Titel: Vorbericht
Fundstelle: 1828, Band 30
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/journal/preface/pj030

Das Polytechnische Journal hat, seit neun Jahren, dreyßig Bände geliefert, und Deutschland mit den Erfindungen Englands und Frankreichs mit einer Schnelligkeit bekannt gemacht, wie man sie bisher bei uns nicht kannte: denn, was zu London und Paris in technischer Hinsicht Neues bekannt gemacht wurde, erfuhr Deutschland durch unsere Blätter in längstens 4–6 Wochen, wenn nicht die Arbeit der Kupferstecher oder die Menge der vorräthigen Materialien bei dem beengten Raume unserer Blätter, einen längeren Aufschub unvermeidlich machte. Seit diesen neun Jahren sind mehrere Anstalten und periodische Blätter zur Förderung der deutschen Industrie hervorgetreten. Während unser Polytechnisches Journal von mehr als einem Duzende anderer deutschen Journale und Zeitschriften auf die unverschämteste Weise geplündert wurde,*) haben wir die übrigen deutschen technischen Zeitschriften, in der Ueberzeugung, daß sie unter unseren Landsleuten jene Aufmerksamkeit gefunden haben, welche sie verdienen, unberührt gelassen, und nur zuweilen, wo es das Interesse des Gegenstandes oder des Verfassers forderte, immer aber mit gewissenhafter Angabe der Quelle, benüzt.

Ob wir zur Förderung des Kunst- und Gewerbfleißes in Deutschland etwas beitrugen, darüber erwarten wir nicht das Urtheil unseres Zeitalters, sondern desjenigen, welches auf uns, wie auf unsere Gönner und Gegner, folgen wird. Wenn klügere und verständigere, als wir, in der Folge noch mehr leisten werden, als wir bei unseren beschränkten Mitteln nicht zu leisten vermochten; wenn glüklichere Verhältnisse, als die unserigen, sie in den Stand sezen sollten, der armen arbeitenden, von allen Seiten bedrükten Classe fleißiger Bürger ein reichlicheres Almosen zu spenden, als wir in unseren Blättern gethan haben – (denn eigentlich ist es nur dieses, was der edle Freyherr v. Cotta als Verleger und die Mitarbeiter an diesen Blättern mit dem Herausgeber beabsichtigen, die alle eben so sehr entfernt sind, an dieser Zeitschrift Gewinn zu suchen, als zu haben); – wann einst die Zeit kommen wird, in welcher man einsehen gelernt hat, daß zwekmäßiger Unterricht der größten Classe unserer Bürger, der akerbauenden und der gewerbfleißigen, weit wichtiger für jeden Staat ist, als leere Philosopheme für das kleine Corps der verwaltenden Classe; daß jener Staat der glüklichste ist, der die fleißigsten, geschiktesten, in ihren verschiedenen Gewerben am besten unterrichtetet: Bürger besizt; dann wird man vielleicht auch uns die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß wir die Ersten gewesen sind, die unsere lieben Landsleute auf die Fortschritte des Auslandes in technischer Hinsicht auf eine Weise aufmerksam machten, die man bisher in Deutschland, obschon in der technischen Welt so Vieles und oft Alles von dem Vorsprunge abhängt, um welchen man anderen in der Zeit voraus ist, noch nicht gekannt hat, und die man, zur Ehre und zum Troste deutscher Gewerbsleute und Fabrikanten sey es gesagt, auch in England und in Frankreich noch nicht kennt: denn in Frankreich werden englische und in England französische Erfindungen oft anderthalb und zwey Jahre später als bei uns in Deutschland durch unser Polytechnisches Journal bekannt gemacht.

Das Polytechnische Journal erscheint fortan nach dem bisherigen Plane monatlich zu zwey Heften von 5 bis 6 Bogen und den dazu erforderlichen Kupfertafeln. Jeder Jahrgang wird mit einem vollständigen Sachregister versehen und bildet für sich ein Ganzes.

Originalaufsäze über wichtige Verbesserungen oder neue Erfindungen werden entsprechend honorirt.

Buchhändler, die ihre technischen Verlagsartikel und Verfasser, die ihre Werke zur Bekanntmachung an uns einsenden, werden dieselben in dem ersten nach Empfang ihrer Einsendung erscheinenden Hefte angezeigt finden. Auch begleitet dieses Journal ein Anzeiger für Bekanntmachungen literarischer und anderer (Gegenstände. Correspondenzen über Anfragen, Anstellungsgesuche, Verkaufsgegenstände etc., besorgt die Expedition der Verlagshandlung. Bestellungen auf dieses Journal nehmen alle inn- und ausländischen Postämter und Buchhandlungen an. Der Jahrgang, welcher für sich ein Ganzes bildet, kostet wie bisher 16 fl. oder 9 Rthlr. 8 ggr.

Der Herausgeber.

Wenn wir blos die Titel der Aufsäze, die man aus unserem polytechnischen Journale, ohne desselben auch nur mit einer Sylbe zu erwähnen, in andern deutschen Journalen und Zeitungen wörtlich wieder abdrukten, mit Angabe der Titel dieser Plagiats-Anstalten verzeichnen und herausgeben wollten, so würden wir einen dickleibigen Octavband damit füllen können. Wir ließen dieß neun Jahre lang ungeahndet geschehen, werden aber künftig jeden Redacteur, der sich solche Freibeuterei erlaubt, dem Publikum als denjenigen vorstellen, der er ist: als literarischer Gauner und Dieb.

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