 18, 40)   199   229   88   98   2129 1716   2) Metallbearbeitung (Kl. 7, 31, 48, 49, 67, 68, 69, 87) 1003 1126 402 405   7164 5663   3) Kraftmaschinen, Dampfkessel und Regulatoren, Maschinen-       elemente (Kl. 13, 14, 46, 47, 60, 88) 1307 1437 341 392   8800 7313   4) Bekleidungsindustrie (Kl. 3, 8, 25, 29, 41, 52, 71, 76, 86) 1247 1428 497 470   8224 6525   5) Nahrungs- und Genussmittel (Kl. 2, 6, 17, 23, 50, 53, 66, 79, 89)   979   766 317 247   5910 4951   6) Hochbau, Heizung und Beleuchtung (Kl. 4, 10, 26, 27, 36, 37) 1458 1598 289 316   6253 5216   7) Chemische Industrie (Kl. 12, 16, 22, 62, 75, 78)   974   987 424 430   5208 2720   8) Vervielfältigende Kunst, Schreib- und Zeichengeräthe (Kl. 11,       15, 57, 70)   644   666 229 214   3944 3310   9) Papiererzeugung (Kl. 54, 55)   242   260 118 113   1579 1168 10) Beförderungsmittel (Kl. 19, 20, 56, 63, 65, 81) 2465 3839 529 944 11041 8750 11) Elektrotechnik (Kl. 21)   723   931 211 230   3557 2691 12) Gesundheitspflege (Kl. 30)   331   370 137   97   1428 1132 13) Thon- und Glasindustrie (Kl. 32, 80)   392   473 122 105   1935 1499 14) Instrumente und Uhren (Kl. 42, 83)   586   670 274 227   4752 4021 15) Landwirtschaft (Kl. 45)   503   493 188 166   3488 2929 16) Haus- und Handgeräthe (Kl. 33, 34, 44) 1036 1021 285 293   5901 5208 17) Holzindustrie (Kl. 38, 39, 43)   257   281   73   90   1923 1591 18) Musikalische Instrumente (Kl. 51)   196   208   96   84   1789 1542 19) Wasserhebung (Kl. 59)   107     96   38   33     856   728 20) Schusswaffen (Kl. 72)   210   199 121 116   1850 1397 21) Wasserbau und Wasserleitung (Kl. 84, 85)   231   237   83   89   1573 1271 22) Schankgeräthschaften (Kl. 64)   390   421   75   96   2026 1757 23) Feuerungsanlagen (Kl. 24)   261   324 141 105   1179   806 24) Sport (Kl. 77)   257     99 256   82   1648 1448 Die einzelnen Klassen, namentlich diejenigen, in welchen die Anmeldungen weniger zahlreich sind, zeigen eine weit günstigere Verhältnisszahl als der Gesammtdurchschnitt. Am günstigsten ist das Verhältniss in der Klasse Soda und chemische Grossindustrie (75), wo in steigender Richtung das letzte Jahr einen Satz von 58 Ertheilungen auf 100 Anmeldungen zeigt. Am ungünstigsten stellt sich das Verhältniss mit 12,6 Proc. in der Kl. 26 (Gasbereitung und -beleuchtung). Insgesammt betrachtet weist die Kl. 34 (Hauswirthschaftliche Geräthe) die grösste Zahl der Anmeldungen seit 1877 auf, nämlich 10419, noch sechs andere Klassen: 20 Eisenbahnbetrieb, 21 Elektrische Apparate und Maschinen, 42 Instrumente, 45 Land- und Forstwirthschaft, 47 Maschinenelemente und 63 Sattlerei, Wagenbau und Fahrräder, haben je mehr als 7000 Anmeldungen. Ihnen gegenüber stehen drei Klassen mit weniger als insgesammt je 200 Anmeldungen: 43 Korbflechterei, 62 Salinenwesen und 73 Seilerei. Der Werth und die Bedeutung der ertheilten Patente lässt sich zwar keineswegs immer, aber doch bis zu einem gewissen Maasse aus ihrer Dauer ermessen. Die Höhe der Zahl der erfolgten Löschungen der ertheilten Patente gibt daher einen gewissen Anhalt für die Bewerthung der einzelnen Patentrechte. Je höher der Procentsatz der am Schlusse des Jahres 1897 noch in Kraft gebliebenen Patente in den einzelnen Klassen ist, für um so bedeutender in wirthschaftlicher Hinsicht werden regelmässig die darin ertheilten Patente erachtet werden müssen. Diese Regel wird naturgemäss durch eine Reihe von Factoren in einzelnen Klassen aufgehoben oder beeinflusst werden, im Allgemeinen wird sie aber gelten dürfen. Bei der hiernach aufgestellten Berechnung ergibt sich, dass die grösste Zahl der am Schlusse des Jahres 1897 in Kraft befindlichen Patente die Kl. 22 (Farbstoffe) aufweist, nämlich fast 58 Proc., die geringste die Kl. 87 (Werkzeuge), 5,7 Proc. Der allgemeine Durchschnitt beträgt 20,1 Proc. Zur Vergleichung seien hier noch die Berechnungen für einzelne Klassen geboten: Kl. 12 (Chemische Verfahren und Apparate) 49,9 Proc. Nur die der Chemischen Industrie zugehörigen Kl. 12 und 22 weisen diese hohen Zahlen auf. Die nächst hohen Kl. 53 (Nahrungsmittel) und 24 (Feuerungsanlagen) machen sofort einen starken Sprung nach unten mit 32,6 und 31,6 Proc. Uebersicht über die ertheilten und noch nicht erloschenen Patente nach der Dauer ihres Bestehens. An ertheilten und noch nicht erloschenen Pa- tenten waren vorhanden Davon befinden sich im Schutzjahre 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Ende 1897                Anzahl 19334 966 4146 3399 2647 2024 1644 1221 883 670 437 345 304 263 208 177 Die vorstehende Uebersicht lässt erkennen, im wie vielten Schutzjahre sich die am Schlusse des Jahres 1897 noch in Kraft stehenden Patente befinden. Es wird dadurch die bekannte Thatsache bestätigt, dass nur der kleinere Theil der Patentrechte das vierte Jahr überdauert, in dem Berichtsjahre 8176 oder 42 Proc. Das achte Jahr haben nur 3287 oder 17 Proc. erreicht. Beschwerde-Statistik. Im J. 1896 waren 2022 Beschwerden erhoben (§ 26 des Pat.-Ges.), hiervon gelangten aber nur 1923 zur geschäftlichen Behandlung, da der Rest wegen Nichtzahlung der Gebühren keinen Verfolg fand oder förmlich zurückgezogen wurde. Nun befanden sich am Jahresschlusse noch 55 Beschwerden im Geschäftsgange, so dass 1868 erledigt worden sind. Von diesen wurden 1534 vor Bekanntmachung der Anmeldung erhoben und 334 nach der Bekanntmachung. Es wurden hiervon 500 Beschwerden ganz oder theilweise anerkannt, 1301 zurückgewiesen, 34 in die Vorinstanz zurückverwiesen. Von allen Beschwerden führten somit rund 70 Proc. zur Abweisung. Die Statistik gibt noch eine Uebersicht über die in den einzelnen Patentklassen erhobenen Beschwerden, ohne jedoch auf den Erfolg im Einzelnen einzugehen. Aus dieser Uebersicht geht hervor, dass die Zahl der Beschwerden in 1897 gegenüber der in 1893 den nämlichen Zuwachs von etwa 40 Proc. zeigt, wie ihn die entsprechende Zahl der Anmeldungen gegenüber gezeigt hat. Das Verhältniss der Beschwerdeeinlegungen zu den Anmeldungen stellt sich daher allgemein wie 1 : 8. Das Verhältniss der Beschwerdeeinlegungen zu den erstinstanzlichen Beschlüssen der Anmeldeabtheilungen ist dagegen ein höheres, da ein nicht unerheblicher Theil der Anmeldungen bereits, bevor er zum Beschlusse in den Anmeldeabtheilungen gelangte, durch Vorbescheid, Zurücknahme oder in anderer Weise zur endgültigen Erledigung gelangt. Man wird annehmen dürfen, dass etwa jeder fünfte oder sechste Beschluss der Anmeldeabtheilungen zur Beschwerde führt. Was den Erfolg dieses Rechtsmittels anlangt, so betrugen die auf Abweisung lautenden Beschlüsse der Beschwerdeabtheilungen: 1894 62,89 Proc. aller Beschwerden 1895 67,60 „ „ „ 1896 69,65 „ „ „ Diese Zahlen weisen eine langsame Steigerung der Abweisungen auf, welche im J. 1896, dem letzten für die Statistik zugänglichen, nahezu 70 Proc. erreicht haben. Von 50 bis 60 Beschlüssen der Anmeldeabtheilungen führen also 3 zu einer anderweiten Beurtheilung in der Beschwerdeinstanz. Diese anderweite Beurtheilung bedeutet übrigens nicht immer die Anerkennung eines Irrthums der ersten Instanz oder einen bleibenden Erfolg des Beschwerdeführers. In ersterer Hinsicht ist zu beachten, dass zu den anerkannten Beschwerden auch diejenigen Fälle gehören, in welchen der Beschwerdeführer sich erst in der Beschwerdeinstanz zum Eingehen auf die als berechtigt anerkannten Forderungen der ersten Instanz hinsichtlich der Theilung der Anmeldungen, der Beschränkung der Ansprüche und ähnliches versteht. Rechnet man die Zahl dieser statistisch bislang nicht controlirten Fälle von der Zahl der als anerkannt bezeichneten Beschwerden ab, so dürften sich diese um etwa 5 Proc. verringern, so dass ungefähr ein Viertel aller Beschwerden als erfolgreich zu betrachten wäre. Ausserdem kommt in Betracht, dass von den auf Beschwerde bekannt gemachten Anmeldungen führten: insgesammt zur Ertheilung zur Versagung 1894   419   378   41 1895   410   378   32 1896   376   345   31 ––––– ––––– ––––– 1205 1101 104 Es ergibt sich also, dass in 9 Proc. der Fälle, in welchen eine Anmeldung auf Beschluss der Beschwerdeabtheilungen bekannt gemacht worden ist, diese Bekanntmachung doch schliesslich zur Versagung des Patentes geführt hat. Schliesslich ist zu bemerken, dass von den Beschwerden gegen den Abweisungsbeschluss (§ 22 des Pat.-Ges.) 28 Proc., von denen gegen den Versagungsbeschluss 37 Proc. anerkannt sind. Aus der Gesammtsumme von 1980 Nichtigkeitsanträgen, welche im Laufe von 20 Jahren gestellt sind, ergibt sich, dass jedes 48. bis 49. Patent angefochten ist. Fast ein Drittel aller Klagen erledigt sich durch Zurücknahme vor der Entscheidung. Von den bisher rechtskräftig gewordenen 1240 Entscheidungen lauteten 47 Proc. auf Abweisung, 30 Proc. auf gänzliche und 23 Proc. auf theilweise Vernichtung. Fast jede dritte Entscheidung des Patentamtes wird mit der Berufung angegriffen, in der überwiegenden Anzahl der Fälle aber ohne Erfolg. Von den im J. 1897 auf ganze oder theilweise Vernichtung lautenden Urtheilen stützte sich die Entscheidung in 14 Fällen auf druckschriftliche Veröffentlichung, in 5 Fällen auf Collision mit einem bestehenden anderweiten Patentrechte, in je 7 bezieh. 6 Fällen auf offenkundige Vorbenutzung und Verneinung des Vorliegens einer Erfindung und in 1 Falle auf widerrechtliche Entnahme. Auf je 587 ertheilte Patente entfällt ein Zurücknahmeantrag. Durchgeführt ist das Verfahren nur in 86 Fällen und es hat nur in 41 Fällen Erfolg gehabt. Die Zurücknahme ist bisher stets nur auf Grund des § 11 Ziffer 1 des Pat.-Ges., noch niemals auf Grund des § 11 Ziffer 2 l. c. ausgesprochen. Die Zahl der Einsprüche ist seit 1893 in beständigem Sinken begriffen; ebenso die Zahl der Patentanmeldungen, gegen welche Einspruch erhoben worden ist. Im letzten Jahrfünft erfuhr im Durchschnitte jede siebente bekannt gemachte Anmeldung Einspruch, zum Theil von mehreren Seiten und unter mehreren verschiedenen Gesichtspunkten. Noch nicht der vierte Theil der durch Einsprüche angegriffenen Anmeldungen führte zur völligen Versagung des Patentes. Von den Einsprechenden sind in die Beschwerdeinstanz gegangen: 1894 246 1895 250 1896 247 Von den im J. 1897 endgültig erledigten 16509 Anmeldungen sind erledigt durch Vorbescheid 1947, rund 11,8 Proc. durch abweisenden oder versagen-     den Beschluss der Anmeldeabthei-     lungen 5779 „ 35,0 „ durch Beschluss der Beschwerde-     abtheilungen 1259 „   7,6 „ durch Patentertheilung 5440 „ 33,0 „ durch andere Art (Verzicht u.s.w.) 2084 „ 12,6 „ Die Zahl der Gebrauchsmusteranmeldungen stieg von 19090 im J. 1896 auf 21329 im J. 1897, so dass insgesammt 95592 Gebrauchsmuster zur Anmeldung gelangten. Der Gebrauchsmusterschutz erfreut sich einer stetig wachsenden Beliebtheit. Mit Rücksicht auf seine Bestimmung für im Modelle darstellbare Gebrauchsgegenstände ist es natürlich, dass die Klassen der Chemischen Industrie (12, 22 und 75), welche im Patentwesen eine so hervorragende Rolle spielen, im Gebrauchsmusterwesen nahezu verschwinden und insgesammt nur mit 453 Anmeldungen vertreten sind. Auf der anderen Seite erscheinen fünf Klassen in der nämlichen Bedeutung für das Gebrauchsmusterwesen wie für das Patentwesen. Es sind dies die Klassen: Hauswirthschaftliche Geräthe (34) mit     insgesammt 10283 Anmeldungen Instrumente (42) mit insgesammt 3062 „ Sattlerei, Wagenbau, Fahrräder (63)     mit insgesammt 5137 „ Schankgeräthe (64) mit insgesammt 3323 „ Sport (77) mit insgesammt 3369 „ Die Wirthschaftsgegenstände des täglichen Hausgebrauches stellen überhaupt das grösste Contingent aller Anmeldungen mit fast 11 Proc., ihnen schliesst sich die Fahrradindustrie an, welche insgesammt fast 6 Proc. stellt und sich, entsprechend dem im Patentwesen beobachteten Vorgange, von 204 Anmeldungen in 1892 auf 1920 im J. 1897 aufgeschwungen hat. Mehr als 3000 Anmeldungen haben ausser den oben genannten fünf Klassen noch die ferneren vier zu verzeichnen: Bekleidungsindustrie (3) insgesammt 3917 Anmeldungen Gesundheitspflege (30) insgesammt 3197 „ Hand- und Reisegeräthe (33) insge-     sammt 3241 „ Land- und Forstwirtschaft (45) ins-     gesammt 3733 „ Diese neun Klassen zusammen; in welchen sich vorwiegend die kurzlebigen Formenneuerungen an Modellen vereinigen, haben 41 Proc. aller Anmeldungen gestellt. 19 fernere Klassen zählen mehr als 1000 Anmeldungen, 43 weniger als 500 und 18500 bis 1000 Anmeldungen. Die Zahl der Waarenzeichenanmeldungen ist in den drei Kalenderjahren 1895, 1896, 1897 mit bezieh. 10736, 10882 und 10477 Anmeldungen nahezu gleich geblieben. Da der Antheil der zur Uebertragung aus den gerichtlichen Rollen angemeldeten Zeichen hieran ein stetig abnehmender ist, so ist bis jetzt die Zahl der Neuanmeldungen im stetigen, langsamen Steigen begriffen. In den einzelnen Waarenklassen zeigt die Veränderung der Zahl der Anmeldungen ein recht verschiedenes Bild. Die Kl. 4 (Beleuchtungs- u.s.w. Geräthe), 14 (Garne), 23 (Maschinen), 26 c (Colonialwaaren), 27 (Papier) und 42 (Sammelwaaren) ergeben wie die Gesammtzahl eine im Wesentlichen gleichbleibende Zahl von Anmeldungen. Ein ziemlich stetiges, theilweise starkes Anwachsen der Anmeldungen ergibt sich für die Kl. 2 (Arzneimittel), 10 (Fahrräder), 22 (Apparate), 25 (Musikinstrumente), 26 d (Zuckerwaaren), 34 (Parfümerien) und 38 (Tabakwaaren). In den Kl. 9 (Metallwaaren), 11 (Farbwaaren), 16 (Getränke), 32 (Schreibgeräthe) und 36 (Zündwaaren) macht sich eine theilweise erhebliche Abnahme bemerklich. Vielfach liegt eine grössere Anzahl Anmeldungen für einen und denselben Geschäftsbetrieb vor. So haben im Ganzen 45 Firmen jede mehr als 50 Anmeldungen eingereicht, davon sind 5 (1 Anilinfabrik, 1 Tabakfabrik, 1 Bleistiftfabrik und 2 Exportgeschäfte) mit 100 bis 200 und 2 (2 Anilinfabriken) mit mehr als 200 Anmeldungen betheiligt. Von den 42876 überhaupt zur Anmeldung gelangten Waarenzeichen sind zu Ende des Berichtsjahres 38844 endgültig erledigt, hiervon 28387 (73 Proc.) durch Eintragung, 10457 (27 Proc.) durch Abweisung oder Zurücknahme. Die Zahl der Eintragungen ist in stetigem Abnehmen begriffen, während die Abweisungen und Zurückziehungen ein entsprechend stetiges Zunehmen aufweisen. So wurden von je 100 im J. 1894 überhaupt erledigten Anmeldungen 93 durch Eintragung erledigt, 1895 entfielen 85, 1896 nur 71 und 1897 nur 59 Eintragungen auf 100 überhaupt erledigte Anmeldungen. Dies ist theils darauf zurückzuführen, dass zu Anfang fast nur die eintragungsreifen Sachen sogleich zur Erledigung gelangen konnten, theils darauf, dass neue Anmeldungen um so leichter mit älteren Zeichen in Collision gerathen, je mehr Zeichen eingetragen stehen. Von den Zeichen des alten Rechts sind bis zum Ende des Berichtsjahres 10077 zur Eintragung gekommen, d. i. nahezu die Hälfte der bei Inkrafttreten des neuen Gesetzes noch nicht gelöschten alten Zeichen. Bei der Uebertragung ist in 183 Fällen dem Patentamte gegenüber der Nachweis geführt, dass das Zeichen seiner Zeit auf Grund eines vor dem Jahre 1875 liegenden landesgesetzlichen Schutzes eingetragen war. Hiervon entfallen 61 Zeichen auf Rheinland-Westfalen und betreffen Eisen- und Stahlwaaren, 33 Zeichen entfallen auf Bayern und 89 auf Elsass-Lothringen. Die Zahl der landesgesetzlich geschützten Zeichen ist ohne Zweifel grösser, der Nachweis ist im Allgemeinen nur dann geführt, wenn ohne einen solchen der Eintragung Schwierigkeiten entgegenstanden. Fasst man einzelne grössere Industriegruppen zusammen, so ergeben sich folgende Ziffern: Waarengruppe Eintragungen Abweisungen und Zurückziehungen Von je 100 erledigten Anmeldung sind Ein- tragungen im Jahre Zu- sammen im Jahre Zu- sammen 1894 1895 1896 1897 1894 1895 1896 1897 A. Nahrungs- und Genuss-      mittel B. Metallwaaren C. Textilwaaren D. Chemische Industrie E. Sonstige Waaren   542   401   109   238   206   3504   2601   1259   2600     994 3439 1377   896 2144 1025 2741 1240   570 1711   790 10226   5619   2834   6693   3015   37   30   17   10   18   814   398   186   411   135 1305   574   276   969   428 1940   951   349 1083   526 4096 1953   828 2473 1107 71 74 77 73 73 Insgesammt 1496 10958 8881 7052 28387 112 1944 3552 4849 10457 73 Bei den Eintragungen ist es von Interesse, die Zeichen des alten Rechts (die Uebertragungen) von den neu zur Anmeldung gelangten Zeichen zu trennen und den Antheil zu ersehen, den die erst durch das neue Gesetz zugelassenen reinen Wortzeichen an den Eintragungen haben. Für die vorgenannten Waarengruppen ergeben sich die folgenden Zahlen: Waarengruppe Eintragungen Von 100 Ein- tragungen sind neue Zeichen Alte Zeichen Neue Zeichen Ueber- haupt Bild Wort Zu- sammen A. Nahrungs- und      Genussmittel B. Metallwaaren C. Textilwaaren D. Chemische In-      dustrie E. Sonstige Waaren   2855   2414   1432   2373   1003   4687   1963   1121   2401   1277 2684 1242   281 1919   735   7371   3205   1402   4320   2012   10226     5619     2834     6693     3015 72 57 49 65 66 Zusammen 10077 11449 6861 18310 283871 65 Hiernach belauft sich der Antheil der neuen Zeichen an den Eintragungen überhaupt bei den Nahrungs- und Genussmitteln bereits auf 72 Proc., während er bei den Metallwaaren nur 57, bei den Textilwaaren gar nur 49 Proc. beträgt. Bei diesen beiden Waarengruppen erscheint sonach bis jetzt, da die Abweisungen verhältnissmässig nicht viel höher sind, das Bedürfniss nach der Wahl neuer Zeichen ein relativ geringeres zu sein. Die reinen Wortzeichen vertheilen sich auf die einzelnen Jahre wie folgt: Waarengruppe Neue Wortzeichen Von 100 Neu- eintragungen sind Wortzeich. 1891 1895 1896 1897 Insge- sammt A. Nahrungs- und     Genussmittel B. Metallwaaren C. Textilwaaren D. Chemische In-      dustrie E. Sonstige Waaren   91   72     5   39   53   573   357     47   431   150   993   365   99   704   290 1027   448   130   745   242 2684 1242   281 1919   735 36 39 20 45 37 Zusammen 260 1558 2451 2592 6861 37 Die Zahl der Löschungen hat bisher nur die geringe Höhe von 259, also nicht ganz 1 Proc. der Eintragungen, erreicht. Da bei Waarenzeichen Erneuerungsgebühren erst 10 Jahre nach der Anmeldung fällig werden, so kommen Löschungen wegen Nichtzahlung der Gebühren jetzt noch nicht in Frage. Insgesammt wurden ohne Eintragung erledigt 2154 alte, 4281 neue Bild- und 4022 neue Wortzeichen. Da diesen Zahlen an Eintragungen gegenüberstehen 10077 alte, 11449 neue Bild- und 6861 neue Wortzeichen, so ergibt sich, dass von 100 Uebertragungsanmeldungen 18 abgewiesen oder zurückgenommen sind, während von 100 erledigten Neuanmeldungen 31, von 100 neuen Bildzeichen 27, von 100 neuen Wortzeichen 37 ohne Eintragung erledigt wurden. Der grosse Procentsatz der Abweisungen bei den Wortzeichen erklärt sich daraus, dass zu den sonstigen Gründen für die Versagung noch besondere, nur für Wortzeichen geltende Gründe hinzutraten. Die geringe Zahl der Abweisungen bei Uebertragungsanmeldungen ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass bei der geringen Zahl der vorher eingetragenen Zeichen die Abweisung wegen Collision seltener vorkommt. Von den Abweisungen und Zurücknahmen entfallen die meisten, 5139, also 49 Proc., auf Uebereinstimmung mit älteren Zeichen. Der Antheil dieser Erledigungen betrug im J. 1894: 27 Proc., 1895: 36 Proc., 1896: 52 Proc. und 1897: 53 Proc.; er ist stetig angestiegen und wird auch in Zukunft voraussichtlich nicht zurückgehen, da mit dem Anwachsen der Eintragungen auch die Gefahr, ein einem bestehenden ähnliches Zeichen zu wählen, zunehmen muss. Die Abweisungen und Zurücknahmen wegen Uebereinstimmung vertheilen sich ziemlich genau so auf die fünf Gruppen, wie die Eintragungen. Während von 100 Eintragungen auf die einzelnen Gruppen entfallen 36, 20, 10, 23, 11 Eintragungen, kommen auf Abweisungen und Zurücknahmen wegen Uebereinstimmung von je 100: 35, 23, 9, 22, 11. Erhebliche Abweichungen zeigt dagegen der Antheil der Wortzeichen an den wegen Collision abgewiesenen und zurückgenommenen neuen Zeichen gegenüber dem entsprechenden Antheile bei den Eintragungen. Während von 100 Neueintragungen in den einzelnen Gruppen der Reihe nach 36, 39, 20, 45, 37 Wortzeichen sind, fallen von je 100 Abweisungen und Zurücknahmen neuer Zeichen wegen Uebereinstimmung auf Wortzeichen 36, 26, 15, 26, 18. Mit Ausnahme der Nahrungs- und Genussmittel ist also der Antheil ein durchweg geringerer, was durch das bisherige erhebliche Uebergewicht der reinen Bildzeichen in den meisten Klassen zu erklären ist. An den Abweisungen und Zurückziehungen sind weiterhin die wegen Freizeicheneigenschaft mit 999 betheiligt. Das kaiserl. Patentamt hat bis zu Ende des Berichtsjahres in 396 Fällen Freizeichen als solche veröffentlicht und damit seit 1896 den Anfang geliefert zu einer Freizeichenrolle, wie sie vom Verkehre dringend begehrt ist. Ganz besonders tritt die starke Betheiligung der Zeichen für Nahrungs- und Genussmittel hervor, unter denen wieder die Tabakindustrie mit allein 157 Zeichen den ersten Rang einnimmt. In ähnlicher Weise vertheilen sich auch die 999 überhaupt wegen Freizeicheneigenschaft abgewiesenen oder zurückgezogenen Waarenzeichen auf die fünf Waarengruppen: Waarengruppe Abweisungen und Zurücknahme wegen Freizeicheneigenschaft Auf 1000 Ein- tragungen kommen Ab- weisungen wegen Freizeichen Alte Zeichen Neue Zeichen Ueberhaupt Bild Wort Zusammen A. Nahrungs- und Genussmittel B. Metallwaaren C. Textilwaaren D. Chemische Industrie E. Sonstige Waaren 278   45     5   23   14 143   27     6   48   21 197   33     2 118   39 340   60     8 166   60 618 105   13 189   74 61 19   5 28 24 Insgesammt 365 245 389 634 999 35 Namentlich in der Textilindustrie sind Abweisungen dieser Art nur selten vorgekommen. Auffallend ist auch das starke Hervortreten von Wortzeichen in dieser Kategorie der Abweisungen. Indessen ist zu berücksichtigen, dass ein Schutz für Wortzeichen bis zum Jahre 1894 überhaupt nicht bestand. Da die Verwendung derselben aber trotzdem in manchen Klassen in grossem Umfange erfolgte, so war hier die Freizeichenbildung im Wesentlichen ungehemmt und naheliegend. Eine Löschung von Amtswegen ist in 151 Fällen bis zum Ende des Berichtsjahres angeordnet worden. Auf je 1000 Eintragungen kommen 5 Löschungen von Amtswegen. In 108 Fällen erfolgte die Löschung auf Antrag des Inhabers nach einer Gerichtsentscheidung oder ohne eine solche. Unter den von Amtswegen gelöschten Zeichen wurde die grössere Hälfte (80) nachträglich als Freizeichen erkannt. Unter den gelöschten Zeichen überhaupt sind 48 des alten Rechts, von denen aber nur 17 von Amtswegen gelöscht wurden. Von den 211 gelöschten neuen Zeichen sind nur 75 (d.h. 36 Proc) Bildzeichen, die übrigen 136 (64 Proc.) stellen reine Worte dar. Das bedeutende Ueberwiegen der Wortzeichen, welches noch mehr hervortritt, wenn man die von Amtswegen gelöschten Zeichen allein berücksichtigt, erklärt sich in erster Linie daraus, dass eine Anzahl von Löschungsgründen nur für Wortzeichen in Betracht kommt. Uebrigens sind auch unter den 69 als Freizeichen gelöschten neuen Zeichen 52 (77 Proc) Wortzeichen. Vertheilt man die Löschungen auf die Waarengruppen, so ergibt sich, dass 110 auf Nahrungs- und Genussmittel, 51 auf Metallwaaren, 10 auf Textilwaaren, 43 auf chemische Producte und 45 auf sonstige Waaren entfallen. Die Betheiligung der einzelnen Länder an der Erfindungsthätigkeit hat sich im Allgemeinen im früheren Rahmen gehalten. Es fielen im J. 1897 auf: Patente Gebrauchs- muster Waaren- zeichen Preussen 2218 11591 3410 (Berlin)   642   3603   817 Bayern   255   1841   565 Sachsen   396   2841   605 Württemberg     94     724   163 Deutschland 3457 17492 6507 Belgien   84       27     22 Frankreich   293       82   126 England   424     193   117 Italien     34       12       2 Oesterreich-Ungarn   254     489   106 Russland     55       33       2 Schweiz     83     169     47 Vereinigte Staaten Amerikas   537     672     46 Ausland im Ganzen 1983     1791   545 Die Einnahmen des Patentamtes stiegen im J. 1897 auf 362095 M. Patentanmeldegebühren, 46060 M. Beschwerdegebühren, 2880750 M. Patentgebühren, 17350 M. Patentzuschlaggebühren, 295385 M. Gebrauchsmusteranmeldegebühren, 151320 M. Verlängerungsgebühren, 239070 M. Waarenzeichenanmeldegebühren, insgesammt neben verschiedenen Einnahmen auf 4024270 M. Dieser Einnahme steht eine Ausgabe von 1692262 M. gegenüber, worunter allein die Herstellung der Veröffentlichungen (Patentschriften) mit 194402 M. zu vermerken ist. In den Auslegestellen verkehrten im Durchschnitte täglich 235 Personen gegen 233 im Vorjahre. Mg. [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Bergrath Köbrich †. Am 1. Mai d. J. wurde in Bozen in Tirol einer der bedeutendsten Fachmänner der Tiefbohrtechnik, langjähriges Ehrenmitglied des Vereins der Tiefbohrtechniker, Bergrath Köbrich, in seinem besten Mannesalter seinem Beruf durch einen plötzlichen Tod entrissen. Die bewundernswerthesten Ausführungen, welche die Tiefbohrtechnik zu verzeichnen hat, die Bohrungen bei Schladebach und Paruschowitz sind sein Werk. Die Vervollkommnung der Tiefbohrgeräthe und deren Anwendung in ihrer heutigen Vollendung haben wir zum grossen Theil ihm zu verdanken. Köbrich wurde geboren am 5. Januar 1843 in Kleinalmerode bei Cassel als Sohn des Pfarrers daselbst, besuchte die höhere Gewerbschule zu Cassel 4 Jahre lang und demnächst das Polytechnikum zu Karlsruhe. Nachdem er sich dann etwa 5/4 Jahre lang auf verschiedenen Berg- und Hüttenwerken des ehemaligen Kurfürstenthums Hessen praktisch beschäftigt und sich noch 1 Jahr lang theoretisch vorbereitet hatte, legte er im J. 1865 die erste Staatsprüfung für die höhere Bergbeamtenlaufbahn im Kurfürstenthum Hessen ab. Dann ging derselbe abermals in die Praxis und kam nach Nentershausen bei Riecheisdorf, um dort eine grössere Tiefbohrung kennen zu lernen. Nachdem er sich 1 Jahr ausschliesslich dem Bohrbetrieb gewidmet hatte, nahm er im J. 1866 eine Stellung als Bohringenieur auf der Saline Luisenhall bei Göttingen an und leitete die Aufwältigung eines zu Bruche gegangenen Soolbohrloches. Im J. 1869 waren die Bohrarbeiten auf Luisenhall mit Glück beendet und Köbrich wurde für Stassfurt engagirt, um dort in den Jahren 1869 bis 1874 sieben Bohrlöcher für Rechnung eines Consortiums abzuteufen, aus welchem später die Gewerkschaft Neu-Stassfurt entstand. Aus dem preussischen Staatsdienste, in welchen er nach 1866 übernommen war, war er 1868 ausgetreten, wurde aber 1874, nach Beendigung seiner Stassfurter Thätigkeit, wieder in den preussischen Staatsdienst aufgenommen und übernahm von da ab die Leitung der fiskalischen Bohrarbeiten des preussischen Staats und der grossen Centralbohrwerkstätte zu Schönebeck. Seine Wirksamkeit steht in engster Beziehung zu dem grossartigen Aufschwung des gesammten Tiefbohrwesens und seiner stetigen Entwickelung bis zum heutigen Tage. Köbrich ist der Verfasser mehrerer in das Tiefbohrwesen einschlagender, bahnbrechender Abhandlungen in verschiedenen fachmännischen Zeitschriften. Den Schmerz um den Heimgang eines so vorzüglichen Mannes theilen mit seiner Familie zahlreiche Freunde und Fachgenossen. Der Name „Köbrich“ wird in der Tiefbohrtechnik alle Zeit eine hervorragende Stelle einnehmen.Unser Journal hat über die bemerkenswerthen Leistungen des Verstorbenen seit einer Reihe von Jahren eingehend berichtet (vgl. die Berichte über Tiefbohrtechnik). Darmstadt, den 3. Mai 1898. Tecklenburg. Verwendung des Retortengraphits der Gasanstalten. F. O. Spryt in Maarsen (Holland) ist durch längere Versuche zu einer erfolgreichen Anwendung des Retortengraphits geführt worden, welches Material von ihm u.a. in einem wirksamen und billigen Verfahren zur Enteisenung von Norton-Brunnenwasser verwendet wird. Der Graphit wird hierbei mit Sand in einem bestimmten Verhältniss gemengt; mehrere Filteranlagen dieser Art sind bereits mit Erfolg in Holland fertiggestellt. Nicht minder gute Resultate soll der Genannte bei der Regenerirung bereits ausgenutzter Kohlenzellen galvanischer Elemente mittels Retortengraphits erzielt haben, wobei selbst nach etwa halbjährigem Gebrauche die betreffenden Elemente sich als kräftig und ohne Stromverlust erweisen. (Der Gastechniker.) Elektrische Glühlampen von Nernst und Auer. In jüngster Zeit machen zwei Erfindungen auf dem Gebiete der elektrischen Beleuchtung von Prof. Dr. Nernst und von dem Erfinder des Gasglühlichts, Dr. Auer v. Welsbach, viel von sich reden. Das Journal für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung in seiner Nr. 15 veröffentlicht: Was zunächst das elektrische Glühlicht von Nernst betrifft (vgl. S. 96 d. Bd.), so geht der Erfinder von dem Gedanken aus, dass gewisse Substanzen, wie Kalk, Magnesia u.s.w., bei hoher Temperatur verhältnissmässig gute Leiter der Elektricität sind und auch bei heller Weissglut noch nicht flüssig werden oder sich sonst erheblich verändern. Nernst schlägt nun vor, aus solchen Stoffen passend hergestellte Glühkörper zunächst durch eine Hilfswärmequelle so hoch zu erhitzen, dass sie genügend leitend werden und alsdann durch einen hindurch gesandten elektrischen Strom von massiger Spannung, besonders Wechselstrom, in Weissglut zu erhalten. Hierbei lieferte ein dünner Hohlcylinder aus Magnesia von nicht ganz 1 cm Länge, welcher durch einen Wechselstrom von etwa ¼ Ampère und 118 Volt am Glühen erhalten wurde, ein Licht von 26 Hefner-Kerzen, das wären also für 1 Watt rund 1 Hefner-Kerze, während die bisher angewandten Glühlampen für 1 Hefner-Kerze 3 bis 4 Watt erfordern. Eine Schwierigkeit bei der praktischen Verwendung des Nernst'schen Gedankens scheint in der Nothwendigkeit einer besonderen Wärmequelle zu liegen, durch welche der Glühkörper zunächst vorgewärmt werden muss, bis er für den Strom leitend geworden ist; doch lassen sich Wege denken, die Frage in praktisch durchführbarer Weise zu lösen; nach einer Mittheilung der Wiener Zeitschrift für Elektrotechnik, Heft 9, soll Prof. Nernst eine Vorwärmung des Glühkörpers mittels des Funkenstromes eines Inductoriums in Aussicht genommen haben. C. Auer v. Welsbach benutzt bei der von ihm erfundenen Glühlampe bisher unbenutzte Eigenschaften des Osmiums. Dieses Metall findet sich in der Natur in Begleitung des Platins und der sogen. Platinmetalle (Palladium, Rhodium, Ruthenium, Platin, Iridium und Osmium) und wird aus dem nach Verarbeitung der Platinerze auf Platin verbleibenden Rückständen, den sogen. „Platinrückständen“, insbesondere aus dem Osmiridium gewonnen. Osmium verbrennt beim Erhitzen an der Luft zu Osmiumtetroxyd (Ueberosmiumsäure), welches sich leicht verflüchtigt; die Dämpfe greifen die Schleimhäute heftig an und besitzen einen eigenthümlichen Geruch, dem das Metall seinen Namen verdankt. Zugleich ist es der schwerst schmelzbare aller bekannten Körper, und eben diese Eigenschaft sucht Auer bei seiner neuen Glühlampe zu verwerthen. Da die Lichtenergie eines glühenden Körpers schneller als die fünfte Potenz seiner absoluten Temperatur, also mit steigender Temperatur ausserordentlich rasch wächst, so wird man eine verhältnissmässig viel günstigere Lichtausbeute erzielen können, indem man den Kohlenfaden der bisherigen elektrischen Glühlampe durch eine Substanz ersetzt, welche eine höhere Temperatur als die Kohle auf die Dauer erträgt. Eine solche Substanz ist nun das Osmium. Auer hat dasselbe neuen eingehenden Untersuchungen unterworfen, die zu bedeutungsvollen Ergebnissen führten. Nach denselben ist Osmium, entgegen den bisherigen Anschauungen, selbst bei der Verdampfungstemperatur des Platins oder Iridiums, sowohl im Vacuum als auch in gewissen reducirend wirkenden Gasen und Gasgemischen nicht flüchtig. Wird ein Draht oder Faden von Osmium in einem Gasgemenge, wie es im Inneren der Bunsen-Flamme auftritt, also bei Gegenwart von Wasserdampf, oder im Vacuum von einem elektrischen Strom von genügender Stärke durchflössen, so strahlt der Faden, etwa bei der Verdampfungstemperatur des Platins, ein blendend weisses Licht aus. Der Faden kann, insbesondere im Vacuum, weit über diese Temperatur hinaus erhitzt werden, ohne zu schmelzen, in genügend dichtem Zustand bleibt er sogar fast starr. Nur durch eine im Verhältniss zur Capacität des Fadens grosse Steigerung der Stromstärke ist es möglich, den Faden an einer Stelle bis zum Schmelzen zu erhitzen. Reines Osmium dürfte unter den angeführten Umständen die schwerst schmelzbare und beständigste, sowie in jenen hohen Temperaturen leuchtkräftigste Substanz sein, welche die Wissenschaft kennt. Die im Handel erhältlichen Osmiumpräparate eignen sich zumeist in Folge ungenügender Reinheit nicht ohne weiteres für diese Versuche. Dem reinen Osmium am nächsten stehen seine Legirungen mit Ruthenium. Reines Osmium, sowie solches, das geringe Mengen von Platin enthält, ist in dichtem Zustande bei fadenförmiger Gestalt ziemlich elastisch und auch in dieser Hinsicht zur Erzeugung von Glühfäden für elektrische Lampen brauchbar. Was das Verfahren Auer's zur Herstellung und Zubereitung solcher massiver und auch hohler Osmiumfäden und ihre Befestigung am Fadenträger der Glühlampe anbelangt, so behalten wir uns vor, später auf die interessanten Einzelheiten zurückzukommen. Wir erwähnen nur noch einige merkwürdige Beobachtungen, durch welche die Anwendbarkeit auch leichter schmelzbarer Körper als Osmium für die technische Lichtgewinnung nach Auer möglich erscheint. Bekanntlich schmilzt ein von genügend intensivem Strom durchflossener Platindraht bei beginnender Weissglut ab. Anders verhält sich der Draht, wenn er von einer festhaftenden, dichten und zusammenhängenden, jedoch feinen Hülle einer völlig feuerbeständigen Substanz, wie Thoroxyd, umschlossen ist. Die Intensität des Stromes kann nun beträchtlich gesteigert werden, ohne dass der Draht zu schmelzen beginnt; das sehr hohe Licht- und Wärmestrahlungsvermögen der Hülle entzieht dem metallischen Leiter Energie. Erhöht man nun stetig die Stromstärke, so erstrahlt allmählich der Leiter in blendendem Lichte; obwohl die Platinseele in der festen Thoroxydhülle schliesslich schmilzt, kann die Stromstärke und damit die Lichtausstrahlung noch weiter gesteigert werden, bis endlich das Thoroxydröhrchen durch den Druck der Platindämpfe zersprengt wird. Ist jedoch die Metallseele schwerer schmelzbar als Platin, so hält die glänzende Lichterscheinung lange Zeit an; auch gelingt der Versuch am schönsten, wenn die Dicke der Thoroxydschicht nur einige Zehntel Millimeter beträgt. Die übrigen seltenen Erden, ferner Magnesia, Kalk und andere sogen. feuerfeste Substanzen schmelzen (zum Theil verdampfen) zu leicht, als dass sie zur Herstellung dauerhafter Ueberzüge dienen könnten. Ersetzt man die Platinseele durch eine osmium-, ruthenium-, rhodium- oder iridiumhaltige Platinlegirung, oder durch eine noch schwerer schmelzbare, aus dem ersten der genannten Körper bestehende Legirung, so lassen sich glänzende und dauernde, praktisch verwendbare Lichteffecte erzielen; solange der metallische Kern noch nicht geschmolzen ist, ist eine Unterbrechung des Stromes ohne Gefahr für den Glühfaden möglich. Wir können zunächst nur abwarten, wie diese jedenfalls interessanten Ideen und Entdeckungen sich praktisch verwerthen lassen und müssen ein Urtheil über dieselben der Zukunft anheimgeben. DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 8. Stuttgart, 28. Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Neue Erdölkraftmaschinen *. Erdölmaschine von Mielz und Weiss *. Phénix-Motor von Panhard und Levassor *. Viertactmaschine von Gibbon *. Erdölmotor von Millot *. Desgl. für Fahrzeuge von Roots und Venables *. Desgl. von Loyal * 161 Metallbearbeitung. Neuere Fräsemaschinen und Werkzeuge *. Walzenfräser der Morse Twist Drill Co. *. Paul's Vorrichtung zum Hinterdrehen von Fräsern *. Fräser aus Hartguss *. Fétu-Defize's stehende Fräsemaschine *. Beaman-Smith's Fräsemaschine *. Newton's Tischfräsemaschine *. Adams' Vorrichtung zum Fräsen auf Hobelmaschinen *. Beaman-Smith's doppelte Tischfräsemaschine * 164 Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation *. Verwendung von Holzabfällen von der Skutskär Cellulosefabrik. Desgl. von Bergmann. Desgl. von der Sicilian Sulphur Co. Kiesröstofen von Hasenclever. Ofen von Füllner *. Kocher von Serog *. Desgl. von Kellner *. Drehkocher von Macy *. Desgl. von Keeney 168 Beleuchtung. Ueber Acetylenbrenner *. Uebersichtsbericht nach P. Wolff. Strahlenbrenner *. Schmetterlingsbrenner *. Schnittbrenner *. Brenner mit Luftzuführung *. Mischung von Acetylen mit anderen Gasen 171 Elektrotechnik. Schienenstossverbindungen für elektrische Bahnen *. Schienenverbinder aus der letzteren Zeit. Desgl. von Robinson *. Desgl. von Field *. Desgl. von Westinghouse *. Verbinder von Gould * 178 Kleinere Mittheilungen: Polarplanimeter 180 Eicurvenzeichner 180 Bücher-Anzeigen 180 Eingesandt: Deutsch-Oesterreichische Binnenschiffahrt 180 Preisausschreiben: Plakat für Pelikanfarbe 180 ☞ Das vorliegende Heft enthält eine Beilage von der Firma: Chemische Fabrik auf Actien (vorm. E. Schering) in Berlin N. Wir empfehlen dieselbe bestens der freundlichen Beachtung unserer Leser. Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 8. Stuttgart, 28. Mai 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Neue Erdölkraftmaschinen. Mit Abbildungen. Neue Erdölkraftmaschinen. Erdölmaschinen bestehen jetzt in grosser Mannigfaltigkeit der Anordnung. Von Interesse ist es, zu verfolgen, dass die Gestaltung der Erdölmaschinen jetzt unabhängig von den Gasmaschinen vorschreitet und selbständige Bahnen eingeschlagen hat. Textabbildung Bd. 308, S. 161 Erdölmaschine von Mielz und Weiss. Fig. 1 stellt nach einer Mittheilung im American Machinist, 1897 * S. 956, eine Erdölmaschine von Mielz und Weiss in New York dar. Der Arbeitskolben lässt bei seiner äussersten Linksstellung Luft durch die Gehäusekammer und die Oeffnung o des Cylinders in den allseitig geschlossenen Kurbelraum treten, wo dieselbe beim Rechtsgang des Kolbens verdichtet wird, um in der gezeichneten Stellung durch Oeffnung a in den Cylinder einzutreten. Von einer Platte abgelenkt, soll die Druckluft zunächst die Abgase ausblasen und nach Schluss des Ausblaseventils die mittels einer Pumpe durch Ventil h auf die Rippen e gespeiste Ladung Erdöl zerstäuben. Die in ständiger Rothglut befindlichen Rippen e vergasen die Erdölladung, so dass beim linken Hubwechsel eine zündfähige Mischung vorhanden ist, welche sich ohne Benutzung einer äusseren Zündflamme an den Cylinderwandungen entzündet und den Kolben vortreibt. Die Maschine arbeitet somit im Zweitact. Beim Anlassen der Maschine wird der Cylinderboden d1 mit den Rippen e durch eine von d aus zugeführte äussere Flamme beheizt. Die Erdölpumpe g empfängt das Oel in ständigem Strome von oben durch den Zufluss g1. Der Kolben wird von der Maschinenwelle aus bei jedem Hube vorbewegt, wenn die Nasen f2 und f zusammentreffen, und durch Feder g3 wieder in die in Fig. 2 gezeichnete Stellung zurückgeführt. Bei dieser Bewegung des Kolbens wird das von g1 zugeführte Oel durch das Rückschlagventil h3 und das Cylinderventil h in den Cylinder gefördert. Die Pumpe steht unter der Einwirkung eines Reglers folgender Bauart. Auf dem Gestelle der Maschine befindet sich ein schräger Anlauf c3, welcher der Mutter c2 des von der Maschine hin und her bewegten Stössers c1 als Leitfläche dient. Bei normaler Geschwindigkeit der Maschine wird die Mutter c2 so langsam auf der schiefen Ebene aufwärts gleiten, dass die Nase f auf Nase f2 des Pumpenkolbens trifft und letzteren zwecks Oelförderung in den Cylinder verschiebt. Läuft die Maschine jedoch zu rasch, so wird die Mutter so rasch über die schiefe Ebene geführt, dass sie aufwärts schnellt und die Nase f die Nase f2 nicht trifft, sondern über ihr fortgleitet. Die Maschine erhält dann keine Oelzufuhr. Ueber Leistungen und Oelverbrauch bietet unsere Quelle keine zuverlässigen Angaben. Der Phénix-Motor von Panhard und Levassor in Paris (Industries and Iron, 1896 * S. 507) ist eine Ausbildung der Daimler'schen Zweicylindermaschine, wie sie zum Betriebe von Fahrzeugen häufig und mit Erfolg angewendet wird. Der Phénix-Motor besitzt zwei parallel neben einander liegende Cylinder aa1 (Fig. 3 und 4), welche senkrecht stehend angeordnet sind. Durch die Kurbelwelle b wird mittels der im Verhältniss 1 : 2 stehenden Zahnräder c die Steuerwelle d bewegt, welche mittels zweier Daumen ee die Ventilstangen ss1 steuert. Die Regulirung erfolgt mittels eines auf der Steuerwelle d sitzenden Schwungkugelreglers, welcher eine unrunde Scheibe f derart verschiebt, dass die von einer Feder angedrückte Rolle eines Klinkhebels op in der Pfeilrichtung verstellt wird und die Steuerstangen s1 für das Auspuffventil ausrückt. Der Cylinder a1 kann dann so lange nicht arbeiten, bis die Scheibe f wieder die Stange s1 einklinkt. Das Gasgemisch wird in einem Carburator der Daimler'schen Anordnung erzeugt. Zur Entzündung des Gemisches dienen Glührohre, welche in dem Kasten h erhitzt werden. Die Maschine arbeitet derart im Viertact, dass der Arbeitshub des einen Cylinders mit dem Verdichtungshube des anderen zusammenfällt. Zum Umlaufe des Kühlwassers für die Cylinder dient eine Kreiselpumpe l, welche durch ein Reibungsrad v vom Schwungrade v1 aus angetrieben wird. Ein Oberflächencondensator n dient zur Abkühlung des aus den Cylindern kommenden Kühlwassers. Textabbildung Bd. 308, S. 162 Phénix-Motor von Panhard und Levassor. Eine Maschine von 80 mm Cylinderdurchmesser und 120 mm Hub leistete bei 850 Umdrehungen der Kurbelwelle in der Minute 4,5 . Das Gewicht einer solchen Maschine soll 90 k betragen, während eine gleichwerthige Daimler'sche Maschine 165 k wiegt. Eine Viertactmaschine von W. E. Gibbon wird von der Britannia Comp. in Colchester gebaut. Dieselbe ist in Fig. 5 und 6 dargestellt. (Revue industrielle, 1896 * S. 321.) Die Maschine besitzt einen Cylinder, welcher in ständiger Verbindung mit dem Verbrennungsraume d sich befindet; in letzteren ragt der oben offene, von einer Schutzhülse v umgebene Zünder i, dessen unterer, erweiterter und mit Rippen u ausgestatteter Raum als Vergaser dient und zu diesem Behufe aus dem Oelbehälter y mittels einer kleinen Pumpe w gespeist wird. Zur Steuerung dient ein mit Kolbenschieber o ausgerüstetes Ventil h, dessen Stange r von der unrunden Scheibe p und der Feder s auf und nieder bewegt wird. In der tiefsten Stellung des Kolbenventils wird durch den Weg i1 der Auspuff bewirkt, während in der obersten Stellung durch ein Loch bei m im Mantel des Verbrennungsraumes und das Rohr k Luft in das Ventilgehäuse g und weiter durch Ventil h in den Verbrennungsraum geleitet wird, wo die Luft durch die Hülse v gehindert wird, an die Wandung i1 des Zünders heranzutreten und diesen zu kühlen. Es wird behauptet, dass sich beim Spiel der Maschine in dem ringförmigen Kanäle zwischen Hülse v und Zünder ständig eine Schicht heisser Gase aufhalte. Ist das Ventil h abgeschlossen, nachdem der Theil p3 unter der Rolle sich fortbewegt hat, so verdichtet der rückkehrende Arbeitskolben die Luft im Raume d; durch die Pumpe w wird Oel in den Vergaser eingespritzt und das entwickelte Gas mischt sieb im Zünder zu einer zündfähigen Ladung, welche beim Hubwechsel wie üblich entzündet wird. Die Oelpumpe w steht unter der Einwirkung eines vom Regler beeinflussten Gestänges zz1, welches je nach der Gangart der Maschine die Speisung regelt. Die Nebenfigur 5 a zeigt die Anordnung der Oelwege in der Pumpe. Die Maschine wird in stehender und liegender Anordnung gebaut und besonders für den Antrieb von Wagen und Booten bestimmt. Eine Erdölmaschine von Millot frères in Gray (Haute-Saône) ist nach Portefeuille économique, 1897 * S. 114, und Praktischer Maschinenconstructeur, 1898 * S. 5, in Fig. 7 und 9 dargestellt. Dieselbe soll den ausserordentlich geringen Verbrauch von 0,32 k Erdöl für 1 /Std. aufweisen. Die kästen artige Grundplatte trägt angegossen die Kurbelwellenlager und vier plattenartig behobelte Arbeitsleisten für die Füsse des Ständers. Letzterer erhält den ummantelten Arbeitscylinder schwebend und ist in seinem oberen Theile zur Gleitbahn für den Kreuzkopf ausgebildet. Der Cylinder wird oben durch eine konische Haube und unten durch den Ständer abgeschlossen; der obere Abschluss ist dicht, der untere offen. Haube a wie Arbeitscylinder werden vom Kühlwasser umflossen, welches am unteren Ende in den Cylinder ein- und am oberen Ende der Haube a wieder austritt. Die Haube trägt das Lufteinlassventil b, sowie den Vergaser c, während am Cylinder seitlich das Auspuffventil d angeordnet ist. Das Einlassventil wird durch den Arbeitskolben selbsthätig gesteuert und durch eine Feder geschlossen; das Auslassventil d steht unter dem Einflüsse eines von der Kurbelwelle aus mittels Zahnrades s angetriebenen Achsenregulators und wird gleich der Erdölpumpe m von zwei auf der Büchse g sitzenden Daumen g1g2 bethätigt. Textabbildung Bd. 308, S. 162 Viertactmaschine von Gibbon. Der Vergaser hat in seinem unteren Theile eine halbkugelige Form mit nach oben eingedrücktem Boden, um die der Heizlampe entströmende Wärme besser zusammen zu halten. Oben erweitert sich diese Halbkugel zu einer Flansche, auf welcher der Zerstäuber, bestehend aus einem Messingkörper mit eingeschraubtem gelochten Ringe und Ventilkegel, sich befindet. Das Erdöl wird von einer Druckpumpe m zugeführt. Letztere drückt das Erdöl in den Zerstäuber. Die Luft strömt unter der Einwirkung des Saughubes vom Arbeitskolben zu und wird mit dem Erdöle durch Bohrungen in den Vergaser gesaugt, wobei Erdöl und Luft sich mischen. Das Gemisch wird dann vom Arbeitskolben in die Compressionskammer a gesaugt, wo sich ihm die zur Verbrennung nöthige Luft beigesellt. Zur Zuführung derselben sitzt auf der Spitze der Haube das Ventil b, dessen Teller von einer Spiralfeder auf seinen Sitz gepresst erhalten, beim Saughube des Arbeitskolbens aber von diesem abgehoben wird. Wenn dann das cylindrische Küken im Gehäuse b mittels des daran befestigten Hebels so um seine Achse gedreht ist, dass die Bohrung in ihm mit der des Luftzuleitungsstutzens am Gehäuse b verbunden ist, kann die Luft aus b in die Haube a übertreten. Textabbildung Bd. 308, S. 163 Erdölmaschine von Millot frères. Die Erdölpumpe (Fig. 8) zerfällt in den Körper m mit Ventilstutzen m21 den Plunger l und das Rückschlagventil m1. Der Plunger hat zwei verschiedene Durchmesser, so dass das durch die Haube n in die Pumpe eintretende Erdöl, indem es durch die dünne Büchse m3 strömt, das Pumpengehäuse anfüllen kann. Beim Zurückgehen des Plungers versperrt dann dessen oberer Theil die Bohrung der Büchse m3 und das so am Zurückfliessen in das Zuleitungsrohr bezieh. die Haube n gehinderte Erdöl muss in das Ventilgehäuse m1 übertreten. Die Menge des für den Plungerhub geförderten Erdöls ist gleich dem Plungerhub multiplicirt mit der Differenz der Querschnittsfläche der beiden Plungerdiameter. Zur Vereinfachung des Pumpenbetriebes steht der Plunger l unter dem Einflüsse einer Spiralfeder und eines Daumens. Erstere kommt beim Saughube, letztere bei der Druckperiode des Plungers zur Wirkung. Die Abdichtung des Plungers l im Pumpengehäuse und die zwischen Haube n und Gehäuse m erfolgt durch Lederstulpen und zwischengelegte Bronzeringe mit eingedrehten ∨-Nuthen. Das Rückschlagventil m1 ist vollständig aus Stahl gefertigt; es dichtet gegen den Stutzen m2 durch eine Bleibeilage ab, um dem Undichtwerden der Verbindung sicherer vorzubeugen. Die am Ende des Stutzens m2 sichtbare Schraube erlaubt beim Anstellen der Pumpe das Ausblasen der Luft und das Reinigen der Bohrung im Stutzen m2. Die Bewegung der Pumpe erfolgt durch die Stange i, welche unter dem Einflüsse eines vom Regulator gesteuerten Klinkengestänges p steht. In Fig. 10 ist eine für den Betrieb von Fahrzeugen bestimmte Erdölmaschine von 2,5 nach der Bauart von Roots und Venables abgebildet. (Praktischer Maschinenconstructeur, 1897 * S. 161.) Die Maschine besteht aus dem kastenartigen, mit sehr breiter Fussplatte versehenen Untergestell, dem darauf festgeschraubten, oben und unten offenen Cylinder, der Haube und dem seitlich an das Gehäuse angebauten Steuerkasten a. Das Gehäuse ist, wie gesagt, rechts und linksseitlich, sowie oben offen und nimmt links das eine Kurbelwellenlager und rechts den Steuerkasten a mit dem zweiten darin festgeschraubten Kurbelwellenlager auf. Beide Lager sind geschlossen und mit eingeschraubten ungetheilten Metallbüchsen versehen, deren äussere, als Muttern dienende Theile innen ringförmig ausgedreht sind. Ausserdem sind die Metallbüchsen beider Lager nicht cylindrisch, sondern konisch ausgebohrt, um das Aufbringen derselben auf die Kurbelwelle zu erleichtern; die letztere hat entsprechend abgedrehte Lagerstellen und trägt auf ihrem gekröpften Mittelstück zwei abnehmbare Gegengewichte, ausserdem sitzt darauf das Stirnrad b. Die Kurbelstange schwingt um einen in den einseitig offenen Kolben eingeschraubten Bolzen und umfasst mit ihrem anderen Ende den Kurbelzapfen. Der Cylinder ist wasserdicht ummantelt und in dem vom Mantel und Cylinder gebildeten ringförmigen Raume läuft Kühlwasser. Einlassventil c und Auspuffventil d sind an dem haubenartig gestalteten hohlen Cylinderdeckel angebracht und können nach Lösen ihrer Befestigungsschrauben abgenommen werden. Mit dem Einlassventile c ist der Verdampfer c1, in dem sich auch die Zündvorrichtung c2 befindet, in einem Gehäuse untergebracht. Textabbildung Bd. 308, S. 163 Fig. 10. Erdölmaschine nach der Bauart von Roots und Venables. Das Zündrohr ist aus einer Nickellegirung hergestellt. Eine Steuerung des Einlassventiles findet nicht statt, vielmehr öffnet sich dasselbe lediglich beim Saughube des Arbeitskolbens und wird im Uebrigen durch eine Spiralfeder von geschlossen erhalten. Das Auslassventil d hingegen ist durch Gabel und Gleitstück d1, sowie Excenter d2 mit einem auf der kurzen Welle e rotirenden Stirnrade e1 und durch letzteres mit dem Rade b auf der Kurbelwelle in Eingriff gebracht. Die Scheibe zum Excenter d2 ist mit dem Rade e1 in einem Stücke gegossen, so dass jede Drehung des Rades e2 sich auf das Auslassventil überträgt. Die Dimensionen beider Räder be1 sind so gewählt, dass e1 mit der halben Geschwindigkeit der Kurbelwelle rotirt, woraus sich die Viertactbewegung des Motors ergibt. Ein Stöpsel f, welcher in die Stange des Auslassventiles d geschaltet ist, vermittelt den Antrieb der Oelpumpe, die der Einfachheit halber direct am Auslassventilkörper angeschraubt ist. Im Uebrigen steht auch das Auslassventil unter der Einwirkung einer kräftigen Spiralfeder. Textabbildung Bd. 308, S. 164 Fig. 11. Loyal'sche Erdölmaschine. Die Loyal'sche Erdölmaschine, welche nach Praktischer Maschinenconstructeur, 1897 * S. 173, in Fig. 11 zur Darstellung gebracht ist, arbeitet im Zweitact und besitzt keinen Kühlmantel, wie auch keine Vorrichtung zur Ableitung der Cylinderwärme angedeutet ist. Eine besondere Eigenart dieser Maschine ist die Vorrichtung zur Verdunstung des Erdöles bezieh. zur Herstellung der Mischung. Diese Vorrichtung besteht aus einem cylindrischen Gefässe, welches durch einen Boden o getheilt ist. Der obere Theil enthält das Erdöl, während im unteren Theile sich das explosible Gemisch bildet. Die Luft tritt durch die Trompete a ein, das Erdöl dagegen durch das federbelastete und vom Handrade d aus zu bethätigende Ventil c. Nach Oeffnen des Ventiles fällt das ausfliessende flüssige Erdöl auf ein Flügelrad b, welches durch den bei a eintretenden Luftstrom in Umdrehung versetzt wird. Der Cylinder saugt nach Oeffnen des Hahnes f am Verdunster das Luft-Erdölgemenge bei jedem seiner Saughübe an. Naturgemäss wird nicht alles aus dem Ventile c ausfliessende Erdöl vom Flügelrade b mit der Luft in Berührung gebracht werden, sondern es wird auch ein Theil desselben im Gefässe zu Boden fallen und dort verbleiben. Von da wird dasselbe von Zeit zu Zeit durch einen oberhalb des Gefässbodens am Gefässmantel angebrachten Hahn abgelassen und wieder in das Obergefäss aufgegeben, so dass Verluste in Folge Abschleuderns nicht eintreten können. In dem Cylinder m bewegt sich der Kolben p hin und her und versetzt dadurch eine gekröpfte Antriebswelle in Umdrehung. Am Cylinder befinden sich Einlass- und Auspuffventile gi. Das Einlassventil g sitzt am Cylinderdeckel, während das Auslassventil i seitlich angebracht ist und mit dem Auspuffrohre t in Verbindung steht. Das Zündrohr befindet sich bei h. Beide Ventile werden durch Federn auf ihren Sitzen festgehalten. Angenommen nun, der Kolben p bewege sich nach unten, so wird er das vorher angesaugte Explosionsgemisch verdichten. Das Nickelrohr, welches durch eine Flamme bis zur Rothglut erhitzt ist, bewirkt sodann die Entzündung des verdichteten Gemisches und es folgt der Arbeitshub. Dadurch wird der Kolben vorwärts geschleudert. Sein Hub ist nun so berechnet, dass er vor Ende desselben das Ventil i frei gibt. Dieses öffnet sich und lässt einen Theil der Auspuffgase entweichen; dadurch vermindert sich der Druck im Cylinder und geht schliesslich unter die Federspannung im Ventile i herab, so dass sich dieses schliesst, während sich das Einlassventil g öffnet, so dass eine bestimmte Menge des Gemisches in das Innere des Cylinders einströmen kann. Bei dem nun folgenden Rückgange des Kolbens wird das angesaugte Gemisch mit dem vor ihm stehenden Rest der Auspuffgase zusammengedrückt und dabei das Ventil g geschlossen. Das Ventil i hingegen öffnet sich, solange der Kolben p noch nicht an demselben vorbei gegangen ist, und lässt den Rest der Auspuffgase entweichen. Die Verdichtung des nun angesaugten Gemisches beginnt demnach erst von dem Augenblicke an, wo der Kolben über das Ventil i hinausgegangen ist. Auf diese Weise werden die Ventile auf einfache Druckwechsel selbsthätig bethätigt und zwar wird das Ventil i bei jeder Umdrehung der Welle einmal, das zweite Ventil g dagegen nur bei zweimaliger Umdrehung der Welle einmal bethätigt. Nach Angaben des Erfinders beträgt der Verbrauch an Erdöl für 1 /Std. etwa 200 g. (Fortsetzung folgt.) Metallbearbeitung. Neuere Fräsemaschinen und Werkzeuge. Mit Abbildungen. Neuere Fräsemaschinen und Werkzeuge. Morse's Walzenfräser mit eingesetzten Stahlmessern. Die Morse Twist Drill and Machine Company in New Bedford, Mass., stellt nach American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 12 * S. 231, cylindrische Messerfräser von 229 mm Schnittkreis her, die in Längen bis 150 mm aus einem Stück und darüber hinaus (200, 250, 300) zweitheilig gemacht werden. In den Umfang des cylindrischen Grundkörpers a von 210 mm Durchmesser mit 76 mm Bohrung b sind 11 mm breite trapezförmige Nuthen derart eingefräst, dass die Vorderbrust radial steht, während schmale, entsprechend schief (15° Neigung gegen die Achse) gestellte Zahnleisten stehen bleiben. Textabbildung Bd. 308, S. 164 Morse's Walzenfräser mit eingesetzten Stahlmessern. In diese Nuthen werden je zwei Stahlmesser c (Fig. 1 bis 3) eingelegt, welche durch ein Zwischenklötzchen d von gleicher Länge an die Zahnleisten gepresst werden, wobei je drei 3 : 8zöllige Schräubchen (ausnahmsweise bei 100 mm langen Hälften je zwei solcher) in Anwendung kommen. Die 11 mm starken Stahlmesser erhalten zudem 9,5 mm breite, 8 mm tiefe Lücken bezieh. 16 mm breite Zähne eingefräst, welche gegensätzlich versetzt sind, wodurch Spanzertheilung bewirkt wird. A. Paul's Vorrichtung zum Hinterdrehen von Fräsern. Ein Dorn a (Fig. 4 bis 6) mit angedrehtem Excenterschenkel b wird zwischen den Körnerspitzen cc einer Drehbank etwas excentrisch zur geometrischen Achse des Dornes eingespannt. Die Grösse dieser Excentricität der Dornachse aa zur Spitzenlinie cc richtet sich nach dem Abfalle der Zähne des Fräsewerkstückes f und beträgt etwa die Hälfte des Höhenunterschiedes der Rückencurve des einzelnen Fräsezahnes. Auf dem langen Dornschenkel a ist ferner eine Büchse d frei drehbar aufgeschoben, welche in einem Z-zähnigen Sperrade z endigt, auf welcher aber mittels Ringmutter g und Keil die Fräsescheibe f festgespannt wird, während die Ringmutter h der Büchse d den seitlichen Halt gibt. Am kurzen Dornschenkel a ist dagegen eine Zapfenkurbel i aufgekeilt, welche von der Planscheibe der Drehbankspindel mitgenommen wird und dadurch den Dorn a zum Kreisen bringt. Hierdurch wird aber der Excenterschenkel b bezieh. dessen Excenterring k bei jeder Umdrehung einen Doppelhub ausführen und mittels seines Gelenkzapfens l den um das Zapfenböckchen m schwingenden Bogenhebel n auf- und niederwärts bethätigen. Textabbildung Bd. 308, S. 165 Paul's Vorrichtung zum Hinterdrehen von Fräsern. Diese Schwingungsbewegung bedingt aber eine Verdrehung des Sperrades z um einen Zahn, wozu die am Hebelende angelenkte Klinke o dient, welche im Niedergange des Bogenhebels n wirksam wird, während im Aufhube das Schaltrad z mit dem Fräser f in Ruhe bleibt. Während dieser Ruhelage tritt aber der Fräser in die Linksstellung, so dass der im Support eingespannte Schneidstahl p die Stellung Fig. 4 einnimmt, während das Ende des Schnittganges aus Fig. 6 ersichtlich ist. Nachdem ein Kreislauf mit Z-Zahnschnitten beendet worden ist, wird der Schneidstahl zu einem neuen Schnitt angestellt und so im weiteren Verlauf der Schnittquerschnitt des Fräsezahnes mit abfallender Rückencurve vollendet. Ob aber die Rückencurve der Bedingung gleichbleibender Anstellungswinkel entspricht, was nur bei einer logarithmischen Spiralcurve erfüllt wird, ist zu bezweifeln. Immerhin bietet diese billige Vorrichtung eine hübsche Lösung einer schwierigen Aufgabe, welche Arno Paul in Chemnitz durch D. R. P. Nr. 90704 gesichert ist. Fräsewerkzeuge aus Hartgusseisen. In der Enterprise Foundry Company in Rochester, N. Y., werden zur Bearbeitung von Thür- und Fensterbeschlägen bezieh. Thürbänder Scheibenfräser gebraucht, welche aus Hartgussgattirung bestehen, doch mit den Zähnen unmittelbar in Sandformen gegossen werden. Die Herstellungskosten solcher Fräser sind äusserst gering und wenn auch die Abnutzung der Zähne doppelt so stark als jene der Stahlfräser ist, so kommt der Ersatz stumpfgewordener durch neue Fräser kaum in Betracht, wenn die Dauer eines Gussfräsers mit 8000 bis 10000 Schnitten erfahrungsmässig angenommen ist. Textabbildung Bd. 308, S. 165 Fig. 7. Fräsewerkzeuge aus Hartgusseisen. In Fig. 7 ist nach American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 26 * S. 492, die Arbeitsweise der Fräser dargestellt, welche nach den ursprünglichen stumpfen, als Modelle benutzten Stahlfräsern abgegossen worden sind. Später wurden genaue Stahlfräser als Modelle zum Formen benutzt. Die gegossenen Fräser werden alsdann mittels Zwischenringe und Papierbeilagen auf den richtigen, den eigenen Dorn gespannt und diese Fräser in rückläufigem Drehsinn behufs Schärfung der Schneidkanten gegen ein Schmirgelschleifrad angestellt, so dass in dieser Weise sowohl die Schneidkanten am Umfange als auch an den Flanken in billigster Art zugeschärft werden. Seltsamer Weise arbeiten diese Fräser mit grösserer Schnittgeschwindigkeit als Stahlfräser, was einerseits in der selbsthätigen Gewichtsschaltung des Tischschlittens, andererseits in der rücksichtslosen Behandlung dieses billigen Werkzeuges seine Erklärung findet. – Zur Bearbeitung der Thürbänder werden seitdem in dem oben bezeichneten Werk gusseiserne Fräser, aber auch gusseiserne Reibahlen von 150 mm Länge und 10 bis 20 mm Stärke mit Vortheil gebraucht. Textabbildung Bd. 308, S. 165 Fétu-Defize's stehende Fräsemaschine. Fétu-Defize's stehende Fräsemaschine. Von der Maschinenfabrik A. Fétu-Defize et Cie. in Lüttich werden schon seit Jahren (vgl. D. p. J. 1890 277 * 162) Fräsemaschinen mit senkrechter Spindel gebaut, welche am Oberarm eines ∟-förmigen Ständers angeordnet ist und die über einem mit Drehscheibe ausgerüsteten Tisch werk steht, welches selbsthätige Universalbeweglichkeit und nebstdem Einrichtung zum Fräsen nach Curvenschienen, Schablonen, besitzt. Die nach Annales industrielles in Fig. 8 und 9 dargestellte Maschine entspricht dem Aeusseren nach einer schweren Stossmaschine und ist zur Bearbeitung von Dampfmaschinen- und Locomotivenbestandtheilen vorzüglich geeignet. An der oberen Führung des Ständers a ist der mit Gegengewicht c entlastete Lagerschlitten b stellbar angeordnet, dessen Spindel d von einem über die Hauptrolle f geleiteten und über die Leitrollen g geführten Winkelriemen durch die an die Stufenscheibe angeschlossene Scheibe betrieben wird. Diese Hauptrolle f ist daher in einem festen Lagerauge des Ständers a gehalten und greift durch eine Fensteraussparung des Lagerschlittens b, während das angesetzte Winkelrad k zum Schaltbetrieb dient. Von dieser Winkelradwelle wird ferner durch zwei gleich grosse Stirnradpaare l und m, durch eine zwischenliegende Reibungsrolle n die stehende Steuerwelle o und damit das gesammte Tischwerk mit bekannten Mitteln gesteuert, wozu ein Wendetriebwerk p dient, während zur Aenderung der Schaltgrösse eine Relativverschiebung der Reibungsrolle n vorgesehen ist, welche durch Verlegung der Lagerbüchse mittels Handrades q vorgenommen wird. Um nun das aus Hauptschlitten r, Querschlitten s und Drehtisch t zusammengesetzte Tischwerk nach einer Lehrschiene zu schalten, wird der Spindelbetrieb des Hauptschlittens ausgelöst und dafür ein Zahnstangenbetrieb u eingerückt, welcher durch Doppelhebelgegengewichte w und v auf den Hauptschlitten in der Richtung nach auswärts einwirkt. Wenn nun an der Ständerbettführung ein Querstück x festgespannt wird, in dessen Längsnuth eine Schablone y festgeschraubt ist, an der eine am Querschlitten 5 angebrachte Rolle z sich anlegt, so wird bei einer Verstellung des Querschlittens eine der Leitcurve der Schablone y entsprechende Verlegung des Hauptschlittens r verbunden sein. Um den durch die Winkeldrehung der Gewichtshebel w und v bedingten Andruck zu regeln, wirken diese mittels Sperrklinken auf die Zahnstangengetriebwelle u ein und können demnach jederzeit in ihrer Wirkungslage verstellt werden. Beaman-Smith's Tischfräsemaschine. Ein 3050 mm langer und 356 mm breiter, mit Längsschlitzen versehener Tisch ist von einem hohlgusseisernen Rahmenbogen brückenartig überspannt, in dessen Füssen zwei gegensätzlich gegen einander und senkrecht zur Tischrichtung gestellte wagerechte Fräsespindeln lagern, während am Bogenscheitel der Brücke eine senkrechte, nach abwärts gestellte Fräsespindel angeordnet ist. Diese senkrechte, von einem 90 mm breiten, auf dreiläufiger Stufenscheibe gehenden Riemen mittels (11:1) übersetzender Räderwerke bethätigte Spindel trägt eine 152 mm grosse 30zähnige Fräsescheibe und besitzt 76 mm Verticalverstellung. Dagegen erhalten die beiden wagerechten, mit 355 mm grossen 70zähnigen Fräsescheiben ausgerüsteten Spindeln einen dementsprechend stärkeren Antrieb durch je einen 127 mm breiten Riemen auf vierläufiger Stufenscheibe mittels (61: 1) übersetzender Stirnräderwerke. Jede dieser Seitenspindeln erhält nach American Machinist, 1897 Bd. 20 Nr. 10 * S. 189, die in Fig. 10 dargestellte Lagerung, deren Block a zwischen Wange und Brückenfuss eingeschaltet ist und in der eine Hülse b mittels Ringmuttern c axiale, bis 76 mm reichende Verstellung erhält. Damit die konische Lagerbüchse d an dem Spindelkopf f passende Anlage findet, während das hintere Spindelende in einer glatten cylindrischen Lagerbüchse g geht und das Stirnrad h freiliegend trägt, sind vorn und hinten Druckringe i eingeschaltet, wodurch der axial wirkende Schnittdruck aufgefangen wird. Bremsklötze k, mit Schrauben l angedrückt, versichern die Lage der Spindelbüchse d. Der besonders sorgfältig und ausreichend abgestufte, durch Versatzräder und mit vierfacher Stufenscheibe eingeleitete Schaltbetrieb des Tisches bewegt sich zwischen den Grenzen 0,42 bis 5,0 mm/minutl., während die Rückstellbewegung des Tisches mit 76,2 mm/minutl. verläuft. Hierzu sind zwei getrennte Antriebe (Fig. 11) vorgesehen, und zwar der Winkeltrieb m für den raschen Rücklaufbetrieb und ein ähnlicher n für den Schaltgang. Beide Winkelräder greifen in das mittlere, als Spindelmutter ausgestattete Winkelrad p, an deren Flanken Kugelringlager o vorgesehen sind, die ihren Stützpunkt im Tischlager q finden. Weitere Ringmuttern r ergänzen das kreisende Muttergehäuse, deren Standspindeln s in Endlagern t des Tisches u festgelegt sind. Textabbildung Bd. 308, S. 166 Beaman-Smith's Tischfräsemaschine. Diese 10,8 t schwere Tischfräsemaschine ist von Beaman und Smith in Providence, R. I., gebaut. Newton's Tischfräsemaschine. Die Newton Machine Tool Works in Philadelphia, Pa., baut nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 21 * S. 517, Tischfräsemaschinen, deren Einzelheiten in Fig. 12 bis 15 zur Darstellung gelangen. Am Hohlgussbett sind zwei ungleich breite, mit einem hinteren Querstück verbundene Ständer aufgesetzt, an deren senkrechte Führungen ein Winkelschlitten eingestellt wird, in dem das Lagerauge für die liegende Fräsespindel angegossen, und an deren schwächerem Winkelschenkel das Gegenlager für den Fräserdorn verlegt wird. Der stärkere, linksseitige Ständer ist im Querschnitt a (Fig. 12) dargestellt, an dessen Prismaführung der Lagerschlitten b gleitet, während sein oberes Winkelstück (im Schnitt entfallen) nach rechts bis zum zweiten Ständer mit schmälerer Führungsbahn sich fortsetzt. In die Hohlspindel c setzt der Fräserdorn d ein, welcher mittels der Schraube f axiale Verschiebung bis zu 50 mm erhalten kann. Es muss ferner, der senkrechten Verschiebung des Lager Schlittens folgend, das Antriebrad g beständigen Eingriff mit dem auf der Stufenscheibenwelle i sitzenden Getriebe h beibehalten, weshalb eine seitliche Schwingungsmöglichkeit der Welle i vorhanden sein muss, die auch mittels einer Lenkerstange k und eines drehbaren, gabelförmigen Lagerarmes l (Fig. 13) erreichbar wird, welcher im Ständer a eine passende Lagerung findet. Textabbildung Bd. 308, S. 167 Newton's Tischfräsemaschine. Textabbildung Bd. 308, S. 167 Newton's Tischfräsemaschine. Von der zweiläufigen Stufenscheibe m wird ferner eine tieferliegende Querwelle, und von dieser mittels einer dreiläufigen Stufenscheibe die vorliegende wagerechte Schneckenwelle n (Fig. 15) betrieben. Diese bethätigt das auf der stehenden Schneckenwelle p sitzende Schneckenrad o und damit wird ein zweites Schneckentriebwerk q in Gang gesetzt, an dessen Welle aussen ein Handrad r und innen ein Winkelrad sitzen, welches die Hülsenmutter s treibt, die wieder mittels angedrehter Bunde in einem Deckellager t kreist, das auf dem Wangensteg u in fester Lage aufgeschraubt ist. Durch diese kreisende Mutter s ist die im Schlittentisch w fest eingesetzte Standspindel v geschoben. Um ferner eine selbsthätige Ausrückung des Schaltbetriebes zu ermöglichen, schwingt der Lagerkörper der stehenden Schneckenwelle p um die wagerechte Schneckenwelle n frei nach auswärts, sobald eine am Schlittentisch stellbare Knagge x auf einen Hebel y einwirkt, welcher die Federklinke z zurückdrängt und diese aus dem Zahnschnitt eines festen Winkelstückes tritt, wodurch das Schwinglager von p den Halt verliert und der Eingriff der Schnecke p mit dem Rade q aufgehoben wird. Es ist ferner von einem der beiden Riemenläufe der Stufenscheibe m noch ein unmittelbarer Betrieb einer zweiten Winkelradwelle vorgesehen, durch welche nach erfolgter Auslösung des Schlittenschaltwerkes die Rücklage des Tisches in rascher Gangart bewerkstelligt wird, indem das zweite, in die Hülsenmutter s eingreifende Winkelrad in Thätigkeit tritt. Adams' Hilfsvorrichtung zum Fräsen auf Hobelmaschinen. Gewöhnliche Tischhobelmaschinen als Fräsemaschinen zeitweilig zu gebrauchen und dementsprechend einzurichten, ist schon öfters mit wechselndem Erfolg versucht worden. Es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass an irgend einem Ort eine wenig beschäftigte Hobelmaschine sich zu solcher Arbeit ganz gut eignen mag, sofern das universale Fräsewerk leicht einstellbar und das Schaltwerk des Hobeltisches bequem anzuordnen ist. Textabbildung Bd. 308, S. 167 Fig. 16. Adams' Hilfsvorrichtung zum Fräsen auf Hobelmaschinen. Nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 7 * S. 184, hat die Adams Company in Dubuque, Indiana, die in Fig. 16 bis 19 dargestellte Fräse Vorrichtung nebst einem Deckenvorgelege mit Discusscheibe, welches durch Schneckentriebwerk mit dem gewöhnlichen Deckenantriebvorgelege der Hobelmaschine in Verbindung steht. Wird bei abgestelltem Hauptvorgelege die grosse Tellerscheibe durch Riemen bethätigt, so kann alsdann der Hobeltisch je nach der Stellung der Reibungsrolle zum Durchmesser der Tellerscheibe mit 0 bis 125 mm/minutl. geschaltet werden, wobei die vom Hauptvorgelege zur Hobelmaschine führenden Riemen in langsamster Gangweise mitwirken. Textabbildung Bd. 308, S. 167 Adams' Hilfsvorrichtung zum Fräsen auf Hobelmaschinen. Dagegen wird das am Querbalken eingestellte Fräsewerk (Fig. 17 und 18) von einer Scheibentrommel am Deckenvorgelege bethätigt, wobei Uebersetzungen des Schneckentriebwerkes (24 bezieh. 28 : 1) vorgesehen sind. Am Schlitten a ist um einen Mittelzapfen b ein Doppellager c drehverstellbar, wozu zwei Ringnuthschrauben dienen. In diesem Lagerstück c sind aussen doppelt konische Rothgussbüchsen d eingesetzt, welche durch stählerne Ringmuttern angezogen werden und in deren cylindrischen Bohrung die 76 bezieh. 104 mm starke Fräsespindel f läuft, die am verstärkten Mittelstück das Schneckenrad g trägt. In dieses greift die Schnecke h, deren Welle i sammt Antriebscheibe k in einem Lagerböckchen l geht, welches am Doppellagerstück c aufgeschraubt ist. Weil nun dieses letztere beliebige Winkellage zum Tisch der Hobelmaschine einnehmen kann, so wird diese Vorrichtung zum Planstirnfräsen (Fig. 16), Winkelfräsen, sowie zu Arbeiten mit liegender Fräsespindel zu verwenden sein. Im letzten Fall wird der Fräserdorn in einem Seitenlager m (Fig. 19) in bekannter Weise den zweiten Stützpunkt erhalten. Beaman-Smith's doppelte Tischfräsemaschine. Auf einem 2740 mm langen Bettkasten erhält der 1830 mm lange, 355 mm breite Tisch eine Verschiebung von 1930 mm. Ein an der Bettflanke angesetzter, 2130 mm hoher, einseitiger Seitenständer trägt an der 457 mm breiten Führung einen quer über den Tisch reichenden freitragenden Winkelschlitten, an dessen wagerechter Seitenwange zwei Schlitten mit senkrechter Fräsespindel angebracht sind. Um die beiden Spindeln von 355 bis herab auf 63,5 mm Mindestabstand (Fig. 20) zu nähern, sind diese Spindellager am äussersten Schlittenrand nach innen zu angeordnet, zudem hat jedes Spindellager eine unabhängige Verticalverstellung von annähernd 13 mm, während der Winkelschlitten 444 mm Lothrechtverschiebung, die bis 1 : 40 mm angezeigt wird, ausführen kann. Textabbildung Bd. 308, S. 168 Fig. 20. Beaman-Smith's doppelte Tischfräsemaschine. Mit zwei Decken vorgelegen, minutlichen Umdrehungen ausgehend, werden die Fräsespindeln mit 76, 56 und 41 minutlichen Umläufen betrieben, während dem Tische jedesmal zwölf Schaltwerthe ertheilt werden, die von 0,8 bis 3,6 mm/minutl. reichen (vgl. D. p. J. 1891 281 * 218). Der Antrieb der beiden Fräsespindeln a (Fig. 20) erfolgt durch Stirnräder b, von welchen jedes durch ein zweites, mit Winkelrad gepaartes Stirnrad getrieben wird. Nun ist die Anordnung so getroffen, dass durch die zweiten Winkelräder jedes Paares eine gemeinschaftliche Keilnuthwelle geht, an deren Ende die Antriebscheibe sitzt, wobei der Höhen Verstellung wegen eine Riemenschlinge zur Anwendung kommt. Die Spindeln a laufen mit 38 mm starkem Kegelkopf in Rothgussbüchsen c, ebenso wie die 28,5 mm starken, glatten oberen Zapfen in Büchsen d gehen, während die Stirnräder b der Annäherung wegen versetzt sind. (American Machinist, 1895 Bd. 18 Nr. 15 * S. 283). (Fortsetzung folgt.) Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation. Von Prof. Alfred Haussner, Brünn. (Fortsetzung des Berichtes S. 149 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neuerungen in der Papierfabrikation. Eine Frage von besonderer Wichtigkeit für die Holz verarbeitenden Industrien, also auch für die Holzschleifereien und Zellstoffabriken ist die nach der Verwendung der Holzabfalle. Neuestens sind Nachrichten in die Oeffentlichkeit gedrungen, dass eine sehr grosse schwedische Sulfatzellstoffabrik, die Skutskär Cellulosefabrik, nur für die Verarbeitung von Holzabfällen gegründet worden ist und thatsächlich sehr schöne Erfolge erzielt hat. Doch ist nach allem kaum daran zu zweifeln, dass dort die „Schwarten“ des riesigen Sägewerkes verkocht werden, nicht etwa die Sägespäne. Da ist es aber nicht zu wundern, wenn ein sehr schöner Zellstoff erzielt wird, weil ja in den Schwarten das jüngere, noch nicht so sehr von den sogen. „Inkrusten“ behaftete Holz vorliegt, welches wohl für solche Zwecke, wozu Bretter gewöhnlich verwendet werden, keineswegs, wohl aber in der Zellstoffindustrie zur Verarbeitung gut geeignet ist und einen, wie die Nachrichten lauten, ausgezeichneten, der Leinenfaser ähnlichen, und doch weichen und geschmeidigen Stoff liefert. Was dagegen die sehr stark zerkleinerten Abfälle, wie Sägespäne z.B., anbelangt, so sieht es mit einer geeigneten Verwendung derselben noch recht bös aus. Vielfach bereits vorgeschlagen und in neuester Zeit wieder, unter anderen durch die Patente von Bergmann (D. R. P. Nr. 65447 und 88014), aufgenommen ist das Verfahren, die Sägespäne durch trockene Destillation zu behandeln und einerseits Holzkohle, andererseits Holzessig u. dgl. zu gewinnen. Aber die erzielte Kohle ist nicht recht brauchbar und der Holzessig kommt zu theuer, weil viel Wasser aus dem Holze mitgeht. Bergmann hat nun allerdings vorgeschlagen, aus den Sägespänen Briquettes unter riesigem Drucke zu pressen, dadurch den Wassergehalt im Holze herabzudrücken und auch eine geeignete Form für die aus dem Holze zu erzielende Kohle zu gewinnen. Aber vorläufig scheint es, als ob auch dieses Verfahren in der Praxis noch nicht befriedigt. Von den für die Zellstoffkochung nothwendigen Stoffen beansprucht der Schwefel, bezieh. die aus demselben gewonnene schweflige Säure das meiste Interesse. Nachdem in Folge verschiedenartigster Concurrenz der Preis des in erster Reihe stehenden sicilianischen Schwefels im Nothjahre 1894 bis auf 55 Lire für 1 t gesunken war, hat er sich neuerdings wesentlich gehoben und streifte ungefähr Mitte des vorigen Jahres 90 Lire für 1 t. Vermuthlich ist dies einerseits auf die noch im Wachsen begriffene Sulfitzellstoffindustrie, sowie darauf zurückzuführen, dass ein Syndikat, die Anglo-Sicilian Sulphur Co., Ltd., den europäischen Schwefelhandel monopolisirt hat, indem diese Gesellschaft sowohl die etwa ¾ des ganzen Schwefelverbrauches der Erde deckende Production des Schwefels in Sicilien, sowie auch die Gewinnung des Schwefels nach System Chance (Gewinnung des Schwefels aus Sodarückständen) beherrscht. An Kiesröstöfen und Schwefelröstöfen finden wir zwei Vorschläge, welche Beachtung verdienen. R. Hasenclever empfiehlt in Chem. Ind., Jahrg. 189,5, einen Röstofen, welcher durch die Möglichkeit, Herde abwechselnd zu benutzen, an die Construction von Müller erinnert (vgl. 1896 300 29). Durch seine ausserordentliche Einfachheit besticht der Schwefelofen der Maschinenfabrik H. Füllner in Warmbrunn (vgl. Uhland's technische Rundschau, 1897 V. S. 37). Der Ofen ist fast ganz aus Gusseisen erzeugt und kommt deshalb, wie auch seiner Einfachheit halber billig zu stehen, wenn auch der Betrieb wegen der Nothwendigkeit, einen Compressor zu benutzen, etwas theurer wird. Allerdings liegen dem Berichterstatter keine bestimmten Betriebsergebnisse vor, aus denen allein ein sicherer Schluss zu ziehen wäre. Wir erkennen in Fig. 30 und 31 einen Trog a, auf dessen Boden durch die Oeffnung c das Röstgut eingefüllt wird so hoch, dass die Unterkante des Rohres b noch nicht erreicht wird. Nachdem man den Schwefel angezündet hat, schliesst man c und lässt durch das Rohr a1 die nothwendige Verbrennungsluft von etwa ¾ at Ueberdruck eintreten durch die an der Unterseite von a1 befindlichen Oeffnungen. Die durch die Schwefelverbrennung erzielte schweflige Säure zieht durch das Rohr b ab gegen Schlangenrohre aus Blei, welche von Kühlwasser umspült werden. Auch die Decke des Ofens wird so, wie es aus der Figur unmittelbar zu ersehen ist, gekühlt. Mannloch d wird zum Reinigen des Ofens verwendet. Ein Schwalbenschwanzring e aus Blei dichtet den Deckel ab. Textabbildung Bd. 308, S. 169 Schwefelofen der Maschinenfabrik Füllner. Von den Vorschlägen für die Construction von Kochern sei zuerst jener von Bernhard Serog in Saybusch nach D. R. P. Nr. 83799 angeführt. Der Kocher soll hiernach (Fig. 32) aus entsprechend bearbeiteten Steinplatten a0 hergestellt werden, welche wie die Dauben eines Fasses durch eiserne Reifen r gegen die Wirkung des inneren Druckes zusammengehalten werden. Gedichtet wird mit Blei oder einem anderen säurebeständigen Materiale. Die eisernen Deckel c0 sind auch mit Blei verkleidet, so dass nach dem Anziehen der durch die eisernen, am Steinmateriale gehaltenen Ringe d0 gehenden Schrauben b0 die Dichtung an der oberen und unteren Ringfläche erzielt wird. Textabbildung Bd. 308, S. 169 Kocher von Serog. Diese Kocherconstruction könnte wirklich auf den ersten Blick bestechen. Wenn man aber etwas näher darauf eingeht, so erhellt sofort, dass man bei derselben durchaus nicht auf eine Ersparniss rechnen und das, was der Erfinder in der Beschreibung für diesen Kocher anführt, „er soll in Folge seiner geringen Herstellungskosten jeder Papierfabrik die Möglichkeit bieten, sich den Zellstoff selbst herzustellen“, nicht berechtigt ist. Was unterscheidet diesen Kocher von jenen, welche heute so vielfach üblich sind und eisernen Mantel mit Steinauskleidung im Inneren aufweisen? Wenn wir auf das Wesen der Sache eingehen, gewiss nur das, dass wir hier eiserne Reifen gegen den inneren Druck und in den anderen Fällen einen zusammenhängenden Mantel haben. In beiden Fällen sind die Steine nicht in der Lage, wesentlich gegen das Zerspringen in Folge des inneren Druckes zu wirken; immer muss dies von der Umhüllung, sei es ein Mantel oder seien es, wie hier, einzelne Reifen, geleistet werden. Wenn das aber festgehalten wird, so lässt sich einfach zeigen, dass hier bei der Anwendung von Reifen keineswegs an Materialmenge gespart wird, somit auch die Angabe „kleinere Herstellungskosten“ nicht begründet ist, von der Längsversteifung ganz abgesehen. Betrachten wir Fig. 33, worin die Kreislinie ab aus dem Mittelpunkt o die Umhüllung, sei es ein Reif oder ein voller Mantel, vorstellt. Die Umfangsspannung in zwei benachbarten, um den ∢ dφ von einander entfernten Punkten eines Normalschnittes des Cylinders sei in Folge der inneren specifischen Pressung p durch 5 bezeichnet. Dann ist, für diesen Fall ist die folgende Betrachtung wohl genau genug, in dem Kräfteparallelogramm cedf, wobei ce = cf =  s ist: \overline{cd}=s\,\times\,d\,\varphi weil ∢ ced = cfd = dφ ist. \overline{cd} stellt die durch die Spannungen s veranlasste, nach einwärts gerichtete Kraft vor, welche der nach aussen gerichteten, durch die innere Pressung zwischen a und b hervorgerufenen Kraft das Gleichgewicht halten muss. Demgemäss muss auch: \overline{cd}=p\,\times\,l\,\times\,\frac{d}{2}\,\times\,d\,\varphi wenn l (Fig. 32) jene Länge des Cylinders ist, für welche durch die Materialspannungen s das Gleichgewicht hergestellt werden soll, und d den inneren Kocherdurchmesser bedeutet. Nun muss aber für die Spannung s ein genügend grosser Materialquerschnitt vorhanden sein, somit, wenn \frakfamily{S} die gestattete, specifische Beanspruchung des Umhüllungsmateriales ist: s=s_0\,\times\,l_1\,\times\,\frakfamily{S}. Dabei ist s0 die Stärke, l1 die Breite des Befestigungsringes (Fig. 32). Bei einem vollständigen Mantel wird l1 = l. Weil nun nach früher \overline{cd}=s\,\times\,d\,\varphi ist, so wird auch: \overline{cd}=s\,\times\,d\,\varphi=p\,\times\,l\,\times\,\frac{d}{2}\,\tim es\,d\,\varphi oder: s=p\,\times\,l\,\times\,\frac{d}{2}=s_0\,\times\,l_1\,\times\,\frakfamily{S } und: s_0\,\times\,l_1=\frac{p}{\frakfamily{S}}\,\times\,l\,\times\,\frac{d}{2}. d.h. aber, der Querschnitt (s0 × l1) der Befestigungsringe ist für einen bestimmten Kocher unter sonst gleichen Umständen constant, es wird also ganz dasselbe Materialgewicht für die gegen Zerspringen schützende Umhüllung folgen, mag man die Ringe sehr breit oder schmal oder endlich einen vollständigen Cylinder wählen. Erspart man aber solcherart durch die Anwendung von Ringen nichts, so ist der gewöhnliche Kocher mit vollem Mantel der Serog'schen Construction wohl zweifellos überlegen, um so mehr deshalb, weil feste und dichte Nietungen bei Blechkochern mehr Vertrauen verdienen, als Schrauben Schlösser o. dgl., welche hier vermuthlich zum Schliessen der Ringe benutzt werden sollen. Textabbildung Bd. 308, S. 170 Kocher von Kellner. Einen interessanten Vorschlag, welcher vieles für sich hat, macht Dr. Carl Kellner in seinem D. R. P. Nr. 93037. Es sollen die heiklen Heizröhren bei Kochern mit innerer Heizung durch geeignetere, widerstandsfähigere Heizkörper ersetzt werden, wie sie in Fig. 34 und 36 im unteren Theile des Kochers liegend angedeutet und mit c beschrieben sind. Der Kocher ist mit irgend einer säurefesten Auskleidung versehen, auf welcher dann im unteren Theile die eigenthümlich gestalteten, taschenförmigen, in Fig. 35 herausgezeichneten Heizkörper liegen. Die Heizkörper sind sämmtlich durch kleine ⋃-Rohre a mit einander verbunden, so dass der durch das Rohr a1 einströmende Heizdampf in alle Heizkörper eintreten kann. Aehnlich wird dann im unteren Ende der Theile c durch ⊤-Stücke das Condensationswasser gesammelt und in einen geeignet gelegten Condensationstopf geführt. Bei dem in Fig. 36 skizzirten, wagerechten Cylinderkocher ist der untere Halbcylinder mit entsprechend gekrümmten, im Uebrigen ähnlich wie vor gestalteten Heizkörpern belegt. Ueber das Material derselben ist in der Patentschrift nichts enthalten. Weil es sich um wärmeabgebende Körper handelt, so liegt der Schluss nahe, dass man Metall dafür wählt; die Hohlform lässt sich am leichtesten durch Guss erzeugen. Dies zusammengehalten deutet entweder auf eine ziemlich säurebeständige Bronze, oder auf Gusseisen, mit Blei umhüllt. Textabbildung Bd. 308, S. 170 Fig. 37. Drehkocher von Macy. In eigenthümlicher Weise will Ch. B. Macy in Noblesville nach dem amerikanischen Patent Nr. 560808 den Heizdampf in einen Drehkocher für Stroh u. dgl., wo kleinere Dampfspannungen angewendet werden, einführen und den Abdampf auslassen. Wir bemerken in Fig. 37, dass der Kugelkocher a durch einen Räder-Schneckentrieb a2 langsam gedreht wird, während durch den mit mehreren Kanälen a0 versehenen Zapfen d Dampf durch das Rohr b einströmen und durch c abgehen kann. Zu- und Abströmung sind aber nicht jederzeit gegen den Kocher zu offen, wie aus der Detailskizze Fig. 38 zu erkennen ist. Nur wenn irgend einer der Kanäle a0 mit den gegen den Zapfen zu erweiterten Oeffnungen der Rohre b und c communicirt, ist durch das Rohr b Einströmung, also von unten her, möglich, während gegenüber liegend, also auf der oberen Seite, durch das Rohr c gebrauchter Dampf abziehen kann. Für die Vertheilung des Dampfes im Kocher sorgen vier perforirte Rohre b0 auf Stützen c0, welche sich mit dem Kocher drehen und von welchen immer je zwei gegenüber und zwar oben bezieh. unten liegende benutzt werden. Der Dampf wirkt durch diese Einrichtung sozusagen stossweise, in Absätzen, und ist gezwungen, bevor er abzieht, die Kocherhöhe zu durchströmen. Durch Mannloch r wird der Kocher gefüllt. Textabbildung Bd. 308, S. 170 Fig. 38. Drehkocher von Macy. Nach ähnlichen Grundsätzen, wie der Kocher von Macy, ist jener von Marble D. Keeney in Antioch gebaut. Nur findet bei letzterem (Amerikanisches Patent Nr. 570641) die Zufuhr des Dampfes durch den einen Hohlzapfen, die Abfuhr des Dampfes durch den anderen Zapfen statt; es dürfte bei letzterem ein noch gründlicheres Durchströmen der Kocherfüllung als bei dem eben vorher beschriebenen stattfinden, während der vorige hübscher durchgebildet scheint. (Schluss folgt.) Beleuchtung. Ueber Acetylenbrenner.Nach einem in der Zeitschrift für Beleuchtungswesen veröffentlichten Aufsatz von Dr. Paul Wolff. Mit Abbildungen. Ueber Acetylenbrenner. Nachdem für die Entwickelung des Acetylens Apparate gebaut worden sind, welche bei sorgfältiger Behandlung jede Explosionsgefahr ausschliessen und regelnlässig arbeiten, hat sich die Beleuchtungstechnik an das Studium der Frage der Einrichtung der Brenner für Acetylen gemacht. Die Construction neuer Brenner erfordert genaue Kenntniss der Bedingungen und Gesetze, die für die Verbrennung von Gasen gelten, auch machen sich die Unvollkommenheiten unzureichender Brenner nicht so leicht bemerkbar. Entweder treten dieselben erst nach längerem Gebrauche in Erscheinung, oder sie äussern sich in einem schlechten Lichteffecte, über den man sich nur durch photometrische Messungen klar werden kann. Letzterer Punkt ist jedoch von ausschlaggebendem Einflüsse. Jeder Preiscalculation eines Leuchtstoffes, sowie dem Vergleiche der verschiedenen Beleuchtungsarten muss eine bestimmte Lichtstärke zu Grunde gelegt werden. Wird durch ungeeignete Brenner die Lichtstärke vermindert, so ändert sich damit natürlich der Preis und man kommt so zu ganz falschen Resultaten. Auf diese Weise kann das Acetylen, das schon zu dem heutigen Preise nächst dem Auer-Lichte das billigste Beleuchtungsmittel ist, durch schlechte Brenner zu dem theuersten werden. Maassgebend für die Brennerconstruction ist die genaue Kenntniss der chemischen und physikalischen Eigenschaften des Acetylens und der Gesetze der Verbrennung; und nur unter Berücksichtigung dieser Fragen darf man hoffen, zu einer befriedigenden Lösung zu gelangen. Da wir die einschlägigen Kenntnisse hier voraussetzen dürfen, gehen wir zu den Einzelheiten der Acetylenbrenner über. Bekanntlich hat das Acetylen beinahe dasselbe specifische Gewicht wie die Luft und braucht deshalb einen stärkeren Druck als das leichtere Steinkohlengas. In demselben Maasse, wie der Druck des ausströmenden Gases wächst, wird zugleich ein stärkerer Luftstrom mitgerissen. Hierbei ist derjenige Punkt festzuhalten, wo die Luftmischung die günstigste ist. Da das Acetylen ausserdem bedeutend mehr Kohlenstoff enthält als das Steinkohlengas, so muss die Mischung mit Luft eine viel innigere sein, um denselben vollständig zu verbrennen und die Ausscheidung von Russ zu vermeiden. Die Berührungspunkte zwischen Acetylen und der Verbrennungsluft können dadurch vermehrt werden, dass das erstere durch Mischung mit einem anderen Gase verdünnt wird. Man kann dazu entweder indifferente nicht brennbare Gase, wie Luft oder Stickstoff, oder brennbare, wie Wasserstoff oder Methan, wählen. Da Gemische von Acetylen und Luft innerhalb weiter Grenzen explosiv sind, so lässt man in diesem Falle die Mischung vortheilhaft erst in dem Brenner unmittelbar vor der Verbrennung stattfinden. Die Luftzuführung geschieht dann wie bei dem Bunsen-Brenner, ist jedoch so zu regeln, dass nicht eine entleuchtete Flamme entsteht. Zahlreiche Brenner sind nach diesen Principien schon hergestellt worden, vergeblich sucht man aber in der Litteratur nach Grundlagen zur Begründung eines Urtheiles über dieselben, nach einer auf Zahlen gestützten photometrischen Beweisführung. Aus diesem Grunde hat Verfasser eine grosse Anzahl von Brennern, von fremden sowohl als auch von denjenigen, zu denen die Ergebnisse der Untersuchungen in dem Laboratorium des Dr. O. Münsterberg (jetzt Allgemeine Carbid- und Acetylen-Gesellschaft Berlin) geführt haben, gemessen und theilt in Folgendem sowohl diese Ergebnisse selbst als auch die daraus folgenden Schlussfolgerungen mit. Nachdem die Gründe erkannt waren, welche die Verwendung von Steinkohlengasbrennern für Acetylen verhinderten, lag es nahe, dieselben Grundprincipien beizubehalten und nur nach den erkannten Gesichtspunkten umzuformen. Man konnte dies erreichen, indem man die Ausströmungsöffnung der Gasbrenner verengte und das Acetylen unter erhöhtem Druck zuleitete. Ueber den besten Druck schwanken die Angaben zwischen 25 bis 150 mm. Im Allgemeinen steigt der Nutzeffect eines Brenners mit dem Drucke. Die Zunahme ist jedoch nicht gleich, sondern steht im Verhältnisse zu dem Ausströmungscoëfficienten, der für jeden Brenner eine annähernd feststehende Grösse, für die einzelnen Brenner aber verschieden ist. Wird der Druck stetig gesteigert, so wird ein Punkt erreicht, wo das ausströmende Gas zum Theil unverbrannt entweicht. Die Flamme verliert dann ihre Form, wird hoch, zischt und fängt an der Spitze an, zu russen. Auch dieser Punkt ist bei jedem Brenner je nach der Grösse der Oeffnung verschieden. Da ausserdem das Acetylen eine grosse Diffusions- und osmotische Geschwindigkeit hat, so ist schon aus diesem Grunde der Drucksteigerung eine natürliche Grenze gesetzt, – will man sich nicht beträchtlichen Gasverlusten aussetzen. Es folgt daraus, dass sich ein fester Universalbrenndruck für alle Brenner nicht angeben lässt, sondern dass derselbe für die verschiedenen Brenner verschieden ist. Will man mit derselben Leitung mehrere Brennsysteme speisen, so muss man, um allen Vorzügen und Nachtheilen gerecht zu werden, einen Mitteldruck wählen, den der Verfasser mit 80 mm für passend hält. Hat man nur Brenner eines Systemes, so wird man dementsprechend einen anderen Druck, wie er z.B. aus den folgenden Tabellen hervorgeht, annehmen, in keinem Falle dürfen aber 150 mm überschritten werden. Es sei hier noch ein Punkt erwähnt, der von grösster Bedeutung für die Ergiebigkeit der Acetylenflamme, sowie für die richtige Ausführung und Deutung der photometrischen Untersuchung ist. Die Helligkeit des Acetylenlichtes wird durch Verunreinigungen erheblich geschwächt und die Güte des Carbids ist daher eine mit entscheidende Frage. Zur Zeit werden besonders von Amerika minderwerthige Sorten in den Handel gebracht. Bei vergleichenden Messungen muss man sich davon überzeugen, dass dieselben mit einem gleichartigen Product angestellt werden, da man sonst zu ganz falschen Ergebnissen gelangen kann. Deshalb sind auch alle Angaben, die sich von verschiedenen Seiten über verschiedene Brenner vorfinden, niemals ohne weiteres mit einander zu vergleichen, und alle derartige Bestimmungen haben nur Werth, wenn sie von derselben Seite angestellt sind, so lange wenigstens, bis die Fabrikation des Carbids so weit vorgeschritten ist, dass man von einer einigermaassen gleichen Zusammensetzung desselben reden darf. Vorläufig unterscheiden sich die einzelnen Handelssorten so stark, dass derselbe Brenner ein um viele Kerzen verschiedenes Licht gibt, je nach dem Carbid, welches das betreffende Acetylen erzeugt hat. Man könnte nun das Acetylen von seinen Verunreinigungen ganz befreien und die Messungen mit dem reinen Gase vornehmen, um sicher zu sein, richtige Werthe für die einzelnen Brenner zu erhalten. Dagegen spricht aber der Umstand, dass die Verwendung vollkommen reinen Acetylens im Betriebe nicht anzurathen ist und man auf diese Art zu Ergebnissen kommen würde, welche mit der erhaltenen Leuchtkraft nicht übereinstimmen würden. Das reine Acetylen hat einen schwachen, nicht unangenehmen ätherischen Geruch, so dass eine Undichtigkeit der Gasleitung nur schwer sich bemerkbar machen würde. Der charakteristische, scharfe, unangenehme Geruch, der schon die geringsten Mengen dieses Gases verräth, rührt von den Verunreinigungen her, und zwar ist derselbe so stark, dass schon so geringe Spuren, die irgend eine schädliche Wirkung auszuüben nicht im Stande sind, zur deutlichen Wahrnehmung genügen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, einerseits die Intensität der Flamme voll zu entwickeln, andererseits den Geruch des Gases zu erhalten, wird in den Apparaten der Allgemeinen Carbid- und Acetylen-Gesellschaft das Acetylen einem besonderen Reinigungsprocesse unterworfen, welcher die schädlichen Verunreinigungen auf das geringste Maass bringt, ohne dieselben vollkommen zu entfernen. Es ist zu betonen, dass eine vollkommene Ausnutzung der Leuchtkraft, sowie eine lange Haltbarkeit der Brenner in erster Linie mit bedingt werden durch die Güte des Carbids bezieh. die Art der Entwickelung und Reinigung des Acetylens. Bei der Besprechung der einzelnen fremden und eigenen Brenner will der Verfasser eine Eintheilung einhalten, die sich aus Zweckmässigkeitsrücksichten empfiehlt. I. Brenner für Acetylen allein: a) mit einer oder mehreren von einander unabhängigen runden Oeffnungen (Strahlenbrenner), b) mit zwei gegen einander geneigten Oeffnungen (Schmetterlingsbrenner), c) Schnittbrenner. II. Brenner für Acetylen mit Luftzuführung. Strahlenbrenner. Das aus einem runden Loch ausströmende Gas bildet eine hohe, wenig breite, im Horizontalschnitte lanzettliche Flamme. Fig. 1 zeigt einen Einlochbrenner, Fig. 2 einen Dreilochbrenner, die ganz aus Speckstein hergestellt werden; zwar werden ähnliche Brenner in Paris aus Aluminium angefertigt, doch ist für alle Acetylenbrenner Speckstein das empfehlenswertheste Material. Metall begünstigt als guter Wärmeleiter die durch die Hitze bewerkstelligte Zersetzung des Acetylens innerhalb des Brenners; Aluminium ist schon der geringen Haltbarkeit wegen nicht praktisch. Textabbildung Bd. 308, S. 172 Strahlenbrenner. Die photometrischen Durchschnittsergebnisse, welche die verschiedenen Brenner mit einem und mehreren Löchern ergaben, sind folgende: Brennersorte Herkunft Gas- druck in mm Stündlicher Gasverbrauch in l HK Stündlicher Gasverbrauch für die Kerze in l Mittel Einloch- brenner Paris 60 70 80    6½ 7    9¾    5½ 7    7½ 1,190 1,000 1,300 1,160 Einloch- brenner A Deutschland 60 70 80 6    7½    8½    6½    7½    8½ 0,925 1,030 1,000 0,985 Einloch- brenner B Deutschland 60 70 80 90 3    3¼ 4 5 1,5 1,6   1,75 2,5 2,000 2,031 2,286 2,000 2,079 Zweiloch- brenner Deutschland 60 70 80 90    5¾ 7    8¾ 10½ 2    2¾    4½    7¼ 2,875 2,545 1,944 1,310 2,163 Dreiloch- brenner Paris 60 80 17 20    20½ 22 0,830 0,880 0,855 Dreiloch- brenner Deutschland 60 70 80 90   9   9 11 13    4¼    4½    6¼    7½ 2,118 2,000 1,760 1,733 1,903 Vierloch- brenner Deutschland 60 70 80 90 10    11½    14¾ 15    4½ 5 8 10 2,222 2,300 1,844 1,500 1,967 Fünfloch- brenner Deutschland 60 70 80 90 13 15 17 20     6½     7½ 10 13 2,000 2,000 1,700 1,539 1,809 Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, dass sowohl die absolute als auch die relative Helligkeit der Ein- und Mehrlochbrenner sehr mässig ist. Die Erklärung dafür liegt erstens in der Form der Flamme. Die längliche, runde Form hat zur Folge, dass nur die Oberfläche derselben für die Lichtwirkung im Wesentlichen in Betracht kommt, während der Kern derselben dafür verloren geht. Einmal ist die Luftcirculation½ und in Folge dessen die Verbrennung dort nur eine unvollkommene, und dann werden noch die Lichtstrahlen, die von der Mitte der Flamme ausgehen, durch die Oberfläche der Acetylenflamme, welche sehr undurchlässig ist, absorbirt. Die Wirkung jedes Brenners steigt mit dem Drucke und die Ergiebigkeit der einzelnen Brenner mit dem Ausströmungscoëfficienten; die grössten Werthe, die erreicht werden können, sind aber immer viel zu gering, um eine lohnende Verwerthung des Acetylens zu gestatten. Durch Vermehrung der Ausströmungsöffnungen wird nur die absolute Stärke gesteigert, die Nutzleistung aber nicht geändert. In den deutschen Brennern steigt mit der Anzahl der Löcher die Leuchtkraft bei 60 mm Druck von 1½ HK beim Einlochbrenner bis zu 6½ HK beim Fünflochbrenner, der stündliche Gasverbrauch für die Kerze beträgt aber bei beiden 2 l. Selbst wenn wir die Verbesserung der Leuchtkraft mit erhöhtem Druck in Betracht ziehen, so ändert sich doch das Verhältniss nur unwesentlich und der Durchschnittsverbrauch für die Stunde und Kerze bleibt ziemlich gleich zwischen 1,8 bis 2 l für die verschiedenen Brenner. Eine Vergrösserung der einzelnen Oeffnungen bedingt jedoch eine Verbesserung der relativen Leuchtkraft. So verringert sich durch die grösseren Ausströmungsöffnungen der Verbrauch für die Stunde und Kerze auf die Hälfte, ungefähr auf 0,985 l für den Einlochbrenner A und für den Pariser Dreilochbrenner auf 0,855 l. Doch ist hierbei bald die Grenze erreicht, die mit Rücksicht auf das Russen der Flamme nicht überschritten werden darf. Im Ganzen ist also die Ausbeute dieser Brenner zu gering und lassen sie sich nur empfehlen, wenn ganz kleine Flämmchen verlangt werden, die mit anderen Brennern nicht zu erreichen wären. Schmetterlingsbrenner. Die Vergrösserung der Oberfläche der Flamme und Reducirung der Dicke wird in den Schmetterlingsbrennern erreicht. Textabbildung Bd. 308, S. 173 Schmetterlingsbrenner. Das Princip derselben besteht darin, dass zwei aus schrägen, gegen einander geneigten Bohrungen kommende Gasströme auf einander stossen und sich durch den Anprall zu einer flachen Gasschicht von Fächerform ausbreiten. Die Flammenebene steht demnach senkrecht zur gemeinsamen Schnittebene der beiden Bohrungen. Die bekanntesten Brenner dieser Art, die auch für Steinkohlengas und für fette Gase zur Verwendung kommen, sind die Bray-Brenner. Fig. 3 und 4 zeigen die Ansicht, Flammenform und Querschnitt eines solchen. Derselbe besteht aus einer Messingfassung, die den beide Bohrungen enthaltenden Kopf, der aus einer porzellanartigen Masse besteht, trägt. Im unteren Theile desselben befindet sich ein Sieb aus Gaze, um den Gasdruck und das Sausen der Flamme zu vermindern und zu regeln. Für Acetylen werden einige Nummern mit besonders feinen Bohrungen angefertigt, die bei der Untersuchung Folgendes ergaben: Brennersorte Herkunft Gas- druck in mm Stündlicher Gasverbrauch in l HK Stündlicher Gasverbrauch für die Kerze in l Mittel 00 Bray * 85 103 167 0,61 0,61 000 Bray * 85      73½ 126 0,58 0,58 0000 Bray   60   70   80 * 85   39   42      48½   57   85½   87½   93½   88½   0,456   0,480   0,519 0,64 0,485 0000 Bray   60   70   80   90   30   34   37   41   50½   54   56½   60½   0,594   0,629   0,655   0,677 0,639 Zum Vergleiche sind in dieser Tabelle drei Messungen angeführt, die bei der Firma Julius Pintsch ausgeführt und in einem Vortrage von Gerdes (Glaser's Annalen) angegeben sind. Es sind dies die drei mit einem Sterne versehenen Zahlen für Bray 00, 000 und 0000 bei 85 mm. Bei letzterem zeigt sich ein bedeutender Unterschied. Während Gerdes bei 85 mm Druck eine Leuchtkraft von 88½ HK und einen Gasverbrauch in der Stunde und Kerze von 0,64 l findet, ist der Verfasser zu dem wesentlich günstigeren Ergebnisse von 93½ HK und nur 0,519 l gelangt. Da an der Genauigkeit der Pintsch'schen Messungen nicht zu zweifeln ist, so möchte Verfasser diese Differenz auf die Reinheit des angewandten Acetylens zurückführen. Da die Pintsch'schen Untersuchungen schon vor längerer Zeit angestellt wurden, so nimmt Verfasser an, dass das damals benutzte Carbid an Qualität hinter dem seinigen zurückstand und daher die verhältnissmässig ungünstigen Angaben herrühren. Verfasser glaubt, dass mit einem noch reineren Acetylen ein noch viel grösserer Nutzeffect nachgewiesen werden kann. Jedenfalls zeigen schon diese Zahlen, dass der Werth von 0,6 l für die Stunde und Hefner-Kerze, der im Allgemeinen als das beste Resultat für Acetylen angegeben wird, viel zu hoch ist, hat sich doch schon bei Bray 0000 bei 60 mm 0,45 l gefunden. In diesem Sinne werden auch die von Gerdes für Bray 00 und 000 angegebenen Werthe corrigirt werden müssen. Es ist bestimmt zu erwarten., dass der Nutzeffect des Bray-Brenners mit der Grösse steigt und wie sich der Bray 0000 bedeutend günstiger stellt als der 00000, so werden sich die 000 und 00 in demselben Verhältnisse verbessern. Es kommt noch hinzu, dass ein Druck von 85 mm nicht günstig ist. Die Ergiebigkeit der Bray-Brenner nimmt, wie aus der Tabelle zu ersehen, nicht mit dem Drucke zu, sondern der günstigste Punkt liegt bei 60 mm. Bei einem schwächeren Drucke brennen sie leicht russend, während bei einer Steigerung die relative Leuchtkraft abnimmt. Es liegt dies wohl daran, dass bei einem zu starken Anpralle der beiden auf einander stossenden Gasströme ein Theil der Verbrennung entzogen wird und unverbraucht entweicht, so dass eine zu grosse Luftzufuhr entsteht, welche einen Theil des Kohlenstoffes bereits zu nichtleuchtenden Gasen verbrennt. Die Bray-Brenner geben eine helle Flamme von angenehmer Form, sie sind billig und leicht zu ersetzen, haben aber den Nachtheil, sich leicht zu verstopfen. Das Acetylen hat die Eigenschaft, sich in der Hitze zu polymerisiren. Es entstehen dadurch feste und flüssige Verbindungen, welche sich unter Abscheidung von Kohle zersetzen. Diese Zersetzungsproducte lagern sich grösstentheils aussen auf dem Brenner vor den Oeffnungen ab, können sich aber auch bei längerer Erhitzung in den engen Kanälen bilden. Die Flamme verliert dann ihre Gestalt und beginnt zu russen. Hat sich die Ablagerung nur aussen gebildet, so lässt sich dieselbe leicht durch Abbürsten entfernen, sind aber die Bohrungen verstopft, so kann eine Reinigung wegen der Enge der Kanäle und der Zerbrechlichkeit der Masse nicht mehr erfolgen, dann ist der Brenner auszuwechseln. Der Preis derselben ist so niedrig, dass ein häufiger Ersatz keine Rolle spielt, immerhin gehört dazu ein Wärter, der den Brenner beaufsichtigt und erneuert. Die Brenner empfehlen sich deshalb mehr für Fabriken und Werkstätten als für Wohnräume. Dasselbe gilt auch von den Nachbildungen der Bray-Brenner, die von verschiedenen Firmen angefertigt werden und deren Ergiebigkeit nicht schlecht ist. Zu den Bray-Brennern gehört auch ein Brenner, bei welchem auf einem gewöhnlichen Bray-Brenner ein Aufsatz von Messing angebracht ist, der senkrecht zur Flammenebene zwei Luftlöcher besitzt und andauernd russfrei brennen soll. Wie diese Vorrichtung ein Verstopfen der Kanäle und daraus folgendes Russen vermeiden soll, ist unerfindlich. Es zeigte sich, dass die einzige, kaum wahrnehmbare Wirkung darin besteht; dass die Flamme etwas nach unten gezogen und rund wird. Eine günstige Wirkung auf das Russen konnte nicht beobachtet werden. Textabbildung Bd. 308, S. 174 Schmetterlingsbrenner. Um die Verstopfungen der Bohrungen in Folge Zersetzung des Acetylens zu vermeiden, bot sich der naheliegende Weg, die Flamme von den Oeffnungen zu entfernen, indem man den Bohrungen eine solche Richtung gab, dass die Gasströme sich erst in einer gewissen Höhe über dem Brenner treffen. Dieser Gedanke ist auf verschiedene Art ausgeführt worden. Einige Firmen behalten den Specksteinkopf bei, rücken nur die Oeffnungen weit aus einander und vergrössern den Brennerkopf so, dass derselbe eine champignonähnliche Form erhält, wie in Fig. 5 und 6 dargestellt. Aehnlich ist der Brenner von Lebeau (Fig. 7) – welcher aus einer porzellanartigen Masse besteht und zwei den Bohrungen parallel laufende weite Kanäle hat, welche angeblich eine lebhaftere Luftzuführung und zugleich Kühlung bewirken sollen. Textabbildung Bd. 308, S. 174 Schmetterlingsbrenner. Auf demselben Grundgedanken beruhen eine Reihe von Brennern, die in verschiedenen Aenderungen von verschiedenen Seiten, z.B. von der Allgemeinen Carbid- und Acetylen-Gesellschaft in Berlin (G. M. Nr. 75791, Fig. 8 und 9), construirt wurden. Allen diesen Brennern ist die Anordnung zweier gebogener Röhren gemeinsam, welche die Gasströme in einem bestimmten Winkel auf einander treffen lassen, verschieden aber ist die Ausführung, die Länge und Biegung der Röhren, die Ausströmungsöffnung und die Neigung der Gasströme, welche Punkte für die Helligkeit des Lichtes von grosser Bedeutung sind. Dass die verschiedenen Abmessungen einen grossen Unterschied in der Wirkung ausmachen, geht aus folgender Tabelle hervor: Brennersorte Herkunft Gas- druck in mm Stündlicher Gasverbrauch in l HK Stündlicher Gasverbrauch für die Kerze in l Mittel Champignon- brenner Paris   60   70   80   90 100 110 10 10 11    13½    14½    14½   8½   8½ 11 13½ 15½ 16½ 1,176 1,176 1,000 1,000 0,936 0,879 1,028 Champignon- brenner Deutschland   60   70   80   90 110 10 10    11½    13½    14½   9 10 11½ 14 15½ 1,111 1,000 1,000 0,964 0,936 1,002 Champignon- brenner Lebeau   80 13 12½ 1,040 1,040 Zweiröhren- brenner G. M. A. C. A. G.   60   70   80   90 100 110 13 13 16 16 18 18 15½ 18 21 22½ 25 25½ 0,838 0,722 0,762 0,711 0,720 0,706 0,743 Die Champignonbrenner, die einander ähnlich sind, zeigen auch eine gleiche Intensität, während der Zweiröhrenbrenner sich wesentlich günstiger zeigt. Die Luftkanäle des Lebeau-Brenners erwiesen sich als wirkungslos, eine Erhöhung der Leuchtkraft findet nicht statt und ebenso wenig lässt sich ein Einfluss auf die Temperatur des Brenners, eine Erschwerung der Zersetzung des Acetylens und Verstopfung der Bohrungen nachweisen. Die Form der Champignonbrenner ist nicht praktisch. Der grosse Kopf wirft einen starken Schatten und beeinträchtigt dadurch die Lichtwirkung. Dann müssen die Specksteinwände genau gearbeitet sein, da dieselben bei ungleichmässiger Erwärmung leicht springen. Die Herstellung ist nicht einfach und daher der Preis ziemlich hoch. Auch verstopfen sich die Löcher leicht und lassen sich nur bei vorsichtiger Behandlung reinigen. Vortheilhafter erweisen sich die Zweiröhrenbrenner, deren Herstellung einfach und deren Lichtwirkung gut ist; die Oeffnungen können weiter sein, verstopfen sich in Folge dessen weniger und lassen sich gut reinigen. In scheinbarem Widerspruche zu den bei den Bray-Brennern gefundenen Resultaten steht es, dass der Effect hier mit dem Drucke zunimmt. Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dass die Gasströme hier nicht unmittelbar auf einander stossen, sondern erst einen mehr oder weniger langen Weg in der Luft zurücklegen. Dadurch wird der Anprall vermindert und die Wirkungen des erhöhten Druckes können sich nicht so fühlbar machen. Im Einklänge damit steht es, dass auch die Vortheile der Bray-Brenner nicht erreicht werden. Bei gleichem Gasverbrauche ist die Flamme und die Lichtwirkung geringer. Da die Kraft des Zusammenstosses nicht so gross ist, so breitet sich die Flamme nicht so weit aus und sie behält nun eine grössere Dichte. Der Nutzeffect dieser Brenner wird also immer hinter den Bray-Brennern zurückstehen, oder vielmehr sie würden dieselben erst bei einem Drucke erreichen, der sich von vornherein verbietet. Die übrigen Vortheile dieser Brenner sind aber so gross, dass sie bei der Hausbeleuchtung den Vorzug verdienen. Bei einem stündlichen Verbrauch von 0,7 l für die Kerze, den man bei richtiger Construction erreichen kann, stellt sich der Preis niedrig genug. Man kann die Lichtwirkung verstärken, indem man mehrere Brenner zusammenstellt. Hierbei ist aber auf die Stellung sehr zu achten. Wie bereits erwähnt, ist die Acetylenflamme für Lichtstrahlen sehr undurchlässig. Werden zwei gleich starke Flammen neben einander angebracht, so erhält man nicht die doppelte Lichtwirkung, sondern eine viel geringere. Bei einer Gruppirung von fünf Flammen z.B. geht die mittelste Flamme für die Lichtwirkung vollkommen verloren, da die seitwärts ausgesandten Strahlen durch die zwei vorgelagerten Flammen gänzlich absorbirt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 175 Schmetterlingsbrenner. Es muss daher die Lagerung derartig sein, dass die Strahlen jeder Flamme nach allen Seiten frei an den anderen Flammen vorbeigehen können. Solche Brenner werden beispielsweise von der Allgemeinen Carbid- und Acetylen-Gesellschaft in Berlin construirt. Fig. 10 und 11 zeigen die Anordnung dieses Brenners, und dahin zielende Messungen zeigen, dass hierbei in der That die doppelte Leuchtkraft erreicht wird. Textabbildung Bd. 308, S. 175 Schmetterlingsbrenner. Es ist auch ein Versuch gemacht worden, die Schmetterlingsbrenner für einen Rundbrenner mit Cylinder zu verwenden. Zu diesem Zwecke wird ein Specksteinring in einer runden Messinggalerie gefasst, der das Gas durch zwei gegen einander geneigte Oeffnungen zusammentreffen lässt (Fig. 12 und 13). Derselbe wurde mit und ohne Cylinder gemessen und lieferte folgende Ergebnisse: Brennersorte Herkunft Gasdruck in mm Stündlicher Gas- verbrauch in l HK Stündlicher Gas- verbrauch für die Kerze in l Mittel ohne Cylinder mit Cylinder ohne Cylinder mit Cylinder ohne Cylinder mit Cylinder Rund bren- ner Deutschland   60   70   80   90 100 115      9¼ 11 11     13¼ 14 14   9¾ 11 11½ 14½ 14¾ 15½   5   6   7½ 11½ 13¾ 14½ 0,949 1,000 0,957 0,914 0,905 0,903 1,850 1,833 1,467 1,152 1,018 0,965 0,938 1,381 Ohne Cylinder gibt der Rundbrenner ungefähr dasselbe Ergebniss wie der ähnlich construirte Champignonbrenner, die wenig höhere Leuchtkraft ist nur auf Zufälligkeiten in der Herstellung der Brenner zurückzuführen. Wesentlich geringer wird aber der Effect, sobald ein Cylinder aufgesetzt wird. Neben der Absorption des Glases spricht hierbei der Umstand mit, dass durch den Cylinder ein starker Luftzug nach oben verursacht wird, der die Richtung der Gasströme stark beeinflusst. Es wirken dann zwei Factoren auf das ausströmende Acetylen ein. Einmal der Druck, welcher dasselbe in der verlängerten Linie der Bohrungen vorwärts treibt, und zweitens die Luftströmung, welche es nach oben zieht. Der Gasstrom folgt dann einer neuen Richtung. Je schwächer der Druck, um so stärker ist die Abweichung von der normalen Richtung, um so spitzer der Winkel, in welchem die beiden Gasströme sich treffen, und um so geringer die Helligkeit der Flamme. Bei dem Drucke von 60 mm überwiegt der Zug nach oben so stark, dass überhaupt keine Schmetterlingsform mehr entstehen kann. Die Flamme hat dann die Form, wie in Fig. 14 angegeben. Je mehr dann der Druck zunimmt, um so mehr tritt der Zug nach oben zurück, und bei einem Drucke von 115 mm ist nur noch ein so geringer Unterschied zwischen der Intensität mit und ohne Cylinder, dass derselbe wohl fast ganz auf Rechnung der Absorption durch das Glas zu setzen ist. Textabbildung Bd. 308, S. 175 Fig. 14. Schmetterlingsbrenner. Schnittbrenner. Für offene Flammen kommen neben den Schmetterlingsbrennern noch die Schnittbrenner in Betracht. Die Gestalt eines solchen Schnittbrenners wird durch Fig. 15 veranschaulicht. Die Brennerköpfe der Schnittbrenner werden fast ausschliesslich aus Speckstein geschnitten. Dieselben besitzen ein leichtes Schraubengewinde, mit welchem sie entweder direct auf dem Gasarme aufgesetzt werden, oder sie werden damit zunächst in eine Messingfassung eingekittet und dann erst mittels Gewinde, das sich an der Messinghülse befindet, aufgeschraubt. Eine andere Gestalt der Flamme wird durch die Hohlkopfbrenner (Fig. 16) erreicht. Die Bohrung im Kopfe ist entsprechend der äusseren Form des Brenners erweitert, so dass die Wandung überall gleich stark ist. Textabbildung Bd. 308, S. 176 Schnittbrenner. Schnittbrenner für Acetylen mit sehr engen Spalten werden in verschiedenen Ausführungen in den Handel gebracht. Einige photometrische Untersuchungen hatten folgendes Ergebniss: Brennersorte Herkunft Gas- druck in mm Stündlicher Gasverbrauch in l HK Stündlicher Gasverbrauch für die Kerze in l Mittel Schnittbren- ner Nr. 1 ½ Paris   50   60   70   80   90 110 20 24 28½ 32½ 35 41   20   22   30½   38   47   66½ 1,000 1,091 0,934 0,855 0,745 0,616 0,873 Schnittbren- ner Nr. 2 Paris   50   60   70   80   90 110 23 28 29 32 38 44½   35   50   53   56½   66   72 0,657 0,560 0,547 0,566 0,576 0,618 0,587 Schnittbren- ner Nr. 2 ½ Paris   60   70   80   90 110 36 41 43 50 54½   59   70   72½   82   90 0,610 0,586 0,593 0,610 0,605 0,600 Schnittbren- ner Nr. 3 Paris   60   70   80   90 36 41 44 51   70½   78   86   97½ 0,510 0,526 0,512 0,523 0,514 Schnittbren- ner klein A. C. A. G.   60   70   80   90 110 14 20 24 27 31   22   35   35   49   54½ 0,636 0,571 0,686 0,551 0,569 0,602 Schnittbren- ner gross A. C. A. G.   80   90 44 50   86 100 0,512 0,500 0,506 Aehnliche Ergebnisse werden auch mit den Brennern nach den G. M. Nr. 42647 und 42648 erhalten. Das photometrische Ergebniss der Schnittbrenner ist als recht günstig zu betrachten. Abgesehen von dem kleinsten Pariser Brenner Nr. 1½, bei welchem der Spalt zu eng ist, werden Werthe erreicht, welche den besten Ergebnissen der Bray-Brenner gleichkommen. Ausserdem spricht die einfache Herstellung, der Preis, der noch etwas billiger ist als der der Bray-Brenner, sowie die Flammenform, die der gebräuchlichen der Steinkohlengasbrenner gleichkommt, zu deren Gunsten. Auch hier nimmt der Nutzeffect im Allgemeinen mit dem Drucke zu, doch ist die Zunahme, besonders bei den grösseren Brennern nicht bedeutend und wird sich ein Druck von 80 mm als bester im Durchschnitte empfehlen. Je grösser der Brenner ist, um so geringer ist der Spielraum, der dabei gelassen ist. Während der Brenner Nr. 1½ von 50 bis 110 mm gut brennt, lässt sich der Brenner Nr. 3 nur noch von 60 bis 90 mm, der grosse Brenner der Allgemeinen Carbid- und Acetylen-Gesellschaft sogar nur von 80 bis 90 mm Druck benutzen. Bei geringerem Drucke russt derselbe, während die Flamme bei stärkerem Drucke zischt und der Kohlenstoff unvollkommen verbrennt. Bei der Enge der Spalte ist es unvermeidlich, dass sich die Schnittbrenner verstopfen. Dieselben lassen sich zwar leicht dadurch reinigen, dass man mit einem feinen, sägeartigen Instrument einmal durch den Schnitt streicht, immerhin bedürfen sie einer fortwährenden Controle und lassen sich in Folge dessen nicht für alle Fälle empfehlen. Brenner mit Luftzuführung. Die ganzen Schwierigkeiten der Verstopfungen fallen fort, wenn man das Acetylen mit anderen Gasen verdünnt und aus weiten Oeffnungen brennt. Als einfachstes Mittel erschien hierfür die Mischung mit Luft, die wegen der Explosivität zweckmässig erst im Brenner geschieht. So einfach es erscheinen mag, Brenner mit Luftzuführung zu construiren, so viele Schwierigkeiten haben sich bei der Ausführung gezeigt. Das Verhältniss zwischen Luft und Acetylen muss bestimmt und genau eingehalten werden, damit eine gute Leuchtwirkung erzielt wird. Ist die Luftmenge zu gering, so neigt die Flamme zum Russen, ist dieselbe zu gross, so tritt eine theilweise Entleuchtung ein und die Flamme schlägt leicht zurück, da die Mischung von Acetylen und Luft innerhalb weiterer Grenzen explosiver ist als das Steinkohlengas. Die Menge der mitgerissenen Luft hängt von dem Drucke ab, unter welchem das Gas steht. Je grösser derselbe ist, um so stärker ist auch die Luftzufuhr. Alle diese Factoren müssen genau berücksichtigt werden. Textabbildung Bd. 308, S. 176 Fig. 17. Brenner mit Luftzuführung. Die ersten Luftbrenner wurden von Bullier angegeben. Sie hatten den Fehler, nur bei hohem Drucke zufriedenstellend zu brennen; auch die meisten folgenden Erfindungen zeigten denselben Uebelstand. Erst in neuester Zeit werden Brenner hergestellt, welche auch bei niederem Drucke gut brennen. Bei den ersten Versuchen, die in dem Laboratorium des Dr. Münsterberg angestellt wurden, wurden Zweiröhrenbrenner benutzt. Es wurde auch damit ein annehmbares Resultat erreicht, jedoch war ein Minimaldruck von 120 mm erforderlich. Um denselben Druck wie bei gewöhnlichen Acetylenbrennern anwenden zu können, ging man zu Schnittbrennern über und erreichte bisher das beste Resultat mit dem Modelle G. M. Nr. 81094 (Fig. 17), welches folgendes photometrisches Ergebniss lieferte: Brennersorte von der A. C. A. G. Gas- druck in mm Stündlicher Gasverbrauch in l HK Stündlicher Gasverbrauch für die Kerze in l Schnittbrenner mit Luft- zuführung A 90 10 13 0,741 Schnittbrenner mit Luft- zuführung B 90 37     58½ 0,631 Schnittbrenner mit Luft- zuführung C 90     43½     69½ 0,626 Es zeigt sich, dass besonders bei den grösseren Brennern die Ergiebigkeit annähernd so gut ist als bei den besten Brennern für reines Acetylen. Auch hier wächst die Ergiebigkeit mit dem Ausströmungscoëfficienten. Ausserdem besteht hierbei der Vortheil, dass dieser Brenner, dessen Schlitz ebenso weit ist wie der eines gewöhnlichen Steinkohlengasbrenners, sich niemals verstopft. Ein Russen oder Verminderung des Leuchteffectes ist ausgeschlossen und er behält stets dieselbe helle und klare Flamme. Da auch der Preis des Brenners nicht hoch ist, so wird derselbe sich für alle die Fälle empfehlen, in denen ein häufiges Reinigen oder Auswechseln der Brenner sich verbietet, besonders für Strassenbeleuchtung dürfte dieser Brenner hauptsächlich in Frage kommen. Mischung von Acetylen mit anderen Gasen. Eine Möglichkeit, das Acetylen vortheilhaft der Verbrennung zuzuführen, besteht darin, dasselbe in Mischung mit anderen Gasen dem Brenner zuströmen zu lassen. Dies Verfahren gehört eigentlich nicht in den Rahmen unseres Themas, da es sich dabei nicht um besondere Brenner handelt, sondern vielmehr alle gewöhnlichen Arten der Steinkohlengasbrenner dazu benutzt werden können. Es seien hier nur kurz die wesentlichsten Resultate erwähnt. Schon am 31. Januar 1895 erhielt Brillier ein deutsches Reichspatent zur Verdünnung von Acetylen mit Stickstoff und am 22. Juni 1896 wurde von Bouvier ein Patent angemeldet zur Darstellung einer Masse (bestehend aus Calciumcarbid, kohlensaurem Kalk und saurem schwefelsaurem Natron) zur Herstellung eines Gemisches von Acetylen und Kohlensäure. Am 30. März 1896 nahm Prof. Lewes ein englisches Patent zur Herstellung gemischter Carbide, welche bei der Zersetzung mit Wasser in Acetylen und andere Kohlenwasserstoffe zerfallen. So erhält er z.B. aus Braunstein, Kalk und Kohle ein Gemisch aus Calciumcarbid und Mangancarbid, welches in Acetylen, Methan und Wasserstoff zerfällt. Inzwischen ist die Wirkung, welche die Beimengung verschiedener Gase zu dem Acetylen auf die Leuchtkraft ausübt, näher untersucht worden; in Folgendem sind einige Resultate gegeben, welche zum Theil einer Arbeit von Bullier in dem Bulletin de la Société Chimique de Paris entnommen sind. 1) Acetylen mit Stickstoff: Die besten Ergebnisse werden erhalten bei einer Mischung, welche zwischen 50 bis 80 Proc. Acetylen enthält. In diesem Falle erhält man, je nach der Grösse des Brenners: 1 HK mit 0,667 bis 0,792 l Acetylen. 2) Acetylen und Kohlensäure: Die Beimengung von Kohlensäure darf 20 Proc. nicht übersteigen, ohne die Leuchtkraft erheblich herabzusetzen. 50 Proc. CO2 liefert 1 HK mit 1,967 l Acetylen 20 „ „ „ 1 „ „ 0,667 l „ 3) Acetylen und Wasserstoff: Dies Gemisch gibt für grosse Brenner annehmbare Resultate. Bei einem stündlichen Consum von 80 l erhält man: 1 HK mit 0,667 l Acetylen. 4) Acetylen, Stickstoff und Sauerstoff: 45 Proc. Stickstoff, 5 Proc. Sauerstoff und 50 Proc. Acetylen liefern: 1 HK mit 0,646 l Acetylen. 40 Proc. Stickstoff, 10 Proc. Sauerstoff (= Luft) und 50 Proc. Acetylen liefern: 1 HK mit 0,583 l Acetylen bei einem stündlichen Verbrauche von etwa 100 l. Da diese Mischungen aber explosiv sind, so ist deren Verwendung ausgeschlossen. Es wird also durch die Verdünnung stets die Leuchtkraft etwas herabgedrückt und bleiben die Werthe hinter den besten, mit reinem Acetylen erhaltenen Resultaten zurück. Immerhin sind bei richtigen Mischungsverhältnissen annehmbare Zahlen zu erhalten. Durch eine Beimischung von Sauerstoff wird in jedem Falle die Leuchtkraft erhöht, in gleichem Maasse wächst aber die Explosivität, so dass dabei Vorsicht geboten ist. Die Vortheile bestehen darin, dass man gewöhnliche Brenner benutzen kann und kein Verstopfen und Russen zu befürchten hat, dem steht aber der grosse Nachtheil gegenüber, dass man zwei verschiedene Gase zu erzeugen, in getrennten Gasometern aufzubewahren und schliesslich in einem dritten Gasometer in bestimmten Verhältnissen zu mischen hat. Zieht man in Betracht, dass gerade die einfache und leichte Herstellungsweise des Acetylens einen seiner bedeutendsten Vorzüge bildet, so begreift man, dass derselbe dadurch illusorisch wird und auch eine erhebliche Vertheuerung durch die complicirte Handhabung bedingt wird. Es ist deshalb kaum anzunehmen, dass ein derartiges Verfahren mit Erfolg Eingang finden wird. Sollte es dagegen gelingen, auf dem von Lewes eingeschlagenen Wege gemischte Carbide herzustellen, welche bei der Zersetzung ein gut brennbares Gemisch von Acetylen mit Wasserstoff allein oder in Gemeinschaft mit Methan oder anderen Kohlenwasserstoffen liefern, so dürften diese Producte wohl allgemeinste Anwendung finden. Vorläufig ist jedoch noch keine Aussicht vorhanden, solche oder ähnliche Carbide zu einem annehmbaren Preise herstellen zu können. Es geht aus dem Vorhergegangenen hervor, dass ein Brenner, der mit geringstem Gasverbrauche grössten Lichteffect, tadelloses Functioniren, Haltbarkeit und Billigkeit vereinigt, vorläufig noch nicht vorhanden ist. Wohl aber gibt es eine Reihe von Brennern, welche eine oder mehrere dieser Eigenschaften besitzen und deren Verwendung so grosse Vortheile bieten, dass die geringen Fehler mit in den Kauf genommen werden können, ohne die Einführung der Acetylenbeleuchtung zu beeinträchtigen. Elektrotechnik. Schienenstossverbindungen für elektrische Bahnen. Mit Abbildungen. Schienenstossverbindungen für elektrische Bahnen. Mit der rapiden Entwickelung der elektrischen Bahnen sind in den letzt verflossenen Jahren naturgemäss auch die Ausrüstungsgegenstände nach Möglichkeit vervollkommnet worden. Hierzu gehören auch die scheinbar nebensächlicheren, für den elektrischen Bahnbau aber sehr wichtigen Schienenstossverbindungen, die eine sichere, gut leitende Verbindung zwischen den einzelnen Schienen zur Stromrückleitung vermitteln, und neben ihrem Zwecke eine möglichst einfache Montage an Ort und Stelle gewährleisten sollen. Wirft man einen Rückblick auf die ersten Verbindungen dieser Art, so wird die Vervollkommnung in der Verbindungsweise gegenüber früher und jetzt schnell ersichtlich sein. Vor etwa 25 Jahren, als zuerst in Nordamerika die Schienen zur Stromleitung benutzt wurden, waren besondere Verbindungen über die Schienenstösse hinweg noch nicht bekannt. Da nun der bei Laschen und Schienenenden sich mit der Zeit bildende Rost durch Erhöhung des elektrischen Widerstandes einen grossen Stromverlust zur Folge hatte, bezieh. die Verwendung der Schienen zur Stromleitung unmöglich zu machen drohte, kam W. Robinson im J. 1874, dem entnommenen amerikanischen Patent nach, als erster zu der Construction eines Schienenstossverbinders. Diesem Constructeur folgten, nach Auskunft amerikanischer Patentschriften bezieh. nach Angabe von H. P. Brown in der amerikanischen Zeitschrift El. World, auf dem Gebiete der Schienen verbinden Edison (1880); Stephen D. Field (1883, s. Fig. 2 und 3); Georg Westinghouse (1883, s. Fig. 4); E. L. Orcutt (1888); Charles J. van Depoele (1889); A. Lieb (1890); H. Garland (s. Fig. 5) u.a.m. Textabbildung Bd. 308, S. 178 Fig. 1. Schienenverbinder von Robinson. Textabbildung Bd. 308, S. 178 Fig. 2. Schienenverbinder von Field. Einige Constructionen aus den Jahren 1874 bis 1890 sind hier abgebildet. Erläuternd sei zu den diesbezüglichen Abbildungen Folgendes bemerkt. Bei dem Schienenverbinder William Robinson (Fig. 1) ist unter die Laschen a eine elastische, zu einem Metallband b gebogene Feder gelegt. Das Metallband ist gewölbt bezieh. zu einer Feder gebogen, damit es auch bei dem Lockern der Laschen noch eine metallische leitende Verbindung herzustellen vermag. Bei dem Verbinder Fig. 2 (Field) ist an der Schiene auf eine Länge von 5 cm ein Einschnitt hergestellt. An den dabei entstehenden Haken h ist mittels feinem Draht d der Verbindungsdraht e befestigt und verlöthet. Nach Fig. 3 hat Stephen D. Field für den Kupferleiter eine Schutzplatte p angeordnet, die mit einem Laschenbolzen f befestigt wird und den Leiter überdeckt. Textabbildung Bd. 308, S. 178 Fig. 3. Schienenverbinder von Field. Textabbildung Bd. 308, S. 178 Fig. 4. Schienenverbinder von Westinghouse. Letztere Anordnung aus dem Jahre 1883 nimmt übrigens in dem Gedanken eine kürzlich in die Gebrauchsmusterrolle des Deutschen Patentamtes unter Nr. 87548 eingetragene Ausführungsform vorweg. („Im Hohlraume der gewölbten Aussenlasche angeordneter Leiter zur Verbindung der Enden der als Rückleitung dienenden Fahrschienen elektrischer Bahnen.“) Fig. 3 (Field) und genanntes D. R. G. M. Nr. 87548 unterscheidet sich dadurch, dass bei Nr. 87548 die Schutzplatte fortgelassen und der Draht unter die Lasche g gelegt ist. Der Westinghouse'sche Verbinder (Fig. 4) soll ein Verlöthen (wie z.B. bei Fig. 2) der zu verwendenden Säure halber entbehrlich machen und ausserdem bei Erschütterungen der Schienen nachgeben können. Der Verbinder ist daher aus einem Draht gebildet, der an den Enden spiralförmig gewickelt und mit Ansätzen versehen ist. Bei dem Verbinder nach Fig. 5 wird ein mit einer Rinne zur Aufnahme des Verbindungsdrahtes b versehener Bolzen a in die Fahrschiene eingeschlagen. Der etwas konisch gestaltete Bolzen a drückt den Draht b alsdann fest an die Innenfläche der Schienenausbohrung. Seit den 1890er und insbesondere in den letzten Jahren sind nun von deutschen Constructeuren und deutschen Firmen ausserordentlich viele Schienenstossverbinder in Vorschlag gebracht und von diesen wieder ein Theil bei dem Bahnbaue zum Einbauen gebracht worden. Textabbildung Bd. 308, S. 178 Fig. 5. Schienenverbinder von Garland. Alle diese theils bewährten, theils über einen praktischen Versuch nicht hinausgekommenen oder auch überhaupt nicht zu einem praktischen Versuche gelangten Verbinder zu beschreiben, würde bei der grossen Menge zu weit führen. Nur der Hauptunterschied der Verbinder sei kurz erwähnt. Zerlegt man die Constructionen in zwei Klassen und sieht dabei von besonderen, die Schienenstösse verbindenden Vorkehrungen, wie Unterlegen von Blechen unter die Laschen, von einem Umgiessen der Stösse (worauf später noch Bezug genommen wird) u.s.w. ab, so sind auf der einen Seite solche Verbinder zu verzeichnen, bei welchen die beiden Haltkörper (Bolzen) mit dem Ergänzungsdraht, Blech o. dgl. ein fertiges Ganzes bilden, und auf der anderen Seite befinden sich lose Haltkörper, die erst an Ort und Stelle bei der Installation mit dem Ergänzungsdrahte zu versehen sind. Zu den besonderen, die Schienenverbinder ersetzenden Vorkehrungen würden also u.a. die in Fig. 1, 2 und 3 angegebenen Vorrichtungen, zu den directen Schienenstossverbindern der ersten Gruppe die Verbinder nach Fig. 4 und 6 und zu der zweiten Gruppe die Schienenverbinder nach Fig. 5 und 7 zu zählen sein. Textabbildung Bd. 308, S. 179 Schienenverbinder von Gould und Co. Bei der ersten Hauptgruppe sind die, die Haltkörper verbindenden Drähte, Bleche u. dgl. meist in die Haltbolzen (wie Fig. 6 zeigt) eingenietet, da ein Verlöthen in der Praxis zu Unzuträglichkeiten führt. Bekanntlich gehören zu einem derartigen Verbinder ein dem Schienenstosse entsprechend langer Draht u (Fig. 6) mit zwei Haltkörpern vw, die je in ein Loch des Schienensteges auf der einen und anderen Seite des Stosses eingeschoben und durch Umnieten des bei z entsprechend gestalteten Haltkörpers befestigt werden. Diese Art Schienenverbinder weichen nun unter sich hauptsächlich wieder in der Form des Ergänzungsdrahtes und Gestaltung des Haltkörpers von einander ab. Der Ergänzungsdraht ist u.a. bekanntlich S-, ∨-, ⋃- oder schleifenförmig gestaltet, damit der Verbinder bei dem Ausdehnen oder Verschieben der Schiene nachgeben kann; ferner hat der Haltkörper (Bolzen) vw einen cylindrischen oder kegelförmigen Schaft mit einem mehr oder weniger unterdrehten Kopfende. Bei der Installation der zweiten Kategorie Verbinder wird auf jeder Seite des Schienenstosses ein Haltkörper bezieh. Bolzen ohne Draht eingesetzt und dann erst ein loser Ergänzungsdraht in den Bolzen montirt. Für diese Kategorie bestehen weit weniger verschiedene Constructionen, jedoch ist dieser Verbinder 1Ji Folge praktischer Vorzüge in den letzten Jahren in Deutschland stark eingeführt worden. So kamen beispielsweise die solcherart construirten Gould'schen (aus der elektrotechnischen Fabrik Gould und Co. in Berlin stammenden) Schienenverbinder in Jahresfrist in über 10000 Exemplaren zum Einbauen in die Schienen, während die zur erstgenannten Kategorie gehörenden Verbinderconstructionen (s. Fig. 6) derselben Firma gegen früher in der Verbrauchszahl mehr zurückgingen. Da der Gould'sche Verbinder (D. R. G. M. Nr. 65025) auch einer der ältesten seiner Art sein dürfte, so sei er hier an Hand von Abbildungen kurz beschrieben. Der Schienenverbinder Fig. 7 besteht aus einem Bolzen a und einer Mutter b. Ersterer wird aus gezogenem Eisen verfertigt und besitzt eine Lange von etwa 40 mm. Die eine Hälfte des Bolzens ist mit einer Steigung von 19 : 23 konisch abgedreht und die andere Hälfte mit einem Gewinde versehen. Auf etwa ¾ der Gesammtlänge hat der zur Aufnahme des Ergänzungsdrahtes ausgebohrte Bolzen einen Längsschlitz e1 der ein Zusammenpressen des Bolzens und Festklemmen des Ergänzungsdrahtes gestattet. Da als Ergänzungsdraht meist verzinnter Kupferdraht von 10 mm Durchmesser verwendet wird, so erhält die Bohrung des ebenfalls stark verzinnten Bolzens eine lichte Weite von 10,2 mm. Die zum Einziehen des Bolzens in den Schienensteg bestimmte Sechskantmutter b wird je nach Wunsch mit einer Ausdrehung c versehen, wodurch ein sicheres Anlegen der Mutter an den Schienensteg gewährleistet wird. Textabbildung Bd. 308, S. 179 Fig. 8. Konisch geschlitzte Schienenstossverbinder von Gould und Co. Die Verwendung dieser konischen, geschlitzten Schienenstossverbinder zeigen die Fig. 8 und 9. a ist wieder der Bolzen, b ist die Mutter mit der Auslochung c und d ist der in die Bohrung des Bolzens eingeführte Ergänzungsdraht, f bedeutet eine Muffe zur Verbindung zweier Ergänzungsdrähte für den Fall eine Reihe von Schienenstössen, z.B. bei Weichen, unter Anwendung einer entsprechenden Anzahl der Verbinder leitend verbunden werden sollen. Die verzinnte Muffe, welche aus Messing verfertigt ist, hat einen durchgehenden Längsschlitz, wird je zur Hälfte über die beiden zu verbindenden Drähte geschoben und unter Zuhilfenahme des Schlitzes verlöthet. Textabbildung Bd. 308, S. 179 Fig. 9. Konisch geschlitzte Schienenstossverbindungen von Gould und Co. Da, wo es sich um das Verbinden von einfachen Schienenstössen handelt, wird zur Erzielung des den Stromverhältnissen entsprechenden Gesammtquerschnittes mittels des Ergänzungsdrahtes d zweckmässig auch ein geschlossener Ring zu bilden sein, indem der Draht durch die Bolzen weit genug durchgeschoben, umgebogen und beide Enden (zwischen d* und d1 Fig. 9) mit einer Muffe verbunden werden. Bei der Installation der Verbinder wird der Schienensteg 10 bis 20 cm vom Stoss durchbohrt – sofern die Schienen nicht bereits mit den entsprechenden Bohrungen bestellt und angeliefert waren – und mit einer Reibahle aufgerieben. Zweckmässig construirte, einfache Apparate gestalten diese Arbeitsvorrichtungen sehr einfach und schnell ausführbar. Der Schienenverbinder wird dann in die Schienenbohrung eingesetzt und nach Einfügen des Ergänzungsdrahtes mittels der Mutter fest angezogen, wobei einerseits durch entsprechendes Zusammenpressen der durch den Schlitz gebildeten Ringhälften die Aussenwandung des Bolzens a sich innig in die Schienenbohrung einschmiegt und andererseits ein Anschmiegen und Festklemmen des Drahtes in dem Bolzen a erzielt wird. Ebenso wie zur leitenden Verbindung der Schienenstösse kann dieser Verbinder auch zum Anschliessen der Erdableitung von Telegraphen-, Telephonanlagen u.s.w. an das Schienengestränge zweckmässigste Verwendung finden. Abweichend von der, ganzen Art der bisherigen Schienenverbindungen ist das vorerwähnte Umgiessen der Schienenstösse, welches z.B. die Grosse Berliner Strasseneisenbahn auf einer 30 km langen Strecke versuchsweise vornehmen lässt. Nachdem die Stösse vollständig frei gelegt sind, werden zu diesem Zwecke zunächst die Schienenenden genau ausgerichtet und durch Unter- und Zwischenlegen von Keilen fixirt. Sodann werden an beiden Seiten der Gleise- und Schienenstösse mittels starken Hakenzangen schwere grosse Formen angeklemmt. In die Mundstücke der Formen wird darauf das flüssige Metall, welches ein transportabler Cupolofen liefert, eingegossen. Das Metall überdeckt somit (auf eine Länge von etwa 30 cm) den Schienenstoss vollständig. Das Verfahren, welches in Lyon bereits angewendet worden ist, und bei welchem die Laschen entbehrlich werden, verursacht nur ungeheure Kosten, die für das laufende Meter Gleis 4 M. betragen sollen. Conr. Hesse. [Kleinere Mittheilungen.] Kleinere Mittheilungen. Polarplanimeter. In der Zeitschrift für Vermessungswesen vom 17. Februar 1897, S. 54, gibt uns C. Bohn eine beachtenswerthe Notiz: In Nr. 16 von 1896, S. 361, beschreibt Hammer eine Abänderung des Amsler'schen Planimeters, welche den Flächeninhalt durch Multiplication der Abwickelung an der Integratorrolle mit nur einer Constanten finden lässt, einerlei ob der Pol ausser- oder innerhalb der Figur liegt, oder anders gesagt, welche die zweite Constante zu Null macht, die man bisher bei Innenlage des Pols zu dem Abwickelungsvielfachen noch fügen musste. Diese zweite Constante ist bekanntlich der Inhalt eines Kreises gleich π . (b2 – 2 eb), wenn e und b die Entfernungen des Fahrstiftes bezieh. des Auflagerungspunktes der Rolle vom Gelenk bedeuten. Die Beseitigung der zweiten Constanten lässt sich (wie Bohn bereits am 26. November 1886 in das Handexemplar seiner „Landmessung“ schrieb) einfachst dadurch erreichen, dass man e=\frac{b}{2} macht, wobei es einerlei ist, ob die Rolle mitten zwischen Gelenk und Fahrstift liegt, oder im gleichen halben Fahrstiftabstand auf der Verlängerung von Fahrstift zu Gelenk. Die Grösse der Abrollung ändert sich dadurch nicht, nur der Sinn derselben. Im ersten Falle bleibt die Rolle in der Nähe des Figurumfangs, was – wie auch Hammer betont – von Vortheil ist. Im zweiten Falle – diesem entsprechend sind die Amsler-Planimeter gebaut – kann sich die Auflagerstelle der Rolle dreimal so weit vom Umfang der Figur entfernen. Bohn sagt noch, dass er es niemals lästig empfunden habe, in den selten vorkommenden Fällen der Innenlage des Pols die zweite Constante zu addiren. Aber es ist allerdings einfacher, wenn sie ganz wegfällt. -r. Eicurvenzeichner. Ueber einen Eicurvenzeichner bringt die Zeitschrift für Instrumentenhunde (October 1897, 10. Heft) einen Aufsatz von G. Rebiček in Prag. „In der Dioptrik wird bekanntlich die fundamentale Aufgabe behandelt, die von einem Centrum O ausgehenden homocentrischen Strahlen durch Brechung an einer Grenzfläche zwischen zwei Medien wieder homocentrisch in einem Punkte F zu vereinigen. Die Bedingung, an welche die Lage zweier solcher conjugirter Brennpunkte gebunden ist, besteht darin, dass die optische Weglänge für alle von O über die Grenzfläche nach F gelangenden Strahlen constant ist, d.h. dass r + nr1 = R . . . . . . ×) worin n den relativen Brechungsexponenten beider Medien bedeutet. Die Gleichung ×) stellt in bipolaren Coordinaten eine Eifläche dar. In der Zeichnungsebene erhält man als Schnitt eine Eicurve, aus welcher durch Rotation um die Achse OF die Eifläche als Rotationsfläche resultirt.“ So leitet der Verfasser diese interessante Abhandlung ein und erwähnt dann zunächst seiner im J. 1874 in dem Repertorium für mathematische und physikalische Instrumentenkunde – einem Journale, das leider nach dem Tode von dessen Begründer, Dr. Philipp Carl, nicht mehr weiter erschien – veröffentlichten Abhandlung über einen Ellipsographen, welcher die Ellipse continuirlich zu zeichnen gestattete, was zu Anfang der 60er Jahre noch als eine grosse Erscheinung galt. Nun ist es von höchstem Interesse, dass es der Mechanik gelungen, auch für die continuirliche Zeichnung der Eilinie ein Instrument zu bieten, das uns Rebiček vorführt. Für unsere Leser möge dieser Literaturnachweis zunächst genügen. Wenn der Verfasser zum Schlusse mit Recht bemerkt, dass die Eicurven auch in der Baumechanik Verwendung finden, so sei es uns hier in ganz bescheidener Weise gestattet, zu bemerken, dass auch wir Anfangs der 70er Jahre, mit dieser Wahrheit betraut, in unserem grösseren Werke „Linear-Zeichnen“ (sollte freilich geheissen haben „Stereotomie“), Verlag von Theod. Ackermann, ein prächtiges Farbendruckblatt: „Profile der Münchener Kanäle und Eilinienconstructionen“ bearbeitet haben. Ernst Fischer. Bücher-Anzeigen. Sanford, P. Gerald, de l'Imperial College, Chimiste conseil de la Cotton Powder Company, Limited. Explosifs Nitrés, Traité Pratique, concernant les propriétés, la fabrication et l'analyse des substances organiques explosibles nitrées, y compris les fulminates, les poudres sans fumée et le celluloid; traduits, revu et augmenté par J. Daniel, Docteur special en exploitation des Mines, Ingénieur des Arts et Manufactures, Ancien Directeur de la Compagnie des Explosifs Sécurite. Paris. Gauthier-Villars et fils. 6 Frcs. Das vorliegende Buch ist im Wesentlichen eine Uebersetzung des englischen Sanford'schen Werkes. Es enthält übersichtlich geordnet und auf kleinem Raume zusammengedrängt das wichtigste über die Herstellung, Eigenschaften und Untersuchung des Nitroglycerins und seiner Dynamitpräparate, der Schiessbaumwolle, Collodiumwolle, der aromatischen Nitrokörper, der Fulminate u.s.w., sowie Angaben über die mit der Fabrikation verbundenen Gefahren (Giftigkeit mancher Nitrokörper und der sich bei der Fabrikation entwickelnden Dämpfe, Explosionsmöglichkeit u.s.w.) nebst Vorkehrungsmaassregeln. Das sehr verständlich geschriebene Buch sei hiermit bestens empfohlen. Eingesandt. Der unter dem Protectorate Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern stehende Deutsch-Oesterreichisch-Ungarische Verband für Binnenschiffahrt (derzeitiger Verbandsvorstand in Nürnberg, Rathhaus Zimmer Nr. 131) wird seinen dritten Verbandstag vom 31. Mai bis 4. Juni 1898 in Nürnberg abhalten. Tagesordnung ist durch den Verbandsvorstand zu beziehen. Preisausschreiben. Zur Erlangung von Plakatentwürfen für seine Pelikanfarbe schreibt die Firma Günther Wagner in Hannover drei Preise von 1000, 500 und 300 M. aus. Nähere Auskunft ertheilt genannte Firma. DINGLERS Polytechnisches Journal Redakteur: A. Hollenberg, Ingenieur. Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) in Stuttgart. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 9. Stuttgart, 4. Juni 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. INHALT: Kraftmaschinen. Neue Erdölkraftmaschinen *. Erdölmaschine von Schneller *. Desgl. von Arnoldt *. Desgl. von Guddack *. Desgl. von Mallet *. Desgl. von Rowbotham mit elektrischer funkenloser Zündung * 181 Metallbearbeitung. Neuere Fräsemaschinen und Werkzeuge *. Langbein's Blechkantenformfräsemaschine *. Universalfräsemaschine von Cincinnati *. Desgl. von Holz mit Winkeltisch *. Desgl. von Fétu-Defize *. Hoffmann's Schaltwerk an Fräsemaschinen *. Universalfräsemaschine von Reinecker *. Bogert's Mutternfräsemaschine *. Bolzenkopffräsemaschine von Reinecker *. Fräsemaschine von Moltrup *. Newton's Kaltsägemaschine * 186 Stahlfassfabrik zu Uxbridge 190 Faserstoffe. Neuerungen in der Papierfabrikation *. Münstermann's Verbleiung von Kochern. Desgl. von Brünger. Verfahren zur Erzeugung von Zellstoff: Verfahren von Neufeld, von Ungerer, von Godefroy. Verfahren von Bühler. Desgl. von Lappen. Das Unschädlichmachen der Ablaugen. Preisausschreiben der Zellstoffabrik Unterkochen Verschiedene Vorschläge und Versuche zur Beseitigung der Ablaugen von Kumpfmiller-Schultgen und Anderen. Verwerthung der Ablauge gegen Tuberculose. Vorschläge von Mitscherlich und Ekman. Desgl. von Schmidt, von den Farbwerken Friedrichsfeld. Verwendung des Zellstoffes zu Kunstseide. Die Viscose bezieh. Viscoid von Gross. d) Verschiedene andere Rohstoffe: Carisso von Ekman. Verwendung von Altpapier von Moutardier und Picard. Verfahren von Bryant. Desgl. von Feierabend, e) Fabrikationswasser: Wasserreinigung von Schmidt. Desgl. von Riensch. Reinigung der Abwasser mittels Wormser-Platten. Filtriranlage nach Tomischka * 191 Verkehrswesen. Fahrräder *. I. Systeme und Rahmen, a) Fahrräder mit Fussbetrieb: Damenfahrrad von Dressler *. Desgl. der Cycle Suppli Association *. Desgl. von Harris *. Desgl. von Busse *. Verwandelungsfahrrad von Lloyd *. Damentandem von Walter und Co. *. Bambusrohrfahrrad von Grundner und Lemisch *. Holzfahrradrahmenverbindung von Kircher und Co. *. Waarentransportfahrrad von Marschütz und Co. Dreirad zur Personenbeförderung von Marschütz und Co. Sportswagen, System Dumont du Voitel, von Zschelletzschky *. Feuerwehrmannschaftsfahrrad von Dressler und Co. Einsitziges Eisenbahnfahrrad von Sternberg und Co. *. Zweisitziges Eisenbahnfahrrad von Sternberg und Co. *. Rahmenversteifung von Hengstenberg und Co. *. Rahmenverbindung, System Felsche, von Liepe und Co. *. Desgl. von Jacobs *. Desgl. der Eagle Bicycle Mfg. Co. *. Desgl. der Martin and Gibson Mfg. Co. *. Desgl. der Pope Mfg. Co. *. Desgl. von Vorreiter und Co. *. Zwillingsvorderradgabel von Hüttel und Kippe * 196 Kleinere Mittheilungen: Einfaches Stangenplanimeter mit Färbevorrichtung * 200 Eisenbahnfahrräder 200 Textabbildung Bd. 308 DINGLERS POLYTECHNISCHES JOURNAL. Jahrg. 79, Bd. 308, Heft 9. Stuttgart, 4. Juni 1898. Textabbildung Bd. 308, Hefttitelillustration Jährlich 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis jährlich 36 Mark; vierteljährlich 9 Mark, direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 10 Mark 30 Pf., für das Ausland 10 Mark 95 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mittheilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechnisches Journal“ in Stuttgart, die Expedition betreffende Schreiben an Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, Reinsburgstrasse 29. Preise für Ankündigungen: 1spaltig: 1 mm Höhe bei 60 mm Breite 8 Pf., 1½spaltig (90 mm Breite): 12 Pf., 2spaltig (120 mm Breite): 16 Pf., 3spaltig (180 mm Breite): 24 Pf. Bei Wiederholungen nach Vereinbarung angemessener Rabatt. – Gebühren für Beilagen im Gewicht bis zu 25 Gramm 30 Mark, eventuell nach Uebereinkunft. – Alleinige Annahmestelle für Anzeigen und Beilagen bei der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin, Stuttgart und Filialen. Kraftmaschinen. Neue Erdölkraftmaschinen. (Fortsetzung des Berichtes S. 161 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neue Erdölkraftmaschinen. Die Zweitact-Erdölmaschine von L. Schneller in Augsburg (D. R. P. Nr. 91346) ist eine Ausbildung der Maschine nach Patent Nr. 85107. Nach Fig. 12 besitzt die Maschine drei Cylinder abc1 verschiedenen Durchmessers. Die Ventile c und Knaggen u der Maschine des Patentes Nr. 85107, ebenso auch die Rippen werden durch andere Maschinentheile ersetzt. An Stelle des ersteren tritt ein Auspuffventil p, das in der Wandung des Cylinders c1 angeordnet ist. Statt der Rippen bezieh. der durch dieselben gebildeten Führungsrinnen sind Kanäle k angeordnet, welche Cylinder b mit Cylinder c1 verbinden. Textabbildung Bd. 308, S. 181 Fig. 12. Zweitact-Erdölmaschine von Schneller Die Wirkungsweise der Maschine ist folgende: Es sei angenommen, die Kolben befinden sich in ihrer höchsten Stellung und der Cylinderraum zwischen dem oberen und mittleren Kolben sei mit Explosionsgemisch gefüllt, die Kolben nehmen der Drehung der Kurbel entsprechend ihren Weg nach unten. Sobald der obere Kolben a1 die seitlich in die Cylinderabtheilung a einmündenden Kanäle b2 verschliesst, wird die Mischung im Cylinder zwischen dem oberen und mittleren Kolben entzündet und die Gase expandiren. Da Kolben b1 denselben eine grössere Druckfläche bietet als Kolben a1, so werden die drei starr verbundenen Kolben nach unten getrieben. Hierbei finden folgende Vorgänge statt: 1) Der obere Kolben saugt unter gleichzeitigem Oeffnen des Gas- und Lufteinlassventiles c Gas und Luft an, welches Gemisch auf geeignete Weise vorgewärmt wird. 2) Der untere Kolben erzeugt durch seinen Rückgang in dem Ringraume zwischen ihm, dem mittleren Kolben b1 und dem Cylinder einen luftverdünnten Raum. Sobald beim Niedergange der mittlere Kalben b1 den Kanal k freilegt, strömt ein Theil der Verbrennungsgase aus dem Cylinder b in den Ringraum c1 über. Wird nun angenommen, dass nach dem Druckausgleiche in dem Cylinder b und Ringraume c1 ein geringerer Druck als 1 at herrscht, so strömt beim Weitergehen der Kolben durch den mittlerweile frei gewordenen Kanal g so lange frische Luft ein, bis der Druck der Atmosphäre hergestellt ist. Es bleibt somit im Cylinder b eine gewisse Menge verbrannter Gase zurück, mit welchen sich die durch g zuströmende Luft mischt. Die zur Luftzuführung dienenden Kanäle g sind im Cylinder b angeordnet. Geht nun der Kolben nach Ueberwindung des todten Punktes wieder zurück, so wird zunächst das im Ringraume c1 befindliche Gemisch von Luft- und Verbrennungsrückständen durch das Auspuffventil p ausgestossen. Sind die Kanäle g und k, sowie auch das Gas- und Lufteinlassventil c geschlossen, so findet Verdichtung statt, und zwar wirkt Kolben a1 auf das angesaugte Gasgemisch, während Kolben b1 das Gemisch der durch g eingetretenen und vorerwärmten Luft mit den zurückgebliebenen Verbrennungsrückständen verdichtet. Sobald Kolben a1 beim Vorgange die Kanäle b2 freilässt, kann sich das verdichtete Gasgemisch mit dem verdichteten Luftgemische mischen, es bildet sich das Explosionsgemisch. Die Kolben gelangen wieder in die Ausgangsstellung, worauf sich der eben beschriebene Vorgang wiederholt. Der steuernde Kolben legt also entsprechend der Maschine des Patentes Nr. 83210 am Ende des Arbeitshubes zunächst den Auspuff- und darauf den Lufteintrittskanal frei. Die Luft wird in entsprechender Weise vorgewärmt, und zwar nach der angegebenen Ausführungsform in den Kammern q. Der von den Wandungen der Kammern q und den Cylinderwandungen gebildete Mantel ist mit Wasser, Leinöl o. dgl. angefüllt. Aus den Kammern q erfolgt die Luftzufuhr für das Gasgemisch durch Vermittelung des Kanales m. In demselben ist eine Abschlussklappe v angeordnet, welche, wenn die Maschine abgestellt werden soll, ebenso wie die Erdölzuführungsvorrichtung geschlossen wird. Bei der in Fig. 13 dargestellten Zweitactmaschine von O. Arnoldt in Schöningen, Braunschweig (D. R. P. Nr. 91406), gelangt das brennbare Gemenge durch das Erdölventil f und das Luftventil g in den Cylinder. Die Ausströmung der verbrannten Gase erfolgt durch den Ausströmkanal h und das Ausströmventil i. Der Vergaser k, gleichzeitig als Zündrohr gedacht, wird durch eine Lampe glühend erhalten. Bei dieser Maschine ist der Kolbenhub länger als die Strecke des Cylinderweges, auf welchem die Verbrennung der Ladung geschieht, d.h. Arbeit verrichtet wird. Die Ausströmung der verbrannten Gase findet während eines kleinen Zeitraumes beim Vorwärtsgange des Kolbens statt und nach Schluss des Auslassventiles beginnt sofort, eben falls noch beim Vorwärtsgange des Kolbens, das Ansaugen frischen Gemisches. Der Rückgang des Kolbens dient nur der Verdichtung der Ladung. Die Lage des Ausströmkanales h bestimmt die Grösse der Arbeitsstrecke. Während der Arbeitsperiode ist der Ausströmkanal h durch den Kolben b verschlossen. Derselbe wird beim weiteren Herabgehen des Kolbens geöffnet, worauf während eines Zeitraumes das Heben des Ventiles i und damit die Ausströmung stattfindet. Textabbildung Bd. 308, S. 182 Fig. 13. Zweitactmaschine von Arnoldt. Wird eine solche Maschine zum ersten Mal durch Andrehen am Schwungrade in Betrieb gesetzt, so saugt der Kolben beim Herabgehen aus der oberen Todtpunktlage durch f und g zündfähiges Gemisch während des ganzen Hubes an und drückt dasselbe auf seinem Rückgange zusammen, der das Auslassventil, durch Feder belastet, und trotz, des offenen Kanales h kein Entweichen des anfänglich nur schwach gedrückten Gases gestattet. Ist der Kolben in seinem oberen Todtpunkte wieder angelangt, so erfolgt die Entzündung. Sobald der vorgeschleuderte Kolben bei geschlossenen Ventilen f und g den Kanal h freigibt, wird das Auslassventil i geöffnet und die verbrannten Gase strömen in der Richtung des Pfeiles ab. Die Ausströmung dauert so lange, als der Ueberdruck im Cylinder das Ausströmventil offen hält, dann schliesst dieses sich selbsthätig und nun beginnt beim Weitergange des Kolbens nach unten bis in die punktirte Lage eine Verdünnung des Cylinderinhaltes und dann die Saugperiode, indem f und g sich öffnen und entzündbares Gemisch in den oberen Cylindertheil eintreten lassen. Beim Heraufgehen des Kolbens erfolgt die Verdichtung des Gemisches, das durch einen gewissen Theil der verbrannten, vom vorigen Hube herrührenden Gase verdünnt ist. Da aber das zündfähige Gemisch naturgemäss im oberen Cylindertheile sich befinden und nur dieses in den als Zündrohr dienenden Vergaser zurücktreten kann, so wird die Zündung immer eintreten. Sollte die Belastung des Auslassventiles i so gewählt sein, dass beim Beginne des Rückganges des Kolbens das Ventil i wiederum sich öffnen würde, so würde kein frisches Gemisch, sondern nur verbranntes Gas aus dem Rohre h strömen, da bei der schichtenweisen Lagerung der Gase im Cylinder sich dünnes Gemisch nur oben im Cylinder befindet. Bei der in Fig. 14 dargestellten doppelt wirkenden Zweitactmaschine von K. A. Guddack in Moskau (D. R. P. Nr. 91941) wird das Erdöl im Arbeitscylinder, abgeschieden von der Verbrennungsluft, bei jedem Hube verdampft und kurz vor dem Hubwechsel nach dem Arbeitscylinder geleitet. Die Maschine besitzt einen Arbeitscylinder a und einen Pumpcylinder b. In demselben bewegen sich die Kolben a1 und b1, welche von der Welle aus durch verschiedene grosse Kurbeln angetrieben werden, wobei der Arbeitskolben a1 den kleineren, der Pumpkolben b1 den grösseren Weg zu gleicher Zeit zurücklegt. In der Todtpunktstellung besitzen beide Kolben die gezeichnete Stellung. Der Pumpcylinder ist mit Saugventilen cc1 versehen. Ausserdem ist derselbe auf jeder Seite durch ein Rohr mit dem Arbeitscylinder verbunden, welche Rohre je ein Ventil d bezieh. d1 besitzen. Das Ventil d bezieh. d1 wird durch eine Steuerung in der Weise bethätigt, dass es während der ganzen Verdichtung im zugehörigen Luftcylinder geschlossen bleibt und sich am Ende des Hubes, also in der Todtpunktstellung, plötzlich öffnet und die verdichtete Luft nach dem Arbeitscylinder entlässt, worauf das Ventil d bezieh. d1 wieder geschlossen wird. Textabbildung Bd. 308, S. 182 Fig. 14. Doppelt wirkende Zweitactmaschine von Guddack. Auf jeder Seite des Arbeitscylinders ist ein Vergaser e bezieh. e1 angeordnet. Das vergaste Erdöl soll während des ganzen Auslasspieles in den Arbeitscylinder a strömen, sich aber nicht oder nur sehr wenig mit den verbrannten Gasen mischen, weil die Auslassöffnung i ein Stück von dem Cylinderdeckel entfernt liegt und somit ein Raum k gebildet wird, in welchem sich die Erdöldämpfe sammeln, ohne durch die Oeffnung i nach dem Auslassventile k entweichen zu können. Die Verdampfung des Erdöles kann erfolgen, weil in dem Arbeitscylinder in Folge des geöffneten Auslassventiles nur atmosphärischer Druck herrscht. Die Zündung erfolgt durch einen Zündbolzen f. Die Wirkungsweise der Maschine ist folgende: Ist die Zündung am rechten Ende des Arbeitscylinders erfolgt, so bewegt sich der Kolben a1 nach links hin, die verbrannten Gase auf der linken Kolbenseite aus dem Arbeitscylinder durch die Oeffnung i und das geöffnete Auslassventil h nach aussen treibend. Da das Auslassventil h während dieser Zeit geöffnet ist und somit im Cylinderraume k atmosphärischer Druck herrscht, so verdampft während der Auslasszeit das Erdöl und strömt aus dem Raume e nach dem Arbeitscylinder, um sich in dem Raume k zu sammeln, ohne dabei mit den verbrannten Gasen durch das Auslassrohr i zu entweichen. Zu gleicher Zeit bewegt sich der Kolben b1 nach links und verdichtet, da das Ventil d geschlossen ist, die im linken Raume des Cylinders b vorhandene Luft. Sind sowohl der Arbeitskolben a1 als auch der Kolben b1 in ihrer linken Todtpunktstellung angekommen, so wird das Auslassventil h geschlossen und das Ventil d geöffnet. Die im Pumpcylinder b enthaltene Druckluft strömt nun nach dem Arbeitscylinder über und vermischt sich hierbei mit den im letzteren enthaltenen Erdöldämpfen von atmosphärischem Drucke. Um eine innige Mischung des Erdöles und der Druckluft zu erzielen, wird der vom Ventile d nach dem Arbeitscylinder führende Kanal in Form einer Düse ausgeführt, welche schräg gegen die Cylinderwandung gerichtet ist, so dass ein kreisender Luftstrom in dem Raume k entsteht. In Folge des im Raume k entstandenen Ueberdruckes wird das Gemisch in den Vergaser e gedrückt und kommt nun mit dem glühenden Zündbolzen f in Berührung, welcher vorher mit den in Folge des Luftabschlusses nicht zündfähigen Erdöldämpfen umgeben war. Während nun das Ventil d geschlossen wird, erfolgt die Zündung und der Kolben a1 wird nach rechts vorgetrieben, wobei sich das Spiel der Maschine auf der anderen Seite wiederholt. Textabbildung Bd. 308, S. 183 Maschine von Mallet. Bei der Maschine von P. Mallet in Paris (D. R. P. Nr. 93161) wird die Ladung in Folge der entsprechend hoch getriebenen Verdichtung im Arbeitscylinder entzündet. Auch diese Maschine, welche in Fig. 15 und 16 dargestellt ist, arbeitet im Zweitact. Ein zweitheiliges Verschlusstück, dessen einer Theil am Arbeitscylinder befestigt ist, dient dem Auspuffventile für die Verbrennungsproducte als Sitz. Der andere Theil des Verschlusstückes, welcher den Ventilkörper des Auspuffventiles bildet, ist beweglich. Der kleine Hohlraum desselben dient als Verbrennungskammer und steht mit dem Arbeitscylinder durch schraubenförmige Kanäle in Verbindung, durch welche die von dem Kolben nach jener Kammer gedrückte Luft eine stark wirbelnde Bewegung erhält. Gegen den Boden der Kammer liegt ferner eine Metallkappe an, gegen welche sich der am Ende des Verdichtungshubes durch eine Pumpe in die Kammer eingespritzte Erdölstrahl zerstäubt. Auf dem Gestelle b, welches die Hauptwelle o und die verschiedenen anderen Theile der Maschine trägt, ist mittels einer Mutter und Gegenmutter der Arbeitscylinder befestigt. Der Arbeitscylinder setzt sich aus einem Stahlrohre a und einem zweitheiligen Verschluss- oder Bodenstücke zusammen. Der eine Theil a1 des Bodenstückes ist auf dem Rohre a aufgeschraubt, während der andere Theil c durch den Theil a1 hindurchgesteckt ist und so den Kegel eines Auspuffventiles für die heissen Gase bildet. In diesem Ventilkegel c befindet sich eine als Zündkammer wirkende Aushöhlung c1. Der Eintritt der von dem Cylinder a kommenden, verdichteten Luft nach der Kammer c wird durch einen mit Schraubenwindungen versehenen Körper v geregelt; der Körper v befindet sich zu dem Zwecke derart zwischen den Räumen a und c1 eingeschaltet, dass die Luft oder die Gase gezwungen werden, die Schraubengänge des Körpers v zu durchflössen. Der Körper v wird aus einem cylindrischen Stahlblocke hergestellt, indem man auf demselben zunächst ein gewöhnliches dreikantiges Gewinde schneidet und über letzteres dann die tiefen, im Querschnitte rechteckigen Schraubengänge zieht; mittels des zuerst geschnittenen dreikantigen Gewindes wird der Körper v in den Theil c des Bodenstückes eingeschraubt. In der Kammer c sitzt eine Kapsel oder Kappe c4 aus Kupfer. Diese Kappe ist so bemessen, dass sie in den Querschnitt der Kammer c1 hineinpasst und, den Boden bedeckend, ein ziemliches Stück weit in die Kammer hineinragt. Die Kappe c4 wird gegen den Boden der Kammer c1durch eine in dem Körper v befestigte Spindel c5 angedrückt erhalten. Der die Verbrennungskammer einschliessende Theil c setzt sich in einem in seiner Längsachse durchbohrten Theile c2 fort. In der Bohrung dieses Theiles ruht ein Bolzen c6, so zwar, dass ein ringförmiger, sehr enger Zwischenraum für das durch die Einspritzpumpe in die Kammer c1 gedrückte Erdöl verbleibt. Auf den konischen Theil des Körpers a1 ist eine gegossene, mit einer Oeffnung d1, zum Austritt der heissen Gase, versehene Haube d aufgesetzt. Der Ansatz der Haube dient dem Zwecke, die Spindel c2 des Ausströmungsventilkegels c zu führen. Der Kegel c wird durch eine starke Schraubenfeder auf seinem Sitze niedergedrückt erhalten, indem sich diese Feder einerseits gegen die Mutter c3 auf der Spindel c2 des Ventilkegels c, andererseits gegen den Boden der Haube d legt; die Feder drückt somit gleichzeitig auch die Haube gegen den Theil a1 an. In der Mutter c3 mündet das von der Erdölpumpe p kommende Rohr c7. Der Arbeitskolben ist auf seine ganze Länge hin hohl und aus zwei Theilen zusammengesetzt. Der eine dieser Theile, b, bildet den eigentlichen Arbeitskolben und gleitet in dem Cylinder a, während der andere Theil, l, von im Verhältnisse zum Theile b grossem Durchmesser, als Luftpumpenkolben wirkt und zu dem Ende in einem mit dem Bette b1 aus einem Stücke gegossenen zweiten Cylinder m arbeitet. Der Cylinder m hat zwei seitliche Oeffnungen m1 und besitzt in seinem Boden ein Lufteinströmungsventil s, das eine Feder s1 bestrebt ist, auf seinem Sitze gedrückt zu erhalten. Es sei die Stellung des Kolbens in dem Augenblicke betrachtet, wo in der Kammer c1 die Zündung und Explosion des Gemisches aus heisser, in lebhafter Wirbelbewegung befindlicher Luft und fein zerstäubtem Erdöl stattgefunden hat. Der Arbeitskolben, der mit der Kurbel der Arbeitswelle o in irgend einer bekannten Weise gekuppelt ist, beginnt seinen Arbeitshub und stösst dadurch den Luftpumpenkolben in den Luftpumpencylinder m hinein. Die in diesem Cylinder m enthaltene Luft entweicht daher aus den Oeffnungen m1? jedoch nur so lange, bis diese Oeffnungen von dem Kolben l bedeckt sind; in diesem Augenblicke hat aber der Kolben l noch nicht ganz das Ende seines Hubes erreicht, so dass jetzt also eine Verdichtung der noch in dem Cylinder m enthaltenen Luftmenge stattfinden muss. Während nun so die Verdichtung der Luft in dem Cylinder m vor sich geht, wird das Ausströmungsventil c geöffnet, so dass die Gase, welche bisher auf den Arbeitskolben b gewirkt haben, zwischen dem Ventile c und seinem Sitze a1 hindurchtreten und durch die Oeffnung d1 in die freie Luft entweichen. In Folge dieses Entweichens der Verbrennungsgase und der damit verbundenen Abnahme des Druckes im Cylinder a überwindet die zwischen dem Kolben l und dem Cylinder m eingepresste frische Luft den Widerstand der Feder f4 und öffnet das Einströmungsventil f, worauf diese verdichtete frische Luft erst durch den Luftpumpenkolben l, sodann durch den Arbeitskolben b und endlich durch den Arbeitscylinder a hindurchströmt. Der Arbeitskolben bewegt sich hierbei immer noch von links nach rechts und hat noch nicht das Ende seines Hubes erreicht, dennoch sind die Oeffnungen m1 aber bereits geschlossen, das Ausströmungsventil c ist geöffnet und das Lufteinströmungsventil f ist soeben geöffnet worden. Obgleich die durch den Arbeitscylinder hindurchgepresste Menge frischer Luft nur während eines kurzen Hubes des Luftpumpenkolbens erzeugt wurde, so wird dieselbe dennoch vollständig genügen, den Arbeitscylinder von verbrannten Gasen zu reinigen, da letzterer weit kleiner als der Pumpencylinder ist. Demzufolge wird im Augenblicke des Oeffnens des Ventiles f das Innere des Arbeitskolbens und des Cylinders a durch eine verhältnissmässig grosse Menge frischer und reiner Luft durchströmt, es werden die alten, verbrauchten Explosivgase ausgetrieben, und der Kolben, sowie der Cylinder erfahren eine kräftige Abkühlung. Sobald der Kolben anfängt, sich zurück, von rechts nach links zu bewegen, schliesst sich das Kolbenventil f unter der Wirkung seiner Feder f4. Ferner wird das Ausströmungsventil c von seinem Hebel frei gelassen, so dass es sich ebenfalls mittels seiner Feder d2 schliessen kann. Zugleich hiermit öffnet sich aber auch das Ventil s im Boden des Luftpumpencylinders m (in Folge der durch den Rückgang des Kolbens l im Cylinder m verursachten Luftverdünnung) und lässt von aussen in diesen Cylinder Luft einströmen, so dass die Luftverdünnung im Cylinder m sofort aufgehoben wird und der Kolben l sich unbehindert so weit bewegen kann, bis er die Oeffnungen m1 wieder frei gibt. In Folge der Schlusstellung der Ventile f und c kann die im Arbeitscylinder a noch befindliche frische Luft nicht mehr entweichen. Der Kolben b beginnt die noch im Arbeitscylinder befindliche frische Luft zusammenzupressen und in die Kammer c1 hineinzudrücken. Die Luft strömt in diese Kammer durch die schraubenförmigen Kanäle ein, die in den Körper v eingeschnitten sind, und wird schliesslich am Ende des Hubes des Arbeitskolbens bis auf das Volumen dieser Kammer zusammengedrängt. Da nun das Volumen der Kammer im Verhältnisse zu dem Volumen des Arbeitscylinders a ein sehr kleines ist, so erleidet die in diese Kammer gedrückte Luft eine sehr starke Zusammenpressung und somit auch Temperaturerhöhung, ausserdem aber hat die Luft, in Folge der schraubenförmigen Einströmungskanäle im Körper v, in der Kammer c1 eine lebhafte, wirbelnde Bewegung. Es wird jetzt, d.h. gegen Ende des Verdichtungshubes, durch die Pumpe unter hohem Drucke ein Strahl Erdöl in die Röhre c7 eingespritzt, die in die Kammer c1 endet. Der Strahl prallt gegen den Boden der Metallkappe c4, zerstäubt und dringt zwischen dieser Kapsel und der Wandung der Kammer c1 in letztere in Gestalt eines feinen Nebels ein, um sich mit der in jener Kammer befindlichen heissen, lebhaft wirbelnden Luft innig zu vermischen und in Folge der hohen Temperatur dieser Luft auch sofort zu verbrennen und sich zu entzünden, und zwar in einem Augenblicke, wo der Kolben gerade das (linke) Ende seines Hubes erreicht hat. Der Druck der Gase in der Kammer q steigt daher plötzlich, die Gase strömen durch die Schraubenkanäle des Körpers v hindurch und drücken auf den Arbeitskolben, der nun in seinem Hube umkehrt und so die durch die Zündung frei werdende Kraft in Arbeit umsetzt. Somit ist der Hub des Kolbens b von links nach rechts der Arbeitshub, gegen dessen Ende hin auch das Ausströmen der Arbeitsgase und das Einströmen frischer Luft stattfindet. Der Hub des Kolbens von rechts nach links dagegen bewirkt nur die Verdichtung der eingetretenen frischen Luft. Die Maschine ertheilt somit ihrer Hauptwelle für jede Umdrehung einen Impuls. Auf einer nicht controlirbaren Theorie beruht das Arbeitsverfahren der Maschine von W. Rowbotham in Birmingham, England (D. R. P. Nr. 90726). Das Wesen der Erfindung besteht darin, das Explosivgemisch der Wirkung einer elektrischen, nicht Funken erzeugenden Entladung, und zwar vortheilhaft während der Zeit zu unterwerfen, wo dieses Gemisch sich in dem Arbeitscylinder oder der Verbrennungskammer unter Druck befindet. Eine derartige elektrische Entladung soll besonders zur Verdampfung des Oeles beitragen, die Treibkraft des Explosivgemisches vermehren, die Verbrennung jenes Gemisches vollkommener machen und die Entzündung desselben erleichtern. Diese Wirkungen entstehen, nach Meinung des Erfinders, durch den frei werdenden Sauerstoff, der durch die Wirkungen der nicht Funken gebenden Elektroden bezieh. deren Entladung auf das Explosivgemisch entwickelt wird. Die Regelmässigkeit der funkenlosen oder dunklen (Glimm-) Entladung wird bezüglich ihrer Intensität durch die Stärke der Stromquelle (eine möglichst constante Batterie bezieh. ein Accumulator) und die Beschaffenheit der Inductionsspule, bezüglich der Zeitintervalle durch einen den Stromschluss bewirkenden schwingenden, durch eine beliebige Regelungsvorrichtung geregelten Theil der Maschine bewirkt. Die vortheilhafte Wirkung dieser Entladung beruht auf folgenden Anschauungen des Erfinders: Ozon ist ein Gas, welches bekanntlich weit activer ist als der gewöhnliche Sauerstoff, weshalb alle Oxydationen mittels Ozon viel energischer erfolgen, da bei denselben 32,4 Calorien mehr entwickelt werden, als bei den Oxydationen mit gewöhnlichem Sauerstoff. Ist daher in dem Explosionsgemische des Arbeitscylinders der Maschine Ozon vorhanden, so wird beim Durchschlagen des Zündfunkens die Oxydation, d.h. die Verbrennung des Gemisches, ebenfalls bedeutend schneller und unter grösserer Wärmeentwickelung erfolgen, mit anderen Worten, die Explosion muss eine energischere sein als bei Anwesenheit von blossem Sauerstoff. Dies ist die Wirkung, welche durch Anwendung der Glimmentladung angestrebt wird. a1 ist der Cylinder, b1 sind die Arbeitskolben, c der Verbrennungsraum, in welchem die zündfähigen Gemische erzeugt und entzündet werden, c1 ein Futter aus feuerbeständiger und Wärme schlecht leitender Masse, wie Asbest, Porzellan, womit die Verbrennungskammer ausgekleidet ist, ebenso sind die einander zugekehrten Enden der Arbeitskolben mit einem Futter aus derartiger Masse versehen. In Fig. 17 sind mit d0 zwei Elektroden oder Poldrähte eines elektrischen Stromkreises bezeichnet; diese Elektroden bestehen aus Metall mit Spitzen aus Platin oder einem anderen passenden Material und ragen in die schon erwähnte Kammer c hinein. Die freien inneren Enden dieser Elektroden sind in einer solchen Entfernung von einander angeordnet, dass zwischen ihnen nicht Funken überspringen können. Die äusseren Enden der Elektroden liegen in verstellbaren Hülsen oder Büchsen d, welche mit Hilfe eines Gewindes oder anderer Vorrichtungen in den Muffen a passend verstellt werden können. Die Muffen a sind mit dem Cylinder a1 aus einem Stücke gefertigt. Die Elektroden d0 sind von ihren Büchsen d durch eine Isolirschicht getrennt und mit Klemmschrauben d1 zwecks Befestigens der elektrischen Leitungsdrähte ausgerüstet. Ein zweites Paar von Elektroden e0 sind in ähnlichen isolirten Haltern, wie diejenigen der Elektroden d0, befestigt. Die Halter sind auch in am Cylinder a1 sitzenden Muffen verstellbar und in Folge dessen auch die Enden der Elektroden e0. Letztere werden nun so eingestellt, dass ein oder mehrere Funken zwischen den Spitzen dieser Elektroden überspringen und die Ladung entzünden, sobald ein Strom nach diesen Elektroden fliesst. In gleicher Weise wie die Elektroden d0 haben auch die Elektroden e0 Klemmschrauben e1 zum Befestigen der elektrischen Leitungsdrähte. Textabbildung Bd. 308, S. 185 Fig. 17. Maschine von Rowbotham. Die Stromkreise, welche den funkenlosen und den Funkenelektroden d0 bezieh. e0 Strom zuführen, sind in der aus der Zeichnung ersichtlichen Weise angeordnet. f0 ist eine Inductionsspule, deren Primärwindungen f in den Stromkreis einer elektrischen Batterie oder einer anderen Stromquelle eingeschaltet liegt; der Stromkreis f kann mit Hilfe von Contactvorrichtungen bei f1f2 geöffnet und geschlossen werden. Die secundäre Windung g der Inductionsspule liegt in demselben Stromkreise wie die Elektroden d0 und e0, und es ist dieser letztere Stromkreis ebenfalls mit Ausschaltvorrichtungen g1g2g3 versehen. Die Contactvorrichtungen f1f2 des Primärstromkreises und diejenigen g1g2 g3 des Secundärstromkreises sind so in einem sich bewegenden Theile der Maschine angeordnet, dass in dem Augenblicke, wo die sich nach einwärts bewegenden Kolben b1 die Ladung verdichten, die Primärcontacte f1 und f2, sowie die Secundärcontacte g1 und g2 geschlossen werden und die funkenlosen Elektroden d0 zur Wirkung gelangen. Haben die Kolben ihren Einwärtshub vollendet und ist daher das Explosivgemisch unter stärkstem Drucke, so werden die Contacte g1g2 geöffnet, die Contacte g2g3 dagegen geschlossen, während die Contacte f1f2 noch weiter geschlossen bleiben. Hierdurch werden die funkenlosen Elektroden d0 ausgeschaltet, die Funkenelektroden e0 dagegen eingeschaltet und die Ladung entzündet. Ist dies geschehen, so werden alle Contacte geöffnet und gelangen erst wieder bei dem nächsten Einwärtshube der Kolben zur Thätigkeit. (Fortsetzung folgt.) Metallbearbeitung. Neuere Fräsemaschinen und Werkzeuge. (Fortsetzung des Berichtes S. 164 d. Bd.) Mit Abbildungen. Neuere Fräsemaschinen und Werkzeuge. P. Langbein's Blechkantenformfräsemaschine. Um die beliebig begrenzten Aussparungen an Rahmenplatten für Locomotiven mittels Walzenfräser zu bearbeiten, wendet Ingenieur P. Langbein in Soronno, Italien, Fräsemaschinen mit Gelenkrahmen an, die nach Art von Flügelbohrmaschinen ausgestaltet sind, deren senkrechtes Spindellager in Folge der innewohnenden Universalbeweglichkeit in der wagerechten Ebene mittels Leitrollen an Führungsschablonen geleitet wird, wodurch die Bearbeitung der Formkanten fast selbsthätig erfolgen kann. Selbstverständlich wird gleichzeitig mindestens ein Rahmenpaar der Bearbeitung unterworfen und damit nebst Beschleunigung der Arbeit noch der weitere Vortheil gleicher Werkstücke im Paare erhalten. (D. R. P. Nr. 76205.) Textabbildung Bd. 308, S. 186 Fig. 21. Langbein's Blechkantenformfräsemaschine. Die Leitschablonen a (Fig. 21) werden aus Winkelstahlen gebogen, in einer dem parallelen Abstande zur Bearbeitungskante entsprechenden Vergrösserung geformt und am oberen Rahmen befestigt. Wenn aber mittels eines Scheibenfräsers f Bördelbleche abgeschnitten werden sollen, so gewährt schon der Blechbord b dem Werkzeuge die erforderliche Führung, wozu, wie aus Fig. 22 ersichtlich ist, die in einem Arm c des Spindellagers eingesetzte schmale Leitrolle d dient. Textabbildung Bd. 308, S. 186 Langbein's Blechkantenformfräsemaschine. Werden aber Rahmenplatten g (Fig. 24 und 25) mittels Cylinderfräser h bearbeitet, so geht die in einem Arm i lagernde Leitrolle k an der vorerwähnten Führungsschablone a. In diesem Arm ist noch das Winkellager l für die Spurschraube m des Fräsewerkzeuges h eingeschaltet, der Arm i selbst aber senkrecht stellbar gemacht, wodurch nöthig werdende Höheneinstellungen der Spindel ermöglicht sind. Damit aber unter der Wirkung der Schnittkraft der Fräser nicht ausweiche, ist eine aus zwei Rollen n zusammengestellte Rückenführung o vorgesehen, deren Rollenlager ausrückbar bezieh. durch Feder- oder Gewichtsbelastung in ihrem Andrucke regelbar gemacht sind. Um aber bei einer Kehrwendung der Führungsschablonen die richtige Lage des Fräsers zu sichern, sind diese drei Führungsrollen w, n und k in einem Gabelstück p angeordnet, welcher um das Lager der Fräsespindel q axiale Schwingungsbewegung durchführen kann. Mittels Schneckentriebwerke wird endlich auf eine der beiden Rückenrollen n die Schaltbewegung von der Fräsespindel abgeleitet. Gebaut werden diese Maschinen in Deutschland von der Maschinenfabrik Esslingen in Esslingen. Cincinnati's Universalfräsemaschine. Diese in Fig. 26 dargestellte und von der Cincinnati Milling Machine Company in Cincinnati, Ohio, gebaute Fräsemaschine mit Winkeltisch (vgl. D. p. J. 1891 282 * 145) zeigt die wesentlichen Einrichtungen einer Universalmaschine leichterer Bauart mit 83 mm starker Spindel und 900 k Gesammtgewicht. Im Hohlgestell a lagert die Spindel b mit Stufenscheibe d und darüber liegendem Gegenarm c für den Fräserdorn f. Vierläufige Stufenscheiben g und h besorgen die Schaltbewegung durch Winkel wellen i und k und mittels Schneckentriebwerks l auf das Tischwerk. Mittels schräg über Eck gestellter Kurbelwelle m wird durch Schraubenspindel n der Tischwinkel o gehoben, worauf ein Schlitten p durch Spindel q parallel zur Fräsespindel verlegt wird, während die darauf befindliche Führung r für den Schlittentisch s Winkelstellungen erhalten kann. (American Machinist, 1892 Bd. 15 Nr. 34 * S. 10.) Textabbildung Bd. 308, S. 186 Fig. 26. Cincinnati's Universalfräsemaschine. Fr. Holz' Fräsemaschine mit Winkeltisch. Bemerkenswerth ist bei dieser von Frederick Holz in Cincinnati construirten Fräsemaschine das Schaltwerk des Winkeltisches mit dem Längs- und Querschlitten, von welchem der letztere die übliche Drehverstellung erhalten kann. Nach American Machinist, 1896 Bd. 19 Nr. 9 S. 247, werden von der Fräsespindel mittels Stirnräder a (Fig. 27 bis 29) die Stufenscheiben b betrieben, wobei durch einen besonderen Riemenführer c der Steuerriemen während des Ganges verlegt und demgemäss die Schaltbewegung geändert werden kann. Durch eine gelenkige Fernrohrwelle d wird ein Dreiradwendetriebwerk f, damit Stirnräder g und h bethätigt, wodurch eine Keilnuthwelle i betrieben wird, die über die Stirnfläche des Tischwinkels vorragt, wobei Aufsteckräder die Verbindung mit der Längsspindel k herstellen, durch die der Schlitten l Längsschaltung parallel zur Fräsespindel erhält. Auf dieser ist die Führungsplatte m für den Quertisch n dreh verstellbar, wozu eine kreisförmige Spannuth dient. Naturgemäss kann der Schaltbetrieb der genutheten Schraubenspindel o mittels Winkelräder p bezieh. durch die im Schlittendrehstück m festliegende Spindelmutter q nur durch ein in der Drehstückachse liegendes senkrechtes Wellenstück s vermittelt werden, wozu Stirnräder t mit Winkelwelle u die Verbindung mit der Keilnuthwelle i herstellen. Des weiteren wird ferner mittels ausrückbarer Schraubenräder v und Winkelräder w die stehende Spindel x im Winkeltisch getrieben und mit dieser in der Hochlage eingestellt oder unter Umständen auch geschaltet. Im letzteren Fall dient ein Anschlaggestänge y zur selbsthätigen Ausrückung des Schraubenrades v, während die Längsschaltung des Schlittens l durch das Hebel- und Anschlagwerk z die selbsthätige Begrenzung findet. In Fig. 30 ist das selbstspannende Büchsenlager für den Fräserdorn gezeigt, welcher im Hörn (Fig. 27) seinen Platz findet. Textabbildung Bd. 308, S. 187 Holz' Fräsemaschine mit Winkeltisch. Fétu-Defize's Fräsemaschine mit liegender Spindel. Von Fétu-Defize in Lüttich wird bei kleineren Winkeltischfräsemaschinen (vgl. D. p. J. 1895 295 * 170) der Schaltbetrieb von der Fräsespindel durch doppelte Riemenschnurrollen a, b und c (Fig. 31) abgeleitet und mittels eines Schneckentriebwerkes d mit universal drehbarem Schneckenradlager mittels einer gelenkig angeschlossenen Welle f, welche sich durch die Nabe des Schneckenrades verschiebt, weiter auf ein Schneckentriebwerk g des oberen Fräsetisches h geführt, deren Schraubenspindel ebenfalls zur Drehschaltung des Theilkopfes i herangezogen wird. Textabbildung Bd. 308, S. 187 Fig. 31. Fétu-Defize's Fräsemaschine mit liegender Spindel. P. Hoffmann's Schaltwerk an Winkeltischfräsemaschinen. Durch ins Schnelle übersetzende Stirnr